Die Pflichten des Lehrers

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen, die Pflichten des Lehrers im Aaronischen Priestertum zu verstehen.

Die Pflichten des Lehrers

Die Pflichten des Lehrers schließen alle Pflichten des Diakons mit ein. Wir haben immer die Vollmacht und die Aufgaben des Diakons, ungeachtet dessen, welches Amt im Priestertum wir tragen. Gleichermaßen beinhalten die Pflichten des Priesters auch die des Diakons und des Lehrers. Da einige von uns schon Lehrer sind und andere es eines Tages sein werden, müssen wir die Pflichten dieses Amtes kennenlernen.

Bitten Sie die Klasse, LuB 20:53 zu lesen. Was gehört zu den Pflichten des Lehrers? Schreiben Sie die Antworten an die Tafel. (Die Pflichten, die unter „Vorbereitung für den Lehrer“ aufgeführt sind, sollen dabei enthalten sein.)

Mit den Mitgliedern Gemeinschaft zu pflegen und sie zu stärken bedeutet, sie kennenzulernen, mit ihnen an Kirchenaktivitäten teilzunehmen, ihnen bei der Erfüllung ihrer Bedürfnisse und beim Dienst an anderen zu helfen.

Bitten Sie die Klasse, LuB 20:54,55 zu lesen. Welche Pflichten hat der Lehrer noch? Schreiben Sie auch diese an die Tafel.

Vers 54 sagt uns, daß der Lehrer die Aufgabe hat, Einigkeit und Liebe unter den Mitgliedern der Kirche zu fördern. Wir können das tun, indem wir ihnen helfen, Meinungsverschiedenheiten beizulegen und sie ermutigen, einander zu dienen. Aus Vers 55 entnehmen wir, daß vom Lehrer auch erwartet wird, daß er den Mitgliedern hilft, ihre Pflicht zu erfüllen.

Wie erfüllt der Lehrer seine Pflichten?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie der Lehrer seine Aufgaben erfüllen kann. Er kann ein gutes Beispiel geben, ein guter Heimlehrer sein, die Mitglieder in der Kirche grüßen, das Abendmahl vorbereiten, zu Hause helfen und ein Friedenstifter sein.

EIN GUTES BEISPIEL GEBEN

Eine Möglichkeit, die Mitglieder zu stärken, besteht in dem Beispiel, das wir geben. Alma erklärte seinem Sohn Korianton, daß die Zoramiten nicht an seine [des Vaters] Worte glauben wollten, als sie das sündige Verhalten des Sohnes sahen (siehe Alma 39:11). Wer wir auch sind, und was wir auch tun, unser Leben wird – wie es auch bei Korianton der Fall war – unweigerlich andere beeinflussen. Es ist wichtig, daß wir zu jeder Zeit und überall ein Beispiel an Rechtschaffenheit sind.

EIN GUTER HEIMLEHRER SEIN

Zeigen Sie Bild 6-a, „Das Heimlehren ist eine wichtige Pflicht des Lehrers“.

Wir können unsere Berufung, die Mitglieder zu belehren und zu stärken, groß machen, indem wir heimlehren gehen. Bei der Verrichtung dieser Pflicht müssen wir daran denken, daß wir ein Anrecht auf Inspiration vom Herrn haben. Der Herr hat gesagt, daß all diejenigen, die ordiniert sind, das Evangelium zu predigen, dies durch „den Geist, nämlich durch den Tröster, der ausgesandt wurde, um die Wahrheit zu lehren“ (LuB 50:13,14) tun sollen.

Wie können wir wissen, was wir den Familien lehren sollen, die uns zugeteilt sind?

Ein Lehrer, der den Propheten Joseph Smith und seine Familie besuchte, zeigt uns in der folgenden Geschichte, was wir für diejenigen tun sollen, die wir als Heimlehrer besuchen.

