Sittliche Reinheit

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem verstehen helfen, wie wichtig es ist, sittlich rein zu sein.

Einleitung

In der heutigen Welt gibt es viele verschiedene Anschauungen über Moral. Diese Normen ändern sich häufig mit der Zeit und den Umständen. Im Gegensatz dazu ändern sich die Richtlinien Gottes nie; denn er ist der gleiche gestern, heute und immerdar. Gott hat von uns immer erwartet, daß wir ein moralisch reines Leben führen.

In den heiligen Schriften heißt es: „Aber nichts, was unrein ist, kann bei Gott wohnen.“ (1 Nephi 10:21.) Der Apostel Paulus schreibt: „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.“ (1 Korinther 3:16,17.) Unser Körper ist heilig. Der Herr hat uns zu einem göttlichen Zweck einen Körper gegeben, und er erwartet von uns, daß wir ihn rein halten, so daß wir würdig sind, seinen Geist zu empfangen.

Unser Körper ist heilig

Für uns als Priestertumsträger ist es wichtig, daß wir uns moralisch rein halten, denn die Segnungen, die für uns am wichtigsten sind, hängen von unserer sittlichen Reinheit ab. Elder Boyd K. Packer sagt uns: „Eine der vielen Fähigkeiten Gottes – und er mißt dieser einen sehr hohen Wert bei – ist die Fähigkeit, Leben zu geben und zu nehmen. Er hat es uns verboten, Leben zu nehmen, aber er hat mit uns die Kraft geteilt, es zu schaffen, indem er uns gestattet, Kinder zur Welt zu bringen. Weil dies eine göttliche Kraft ist, hat er allen seinen Kindern geboten, sie in der rechten Weise zu gebrauchen und sie ausschließlich für die Ehe zu bewahren. Er hat uns auch gesagt, daß das Verlangen, das hinter dieser großen Kraft steht, beherrscht werden muß und nur innerhalb der Grenzen gebraucht werden darf, die er dafür gesetzt hat – nicht lediglich zur selbstsüchtigen Befriedigung oder zum bloßen Vergnügen. … Ein Großteil des Glücks in diesem Leben hängt davon ab, wie wir diese Schöpfungskraft gebrauchen.

Zu dieser Schöpfungskraft gehört notwendigerweise ein starkes Verlangen und eine starke Triebkraft – stark deshalb, weil sonst niemand so ohne weiteres die Verantwortung für eine Familie auf sich nehmen würde. Weil dieser Trieb aber so stark ist, sind wir oft versucht, die Schöpfungskraft zu mißbrauchen. Durch den Mißbrauch dieser Kraft werden Familien zerstört, und Glück geht verloren. Deshalb dürfen wir diese Kraft nur mit unserer Frau gebrauchen. … Wie die Schöpfungskraft selbst, ist auch unser Körper heilig. Wir dürfen nicht zulassen, daß unser Körper von uns selbst oder von anderen zu Experimenten oder auf unnatürliche Weise gebraucht wird. Die einzige rechtschaffene Anwendung dieser Kraft erfolgt innerhalb des Ehebundes.“ (“Why Stay Morally Clean?”, The New Era, Juli 1972, Seite 4–6.)

Moroni sagt uns, daß Tugend vor allem anderen höchst teuer und kostbar ist (Moroni 9:9). Wir müssen uns moralisch rein halten, damit wir in Rechtschaffenheit eine eigene Familie gründen und mit ihr in Frieden und Harmonie leben können.

Gottes Gesetz der Reinheit

Gott hat seine Gesetze in bezug auf sexuelle Sünde nie geändert, obwohl die Menschen versucht haben, sie den eigenen Wünschen anzupassen. Das Gesetz der Keuschheit besagt, daß kein Mann mit irgend jemandem eine intime Beziehung haben darf, außer mit der eigenen Frau. Der Herr hat geboten: „Du sollst nicht die Ehe brechen.“ (Exodus 20:14.) Das Gesetz der Keuschheit ist jedoch nicht nur auf Ehebruch begrenzt. Es bezieht sich auf jeglichen unrechtmäßigen Gebrauch dieser göttlichen Kraft.

