Ehrfurcht

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen, seine Familie über Ehrfurcht zu belehren und die eigene Andacht zu verbessern.

Einleitung

Zeigen Sie Bild 32-a, „Durch Andacht im Gemeindehaus zeigen wir Gott gegenüber Liebe und Achtung“.

Schreiben Sie die Worte aus Levitikus 19:30 an die Tafel: „Ihr sollt auf meine Sabbate achten und mein Heiligtum fürchten. Ich bin der Herr.“

Das Folgende wurde von Präsident Spencer W. Kimball verfaßt und 1976 als besondere Broschüre mit dem Titel Wir sollten ein ehrfürchtiges Volk sein veröffentlicht.

Wir sind ein reich gesegnetes Volk. Der Herr hat uns das Evangelium Jesu Christi gegeben, die Macht des Priestertums, die Verheißungen der Taufe, die Tempelbündnisse, die heiligen Schriften, unsere Familie und unseren irdischen Besitz. Wir sollten das glücklichste, aber auch das ehrfürchtigste Volk auf der Erde sein. Den meisten von uns fällt es aber manchmal schwer, so ehrfürchtig zu sein, wie wir sollten. Wir müssen uns fragen, ob unser Verhalten in der Familie und in der Kirche Ehrfurcht vor unserem Schöpfer zum Ausdruck bringt.

Was ist Ehrfurcht?

Ehrfurcht ist ein Gefühl tiefer Achtung, Liebe und Hingabe gegenüber Gott. Viele unserer Führer der Kirche haben gesagt, daß Ehrfurcht einer der edelsten Charakterzüge ist, denn sie beinhaltet wahren Glauben an Gott, eine hohe geistige Bildung und eine Liebe für die feineren Dinge des Lebens.

Wie die anderen Grundsätze des Evangeliums führt Ehrfurcht zu vermehrter Freude. Es ist kein Verhalten, das wir sonntags mit langem Gesicht an den Tag legen, sondern ein Ergebnis dessen, daß wir jeden Tag nach dem Evangelium leben. Wahre Ehrfurcht führt zu Glücklichsein, Liebe, Achtung und Dankbarkeit. Sie ist eine Tugend, die ein Teil unserer Lebensweise sein soll.

Ehrfurcht vor Gott

Durch neuzeitliche Offenbarung hilft der Herr uns, die Bedeutung von Ehrfurcht zu verstehen. In „Lehre und Bündnisse“, Abschnitt 76 beschreiben Joseph Smith und Sidney Rigdon Ehrfurcht beispielsweise als eine wichtige Charaktereigenschaft derjenigen, die in das celestiale Reich gelangen:

„Und so sahen wir die Herrlichkeit der Celestialen, die alles übersteigt – wo Gott, nämlich der Vater, auf seinem Thron für immer und immer regiert,

vor dessen Thron sich alles in demütiger Ehrfurcht neigt und seine Herrlichkeit anerkennt für immer und immer.

Diejenigen, die in seiner Gegenwart wohnen, sind die Kirche des Erstgeborenen; und wie sie gesehen werden, so sehen sie, und wie sie erkannt werden, so erkennen sie; denn sie haben von seiner Fülle und seiner Gnade empfangen;

und er macht sie an Macht und Kraft und Herrschaft gleich.“ (LuB 76:92–95.)

Eine andere neuzeitliche Offenbarung weist uns an, auch mit dem Namen Gottes ehrfürchtig umzugehen; uns ist gesagt worden, daß wir den Namen des Vaters und des Sohnes nicht mißbrauchen und ihn auch nicht zu oft aussprechen sollen (siehe LuB 107:2–4). Eines der Zehn Gebote lautet: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr läßt den nicht ungestraft, der seinen Namen mißbraucht.“ (Exodus 20:7.)

Achtung vor Gott und seinem Namen ist eine der wichtigsten Eigenschaften der Ehrfurcht. Das gilt auch in bezug auf Ehrfurcht vor seinem heiligen Haus. In der bedeutenden Offenbarung an Joseph Smith, die als Weihungsgebet des Kirtland-Tempels bekannt ist, gibt der Herr Weisung, daß dieser, wie auch alle anderen heiligen Tempel, die von den Heiligen seither errichtet wurden, ein Ort der Andacht und Ehrfurcht sein soll (siehe LuB 109:16–21).

