Die Gabe des Heiligen Geistes

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen, die großen Segnungen zu verstehen, die durch den Heiligen Geist erfolgen können.

Einleitung

Vielleicht hat der Heilige Geist verschiedentlich zu uns gesprochen, bevor wir uns der Kirche angeschlossen haben. Das gute Gefühl, das wir z. B. verspürt haben, als wir den Missionaren zuhörten, war der Heilige Geist, der uns geholfen hat, das Evangelium zu verstehen und anzunehmen. Aber bis wir getauft und konfirmiert waren, hatten wir nicht das Anrecht, den Heiligen Geist als ständigen Begleiter bei uns zu haben. Damals wurde uns durch die Macht des Melchisedekischen Priestertums die Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen gespendet.

Präsident Lorenzo Snow hat uns geraten: „Wir sollten uns darum bemühen, das Wesen dieses Geistes kennenzulernen, damit wir seine Einflüsterungen verstehen – dann sind wir immer imstande, das Rechte zu tun. … Von dem Augenblick an, wo wir die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, haben wir einen Freund, wenn wir ihn nicht durch falsches Verhalten vertreiben. Dieser Freund ist der Heilige Geist.“ (Conference Report, April 1899, Seite 52.)

Zeigen Sie Bild 30-a, „Die Gabe des Heiligen Geistes ist das Anrecht, den Heiligen Geist als ständigen Begleiter bei sich zu haben“.

Wie kann der Heilige Geist wie ein Freund sein? Lassen Sie die Klasse Johannes 14:16,17,26 und Johannes 16:13 lesen.

Warum brauchen wir den Heiligen Geist als Freund und Begleiter? (Schreiben Sie die Antworten an die Tafel.)

Der Heilige Geist hilft uns z. B. folgendermaßen:

  • Er offenbart uns die Wahrheit.

  • Er hilft dabei, uns das Evangelium zu lehren.

  • Er hilft uns, etwas im Gedächtnis zu behalten.

  • Er tröstet uns, wenn wir Kummer haben.

  • Er schützt uns vor Bösem.

  • Er inspiriert uns, wenn wir in einer Ansprache und im Unterricht das Evangelium lehren.

  • Er warnt uns, wenn wir in Gefahr sind.

  • Er sagt uns, was wir tun sollen.

Lesen Sie 2 Nephi 32:5.

Elder LeGrand Richards hat gesagt: „In keiner Gesellschaft dieser Welt möchte ich meine Kinder und Enkelkinder lieber sehen, als in der des Heiligen Geistes. Wenn sie nämlich auf die Eingebungen jenes Geistes hören, führt er sie zu aller Wahrheit und sicher zurück in die Gegenwart des Vaters im Himmel.“ (Improvement Era, Juni 1966, Seite 540.)

Es ist äußerst wünschenswert, den Heiligen Geist zum Begleiter zu haben. Deshalb sollen wir alles in unserer Macht Stehende tun, damit er unser Freund sein kann und wir ihn immer bei uns haben können.

Den Heiligen Geist bei uns behalten

Wir können vieles tun, damit der Heilige Geist bei uns bleibt. Wir können beispielsweise würdig das Abendmahl nehmen. Jedesmal, wenn wir das Abendmahl nehmen, versprechen wir, die Gebote des Herrn zu befolgen. Wenn wir unser Versprechen halten, hat der Herr uns verheißen, daß sein Geist immer mit uns sein wird. (Siehe LuB 20:77.)

Eine andere Möglichkeit, wie wir den Heiligen Geist bei uns behalten können, besteht darin, daß wir unseren Körper in moralischer Hinsicht rein halten. Der Herr sagt uns, daß unser Körper wie ein Tempel ist, und daß wir ihn nicht verunreinigen dürfen (siehe 1 Korinther 3:16,17). Der Heilige Geist kann in keinem unreinen Tempel wohnen; daher ist es wichtig, daß wir unseren Körper rein halten. Das betrifft sowohl unsere Gedanken, Worte und Taten, als auch die Art, wie wir uns kleiden. Wir sollen selbst den Anschein des Bösen meiden. Elder Melvin J. Ballard hat einmal gesagt: „Der Heilige Geist ist der empfindlichste Geist, den ich kenne.“ (1967–1968 Priesthood Study Course, Deacons Quorum, Seite 70.) Weil der Heilige Geist so empfindsam ist, kann er schon durch etwas beleidigt werden, was wir als unbedeutend erachten.

