Gute Staatsbürger sein

Lehre und Bündnisse und Geschichte der Kirche: Anleitung für die Lehrkraft der Evangeliumslehreklasse, 2000


Ziel

Jedes Mitglied soll ermutigt werden, ein guter Staatsbürger zu sein, indem es sich politisch engagiert, den Gesetzen gehorcht und das Gemeinwesen stärkt.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie gebeterfüllt die folgenden Schriftstellen und sonstigen Unterlagen:

    1. a)

      Lehre und Bündnisse 58:21,22,26–28; 98:4–10; 134; 12. Glaubensartikel

    2. b)

      Unsere Geschichte, Seite 133–134, mit dem Schwerpunkt auf der Tätigkeit von Ezra Taft Benson als Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten

  2. 2.

    Sehen Sie das Material im Begleitheft für den Teilnehmer (35686 150) für diese Lektion durch und legen Sie fest, wie Sie sich im Unterricht darauf beziehen werden.

Anmerkung: Regierungen und Gesetze weichen je nach Land und Kultur voneinander ab. Berücksichtigen Sie örtliche Gegebenheiten bei der Auswahl dessen, was Sie im Unterricht besprechen wollen. In manchen Gebieten ist es vielleicht am besten, wenn Sie den Großteil der Zeit mit dem dritten Abschnitt der Lektion verbringen. Vermeiden Sie Diskussionen, die Widerspruch oder Kritik hervorrufen. Bedenken Sie, dass die Führer der Kirche uns immer angewiesen haben, uns gesetzeskonform zu betätigen und auf diese Weise nötige Änderungen herbeizuführen.

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Aufmerksamkeit wecken

Verwenden Sie zu Unterrichtsbeginn die folgende Aktivität oder eine andere passende Einleitung:

Erklären Sie: 1952 wurde Elder Ezra Taft Benson, als er im Kollegium der Zwölf Apostel diente, von Dwight D. Eisenhower, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, gebeten, als Landwirtschaftsminister der USA zu dienen. Ermutigt und bestärkt durch den Präsidenten der Kirche, David O. McKay, nahm Elder Benson diese Berufung an und leistete gute Arbeit. In seiner ersten Ansprache auf einer Generalkonferenz, nachdem er Landwirtschaftsminister geworden war, sagte er:

„Ich bin dankbar, dass ich wenigstens im Kleinen diesem großartigen Land und der Regierung, unter der wir leben, dienen darf. Ich bin der Ersten Präsidentschaft und meinen Brüdern dankbar, dass sie mir nicht nur ihre Zustimmung, sondern auch ihren Segen gegeben haben, als ich dem Ruf des Präsidenten gefolgt bin.“ (Conference Report, April 1953, Seite 40.)

• Warum wurde Elder Benson wohl ermutigt, diese Aufgabe zu übernehmen?

Erklären sie: Die Führer der Kirche fordern uns auf, gute Staatsbürger zu sein und unser Gemeinwesen und unser Land zu stärken. Dazu bieten sich viele Möglichkeiten. Beispielsweise, indem wir uns politisch engagieren, den Gesetzen gehorchen und unserem Gemeinwesen dienen. In dieser Lektion geht es um die Lehren des Herrn in Bezug auf Regierung und Staatsbürgerpflichten.

Unterrichtsgespräch und Anwendung

Wählen Sie gebeterfüllt das Material aus, das den Bedürfnissen der Teilnehmer am ehesten entspricht. Bitten Sie die Teilnehmer, von persönlichen Erfahrungen mit diesen Grundsätzen aus der Schrift zu berichten.

1. Sich politisch engagieren

Erklären Sie: Im August 1835 wurde in Kirtland im US-Bundesstaat Ohio auf einer Generalversammlung der Kirche einstimmig eine Grundsatzerklärung hinsichtlich Regierung und Gesetzen abgegeben. Diese Erklärung steht in LuB 134.

• Wozu dienen Regierungen? (Siehe LuB 134:1, 6–8, 11. Nachfolgend mögliche Antworten.)

  1. a)

    „Zum Wohl und zur Sicherheit der Gesellschaft“ (LuB 134:1).

  2. b)

    „Um die Unschuldigen zu schützen und die Schuldigen zu bestrafen“ (LuB 134:6).

