Fasten und Beten

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem zeigen, wie er seine Familie und das Kollegium durch Fasten und Beten stärken kann.

Einleitung

Lassen Sie die Beauftragten eine kurze Übersicht über die Grundsätze des Fastens und Betens geben, wie es im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums steht.

Fasten und Beten stärkt uns und unsere Familie

Fasten und beten kann uns helfen, uns selbst und unsere Familie zu stärken. Das Fasten verleiht unserem Gebet mehr Macht, weil es die Ernsthaftigkeit des Gebetes betont. Wenn wir fasten und beten, wenden wir uns außerdem von den Dingen der Welt ab und erkennen unsere Abhängigkeit vom Herrn. Auf diese Weise öffnen wir das Herz und lernen den Willen Gottes für uns und unsere Familie kennen und anzunehmen.

Fasten und beten vergrößert auch die Fähigkeit, das Priestertum wirksam anzuwenden. Wenn wir lernen, wie wir die Macht des Priestertums ausüben und anwenden, werden sowohl andere als auch wir selbst gesegnet. Und das Priestertum kann nur durch die Grundsätze der Rechtschaffenheit abgewendet werden (siehe LuB 121:34–36).

Zeigen Sie Bild 31-a, „Fasten und beten kann einem Priestertumsträger dabei helfen, einen Kranken wirksamer zu segnen“.

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31-a, Fasten und beten kann einem Priestertumsträger dabei helfen, einen Kranken wirksamer zu segnen.

Die folgende Geschichte berichtet, wie die Macht des Fastens und Betens einem Priestertumsträger dabei geholfen hat, sein Priestertum anzuwenden:

Der kleine Sohn von John und Bonnie wurde ernsthaft krank, und die Ärzte diagnostizierten die Krankheit als Hirnhautentzündung. Sie teilten den Eltern mit, daß ihr Sohn entweder sterben oder physisch und geistig behindert sein würde. Als Träger des Melchisedekischen Priestertums beschloß John, seinem Sohn einen Segen zu geben. Als er sich anschickte, die Salbung zu siegeln, wurde ihm jedoch bewußt, daß er den Willen des Herrn in bezug auf seinen Sohn nicht kannte. Und so segnete er den Jungen einfach dahingehend, daß er keine Beschwerden haben würde.

Nach dem Segen fingen John und Bonnie an zu fasten, um den Willen des Herrn zu erfahren und ihn annehmen zu können. Am Ende ihres Fastens waren John und Bonnie so weit, daß sie den Willen des Herrn akzeptieren konnten. John segnete seinen Sohn noch einmal. Dieses Mal flüsterte der Geist ihm ein, dem Kind zu verheißen, daß es vollkommen geheilt werden würde. Ihr Sohn wurde geheilt, und drei Tage später nahmen sie ihn aus dem Krankenhaus mit nach Hause.

Wie hätte das Fasten John und Bonnie geholfen, wenn die Antwort auf ihr Gebet anders ausgefallen wäre?

Durch Fasten und Beten unsere Familie belehren und stärken

Als Eltern sollen wir immer darum beten, die Bedürfnisse unserer Kinder zu erkennen und ihnen gerecht zu werden. Wenn eines unserer Kinder gerade ein spezielles Problem zu bewältigen hat, können wir es zum Beispiel in unseren Familiengebeten erwähnen. Wir sollten allerdings darauf achten, das immer auf positive Weise zu tun. Ein Vater betete mit folgenden Worten für seinen Sohn: „[Himmlischer] Vater, wir wissen, daß John sich wirklich anstrengt, sein Temperament zu zügeln. Wir sind dankbar, ihn wachsen zu sehen, und wir danken dir auch für die Hilfe und Unterstützung, die du unserem Sohn gibst. Bitte segne ihn weiterhin, und segne auch uns, daß wir ihn nicht zum Zorn reizen, sondern statt dessen unsere Liebe und Bereitschaft zum Ausdruck bringen, ihm zu helfen.“ (Ensign, Mai 1973, Seite 34.)

