In der Familie Anstand und Tugend lehren

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem zeigen, wie man in der Familie Anstand und Tugend lehrt.

Einleitung

Elder Boyd K. Packer hat, als er über die sittlichen Werte von Anstand und Tugend sprach, folgendes gesagt: „Die Pflicht und das Recht, diese heiligen Eigenschaften zu lehren, liegt bei den Eltern. Ich bin der Ansicht, daß das nicht die Aufgabe der Schule oder der Organisationen der Kirche ist. Der Beitrag der Kirche in dieser Angelegenheit besteht darin, Eltern in bezug auf die sittlichen Richtlinien zu belehren, die der Herr offenbart hat und ihnen bei der Aufgabe zu helfen, ihre Kinder in diesen heiligen Themen zu unterweisen.“ (Teach Ye Diligently, Seite 256.)

Der Prophet Mormon schrieb einen Brief an seinen Sohn Moroni, worin er den großen Wert sittlicher Reinheit lehrt. Er sagte, daß Keuschheit und Tugend teurer und kostbarer sind als alles andere (siehe Moroni 9:9). Unser Körper ist heilig; wir sollen uns immer schicklich kleiden und uns rein und tugendhaft halten.

Anstand und Tugend

Der Herr legt großen Wert auf Tugend. Deshalb ist es wichtig, daß wir verstehen, was der Herr mit Tugend und Anstand meint. Anstand bezieht sich gewöhnlich auf die Art, wie wir sprechen und uns kleiden. Tugend bezieht sich auf unsere Handlungsweise. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt:

„Unter vielem anderen ist es die Unanständigkeit, die zu Unkeuschheit führt. Heutzutage sind viele junge Frauen und junge Männer äußerst selbstgefällig, was ihr Wissen über die Tatsachen des Lebens anbelangt. Sie glauben, alle Antworten zu kennen. Sie sprechen über Sex so offen, wie über Autos, Kinofilme und Kleidung. Ein Geist der Unanständigkeit hat sich entwickelt, und nichts scheint mehr heilig zu sein.

Ein Faktor, der zu Unanständigkeit und dem Verfall sittlicher Werte beiträgt, ist die moderne Kleidung. Ich bin sicher, daß die unanständige Kleidung, die von einigen unserer jungen Frauen und ihren Müttern getragen wird, direkt und indirekt zur Unmoral dieses Zeitalters beiträgt; auch Väter ermutigen manchmal dazu. Ich frage mich, ob es unseren jungen Schwestern bewußt ist, welche Versuchung sie für junge Männer darstellen, wenn sie ihren Körper zum Teil unbedeckt lassen. …

Ich bin davon überzeugt, daß die Kleidung, die wir tragen, ein gewaltiger Faktor im schrittweisen Verfall unserer Liebe zur Tugend und unserer Standhaftigkeit in bezug auf Keuschheit ist.“ (Faith Precedes the Miracle, Seite 163, 168.)

Wie soll sich das Wissen, daß unser Körper heilig ist, darauf auswirken, wie wir uns kleiden und handeln?

Wie soll sich das Wissen, daß wir Kinder unseres himmlischen Vaters sind, darauf auswirken, wie wir uns kleiden und handeln?

Elder Vaughn J. Featherstone erzählte die Geschichte eines Königssohnes, der sich bewußt war, wer er war und wie er handeln sollte. König Ludwig XVI. von Frankreich war von seinem Thron gestürzt und ins Gefängnis geworfen worden. Sein Sohn, der Prinz, wurde von denjenigen ergriffen, die den König gefangengenommen hatten. Weil der Prinz der Thronfolger war, wollten sie ihn moralisch vernichten. Sie wußten, daß er niemals in der Lage sein würde, König von Frankreich zu werden, wenn sie das täten.

Diese Menschen brachten den Prinzen in eine weit entfernte Stadt, wo sie den Jungen mit allem Schmutzigen versuchten, das sie finden konnten. Sie versuchten, ihn dazu zu bringen, Nahrung zu sich zu nehmen, die ihn schnell seiner Selbstkontrolle beraubt hätte. Sie bedienten sich in seiner Gegenwart einer schreckliche Sprache. Sie versuchten ihn mit schlechten Frauen. Sie setzten ihn der Schande und des Mißtrauens aus. Er war 24 Stunden am Tag von allem Möglichen umgeben, das dazu angetan war, daß ein Mensch seine moralischen Werte verlieren konnte. Mehr als sechs Monate war er dieser Behandlung ausgesetzt. Aber nicht einmal hatte der Junge der Versuchung nachgegeben. Schließlich, nachdem sie alles ausprobiert hatten, was sie sich vorstellen konnten, fragten sie ihn, warum er auf nichts einginge. Er antwortete: „Ich kann nicht tun, was ihr von mir wollt, denn ich bin zum König geboren.“ (Nach “The King’s Son”, New Era, November 1975, Seite 35.)