„Ich war mir meiner Schwäche überdeutlich bewußt, als ich den Propheten und seine Familie in meiner Eigenschaft als Lehrer besuchte. Ich wollte am liebsten vor meiner Pflicht zurückschrecken. Schließlich ging ich jedoch und klopfte an seine Tür, und eine Minute später öffnete der Prophet. Ich stand zitternd da und sagte zu ihm:

,Bruder Joseph, ich bin gekommen, um Sie in meiner Eigenschaft als Lehrer zu besuchen, wenn es Ihnen recht ist.‘

Er sagte: ,Bruder William, komm herein, ich freue mich, dich zu sehen; setz dich auf den Stuhl dort, ich werde meine Familie hereinrufen.‘

Bald darauf kamen alle herein und setzten sich. Dann sagte der Prophet: ,Bruder William, ich gebe mich und meine Familie in deine Hand. Nachdem auch er sich gesetzt hatte, ermunterte er mich: ,Nun, Bruder William, stelle alle Fragen, die du stellen möchtest.‘

Zu diesem Zeitpunkt waren all meine Ängste geschwunden, und ich sagte: ,Bruder Joseph, bemühen Sie sich, gemäß Ihrer Religion zu leben?‘

Er antwortete: ,Ja.‘

Dann fragte ich: ,Beten Sie in Ihrer Familie?‘

Er sagte: ,Ja.‘

,Lehren Sie Ihre Familie die Grundsätze des Evangeliums?‘

Er entgegnete: ,Ja, ich bemühe mich, es zu tun.‘

,Segnen Sie Ihre Speise, bevor Sie essen?‘

Er antwortete: ,Ja.‘

,Bemühen Sie sich, mit Ihrer ganzen Familie in Frieden und Harmonie zu leben?‘

Er sagte, daß er es täte.

Ich wandte mich dann an Schwester Emma, seine Frau, und fragte: ,Schwester Emma, bemühen Sie sich, gemäß Ihrer Religion zu leben? Lehren Sie Ihre Kinder, daß sie ihren Eltern gehorsam sein sollen? Lehren Sie sie zu beten?

Auf all diese Fragen sagte sie: ,Ja, ich bemühe mich, all das zu tun.‘

Dann wandte ich mich wieder an Joseph und sagte: ,Ich bin jetzt mit meinen Fragen als Lehrer fertig; wenn Sie jetzt Weisung für mich haben, werde ich sie gern annehmen.‘

Er sagte: ,Gott segne dich, Bruder William; wenn du demütig und treu bist, wirst du die Macht haben, alle Schwierigkeiten zu lösen, die dir in deiner Eigenschaft als Lehrer begegnen.‘

Abschließend ließ ich ihm und seiner Familie meinen Segen als Lehrer und verabschiedete mich.“ (William Farrington Cahoon, “Recollections of the Prophet Joseph Smith”, Juvenile Instructor, 15. August 1896, Seite 492, 493.)

Wie dieser Heimlehrer können auch wir die uns zugeteilten Familien stärken, indem wir mit ihnen beten, sie ermutigen, ihren familiären Pflichten nachzukommen und ihnen helfen, das Evangelium zu leben. Wenn die Familien, die wir besuchen, Hilfe brauchen, sollen wir den Priestertumsführern von ihren Bedürfnissen berichten.

Wenn wir unsere Familien besuchen, dürfen wir nicht vergessen, daß wir es mit dem Einverständnis des jeweiligen Familienoberhauptes tun. Da sie vor dem Herrn für ihre Familie verantwortlich sind, sollen wir ihre Familie immer unter ihrer Leitung belehren. Nur indem wir unter ihrer Leitung lehren, können wir unsere Pflichten als Lehrer erfüllen.

