Kapitel 32

Alma 40 bis 42

Das Buch Mormon – Leitfaden für den Schüler


Einleitung

Was geschieht mit uns nach dem Tod? In Alma 40 bis 42 geht es um die Worte Almas an seinen widerspenstigen Sohn Korianton, der eine ähnliche Frage stellte. Als Antwort darauf spricht Alma über die Geisterwelt, das Jüngste Gericht, die Auferstehung, das Gesetz der Wiederherstellung und darüber, wie ein Sünder bestraft wird. Am Ende der Unterweisung Koriantons geht er darauf ein, wie unser Leben aussähe, wenn es Umkehr, Sünde, Gesetz und Strafe nicht gäbe. Mithilfe von Almas Antworten an seinen Sohn Korianton können wir den Plan des Glücklichseins und die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes besser verstehen und wie sich all das auf unseren ewigen Fortschritt auswirkt.

Kommentar

Alma 40:4-10. „Alles ist bei Gott wie ein einziger Tag“

  • Nachdem Alma gegenüber Korianton Zeugnis abge-legt hatte, dass die Auferstehung Wirklichkeit ist, erklärte er, dass er sich nicht sicher sei, zu welchem Zeitpunkt alle Menschen auferstehen. Diese Angelegenheit war für Alma von geringer Wichtigkeit, denn, so sagte er, „alles ist bei Gott wie ein einziger Tag“ (Alma 40:8). Der Prophet Joseph Smith (1805–1844) hat kundgetan, dass für Gott alles „offenbar ist“, „Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges – und sich beständig vor dem Herrn befindet“ (LuB 130:7).

    Elder Neal A. Maxwell (1926–2004) vom Kollegium der Zwölf Apostel hat erklärt, inwiefern alles auf die Weise Gottes geschieht:

    „Das Erlösungswerk Gottes war schon lange im Gange, bevor auf dieser Erde die Zeit ihren Lauf nahm – und er wird dieses Werk noch fortführen, wenn es die irdische Zeit nicht mehr gibt (siehe LuB 88:110; Alma 40:8). …

    Glücklicherweise wird danach alles auf Gottes Weise geschehen, nicht auf unsere (siehe LuB 104:16). Dann werden Gottes Absichten, seine Geduld, seine Macht und seine umfassende Liebe, die schon am Wirken waren, bevor es die Zeit gab, weiterhin wirken, selbst dann noch, wenn es die Zeit nicht mehr gibt (siehe LuB 84:100; Alma 40:8).

    Diese und andere Wahrheiten sind es, was Paulus die ‚Tiefen Gottes‘ nannte (1 Korinther 2:10).“ (A Wonderful Flood of Light, 1990, Seite 50,58f.)

    Der Prophet Joseph Smith sagte außerdem: „Der große Jahwe hat alle Ereignisse erwogen, die die Erde betreffen und mit dem Plan der Erlösung zu tun haben – lange ehe die Erde ins Dasein trat oder, wie es heißt, ‚die Morgensterne jauchzten‘. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind für ihn ein einziges, ewiges Jetzt.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 451f.)

Alma 40:11. Der Geist aller Menschen wird „zu dem Gott heimgeführt …, der ihm das Leben gegeben hat“

  • Wenn man nach dem Tod in die Geisterwelt gelangt und nicht in die tatsächliche Gegenwart Gottes, wie sind dann die Worte Almas zu verstehen?

