„Das ist meine Stimme an alle“

Lehre und Bündnisse und Geschichte der Kirche: Anleitung für die Lehrkraft der Evangeliumslehreklasse, 2000


Ziel

Jeder Teilnehmer soll die Anweisungen, die der Herr einem anderen Empfänger in der Schrift gibt, auf sich beziehen und selbst anwenden lernen.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt Lehre und Bündnisse 25 und die anderen Schriftstellen dieser Lektion.

  2. 2.

    Sehen Sie das Material im Begleitheft für den Teilnehmer (35686 150) für diese Lektion durch und legen Sie fest, wie Sie sich im Unterricht darauf beziehen werden.

  3. 3.

    Falls ein Bild von Emma Smith verfügbar ist, verwenden Sie es im Unterricht. („Emma Smith“, 62509 150; Bilder zum Evangelium, Nr. 405.)

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Aufmerksamkeit wecken

Erzählen Sie zu Unterrichtsbeginn die folgende Geschichte oder verwenden Sie eine andere passende Einleitung:

Elder Jay E. Jensen von den Siebzigern beschreibt, wie er als Missionspräsident einmal am Ende einer Distriktskonferenz wegen der vielen Probleme frustriert und enttäuscht war. Auf der Heimfahrt blätterte er auf der Suche nach Trost und Weisung in der heiligen Schrift und hielt bei Abschnitt 3 des Buches Lehre und Bündnisse inne. Er sagt:

„Wenn ich einen Vers lese, setze ich oft meinen eigenen Namen in den Text ein. Das tat ich auch mit Vers 5, und so fand ich die Hilfe, die ich brauchte, um düstere Gedanken loszuwerden: ‚Siehe, dir [Jay Jensen] ist dies anvertraut worden, aber die dir gegebenen Gebote, wie streng waren sie doch! Und denke auch an die Verheißungen, die dir [Jay Jensen] gemacht worden sind‘ (LuB 3:5).

Die Worte ‚denke auch an die Verheißungen‘ trafen mich mit ungewöhnlicher Macht. … Während jener vier Tage hatte ich mich mit nichts anderem als mit Problemen befasst. Ich hatte nicht innegehalten, um auch nur über eine einzige Verheißung nachzudenken.“ (Der Stern, Januar 1993, Seite 80.)

Elder Jensen ging sodann in Gedanken die Verheißungen durch, die ihm in seinem patriarchalischen Segen, in dem Segen bei der Einsetzung als Missionspräsident und in den Schriften gegeben wurden. Dadurch fand er die nötige Kraft und den nötigen Trost.

• Wie kann uns diese Idee, den eigenen Namen in die Schrift einzusetzen, beim Lesen der Schrift helfen?

• Lesen Sie mit den Teilnehmern 1 Nephi 19:23. Was hat Nephi darüber gesagt, wie man alle Schrift mit sich vergleichen soll?

Erklären Sie: In dieser Lektion geht es darum, wie sich der Rat, den der Herr einzelnen Mitgliedern im Buch Lehre und Bündnisse erteilt, umsetzen lässt.

Unterrichtsgespräch und Anwendung

Wählen Sie gebeterfüllt das Material aus, das den Bedürfnissen der Teilnehmer am ehesten entspricht. Bitten Sie die Teilnehmer um persönliche Erlebnisse, die sich auf die Grundsätze in der Schrift beziehen.

Weisen Sie darauf hin, dass viele Offenbarungen in Lehre und Bündnisse an einen Einzelnen gerichtet waren. Der Rat in diesen Offenbarungen galt zwar ganz konkret in einem Einzelfall, doch lässt er sich – selbst wenn diese Mitglieder vor langer Zeit gelebt haben – noch auf uns beziehen. Der Herr hat mehrmals gesagt: „Was ich zu einem sage, das sage ich zu allen.“ (LuB 61:36; siehe auch LuB 25:16; 82:5; 93:49.)

Im Juli 1830 gab der Herr Emma Smith, der Frau des Propheten Joseph Smith, eine Offenbarung (LuB 25). Zeigen Sie ein Bild von Emma Smith. Erklären Sie: In dieser Lektion werden drei Themen aus der Offenbarung des Herrn an Emma besprochen.

1. Mann und Frau sollen einander unterstützen und trösten.

In der Offenbarung des Herrn an Emma Smith empfängt sie Rat in Bezug auf ihre Aufgaben gegenüber ihrem Mann. Falls Sie Jugendliche unterrichten, helfen Sie ihnen anhand des Materials in diesem Abschnitt verstehen, dass es wichtig ist, dass sie ihren künftigen Ehepartner unterstützen.