Auf welche Weise mißbrauchen die Menschen diese Kraft? (Schreiben Sie die Antworten an die Tafel.)

Die Menschen mißbrauchen diese heilige Kraft u. a. durch:

  • Ehebruch und Unzucht (dazu gehört auch das Zusammenleben, ohne verheiratet zu sein)

  • Homosexualität

  • Abtreibung

  • Selbstbefriedigung

Keuschheit schließt auch die Reinheit in Gedanken und schickliche Kleidung mit ein. In den heiligen Schriften lesen wir, daß unsere Taten das Ergebnis unserer Gedanken sind (siehe Sprüche 23:7). Infolgedessen müssen wir dafür sorgen, daß wir tugendhafte Gedanken haben, wenn wir uns moralisch rein halten wollen. Unser Denken spiegelt sich z. B. in der Art, wie wir uns kleiden, wider. Wer sich schicklich kleidet, zeigt, daß er seinen Körper als heilig erachtet.

Lassen Sie den zuvor Beauftragten die folgende Geschichte von Präsident Kimball erzählen.

„Wie jede Reise beginnt auch die Sünde mit dem ersten Schritt. Weisheit und Erfahrung lehren uns, daß es leichter ist, der ersten Versuchung zu widerstehen als der nachfolgenden, wenn sich die Übertretung bereits festgesetzt hat. Das zeigt die Geschichte von der Lerche. Sie saß hoch auf einem Baum, da sah sie unten im Wald jemanden gehen, der ein geheimnisvolles schwarzes Kästchen trug. Die Lerche flog hinunter und setzte sich dem Mann auf die Schulter. ,Was hast du denn da in deinem kleinen schwarzen Kästchen?‘ fragte sie.

,Würmer‘, erwiderte der Mann.

,Verkaufst du sie?‘

,Jawohl, und dazu noch sehr billig. Jeder Wurm kostet nur eine Feder.‘

Die Lerche überlegte einen Augenblick: ,Ich hab’ doch sicher eine Million Federn. Gewiß wird mir eine einzige nicht abgehen. Hier kann ich doch einmal ein gutes Essen bekommen, ohne daß ich mich anstrengen muß.‘ So sagte sie dem Mann, sie wolle einen Wurm kaufen. Sorgfältig suchte sie unter einem Flügel nach einer winzigen Feder. Beim Herausziehen zuckte sie ein wenig zusammen, aber der Wurm war so groß und schmeckte so gut, daß der Schmerz bald vergessen war. Hoch oben auf dem Baum fing sie wieder an zu singen, so wunderschön wie zuvor.

Am nächsten Tag sah sie den Mann abermals, und wiederum machte sie den Tauschhandel – Wurm gegen Feder. Was für eine bequeme Methode, sich ein müheloses Essen zu verschaffen!

Danach gab die Lerche jeden Tag eine Feder her, und jedesmal schmerzte der Verlust weniger. Zu Anfang hatte sie ja viele Federn gehabt, aber im Laufe der Tage fiel ihr das Fliegen immer schwerer. Schließlich, nachdem sie eine ihrer Schwungfedern verloren hatte, konnte sie sich nicht mehr auf den Baumwipfel erheben, schon gar nicht in den blauen Himmel hinauf. Ja, sie konnte kaum noch einige Meter hoch flattern und mußte sich von nun an mit den zänkischen Spatzen um das Futter streiten.

Der Mann mit den Würmern ließ sich nicht mehr blicken, denn es gab ja keine Federn mehr zum Bezahlen der Mahlzeit. Die Lerche sang nicht mehr, denn sie schämte sich ihres erbärmlichen Zustands.

Auf diese Weise nehmen uns schlechte Gewohnheiten gefangen – zuerst bereiten sie Schmerzen, dann geht es leichter, und zuletzt merken wir, daß uns von dem, was uns singen und uns aufschwingen hat lassen, nichts mehr geblieben ist.“ (Das Wunder der Vergebung, Seite 206.) So verlieren wir unsere Freiheit. So verstricken wir uns in Sünde.