    Präsident Joseph Fielding Smith (1876–1972) hat erläutert, dass Alma nicht unbedingt meinte, dass wir in die Gegenwart Gottes zurückgebracht werden: „Mit diesen Worten Almas [40:11], wie ich sie verstehe, soll nicht der Gedanke vermittelt werden, dass alle Geister in die Gegenwart Gottes zurückkehren, damit er ihnen einen Ort des Friedens oder der Strafe zuweist und sie vor ihm ihren individuellen Richterspruch empfangen. ,Zu … Gott heimgeführt‘ [vgl. Kohelet 12:7] bedeutet einfach, dass ihre irdische Existenz ein Ende hat und sie in die Welt der Geister zurückgekehrt sind, wo ihnen gemäß ihren Werken ein Ort bei den Gerechten oder den Ungerechten zugewiesen wird, an dem sie die Zeit ihrer Auferstehung erwarten. ,Zurück zu Gott‘ ist ein Begriff, der auch unter anderen wohlbekannten Umständen Entsprechungen hat. Nehmen wir das Beispiel eines Mannes, der eine bestimmte Zeit im Ausland auf Mission war. Wenn er entlassen wird und in die Vereinigten Staaten zurückkehrt, sagt er vielleicht: ,Es ist wunderbar, wieder zu Hause zu sein‘, obwohl er möglicherweise irgendwo in Utah oder Idaho oder sonst irgendwo im Westen zu Hause ist.“ (Answers to Gospel Questions, Hg. Joseph Fielding Smith Jr., 5 Bände, 1957–1966, 2:85.)

    Präsident George Q. Cannon (1827–1901) von der Ersten Präsidentschaft hat gesagt: Alma „wollte nicht den Gedanken vermitteln, dass sie sofort in die unmittelbare Gegenwart Gottes gelangen. Er meint diesen Satz offenbar ein wenig anders.“ (Gospel Truth: Discourses and Writings of President George Q. Cannon, Hg. Jerreld L. Newquist, 1987, Seite 58.)

Alma 40:11-15. Der Zustand der Seele zwischen dem Tod und der Auferstehung

  • Mithilfe der folgenden Erläuterung können wir den Zustand der Geister zwischen dem Tod und der Auferstehung noch besser verstehen: „Nach dem Tod des irdischen Körpers lebt der Geist weiter. In der Geisterwelt wird der Geist eines rechtschaffenen Menschen ,in einen Zustand des Glücklichseins aufgenommen, den man Paradies nennt, einen Zustand der Ruhe, einen Zustand des Friedens, wo er von all seinen Beunruhigungen und von allem Kummer und aller Sorge ausruhen wird‘ (Alma 40:12). Diejenigen, ,die in ihren Sünden gestorben [sind], ohne die Wahrheit gekannt zu haben, oder in Übertretung, da sie die Propheten verworfen [haben]‘, halten sich im Gefängnis der Geister auf (LuB 138:32). Dort werden sie über den Glauben an Gott, die Umkehr von der Sünde, die stellvertretende Taufe zur Sündenvergebung, die Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen und alle anderen Grundsätze des Evangeliums, die sie kennen müssen, belehrt (LuB 138:33,34). Wenn sie die Grundsätze des Evangeliums annehmen, von ihren Sünden umkehren und die heiligen Handlungen, die für sie im Tempel vollzogen werden, annehmen, werden sie ins Paradies aufgenommen.“ (Treu in dem Glauben – ein Nachschlagewerk zum Evangelium, Seite 179.)

  • Präsident Brigham Young (1801–1877) hat erklärt, dass die Geisterwelt und der Aufenthaltsort Gottes nicht dasselbe sind: „Wenn man diese sterbliche Hülle niederlegt, wohin geht man dann? In die Geisterwelt. Befindet man sich dann in Abrahams Schoß? Nein, nicht einmal annähernd dort, sondern in der Geisterwelt. Wo ist denn die Geisterwelt? Sie ist genau hier. Gehen gute und schlechte Geister gemeinsam dorthin? Jawohl. Befinden sie sich in demselben Reich? Jawohl. Gehen sie zur Sonne? Nein. Bewegen sie sich über die Grenzen der gestalteten Erde hinaus? Nein, das tun sie nicht. Sie kommen auf dieser Erde hervor.“ (Discourses of Brigham Young, Hg. John A. Widtsoe, 1954, Seite 376.)

Alma 40:16-22. Die erste Auferstehung

  • Alma sprach von der ersten Auferstehung in Relation zur irdischen Zeit. Jesus Christus sollte als Erster auferstehen, wenig später gefolgt von den Rechtschaffenen, die von Anbeginn der Zeit unserer Erde bis zum Zeitpunkt der Auferstehung Christi gelebt hatten und gestorben waren (siehe Alma 40:16, 20; LuB 133:54,55). Diese Auferstehung nannte Alma die erste Auferstehung.