Im wahrsten Sinne des Wortes gilt das, was über die heiligen Tempel der Kirche gesagt worden ist, auch für jedes „Haus des Herrn“, ob es sich nun um ein Versammlungshaus handelt oder das Zuhause einer HLT-Familie.

Ehrfurcht und das Zuhause

Wo beginnt Ehrfurcht, und wie können wir sie entwickeln? Wie bei jeder anderen göttlichen Tugend ist die Familie der Schlüssel zur Ehrfurcht. Beim persönlichen Gebet und beim Familiengebet lernen die Kleinen, den Kopf zu neigen, die Hände zu falten und die Augen zu schließen, während wir mit dem Vater im Himmel sprechen. Ein Kind, das zu Hause das Beten gelernt hat, versteht bald, daß es während des Gebets in den Versammlungen der Kirche still sein muß.

Wenn wir den Familienabend abhalten, lernen unsere Kinder gleichermaßen, daß es gewisse Zeiten gibt – nicht nur in der Kirche, sondern auch zu Hause –, wo sich jeder besonders gut benehmen muß.

Auch durch Musik können wir unsere Kinder Ehrfurcht lehren. Kinder freuen sich ganz besonders über Musik. Wenn wir die Kirchenlieder zu Hause singen, werden unsere Kinder mit ihnen vertraut und singen in den Versammlungen der Kirche mit. Für kleine Kinder ist es besonders von Vorteil, wenn wir ihnen zu Hause einfache Lieder beibringen. Auf diese Weise freuen sich unsere Kinder darauf, sie zu singen.

Andacht in der Kirche

Natürlich sollten wir als Eltern mit unseren Kindern die Sonntagsversammlungen besuchen. Wenn wir unsere Kinder auf die Kirche vorbereiten, sollten wir mit unserer Frau zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß die Vorbereitungen eine angenehme Erfahrung für die Familie sind. Es zerstört die Andacht, wenn wir die Kinder in letzter Minute sammeln, anziehen und zu den Versammlungen hetzen. Wenn wir uns beeilen müssen, um fertig zu werden, kommen wir oft zu spät zur Kirche; oft sind böse Worte gefallen und Gefühle verletzt worden, was die Kinder dazu veranlassen kann, während des Gottesdienstes verärgert und unruhig zu sein. Wir würden ein viel größeres Gefühl der Andacht verspüren, wenn wir uns früh genug auf die Kirche vorbereiten und einige Zeit vor Versammlungsbeginn am Gemeindehaus ankommen würden. Wir könnten uns dann gemeinsam in eine Reihe setzen, dem Vorspiel zuhören und über den Erretter und das Evangelium nachdenken.

Manchmal haben diejenigen von uns, die kleine Kinder haben, es schwer, diese während der Versammlung ruhig zu halten. Entsprechende Übung zu Hause kann jedoch oft die Lösung des Problems sein. Wenn wir unsicher sind, wie wir mit unseren Kindern in der Kirche umgehen sollen, können wir uns von Mitgliedern Rat holen, die ihre Kinder erfolgreich ruhig halten.

Wir neigen oft dazu, vor und nach der Versammlung in der Kapelle in Gruppen zusammenzustehen und uns miteinander auszutauschen. Das kann störend sein, auch wenn es aus einem Gefühl der Freundschaft heraus geschieht und wir einige Mitglieder oft nur am Sonntag sehen. Dennoch sollen Eltern für ihre Familie ein gutes Beispiel sein und ihre Gespräche mit anderen vor oder nach der Versammlung draußen im Foyer und nicht in der Kapelle führen. Nach einer Versammlung sollen wir helfen, den Geist des Gottesdienstes in unser Zuhause zu tragen, indem wir in unserer Familie über einen Gedanken, ein Lied oder einen anderen positiven Aspekt der Versammlung sprechen.

Die Andacht verbessern

Wie können wir unseren Kindern helfen, Freude an den Versammlungen der Kirche zu haben und andächtiger zu sein? Lassen Sie einen Klassenteilnehmer die folgenden Vorschläge vorlesen, nachdem die Klasse auf die Fragen geantwortet hat.