  3. c)

    Um „alle Bürger bei der freien Ausübung ihres religiösen Glaubens [zu] schützen“ (LuB 134:7).

  4. d)

    „Zur Wiedergutmachung allen Unrechts und Behebung aller Missstände“ (LuB 134:11).

• Was können wir als Staatsbürger tun, um dazu beizutragen, dass diese Aufgaben einer Regierung erfüllt werden?

Lesen Sie die folgende Aussage von Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf:

„Wir Mitglieder der Kirche leben in vielen Ländern. Wie wichtig ist es doch, dass wir unseren Platz in dem Land verstehen, in dem wir leben! Wir müssen mit der Geschichte, dem kulturellen Erbe und den Gesetzen unseres Landes vertraut sein. Wo es möglich ist, an der Regierung teilzunehmen, müssen wir unsere Entscheidungsfreiheit nutzen und aktiv die Grundsätze der Wahrheit, des Rechts und der Freiheit vertreten und verteidigen.“ (Der Stern, Januar 1988, Seite 67.)

• Wie können wir durch unsere Teilnahme an der Regierung Wahrheit, Recht und Freiheit vertreten und verteidigen?

• In Lehre und Bündnisse 134 steht, dass wir nach Führern suchen und jene unterstützen sollen, „die das Gesetz unparteiisch und gerecht anwenden“ (Vers 3). Auf welche sonstigen Eigenschaften sollen wir bei der Wahl unserer Führer achten? (Siehe beispielsweise LuB 98:10.) Wie können wir uns bereit machen, Führer weise auszuwählen?

Erklären Sie: Wenn wir uns an der Regierung und an politischen Prozessen beteiligen, muss uns folgendes klar sein: „Die Kirche ist politisch neutral. Sie setzt sich weder für eine politische Partei noch für ein politisches Programm noch für einen Kandidaten ein. Kein Kandidat darf andeuten, dass die Kirche oder ihre Führer sich für ihn einsetzen. Die Führer der Kirche und die Mitglieder sollen weder durch Äußerungen noch durch ihr Verhalten etwas zu erkennen geben, was als kirchliche Unterstützung eines Kandidaten oder einer politischen Partei ausgelegt werden könnte.“ (Handbuch Anweisungen der Kirche, Buch 2: Führungskräfte des Priestertums und der Hilfsorganisationen [1998], Seite 324.)

2. Den Landesgesetzen gehorchen

• Welche Verantwortung tragen wir hinsichtlich der Gesetze des Landes? (Siehe LuB 58:21,22; 98:4–6; 134:5,6; 12. Glaubensartikel.) Wie können Eltern, Lehrer und Führer die Kinder lehren, den Gesetzen des Landes zu gehorchen?

• Polizei: Wie sollen wir Beamte, die dem Gesetz Geltung verschaffen, und andere Staatsbeamte behandeln? (Siehe LuB 134:3, 6.) Wie können wir zeigen, dass wir ihre Arbeit schätzen?

• Welche Beziehung soll zwischen Religion und Regierung herrschen? (Siehe LuB 134:4, 9. Diese Verse lehren, dass die Regierung den Religionsgemeinschaften keine Gesetze auferlegen soll, es sei denn, die Religionsausübung greife in die Rechte und Freiheiten anderer ein.) Wie kann die Religion die Regierung stärken?

3. Das Gemeinwesen stärken

Lesen Sie die folgende Aussage aus dem Handbuch Anweisungen der Kirche vor:

„Die Mitglieder sollen ihrer Bürgerpflicht nachkommen, indem sie Maßnahmen fördern, wodurch die Gesellschaft sittlich, wirtschaftlich und kulturell erstarkt. Es wird den Mitgliedern nahegelegt, sich aktiv in einer wertvollen Sache einzusetzen, um ihr Gemeinwesen zu verbessern und es zu einem zuträglichen Ort zu machen, an dem man leben und Kinder erziehen kann.“ (Buch 2, Seite 324.)

Schreiben Sie Das Gemeinwesen stärken an die Tafel.

• Auf welche Weise können wir unser Gemeinwesen stärken? (Besprechen oder ergänzen Sie anhand der nachfolgenden Information die Antworten der Teilnehmer. Schreiben Sie die Überschriften an die Tafel, während Sie sie besprechen.)

Anderen dienen

• Warum ist es wichtig, dass die Mitglieder der Kirche in ihrem Gemeinwesen dienen?