  • Präsident Joseph Fielding Smith hat darauf hingewiesen, dass die erste Auferstehung verschiedene Ereignisse umfasst und in unterschiedlichen Zeiträumen stattfindet:

    „Es gab eine allgemeine Auferstehung der Rechtschaffenen zu der Zeit, als Christus sich von den Toten erhob. Wir bezeichnen dennoch üblicherweise die Auferstehung der Gerechten beim Zweiten Kommen Christi als erste Auferstehung. Für uns ist sie die erste, denn die Vergangenheit kümmert uns wenig. Der Herr hat verheißen, dass sich zur Zeit seines Zweiten Kommens die Gräber öffnen und die Rechtschaffenen hervorkommen werden, um mit ihm tausend Jahre lang auf der Erde zu herrschen. …

    Zur Zeit des [Zweiten] Kommens Christi werden diejenigen, ,die in ihren Gräbern geschlafen haben, … hervorkommen, denn ihre Gräber werden sich öffnen; und auch sie werden entrückt werden, um ihm in der Mitte der Himmelssäule zu begegnen – sie gehören Christus: die Erstlingsgabe, diejenigen, die als Erste mit ihm herniedersteigen werden, und diejenigen, die auf Erden und in ihren Gräbern sind, die zuerst entrückt werden, um ihm zu begegnen; und das alles, wenn der Engel Gottes die Stimme der Posaune ertönen lassen wird‘ [LuB 88:97,98]. Das sind die Gerechten, ,deren Namen im Himmel aufgeschrieben sind, wo Gott und Christus die Richter aller sind. Das sind diejenigen, die gerechte Menschen sind, vollkommen gemacht durch Jesus, den Mittler des neuen Bundes, der mit dem Vergießen seines eigenen Blutes dieses vollkommene Sühnopfer bewirkt hat.‘ [LuB 76:68,69.]

    Im Anschluss an dieses großartige Ereignis, nachdem der Herr und die Rechtschaffenen, die entrückt werden, um ihm zu begegnen, auf die Erde herabgekommen sind, wird sich noch eine weitere Auferstehung begeben. Diese kann man auch als Teil der ersten Auferstehung ansehen, obwohl sie erst später stattfindet. In dieser Auferstehung kommen diejenigen hervor, die einer terrestrialen Ordnung angehören, die nicht würdig waren, entrückt zu werden, um ihm zu begegnen, die aber würdig sind, hervorzukommen und die tausendjährige Herrschaft mitzuerleben.“ (Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 3 Bände, 1954–1956, 2:295ff.)

  • Elder Bruce R. McConkie (1915–1985) vom Kollegium der Zwölf Apostel hat zur ersten Auferstehung, die auch als die Auferstehung der Gerechten und als Auferstehung zum Leben bezeichnet wird, Folgendes erklärt: „Diejenigen, die am Morgen dieser Auferstehung hervorkommen, haben einen celestialen Körper und ererben die celestiale Herrlichkeit. Sie sind diejenigen, die Christus als Erstlingsgabe gehören. Diejenigen, die am Nachmittag dieser Auferstehung hervorkommen, erhalten einen terrestrialen Körper und ererben folglich auch dieses Reich. Sie werden als diejenigen beschrieben, die Christus bei seinem Kommen gehören. Alle, die bisher auferstanden sind, haben einen celestialen Körper erhalten. Das Hervorkommen terrestrialer Wesen beginnt erst nach dem Zweiten Kommen. (LuB 76:50-80; 88:95-99.)“ (Doctrinal New Testament Commentary, 3 Bände, 1971–1973, 1:196.)