• Lesen Sie mit den Teilnehmern LuB 25:5. Was rät der Herr Emma Smith in diesem Vers? Wie können die Ehepartner einander in schwierigen Zeiten helfen? (Während die Teilnehmer diese Frage besprechen, lassen Sie sie eigene Erlebnisse oder Beobachtungen erzählen, wo andere Ehepartner einander getröstet und geholfen haben.)

Der Prophet Joseph Smith hat den Ehefrauen gesagt, sie sollen ihren Mann „mit Milde und Zuneigung“ behandeln: „Wenn der Mann von Sorgen niedergedrückt ist, wenn er vor Schwierigkeiten nicht aus noch ein weiß – wenn ihm dann ein Lächeln entgegengebracht wird statt einer Auseinandersetzung oder eines Murrens, so wird es seine Seele beruhigen und seine Gefühle besänftigen.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Hrsg. Joseph Fielding Smith [1976], Seite 234.)

Die Ehemänner hat der Prophet gelehrt: „Es ist die Pflicht des Ehemanns, seine Frau zu lieben, zu schätzen und zu erhalten und ihr anzuhangen und niemandem sonst. Er soll sie wie sich selbst in Ehren halten und sich zartfühlend ihrer Empfindungen annehmen.“ (Elders’ Journal, August 1838, Seite 61.)

• Lesen Sie mit den Teilnehmern LuB 25:14. Was rät der Herr Emma Smith in diesem Vers? Wie können die Ehepartner zeigen, dass sie sich aneinander erfreuen?

Joseph und Emma Smith waren in den vielen Zeiten der Not, die sie durchzumachen hatten, füreinander da. Im Jahre 1842, als sich Joseph Smith verbergen musste, weil sein Leben in Gefahr war, schaffte es Emma, ihn zu besuchen. Über diesen Besuch sagte Joseph später:

„Von welch unaussprechlicher Wonne und welchen Freudentaumeln war doch meine Brust erfüllt, als ich meine geliebte Emma an diesem Abend bei der Hand nahm – sie, die meine Frau ist, ja, die Frau meiner Jugend, die Erwählte meines Herzens! Viel ging mir durch den Kopf, als ich einen Augenblick daran dachte, was wir alles durchgemacht hatten: die Mühsal und die Plage, die Sorgen und Leiden, die Freude und der Trost, die immer wieder unseren Weg gekreuzt hatten. … O welch eine Gedankenharmonie erfüllte in jenem Augenblick meinen Sinn: Sie ist wieder da, … unerschrocken, fest, unerschütterlich – unwandelbare, liebevolle Emma!“ (History of the Church, 5:107.)

Joseph und Emma unterstützten und trösteten einander auch, als sie den Tod vieler ihrer Kinder ertragen mussten. In vier Jahren starben ihnen vier Kleinkinder. Von elf Kindern (davon zwei adoptierte) erreichten nur drei Söhne und eine Tochter ein höheres Alter.

Als der Prophet wegen des Wachstums der Kirche in Kirtland sehr ausgelastet war, brachte Emma Zwillinge zur Welt, einen Jungen und ein Mädchen; beide starben innerhalb weniger Stunden. Fast zur selben Zeit bekamen in der Nähe, in der Ortschaft Orange, John und Julia Murdock, ein neubekehrtes Paar, ebenfalls Zwillinge. Etwa sechs Stunden nach der Entbindung starb Schwester Murdock. Als Emma und Joseph davon hörten, fragten sie Bruder Murdock, ob sie die Zwillinge adoptieren dürften. Bald darauf wurden die Babys, Joseph und Julia Murdock, bei Familie Smith aufgenommen.

Die Mutter von Joseph Smith, Lucy Mack Smith, beschrieb einige der Eigenschaften, die es Emma ermöglichten, Joseph in schweren Zeiten beizustehen.

„Ich habe nie eine andere Frau gesehen, die jede Art von Mühsal und Beschwernis so ertrug wie sie – Monat für Monat und Jahr für Jahr mit unerschütterlichem Mut, mit Eifer und Geduld. Ich weiß, was sie durchzumachen hatte. … Sie hat den Stürmen der Verfolgung getrotzt und wutentbrannten Menschen und Teufeln widerstanden, was sonst kaum keine Frau ertragen hätte.“ (History of Joseph Smith, Hrsg. Preston Nibley [1958], Seite 190f.)

• Was können Eheleute aus dem Beispiel von Joseph und Emma Smith lernen, das ihnen hilft, einander liebevoller und hilfreicher zu begegnen?