Wie kann ein solches Gebet einem jungen Mann helfen, sein Problem zu überwinden?

Elder M. Russell Ballard jun. berichtet von einem Erlebnis mit seinem fünfjährigen Sohn, der Angst vor dem Schulbeginn hatte. Er erkannte, daß sein Sohn Angst hatte und sagte: „Craig, du hast einen Freund, der immer bei dir ist. Laß uns zusammen niederknien und ihn bitten, dir zu helfen.“ (Ensign, November 1976, Seite 87, 88.)

Wie die folgende Geschichte zeigt, kann fasten und beten als Familie große Stärke und Einigkeit in eine Familie bringen:

Alan war ein junger Mann, der eine Berufung erhalten hatte, für den Herrn eine Mission in einem fremden Land zu erfüllen. Es lag ihm viel daran, dem Herrn zu dienen; als er aber begann, die Sprache zu studieren, stellte sich bei ihm Besorgnis ein, weil er nicht in der Lage war, die Sprache zu lernen.

Als Alans Vater von dem Problem seines Sohnes erfuhr, rief er die Familie zusammen. Er bat sie, zu beten und zu fasten, damit Alan sein Problem überwinden und eine erfolgreiche Mission erfüllen konnte.

Wie kann ein solches Erlebnis unsere Kinder stärken? Wie kann gemeinsames Fasten und Beten eine Familie vereinen? Lesen Sie 3 Nephi 18:21.

Durch fasten und beten das Werk des Herrn vollbringen

Einmal kam ein Mann zu Jesus, kniete vor ihm nieder und sagte:

„Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Immer wieder fällt er ins Feuer oder Wasser. Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen.“

Sofort trieb der Herr den Teufel aus dem Jungen aus. Die Jünger kamen zu Jesus und fragten: „Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben?“ Jesus sagte ihnen, daß es an ihrem Unglauben läge und fügte noch hinzu, daß diese Art nur durch Fasten und Gebet ausfahren würde (siehe Matthäus 17:14–21).

In der folgenden Geschichte berichtet Elder Matthew Cowley von einem Bischof, der die Notwendigkeit des Fastens und Betens verstand:

„[Ein reicher junger Bischof in Honolulu] erhielt eines Tages vom Queen’s Hospital einen Anruf, daß er kommen und einen Jungen segnen solle, der Kinderlähmung hatte. Eine Schwester – eine Eingeborene der Insel – hatte ihn angerufen. Er war ihr Bischof, und sie sagte: ,Bischof, mein Junge hat Polio, und ich bitte Sie, daß Sie herkommen und ihm einen Segen geben.‘ Den ganzen Tag wartete sie auf ihn, aber der Bischof tauchte nicht auf. Auch in der Nacht erschien er nicht. Er kam auch nicht am nächsten Morgen, sondern erst am frühen Nachmittag. Die Frau überfiel ihn mit allen Schimpfworten, die ihr nur einfielen. ,Ich rufe Sie, meinen Bischof, an und sage Ihnen, daß mein Sohn hier an Polio erkrankt ist. Und Sie, der Sie Ihr eigener Chef sind, mehrere Autos und eine Yacht haben und alles, was Sie nur wollen, Sie, der sich die Zeit selbst einteilen kann, lassen sich nicht blicken. Sie kommen erst jetzt, nachdem ein ganzer Tag vergangen ist.‘ Nachdem sie aufgehört hatte, zu schimpfen und ihr nichts mehr eingefallen war, was sie ihm noch hätte vorwerfen können, lächelte er und sagte: ,Als ich den Telefonhörer gestern einhängte, begann ich zu fasten. Ich betete und fastete 24 Stunden lang. Ich bin jetzt bereit, Ihren Jungen zu segnen.‘ Um fünf Uhr an jenem Abend wurde der Junge aus dem Krankenhaus entlassen. Er war von der Kinderlähmung völlig geheilt. ,Diese Art fährt nur aus durch Beten und Fasten.‘

Nun, ich bezweifle stark, daß das geschehen wäre, wenn der Bischof am Tag vorher in die Klinik gefahren wäre. Ich glaube, daß Beten und Fasten nötig waren. Ich denke, daß wir, die wir dieses Priestertum tragen, manchmal nicht genug Gebrauch davon machen. Wir müssen in diesem Priestertum sozusagen in Übung bzw. in der richtigen Verfassung bleiben, dann sind wir immer vorbereitet, wenn wir hinausgehen, um in unserem Priestertum zu amtieren und Segen zu geben.“ (Matthew Cowley Speaks, Seite 150.)