Wenn wir unsere Gedanken beherrschen, uns schicklich kleiden und auf die Gebote unseres himmlischen Vaters hören und sie befolgen, sichern wir uns dagegen ab, unwürdige Gewohnheiten zu entwickeln und unsere Keuschheit zu verlieren.

Als Almas Sohn Ehebruch begangen hatte, sagte Alma zu ihm: „Weißt du nicht, mein Sohn, daß dies ein Greuel in den Augen des Herrn ist, ja, die greulichste aller Sünden, außer wenn unschuldiges Blut vegossen oder der Heilige Geist geleugnet wird?“ (Alma 39:5.)

Wir müssen uns darüber im klaren sein, welche Bedeutung Unmoral hat. Wir haben nicht nur die Pflicht, selbst ein reines Leben zu führen, wir müssen auch andere über sittliche Reinheit belehren und sie dazu anhalten, besonders die eigenen Kinder.

Wie können wir unsere Kinder dazu anhalten, sich schicklich zu kleiden und moralisch rein zu sein?

Die Priestertumsmacht, die in sittlicher Reinheit liegt

Niemand kann das Gesetz der Keuschheit übertreten und annehmen, Frieden zu finden, es sei denn, er kehrt aufrichtig von dieser Sünde um. Im Buch Mormon lesen wir, daß der Heilige Geist in keinem unreinen Tempel wohnt (siehe Helaman 4:24). Wenn wir aber die Macht des Heiligen Geistes verlieren, ist es uns unmöglich, die Priestertumsvollmacht auszuüben, die uns verliehen worden ist. Der Herr hat gesagt: „Und laßt alles in Reinlichkeit vor mir geschehen.“ (LuB 42:41.) Wenn wir moralisch rein sind, kann der Heilige Geist durch uns wirken und uns helfen, unsere Priestertumsmacht in der rechten Weise zu gebrauchen. So ist das Priestertum ein großer Schutz vor Sünde. Wenn wir es rechtschaffen anwenden, dienen wir nicht nur anderen auf wirksame Weise, wir erhalten auch die Kraft, uns von Versuchung abzuwenden. Elder A. Theodore Tuttle nennt ein Beispiel, wie Unrechtschaffenheit uns davon abhält, unsere Priestertumsvollmacht zu gebrauchen:

„Ein törichter junger Mann hatte eine Unterredung wegen einer Mission“, schrieb Elder Tuttle, „und obwohl ihm einige sehr direkte Fragen gestellt worden waren, hatte er sie mit Lügen beantwortet. … Dann ging er ins Missionsfeld hinaus und versuchte, das Evangelium zu lehren. Das war natürlich die endgültige Prüfung und die Prüfung, in der er versagte. Der Missionar stellte fest, daß er ohne den Geist des Herrn keine Missionsarbeit tun konnte. … Also mußte dieser Missionar umkehren und … mit denjenigen, die ihn interviewt hatten, alles wieder ins reine bringen, bevor der Geist zu ihm kommen konnte.“ (“Men With a Message”, Ansprache vor Seminar- und Institutslehrern an der BYU, 1958, Seite 2.)

Präsident Spencer W. Kimball hat einige Ratschläge gegeben, die für den Missionar in der Geschichte hilfreich gewesen wären. Er sagt: „Junge Leute sollen nicht zu zweit ausgehen, bis sie wenigstens 16 Jahre alt oder, besser, noch älter sind, und selbst dann soll man sorgfältig beurteilen, mit wem man ausgeht und wie ernst die Beziehung ist. Die jungen Leute sollen die engen Kontakte noch immer einige Jahre lang begrenzen, da die Jungen auf Mission gehen, wenn sie 19 Jahre alt sind.“ (“The Marriage Decision”, Ensign, Februar 1975, Seite 4.)

Präsident Kimball schreibt: „Zu den häufigsten sexuellen Sünden, die unsere jungen Leute begehen, gehören Necking und Petting. Diese unrechtmäßigen Beziehungen führen nicht nur oft zu Unzucht … und Abtreibung – alles abstoßende Sünden –, sondern sind selbst schon verderbliche Übel, und die jungen Leute können oft nur schwer unterscheiden, wo das eine aufhört und das andere beginnt.“ (Das Wunder der Vergebung, Seite 69.)

