Einheit 1: Tag 1, Die heiligen Schriften studieren

Schülerleitfaden zum Buch Mormon für das Seminar im Heimstudium, 2012


Einleitung

In dieser Lektion erfährst du, wie man die heiligen Schriften studiert und den Heiligen Geist einlädt, einen dabei zu inspirieren und zu unterweisen. Außerdem lernst du Methoden, anhand derer du die Schriften besser verstehen und die Lehren darin anwenden kannst. Achte im Laufe der Lektion darauf, was du tun kannst, damit der Heilige Geist anwesend sein kann, wenn du dich mit dem Evangelium befasst.

Durch Studium und Glauben Wissen aneignen

Stell dir vor, dass du deine Kondition verbessern möchtest und einen Freund bittest, für dich zu trainieren. Wie wirkt sich das Training deines Freundes wohl auf deine körperliche Verfassung aus? Auf das geistige Wachstum bezogen heißt das: So wie man nicht für jemand anderen Sport treiben kann, kann man auch nicht für jemand anderen das Evangelium verinnerlichen. Jeder trägt selbst dafür Sorge, dass er das Evangelium verinnerlicht und geistig wächst.

In Lehre und Bündnisse 88:118 hat der Herr beschrieben, wie man das Evangelium verinnerlichen kann. Lies die Schriftstelle und achte darauf, was du tun musst, um das Evangelium zu lernen. Vervollständige dann diese Aussage: „Trachtet nach Wissen, ja, durch ____________________ und auch durch ____________________.“

Will man durch Studium und Glauben Wissen erlangen, muss man sich anstrengen. Wenn du dich bemühst, das Evangelium gebeterfüllt zu studieren, beziehst du den Heiligen Geist in den Lernprozess ein. Das kannst du dieses Jahr beispielsweise zeigen, indem du um Verständnis betest, deine Seminaraufträge erfüllst, Zeugnis gibst, anderen berichtest, was es heißt, das Evangelium zu leben, und anwendest, was du dazulernst.

Ein ganz wesentlicher Punkt, wie du den Heiligen Geist in den geistigen Lernprozess einbeziehst, ist das tägliche Schriftstudium. Wenn du täglich in den Schriften studierst, kannst du hören, wie die Stimme des Herrn zu dir spricht (siehe LuB 18:34-36). Elder Robert D. Hales vom Kollegium der Zwölf Apostel hat verheißen: „Wenn wir wollen, dass er zu uns spricht, forschen wir in den heiligen Schriften, denn seine Worte werden von seinen Propheten ausgesprochen. Dann unterweist er uns, wenn wir auf die Einflüsterungen des Heiligen Geistes achten.“(„Heilige Schriften – die Macht Gottes zu unserer Errettung“, Liahona, November 2006, Seite 26f.)

Wenn du die heiligen Schriften liest und den Heiligen Geist dabei einbeziehst, wirst du gesegnet und machst auf geistiger Ebene Fortschritt, kommst Gott näher, empfängst mehr Offenbarung, erhältst mehr Kraft, Versuchung zu widerstehen, und dein Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi wächst.

Das Schriftstudium

Präsident Marion G. Romney von der Ersten Präsidentschaft nannte einmal einen der Hauptgründe, warum wir die heiligen Schriften haben: „Die heiligen Schriften wurden geschrieben, um Grundsätze zu unserem Nutzen zu bewahren.“(Ensign, September 1980, Seite 4.) Wir verinnerlichen die Grundsätze und Lehren des Evangeliums, wenn wir die heiligen Schriften studieren. Wenn wir diese Grundsätze und Lehren anwenden, sind sie uns eine Richtschnur.

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Damit man die unschätzbar wertvollen Grundsätze und Lehren, die in den heiligen Schriften niedergelegt sind, finden kann, sind Mühe und Übung erforderlich. Elder Richard G. Scott vom Kollegium der Zwölf Apostel hat das Schriftstudium mit dem Abbau wertvoller Edelsteine verglichen: „Sucht nach den Diamanten der Wahrheit, die manchmal sorgsam aus den Seiten der heiligen Schriften ausgegraben werden müssen.“(„Four Fundamentals for Those Who Teach and Inspire Youth“ in Old Testament Symposium Speeches, 1987, 1988, Seite 1.) Diese Art von Edelsteinabbau – das Schriftstudium – besteht aus drei wichtigen Bestandteilen: 1.) müssen wir den Hintergrund und Handlungsrahmen der heiligen Schriften verstehen, 2.) müssen wir die Grundsätze und Lehren erkennen, die vermittelt werden, und 3.) müssen wir diese Wahrheiten anwenden.