Um den Heiligen Geist bei uns zu behalten, müssen wir mit den Menschen um uns herum in Harmonie leben. Christus hat zu den Nephiten gesagt, daß der Geist des Streites vom Teufel kommt (siehe 3 Nephi 11:29). Wo Uneinigkeit herrscht, kann sich der Heilige Geist nicht aufhalten. Wenn wir also mit unserer Frau streiten oder mit einem Bruder oder einer Schwester zanken, treiben wir den Heiligen Geist von uns und der Familie fort.

Der Prophet Joseph Smith konnte z. B. keinerlei Offenbarung vom Herrn empfangen, wenn er nicht allen gegenüber die rechten Gefühle hatte. Eines Morgens ärgerte er sich über irgend etwas, was seine Frau getan hatte. Später, als er versuchte, etwas vom Buch Mormon zu übersetzen, stellte er fest, daß er dazu nicht in der Lage war. Besorgt ging er in den Obstgarten und betete, dann kam er zurück und bat Emma um Vergebung. Erst dann konnte er wieder übersetzen. (Einer Aussage David Whitmers vom 15. September 1882 entnommen, Comprehensive History of the Church, Band 1, Seite 131.)

Wir brauchen den Heiligen Geist genauso nötig wie der Prophet. Wir brauchen die Führung des Heiligen Geistes bei der Ausübung unserer Pflichten und besonders bei der Führung der Familie. Wenn unsere Kinder etwas falsch machen, sollen wir daher nicht unbeherrscht reagieren, sondern den Heiligen Geist bitten, uns zu führen, wenn wir unsere Kinder zurechtweisen (siehe LuB 121:43).

Was hält den Heiligen Geist davon ab, unser Begleiter zu sein? Was können wir tun, damit er bei uns bleibt? (Schreiben Sie die Antworten in zwei getrennten Spalten an die Tafel.)

Präsident Joseph Fielding Smith hat gesagt: „Der Heilige Geist verweilt nicht bei jemandem, der nicht bereit ist, die Gebote Gottes zu befolgen. … In eine solche Seele kann der Heilige Geist nicht eindringen.

Diese große Gabe erlangen wir nur durch Demut, Glauben und Gehorsam. … Haben Sie jemals daran gedacht, welch großes Vorrecht es für uns ist, ein Mitglied der Gottheit als Begleiter zu haben? Haben Sie einmal in dieser Form daran gedacht? Das ist unser Vorrecht, wenn wir die Gebote halten, die der Herr uns gegeben hat.“ (Church News, 4. November 1961, Seite 14.)

Auf welche Weise der Heilige Geist uns hilft

Wenn wir durch unsere Treue zeigen, daß wir den Heiligen Geist als unseren Begleiter wünschen, hilft er uns auf folgende Weise, ein glücklicheres und besseres Leben zu führen:

ER HILFT UNS, EIN BESSERER MENSCH ZU SEIN

Der Heilige Geist „inspiriert uns zu Tugend, Freundlichkeit, Güte, Sanftheit und Nächstenliebe“ (Parley P. Pratt, Key to the Science of Theology, Seite 101).

ER ZEIGT UNS, WAS WIR TUN SOLLEN

Der Heilige Geist kann uns helfen, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Lesen Sie LuB 6:15 und LuB 8:2. Wie hilft der Heilige Geist uns dabei, eine Entscheidung zu treffen?

ER HILFT UNS, IN DER KIRCHE ZU WACHSEN

Elder Franklin D. Richards hat erzählt, wie der Heilige Geist ihn geführt hat: „Ich habe die leise, sanfte Stimme – die Einflüsterungen des Geistes – vernommen, wenn ich mit Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, über Probleme sprach; wenn ich einem Mann das Priestertum übertragen habe; wenn ich einen Mann oder eine Frau zu einem Amt in der Kirche eingesetzt habe; wenn ich einen Kranken gesegnet habe; wenn ich Nichtmitgliedern und Mitgliedern mein Zeugnis gab; wenn ich eine Ansprache hielt und bei vielen anderen Gelegenheiten.“ (“The Continuing Power of the Holy Ghost”, Ensign, Juli 1973, Seite 117.)