Alma 40:23. „Zu seiner rechten und vollkommenen Gestalt“

  • Elder Dallin H. Oaks vom Kollegium der Zwölf Apostel hat darauf hingewiesen, wie tröstlich es ist, zu wissen, dass Schäden bei der Auferstehung behoben werden:

    „Welch ein Trost ist es zu wissen, dass alle, die in diesem Leben aufgrund von Geburtsfehlern, Verletzungen, Krankheit oder aufgrund der natürlichen Altersschwäche benachteiligt waren, in ihrer ,rechten und vollkommenen Gestalt wiederhergestellt werden‘. …

    Die Zusicherung der Auferstehung gibt uns die Kraft und die Perspektive, um den irdischen Herausforderungen zu begegnen, die vor uns und denen, die wir lieben, liegen, zum Beispiel körperliche, geistige oder emotionale Behinderungen, die wir von Geburt an mitbringen oder während des Lebens bekommen. Aufgrund der Auferstehung wissen wir, dass diese sterblichen Unzulänglichkeiten nur vorübergehend sind.“ (Liahona, Juli 2000, Seite 17ff.)

  • Präsident Joseph F. Smith (1838–1918) hat sich dazu geäußert, was mit Missbildungen bei der Auferstehung geschieht: „Deformierungen vergehen, Behinderungen verschwinden, und die Menschen werden die Vollkommenheit ihres Geistes erlangen, nämlich die Vollkommenheit, die Gott im Anbeginn vorgesehen hat. Es ist seine Absicht, dass die Menschen, seine Kinder, die dazu geboren sind, Erben Gottes und Miterben mit Christus zu werden, vollkommen werden, und zwar sowohl in physischer wie in geistiger Hinsicht – durch den Gehorsam gegenüber dem Gesetz, durch das er das Mittel bereitet hat, dass alle seine Kinder vollkommen werden können.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph F. Smith, Seite 92.)

Alma 40:26. „Ein furchtbarer Tod kommt über die Schlechten“

  • Aus der folgenden Aussage geht hervor, was mit diesem „furchtbare[n] Tod“ gemeint ist: „In den heiligen Schriften lesen wir manchmal von der Errettung vom zweiten Tod. Der zweite Tod ist der endgültige geistige Tod – von der Rechtschaffenheit abgeschnitten zu sein und keinen Platz in einem der Reiche der Herrlichkeit zu haben (siehe Alma 12:32; LuB 88:24). Der zweite Tod wird erst nach dem Jüngsten Gericht eintreten und nur sehr wenige Menschen betreffen (siehe LuB 76:31-37). Nahezu jedem Menschen, der je auf der Erde gelebt hat, ist die Errettung vom zweiten Tod gewiss (siehe LuB 76:40-45).“ (Treu in dem Glauben, Seite 46.)

Alma 41. Das Gesetz der Wiederherstellung

  • Wie auch viele Menschen heutzutage mag Korianton sich gefragt haben, warum es wichtig ist, rechtschaffen zu leben, wenn doch jeder Mensch die Segnungen der Auferstehung empfängt. In Alma 41 geht es um eben-diese Frage.

    Was sich aus dem Gesetz der Wiederherstellung ergibt, hängt für die Kinder des himmlischen Vaters davon ab, wie treu sie im Halten seiner Gebote waren. Deshalb erklärte Alma seinem Sohn Korianton, dass man nicht „von Sünde zum Glücklichsein wiederhergestellt werden“ kann (Alma 41:10). Das ist verwandt mit dem Gesetz der Ernte: Wir werden das ernten, was wir säen (siehe Galater 6:7; LuB 130:20,21). Alma hielt seinen Sohn an, „beständig Gutes“ zu tun, damit ihm „wiederum Gutes als Lohn zuteil werden“ könne. „Denn das, was du aussendest, das wird wieder zu dir zurückkehren und wiederhergestellt werden.“ (Alma 41:14,15.)

    Gemäß Almas Worten an seinen Sohn ergibt sich aus dem Gesetz der Wiederherstellung auch, dass der Körper bei der Auferstehung vollkommen wiederhergestellt wird. „Die Seele wird dem Leib wiederhergestellt werden … ; ja, auch nicht ein Haar des Hauptes wird verloren sein.“ (Alma 40:23.) Der Grad der Herrlichkeit des auferstandenen Körpers jedoch hängt vom Grad der Glaubenstreue des jeweiligen Menschen ab (siehe LuB 88:28-32).