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    Beantworte in deinem Studientagebuch diese Frage: Was haben ein Bergarbeiter, der nach Diamanten sucht, und jemand, der in den heiligen Schriften nach Evangeliumsgrundsätzen sucht und diese dann anwendet, gemeinsam?

Den Hintergrund und den Handlungsrahmen der heiligen Schriften verstehen

Wenn du den Hintergrund und den Handlungsrahmen einer Schriftstelle verstehst, kannst du deren Evangeliumsbotschaft leichter erkennen. Präsident Thomas S. Monson hat gesagt: „[Macht euch] mit den Lektionen vertraut, die aus den heiligen Schriften hervorgehen. [Findet] heraus, vor welchem Hintergrund und in welchem Rahmen [gesprochen wird]. … [Studiert] die heiligen Schriften, als ob sie zu [euch] sprächen, denn so ist es tatsächlich.“ („Seien Sie Ihr bestes Ich“, Liahona, Mai 2009, Seite 68.)

Beim Schriftstudium hilft es, wenn man sich Fragen stellt wie: „Wer hat diese Verse verfasst?“ „An wen wurden sie gerichtet?“ „Was geschieht in diesem Bericht?“ Oder: „Warum hat der Verfasser diese Verse geschrieben?“ In der Kapitelüberschrift (die kursiv gedruckte Zusammenfassung am Anfang jedes Kapitels) findet man einen Überblick über die Hauptereignisse des jeweiligen Kapitels und auch oft eine Antwort auf diese Fragen.

Es ist auch nützlich, schwierige oder fremde Wörter in einem Wörterbuch nachzuschlagen. Wenn dir eine Formulierung oder ein Abschnitt in den Schriften unklar ist, hilft das Nachschlagen der Fußnoten, Licht auf die Sache zu werfen.

Probiere diese Methoden anhand von 3 Nephi 17:1-10 aus. Lies die Schriftstellen und beantworte dann diese Fragen: Wer spricht? An wen richtet er seine Worte? Was geschieht? Denk daran, die Kapitelüberschrift durchzulesen und dir so einen schnellen Überblick über die Ereignisse zu verschaffen, um die es geht.

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    Lies die Fußnote zu 3 Nephi 17:1 und beantworte in deinem Studientagebuch diese Frage: Was meint Jesus, als er sagt: „Meine Zeit ist nahe“?

  2. journal icon3.

    Schreib in eigenen Worten in dein Studientagebuch, was geschieht, als der Erlöser die Menge verlassen will. Warum bleibt er? Was tut er für die Menschen?

Die Lehren und Grundsätze erkennen

Lehren und Grundsätze sind ewige, unveränderliche Evangeliumswahrheiten, die uns Führung geben. Die Propheten aus alter Zeit vermitteln uns diese Wahrheiten durch Ereignisse, Geschichten und Predigten, die sie in den heiligen Schriften niedergeschrieben haben.

Wenn du den Hintergrund und den Handlungsrahmen einer Schriftstelle begriffen hast, kannst du auch die Lehren und Grundsätze erkennen, die darin stehen. Elder Richard G. Scott hat einen nützlichen Weg beschrieben, wie man Grundsätze erkennen kann: „Grundsätze sind konzentrierte Wahrheit, die so dargestellt wird, dass man sie auf alle möglichen Lebensumstände beziehen kann. Ein wahrer Grundsatz macht Entscheidungen klar und deutlich – selbst unter den verwirrendsten und bedrängendsten Umständen. Es lohnt sich, sich dafür anzustrengen, dass man die Wahrheit systematisch zu einfachen Grundsätzen ordnet.“ („Geistige Erkenntnis erlangen“, Der Stern, Januar 1994, Seite 80.)

Einige Evangeliumsgrundsätze werden durch Formulierungen wie „und so sehen wir“ oder „dennoch“ deutlich gemacht. Die meisten Grundsätze werden jedoch nicht direkt genannt. Stattdessen werden sie durch das Leben der Figuren in den heiligen Schriften veranschaulicht. Man kann diese Lehren und Grundsätze entdecken, indem man Fragen stellt wie: „Was ist die Moral oder die Aussage dieses Berichts?“ „Warum erwähnt der Verfasser diesen Bericht oder dieses Ereignis?“ „Was will der Verfasser uns lehren?“ und „Welche Wahrheiten werden in dieser Schriftstelle vermittelt“?

