Aus den heiligen Schriften lehren

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem verstehen helfen, warum er aus den heiligen Schriften lehren soll, wenn er in der Kirche unterrichtet.

Einleitung

Zeigen Sie Bild 17-a, „Wir müssen die heiligen Schriften studieren, wenn wir aus ihnen lehren sollen“ und Bild 17-b, „Um das Evangelium zu lehren ist es erforderlich, daß wir die heiligen Schriften gut kennen“.

Präsident J. Reuben Clark jun. hat einer Gruppe von Lehrern der Kirche einmal gesagt: „Ihre wesentliche … Aufgabe besteht darin, das Evangelium Jesu Christi zu lehren. … Sie sollen das Evangelium lehren und als Quelle die Standardwerke [sprich die heiligen Schriften] der Kirche verwenden sowie die Worte derjenigen, die Gott dazu berufen hat, sein Volk in diesen Letzten Tagen zu führen.“ (The Charted Course of the Church in Education, Seite 9.)

Die größte Hilfe, die uns beim Unterrichten zur Verfügung steht, sind die heiligen Schriften – vorausgesetzt, wir kennen uns gut darin aus und verwenden sie, wenn wir lehren.

Es ist wichtig, aus den heiligen Schriften zu lehren

Der Herr hat deutlich gelehrt, wie wichtig es ist, die heiligen Schriften zu kennen und andere darin zu unterweisen. Während seines Besuches bei den Nephiten hat er gesagt: „… ja, ein Gebot gebe ich euch, hierin [in den Schriften] eifrig zu forschen.“ (3 Nephi 23:1.) Wir sollen die heiligen Schriften erforschen, weil sie uns über Jesus Christus belehren und weil „sie wahr und treu sind, und sich die Prophezeiungen und Verheißungen, die darin enthalten sind, alle erfüllen werden“ (LuB 1:37; siehe auch 1 Nephi 19:23).

Lesen Sie LuB 68:1–4. Welche heiligen Schriften haben wir heute zusätzlich zu den Standardwerken? Wo können wir sie finden? (Im Stern und im Generalkonferenzbericht.)

Mit Überzeugung aus der heiligen Schrift lehren

Als Lehi und seine Familie im verheißenen Land ankamen, lehrte Nephi seine Brüder die heiligen Schriften so, daß sie sie verstehen konnten: „Denn ich verglich alle Schriften mit uns“, sagte er, „damit wir davon Nutzen hätten und lernen könnten.“ (1 Nephi 19:23.) Es ist sehr wichtig, daß wir die heiligen Schriften auf uns selbst beziehen, wenn wir sie überzeugend lehren wollen. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Erforscht die heilige Schrift, erforscht die Propheten, und findet heraus, welcher Teil davon sich auf euch … bezieht!“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 14.) Ein guter Lehrer vergleicht die heiligen Schriften oft mit den eigenen Lebensumständen, indem er aufzeigt, wie die Ereignisse der Vergangenheit auch für die Gegenwart gelten.

Zeigen Sie Bild 17-c, „Nephi und Lehi finden den Liahona“.

Lehi finds Liahona(Klicken Sie hier für eine größere Ansicht)

17-c, Nephi und Lehi finden den Liahona.

Eine Geschichte aus dem Buch Mormon wurde von Präsident Spencer W. Kimball folgendermaßen verwandt:

„Stellen Sie sich vor, Sie wären Nephi und hörten Ihren Vater aufgeregt rufen, um die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zu lenken, den er direkt vor dem Eingang seines Zeltes gefunden hatte. Es war eine runde Kugel … ,von eigentümlicher Machart‘, gefertigt ,aus feinem Messing‘; keiner hatte jemals zuvor etwas Derartiges gesehen (siehe 1 Nephi 16:10). …

Wenn Sie sich für die Funktion dieser ungewöhnlichen Kugel interessierten und sie sorgfältig untersuchten, würden Sie bemerken, daß sie ,gemäß dem Glauben und dem Eifer und der Beachtung arbeitete‘, die Sie ihr hinsichtlich des Weges, den Sie gehen sollen, schenken (siehe 1 Nephi 16:28). … Bei näherer Betrachtung würden Sie erkennen, daß sich auf der Kugel schriftliche Hinweise befanden, die ,klar zu lesen waren‘ und … die die Wege des Herrn erklärten. Wenn Sie den Herrn etwas fragten, würden sich die Anweisungen ändern. Die Änderung der Anweisungen erfolgte gemäß dem Glauben und Eifer Ihrer Familie (siehe 1 Nephi 16:28). …