Alma 41:10. „Schlecht zu sein hat noch nie glücklich gemacht“

  • Die folgende Aussage unterstreicht, wie wichtig es ist, nach den Grundsätzen des Evangeliums zu leben, wenn man glücklich sein möchte:

    „Viele Menschen suchen Glück und Erfüllung in Verhaltensweisen, die nicht im Einklang mit den Geboten des Herrn stehen. Sie ignorieren den Plan, den Gott für sie hat, und lehnen damit die einzige Quelle wahren Glücks ab. Sie hören auf den Teufel, der danach trach-tet, ,dass alle Menschen so elend seien wie er selbst‘ (2 Nephi 2:27). Schließlich erkennen sie, dass Alma mit seiner Warnung an seinen Sohn Korianton Recht hatte: ,Schlecht zu sein hat noch nie glücklich gemacht.‘ (Alma 41:10). …

    Vergessen Sie bei Ihrem Streben nach Glück nie, dass das Evangelium der einzige Weg zu wahrem Glück ist. Wenn Sie sich bemühen, die Gebote zu halten, wenn Sie um Kraft beten, von Ihren Sünden umkehren, sich sinnvollen Beschäftigungen widmen und hilfreichen Dienst leisten, finden Sie stilles, ewiges Glück. Sie werden lernen, wie man Spaß haben kann, ohne die Grenzen zu überschreiten, die der himmlische Vater in seiner Liebe gesetzt hat.“ (Treu in dem Glauben, Seite 81f.)

Alma 42:1-10. „Eine Bewährungszeit“

  • Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf Apostel hat den Zweck der Bewährungszeit erklärt, die wir Erdenleben nennen: „Der Hauptzweck des Erdenlebens besteht darin, dass unser Geist, der schon existierte, bevor die Welt bestand, für eine Zeit großer Chancen mit unserem Körper vereinigt wird. Nur dank dieses Zusammenspiels zwischen Körper und Geist sind wir in der Lage, zu wachsen, uns zu entwickeln und zu reifen. Mit unserem Körper machen wir in diesem sogenannten Bewährungszustand unseres Daseins ein gewisses Maß an Prüfungen durch. Dies ist eine Zeit des Lernens und der Prüfung, in der wir beweisen können, dass wir der ewigen Möglichkeiten würdig sind. Das alles gehört zum göttlichen Plan unseres Vaters für seine Kinder.“ (Frühjahrs-Generalkonferenz 1989.)

  • Als Elder Ronald E. Poelman Mitglied der Siebziger war, erläuterte er, dass das irdische Leben eine Zeit sei, aus Gegensätzen zu lernen und zwischen ihnen zu wählen: „Zu dem Erlösungsplan, der uns in unserem vorirdischen Stand vorgelegt wurde und den wir angenommen haben, gehört auch die Bewährungszeit auf der Erde, wo wir Gegensätze erfahren, Entscheidungen treffen, die Folgen davon kennenlernen und uns darauf vorbereiten, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren. Widrigkeiten sind ein wesentlicher Teil davon. Dessen waren wir uns bewusst, als wir die Wahl trafen, auf die Erde zu kommen. (Siehe 2 Nephi 2:11-16.)“ (Frühjahrs-Generalkonferenz 1989.)

  • Elder William R. Bradford von den Siebzigern zog den Schluss, dass der Zweck des Lebens darin besteht, wie unser Vater im Himmel zu werden: „Das Leben ist eine Bewährungszeit. Es ist ein kostbares Geschenk, nämlich eine Zeit, in der wir lernen können, wie der himmlische Vater zu werden, indem wir die Lehren seines Sohnes Jesus Christus befolgen. Auf dem Weg, den er uns führt, herrscht kein Durcheinander. Er ist einfach und gerade und vom Geist erleuchtet.“ (Der Stern, Juli 1992, Seite 26.)

Alma 42:11-31. Das Gesetz der Gerechtigkeit und das der Barmherzigkeit

  • Präsident Boyd K. Packer, Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel, hat erläutert, dass uns durch das Opfer des Erlösers Barmherzigkeit angeboten wird, ohne das Gesetz der Gerechtigkeit zu verletzen:

    „Jeder von uns lebt in geistiger Hinsicht gewissermaßen auf Kredit. Eines Tages wird das Konto geschlossen und ein Ausgleich gefordert. Wie locker wir das gegenwärtig auch sehen mögen, wenn dieser Tag da ist und die Vollstreckung droht, werden wir in höchster Verzweiflung nach jemandem suchen, der uns zu Hilfe kommt.