  1. journal icon4.

    Um anhand von 3 Nephi 17:1-10 zu üben, wie man Grundsätze und Lehren erkennt, erledige Aufgabe a) oder b). Schreibe die Antworten in dein Studientagebuch. Denk daran: Die Kapitelüberschrift gibt dir einen kurzen Überblick über das Kapitel.

    1. a)

      Wer spricht in diesen Versen? An wen richtet er seine Worte? Was ist die Moral oder Aussage von 3 Nephi 17:1-10?

    2. b)

      Was möchte der Verfasser von Vers 1,5,6 und 9,10 uns vermitteln? Welche wichtigen Wahrheiten hast du aus diesen Versen erfahren?

Eine Evangeliumswahrheit, die du möglicherweise in diesen Versen gefunden hast, lautet: Der Herr geht auf unseren aufrichtigen Wunsch, ihm näherzukommen, ein.

Die Lehren und Grundsätze anwenden

Wenn du die Evangeliumslehren und Grundsätze einmal erkannt hast, bist du auch in der Lage, zu handeln und sie umzusetzen. Wenn du einen Grundsatz anwendest, den du dazugelernt hast, wirst du spüren, wie der Heilige Geist bestätigt, dass der Grundsatz wahr ist (siehe Moroni 10:4,5). Alles, was wir in der Familie, beim Seminar und in der Kirche dazulernen, sowie jede Aktivität im Rahmen des Programms Pflicht vor Gott und jede Erfahrung im Rahmen des Programms Mein Fortschritt soll uns helfen, das in die Tat umzusetzen, was uns beigebracht wurde.

Präsident Thomas S. Monson

Präsident Thomas S. Monson hat gesagt: „Das Ziel des Evangeliumsunterrichts … ist nicht, den Verstand des Lernenden mit ‚Informationen zu füttern‘. … Es geht darum, den Einzelnen dazu anzuregen, über Evangeliumsgrundsätze nachzudenken, in sich zu gehen und dann etwas zu unternehmen, um nach diesen Grundsätzen zu leben.“ (Herbst-Generalkonferenz 1970.)

Damit du die Grundsätze, die du dazulernst, besser anwenden kannst, stell dir Fragen wie diese: „Was soll ich mit dieser Erkenntnis anfangen? Was möchte der Herr von mir?“ „Welche geistigen Eindrücke habe ich erhalten, dank derer ich mich verbessern kann?“ „Was kann sich durch diesen Grundsatz in meinem Leben ändern?“ „Womit kann ich jetzt anfangen oder aufhören, um nach dieser Wahrheit zu leben?“ „Inwiefern wird mein Leben besser sein, wenn ich tue, was in dieser Schriftstelle steht?“

  1. journal icon5.

    Schreibe in dein Studientagebuch eine kurze Zusammenfassung, wie du einen Grundsatz oder eine Lehre, die du aus 3 Nephi 17:1-10 gelernt hast, anwenden kannst.

Vorgehensweisen und Methoden für das Schriftstudium

Anhand der folgenden Vorgehensweisen und Methoden für das Schriftstudium kannst du den Hintergrund zu den heiligen Schriften verstehen und die darin niedergelegten Lehren und Grundsätze erkennen und anwenden. Diese Methoden werden im Leitfaden immer wieder erwähnt. Lies jede Methode und wähle ein, zwei aus, von denen du bei deinem Schriftstudium häufiger Gebrauch machen könntest.

Ursache und Wirkung. Achte auf Zusammenhänge nach dem Muster Wenn … dann oder solche, die mit dem Wort insofern kenntlich gemacht werden. Beispiele: 2 Nephi 13:16-26; Alma 34:33.

Querverweise. Gliedere, verknüpfe oder gruppiere Schriftstellen, um deren Bedeutung zu klären und verständlich zu machen. Vergleiche beispielsweise Mosia 11:2-6,14 und Deuteronomium 17:14-20 miteinander. Querverweise kannst du auch in den Fußnoten finden. Beispiel: 3 Nephi 12:28,29, Fußnote 29a, verweist auf Apostelgeschichte 42:23.

