Das Familiengebet leiten

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jeden dazu ermutigen, täglich mit seiner Familie zu beten.

Einleitung

Zeigen Sie Bild 14-a, „Zweimal am Tag soll ein Familiengebet gesprochen werden“.

Als Vater sollen wir unsere Familie zum Familiengebet zusammenrufen, um unsere Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen und den himmlischen Vater um Führung zu bitten. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt:

„Ich habe mit vielen Vätern gesprochen, … die zugaben, daß das Familiengebet unregelmäßig war und häufiger ausgelassen als gesprochen wurden. Einige sagen, daß sie versuchen, einmal am Tag ein Familiengebet zu sprechen, und andere tun es ab, indem sie sagen, daß sie die Familie nicht zusammenbekommen können. Diese gleichgültige Haltung in bezug auf eine so wichtige Angelegenheit, wie das Gebet, beunruhigt mich sehr. … Die Kirche fordert dringend dazu auf, jeden Morgen und jeden Abend ein Familiengebet zu sprechen. Bei diesem Gebet soll man sich niederknien. … Für viele ist die beste Zeit dafür am Frühstücks- oder Abendbrottisch. Dann ist es am leichtesten, die ganze Familie zusammenzubekommen. Das Gebet muß nicht lang sein, besonders wenn kleine Kinder dabei sind, und jeder in der Familie, die Kleinen eingeschlossen, soll Gelegenheit erhalten, das Gebet zu sprechen.“ (“I Kneeled Down Before My Maker”, Instructor, April 1966, Seite 132.)

Das Familiengebet hilft, Versuchung zu widerstehen

Uns ist besonders geboten worden, mit unserer Familie zum himmlischen Vater zu beten.

Lesen Sie die Worte Christi im 3 Nephi 18:18–21. Welchen wichtigen Zweck nennt der Erretter für das Gebet?

Das Gebet kann unserer Familie helfen, den Versuchungen des Satans zu widerstehen. Durch das Gebet können wir Kraft empfangen und besser in der Lage sein, unsere Probleme zu überwinden.

Als Vater sollen wir unsere Familie zum Gebet rufen und als Beispiel vorangehen. Das kann bedeuten, daß wir unsere Familie zuerst darüber belehren, wie man betet. In „Lehre und Bündnisse“ wird den Eltern – Vater und Mutter – geboten, ihre Kinder beten zu lehren (siehe LuB 68:28). Die beste Möglichkeit, Kinder den Grundsatz des Betens zu lehren, besteht im Beispiel. Wenn wir uns die Mühe machen, mit ihnen zu beten, werden unsere Kinder lernen, wie wichtig das Gebet ist, und sie werden es in ihrem Leben selbst tun.

Jeder Vater hat die Pflicht, seine Kinder anzuleiten und zu belehren; man muß nicht das Melchisedekische Priestertum tragen, um seine Familie im Gebet zu führen.

Dafür sorgen, daß das Familiengebet in der Familie gesprochen wird

Die Heiligen der Letzten Tage sind angewiesen, „immer zu beten“ (LuB 10:5). Ein Prophet hat erklärt, wie es möglich ist, immer zu beten, auch wenn wir uns gerade nicht niederknien können.

Lesen Sie Alma 34:27. Was heißt es, beständig ein Gebet im Herzen zu haben?

Wir können beständig ein Gebet im Herzen haben, indem wir unsere Gedanken und Wünsche auf den Herrn richten, wann immer das möglich ist.

Wir sollen in unserer Familie besondere Zeiten für das Gebet festsetzen, damit das Familiengebet gesprochen wird. Die Führer der Kirche haben uns angewiesen, unsere Familie zweimal am Tag zusammenzurufen. Es ist notwendig, die für alle beste Zeit dafür herauszufinden. Es soll immer die gleiche Zeit sein, wenn alle Kinder zu Hause sind. Diese Zeiten ergeben sich gewöhnlich am Morgen, bevor wir das Haus verlassen, um zur Arbeit oder Schule zu gehen und kurz bevor die Kinder abends zu Bett gehen.

Das Gebet muß nicht lang sein. Tatsächlich ermutigt ein kurzes Gebet unsere kleinen Kinder dazu zu beten, da ihr Gebet gewöhnlich sehr kurz ist. Das morgendliche Gebet soll unseren Plan für den Tag mit einschließen. Im Abendgebet sollen wir dem Herrn für seinen Schutz und seine Führung danken. Das Segnen der Speise soll nicht an Stelle des regelmäßigen Familiengebetes treten, kann aber darin integriert werden, wenn wir das Familiengebet kurz vor dem Essen sprechen.