    Aufgrund ewiger Gesetze kann keine Barmherzigkeit gewährt werden, wenn nicht jemand willens und in der Lage ist, den Preis zu bezahlen und uns auszulösen.

    Wenn es keinen Mittler gibt, wir keinen Freund haben, muss die Gerechtigkeit eindeutig voll zum Zuge kommen, ungemildert und erbarmungslos. Dann wird die volle Entschädigung für jede Übertretung, ob sie schwer oder auch nur geringfügig war, bis zum letzten Heller von uns gefordert werden.

    Seien Sie sich aber dessen bewusst: Die Wahrheit – die herrliche Wahrheit – verkündet, dass es einen solchen Mittler gibt.

    ,Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus.‘ (1 Timotheus 2:5.)

    Dank ihm kann uns Barmherzigkeit in vollem Maß zuteil werden, ohne das ewige Gesetz der Gerechtigkeit zu verletzen.

    Scales showing justice

    Diese Wahrheit ist die Wurzel jeglicher christlichen Lehre. …

    Barmherzigkeit wird uns nicht automatisch gewährt, sondern nur durch einen Bund mit dem Herrn. Er setzt die Bedingungen fest. Sie sind großzügig und schließen als absolut unerlässlich die Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden ein.

    Scales showing justice and mercy

    Die gesamte Menschheit kann unter dem Gesetz der Gerechtigkeit Schutz finden, und gleichzeitig kann jedem Einzelnen von uns die erlösende und heilende Segnung der Barmherzigkeit angeboten werden.“ (Frühjahrs-Generalkonferenz 1977.)

  • Elder Neal A. Maxwell hat dazu gesagt: „Die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes sind offensichtlich so vollkommen, dass es beim letzten Gericht keine Klagen geben wird, auch nicht von Seiten derer, die einst in Frage stellten, was Gott ihnen im Erdenleben zugeteilt hatte (siehe 2 Nephi 9:14,15; Alma 5:15-19; 12:3-14; 42:23-26, 30).“ (Liahona, Juli 2000, Seite 89.)

Alma 42:18-30. Gewissensqual

  • Präsident Boyd K. Packer hat erklärt, welchen Wert Gewissensqual haben kann:

    „Ich habe vor, die Schmerzen derer zu lindern, die unter den so unangenehmen Schuldgefühlen leiden. Ich fühle mich wie ein Arzt, der zu Beginn der Behandlung sagt: ,Es tut vielleicht ein bisschen weh.‘

    Jeder von uns hat zumindest den Schmerz des schlechten Gewissens schon gespürt, der sich einstellt, wenn man einen Fehler gemacht hat.

    Johannes hat gesagt: ,Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.‘ [1 Johannes 1:8.] Dann sagt er es noch deutlicher: ,Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn [den Herrn] zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.‘ [1 Johannes 1:10.]

    Jeder von uns hat manchmal ein schlechtes Gewissen – manchem geht es die meiste Zeit so –, weil wir etwas falsch gemacht oder etwas nicht erledigt haben. Dieses Schuldgefühl ist für den Geist das gleiche wie Schmerzen für den physischen Körper. …

    Wir alle machen Fehler. Manchmal schaden wir uns selbst und verletzen andere so schwerwiegend, dass wir nicht aus eigener Kraft für Wiedergutmachung sorgen können. Wir zerbrechen etwas, was wir nicht reparieren können. Dann haben wir Schuldgefühle, fühlen uns gedemütigt, leiden und kommen allein nicht dagegen an. Dann hilft die heilende Kraft des Sühnopfers.

    Der Herr hat gesagt: ,Siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen, sofern sie umkehren‘ [LuB 19:16].“ (Liahona, Juli 2001, Seite 25,27.)