• An welchen Dienstprojekten im Gemeinwesen haben Sie oder andere Mitglieder der Kirche sich beteiligt? (Bitten Sie die Teilnehmer, darüber zu berichten.) Wie ist Ihnen die Notwendigkeit aufgefallen? Was hat die Gruppe getan, damit das Projekt erfolgreich wurde?

• Wie haben Sie oder andere Mitglieder der Kirche im Stillen Dienst am Gemeinwesen geleistet?

• Welche Möglichkeiten zum Dienen gibt es heute in unserem Gemeinwesen? (Vorschläge finden Sie unter „Zur Vertiefung“, Punkt 2.) Wie können wir uns der Gelegenheiten zum Dienst am Gemeinwesen bewusster werden? (Unter anderem soll auch folgendes genannt werden: die Zeitung lesen, in Führerschaftsversammlungen der Kirche die Bedürfnisse des Gemeinwesens besprechen und sich mit Personen aus dem öffentlichen Leben treffen, um zu besprechen, wie geholfen werden kann.)

• Welchen Nutzen zieht das Gemeinwesen aus unserem Dienst? Wie werden wir gesegnet, wenn wir dienen?

In öffentlichen Ämtern dienen, zu denen man gewählt oder für die man ernannt wird.

Lesen Sie das folgende Zitat der Ersten Präsidentschaft an die Mitglieder der Kirche:

„Wir bitten die Männer und Frauen dringend, sich bereit zu erklären, in Elternbeiräten, Stadt- und Kreisräten und -kommissionen, in der Legislative des Staates und anderen hohen Ämtern, in die man entweder gewählt oder ernannt wird, zu dienen.“ (Brief der Ersten Präsidentschaft, 15. Januar 1998.)

• Welche Ehrenämter gibt es in Ihrem Gemeinwesen? Wie können Menschen in diesen Positionen Gutes im Gemeinwesen bewirken?

Wertvolle Projekte unterstützen

• Lesen Sie mit den Teilnehmern LuB 58:27. Wie können wir uns „voll Eifer einer guten Sache“ im Gemeinwesen widmen?

Tragen Sie den folgenden Bericht über eine Schwester vor, die in ihrem Gemeinwesen und ihrem Land einen wichtigen Dienst leistete, weil sie eine gute Sache unterstützte: „Als Dolina Smith 1986 als JD-Leiterin im Pfahl Toronto in Ontario tätig war, bat sie einmal einen Experten, auf einer Fireside über die wachsenden Probleme mit Pornographie zu sprechen. Später engagierte sie sich bei einer landesweiten Gruppe, die sich ‚Kanadier für Anstand‘ nannte. Tausende Kanadier, die gegen Pornographie sind, wandten sich im Rahmen dieses Projekts wegen der Probleme mit Pornographie an ihre gewählten Volksvertreter. …

Ihr Engagement nahm 1990 weiter zu, als sie zur Vorsitzenden der Gruppe ‚Kanadier für Anstand‘ ernannt wurde. Sie gab auf regionaler und bundesweiter Ebene zahlreiche Präsentationen vor jenen Volksvertretern, die für die Gesetze hinsichtlich der Pornographie zuständig waren. Sie sprach auch mit vielen Bürgergruppen, die im Rahmen der örtlichen politischen Ebene gegen die Verbreitung von Pornographie in ihrem Gemeinwesen ankämpften.“ (Donald S. Conkey, „Together We Can Make a Difference“, Ensign, Februar 1996, Seite 68.)

• Welche gute Sache können wir im Gemeinwesen unterstützen? Wie können wir angemessen schlechte Einflüsse in unserem Gemeinwesen bekämpfen?

• Welche Schwierigkeiten können entstehen, wenn wir im Gemeinwesen dienen wollen? Wie können wir diese Schwierigkeiten überwinden? (Es kann beispielsweise schwierig sein, die Zeit dazu zu finden. Dies lässt sich etwa dadurch überwinden, dass die Familie oder mehrere Mitglieder gemeinsam dienen. So kann die Familie zusammen sein, statt dass jeder beim Dienen seine eigenen Wege geht.)