DER HEILIGE GEIST WARNT UNS

Manchmal warnt der Heilige Geist uns vor Gefahr oder Versuchung. Elder Franklin D. Richards hat von einem jungen Vater berichtet, der eines Nachts von einer Stimme geweckt wurde, die ihm deutlich sagte, er solle aufstehen und hinunter ins Erdgeschoß gehen. Er hörte auf die Warnung. Als er in die Küche kam, stand eine Wand in Flammen. Schnell weckte er seine Familie und rief die Feuerwehr an. Mit Hilfe seiner Familie bekämpfte er das Feuer so weit, daß es sich nicht weiter ausbreitete, bis die Feuerwehrleute kamen, um es zu löschen.

„Für ihn bestand kein Zweifel daran, daß diese Warnung eine Kundgebung des Schutzes war, den der Heilige Geist denjenigen geben kann, die im Einklang mit dem Geist leben.“ (Ensign, Juli 1973, Seite 117.)

Lassen Sie den zuvor Beauftragten von einem Erlebnis erzählen, wobei der Heilige Geist ihn vor Versuchung oder Gefahr gewarnt hat.

DER HEILIGE GEIST KANN UNS TRÖSTEN

Eine Aufgabe des Heiligen Geistes besteht darin, ein Tröster in Zeiten des Kummers und Leids zu sein. In solchen Zeiten kann der Heilige Geist uns helfen, Frieden zu finden und ein Verständnis unserer Prüfungen zu erlangen. Elder Franklin D. Richards erzählte folgende Begebenheit: „Ich hatte das Vorrecht, zwei wunderbare Frauen zu treffen, mit denen ich gut befreundet war. Beide hatten kurz zuvor ihren Mann in einem tragischen Flugzeugunglück verloren. Sie waren jedoch keineswegs in Verzweiflung und tiefer Trauer. Nie habe ich größeren Mut und Stärke gesehen, wie bei diesen beiden. Sie bezeugten beide, daß sie wahrhaftig den Trost des Geistes verspürt hätten. … Sie hatten die Versicherung, daß es ihnen und ihrer Familie gut gehen würde, wenn sie der Kirche treu blieben und die Gebote des Herrn hielten.“ (Ensign, Juli 1973, Seite 117.)

Lassen Sie den Beauftragten folgende Geschichte vortragen:

Präsident Heber J. Grant hat erzählt, wie der Heilige Geist seiner Familie Erkenntnis und Trost vermittelte:

„Ungefähr eine Stunde bevor meine Frau starb rief ich meine Kinder in ihr Zimmer und sagte ihnen, daß ihre Mutter bald sterben würde und sie sich von ihr verabschieden sollten. Da sagte die 12jährige Tochter zu mir: ,Papa, ich möchte nicht, daß Mama stirbt. Ich bin mit dir sechs Monate lang ins Krankenhaus gefahren. … Immer, wenn es Mama schlechging, hast du ihr einen Segen gegeben, und ihre Schmerzen ließen nach, so daß sie ruhig schlafen konnte. Ich möchte, daß du Mama die Hände auflegst und sie heilst.‘

Ich sagte meiner Tochter, daß jeder von uns irgendwann sterben muß und daß ich in meinem Herzen wußte, daß die Zeit für ihre Mutter gekommen war. Sie verließ darauf hin mit den anderen Kindern das Zimmer.

Dann kniete ich neben dem Bett meiner Frau nieder (die zu diesem Zeitpunkt das Bewußtsein verloren hatte), und ich sagte dem Herrn, daß ich seine Hand in allem anerkannte – im Leben, im Tod, in Freude, in Kummer, im Wohlstand oder im Unglück. Ich dankte ihm für das Wissen, daß meine Frau und ich für alle Ewigkeit zusammengehörten. … Aber ich sagte dem Herrn, daß mir die Kraft fehlte zu sehen, wie meine Frau starb und sich dies negativ auf den Glauben meiner Kinder auswirkte. … Und ich bat den Herrn mit aller Kraft, die ich besaß, meiner Tochter die Erkenntnis zu geben, daß es seine Absicht und sein Wille war, daß ihre Mutter starb.

