Das Priestertum

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem verstehen helfen, was das Priestertum ist und wie er seine Berufung im Priestertum groß machen kann.

Einleitung

Denken Sie an die Zeit, als Sie das Priestertum empfangen haben. Der Geist des Herrn war zweifellos gegenwärtig, als Priestertumsträger Ihnen die Hände aufgelegt und bestimmte Dinge gesagt haben. Dazu bevollmächtigte Männer haben Ihnen das Priestertum übertragen. Wenn Sie jetzt darüber nachdenken, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was hat sich an diesem Tag ereignet?

  • War ich ein anderer Mensch, nachdem ich das Priestertum erhalten habe?

  • Bin ich heute ein anderer Mensch, weil ich das Priestertum trage?

  • War ich in der Lage, anderen durch mein Priestertum zu dienen?

  • Ist der himmlische Vater zufrieden mit der Art und Weise, wie ich das Priestertum gebrauche?

Das Priestertum ist die Macht Gottes

„Wenn wir als Priestertumsträger im Namen des Herrn handeln, tun wir es im Namen des himmlischen Vaters. Das Priestertum ist die Macht, mit der unser himmlischer Vater durch die Menschen wirkt.“ (Harold B. Lee, “Follow the Leadership of the Church”, Ensign, Juli 1973, Seite 98.)

Das Priestertum ist die Macht Gottes. Gott vollbringt sein Werk durch das Priestertum, das er trägt. Er erschuf alles und regiert Himmel und Erde durch diese Macht. Da das Priestertum die Macht Gottes ist, ist es von ewiger Natur. Wir lesen in der Köstlichen Perle: „Dieses selbe Priestertum aber, das am Anfang war, wird auch am Ende der Welt sein.“ (Mose 6:7.)

Gott und Jesus Christus haben den Menschen die Macht des Priestertums gegeben, damit sie dabei helfen können, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“ (Mose 1:39). Das Priestertum ist also die Vollmacht Gottes, den Menschen gegeben, um an der Errettung der Menschheit mitzuwirken.

Ein jeder, der das Priestertum trägt, hat die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Ein Prophet des Herrn, Präsident Joseph Fielding Smith, sagte, an alle Priestertumsträger gewandt: „Wir sind die Werkzeuge des Herrn, wir vertreten ihn; er hat uns Vollmacht gegeben, die uns befähigt, alles zu tun, was notwendig ist, damit wir selbst und auch seine anderen Kinder in der Welt errettet und erhöht werden können.

Wir sind die Gesandten des Herrn Jesus Christus. Unsere Aufgabe ist es, ihn zu vertreten. Wir sind angewiesen … zu tun, was er tun würde, wenn er selbst hier wäre.“ (“Our Responsibilities as Priesthood Holders”, Ensign, Juni 1971, Seite 49.)

Die Vollmachtslinie des Priestertums

Jeder Priestertumsträger soll seine „Vollmachtslinie“ bis zu Jesus Christus zurückverfolgen können. Das heißt, er soll wissen, wer ihn zum Priestertum ordiniert hat und von wem dieser Priestertumsträger seinerseits ordiniert worden ist. Er soll in der Lage sein, dies bis zu Joseph Smith zurückzuverfolgen, der von Petrus, Jakobus und Johannes ordiniert worden war, die wiederum von Jesus Christus das Priestertum übertragen bekommen haben. Das nennt man die „Vollmachtslinie“. Sollte jemand keine schriftliche Kopie seiner Vollmachtslinie haben, kann er diese von demjenigen erhalten, der ihn zum Priestertum ordiniert hat.

Lassen Sie den beauftragten Priestertumsträger der Klasse seine „Vollmachtslinie“ zeigen, auf der seine Vollmachtslinie zurück bis zu Jesus Christus verzeichnet ist.

Macht im Priestertum kommt durch ein rechtschaffenes Leben

„Alle, die das Priestertum tragen, haben die Vollmacht, im Namen des Herrn zu handeln, aber die Wirksamkeit unserer Vollmacht – oder, wenn man so will, die Kraft, die durch diese Vollmacht kommt – hängt von unserer Lebensweise ab; sie hängt von unserer Rechtschaffenheit ab.“ (H. Burke Peterson, “Priesthood – Authority and Power”, Ensign, Mai 1976, Seite 33.)

