Die Pflichten des Diakons

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen, die Pflichten des Diakons zu verstehen.

Einleitung

Ein Präsidierender Bischof der Kirche gab den Diakonen der Kirche folgenden Rat:

„Alle Menschen sind Kinder Gottes, aber Ihr habt noch zusätzlich etwas. Ihr habt die Vollmacht, in seinem Namen zu handeln. Das unterscheidet Euch vom Rest der Welt. Ihr seid dadurch nicht automatisch besser als andere, Ihr habt dadurch aber die Verantwortung, ein besseres Leben zu führen als die anderen.

Weil Ihr wißt, daß Ihr ein Kind Gottes seid und sein Priestertum tragt, wird von Euch mehr erwartet als von denjenigen, die diese große Segnung nicht haben.“ (Victor L. Brown, “The Aaronic Priesthood – A Sure Foundation”, Ensign, Juli 1972, Seite 90.)

Die Pflichten des Diakons

Als Diakon stehen wir im Dienst des Herrn (siehe LuB 64:29). Das Werk des Herrn ist auch unser Werk. Wenn wir das Priestertum ehren, indem wir unsere Pflichten ausführen, ehren wir den Erretter. Eine der besten Möglichkeiten, wie wir unsere Liebe für den Erretter zeigen können, besteht darin, unsere Pflichten als Diakon zu erfüllen. Zu diesen Pflichten gehört es, über die Gemeinde zu wachen und das Abendmahl auszuteilen.

Schreiben Sie „über die Gemeinde wachen“ und „das Abendmahl austeilen“ an die Tafel.

Über die Gemeinde zu wachen bedeutet unter anderem, den Mitgliedern dabei zu helfen, ihre zeitlichen Bedürfnisse zu decken. Nahrung, ein Platz zum Schlafen und Kleidung gehören zu den zeitlichen Bedürfnissen. Die Diakone helfen dem Bischof, sich um die zeitlichen Belange der Gemeinde zu kümmern, indem sie das Fastopfer einsammeln, an Wohlfahrtsprojekten arbeiten und den Bedürftigen dienen.

Die folgende Geschichte über das Einsammeln des Fastopfers zeigt, wie ein junger Diakon gelernt hat, wie wichtig diese Aufgabe ist. Dieses Ereignis liegt viele Jahre zurück. Damals gaben die Mitglieder Nahrung, Kleidung und Brennmaterial als Fastopfer, das an die Bedürftigen ausgeteilt werden konnte. …

„Als Diakon hatte ich den Auftrag, das Fastopfer in unserer Straße einzusammeln. Ein älterer Mann mit Bart, Bruder Peter Reid, führte die Aufsicht. Es war seine Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Opfergaben eingesammelt und an die Bedürftigen verteilt wurden. …

Ich mußte zu jedem Haus in der Straße gehen … und den Leuten die Gelegenheit geben, etwas zum Wohl der Armen beizusteuern. Die eine Familie gab ein großes Stück Kohle, eine andere etwas Holz, die nächste eine Schaufel Mehl, eine Flasche Saft, eine Tasse Zucker, eine dicke Scheibe Schinken usw. …

An einem Samstag hatte unser Fußballteam ein Spiel angesetzt, an dem ich auf jeden Fall teilnehmen wollte. Ich wußte, daß es meine Pflicht war, das Fastopfer einzusammeln, und daß es falsch wäre, wenn ich es versäumte, aber ich wollte mehr als alles andere dieses Spiel mitmachen. Ich stellte das Vergnügen über die Pflicht und spielte Fußball. …

Früh am nächsten Morgen klopfte Bruder Reid an unsere Hintertür und fragte nach mir. Ich hatte ein schlechtes Gewissen – wollte am liebsten weglaufen und mich verstecken –, aber ich stellte mich ihm mit gesenktem Kopf. Er sagte nur: ,Willard, hast du Zeit, mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen?‘

Es war ein kalter Herbsttag.

Ich ging mit ihm zu einem kleinen Platz in der Nähe der Straßenecke First North und Third West. Er klopfte an eine der Türen, und eine arme kleine dünne Frau öffnete.