Es ist nicht immer notwendig, so lange zu warten, bis wir einen Krankensegen geben, wir sollen uns aber immer um Inspiration vom Herrn bemühen, bevor wir irgendeine Priestertumsverordnung vollziehen.

Warum ist es für uns wichtig, geistig vorbereitet zu sein, wenn wir eine Priestertumsverordnung vollziehen?

So, wie sich ein Priestertumsführer darauf vorbereiten muß, eine heilige Handlung zu vollziehen, so muß auch derjenige, der um einen Segen bittet, sich und seine Familie darauf vorbereiten, die heilige Handlung zu empfangen. Die folgende Geschichte zeigt, wie die Eltern eines Kindes Fasten und Beten dazu nutzten, sich und ihr Kind auf einen Segen vorzubereiten.

„Vor etwas mehr als einem Jahr kam ein Ehepaar in mein Büro. Sie trugen einen kleinen Jungen. Der Vater sagte zu mir: ,Meine Frau und ich haben zwei Tage lang gefastet, und wir haben unseren kleinen Jungen hierher gebracht, damit Sie ihm einen Segen geben. Sie sind derjenige, zu dem wir geschickt wurden.‘

Ich fragte: ,Was ist los mit ihm?‘

Sie sagten, daß er blind und taubstumm geboren sei und keine Muskelkoordination vorhanden war, so daß er mit fünf Jahren noch nicht einmal krabbeln konnte. Ich sagte mir, das ist es! ,Diese Art fährt nur aus durch Beten und Fasten.‘ Ich hatte absolutes Vertrauen in das Fasten und Beten dieser Eltern. Ich segnete dieses Kind, und ein paar Wochen später erhielt ich einen Brief. ,Bruder Cowley, wir wünschten, Sie könnten unseren kleinen Jungen jetzt sehen. Er krabbelt. Wenn wir einen Ball über den Boden rollen, flitzt er auf Händen und Knien hinterher. Er kann sehen. Wenn wir über seinem Kopf in die Hände klatschen, hüpft er. Er kann hören. Die Medizin hatte aufgegeben. Gott hatte den Fall übernommen.“ (Matthew Cowley, “Miracles”, Speeches of the Year, BYU, 1953, Seite 8.)

Viele Missionare haben den Segen entdeckt, der gemeinsamem Fasten und Beten entspringt. Präsident Ezra Taft Benson berichtet von einem Erlebnis, das er als Missionar hatte, als er mit seinem Mitarbeiter fastete und betete.

„Aus persönlicher Erfahrung kenne ich die Wirksamkeit und Macht des Gebets. Als ich 1922 als junger Missionar in Nordengland war, wurde der Widerstand gegen die Kirche sehr heftig. Der Widerstand wurde so groß, daß der Missionspräsident verlangte, daß alle Straßenversammlungen eingestellt wurden, und in einigen Fällen durften wir auch nicht mehr von Tür zu Tür gehen.

Mein Mitarbeiter und ich waren eingeladen worden, nach South Shields zu kommen, um in der Abendmahlsversammlung zu sprechen. In der Einladung hieß es: ,Wir sind sicher, daß wir das kleine Gemeindehaus voll bekommen. Viele der Leute hier glauben nicht an die Unwahrheiten, die über uns geschrieben werden. Wenn Sie kommen, werden wir bestimmt eine großartige Versammlung haben.‘ Wir nahmen die Einladung an.