2. Wir sollen sanftmütig sein und Stolz meiden

Der Herr gebot Emma Smith: „Verbleibe im Geist der Sanftmut, und hüte dich vor Stolz.“ (LuB 25:14.) Ähnliche Anweisungen gab er anderen Mitgliedern der Kirche. Lesen Sie mit den Teilnehmern die folgenden Verse:

  1. a)

    LuB 23:1 (an Oliver Cowdery): „Hüte dich vor dem Stolz, damit du nicht in Versuchung gerätst.“

  2. b)

    LuB 38:39 (an die Mitglieder auf einer Konferenz der Kirche): „Hütet euch vor dem Stolz, damit ihr nicht werdet wie vorzeiten die Nephiten.“

  3. c)

    LuB 90:17 (an die Erste Präsidentschaft der Kirche): „Lasst euch aber wegen eures Hochmuts und Stolzes ermahnen, denn dieser legt euch eine Schlinge für eure Seele.“

  4. d)

    LuB 98:19,20 (an die Mitglieder in Kirtland): „Ich, der Herr, habe kein Wohlgefallen an vielen, die in der Gemeinde in Kirtland sind. Denn sie lassen nicht von ihren Sünden, von ihrem schlechten Wandel, ihrem Herzensstolz und ihrer Habgier.“

• Was ist Stolz? Warum warnt der Herr wohl so streng und häufig vor Stolz?

Präsident Ezra Taft Benson hat gesagt:

„Die meisten von uns definieren den Stolz als Selbstsucht, Eitelkeit, Prahlerei, Arroganz oder Hochnäsigkeit. All das gehört zu dieser Sünde, doch das Wesentliche fehlt noch.

Das zentrale Merkmal des Stolzes ist Feindseligkeit – Feindseligkeit gegenüber Gott und gegenüber den Mitmenschen. Feindseligkeit bedeutet Hass oder Widerstand.“ (Der Stern, Juli 1989, Seite 3.)

• Wie wirkt sich Stolz auf unser Verhältnis zu Gott aus?

Präsident Benson hat erläutert:

„Der Stolz führt im wesentlichen zum Wetteifern. Wir messen unseren Willen mit Gottes Willen … [und] sagen … damit: ‚Mein Wille, nicht deiner geschehe.‘ …

Wenn unser Wille mit Gottes Willen in Wettstreit liegt, bleiben unsere Wünsche, Triebe und Neigungen ungezügelt (siehe Alma 38:12; 3 Nephi 12:30). …

Unsere Feindseligkeit gegenüber Gott hat viele Gesichter – Auflehnung, Herzenshärte, Halsstarrigkeit, Unbußfertigkeit, Aufgeblasenheit, Überempfindlichkeit und das Suchen von Zeichen. Der Stolze wünscht, Gott möge mit ihm übereinstimmen. Er ist nicht daran interessiert, seine Ansichten Gott anzupassen.“ (Der Stern, Juli 1989, Seite 3.)

• Wie wirkt sich Stolz auf unser Verhältnis zu anderen Menschen aus?

Präsident Benson hat angemerkt:

„Ein weiterer Aspekt der verbreiteten Sünde Stolz ist Feindseligkeit gegenüber unseren Mitmenschen. Täglich sind wir versucht, uns über andere zu erheben und sie niederzudrücken (siehe Helaman 6:17; LuB 58:41). …

Stolz … tut sich auf vielerlei Art kund: im Fehlersuchen, Tratsch, Verleumden, Murren, darin, dass man über seine Verhältnisse lebt, im Neid, in der Begierde, in der Undankbarkeit, dass man andere nicht anerkennt, nachtragend und eifersüchtig ist. …

Selbstsucht ist eine der verbreiteteren Formen des Stolzes. ‚In welchem Maß es mich berührt‘, das ist alles, was zählt – Dünkel, Selbstmitleid, Erfüllung in der Welt, Genusssucht und das Streben nach den eigenen Interessen. …

Eine weitere Form des Stolzes ist der Streit. Disput, Streit, ungerechte Herrschaft, Generationenkonflikt, Scheidung, Misshandlung des Ehepartners, Aufruhr und Tumult – all das fällt in diese Kategorie.“ (Der Stern, Juli 1989, Seite 3ff.)

• Wie können wir den Stolz überwinden und einen Geist der Sanftmut pflegen?

Präsident Benson rät: „Das Gegenmittel [für Stolz] ist die Demut – Sanftmut, Unterordnung (siehe Alma 7:23); das gebrochene Herz und der zerknirschte Geist. … Wir können uns aus eigenem Antrieb demütigen, indem wir Gott lieben und unseren Willen seinem unterordnen und ihn an die erste Stelle setzen.“ (Der Stern, Juli 1989, Seite 5.)

• Lesen Sie mit den Teilnehmern die folgenden Schriftstellen: LuB 1:28; 19:23, 112:10 und 124:97. Was sind laut diesen Schriftstellen die Segnungen, die wir empfangen, wenn wir aus eigenem Antrieb sanftmütig und demütig werden?

