Umkehr

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen zu verstehen, wie Umkehr ihn darauf vorbereiten kann, zum himmlischen Vater zurückzukehren.

Einleitung

Der Prophet Joseph Smith hat einmal folgende Aufforderung ausgesprochen: „Laßt uns heute noch neu beginnen und noch in diesem Augenblick von ganzem Herzen sagen, daß wir unsere Sünden ablegen und rechtschaffen sein werden.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 370.)

Da wir auf der Erde sind, um zu lernen und zu wachsen, machen wir alle Fehler. Es gibt vielerlei Arten von Fehlern. Manchmal tun wir etwas, wovon wir wissen, daß wir es nicht tun sollten. Wir sind vielleicht unfreundlich oder nehmen etwas, was uns nicht gehört. In einem solchen Fall spricht man von einer Begehungssünde. Manchmal versäumen wir es, etwas zu tun, wovon wir wissen, daß wir es tun sollten. Dazu gehört z. B. das Zahlen des Zehnten oder der freundliche Umgang mit unseren Nächsten. Das sind Unterlassungssünden.

Die Notwendigkeit der Umkehr

Wenn wir wissen, daß wir etwas falsch gemacht haben, können wir nicht glücklich sein. Wir schämen uns unserer Fehler und sind der Ansicht, daß wir dem Herrn nicht in angemessener Weise dienen können. Manchmal kann es sogar sein, daß wir andere unfreundlich behandeln, weil wir selbst unglücklich sind. Unser himmlischer Vater möchte nicht, daß wir unglücklich sind. Er möchte, daß wir alle die Segnungen erlangen, die er für uns bereithält. Er gibt uns allerdings keine Segnungen, die wir nicht verdienen. Das heißt nicht, daß er sich von uns abgewandt hat oder uns weniger liebt. Es bedeutet einfach, daß er möchte, daß wir unsere Schwächen überwinden. Das würden wir aber nicht tun, wenn er uns segnen würde, ohne daß wir es verdienen. Die Umkehr ist daher der Plan Gottes, uns zu helfen, unsere Schwächen zu überwinden und somit würdig zu werden, mit ihm zu leben.

Aus diesem Grund hat er uns aufgefordert, unser Leben zu prüfen, um herauszufinden, wo wir uns verbessern müssen. Präsident Joseph Fielding Smith hat gelehrt: „Unsere Pflicht ist es, heute ein besseres Leben als gestern zu führen und morgen weiter fortgeschritten zu sein als heute. Und warum? Weil wir … auf dem Weg sind, der zur Vollkommenheit führt. Diese können wir nur erreichen, indem wir gehorsam sind und in unserem Herzen den Wunsch verspüren, die Welt zu überwinden.“ (Lehren der Erlösung, Band II, Seite 27.)

Lesen Sie Alma 11:37. Warum ist Umkehr notwendig? Lesen Sie 1 Johannes 1:8–10; Alma 34:33,34 und 3 Nephi 30. Warum sollen wir so früh wie möglich umkehren?

Wie kehrt man um?

Sünde ist wie Schmutz an unserem Körper. Sie macht uns geistig unrein. Umkehr läßt sich mit dem Abwaschen des Schmutzes durch Wasser und Seife vergleichen. Nachdem wir umgekehrt sind, fühlen wir uns erfrischt und sauber. Elder A. Theodore Tuttle hat das folgendermaßen erklärt:

„Umkehr ist wie Seife. Sie ist die Seife des Lebens. Wie Seife wäscht sie die Sünden des Lebens weg. Man soll so oft wie nötig davon Gebrauch machen, muß dabei aber bedenken, daß Mißbrauch – Mangel an gründlicher Reinigung und halbherzige Anstrengung – nur zu einem schmutzigen Grau führt. Richtig angewandt reinigt die Seife des Lebens jedoch gründlich, vollständig und dauerhaft. …

Eines Tages werden wir vor den Richterstuhl des Herrn gebracht werden. Wir werden entweder unrein und beschmutzt oder rein und sauber dort stehen. Letzteres dadurch, daß wir die große und wunderbare Gabe der Reinigung – die Seife des Lebens – angenommen und angewandt und Vergebung unserer Sünden erlangt haben. Das nächste Mal, wenn Sie Seife benutzen, denken Sie vielleicht auch daran, Ihren Geist zu reinigen, indem Sie die Seife des Lebens verwenden, das allumfassende Gesetz der Umkehr.“ (“Repentance”, Improvement Era, November 1968, Seite 64.)