Zum Abschluss

Lesen Sie die folgende Aussage von Elder M. Russell Ballard vom Kollegium der Zwölf vor:

„In der Kirche sagen wir oft, dass wir zwar in der Welt, aber nicht von der Welt sein wollen. … Vielleicht müssen wir, was ich zuvor gesagt habe, etwas umformulieren, und zwar in Form zweier Ermahnungen. Erstens: „Seid in der Welt.“ Engagiert euch, informiert euch. Seid verständnisvoll und tolerant und wisst Vielfalt zu schätzen. Gebt der Gesellschaft etwas, indem ihr dient und euch engagiert. Zweitens: „Seid nicht von der Welt.“ Geht nicht den falschen Weg, und lasst euch auf keine Kompromisse ein, wenn es um Recht und Unrecht geht. …

Die Mitglieder der Kirche müssen mehr Einfluss ausüben als sich beeinflussen lassen. Wir müssen uns bemühen, der Flut der Sünde und des Bösen entgegenzuwirken, statt uns passiv mitreißen zu lassen. Wir müssen jeder mithelfen, das Problem zu lösen, statt es zu ignorieren.“ (Der Stern, Juli 1989, Seite 82.)

Weisen Sie darauf hin, dass wir als Heilige der Letzten Tage, wo auch immer wir leben, gute Staatsbürger sein müssen. Bitten Sie die Teilnehmer zu tun, was sie können, um eine gute Regierung zu unterstützen und ihr Gemeinwesen zu stärken.

Zur Vertiefung

Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder mehrere Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. Von ehrenamtlichen Dienstprojekten im Gemeinwesen berichten

Bitten Sie im Voraus ein Mitglied der Gemeinde oder des Zweigs, über die Organisation ehrenamtlich durchgeführter Dienstprojekte in Ihrem Gemeinwesen zu berichten und zu erklären, wie man sich beteiligen kann. Oder bitten Sie einen Teilnehmer, der sich im Dienst am Gemeinwesen engagiert, zu erklären was er bzw. sie dort tut.

Weisen Sie im Zuge des Unterrichtsgesprächs darauf hin, dass wir nicht auf eine Berufung oder einen Auftrag seitens der Führer der Kirche warten müssen, um dem Gemeinwesen als Einzelner oder als Gruppe zu dienen.

2. Anregungen zum Dienst im Gemeinwesen

Falls es den Teilnehmern schwerfällt, Ideen zu finden, wie man im Gemeinwesen dienen kann, können Sie einige der folgenden Gedanken vorschlagen. Lassen Sie beim Unterrichtsgespräch die Teilnehmer Matthäus 25:34–40 lesen.

Gesundheitswesen: Kleidung und Essen für Kranke bereitstellen; sich um kranke Kinder im Krankenhaus oder in der Nachbarschaft kümmern; Krankenhauspatienten, die keine Familie haben, Blumen bringen; zu den Feiertagen an die Kranken denken.

Sozialwesen: Mithelfen, Gruppen zu organisieren oder zu leiten, die Jugendlichen helfen, etwas zu lernen; in Kinderheimen, Schulen oder in Behinderteneinrichtungen Nähen, Kochen oder sonst eine Fertigkeit vorführen; älteren Menschen im Altenheim vorlesen; Sprachunterricht für Menschen geben, die nicht Ihre Sprache sprechen; Blinden vorlesen; ältere Menschen in der Familie und in der Nachbarschaft besuchen und ihnen zuhören.

3. Das Gemeinwesen durch höfliches Handeln stärken

Lesen Sie das folgende Zitat von Präsident Gordon B. Hinckley vor:

„Es ist erstaunlich, was man mit Höflichkeit erreichen kann. Es ist traurig, was passieren kann, wenn man unhöflich ist. Wir erleben es jeden Tag im Straßenverkehr in den Städten, wo wir leben. Der eine Augenblick, den es dauert, wenn man jemanden sich einordnen lässt, hilft dem anderen, und tut auch dem gut, der hilft. Es geschieht etwas in uns, wenn wir unseren Mitmenschen gegenüber höflich und rücksichtsvoll sind. Es findet dann eine allmähliche Läuterung statt, die, wenn wir konsequent sind, unser Wesen ändert.“ (Der Stern, Juli 1996, Seite 46.)

• Wie können wir im Alltag zu anderen Menschen höflich sein? (Bei der Arbeit, im Straßenverkehr, beim Einkaufen oder einfach als Fußgänger und auch anderswo.) Inwiefern wird das Gemeinwesen durch Höflichkeit stark?