Entwicklung und Verbesserung beruflicher Fertigkeiten

Pflichten und Segnungen des Priestertums: Grundkurs für Priestertumsträger, Teil A, 1998


Die Lektion soll jedem helfen zu verstehen, welche Bedeutung der Herr der Arbeit beimißt, wie man mit Weisheit eine Arbeit auswählt und wie man seine beruflichen Fertigkeiten verbessern kann.

Einleitung

Die erste schriftlich festgehaltene Anweisung, die Adam nach dem Fall gegeben wurde, war der ewige Grundsatz der Arbeit. Der Herr sagte zu Adam: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden.“ (Genesis 3:19.)

Unser himmlischer Vater hat uns das gleiche Gebot gegeben. Die Erste Präsidentschaft der Kirche hat erklärt: „Es ist ein Segen, daß wir arbeiten müssen, und wir sollen es willig tun und ohne uns zu beklagen.“ (“First Presidency Urges Frugality”, Ensign, März 1975, Seite 75.) Arbeit ist einer der Schlüssel zum ewigen Leben. Unser weiser und liebender Vater im Himmel weiß, daß wir durch ein arbeitsreiches Leben mehr lernen, mehr wachsen, mehr erreichen und mehr profitieren, als durch ein leichtes Leben.

Zeigen Sie Bild 23-a, „Arbeit ist ein Segen, den der himmlische Vater uns gegeben hat“.

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23-a, Arbeit ist ein Segen, den der himmlische Vater uns gegeben hat

Mit Weisheit eine Arbeit auswählen

Unsere Berufswahl ist sehr wichtig. Wir sollen Fakten zusammentragen, gebetserfüllte Entscheidungen treffen, eine Ausbildung machen und berufliche Erfahrungen sammeln und dann nach einem Arbeitsplatz suchen, mit dem wir für unsere Familie sorgen können.

Schreiben Sie die folgenden vier Schritte an die Tafel:

Fakten Zusammentragen

Wenn wir jung sind, müssen wir herausfinden, welcher Beruf für uns am besten ist. Dabei sollten wir unsere Talente, Fähigkeiten und Interessen berücksichtigen. Uns sollte bewußt sein, daß wir mehr Erfolg haben, wenn wir etwas tun, woran wir Freude haben. Einige von uns, die bereits einen Arbeitsplatz haben, hatten vielleicht nicht die Gelegenheit, sich ihre Arbeit auszusuchen, dennoch können auch sie die gleichen Schritte unternehmen, und somit ihre berufliche Situation verbessern.

Bevor man sich für einen Beruf entscheidet, soll man überlegen, welche Zukunft diese Arbeit hat. Die vielen Veränderungen in der Welt bringen es mit sich, daß viele Berufe aussterben und neue entstehen. Eine Möglichkeit, wie wir etwas über die Zukunft eines Berufes erfahren können, den wir in Betracht ziehen, besteht darin, sich bei Freunden, Verwandten, den anderen Priestertumsträgern und Führern der Kirche zu erkundigen. In einigen Städten gibt es Berufsberater und Arbeitsämter, die uns helfen können. Oft können Handelsschulen, Hochschulen und Universitäten darüber Auskunft geben, welche Berufe zur Zeit auf dem Markt sind. Aus dem Anzeigenteil der Zeitungen kann man ebenfalls ersehen, welche Berufe gefragt sind.

Wenn wir einen Beruf wählen, sollten wir nach einer Arbeit Ausschau halten, die es uns gestattet, in der Kirche aktiv zu sein. Es gibt einige Berufe, die es mit sich bringen, daß man längere Zeit von zu Hause weg ist. Oder die Arbeitsbedingungen können uns davon abhalten, in vollem Maße nach dem Evangelium zu leben. Wir können solche Arbeitsbedingungen vermeiden, indem wir unseren Beruf sorgfältig auswählen. Befinden wir uns derzeit in einer unbefriedigenden Arbeitssituation, können wir uns für eine andere Arbeit qualifizieren.

Zeigen Sie Bild 23-b, „Der Herr wird unsere Berufswahl bestätigen, wenn wir ihn darum bitten“.