Innerhalb einer Stunde starb meine Frau, und ich rief die Kinder ins Zimmer zurück. Mein kleiner Sohn, ungefähr fünfeinhalb oder sechs Jahre alt, weinte bitterlich, und die zwölfjährige Tochter nahm ihn in die Arme und sagte: ,Weine nicht, Heber, nachdem wir vorher aus dem Zimmer gegangen sind, hat der Vater im Himmel zu mir gesagt: „Der Tod deiner Mutter ist mein Wille.“‘ …

Ich … weiß, daß Gott Gebete erhört! [Ich weiß], daß die Heiligen der Letzten Tage in der Stunde der Not getröstet und gesegnet werden, wie kein anderes Volk!“ (Gospel Standards, Seite 361.)

DER HEILIGE GEIST GIBT ZEUGNIS VON DER WAHRHEIT

Durch den Heiligen Geist empfangen wir ein Zeugnis vom Evangelium. Auf die gleiche Weise hilft uns der Heilige Geist zu erkennen, wann unsere Führer mit der Macht des Heiligen Geistes sprechen. Elder Henry D. Moyle hat gelehrt: „Wir können nur dann sagen, wann die Sprecher vom Heiligen Geist bewegt sind, wenn wir ihn auch selbst mit uns haben. Daher ist es notwendig, daß die Mitglieder der Kirche in ihrem Glauben genauso eifrig sind wie ihre Führer.“ (“Revelation: Yesterday and Today”, Improvement Era, Juni 1962, Seite 407.)

Die Segnungen des Heiligen Geistes sind real und für uns als Mitglieder der Kirche erhältlich, wenn wir uns rechtschaffen darum bemühen.

Fordern Sie den zuvor Beauftragten auf, ein Erlebnis zu erzählen, wo er die Gegenwart des Heiligen Geistes verspürt hat.

Schluß

Die Gabe des Heiligen Geistes ist ein großer Segen für diejenigen, die als Mitglied der Kirche konfirmiert wurden. Wenn wir so leben, daß wir der Gegenwart des Heiligen Geistes würdig sind, hilft er uns, unsere Mission hier auf der Erde erfolgreich zu vollenden. Er tut das, indem er uns führt, schützt, tröstet und uns anderweitig in allen Bereichen unseres Lebens hilft.

Aufgabe

Trachten Sie nach der Gegenwart des Heiligen Geistes im täglichen Leben. Stellen Sie sich selbst folgende Fragen, damit Sie die Bereiche herausfinden, in denen Sie sich verbessern müssen, um den Heiligen Geist als ständigen Begleiter zu haben.

  • Bemühe ich mich, alle Gebote zu halten?

  • Bete ich regelmäßig?

  • Wie zeige ich meine Liebe für den Erretter?

  • Wie zeige ich meine Liebe für andere?

  • Halte ich meine Gedanken und Taten rein?

  • Danke ich dem Herrn für die Segnungen, die Gabe des Heiligen Geistes eingeschlossen?

Zusätzliche Schriftstellen

  • Apostelgeschichte 5:32 (Der Heilige Geist kommt zu den Gehorsamen.)

  • 1 Nephi 10:17–19 (Macht und Erkenntnis vom Heiligen Geist empfängt man durch Glauben an Christus.)

  • 2 Nephi 31:13 (Nach Glaube, Umkehr und Taufe empfängt man den Heiligen Geist.)

  • Mose 6:61 (Die Macht und Segnungen des Heiligen Geistes.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 21, „Die Gabe des Heiligen Geistes“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Erinnern Sie alle daran, die heiligen Schriften zum Unterricht mitzubringen.

  3. 3.

    Wenn Sie keine Tafel und Kreide bzw. Stifte besorgen können, fertigen Sie ein Plakat mit den vorgeschlagenen Übersichten an.

  4. 4.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.