• Welche Segnungen empfangen wir, wenn wir uns entschieden haben, demütig statt stolz zu sein?

3. Wir sollen uns freuen und guten Mutes sein

Der Herr sprach zu Emma Smith: „Hebe das Herz empor und freue dich.“ (LuB 25:13.) Selbst als die frühen Mitglieder der Kirche in dieser Evangeliumszeit in großer Drangsal waren, hat der Herr ihnen etwas Ähnliches gesagt. Lesen Sie mit den Teilnehmern die folgenden Verse:

  1. a)

    LuB 29:5 (an den Propheten Joseph Smith und andere): „Hebt das Herz empor und seid froh, denn ich bin mitten unter euch und bin euer Fürsprecher beim Vater.“

  2. b)

    LuB 61:36 (an den Propheten Joseph Smith und andere): „Seid guten Mutes, kleine Kinder! Denn ich bin mitten unter euch, und ich habe euch nicht verlassen.“

  3. c)

    LuB 68:6 (an Orson Hyde, Luke S. Johnson, Lyman E. Johnson und William E. McLellin): „Seid guten Mutes und fürchtet euch nicht, denn ich, der Herr, bin mit euch und werde euch beistehen.“

  4. d)

    LuB 78:18 (an den Propheten Joseph Smith und andere): „Ihr könnt jetzt noch nicht alles ertragen; doch seid guten Mutes, denn ich werde euch weiter führen.“

  5. e)

    LuB 136:29 (an das Zionslager in Winter Quarters): „Wenn du bekümmert bist, so rufe den Herrn, deinen Gott, in demütigem Gebet an, damit eure Seele sich freue.“

• Welche Gründe führt der Herr in diesen Schriftstellen dafür an, dass wir guten Mutes sein sollen? Was können wir tun, um guten Mutes zu werden und zu bleiben? Wie können wir anderen helfen, guten Mutes zu sein?

• Was geschieht, wenn man sich auf die negativen Aspekte im Leben konzentriert, selbst wenn diese vielleicht sehr ernst sind und überhand nehmen?

Elder Marvin J. Ashton vom Kollegium der Zwölf hat gesagt:

„Niemand kann Unglück und Leid entgehen. Ein jeder reagiert darauf wohl anders. Wir können uns jedoch die Verheißung des Herrn in Erinnerung rufen: ‚Denn ich, der Herr, bin mit euch.‘ Dann können wir uns unseren Problemen mit Würde und Mut stellen. Wir werden die Kraft finden, guten Mutes zu sein, statt aufgebracht, kritisch oder niedergeschlagen zu werden. Wir werden in der Lage sein, uns den unerfreulichen Ereignissen des Lebens mit einer klaren Vision, mit Stärke und Macht zu stellen. …

Wie schön ist es doch, jemanden zu sehen, der guten Mutes ist, jemand, der dann, wenn andere wegen eines unerfreulichen Ereignisses oder einer solchen Entwicklung in zornigem Schweigen verharren oder laut ihren Unmut äußern, der Situation mit fröhlicher Beharrlichkeit und guter Laune begegnet.“ (Ensign, Mai 1986, Seite 66.)

Heben Sie hervor, dass die vielen Ermahnungen des Erretters, guten Mutes zu sein, uns daran erinnern, dass wir ungeachtet unserer Lebensumstände Frieden und Freude finden können.

Zum Abschluss

Versichern Sie noch einmal, dass das, was der Herr einzelnen Mitgliedern vor vielen Jahren gesagt hat, auch uns heute ein großer Segen sein kann. Halten Sie die Teilnehmer dazu an, die Schrift mit der Absicht zu lesen, die darin enthaltenen Botschaften auf ihre eigenen Lebensumstände anzuwenden.

Zur Vertiefung

Die heilige Schrift anwenden

Besorgen Sie sich schon vorher Fotos von einigen Teilnehmern. Legen Sie auch ein Bild von Emma Smith bereit (62509 150; Bilder zum Evangelium, Nr. 405).

Zeigen Sie das Bild von Emma Smith und erklären Sie, dass LuB 25 Anweisungen des Herrn an Emma enthält. Hängen Sie die Fotos der Teilnehmer neben das Bild von Emma Smith. Lassen Sie die Teilnehmer LuB 25:16 lesen. Erklären Sie: Die Ratschläge in dieser Offenbarung können auch für uns gelten. Lassen Sie die Teilnehmer LuB 61:36; 82:5 und 93:49 lesen. Helfen Sie ihnen erkennen, dass wir „alle Schriften mit uns [vergleichen]“ können (1 Nephi 19:23).

• Inwiefern war der Rat aus der Schrift für einen bestimmten Menschen auch für Sie von Nutzen? Wie haben Sie diesen Rat auf Ihre eigenen Lebensumstände angewandt?