Die Taufe, ein immerwährendes Bündnis

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jeden dazu ermutigen, die Bündnisse, die er bei der Taufe eingegangen ist, auch weiterhin zu halten.

Einleitung

Jeder von uns, der getauft ist, hat sich taufen lassen, um zu zeigen, daß er sein Leben geändert hat und bereit ist, die Grundsätze zu befolgen, die zur Erhöhung führen. Es reicht aber nicht, nur getauft zu sein. Zum Zeitpunkt unserer Taufe schlugen wir einen neuen Lebensweg ein. Damit wir die Segnungen dieses neuen Lebens erlangen, müssen wir weiter Fortschritt machen und uns verbessern.

Der Prophet Alma, der sich um seine Brüder im Priestertum Sorgen machte, nachdem diese getauft worden waren, sagte zu ihnen: „Und nun siehe, ich frage euch, meine Brüder in der Kirche: Seid ihr geistig aus Gott geboren? Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen? Habt ihr diese mächtige Wandlung im Herzen erlebt?“ (Alma 5:14.) Die Frage ist heute genauso wichtig. Haben wir alle eine Wandlung in unserem Herzen erlebt, und haben wir seit unserer Taufe, durch die wir in die Kirche Jesu Christi aufgenommen worden sind, eine geistige Wiedergeburt erfahren?

Viele Menschen haben bei ihrer Taufe ein geistiges Erlebnis. Ein Mitglied beschrieb es auf folgende Weise: „Ich werde nie das Gefühl in meiner Seele vergessen, rein zu sein und als Kind Gottes neu zu beginnen. … Es war ein ganz besonderes Gefühl!“ (No More Strangers, Band 3, Seite 175.)

Unser Taufbündnis

Zeigen Sie Bild 29-a, „Bei der Taufe schließen wir mit Gott ein Bündnis, die Gebote zu halten“.

Ein Bündnis ist eine Vereinbarung zwischen zwei oder mehreren Leuten. Bei der Taufe schließen wir mit Gott ein sehr wichtiges Bündnis. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt: „Bei den Bündnissen, die wir mit Gott schließen, versprechen wir, etwas zu tun, nicht bloß etwas zu unterlassen, nämlich sowohl rechtschaffen zu handeln als auch Böses zu meiden.“ (Das Wunder der Vergebung, Seite 94.)

Lassen Sie die Klasse LuB 20:37 und Mosia 18:8–10 lesen und markieren. Welche besonderen Bündnisse gehen wir bei der Taufe mit dem Herrn ein? (Schreiben Sie die Bündnisse an die Tafel.)

Wir haben versprochen, daß wir:

  • in die Kirche Jesu Christi eintreten

  • seinen Namen auf uns nehmen

  • Gott dienen und seine Gebote halten

  • einander dienen und die Last des anderen tragen helfen

  • Zeugen für Christus und seine Kirche sein wollen

Diese Schriftstellen berichten uns auch über Gottes Anteil am Taufbündnis.

Was verheißt uns der Herr bei unserer Taufe? (Schreiben Sie die Antworten an die Tafel.)

Der Herr hat verheißen, daß er:

  • uns die Sünden vergibt

  • uns die Führung des Heiligen Geistes schenkt

  • uns in der ersten Auferstehung hervorkommen läßt

  • uns ewiges Leben schenkt

Die Taufe ist „die mächtige Wandlung“, die wir alle erfahren müssen, damit wir zu unserem Vater im Himmel zurückkehren können (siehe Alma 5:13,14 und Mosia 5:7–9). Die meisten von uns ändern sich nicht im Augenblick der Taufe. Wenn wir aber gemäß unseren Bündnissen leben, vollzieht sich ein Wandel in unseren Wünschen und in unserem Handeln, und mit der Zeit werden wir unserem Vater im Himmel immer ähnlicher. Die Taufe stellt für uns nur einen neuen Anfang dar, eine geistige Wiedergeburt. Bei der Taufe wurden wir wie Christus im Wasser „begraben“ und sind hervorgekommen, um ein neues Leben zu beginnen (siehe Römer 6:3,4). Dieses neue Leben hat mit einem dauerhaften Abkommen zwischen uns und Gott begonnen; und wenn wir unseren Teil erfüllen, wird er auch seinen tun. Wenn wir ihm gehorchen, hilft er uns, uns zu ändern und führt uns in seine Gegenwart zurück.