Einige Segnungen, um die wir beten sollen, werden von Amulek im Buch Mormon erwähnt.

Lesen Sie Alma 34:23–25.

Die eigene Liste mit Punkten, um die wir beten wollen, mag anders aussehen als die von Amulek, aber die Grundsätze, von denen er spricht, sind die gleichen. Ein Grundsatz ist, daß wir in bezug auf unsere alltäglichen Aktivitäten beten sollen. Ein anderer, daß wir um Kraft beten sollen, den Versuchungen des Teufels zu widerstehen. Jede Familie soll sich ihre Ziele und Bedürfnisse ansehen, und aufrichtig für die Dinge beten, die für sie am wichtigsten sind. Wenn wir das tun, werden unsere Gebete ehrlich und wirksam sein und nicht nur Worte, die wir täglich wiederholen. Als Väter werden wir unseren kleinen Kindern helfen müssen, damit sie nicht immer nur die gleichen Worte sagen, wenn sie beten. Es ist wichtig, daß wir dabei nach dem Einfluß des Geistes trachten (siehe LuB 42:14). Was auch immer wir tun, um unsere Kinder das Beten zu lehren, wir dürfen sie niemals dazu zwingen oder sie dabei in Verlegenheit bringen.

Wir brauchen nicht entmutigt sein, wenn wir Schwierigkeiten damit haben, ein wirkungsvolles Familiengebet zu sprechen. Oft steckt der Satan hinter dem Problem.

Lesen Sie 2 Nephi 32:8.

Der Satan wird versuchen, das persönliche Gebet und das Familiengebet zu verhindern, weil er eine Familie, die nicht regelmäßig betet, leichter beeinflussen kann. Das Familiengebet zu sprechen, soll daher eine so feste Gewohnheit sein, daß notfalls die Frau die Familie dazu zusammenruft, wenn der Vater nicht zu Hause ist. Sofern Vater und Mutter weg sind, soll ein älteres Kind damit beauftragt werden, die Kinder zusammenzurufen und das Familiengebet zu sprechen.

Wie kann die Jugend im Aaronischen Priestertum das Familiengebet fördern?

Geistige Segnungen durch das Familiengebet

Wenn wir das Familiengebet pflegen, werden uns große Segnungen zuteil. Liebe und Verständnis werden zunehmen, und der Einfluß des Satans in der Familie wird geringer sein. Ein Gefühl des Friedens wird unser Herz erfüllen, wenn wir sehen, daß wir ein Gebot ordnungsgemäß erfüllen.

Das Familiengebet ist ein Schritt, wenn wir eine ewige Familie schaffen wollen. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt: „Wenn wir mit den Kindern zum Familiengebet niederknien, eignen sie sich eine Gewohnheit an, die sie ihr Leben lang behalten. Wenn wir uns nicht die Zeit zum Beten nehmen, sagen wir unseren Kindern damit eigentlich: ,Na ja, so wichtig ist das nicht.‘ … Wie groß ist aber andererseits die Freude, wenn das Beten in der Familie zu einem festen Brauch geworden ist, so daß die Eltern, wenn sie später ihre verheirateten Kinder besuchen, ganz selbstverständlich auf die gewohnte Weise mit ihnen zum Beten niederknien!“ (Das Wunder der Vergebung, Seite 244.)

Schluß

Wir mögen uns manchmal vielleicht fragen, ob unsere Kinder durch das Familiengebet wirklich etwas über Christus lernen und seine Gegenwart verspüren. Aber Kinder empfinden den Geist manchmal mehr als wir meinen. Präsident Heber J. Grant schrieb über ein Erlebnis in bezug auf das Gebet, das er als Kind in der Familie von Präsident Brigham Young hatte, folgendes:

„Ich kniete als Kind und als junger Mann … beim Familiengebet … im Haus von Brigham Young … nieder. Ich bezeuge, daß ich als Kind mehrmals, während Brigham Young betete, den Kopf hob und zu ihm hinübersah, um zu sehen, ob der Herr da … war, so sehr war die Inspiration zu spüren, die der Herr Brigham Young zuteil werden ließ, während dieser … Gott um Führung bat. Mir schien es, als spräche er zum Herrn, wie ein Mann zum anderen.“ (Heber J. Grant, Gospel Standards, Seite 223, 224.)