Auch wir wurden geboren, um einmal König zu sein (siehe 1 Petrus 2:9; Offenbarung 1:6). Unser Lebenszweck beinhaltet jedoch mehr, als König eines Landes zu sein. Wir sind Kinder Gottes, und wir wurden geboren, um so zu werden wie er. Es ist unmöglich, ein solches Ziel zu erreichen, wenn wir nicht anständig und tugendhaft sind.

Die Bedeutung des Beispiels

Eine unserer wichtigsten Verpflichtungen als Mitglieder der Kirche Gottes besteht darin, ein gutes Beispiel an Anstand und Tugend zu sein. Wir sollen nicht nur unseren Sinn und Körper rein und sauber halten, sondern durch unsere Sprache, die Art unseres Humors und die Literatur, die wir lesen, auch zeigen, daß wir unseren Körper als heilig ansehen. Das ist besonders für Eltern und ältere Kinder wichtig. Wenn wir als gutes Beispiel vorangehen, können unsere Kinder oder Brüder und Schwestern die gleichen Werte entwickeln und sich dementsprechend verhalten.

Lassen Sie die Klasse einen Augenblick lang über die eigene Einstellung und Verhaltensweise nachdenken, während Sie die folgenden Fragen stellen:

„Gibt es in meiner Einstellung oder meinem Verhalten etwas, das denjenigen schaden könnte, die ich zu belehren versuche?“

„Gibt es etwas, was ich tue oder denke, von dem ich nicht möchte, daß meine Kinder es mir gleichtun?“

Lesen Sie in Jakob 2:35, wie Jakob die Nephiten wegen ihres schlechten Beispiels tadelte. Warum ist es so wichtig, ein gutes Beispiel zu geben?

Anstand und Tugend lehren

Um Anstand und Tugend zu lehren, braucht man selbst große Geistigkeit. Elder Boyd K. Packer hat gesagt: „Wenn es eine wesentliche Voraussetzung für das Lehren moralischer und geistiger Werte gibt …, dann ist es die Notwendigkeit, den Geist des Herrn bei uns zu haben, wenn wir lehren.“ (Teach Ye Diligently, Seite 272.)

Es ist auch wichtig, das Thema mit Ehrfurcht und Demut anzugehen. Elder Packer ist uns ein gutes Beispiel darin, wie wir Anstand und Tugend auf ehrfurchtsvolle Weise lehren können:

„Unserem physischen Körper ist eine Schöpfungskraft gegeben, die heilig ist. Sie ist sozusagen ein Licht, daß die Kraft hat, andere Lichter zu entzünden. Diese Gabe darf nur innerhalb des heiligen Bundes der Ehe gebraucht werden. Durch die Ausübung dieser Schöpfungskraft kann ein irdischer Körper empfangen werden, ein Geist tritt in ihn ein, und eine neue Seele wird in dieses Leben geboren. Diese Kraft ist etwas Gutes. Sie kann eine Familie hervorbringen und erhalten, und gerade in der Familie finden wir die Quellen des Glücks. Die Kraft ist praktisch jedem gegeben, der in die Sterblichkeit geboren wird. Es ist eine heilige und bedeutsame Kraft. …

Ihr wachst in einer Gesellschaft auf, in der ihr ständig mit der Versuchung konfrontiert seid, diese heilige Kraft zu mißbrauchen. … Laßt es nicht zu, daß irgend jemand euren Körper berührt oder anfaßt – gestattet es niemandem! Wer euch etwas anderes erzählt, möchte euch dazu verführen, die eigene Schuld zu teilen. Wir lehren euch, eure Unschuld zu bewahren. … Der einzige rechtschaffene Gebrauch dieser heiligen Kraft besteht innerhalb des Ehebundes. Mißbraucht diese heilige Kraft niemals.“ (Teach Ye Diligently, Seite 259, 262.)

Wenn wir in der Familie beim Lehren dieser Grundsätze Erfolg haben wollen, müssen wir sehr darauf bedacht sein, unsere Familie vor jeglicher Unreinheit zu beschützen. Elder A. Theodore Tuttle hat uns gesagt, daß „der Vater der Beschützer der Familie ist. Er bewacht sie vor dem Eindringen des Bösen. Früher hat er seine Familie mit Waffen und geschlossenen Fenstern beschützt. In der heutigen Zeit ist die Aufgabe komplexer. Verriegelte Türen und Fenster schützen nur vor physischen Gefahren. Es ist nicht leicht, die eigene Familie vor dem Bösen zu beschützen, das den Sinn und Geist eines jeden in der Familie angreift. Das Böse kann in großem Maße in die Familie eindringen. [Der Satan ist schlau.] Er muß nicht die Tür aufbrechen.“ (“The Role of the Father”, Ensign, Januar 1974, Seite 67.)