Zur Umkehr gehören bestimmte Schritte.

Zeigen Sie Bild 28-a, „Wahre Umkehr erfordert Zeit und Anstrengung“.

Besprechen Sie die sieben Schritte der Umkehr, wie sie in Kapitel 19 im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums erkärt sind. Teilen Sie die einzelnen Schritte nach Möglichkeit unter mehreren Brüdern auf. Jeder soll sich vorbereiten, den betreffenden Schritt der Klasse vorzutragen und ihn dann zu besprechen. Bringen Sie während dieser ganzen Diskussion ein Plakat an, das die sieben Schritte der Umkehr zeigt. (Die sieben Schritte sind: die Sünde erkennen, sie bereuen, davon ablassen, sie bekennen, wiedergutmachen, anderen vergeben und die Gebote Gottes halten.)

Wahre Umkehr ist nicht einfach. Sie erfordert Zeit und Anstrengung. Deshalb können wir den Tag unserer Umkehr nicht aufschieben (siehe Alma 13:27).

Die Freude der Umkehr

Zeigen Sie Bild 28-b, „Umkehr ist möglich, weil Jesus Christus für unsere Sünden bezahlt hat“.

Christ in Gethsemane(Klicken Sie hier für eine größere Ansicht)

28-b, Umkehr ist möglich, weil Jesus Christus für unsere Sünden bezahlt hat.

Wir üben Umkehr, um Vergebung für unsere Sünden zu erlangen. Wenn Jesus Christus nicht für unsere Sünden bezahlt hätte und für uns gestorben wäre, könnte uns nie vergeben werden. Nur durch sein Sühnopfer kann Gnade der Gerechtigkeit Genüge tun, und wir können daher von unseren Sünden gereinigt werden (siehe Alma 34:10–16). Das ist ein großer Segen, und wir sollten immer dankbar dafür sein.

Jesus hat für unsere Sünden bezahlt, doch sie werden nicht von uns genommen, bis wir umkehren. Als der junge Alma erkannte, daß er gesündigt hatte, sagte er: „Ja, ich dachte an alle meine Sünden und Übeltaten, für die ich mit Höllenqualen gepeinigt wurde …

da dachte ich auch daran, daß ich gehört hatte, wie mein Vater dem Volk prophezeite, daß ein gewisser Jesus Christus, ein Sohn Gottes, kommen werde, um für die Sünden der Welt zu sühnen.

Als aber mein Sinn diesen Gedanken faßte, rief ich in meinem Herzen aus: O Jesus, du Sohn Gottes, sei barmherzig zu mir …

Und nun siehe, als ich das dachte, konnte ich nicht mehr an meine Qualen denken …

Und o welche Freude, und welch wunderbares Licht sah ich! Ja, meine Seele war von Freude erfüllt, die ebenso übergroß war wie meine Qual.“ (Alma 36:13,17–20.)

Lassen Sie einen Klassenteilnehmer das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählen (Lukas 15:11–32). Was hat der verlorene Sohn empfunden, als er den Prozeß der Umkehr begann? Was hat sein Vater empfunden?

Da die Menschen immer wieder sündigen und umkehren müssen, wiederholt sich das Gleichnis vom verlorenen Sohn fortwährend, so auch in der folgenden Geschichte:

Lassen Sie den zuvor Beauftragten die folgende Geschichte eines verlorenen Sohnes der heutigen Zeit erzählen. Jeder soll für sich die Schritte der Umkehr nachvollziehen, die er unternommen hat.

„Bis zu meinem 17. Lebensjahr war ich in der Kirche aktiv, besuchte alle Versammlungen und erledigte meine Priestertumspflichten. Es kam mir nicht in den Sinn, etwas anderes zu tun. Ich liebte die Kirche und ihre Programme.