Beten

Es ist sehr wichtig, den Herrn um Hilfe zu bitten, wenn wir nach Arbeit suchen. Die Entscheidung müssen wir selbst treffen, aber der Herr wird uns dabei helfen, eine weise Entscheidung zu treffen, wenn wir aufrichtig beten. Das Beten allein reicht aber nicht. Präsident Brigham Young hat gesagt: „Mein Glaube verleitet mich nicht zu der Annahme, der Herr würde uns mit gebratenen Schweinen und mit Butter bestrichenen Broten versorgen, … er gibt uns vielmehr die Fähigkeit, das Getreide zu ziehen, die Früchte der Erde zu ernten und Häuser zu bauen.“ (Discourses of Brigham Young, Seite 291.)

Wenn wir unsere endgültige Entscheidung treffen, müssen wir beten und den inneren Frieden erlangen, der sich einstellt, wenn wir wissen, daß der Heilige Geist uns leitet. Dann müssen wir unserer Entscheidung gemäß handeln. Bruder Taisho Komura aus Japan hat diese Grundsätze angewandt, um sein Leben und seine berufliche Situation zu verändern.

Lesen Sie die folgende Geschichte vor:

Taisho Komura arbeitete in Japan als Herrenfriseuer. Eines Tages wurde er von den Missionaren angesprochen und einige Zeit später getauft.

Während der Diskussionen lernte er, daß man den Sabbat heilighalten soll. Der Sabbat war jedoch sein arbeitsreichster Tag im Friseurgeschäft. Nachdem er über das Problem der Sabbatheiligung gebetet hatte, beschloß er, wieder zur Schule zu gehen und einen neuen Beruf zu erlernen.

Lassen Sie einige aus der Klasse berichten, wie das Gebet ihnen geholfen hat, gute Entscheidungen zu treffen.

BERUFLICHE FERTIGKEITEN ENTWICKELN

Zeigen Sie Bild 23-c, „Es erfordert Zeit und Mühe, sich eine Fertigkeit anzueignen“.

Es erfordert Zeit und Mühe, sich berufliche Fertigkeiten anzueignen. Wenn wir unsere Arbeitssituation verbessern wollen, müssen wir bereit sein, zu lernen und zu arbeiten, um die notwendige Fertigkeit und Ausbildung zu erlangen.

Eine Ausbildung in einem Betrieb, Fernkurse, innerbetriebliche Schulungen, Berufsschulen und Bücher können uns helfen, Fertigkeiten zu entwickeln. Wir vergrößern auch unser Wissen und verbessern unsere Fähigkeiten, wenn wir mit möglichen Arbeitgebern sprechen, Arbeitsstätten ansehen und in verschiedenen Berufen ein Praktikum absolvieren.

Lesen und Schreiben sind zwei grundlegende Fertigkeiten für die erfolgreiche Arbeitssuche. Wenn wir Arbeit suchen und nicht lesen oder schreiben können, sollten wir jemanden um Hilfe bitten, der es kann. Wir sollten nie zögern, das Wissen und die Informationen zu nutzen, die andere in der Kirche, die Familie oder das Gemeinwesen uns vermitteln können.

Welche Fertigkeiten und Talente kann jeder von uns mit den Brüdern im Kollegium teilen? Lassen Sie den zuvor Beauftragten über die Stellen berichten, die in Ihrem Gebiet Arbeit vermitteln.

Wenn wir ein Ziel erreichen wollen, müssen wir darauf vorbereitet sein, große persönliche Opfer dafür zu bringen. Das bedeutet, wir müssen bereit sein, alles Notwendige zu tun, um unsere Fertigkeiten zu entwickeln. Erfolg stellt sich nur ein, wenn wir die Anforderungen erfüllen und die dafür notwendigen Anstrengungen unternehmen. „Was der Mensch sät, wird er ernten.“ (Galater 6:7.)

Die folgende Geschichte zeigt, wie ein Mitglied der Kirche im Südpazifik sich erfolgreich bemühte, seine beruflichen Fertigkeiten zu verbessern und für seine Familie zu sorgen.