  • Präsident Spencer W. Kimball (1895–1985) hat darüber gesprochen, wie wertvoll ein empfindsames Gewissen ist: „Wie wunderbar, dass Gott uns diesen empfindlichen, aber starken Führer, mitgegeben hat, den wir Gewissen nennen! Jemand hat dafür einen treffenden Ausspruch geprägt: ,Das Gewissen ist ein Funke des Himmels, den Gott in jeder Seele entzündet hat, um sie zu retten.‘ Das Gewissen ist zweifellos das Mittel, wodurch dem Menschen die Sünde überhaupt erst zu Bewusstsein kommt und wodurch er zu dem Entschluss angetrieben wird, sich zu ändern. Das Gewissen überführt ihn der Übertretung, ohne ihm die Möglichkeit zu lassen, den Fehltritt zu verniedlichen. Es macht ihn gewillt, den Tatsachen ins Auge zu sehen, sich den Konsequenzen zu stellen und, wo nötig, Strafe auf sich zu nehmen. Solange diese Einstellung nicht vorhanden ist, hat man mit der Umkehr noch nicht begonnen. Die Reue ist nur ein erster Schritt, die Abkehr vom Bösen nur ein Anfang. Erst wenn das Gewissen so wach geworden ist, dass es den Menschen in der Angelegenheit zum Handeln treibt, und wenn er aufhört, Ausflüchte zu suchen, geht er daran, nach Vergebung zu streben. Ebendas hat Alma gemeint, als er zu seinem Sohn Korianton sagte: ,Und so wird niemand als nur der wahrhaft Reumütige errettet.‘ (Alma 42:24.)“ (The Miracle of Forgiveness, 1969, Seite 152.)

Alma 42:23. „Das Sühnopfer bringt die Auferstehung … zuwege“

  • Präsident Gordon B. Hinckley (1910–2008) hat Zeugnis abgelegt, wie erhaben das Sühnopfer ist, das ja auch die Auferstehung ermöglicht:

    „Seine Liebe kam dadurch am erhabensten zum Ausdruck, als er durch seinen Tod sein Leben als Opfer für die Menschen hingab. Dieses Sühnopfer, das mit unaussprechlicher Qual einherging, wurde zum bedeutendsten Ereignis der Weltgeschichte – ein Akt der Gnade, dem der Mensch nichts hinzufügte und der ihm dennoch die Gewissheit brachte, dass jeder, der auf der Erde gelebt hat und noch leben wird, auferstehen wird.

    Kein anderes Ereignis in der Menschheitsgeschichte lässt sich damit vergleichen. Nie ist etwas Ähnliches geschehen. Völlig selbstlos und mit unendlicher Liebe für alle Menschen wurde dies ein nie dagewesener Akt der Barmherzigkeit für die gesamte Menschheit.

    Mit der Auferstehung kam an jenem ersten Ostermorgen die glorreiche Erklärung der Unsterblichkeit. Paulus hat das so wundervoll zum Ausdruck gebracht: ,Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.‘ (1 Korinther 15:22.) Er hat nicht nur allen den Segen der Auferstehung gewährt, sondern auch einem jeden, der seinen Lehren und Geboten Beachtung schenkt, den Weg zum ewigen Leben aufgetan.“ (Liahona, Januar 2000, Seite 87f.)

Zum Nachdenken

  • Warum kann es niemals glücklich machen, schlecht zu sein? Warum scheint es machmal so zu sein, dass schlechte Menschen glücklich sind?

  • Was müssen wir tun, damit das Sühnopfer des Heilands auf uns angewandt werden kann?

  • Inwiefern wirkt sich das Gesetz der Gerechtigkeit zu Ihren Gunsten aus?

  • Inwiefern wirkt sich das Gesetz der Barmherzigkeit zu Ihren Gunsten aus?

Vorschläge für Aufgaben

  • Bereiten Sie eine kurze Ansprache über die Geisterwelt vor und bauen Sie zwei oder mehr Aussagen aus Alma 40 bis 42 ein. Halten Sie die Ansprache, wenn Sie Gelegenheit dazu bekommen.

  • Was lehrte Alma seinen Sohn Korianton über die Auferstehung?

  • Schreiben Sie zu folgenden Punkten eine kurze Definition oder Erklärung: das Gesetz der Wiederherstellung, das Gesetz der Gerechtigkeit, das Gesetz der Barmherzigkeit.