Mit 17 versuchte ich jedoch, den starken Mann zu spielen, rebellierte gegen meine Familie und machte meine Entscheidungsfreiheit geltend. Einer meiner besten Freunde gehörte einem anderen Glauben an, und ich tappte in die Falle, einiges von dem zu probieren, was er mir anbot – Alkohol und Tabak. Ich traf mich mit Mädchen, die nicht der Kirche Jesu Christi angehörten und verliebte mich bald in eine wunderbare junge Frau. Ihre Eltern luden mich an vielen Wochenenden in ihr Sommerhäuschen ein, und das hielt mich natürlich davon ab, in der Kirche aktiv zu sein.

Dann kam der Zweite Weltkrieg, und als mein Bischof mich fragte, ob ich auf Mission gehen wollte, sagte ich, daß ich lieber zum Militär gehen und meinem Land dienen wollte. Ich glaube noch immer, daß es wichtig ist, seinem Land zu dienen, aber jetzt weiß ich, daß es weiser gewesen wäre, zuerst eine Mission für meinen himmlischen Vater zu erfüllen.

Ungefähr zu dieser Zeit stellte ich auch fest, daß einige Mitglieder der Kirche, die ich sehr bewunderte, auch nicht alle Richtlinien der Kirche befolgten. Ich ernannte mich selbst zu ihrem Richter. – Für mich waren sie Heuchler. Ich schwor mir, daß ich, wenn ich nicht den Richtlinien gemäß lebte, der Kirche lieber fern bleiben wollte, als ein Heuchler zu sein und etwas anderes zu tun, als ich lehrte. Das war ein weiterer gravierender Fehler, denn ich hielt mich an diesen Entschluß, und das war genau das, was der Widersacher wollte.

Vier Jahre als Pilot bei der Navy und fünfzehn Jahre als Handelsreisender machten es mir leicht, inaktiv zu bleiben. Und doch glaubte ich während all dieser Jahre an die Wahrheit, die tief in meine Seele eingepflanzt war. Als ich 38 war, zog mein jüngster Bruder für sechs Wochen zu uns. Jeden Sonntagmorgen ging er allein zur Priestertums- und den anderen Versammlungen, und mein Gewissen begann, mich zu plagen. Ich war nicht glücklich. Ich wußte, daß etwas nicht in Ordnung war, und dieses Gefühl stellte sich immer häufiger ein. In der Vergangenheit konnte ich das Rauchen aufgeben, wann immer ich wollte, aber jetzt stellte ich fest, daß mir das nicht mehr möglich war. Ich besuchte Tom in seinem Büro und stellte fest, daß ich die Kirche in unseren Gesprächen heftig kritisierte. Anschließend fühlte ich mich schuldig, obwohl ich ihm das nie sagen würde.

Ich steuerte auf eine Krise zu. Eines Nachts, nach einer Cocktail-Party mit Tanz im Country Club, war es soweit. Ich ging spät zu Bett, konnte aber nicht schlafen – etwas mir nahezu Unbekanntes. Schließlich stand ich vorsichtig auf, um meine liebe Frau nicht zu stören, und zum ersten Mal in meinem Leben ging ich ruhelos im Zimmer auf und ab und erkannte schließlich, daß ich mich ändern mußte.

Ich bin nie in der Lage gewesen, meine Gefühle durch Tränen oder Demut zu zeigen, aber das Nächste, woran ich mich erinnere, war, daß ich mich auf meinen Knien befand und zum ersten Mal in 19 Jahren meinen himmlischen Vater um Hilfe bat. Als ich betete, überkam mich ein überwältigendes Gefühl der Liebe und Freude, und der Heilige Geist umgab mich mit solcher Macht, daß ich beträchtliche Zeit erschüttert schluchzte. Als ich mich erhob, fühlte ich mich gut. Dankbarkeit erfüllte mein Herz. Niemals zuvor in meinem Leben hatte ich ein solches Gefühl der Wärme gekannt und ein Brennen in meinem Innern verspürt, das mein ganzes Wesen mit solch einer Intensität erfüllte, daß ich dachte, es würde mich verzehren.

Ich ging in unser Schlafzimmer und weckte meine Frau. Ich weinte immer noch, und sie fragte mich, was los sei. Ich erzählte ihr von meinem Wunsch, mein Leben zu ändern und nach dem Evangelium Jesu Christi zu leben. Sie sagte mir sofort, daß sie mich unterstützen würde. Von diesem Augenblick an hatte ich nie mehr den Wunsch nach einer Zigarette, nach einer Tasse Kaffee oder nach Alkohol irgendwelcher Art.