Das Gebet soll für unsere Kinder eine so aufregende Erfahrung sein wie für Heber J. Grant. Die folgenden Beispiele zeigen, was geschehen kann, wenn das Familiengebet auf die richtige Weise durchgeführt wird:

„Ein Vater – er war ein ruhiger, bescheidener Mann – fand es schwer, seine Liebe für seine Familie zum Ausdruck zu bringen. Auf Anregung seiner Frau begannen sie, regelmäßig das Familiengebet zu sprechen. Dies bot die Möglichkeit, das auszusprechen, was man im Herzen fühlte. Für ihre Tochter, die die Art ihres Vaters fälschlicherweise als Gleichgültigkeit interpretiert hatte, war diese Erfahrung eine Offenbarung. Seine Gebete waren einfach und seine Worte manchmal unbeholfen, aber es begeisterte sie, ihn sagen zu hören: ,Segne meine reizende Tochter, daß sie richtig handelt.‘

Ein schüchterner Junge, der sich selbst als ,Angsthase‘ ansah, empfand neuen Stolz und neues Selbstwertgefühl, als sein Vater und seine Mutter Gott für ihren ,freundlichen, liebevollen Sohn‘ dankten. Und das Selbstvertrauen des Jungen nahm weiter zu, als sogar sein kleiner Bruder dem himmlischen Vater seine Dankbarkeit für seinen ,großen starken Bruder‘ zum Ausdruck brachte.

In Vorbereitung auf einen Familienausflug bat mein Mann den Herrn, unsere Familie zu segnen, daß wir gut miteinander auskämen und Freude an unserem Zusammensein hätten. Wir hatten immer umsonst gepredigt, daß die Kinder nicht streiten sollten, aber dieses andächtige Gebet bewirkte schließlich die Mitarbeit aller.

Unser Sohn, der gerade im Teenageralter war, war immer angespannt und widerspenstig, wenn wir versuchten, irgendein Problem mit ihm zu besprechen. Wir beschlossen, daß es wichtig war, dann mit ihm zu sprechen, wenn er am empfänglichsten dafür war, und das schien nach dem Familiengebet am Morgen zu sein. Dann war es ruhig im Haus, und wir konnten offen unsere Gefühle miteinander teilen. Wir stellten fest, daß die Spannung nachließ, wenn unseren Gesprächen ein Gebet vorausging.

Während dieser ruhigen Augenblicke beim Familiengebet bleiben wir miteinander und mit unserem himmlischen Vater in Kontakt.“ (Ann H. Banks, “The Extra Blessings of Prayer”, Ensign, Januar 1976, Seite 37.)

Bitten Sie einige aus der Klasse zu beschreiben, was sie getan haben, um das Gebet in ihrer Familie zu einer Regelmäßigkeit werden zu lassen. Besprechen Sie Ideen, wie man das Gebet effektiver machen kann. Lassen Sie die Brüder von positiven Erlebnissen mit dem Familiengebet erzählen.

Aufgaben

1. Führen Sie das regelmäßige Familiengebet ein, wenn Sie dies bisher noch nicht praktiziert haben.

2. Beurteilen Sie Ihre Gebete, wenn Sie bereits regelmäßig mit der Familie beten. Besprechen Sie mit Ihrer Frau und Ihren Kindern, wie Sie das Familiengebet verbessern können.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Matthäus 5:44 (Wir sollen für diejenigen beten, die uns Böses tun.)

  • Matthäus 7:7 (Ein aufrichtiges Gebet wird beantwortet.)

  • Matthäus 26:41 (Wir sollen um Schutz vor Versuchung beten.)

  • Alma 13:28 (Wir sollen um Schutz vor Versuchung beten.)

  • Alma 37:36,37 (Wir sollen über all unser Tun beten.)

  • LuB 88:119 (Wir sollen ein Haus des Gebets errichten.)

  • LuB 88:126 (Wir sollen immer beten.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 8, „Zum himmlischen Vater beten“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Sie können jemand aus der Klasse beauftragen, ein positives Erlebnis zu berichten, das er mit dem Familiengebet hatte.

  3. 3.

    Eröffnen oder schließen Sie die Versammlung mit dem Lied „Gott und Vater, hör uns flehn“ (Gesangbuch, Nr. 125) oder „Der Seele Wunsch ist das Gebet“ (Gesangbuch, Nr. 94).

  4. 4.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, im Unterricht Geschichten oder Schriftstellen vorzutragen.