Wie hätte Präsident Kimballs Rat dem jungen Missionar geholfen?

Wenn wir unsere Keuschheit und Tugend bewahren, kann der Herr uns mit geistiger Kraft segnen. Manchmal machen wir jedoch Fehler. Ist das geschehen, sollen wir mit unserem Zweigpräsidenten, Bischof oder Missionspräsidenten darüber sprechen. Er wird uns beraten und uns helfen, Vergebung zu erlangen.

Der Herr wartet ungeduldig darauf, uns zu vergeben, wenn wir unsere Sünden bekennen. Er ist dafür da, uns zu helfen, sittlich rein zu bleiben. Er kennt unsere Schwächen und wird uns in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so daß wir ihr widerstehen können (siehe 1 Korinther 10:13). Als zusätzliche Hilfe hat er uns Propheten gegeben, die uns führen und uns dahingehend belehren, wie wir gemäß den Richtlinien leben können, die er uns gegeben hat.

„Wenn wir alles Nötige tun, um sittlich rein vor dem Herrn zu stehen, dann können wir voll Selbstvertrauen – ohne Angst und Scham und ohne verlegen zu sein – in der Gegenwart Gottes stehen. Das ist die Verheißung, die der Herr für jeden tugendhaften Mann und jede tugendhafte Frau bereithält.“ (Gordon B. Hinckley, “From My Generation to Yours, With Love”, Improvement Era, Dezember 1970, Seite 73.)

Wie beeinflußt unser Vorbild an sittlicher Reinheit die Haltung unserer Kinder? Was können wir tun, um das richtige Beispiel zu geben?

Als Priestertumsträger können wir keine geistigen Pflichten ausführen, wenn wir nicht sittlich rein sind. Die beste Möglichkeit, das zu erreichen, besteht darin, niemals Unmoral in irgendeiner Form in unser Leben treten zu lassen. Wenn wir gegenüber den sittlichen Gesetzen ein Beispiel an Gehorsam geben, lernen unsere Kinder, wie wichtig sittliche Reinheit ist, und sie bemühen sich selbst, sittlich rein zu bleiben.

Schluß

Der Herr hat uns die Gebote gegeben, um uns glücklich zu machen. Wenn wir ein Gebot Gottes halten, empfangen wir dafür eine Segnung. Brechen wir aber ein Gesetz, müssen wir die Folgen unserer Handlung tragen. Ein sittlich reines Leben kann uns in vielerlei Weise von Nutzen sein. Ein solches Leben fördert glückliche Familien und Ehen. Es erspart uns Mißtrauen und Gewissensbisse. Wir sind würdig, dem Herrn zu dienen. Wir können in den Tempel gehen. Es ermöglicht uns als Priestertumsträger, das Priestertum wirksam für andere einzusetzen. Vor allem hilft es uns, so zu leben, daß wir in alle Ewigkeit in der Gegenwart des himmlischen Vaters sein können.

Aufgaben

  1. 1.

    Unternehmen Sie alle notwendigen Schritte, um sittlich rein zu sein.

  2. 2.

    Besprechen Sie mit Ihrer Familie die Bedeutung sittlicher Reinheit und wie man sittlich rein sein kann.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Matthäus 5:27,28 (Wir sollen auch in unserem Herzen keinen Ehebruch begehen.)

  • 1 Timotheus 2:9,10 (Die Bedeutung der Sittsamkeit.)

  • 2 Nephi 9:36,39 (Der Lohn sittlicher Reinheit; die Strafe für Unmoral.)

  • Jakob 2:27,28 (Der Herr erfreut sich an der Keuscheit.)

  • LuB 42:22–24,80,81 (Die Strafe für Unmoral.)

  • LuB 88:86 (Durch sittliche Reinheit bewahrt man seine persönliche Freiheit.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 39, „Das Gesetz der Keuschheit“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Besorgen Sie eine Tafel und Kreide bzw. Stifte.

  3. 3.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.