Der Herr hat uns in den heiligen Schriften deutlich gesagt, daß wir rechtschaffen leben müssen, um nicht nur die Vollmacht, sondern auch die Kraft des Priestertums zu besitzen. „Siehe, viele gibt es, die berufen sind, aber wenige werden erwählt. Und warum werden sie nicht erwählt?

Weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben, daß sie diese eine Lehre nicht lernen wollen, nämlich:

Die Rechte des Priestertums sind mit den Himmelskräften untrennbar verbunden, und die Himmelskräfte können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden.

Sie können uns zwar übertragen werden, doch wenn wir versuchen, unsere Sünden zu verdecken oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu befriedigen, oder wenn wir auch nur mit dem geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt, Herrschaft oder Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben wollen – siehe, dann ziehen sich die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er weggenommen wird, dann ist es mit dem Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende.“ (LuB 121:34–37.)

Warum verhindern solche Eigenschaften, Macht im Priestertum zu besitzen?

Die Quelle der Kraft des Priestertums ist Gott, der durch den Heiligen Geist arbeitet. Damit der Heilige Geist beim Gebrauch des Priestertums führen kann, müssen wir die Gebote halten und würdig leben. Unsere „Vollmachtslinie“ läßt sich über die Männer, durch die wir das Priestertum erhalten haben, bis zu Jesus Christus zurückverfolgen. Aber Macht im Priestertum wird uns nur vom himmlischen Vater durch den Heiligen Geist zuteil. Mit der Kraft des Priestertums können wir das Werk des Herrn verrichten; ohne diese Macht sind wir dazu nicht in der Lage.

Zeigen Sie Bild 1-a, „Priestertumsträger segnen Kranke, wie Jesus es in alter Zeit getan hat“.

„Wenn wir entsprechend leben, können wir vom himmlischen Vater die Macht erhalten, die einer bedrängten Familie Frieden bringt. Wir können die Macht haben, kleine Kinder zu segnen und zu trösten, so daß rotgeweinte Augen in den frühen Morgenstunden Schlaf finden. Wir können die Macht haben, die einen Familienabend mit Freude füllt, die Macht, die gereizten Nerven einer müden Frau zu beruhigen. Wir können die Macht haben, die einem verwirrten und verletzbaren Jugendlichen Führung gibt, die Macht, eine Tochter zu segnen, bevor sie zu ihrer ersten Verabredung geht oder im Tempel heiratet. Wir können unsere Söhne segnen, bevor sie auf Mission oder auf die Universität gehen. Meine lieben jungen Brüder, wir können die Macht haben, den schlechten Gedanken einer Gruppe von Jungen Einhalt zu gebieten, die vulgäre Reden führen. Wir können die Macht haben, Kranke zu heilen und den Einsamen Trost zu spenden. Dies sind einige der wichtigen Zwecke des Priestertums.“ (H. Burke Peterson, “Priesthood – Authority and Power”, Ensign, Mai 1976, Seite 33.)

Bitten Sie den beauftragten Priestertumsträger, ein Erlebnis zu erzählen, das die Macht des Priestertums in seinem Leben zeigt.

Macht im Priestertum entwickeln

Es gibt Verschiedenes, das wir tun können, um Macht im Priestertum zu entwickeln:

Der Wunsch

Als erstes müssen wir den Wunsch haben, Macht im Priestertum zu entwickeln. Die heiligen Schriften lehren, daß der Mensch gemäß seinen Wünschen vom Herrn empfängt (siehe Alma 29:4; LuB 4:3; 6:8; 7:1–3).

Rechtschaffen Leben

Wir sollen uns bemühen, alle Gebote des himmlischen Vaters zu halten. Indem wir rechtschaffen leben, können wir den Heiligen Geist als ständigen Begleiter mit uns haben, und er wird uns leiten, das zu tun, was wir tun sollen (siehe 2 Nephi 32:5).