Sie sagte: ,Bruder Reid, wir haben gestern unsere Lebensmittel nicht bekommen, und wir haben absolut nichts zu essen im Haus.‘

Bruder Reid antwortete: ,Es tut mir leid, Schwester, aber ich bin sicher, wir werden vor Tagesende etwas für Sie haben.‘

Wir gingen zu einer anderen Tür am anderen Ende des Platzes. Als Antwort auf unser Klopfen forderte uns eine Stimme auf hereinzukommen.

Wir traten ein und fanden einen alten Mann und seine Frau im Bett. Er sagte: ,Bruder Reid, wir haben keine Kohle, wir müssen im Bett bleiben, um nicht zu frieren.‘

An einer anderen Stelle des Platzes wurden wir von einer Mutter mit ihren kleinen Kindern gegrüßt, die sich aneinander kauerten. Das Baby schrie, und die anderen Kinder hatten verweinte Gesichter.

Das war genug! …

Ich war dem Weinen nahe – niedergedrückt von der schrecklichen Vernachlässigung meiner Pflicht… . Diese Menschen hatten ihre Nahrungsmittel und Kohle schon am frühen Nachmittag – und ich hatte eine äußerst wertvolle Lektion gelernt.“ (“Program Outline for Teaching Observance of the Law of the Fast”, 1965, Seite 19, 20.)

Das Einsammeln des Fastopfers ist jedoch nur eine Möglichkeit, über die Gemeinde zu wachen. Eine andere Möglichkeit könnte sein, einer Witwe zu helfen, einen Garten anzulegen, ihn zu wässern und Unkraut zu jäten. Während der Erntezeit könnten wir ihr helfen, Obst oder Gemüse einzumachen. Indem wir das tun, helfen wir ihr, ihre zeitlichen Bedürfnisse zu decken.

Zeigen Sie Bild 5-a, „Eine der Pflichten des Diakons ist das Einsammeln des Fastopfers“ und Bild 5-b, „Eine Möglichkeit, wie die Diakone über die Gemeinde wachen können, besteht darin, als Kollegium an einem Wohlfahrtsprojekt zu arbeiten“.

Über die Gemeinde zu wachen bedeutet auch, den Mitgliedern zu helfen, die Gebote zu halten.

Wie können wir Mitgliedern helfen, die Gebote zu halten? (Wir können es tun, indem wir sie das Evangelium durch Wort und Tat lehren.)

Lassen Sie die Klasse LuB 20:58,59 lesen. Welche Möglichkeiten haben wir, zu warnen, zu lehren und alle einzuladen, zu Christus zu kommen?

Indem wir warnen, lehren und die Mitglieder einladen, zu Christus zu kommen, erfüllen wir ihre geistigen Bedürfnisse. Wir tun dies zum Beispiel, wenn wir eine Ansprache geben. Wenn wir unsere Ansprache gebetvoll vorbereiten, wird der Heilige Geist den Mitgliedern die Wahrheit unserer Worte bezeugen. Andere Möglichkeiten, wie wir diese Pflicht erfüllen können, bestehen darin, die Mitglieder über Versammlungen zu informieren und heimlehren zu gehen, wenn wir dazu aufgefordert werden.

Eine der heiligsten Möglichkeiten, den Mitgliedern zu helfen, ihre geistigen Bedürfnisse zu erfüllen, besteht im Austeilen des Abendmahls. Wenn wir diesen Dienst verrichten, sollten wir den Geist des Herrn und die Wichtigkeit dieser heiligen Handlung verspüren. Da wir den Heiligen das Abendmahl im Namen des Herrn geben, sollten wir würdige Stellvertreter für ihn sein. Wir sollen so handeln und uns so kleiden, wie er es von uns möchte.

Eine Generalautorität erinnert sich an seinen Dienst als Diakon mit diesen Worten: „Ich erinnere mich daran, daß ich es als Ehre betrachtet habe, an solch einem heiligen Dienst, dem Abendmahl, beteiligt zu sein. Ich erinnere mich gut daran, wie meine Eltern mich lehrten, daß meine Hände und mein Herz rein sein sollten, damit ich würdig sei, an dieser heiligen Handlung mitzuwirken.“ (Victor L. Brown, “The Aaronic Priesthood – A Sure Foundation”, Ensign, Juli 1972, Seite 89, 90.)

Wenn wir das Abendmahl in angemessener Weise austeilen, erfüllen wir eine weitere Pflicht des Diakons. Diese Pflicht dient dazu, einander zu erbauen (siehe LuB 107:85). Wenn die Mitglieder unsere Hingabe bei dieser Pflicht sehen, werden sie erbaut und entwickeln einen größeren Wunsch, auch ihre Pflichten gut zu erfüllen.

Zeigen Sie Bild 5-c, „Das Austeilen des Abendmahls ist eine heilige Pflicht“.

Welche besonderen Möglichkeiten haben wir erwähnt, die ein Diakon tun kann, um seine Berufung zu erfüllen? Listen Sie die Antworten auf der Tafel auf. (Sie sollen die Gedanken mit einschließen, die unter „Vorbereitung für den Lehrer“ genannt sind.)

Wie der Diakon seine Pflicht lernt

Als Diakon können wir auf vielerlei Weise und an verschiedenen Orten unsere Pflicht lernen. Eine Möglichkeit besteht im persönlichen Studium und Gebet. Dafür müssen wir eine bestimmte Zeit und einen Ort finden, wo wir allein sein können, um unsere Pflichten, wie sie in den heiligen Schriften erklärt sind, zu studieren und wo wir darum beten können, sie zu verstehen.

Wir lernen unsere Pflichten auch zu Hause von unseren Eltern oder älteren Brüdern. Es kann zum Beispiel beim Familienabend darüber gesprochen werden. Auch sonntags gibt es vom Präsidenten des Diakonskollegiums diesbezüglich Belehrungen. Der Herr hat dem Präsidenten des Diakonskollegiums geboten, über die Diakone in seinem Kollegium zu präsidieren und sie über ihre Pflichten zu belehren (siehe LuB 107:85). Er kann uns helfen, unsere Pflichten zu verstehen und zeigen, wie man im Amt eines Diakons dient. Er kann das tun, weil er seinerseits von einem Priestertumsberater oder einem Mitglied der Bischofschaft bzw. Zweigpräsidentschaft über die Pflichten belehrt wird. (Gibt es keine Kollegien des Aaronischen Priestertums, präsidiert die Bischofschaft, die Zweigpräsidentschaft oder der präsidierende Priestertumsträger über das Aaronische Priestertum und verrichtet die Pflichten der verschiedenen Kollegiumspräsidenten im Aaronischen Priestertum.)

Die beste Möglichkeit, unsere Pflichten kennenzulernen, besteht darin, sie zu tun. Wenn wir unsere Pflichten verrichten, verstehen wir sie besser und erfreuen den Herrn. Wenn der Herr mit uns zufrieden ist, wird er uns durch den Heiligen Geist vieles offenbaren. Als Diakon sollen wir immer so würdig leben, daß wir den Heiligen Geist mit uns haben können.

Wie das Diakonskollegium den Diakonen hilft

Die Kollegiumsmitglieder können einander auf vielerlei Weise helfen. Indem wir in der Kollegiumsversammlung zusammenkommen, können wir gegenseitig Kameradschaft pflegen. Wir können einander auch helfen, unsere Pflichten zu lernen und Aktivitäten planen, die uns helfen, diese Pflichten auszuführen. Diese Pflichten beinhalten, daß wir den Mitgliedern helfen, ihre zeitlichen Bedürfnisse zu erfüllen, uns auf den Missionarsdienst vorbereiten und schon jetzt missionarisch tätig sind, genealogische Arbeit verrichten und uns für Verstorbene taufen lassen, junge Männer im gleichen Alter aktivieren und das Evangelium kennenlernen. Das Kollegium gibt uns die Gelegenheit, bei der Erfüllung dieser Pflichten zusammenzuarbeiten. Indem wir unsere Pflicht tun, helfen wir beim Aufbau des Reiches Gottes.

Durch den Kollegiumsdienst können wir auch persönliches Wachstum im Evangelium erfahren. Wir nehmen an Erkenntnis zu, wenn wir das Evangelium studieren und unserer Verantwortung nachkommen. Indem wir als Beamte im Kollegium dienen, wachsen auch unsere Führungseigenschaften.

Bitten Sie einige aus der Klasse, LuB 107:60–62,85 vorzulesen. Wer präsidiert über das Diakonskollegium? Was sind die Pflichten desjenigen?