Die Kugel oder der Liahona – was übersetzt soviel wie Kompaß bedeutet – war vom Herrn eigens dafür bereitet worden, Lehi die Richtung zu weisen, in der er in der Wildnis reisen sollte. Hätten Sie nicht alle gern eine solche Kugel, die Ihnen immer, wenn Sie im Irrtum sind, den richtigen Weg weist und Ihnen Botschaften schreibt, so daß Sie immer wüßten, wann Sie sich im Irrtum oder auf dem falschen Weg befinden?

Meine jungen Brüder, Sie haben einen solchen Kompaß. Der Herr hat jedem Jungen, jedem Mann und überhaupt jedem Menschen ein Gewissen gegeben, das ihm immer sagt, wann er sich auf den falschen Weg begibt. Diese Warnung erfolgt immer, wir müssen nur zuhören. Aber die Menschen können sich natürlich so an diese Botschaften gewöhnen, daß sie sie ignorieren, bis sie sie schließlich nicht mehr registrieren.

Sie müssen sich klarmachen, daß Sie im eigenen Organismus so etwas wie einen Kompaß oder Liahona haben. Jedem Kind ist es gegeben. … Wenn es den Liahona ignoriert, den es in sich trägt, wird er ihm vielleicht schließlich nichts mehr zuflüstern. Wenn wir uns aber daran erinnern, daß jeder von uns einen Liahona hat, der uns in rechter Weise führt, wird unser Schiff nicht auf den falschen Kurs geraten …, vorausgesetzt, wir hören auf die Weisungen des eigenen Liahona, den wir Gewissen nennen.“ (Ensign, November 1976, Seite 77–79.)

Wie hat Präsident Kimball die heiligen Schriften dazu verwandt, eine Wahrheit zu lehren, die wir in der heutigen Zeit anwenden können?

Wenn wir ein fundiertes Wissen der heiligen Schriften haben, können wir die darin gelehrten Grundsätze auf Situationen im eigenen Leben anwenden. Die folgenden Beispiele zeigen, wie ein Vater seine Kinder aus der Schrift belehrt hat.

„RICHTET NICHT, DAMIT IHR NICHT GERICHTET WERDET“

Lara und Todd war mehrfach gesagt worden, daß sie ihr Fahrrad nicht in der Hauseinfahrt stehen lassen sollten. Eines Tages kam der Vater nach Hause und fand natürlich beide Fahrräder in der Einfahrt. Er stellte Todd zuerst zur Rede. „Todd“, sagte er, „ich habe gerade Laras Rad in der Einfahrt gefunden. Was soll ich mit ihr machen?“

Todd antwortete: „Du solltest ihr eine Woche lang Hausarrest geben, wie du es uns angekündigt hast.“

Später fragte der Vater Lara: „Ich habe gerade Todds Rad in der Einfahrt gefunden. Was soll ich mit ihm machen?“

Lara erwiderte: „Gib ihm noch eine Chance; er wird das nächste Mal daran denken.“

Daraufhin rief der Vater beide Kinder zu sich und ließ sie Matthäus 7:1,2 lesen.

Lesen Sie Matthäus 7:1,2.

Als sie die Verse zu Ende gelesen hatten, sagte der Vater: „Todd, du hast eine Woche Hausarrest. Lara, das ist dir hoffentlich eine Warnung. Ich will es für dich dabei belassen, wenn du jetzt sofort rausgehst und dein Fahrrad wegstellst.“

„DER ARBEITER IST SEINES LOHNES WERT“

Ron vereinbarte mit seinem Vater, daß er für zehn Dollar alle Fenster im Haus putzen würde. Sein Bruder Rick traf eine Vereinbarung, das Eßzimmer zu streichen – ebenfalls für zehn Dollar. Es kostete Ron einen halben Tag, die Fenster zu putzen. Rick brauchte dagegen zwei Tage, um das Zimmer zu streichen. Als der Vater beiden Jungen die zehn Dollar gab, protestierte Rick. Er war der Ansicht, daß er mehr bekommen sollte, weil er länger gearbeitet hatte. Als Antwort darauf las der Vater Matthäus 20:1–15 vor.

Lesen Sie Matthäus 20:1–15.