Demütig Sein

„Ja, wer sich wahrhaft demütigt und von seinen Sünden umkehrt und bis ans Ende ausharrt, der wird gesegnet sein.“ (Alma 32:15.) Wir sollen den Rat unserer Priestertumsführer willig annehmen und befolgen und die Aufträge, die sie uns geben, erledigen. Wir sollen willens sein zu tun, was für die Wohlfahrt anderer erforderlich ist und auf die Eingebungen des Geistes hören und ihnen Folge leisten.

Schriftstudium

Wir müssen in den Schriften forschen und darüber nachdenken. Nur indem wir selbst die Schriften studieren, können wir den Willen Gottes erfahren. Wenn wir den Willen Gottes nicht kennen, können wir nicht nach dem Evangelium leben. Aus denselben Gründen müssen wir auch die Priestertumsleitfäden studieren, damit wir unsere Pflichten als Priestertumsträger erfahren.

Beten

Wir müssen den himmlischen Vater fragen, was er möchte, daß wir tun. Wir sollen immer um Führung beten, damit wir das Priestertum in der rechten Weise anwenden. Wir „müssen immer wachen und beten, damit [wir] nicht in Versuchung fallen; denn der Satan verlangt nach [uns]“ (3 Nephi 18:18).

Andere Lieben

Jesus Christus hat uns gelehrt, daß sich die Macht des Priestertums auf Liebe gründet und daß wir alle Menschen lieben sollen (siehe LuB 121:41,42,45,46). Liebe beginnt zu Hause. Jeder soll seine Frau und Kinder lieben und um ihr Wohlergehen besorgt sein. Eine Möglichkeit, wie jeder seine Liebe für seine Familie zeigen kann, besteht darin, sie durch den Gebrauch des Priestertums in ihrem Leben zu führen und zu segnen.

Das Priestertum Gebrauchen

Wenn wir das Priestertum anwenden, sind wir ein Beispiel für andere Priestertumsträger, für die Welt und besonders für unsere Familie. Sieht unsere Familie, daß wir das Priestertum anwenden, so wird sie wissen, daß wir Diener des Herrn sind, und sie wird sich an uns wenden, wenn sie Hilfe braucht. Es ist traurig, daß viele Familien nie die Segnungen kennenlernen, die sich einstellen, wenn Väter und Söhne ihr Priestertum zum Wohle ihrer Familie gebrauchen.

Das Priestertum kann in unserer Familie etwas bewirken. Präsident David O. McKay sagte: „Eine Familie verändert sich, wenn ein Mann das Priestertum trägt und es ehrt.“ (“Priesthood”, Instructor, Oktober 1968, Seite 378.)

Wenn wir, die wir das Priestertum tragen, rechtschaffen leben, werden wir folgendes tun:

  • Ehrlich über die rechtschaffenen Wünsche eines jeden Familienmitglieds nachdenken, selbst wenn sie nicht genau mit den eigenen Wünschen übereinstimmen

  • Zuhören – auch dem kleinsten Kind

  • Das Wohl der Familie über das eigenes Wohlergehen stellen

  • Lernen, sich zu beherrschen

  • In einem Tonfall sprechen, der immer unsere Liebe und Sorge für andere widerspiegelt

Was für weitere Möglichkeiten gibt es, das Priestertum groß zu machen?

Schluß

„Wir sollen alle erkennen, daß es nichts Mächtigeres in der Welt gibt als das Priestertum Gottes.“ (N. Eldon Tanner, “Are You Taking Your Priesthood for Granted?”, Ensign, Mai 1976, Seite 41.)

Präsident N. Eldon Tanner erklärte in der folgenden Geschichte, wie wichtig es ist, würdig zu sein, das Priestertum zu empfangen:

„Als ich Bischof war, hatte ich sechs junge Männer in meiner Gemeinde, die alt genug waren, als Älteste ordiniert zu werden. Ich konnte nur fünf von ihnen vorschlagen, weil einer von ihnen nicht bereit war. Wir hatten mehrfach darüber gesprochen, und er hatte zu mir gesagt: ,Ich bin nicht würdig.‘ Er hatte deshalb ein schlechtes Gefühl, aber er rechnete nicht damit, für das Amt eines Ältesten vorgeschlagen zu werden. … Sein Onkel kam zu mir und sagte: ,Sie werden diesen jungen Mann doch sicher nicht zurückhalten, während seine fünf Freunde im Priestertum aufsteigen, oder?‘ Er bat mich, ihn ebenfalls vorzuschlagen. ,Wenn Sie es nicht tun, wird er sich von der Kirche abwenden.‘

Ich erklärte diesem Mann: ,Das Priestertum ist das Wichtigste, das wir diesem jungen Mann geben können. Wir händigen das Priestertum nicht einfach aus. … Dieser junge Mann und ich verstehen einander, und er ist noch nicht bereit, als Ältester ordiniert zu werden.‘ Er wurde dann auch nicht vorgeschlagen.

Ein paar Jahre später besuchte ich eine Generalkonferenz, … und ein junger Mann kam zu mir herauf und sagte: ,Präsident Tanner, Sie werden sich nicht an mich erinnern. Ich bin der Junge, den Sie nicht als Ältesten vorgeschlagen haben.‘ Er streckte die Hand aus und sagte: ,Ich möchte Ihnen dafür danken. Ich bin jetzt Bischof in Kalifornien. Wenn Sie mich vorgeschlagen hätten, als ich nicht würdig war, hätte ich wahrscheinlich nie begriffen, was das Priestertum ist, und was von einem Priestertumsträger erwartet wird. Sicher wäre ich nie Bischof geworden.‘“ (“Priesthood Responsibilities”, Ensign, Juli 1973, Seite 94.)

Um das Priestertum wirksam anwenden zu können, müssen wir alle diesen wichtigen Grundsatz verstehen lernen. Wir müssen lernen, „daß die Himmelskräfte nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden können“ (LuB 121:36). Um Macht von Gott zu empfangen, müssen wir ihrer würdig sein.

Wir sollten immer daran denken, daß wir die Vollmacht und Kraft Gottes haben und ihn vertreten. Wenn wir das Priestertum anwenden, sollten wir uns selbst fragen: „Was möchte Jesus Christus, daß ich in dieser Situation tue? Handle ich so, wie er es von mir möchte?“

Aufgaben

  1. 1.

    Verpflichten Sie sich selbst, die Anweisungen dieses Priestertumsleitfadens sorgfältig zu studieren und die Aufgaben anzunehmen, die in jeder Lektion gegeben werden. Wenn Sie diesen Aufforderungen nachkommen, entwickeln Sie Macht im Priestertum, kommen dem himmlischen Vater näher und erweisen anderen einen größeren Dienst.

  2. 2.

    Bewahren Sie Ihre Priestertumsvollmachtslinie auf. Sie sollen in der Lage sein, Ihr Priestertum bis zu Jesus Christus zurückzuverfolgen.

  3. 3.

    Schreiben Sie Ihre Vollmachtslinie auf eine Karte oder ein Blatt Papier, und geben Sie es denjenigen, die Sie zum Priestertum ordinieren.

Zusätzliche Schriftstellen

  • LuB 107:1–14 (Unterschied zwischen dem Melchisedekischen und Aaronischen Priestertum.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie die Kapitel 13 und 14, „Das Priestertum“ und „Die Organisation des Priestertums“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Lesen Sie LuB 121:34–46.

  3. 3.

    Beauftragen Sie einen Priestertumsträger, der Klasse seine Vollmachtslinie zu zeigen, die sein Priestertum bis zu Jesus Christus zurückverfolgt.

  4. 4.

    Beauftragen Sie einen weiteren Priestertumsträger, ein Erlebnis zu berichten, das die Macht des Priestertums veranschaulicht.

  5. 5.

    Bitten Sie jeden Priestertumsträger, zur wöchentlichen Priestertumsversammlung seine heiligen Schriften mitzubringen, damit jeder im Unterricht die jeweiligen Schriftstellen lesen und markieren kann.

  6. 6.

    Denken Sie daran, daß Schriftstellen und Geschichten von einigen aus der Klasse vorgetragen werden können.