Als junger Mann hatte Viliami Havili gelernt, wie wichtig es war, persönliche Mühe auf das Erlernen und Verbessern von Fertigkeiten zu verwenden, die ihn befähigten, für seine zukünftige Familie zu sorgen. Als er schließlich heiratete, arbeitete Bruder Havili hart, um genug Geld zu verdienen und zu sparen, damit er etwas Ackerland kaufen konnte, das zu einem geringen Preis angeboten wurde.

Das Ackerland, das er kaufte, wurde als geringwertig angesehen, weil es hügelig war und nahe an der Küste lag, wo der Wind leicht die Ernte vernichten konnte. Aber er arbeitete mit viel Anstrengung daran, den Boden zu verbessern. Er verbrachte auch viel Zeit damit, die neuesten Anbautechniken zu studieren. Weil einige Informationen, die er benötigte, nur in Französisch erhältlich waren, brachte er sich selbst so viel Französisch bei, daß er die Bücher über Ackerbau lesen konnte.

Aus diesen Büchern lernte er, wie er die Erde düngen konnte, worüber sich viele andere Bauern in der Gegend nie Gedanken gemacht hatten. Er lernte, wie er bestimmte Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung einsetzen und Krankheitsbefall von Pflanzen beheben konnte. Er fand auch heraus, welche Ernte sich exportieren und zu höheren Preisen verkaufen ließ. Es überrascht nicht, daß Bruder Havili aufgrund seiner vielen Anstrengungen und mit der Hilfe des Herrn ein erfolgreicher Bauer wurde.

Welche Arbeitsmöglichkeiten gibt es in unserer Gegend?

Diese und andere Arbeitsplätze können wir nur bekommen, wenn wir uns die dafür notwendigen Fertigkeiten aneignen.

Arbeitssuche

Ein qualifizierter Mensch kann nicht eingestellt werden, es sei denn, er nimmt Kontakt mit einem möglichen Arbeitgeber auf. Ebenso kann jemand, der sich selbständig machen will, seine Produkte oder Dienstleistungen nicht verkaufen, ohne an mögliche Käufer heranzutreten. Der Priestertumsträger, der arbeitslos ist, hat daher die Pflicht, auf Arbeitssuche zu gehen.

Sollte er es schwierig finden, eine Arbeitsstelle zu finden, braucht er vielleicht die Hilfe seines Priestertumskollegiums. Ein Führer der Kirche hat gesagt, daß offene Stellen und Bewerbungsinformationen durch das Priestertumskollegium bekanntgemacht werden sollen. Das Kollegium soll feststellen, wer Arbeit braucht oder sich beruflich verbessern möchte. Es soll dann alles in seiner Macht Stehende tun, um den Mitgliedern zu helfen, eine gute Arbeit zu finden. (Siehe Howard W. Hunter, “Prepare for Honorable Employment”, Ensign, November 1975, Seite 123.)

Wie kann ich als Kollegiumsmitglied meinen Brüdern helfen, Arbeit zu finden?

Die eigenen Arbeitsgewohnheiten verbessern

Der Apostel Paulus riet den Brüdern der Kirche, bei der Arbeit nicht träge zu sein (siehe Römer 12:11). Wir sollen uns immer bemühen, unser Bestes zu geben und nach Möglichkeiten Ausschau halten, unsere Arbeitsgewohnheiten zu verbessern. Dafür brauchen wir eine gute Einstellung zur Arbeit. Die folgende Kontrolliste kann uns dabei helfen, an einige der wichtigen Arbeitsgewohnheiten zu denken.

  • Nutze ich die Zeit gut, die mir zur Verfügung steht?

  • Bin ich bereit, mit meinem Arbeitgeber, meinem Vorgesetzten und meinen Kollegen zusammenzuarbeiten?

  • Verwende ich das Material oder Eigentum meines Arbeitgebers für persönliche oder kirchliche Zwecke ohne seine Erlaubnis oder ohne dafür zu bezahlen?

  • Könnte ich morgens oder nach den Pausen pünktlicher am Arbeitsplatz erscheinen?

  • Führe ich meine Arbeit nach bestem Wissen aus?

  • Bin ich zu meinen Kollegen, meinem Vorgesetzten und Arbeitgeber freundlich?