Lassen Sie zwei Brüder, die Sie im voraus beauftragt haben, einen persönlichen Bericht über die Empfindungen geben, die sie bei der Taufe hatten. Sie sollen auch berichten, wie sich ihr Leben seit der Taufe verändert hat. Beziehen Sie die Jugendlichen in diesen Teil des Unterrichts mit ein.

Unser Fortschritt nach der Taufe

Einige Menschen sind der Meinung, daß sie allein durch die Taufe errettet werden. Die Taufe ist aber nur ein Anfang. Wir müssen nach der Taufe beständig an Rechtschaffenheit zunehmen, wenn wir ewiges Leben erlangen wollen. Um uns dabei zu helfen, hat uns der Herr bestimmte Gebote gegeben, die wir nach der Taufe halten müssen.

Lassen Sie die Klasse Moroni 6:4–9 lesen. Welche Verpflichtungen haben wir nach der Taufe? (Schreiben Sie die Antworten an die Tafel. Eine Antwort ist, der Führung des Heiligen Geistes Folge zu leisten, das wird aber in Lektion 30 besprochen.)

Zu unseren Pflichten nach der Taufe gehört es:

  • immer zu beten

  • für besondere Bedürfnisse zu fasten

  • an den Versammlungen der Kirche teilzunehmen

  • regelmäßig das Abendmahl zu nehmen

  • uns um das Wohl anderer zu kümmern

  • umzukehren, wenn wir Fehler machen

  • auf die Führung des Heiligen Geistes zu hören

Als wir getauft wurden und die Gabe des Heiligen Geistes empfingen, hat Gott uns verschiedenes verheißen, was er auch halten wird, solange wir unseren Versprechungen gemäß leben. Wenn wir unseren alltäglichen Pflichten nachgehen, unseren Lebensunterhalt verdienen, zur Schule gehen und notwendige Hausarbeiten verrichten, verstricken wir uns jedoch oft in weltliche Probleme und vergessen unsere Bündnisse. Wir sehen uns daher alle dem Problem gegenüber, unsere Geistigkeit zu bewahren und auf dem neuen Weg zu bleiben, den wir eingeschlagen haben. Die Punkte, die Moroni erwähnt, sollen uns allen helfen, das neue Leben fortzusetzten, das wir bei der Taufe begonnen haben, um so geistig wahrhaftig von neuem geboren zu werden.

BETEN

Wenn wir die Kraft haben wollen, die wir brauchen, um gemäß den Geboten des Evangeliums zu leben, ist es wichtig, daß wir regelmäßig beten. Das Gebet bewirkt, daß wir dem Vater im Himmel nahe bleiben, und es bietet uns eine Gelegenheit, dem himmlischen Vater unseren Dank auszusprechen und auch über unsere Probleme zu sprechen. Wir sollten es daher als großen Segen erachten, jeden Tag unseres Lebens mit einem Gebet zu beginnen und zu beenden.

FASTEN

Das Beten soll wenigstens einmal im Monat von Fasten begleitet werden. Als Mitglieder der Kirche fasten wir alle am Fastsonntag gewöhnlich zwei Mahlzeiten. Persönlich können wir fasten, wann immer wir Trost und zusätzliche geistige Kraft brauchen. (Siehe Lektion 31 in diesem Leitfaden.)

DIE VERSAMMLUNGEN DER KIRCHE BESUCHEN

Wir gewinnen alle geistig an Kraft, wenn wir regelmäßig die Versammlungen der Kirche besuchen. Wir lernen dabei mehr über das Evangelium und stärken unser Zeugnis. Wir sollen jeden in der Familie dazu anregen, an allen Versammlungen der Kirche teilzunehmen, die für ihn gedacht sind. Wenn wir die Versammlungen besuchen, sollen wir uns daran beteiligen, indem wir mitsingen, mitdenken, andächtig sind und Ansprachen geben.

AM ABENDMAHL TEILNEHMEN

Zeigen Sie Bild 29-b, „Wenn wir am Abendmahl teilnehmen, erneuern wir das Taufbündnis“.

sacrament(Klicken Sie hier für eine größere Ansicht.)

29-b, Wenn wir am Abendmahl teilnehmen, erneuern wir das Taufbündnis.

Ein Grund, weshalb wir die Abendmahlsversammlung besuchen, ist der, das Abendmahl zu nehmen. Die Bündnisse, die wir eingehen, wenn wir vom Abendmahl nehmen, sind die gleichen, die wir bei der Taufe geschlossen haben. Auf diese Weise erinnern wir uns jede Woche an unser Taufbündnis und versprechen erneut, es zu halten.

ANDEREN HELFEN

Lassen Sie den zuvor Beauftragten LuB 20:37 mit LuB 20:77 vergleichen.

Als wir getauft wurden, haben wir dem Herrn versprochen, daß wir willens sind, „einer des anderen Last zu tragen, … mit den Trauernden zu trauern, ja, und diejenigen zu trösten, die Trost brauchen“ (Mosia 18:8,9). Der Dienst am Nächsten – den Bedürftigen helfen, die Familie belehren, uns um das Wohl aller Menschen zu kümmern – ist Bestandteil des Taufbündnisses, das wir mit dem Herrn geschlossen haben. Es ist ein wichtiger Teil dieses neuen Lebens, das wir nach der Taufe selbst gestalten müssen.

VON UNSEREN SÜNDEN UMKEHREN

Natürlich machen wir alle Fehler und müssen daher umkehren, um unser Taufbündnis zu halten. Wir üben Umkehr, indem wir den Fehler erkennen und ihn der zuständigen Kirchenautorität bekennen (siehe Lektion 28 in diesem Leitfaden). Durch die Umkehr können wir von den Sünden wieder gereinigt werden und würdig sein, die Führung des Heiligen Geistes zu erhalten.

Der Weg zur Vollkommenheit

Wird es jemals eine Zeit geben, in der wir das Taufbündnis nicht mehr brauchen? Die Antwort lautet natürlich, nein – nicht, bis wir so vollkommen sind wie Gott. So lange müssen wir damit fortfahren, unser Leben zu vervollkommnen und schlechte Gewohnheiten mit guten ersetzen. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt: „Die Arbeit am eigenen Ich ist gewiß etwas, was sich über einen langen Zeitraum hinzieht. Man kann sie mit einer Reise vergleichen, die ja mit dem Aufbruch gerade erst begonnen hat. Niemand ist von heute auf morgen rechtschaffen, ebensowenig wie eine kleine Eichel plötzlich zu einer Eiche wird. Dennoch kann man schnell vollkommen werden, wenn man mit großen Schritten entschlossen auf das Ziel zugeht.“ (Das Wunder der Vergebung, Seite 230.)

Der Prophet Nephi lehrt, daß wir nach der Taufe „vorwärtsstreben“ und „bis ans Ende ausharren“ müssen. Er verheißt uns, daß Gott uns ewiges Leben schenken wird, wenn wir ihm [Gott] unsere Liebe dadurch zeigen, daß wir ihm gehorchen (siehe 2 Nephi 31:19–21). Wenn wir dem Herrn gehorchen und die Bündnisse halten, die wir bei der Taufe mit ihm eingegangen sind, werden wir in diesem Leben glücklich sein und ewige Freude im nächsten Leben erfahren.

Präsident Joseph Fielding Smith hat folgendermaßen erklärt, wie notwendig es ist, bis ans Ende auszuharren und unsere Bündnisse zu halten: „Einer der wesentlichen Zwecke der wahren Kirche besteht darin, die Menschen darüber zu belehren, was sie nach der Taufe tun müssen, um alle Segnungen des Evangeliums zu empfangen. … Wir müssen bis ans Ende ausharren; wir müssen nach der Taufe die Gebote halten; wir müssen uns die Errettung erarbeiten; … wir müssen so leben, daß wir uns göttliche Eigenschaften aneignen und Menschen werden, die sich der Herrlichkeit und Wunder des celestialen Reiches erfreuen können.“ (“The Plan of Salvation”, Ensign, November 1971, Seite 5.)

Schluß

Eine ehemalige katholische Nonne, die zur Kirche bekehrt worden ist, erklärt, was die Taufe für sie bedeutet:

„Alles, was ich in der Kirche sah und hörte, beeindruckte mich sehr. Die Wärme, Liebe und aufrichtige Sorge, die die Mitglieder füreinander empfanden, ließen mich erkennen, daß an dieser Religion etwas Besonderes sein mußte. …

Ich erkannte dann, daß ich mich in der falschen Kirche befand und daß die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die einzig wahre Kirche auf der Erde ist. Ich wußte auch, daß ich mich ihr anschließen mußte. …

Der Übergang von meinem früheren zu meinem jetzigen Leben war nicht leicht. Das, was mich während der ganzen Erfahrung aufrechterhalten hat, war und ist die wöchentliche Erneuerung meines Taufbündnisses in der Abendmahlsversammlung – mein Versprechen, den Namen des Erretters auf mich zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten und andererseits die Verheißung des Herrn, daß sein Geist immer bei mir sein wird, wenn ich meinen Teil des Bündnisses einhalte.

Als nächstes erinnere ich mich an meine Taufe und das völlige Untertauchen im Wasser. Für mich war das ein Symbol dafür, daß Egoismus und Sünde starben und ich mich als Kind Gottes zu einem neuen Leben erhob. Ich glaube auch, daß die Taufe ein Symbol für die Lebensweise ist, die der himmlische Vater von uns möchte – Egoismus zu überwinden und Versuchung zu widerstehen. Auf diese Weise ,stirbt‘ das eigene Ich und die Sünde, und wir erstehen neu und schreiten täglich voran auf dem Weg, zurück zur Gegenwart unseres Vaters.

Dann erneuere ich still mein Versprechen, den Namen Jesu Christi auf mich zu nehmen. Ich lasse ihn dabei wissen, daß ich ihn, die Grundsätze des Evangeliums, seine Lehren und die Kirche annehme und bereit bin, den Propheten und die anderen Autoritäten der Kirche zu unterstützen – die einzigen, die göttliche Vollmacht besitzen, uns im Namen Gottes zu führen. In meinem stillen Gebet füge ich hinzu, daß ich auch das Versprechen erneuere, immer an ihn zu denken, daß ich mir z. B. während des Tages, im Augenblick der Versuchung oder Schwäche, seine Gegenwart in Erinnerung rufe. Schließlich erneuere ich das Bündnis, die Gebote zu halten, denn ich weiß, daß ich seinen Geist mit mir habe, wenn ich das getreu tue.“ (Miriam Spain Peterson, “The Lord Takes Care”, No More Strangers, Band 3, Seite 154–159.)

Aufgabe

Überprüfen Sie, was Sie seit der Taufe aus Ihrem Leben gemacht haben. Damals haben Sie vielleicht verspürt, wie bei Ihnen eine „Wandlung im Herzen“ begann. Der Prophet Alma fragt: „Ist es euch auch jetzt danach zumute?“ (Alma 5:26.) Fühlen Sie sich noch immer wie „ein neuer Mensch“, wie es in der Schrift heißt? Wenn Ihnen etwas dazu fehlt, beginnen Sie heute mit der Umkehr, und beheben Sie das Problem.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Galater 3:27–29 (Bei der Taufe nehmen wir den Namen Christi auf uns.)

  • 1 Petrus 3:21 (Die Taufe – eine Voraussetzung für die Errettung.)

  • LuB 27:2 (Wir nehmen das Abendmahl zur Erinnerung an Christus.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 20, „Die Taufe“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Lesen Sie Lektion 28 und 31 in diesem Leitfaden.

  3. 3.

    Besorgen Sie Tafel und Kreide bzw. Stifte, oder fertigen Sie ein Plakat mit den einzelnen Punkten des Taufbündnisses und den Ratschlägen in Moroni 6:4–9 an.

  4. 4.

    Wahlweise: Beauftragen Sie einen Klassenteilnehmer damit, das Taufbündnis mit dem Bündnis zu vergleichen, das wir beim Abendmahl eingehen.

  5. 5.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.