Der Vater schloß die Angelegenheit mit der Bemerkung ab, daß er seinen Teil des Abkommens eingehalten hätte und Rick daher nicht ärgerlich sein sollte.

Wie können wir die folgenden Schriftstellen auf Situationen in unserem heutigen Leben anwenden? Lesen Sie abwechselnd Matthäus 25:1–13, Enos 2–8 und LuB 40:1–3, und besprechen Sie die Schriftstellen anschließend.

Sich darauf vorbereiten, aus den heiligen Schriften zu lehren

Präsident Harold B. Lee hat geäußert: „Ich sage, wir müssen unsere Mitglieder lehren, ihre Antworten in den Schriften zu finden. … Unglücklicherweise lesen aber so viele von uns die heiligen Schriften nicht. Wir wissen nicht, was darin steht, und deshalb spekulieren wir über das, was wir darin hätten finden sollen. Ich denke, darin liegt eine der größten Gefahren, die wir heutzutage haben.“ (“Find the Answers in the Scriptures”, Ensign, Dezember 1972, Seite 3.)

Keiner wird uns zwingen, die Schriften zu studieren. Wenn wir wollen, können wir viele Ausreden dafür finden, die heiligen Schriften nicht zu studieren und zu erforschen. Wir müssen uns selbst dazu verpflichten, die Schriften zu studieren und einen regelmäßigen Studienplan ausarbeiten. Wenn wir dann vor der Wahl stehen, in den heiligen Schriften zu lesen oder das neueste Nachrichten- oder Sportmagazin, werden wir uns für die Schriften entscheiden, weil wir die Entscheidung schon vorher getroffen haben.

Wenn wir die heiligen Schriften lesen, uns daran erfreuen und daraus lehren wollen, müssen wir nicht nur planen, sondern auch beten und uns entsprechend vorbereiten.

Lesen Sie Moroni 10:3. Was sagt uns Moroni über das Lesen der heiligen Schrift?

Wenn wir in den heiligen Schriften lesen, sollen wir in unserem Herzen darüber nachdenken. Präsident Marion G. Romney hat gesagt: „Als ich in den Schriften las, weckte das Wort nachdenken mein Interesse. … Das Wörterbuch sagt, nachdenken bedeutet: ,im Geist bewegen, tief nachdenken über, überlegen, nachsinnen.‘ … Nachdenken ist meiner Meinung nach eine Form des Gebets. Zumindest ist es ein Versuch, den Geist des Herrn zu erlangen.“ (“Magnifying One’s Calling in the Priesthood”, Ensign, Juli 1973, Seite 90.)

Moroni 10:4 sagt uns, daß wir – nachdem wir über die heiligen Schriften nachgedacht (das Gelesene mit dem eigenen Verstand durchgearbeitet) haben – den himmlischen Vater fragen sollen, „ob es wahr ist“, und dann „wird er [uns] durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, daß es wahr ist“.

Schluß

Damit wir überzeugend aus den heiligen Schriften lehren können, müssen wir uns darauf vorbereiten, indem wir regelmäßig darin lesen. Wir müssen über das Gelesene nachdenken, es nachempfinden und mit aufrichtiger Absicht darüber beten. Dann müssen wir das anwenden, was wir durch den Heiligen Geist gelernt haben. Wenn wir das alles getan haben, können wir mit Macht und Überzeugung aus den heiligen Schriften lehren.

Aufgaben

  1. 1.

    Unterstreichen Sie bei Ihrem täglichen Schriftstudium die Stellen, die für Sie von Bedeutung sind. Denken Sie darüber nach, wie sie „auf uns bezogen“ werden können.

  2. 2.

    Belehren Sie Ihre Familie beim Familienabend aus der Schrift. Nehmen Sie Gelegenheiten wie das gemeinsame Abendessen oder andere Situationen wahr, um über Geschichten aus den heiligen Schriften zu sprechen und sie auf das Leben in Ihrer Familie anzuwenden.

Zusätzliche Schriftstellen

  • 2 Nephi 4:15,16 (Nephis Freude an den heiligen Schriften.)

  • LuB 11:21,22 (Bevor wir lehren, sollen wir selbst studieren.)

  • LuB 42:12–15 (Wir sollen aus den heiligen Schriften lehren.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 10, „Die heiligen Schriften“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Erinnern Sie alle daran, die heiligen Schriften zum Unterricht mitzubringen.

  3. 3.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, im Unterricht Geschichten oder Schriftstellen vorzutragen.