Lesen Sie die folgende Geschichte vor:

Präsident Heber J. Grant lernte in seinen Jugendjahren, wie wichtig es ist, berufliche Fertigkeiten zu verbessern und zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen. Eines Tages, als er mit ein paar anderen Jungen Murmeln spielte, sahen sie einen Bankier. Einer der Jungen bemerkte: „Dieser Mann verdient 150 Dollar im Monat.“ Heber rechnete aus, daß er einen Monat lang jeden Tag 120 Paar Schuhe putzen müßte, um so viel Geld zu verdienen. Also beschloß er damals, daß er eines Tages auch ein Bankier sein wollte.

Zu jener Zeit wurden alle Berichte und Abrechnungen in Banken mit Füllfederhalter geschrieben. Ein guter Buchführer mußte damals schön schreiben können. Um diese Arbeit zu bekommen, übte sich Heber zuerst in Schönschrift.

Anfangs war seine Handschrift so schlecht, daß sich seine Freunde darüber lustig machten. Das verletzte seinen Stolz, und er sagte: „Eines Tages werde ich in der Lage sein, euch in der Schreibkunst zu unterrichten.“ Aufgrund seiner Bemühungen, diese Fertigkeit zu entwickeln, arbeitete er an einer Universität als Lehrer für Schreibkunst. Er schrieb Grußkarten, Hochzeitskarten, Versicherungspolicen, Aktienzertifikate und amtliche Dokumente.

Er sagte: „Ich verdiente am Neujahrstag einmal 20 Dollar, indem ich auf 480 Karten Frohes neues Jahr und den Namen eines Mannes schrieb. Am nächsten Silvesterabend, ich war noch ziemlich spät im Büro und damit beschäftigt, Grußkarten zu schreiben, kam mein Chef Mr. Wadsworth herein und bemerkte freundlich, daß das Geschäft gut lief. Er sprach darüber, daß ich für eine andere Gesellschaft die Bücher geführt hätte, ohne Geld dafür bekommen zu haben und machte mir noch einige Komplimente, über die ich mich sehr freute. Dann überreichte er mir 100 Dollar, die mich doppelt für meine Extra-Arbeit entschädigten. Die Befriedigung, die ich dabei empfand, das Wohlwollen und Vertrauen meines Arbeitgebers erlangt zu haben, war mir mehr als doppelt soviel wert.“ (Siehe Bryant S. Hinckley, Heber J. Grant: Highlights in the Life of a Great Leader, Seite 39–42.)

Schluß

Es ist ein Segen, arbeiten zu können. Der Herr hat uns durch seine Propheten gesagt, daß es unsere Pflicht ist, zu arbeiten und für unsere Familie zu sorgen. Wir können uns gute Arbeitsgewohnheiten zum einen durch eigene Übung aneignen, wir können aber auch von der Erfahrung anderer lernen. Damit wir eine lohnende Arbeit finden, müssen wir Fakten sammeln, über unsere Entscheidung beten und dann die beruflichen Fertigkeiten entwickeln.

Aufgabe

  • Sehen Sie sich noch einmal die Fragen über Ihre Arbeitsgewohnheiten an, und verbessern Sie sich in einem der erwähnten Bereiche.

Zusätzliche Schriftstellen

  • LuB 31:5 (Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.)

  • LuB 42:42 (Der Müßiggänger kann nicht die Segnungen des Arbeiters empfangen.)

Vorbereitung für den Lehrer

Bevor Sie diese Lektion unterrichten:

  1. 1.

    Lesen Sie Kapitel 27, „Arbeit und persönliche Verantwortung“ im Leitfaden Grundbegriffe des Evangeliums.

  2. 2.

    Gehen Sie in diesem Leitfaden noch einmal die Lektion 12, „Die Verantwortung des Vaters hinsichtlich der Sorge für seine Familie“ durch.

  3. 3.

    Besorgen Sie Tafel und Kreide bzw. Stifte.

  4. 4.

    Sie können jemand aus der Klasse bitten, sich darüber zu informieren, welche Schulen und Dienste man in Ihrem Gebiet in Anspruch nehmen kann, um seine Arbeitsmöglichkeiten und Fertigkeiten zu verbessern.

  5. 5.

    Beauftragen Sie einige aus der Klasse, Geschichten und Schriftstellen im Unterricht vorzutragen.