Wir fasteten und beteten aufrichtig und gingen zu der Versammlung. Mein Mitarbeiter hatte vor, über die ersten Grundsätze des Evangeliums zu sprechen, und ich hatte mich gründlich auf eine Ansprache über den Abfall vom Glauben vorbereitet. Es herrschte ein wunderbarer Geist in der Versammlung. Mein Mitarbeiter sprach zuerst und gab eine inspirierende Botschaft. Ich reagierte darauf und sprach so frei, wie nie zuvor in meinem Leben. Erst als ich mich wieder setzte, erkannte ich, daß ich nicht ein Wort über den Abfall vom Glauben gesagt hatte. Ich hatte über den Propheten Joseph Smith gesprochen und mein Zeugnis von seiner göttlichen Mission und von der Wahrheit des Buches Mormon gegeben. Nach Ende der Versammlung kamen mehrere Leute nach vorne, darunter einige Nichtmitglieder, und sagten: ,Heute abend haben wir ein Zeugnis davon erhalten, daß das Evangelium, wie ihr es lehrt, wahr ist. Wir sind jetzt zur Taufe bereit.‘

Das war die Antwort auf unser Fasten und Beten. Wir hatten nämlich darum gebetet, daß wir nur das sagen mögen, was das Herz der Freunde und Untersucher bewegen würde.“ (“Prayer”, Ensign, Mai 1977, Seite 33, 34.)

Schluß

Es gibt viele weitere Situationen, wo fasten und beten helfen kann, das Werk des Herrn zu verrichten. Wir können z. B. für die Familien fasten und beten, die wir als Heimlehrer betreuen. Wir können auch als Kollegium für ein Kollegiumsmitglied oder für seine Familie fasten und beten.

Durch Fasten und Beten können wir körperlich gesegnet werden und an Glauben und geistiger Kraft zunehmen. Diese Kraft ist notwendig, wenn wir bei unserer Arbeit erfolgreich sein und uns selbst und andere stärken wollen.

Aufgaben

  1. 1.

    Stellen Sie fest, worüber Sie in Ihrem und im Leben Ihrer Familie fasten und beten sollten.

  2. 2.

    Denken Sie an einige Bedürfnisse der Mitglieder in Ihrem Kollegium.

  3. 3.

    Verpflichten Sie sich selbst dazu, für einen dieser Zwecke zu beten und zu fasten.

Zusätzliche Schriftstellen

Gebet

  • Matthäus 6:5–15 (Der Erretter zeigt uns, wie wir beten sollen.)

  • Lukas 18:1–14 (Wir sollen im Gebet Ausdauer zeigen.)

  • 2 Nephi 32:8,9 (Wir sollen beten, bevor wir das Werk des Herrn tun.)

  • Alma 34:17–28 (Wir sollen über alles beten, was wir tun.)

  • Moroni 10:3–5 (Durch das Gebet können wir von allem wissen, ob es wahr ist.)

  • LuB 19:28 (Wir sollen ein Haus des Betens und Fastens errichten.)

  • LuB 88:119 (Wir sollen sowohl öffentlich als auch im stillen beten.)

Fasten

  • Exodus 34:27,28 (Mose fastete, bevor er Offenbarung von Gott empfing.)

  • Lukas 2:36,37 (Hanna diente Gott mit Fasten und Beten.)

  • Apostelgeschichte 13:2,3 (Durch fasten kann man Inspiration durch den Heiligen Geist empfangen.)

  • Mosia 27:23 (Alma erhielt durch fasten und beten wieder seine körperliche Kraft.)

  • Alma 6:6 (Die Nephiten fasteten und beteten für diejenigen, die Gott nicht kannten.)

  • Alma 17:9 (Missionare fasteten und beteten um den Geist.)

  • Alma 45:1 (Beten und fasten ist eine Möglichkeit, dem Herrn unsere Dankbarkeit zu zeigen.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Lektion 8, „Zum himmlischen Vater beten“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums. Beauftragen Sie einen Klassenteilnehmer, eine dreiminütige Übersicht über diese Lektion zu geben.

  2. 2.

    Lesen Sie Lektion 25, „Fasten“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums. Beauftragen Sie einen Klassenteilnehmer, eine dreiminütige Übersicht über diese Lektion zu geben.