Diejenigen, die in der Vollmacht über uns stehen, wählen den Präsidenten des Kollegiums aus und berufen ihn zum Dienst. Der Präsident wählt dann zwei Ratgeber, die durch die Bevollmächtigten bestätigt und berufen werden müssen. Der Kollegiumsberater unterweist die Beamten in ihren Pflichten. Er macht auch den Evangeliumsunterricht in der Kollegiumsversammlung. Die Kollegiumsbeamten unterweisen ihrerseits die Mitglieder des Kollegiums in ihren Priestertumspflichten. Auf diese und ähnliche Weise lernen die Kollegiumsmitglieder, wie sie über die Gemeinde wachen können.

In unserem Kollegium können wir Freundschaft und Hilfe finden. Wenn wir entmutigt sind oder Zweifel haben, können wir im Kollegium Ermutigung erfahren und Antworten auf unsere Probleme finden. Die folgende Geschichte veranschaulicht, wie wir einander aufbauen können, indem wir uns um einander kümmern. In diesem Fall bemühte man sich um ein inaktives Mitglied des Kollegiums.

Ein Diakon war in der Kirche weniger aktiv. Er kam nie zur Priestertumsversammlung oder den anderen Versammlungen der Kirche. Am Sonntag verrichtete er gewöhnlich Arbeiten in Haus und Garten. Er dachte dabei oft an die Priestertumsversammlung und sehnte sich nach Gemeinschaft, aber da ihn niemand jemals eingeladen hatte, die Versammlungen zu besuchen, hatte er nicht das Gefühl, erwünscht zu sein oder gebraucht zu werden. An einem Sonntag – er war gerade dabei, ein Zimmer zu streichen – besuchte ihn die Präsidentschaft des Diakonskollegiums. Sie fragten ihn also erstmals, ob er am nächsten Sonntag die Priestertumsversammlung besuchen wollte, aber er sagte nein. Seine Antwort hätte sie entmutigen können, aber sie wollten nicht aufgeben. Die drei fuhren damit fort, ihn jeden Sonntag mit der gleichen Frage aufzusuchen.

Obwohl dieser inaktive Junge die Kirche nie als Diakon besuchte, baute ihn die Liebe und Sorge der Kollegiumspräsidentschaft doch auf und beeindruckte ihn tief. Die Fürsorge motivierte ihn dazu, als er älter war, die Kirche aufzusuchen. Heute ist er in der Kirche aktiv und verrichtet seine Priestertumspflichten.

Schluß

Wenn wir als Diakon unsere Pflicht lernen und das Priestertum groß machen, richten wir uns selbst auf und helfen auch anderen dabei. Das ist mit den Worten gemeint: „… über die Gemeinde zu wachen und ortsgebundene geistliche Diener für die Gemeinde zu sein“ (LuB 84:111).

Aufgaben

  1. 1.

    Leben Sie nach dem Evangelium, und seien Sie als Priestertumsträger ein gutes Vorbild.

  2. 2.

    Studieren Sie die Schriftstellen, die uns die Pflichten des Diakons lehren, und beten Sie darüber.

  3. 3.

    Sammeln Sie das Fastopfer ein, wenn Sie darum gebeten werden.

  4. 4.

    Seien Sie während des Abendmahlsdienstes andächtig; und handeln und kleiden Sie sich, wie es ein Stellvertreter des Erretters tun soll.

Zusätzliche Schriftstellen

  • 1 Timotheus 3:8–10 (Die Anforderungen an den Diakon.)

  • LuB 84:30–32 (Das Amt des Diakons als Beigabe zum Geringeren Priestertum.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie LuB 20:38–60 und LuB 107.

  2. 2.

    Bereiten Sie sich darauf vor, die folgenden Pflichten des Diakons während der Diskussion im Unterricht an die Tafel zu schreiben. Wenn keine Tafel verfügbar ist, verwenden Sie ein Plakat.

Die Pflichten des Diakons

  1. 1.

    über die Gemeinde wachen

  2. 2.

    das Abendmahl austeilen

Möglichkeiten der Pflichterfüllung

  1. 1.

    das Evangelium durch Wort und Tat lehren

  2. 2.

    die Mitglieder über Versammlungen informieren

  3. 3.

    den Mitgliedern bei zeitlichen Bedürfnissen helfen durch: a) das Einsammeln des Fastopfers b) die Mitarbeit an Wohlfahrtsprojekten

  4. 4.

    das Abendmahl auszuteilen.