Wenn wir unsere Heimlehrarbeit so verrichten, wie der Herr es von uns möchte, tragen wir zu Liebe und Einigkeit in der Gemeinde bei. Die folgende Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn wir unsere Berufung als Lehrer ernst nehmen:

„Kürzlich … wurden ein Mann und sein Sohn, der ein Lehrer im Aaronischen Priestertum war, unserer Familie als Heimlehrer zugeteilt. Wir kannten die Hingabe des Vaters an das Evangelium, wußten aber nicht, was wir von seinem Sohn erwarten sollten, obwohl die Erscheinung und das Verhalten des jungen Mannes die gleiche Hingabe widerzuspiegeln schien. Während ihres ersten Besuches behielt ich diesen jungen Mann im Auge. Obwohl er verständlicherweise ruhig war, würdigte er mit allem, was er tat oder sagte, das Priestertum, das er trug. Bald erfuhren sie, daß unser kleiner Junge vor einem Jahr gestorben war und wir ein weiteres Kind erwarteten. Von diesem Augenblick an waren sie ein Teil unseres Lebens; sie beteten für uns und gaben uns Ermutigung. Am Ende jenes ersten Besuches bat ich den jungen Mann, ein Gebet zu sprechen. In seinem Gebet bat er den Herrn, uns angesichts des Verlustes unseres Sohnes Kraft zu geben und das Kind zu segnen, das bald geboren werden würde. Er betete insbesondere darum, meine Frau möge keine Schwierigkeiten bei der Geburt haben. Meine Frau und ich waren überwältigt von der Ernsthaftigkeit und dem Einfühlungsvermögen dieses jungen Lehrers. Während der folgenden Tage und Wochen erkundigten sich diese Brüder regelmäßig nach unserem Befinden (häufiger als einmal im Monat). Nach der Geburt des Kleinen brachten der junge Mann und sein Vater ein Geschenk. Als wir uns alle zum Gebet niederknieten, dankte der Lehrer dem Herrn für den guten Verlauf der Geburt.“ (Nacherzählt von H. Burke Peterson in “The Role of the Teacher”, New Era, Mai 1974, Seite 10, 11.)

Was können Sie tun, um ein besserer Heimlehrer zu sein?

IN DER KIRCHE GRÜSSEN

Wir können unsere Berufung, ein gutes Beispiel zu sein, groß machen, indem wir die Mitglieder begrüßen, wenn sie ins Versammlungshaus kommen. Wir können ihnen die Hand geben und uns nach ihrem Befinden erkundigen. Wenn wir anderen an der Tür des Gemeindehauses freundlich und mit einem Gefühl der Wärme begegnen, helfen wir dabei, die Liebe und Einigkeit unter den Mitgliedern zu verstärken.

DAS ABENDMAHL VORBEREITEN

Der Erretter hat uns gelehrt, daß wahrer Dienst bedeutet, etwas zu tun, ohne Lob dafür zu erwarten. Das Vorbereiten des Abendmahls ist ein gutes Beispiel dafür. Den Mitgliedern ist es oft gar nicht bewußt, daß die Lehrer das Abendmahl vorbereiten, und die Betreffenden bekommen dafür häufig keinerlei Anerkennung. Dennoch wird der Dienst verrichtet, und der Herr ist damit zufrieden, weil es sich dabei um wahren Dienst handelt.

Was können wir tun, um uns selbst sowohl körperlich als auch geistig für die Vorbereitung des Abendmahls bereit zu machen? (Beziehen Sie den Gedanken der körperlichen Sauberkeit mit ein.)

ZU HAUSE HELFEN

Als Lehrer können wir auch der eigenen Familie helfen. Es ist wichtig, beim Saubermachen oder bei Reparaturarbeiten am Haus mitzuhelfen und sich um den Garten zu kümmern. Außerdem können wir als Priestertumsträger unserer Familie helfen, das Evangelium zu leben.

Zeigen Sie Bild 6-b, „Ein Lehrer, der seine Berufung im Priestertum groß macht, stärkt seine Familie“.