Den Handlungsrahmen ermitteln. Ermittle das Wer, Was, Wann und Wo zu den Ereignissen in den Schriften. Beispiel: Alma 31:1,6-11 und 32:1-6 bilden den Handlungsrahmen von Alma 32:21-43.

Schlüsselwörter. Durch Begriffe und Redewendungen wie „dennoch“ oder „und so sehen wir“ werden wir angehalten, innezuhalten und nach Erklärungen zu dem gerade Gelesenen zu suchen. Beispiele: Alma 30:60; Helaman 6:35,36; 3 Nephi 18:30-32.

Schriftstellen markieren. Hebe wichtige Wörter und Formulierungen, die dem Vers eine besondere Bedeutung verleihen, in den heiligen Schriften hervor, kreise sie ein oder unterstreiche sie. Schreibe auch wichtige Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse und Grundsätze in Kurzform an den Rand. Dann behältst du besser in Erinnerung, warum dir diese Schriftstelle so viel bedeutet.

Namen einsetzen. Setze an Stelle eines Namens in den Schriften deinen Namen ein. Beispiel: Setze in 1 Nephi 3:7 deinen Namen anstelle von Nephis ein.

Nachsinnen. Nachsinnen bedeutet, dass man sich in Gedanken eingehend mit etwas beschäftigt. Zum Nachsinnen gehört, dass man Fragen stellt und beurteilt, was man weiß und was man gelernt hat. Wenn man nachsinnt, führt das oft dazu, dass man erkennt, wie man einen Grundsatz anwenden kann.

Wiederkehrende Wörter. Wenn Wörter oder Formulierungen wiederholt werden, soll das möglicherweise die Aufmerksamkeit des Lesers erwecken. Sie weisen darauf hin, was der Verfasser für wichtig erachtet hat. Beispiele: Die Wörter furchtbar und furchtbaren in 2 Nephi 9:10,19,26,27,39,46,47; die Redewendung denkt daran in Helaman 5:6-14.

Gegensätze in den heiligen Schriften. Gelegentlich stellen die Propheten die Berichte von verschiedenen Menschen oder verschiedene Gedanken oder Ereignisse einander gegenüber. In einem solchen Gegensatz lassen sich wichtige Evangeliumsgrundsätze, die vermittelt werden sollen, leichter erkennen und nachvollziehen. Achte auf Gegensätze in einzelnen Versen, in Schriftblöcken oder in Kapiteln. Beispiele: 2 Nephi 2:27; Alma 47,48.

Aufzählungen. Aufzählungen in den Schriften verdeutlichen, was der Herr und seine Propheten einem sagen wollen. Wenn du eine Aufzählung entdeckst, kannst du die einzelnen Punkte nummerieren. Beispiel: Die Aufzählung schlechter Bräuche unter den Nephiten in Helaman 4:11,13.

Symbolik in den heiligen Schriften. Wörter wie wie, gleichen oder anwenden auf helfen, Symbole zu erkennen. Versuche zu erkennen, wofür das Symbol steht. Schlag in den Fußnoten und im Schriftenführer nach, was ein Symbol bedeuten könnte. Beispiel: Vergleiche Jakob 5:3,75-77 mit Jakob 6:1-7.

Bildhafte Vorstellungen. Stelle dir beim Lesen vor, was sich ereignet. Überlege dir Fragen zum Geschehen und stell dir vor, du seist selber dabei. Beispiel: Versuche dir vorzustellen, was in Enos 1:1-8 geschieht.

Worterklärungen. In den heiligen Schriften werden oft Begriffe verwendet, die uns nicht geläufig sind. Wenn du auf ein unbekanntes Wort stößt, finde die Bedeutung anhand des Schriftenführers, der Fußnoten oder eines Wörterbuches heraus.

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    Probiere eine der Methoden aus dem vorigen Abschnitt „Vorgehensweisen und Methoden für das Schriftstudium“ aus. Notiere in deinem Studientagebuch, wie dir diese Methode beim Schriftstudium geholfen hat.

  2. journal icon7.

    Schreibe in dein Studientagebuch zu den heutigen Aufgaben abschließend:

    Ich habe die Lektion „Die heiligen Schriften studieren“ gelesen und durchgearbeitet am: (Datum).

    Weitere Fragen, Gedanken und Erkenntnisse, die ich gern mit meinem Lehrer besprechen würde: