Die Pflichten des Ältesten und des Hohen Priesters

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen, die Pflichten des Ältesten und des Hohen Priesters zu verstehen.

Einleitung

Wenn wir unsere Priestertumspflichten kennenlernen und sie erfüllen, segnen wir andere, denn wir sind die Stellvertreter des Erretters. Er hat uns sein Priestertum gegeben, damit wir durch die Verrichtung unserer Aufgaben anderen helfen, auf das ewige Leben hinzuarbeiten. Das trifft besonders für diejenigen von uns zu, die das Melchisedekische Priestertum tragen, weil dieses Priestertum „die Schlüssel aller geistigen Segnungen der Kirche innehat“ (siehe LuB 107:18). Diejenigen von uns, die das Melchisedekische Priestertum empfangen haben, sind innerhalb dieses Priestertums zum Amt des Ältesten oder des Hohen Priesters ordiniert worden. Jedes Amt hat seine besonderen Aufgaben, doch viele der Verantwortlichkeiten sind gleich.

Die Pflichten des Melchisedekischen Priestertums

Indem wir als Träger des Aaronischen Priestertums unsere Pflichten treu erfüllen, bereiten wir uns darauf vor, das Melchisedekische Priestertum zu empfangen. Wenn die Zeit dafür gekommen ist, daß wir das Melchisedekische Priestertum übertragen bekommen, haben wir ein Interview mit den Bevollmächtigten. Ein Träger des Aaronischen Priestertums schrieb folgenden Bericht in bezug auf das, was er nach seinem Interview anläßlich des Aufstiegs zum Melchisedekischen Priestertum gedacht und empfunden hat:

„Der Pfahlpräsident sah mir tief in die Augen, als er mir seine letzte Frage stellte und meiner Antwort lauschte. Dann sagte er: ,George, ich spüre, daß du bereit und würdig bist, das Melchisedekische Priestertum zu erhalten und zum Ältesten ordiniert zu werden.‘ Ein paar Augenblicke später ging ich in der Abendluft nach Hause. … Noch nie bin ich so aufgeregt und gleichzeitig so ruhig gewesen. … Bald darauf kniete ich an meinem Bett nieder. Ich faßte den Entschluß, alles zu tun, mein Priestertum ehrenvoll zu gebrauchen. Ich faßte den Entschluß, nie einen Schwur zu leisten, eine schmutzige Geschichte zu erzählen oder jemanden absichtlich zu verletzen. Ich faßte den Entschluß, mich aufrichtig zu bemühen, ein Mann Gottes zu sein. Ich werde diesen Abend immer in Erinnerung behalten. Damals hat alles begonnen. Es war so wunderbar, als Ältester berufen zu werden. Es ist jetzt so wunderbar, von ganzem Herzen danach zu streben, als einer erwählt zu werden, der würdig ist, dieses Priestertum anzuwenden; meiner Familie … und meinen Mitmenschen ein Segen zu sein.“ (George D. Durrant, Kentucky Louisville Mission News Letter, 19. Oktober 1974.)

Wozu verpflichtete sich der junge Mann nach seinem Interview? Wozu sollen wir uns verpflichten, wenn wir Träger des Melchisedekischen Priestertums werden?

Jeder von uns soll bemüht sein, seine Pflichten zu lernen und würdig das Priestertum anzuwenden (siehe LuB 107:99,100). Als Träger des Melchisedekischen Priestertums hat jeder bestimmte Verpflichtungen, ungeachtet des Amtes, das wir innehaben.

Zeigen Sie Bild 9-a, „Die Priestertumsvollmacht wird durch Händeauflegen derjenigen übertragen, die dazu von Gott die Vollmacht erhalten haben“.

Die folgenden Pflichten gehören zum Melchisedekischen Priestertum:

Persönliche Bekehrung

Wir sollen persönlich zum Evangelium Jesu Christi bekehrt sein und uns völlig dazu verpflichten, nach dessen Grundsätzen zu leben.

Familiäre Beziehungen

Wir sollen unserer Familie die Grundsätze des Evangeliums lehren, sie bei all ihren Pflichten leiten und voller Liebe und Verständnis sein.

Genealogie und Tempelarbeit

Wir sollen uns für einen Tempelschein würdig machen, die Segnungen des Tempels für uns selbst und unsere Familie empfangen, die Namen unserer Vorfahren ausfindig machen und für sie die Tempelverordnungen vollziehen. Wir sollen dabei helfen, „das Herz der Väter den Kindern zu[zu]wenden und das Herz der Kinder ihren Vätern“, indem wir einen Familienbericht führen (ein persönliches Tagebuch, Familiengruppenbogen, Familiengeschichten) und familiäre Bande aufrechterhalten (siehe LuB 128:17,18).

Wohlfahrtsdienst

Wir sollen auf die Weise des Herrn für uns selbst und unsere Familie sorgen und dabei helfen, die Bedürfnisse der Armen und Leidenden zu erfüllen.