Auf welche Weise kann das Böse heutzutage in unsere Familie eindringen? (Unmoralische Zeitschriften, Radio- und Fernsehprogramme sowie Bücher sind einige Möglichkeiten.)

Was muß ein Vater tun, um seine Familie vor Gefahren dieser Art zu beschützen? (Er muß sorgfältig das Lesematerial und die Programme auswählen, die im Radio und Fernsehen gehört bzw. gesehen werden.)

Lesen und besprechen Sie LuB 93:40–43.

Der Herr tadelte Frederick G. Williams, weil er seine Pflicht, seine Kinder in Licht und Wahrheit zu erziehen, nicht erfüllt hat.

Wie wäre Ihnen zumute, wenn der Herr Ihnen sagen müßte, daß Sie Ihre Kinder nicht genau die Bedeutung von Anstand und Tugend gelehrt haben?

Die richtige Zeit zu lehren

Zeigen Sie Bild 19-a, „Ein Vater soll mit seinen Kindern regelmäßig eine Unterredung führen“.

father and son(Klicken Sie hier für eine größere Ansicht)

19-a, Ein Vater soll mit seinen Kindern regelmäßig eine Unterredung führen.

Der Familienabend ist eine ausgezeichnete Zeit, um Tugend und Anstand zu lehren. Viele Väter finden es auch hilfreich, mit ihren Kindern und sogar mit ihrer Frau formelle Unterredungen zu führen. Ein Vater spricht beispielsweise einmal im Monat, am Fastsonntag, mit jedem Kind persönlich. Er stellt Fragen hinsichtlich sittlicher Reinheit und hört sich alle ihre Probleme an. Er belehrt die Kinder, gibt Zeugnis und teilt ihnen seine Liebe mit.

Welche Wirkung hat diese Art der Unterredung Ihrer Meinung nach auf seine Kinder?

Zeigen Sie Bild 19-b, „Gelegenheiten zu lehren kommen oft unerwartet“.

Obwohl es sehr wichtig ist, unsere Kinder in formellen Situationen, wie z. B. bei Unterredungen oder beim Familienabend, zu belehren, müssen wir ihren Bedürfnissen doch immer Aufmerksamkeit schenken. Wir sollen nach den Augenblicken Ausschau halten, in denen sie für das, was wir ihnen mitteilen wollen, am empfänglichsten sind. Wenn wir regelmäßig mit unseren Kindern sprechen und ihnen unsere Liebe zeigen, werden sie oft zu uns kommen, wenn sie über ihre Gefühle und Probleme sprechen müssen.

Schluß

Der Herr hat uns geboten, jede Gelegenheit wahrzunehmen, um unsere Kinder zu belehren (siehe Deuteronomium 6:5–7). Wenn wir nach solchen Gelegenheiten Ausschau halten, können wir manchmal in ganz unerwarteten Situationen mit großem Nachdruck und Einfluß lehren. Wir können vielleicht bei einem Picknick, nach einer Abendmahlsversammlung, bei einem Spaziergang, im Auto, im Urlaub, auf dem Weg zur Schule oder während einer schwierigen Zeit wichtige Wahrheiten in bezug auf Tugend und Anstand lehren.

Können Sie sich an ein Erlebnis mit Ihren Kindern oder Eltern erinnern, wo wirkliche Kommunikation und Belehrung erfolgt sind? Wo war das? Wann war es? War es geplant, oder hat sich die Situation unerwartet ergeben?

Aufgaben

  1. 1.

    Planen Sie einen Familienabend, in dem Sie über Tugend und Anstand sprechen.

  2. 2.

    Geben Sie selbst, durch die Art, wie Sie sich kleiden und benehmen, ein gutes Beispiel.

  3. 3.

    Wenn Sie ein junger Mann sind, ermutigen Sie die Mädchen und Frauen, die Sie kennen, sich anständig zu kleiden.

Zusätzliche Schriftstelle

  • 1 Timotheus 4:12 (Die Bedeutung des Beispiels.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Überlegen Sie sorgfältig, wie Sie den Unterricht gestalten wollen. Wenn junge Priestertumsträger in der Klasse sind, mißbrauchen Sie den Unterricht nicht für eine Moralpredigt. Vielleicht möchten Sie mit ihnen Möglichkeiten besprechen, wie junge Leute ihren Eltern helfen können, mit ihnen über dieses heikle Thema zu sprechen. Besprechen Sie, warum Keuschheit und Anstand so wichtig sind und was der einzelne tun kann, um anderen ein gutes Beispiel zu geben.

  2. 2.

    Sie können jemanden beauftragen, der der Klasse von einem Erlebnis berichtet, wo zwischen Eltern und Kindern wirkliche Verständigung und Belehrung erfolgt ist. (Diese Diskussion könnte man gut in den 5. Abschnitt, „Die richtige Zeit zu lehren“ einbinden.)

  3. 3.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, im Unterricht Geschichten oder Schriftstellen vorzutragen.