Eltern können den Kindern helfen, Freude an den Versammlungen der Kirche zu haben, indem sie:

  • ein gutes Beispiel sind

  • die Vorbereitungen für den Kirchenbesuch angenehm und ohne Eile gestalten

  • fünf bis zehn Minuten vor dem festgesetzten Versammlungsbeginn da sind

  • als Familie zusammensitzen

  • anschließend über eine Ansprache, Botschaft, ein Lied oder einen anderen Teil der Versammlung sprechen

Wie können wir kleine Kinder Andacht lehren? Lassen Sie jemanden die folgenden Vorschläge vorlesen, nachdem die Klasse geantwortet hat.

Eltern mit kleinen Kindern sollen sich um folgendes bemühen:

  • Sie sollen den Kindern helfen zu verstehen, was in der Versammlung geschieht. Kleine Kinder können sich vielleicht ruhig mit einem Malbuch oder Arbeitsheft beschäftigen. Es ist aber wichtig, daß sie soviel wie möglich von der Versammlung verstehen. Wenn wir den Kindern gelegentlich etwas zuflüstern, um ihnen organisatorische Vorgänge oder die Botschaft des Sprechers zu erklären, kann ihnen das helfen zu verstehen, was passiert. Ein Vater kann seinen Kindern z. B. zuflüstern: „Jetzt spricht Georgs Papa. Er spricht über die Pioniere.“

  • Betonen Sie die Lieder. Das Singen kann für Kinder das Schönste in einer Versammlung sein. Fördern Sie das Interesse eines Kindes an Liedern, indem Sie zu Hause einfache Lieder singen und sie dem Kind beibringen. Der Gesangsleiter der Gemeinde kann Ihnen vielleicht eine Liste mit den Liedern geben, die in den nächsten Versammlungen gesungen werden.

  • Legen Sie besonderes Gewicht auf Verhaltensweisen, die die Kinder zu Hause, in der Primarvereinigung und Sonntagsschule gelernt haben. Erinnern Sie die Kinder daran, während des Gebets die Hände zu falten und den Kopf zu neigen und während des Abendmahls ruhig sitzen zu bleiben. Kinder sollen verstehen, daß sie in den Gängen zwischen den Reihen nicht spielen oder während der Versammlung mehrfach aus der Kapelle laufen sollen.

  • Gehen Sie als Beispiel voran, indem Sie Interesse an der Versammlung zeigen und nur dann sprechen, wenn es nötig ist – tun Sie es dann auch nur im Flüsterton, und ermutigen Sie die Kinder, sich auch so zu verhalten.

  • Sorgen Sie dafür, daß die Kinder für die Versammlungen vorbereitet sind. Geben Sie ihnen vorher etwas zu trinken, und gehen Sie vorher mit ihnen auf die Toilette.

Was können wir tun, um die Andacht in der eigenen Klasse zu verbessern?

Schluß

Die Andacht wird sich nur dann verbessern, wenn sich die örtlichen Führer und die Familien gemeinsam bemühen, die Probleme mit der Andacht zu überwinden. Vorschläge und Anregungen vom Hauptsitz der Kirche können uns zwar zeigen, wie wir das Problem lösen können, die eigentliche Arbeit muß aber in der Einheit der Kirche vor Ort und in der Familie geschehen.

Wahre Andacht und Ehrfurcht sind notwendig, damit wir unserem Vater im Himmel nahe sein können. Die Mächte des Bösen breiten sich jedoch über die Erde aus und machen auch vor Andacht und Ehrfurcht nicht Halt. Wir wissen gar nicht, was wir bewirken könnten, wenn wir – als Mitglieder der wahren Kirche Christi – als Beispiel für ehrfürchtiges Verhalten dienen würden. Durch unser Beispiel können wir das Leben vieler Menschen verändern – besonders das in der eigenen Familie.

Aufgaben

  1. 1.

    Sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber, was Sie gemeinsam tun können, um die Andacht und Ehrfurcht in der Kirche zu vergrößern.

  2. 2.

    Setzen Sie einen der Vorschläge am nächsten Sonntag in die Tat um.

  3. 3.

    Wenn Sie kleine Kinder haben, entscheiden Sie sich für eine Möglichkeit, ihnen Andacht und Ehrfurcht zu Hause und in der Kirche beizubringen.

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Erinnern Sie alle daran, die heiligen Schriften zum Unterricht mitzubringen.

  2. 2.

    Kümmern Sie sich um Tafel und Kreide bzw. Stifte.