Missionsarbeit

Wir sollen uns an geeigneten missionarischen Aktivitäten beteiligen, z. B. einem Familienmitglied bei der Vorbereitung und Erfüllung einer Vollzeitmission helfen, mit Nichtmitgliedern Freundschaft schließen, den Missionaren Empfehlungen geben, selbst eine Vollzeitmission erfüllen und finanziell die Missionsarbeit unterstützen.

Heimlehrarbeit

Wir sollen das ganze Ausmaß unserer Verpflichtung als Heimlehrer verstehen und eifrig „über diejenigen wachen … und bei den Mitgliedern sein und sie stärken“, denen zu dienen wir berufen sind (siehe LuB 20:53).

DIENST UND TEILNAHME AN KOLLEGIUMS- UND KIRCHENAKTIVITÄTEN

Wir sollen eifrig in unserer Kirchenberufung dienen, unsere anderen Kirchen- und Kollegiumspflichten ausführen und an den jeweiligen Versammlungen und Aktivitäten der Kirche teilnehmen und somit das Reich Gottes aufbauen.

DIENST UND TEILNAHME AM ÖFFENTLICHEN LEBEN

Wir sollen die Landesgesetze ehren, befolgen und anerkennen, treue Staatsbürger und gute Nachbarn sein und die Gemeinschaft verbessern, in der wir leben. (Aus Annual Guidelines 1978–79, “The Melchizedek Priesthood”, Seite 1.)

Zeigen Sie Bild 9-b, „Das Melchisedekische Priestertum segnet das Leben anderer in geistiger Hinsicht“.

Wenn wir das Melchisedekische Priestertum erhalten haben, besitzen wir die Macht, das Leben anderer in geistiger Hinsicht zu segnen. Das Melchisedekische Priestertum „hat die Führung im Evangelium und den Schlüssel … der Gotteserkenntnis. Darum wird in seinen Verordnungen die Macht der Frömmigkeit offenbar.“ (LuB 84:19–21.) Durch diese Macht können wir Öl weihen, Kranke segnen, das Priestertum und die Gabe des Heiligen Geistes übertragen, andere zu einem Amt im Priestertum ordinieren, ein Grab weihen, einen Segen des Trostes spenden, den Kindern einen Väterlichen Segen geben und an den höheren Tempelverordnungen teilnehmen.

Wie wird die Macht Gottes in diesen heiligen Handlungen offenbar? Nennen Sie einige Segnungen, die Sie durch das Melchisedekische Priestertum empfangen haben.

Die besonderen Pflichten des Ältesten und des Hohen Priesters

Der Älteste

Das Wort Ältester/Elder hat in der Kirche zwei Bedeutungen. Allgemein bezieht es sich auf jeden Träger des Melchisedekischen Priestertums. Zum Beispiel werden alle Missionare, präsidierende Führer der Kirche und Generalautoritäten Elder genannt. Das Wort Ältester bezieht sich aber auch auf ein spezielles Amt im Melchisedekischen Priestertum.

Bitten Sie die Klasse, LuB 124:134 zu lesen. Welche Pflicht des Ältesten wird in dieser Schriftstelle erwähnt?

Zusätzlich zu der Aufgabe, ortsgebundene geistliche Diener der Gemeinde zu sein, hat ein Ältester die Pflicht, in jeder Berufung zu amtieren, die ihm auferlegt werden mag. Präsident Joseph F. Smith erläuterte, daß ein Ältester gebeten werden kann, im Tempel zu arbeiten, zu Hause geistig zu wirken und dabei zu helfen, der Welt das Evangelium zu verkünden (siehe Evangeliumslehre, Seite 184, 185).

Der Hohe Priester

Der Hohe Priester hat die Pflicht, in den geistigen Belangen der Kirche zu wirken (siehe LuB 107:10). Er ist auch dazu berufen zu präsidieren. Die Berufung zu präsidieren schließt u. a. das Amt der Generalautorität, des Missionspräsidenten, Pfahlpräsidenten und Bischofs mit ein. Wenn ein Hoher Priester in verschiedenen Berufungen präsidiert, hat er die Macht, die geistigen Segnungen seiner speziellen Berufung zu geben und alles zu tun, was ein Träger des Aaronischen oder Melchisedekischen Priestertums tun kann.

Schluß

Das Melchisedekische Priestertum hat die Schlüssel aller geistigen Segnungen der Kirche inne. Die verschiedenen Aufgaben des Ältesten und des Hohen Priesters sind Pflichten im Melchisedekischen Priestertum. Somit können wir das Leben derer, denen wir dienen, sowohl geistig als auch zeitlich segnen, wenn wir in unserem Priestertumsamt als Ältester oder als Hoher Priester amtieren.

Aufgaben

  1. 1.

    Finden Sie die Pflichten Ihres Amtes im Priestertum heraus, und erstellen Sie einen Plan, wie Sie diese besser erfüllen können.

  2. 2.

    Stellen Sie fest, was Ihre Familie besonders braucht. Entscheiden Sie sich konkret dafür, ein besserer Vater oder ein besseres Familienmitglied zu werden, indem Sie in Ihrer Familie das Priestertum auf rechtschaffene Weise ausüben.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Mosia 18:7–30 (Die Pflichten der Mitglieder der Kirche.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie LuB 107.

  2. 2.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.