Es wird von einem inaktiven Priestertumsträger berichtet, der rauchte und nicht die notwendigen Schritte unternommen hatte, damit seine Frau und sein Sohn, der im Teenageralter war, im Tempel an ihn gesiegelt werden konnten. Eines Morgens, nachdem sein Sohn an einer Priestertumsklasse über die Tempelehe teilgenommen hatte, entwickelte dieser großes Interesse an einer ewigen Familie. Der Unterricht bewog den Jungen, mit seinem Vater über dieses Thema zu sprechen. Das Ergebnis ihres Gespräches war, daß sich das Leben dieses Mannes grundlegend änderte. Der Vater erkannte, daß er seinen Sohn liebte und für immer mit ihm zusammen sein wollte. Schließlich wurde die Familie im Tempel für Zeit und alle Ewigkeit aneinander gesiegelt – nur weil ein Familienmitglied, ein Lehrer, daran interessiert war, in seiner Familie Liebe und Einigkeit zu fördern.

EIN FRIEDENSTIFTER SEIN

Wir können unsere Aufgaben als Lehrer erfüllen, indem wir in unserer Familie und in der Gemeinde Friedenstifter sind. Eine Möglichkeit, das zu tun, besteht darin, das Gute im anderen zu sehen. Wenn wir nach dem Guten in anderen Ausschau halten, stärken wir ihr Selbstwertgefühl. Eine andere Möglichkeit ist es, Klatsch und Gerüchte zu vermeiden, die den guten Ruf eines anderen schädigen. Wir sollten im Umgang mit anderen immer freundlich und liebevoll sein. Wenn wir diese Eigenschaften entwickeln und einsetzen, können wir vielen Menschen zu Frieden in ihrem Leben verhelfen.

Schluß

Als Lehrer sollen wir uns immer bemühen, die Gemeinde zu stärken, Einigkeit und Liebe zu fördern und den Mitgliedern helfen, ihre Pflichten zu erfüllen. Auch wenn wir jung oder neubekehrt sind, haben wir die Macht, andere zum Guten zu beeinflussen. Wir sollten immer daran denken, daß der Herr uns keine Gebote gibt, „ohne ihnen einen Weg zu bereiten, wie sie das vollbringen können, was er ihnen geboten hat“ (1 Nephi 3:7).

Planen Sie mit der Klasse ein besonderes Dienstprojekt, das die Einigkeit und Liebe in Ihrer Gemeinde fördert.

Aufgaben

  1. 1.

    Denken Sie gebeterfüllt über die Bedürfnisse der Ihnen zugeteilten Familien nach.

  2. 2.

    Bereiten Sie eine Botschaft vor, die auf die Bedürfnisse jeder Familie ausgerichtet ist. Tun Sie dies, wie der Geist es Ihnen eingibt.

  3. 3.

    Besuchen Sie die Ihnen zugeteilten Familien mit Ihrem Heimlehrpartner zu Beginn eines jeden Monats.

  4. 4.

    Beten Sie mit den betreffenden Familien.

  5. 5.

    Verrichten Sie die Dienste, die bei Ihren Familien nötig sind und die Sie selbst tun können, und informieren Sie Ihre Kollegiumsführer über die erforderlichen Dienste, die sie nicht allein leisten können.

Zusätzliche Schriftstellen

Jakob 1:17–19 (Wie Lehrer ihre Berufungen im Priestertum groß machen können.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie LuB 20:53–60 und Lektion 4, „Das Priestertumskollegium“.

  2. 2.

    Sorgen Sie für Tafel und Kreide bzw. Stifte.

  3. 3.

    Bereiten Sie sich darauf vor, die folgenden Pflichten eines Lehrers während des Unterrichts an die Tafel oder auf ein Plakat zu schreiben:

Die Pflichten des Lehrers

  1. 1.

    alle Pflichten des Diakons verrichten

  2. 2.

    Gemeinschaft mit den Mitgliedern pflegen und die Gemeinde stärken

  3. 3.

    Einigkeit und Liebe in der Gemeinde fördern

  4. 4.

    den Mitgliedern helfen, ihre Pflichten zu erfüllen

  5. 4.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.