Der Herr fing an, mich zu segnen, und er hat bis zum heutigen Tag nie damit aufgehört. Innerhalb eines Jahres hatte ich das Vorrecht, meine Kinder und bald darauf meine Frau zu taufen. Ein Jahr später fuhren wir zum Logan-Tempel, um die Ehe für die Ewigkeit miteinander einzugehen und unsere Kinder an uns siegeln zu lassen.

Ich bezeuge, daß der Herr sich darüber freut, wenn seine verlorenen Schafe zu ihm zurückkommen. Er zeigt jedem von uns seine Liebe und Güte, wenn wir von unseren Sünden umkehren und seine Gebote halten.“ (Lewis W. Cottle, “The Return of the Prodigal”, Ensign, März 1974, Seite 43, 44.)

Was hat dieser verlorene Sohn unserer Zeit empfunden, als er von seinen Sünden umkehrte? Lesen Sie Lukas 15:10. Wie betrachtet unser himmlischer Vater unsere Umkehr? (Siehe LuB 58:42 und Jesaja 1:18.) Wie sollen wir jemanden behandeln, der von seinen Sünden umgekehrt ist?

Schluß

Wir müssen alle Umkehr üben, wenn wir wie unser himmlischer Vater werden und wieder bei ihm leben wollen. Deshalb hat Jesus Christus uns die Umkehr ermöglicht, indem er für unsere Sünden sühnte. Wenn wir von unseren Sünden umkehren, erfreuen wir uns selbst und unseren himmlischen Vater.

Präsident Harold B. Lee hat gelehrt: „Das wichtigste von allen Geboten Gottes ist jenes, das Ihnen heute am schwersten fällt. Ob es sich um Unehrlichkeit, Unkeuschheit oder Lügen handelt, heute ist der Tag, daran zu arbeiten, bis Sie in der Lage sind, diese Schwäche zu besiegen. Dann beginnen Sie mit dem nächsten Gebot, das für Sie äußerst schwierig zu halten ist.“ (Church News, 5. Mai 1973, Seite 3.)

Aufgaben

  1. 1.

    Bitten Sie den Herrn in Ihren persönlichen Gebeten darum, daß er Ihnen hilft, die Probleme zu überwinden, an denen Sie arbeiten. Berichten Sie ihm jeden Tag von Ihrem Fortschritt, und fahren Sie damit fort, um Vergebung für vergangene Fehler zu beten, während Sie sich um Besserung bemühen.

  2. 2.

    Zeigen Sie Freude an der Umkehr anderer, besonders bei Mitgliedern der eigenen Familie.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Psalm 51:10 (David bittet um Vergebung.)

  • Jesaja 1:16–18 (Es ist uns geboten umzukehren.)

  • Lukas 15:7 (Der Himmel frohlockt über diejenigen, die umkehren.)

  • 2 Korinther 7:10 (Göttliche Trauer führt zur Umkehr.)

  • Mosia 4:1–3 (Aufgrund des Sühnopfers Christi können Sünden vergeben werden.)

  • Alma 7:15 (Die Taufe als Zeichen der Umkehr.)

  • Alma 12:14,15 (Erlösung erfolgt durch Glaube und Umkehr.)

  • Alma 34:8,9 (Christus hat für die Sünden der Welt gesühnt.)

  • LuB 19:16,17 (Christus hat für diejenigen gelitten, die umkehren.)

  • LuB 76:40–42 (Jesus starb, um für die Sünden der Welt zu sühnen.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 19, „Die Umkehr“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Erinnern Sie alle daran, die heiligen Schriften zum Unterricht mitzubringen.

  3. 3.

    Sie können einige aus der Klasse damit beauftragen, über die sieben Schritte der Umkehr zu sprechen, die in Kapitel 19 im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums behandelt werden.

  4. 4.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.

  5. 5.

    Bereiten Sie den Unterricht so vor, daß eine Diskussion über die persönlichen Probleme einzelner Kollegiumsmitglieder vermieden wird.