Lektion 25: Der Utah-Krieg und das Massaker von Mountain Meadows

Grundlagen der Wiederherstellung – Leitfaden für den Lehrer, 2015


Einleitung

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts führten Spannungen und Irrtümer bei der Verständigung zwischen den Heiligen der Letzten Tage und Vertretern der US-Regierung zum Utah-Krieg von 1857/58. Im September 1857 kam es außerdem zu einem Konflikt zwischen einigen Mitgliedern im südlichen Territorium von Utah und einem Wagenzug mit Siedlern, die nach Kalifornien unterwegs waren. Aus Zorn und Angst kam es dazu, dass einige Mitglieder etwa 120 Siedler umbrachten. Diese Gräueltat ist als das Massaker von Mountain Meadows bekannt.

Zusätzlicher Lesestoff

Anregungen für den Unterricht

Zwischen den Heiligen der Letzten Tage und der US-Regierung kommt es zu Spannungen

handout iconGeben Sie jedem Teilnehmer eine Kopie des Handzettels, den Sie am Ende der Lektion finden. Bitten Sie jemanden, auf dem Handzettel den Abschnitt unter der Überschrift „Wachsende Spannungen führen zum Utah-Krieg“ vorzulesen.

  • Wenn Sie 1857 der Kirche angehört und davon gehört hätten, dass sich eine große Armee Ihrer Stadt nähert, was wäre da wohl in Ihnen vorgegangen? (Möglicherweise antworten die Teilnehmer, dass die Heiligen ja schon gewaltsam aus Ohio, Missouri und Illinois vertrieben worden waren, viele hatten ihr Hab und Gut sowie ihren Landbesitz verloren, einige waren umgebracht worden oder sonst wie ums Leben gekommen. Die Kunde von der herannahenden Armee löste bei einigen Heiligen Angst aus, so etwas könne sich nun auch in Utah ereignen.)

Bitten Sie jemanden, auf dem Handzettel den Abschnitt unter der Überschrift „Vorbereitungen für die Verteidigung des Territoriums“ vorzulesen.

Zwischen einigen Heiligen der Letzten Tage und einem Wagenzug mit Siedlern kommt es zu Auseinandersetzungen

Zeigen Sie eine ähnlich der hier abgebildeten Karte, oder zeichnen Sie eine an die Tafel.

Bitten Sie jemanden, auf dem Handzettel den Abschnitt unter der Überschrift „Auseinandersetzungen mit dem Wagenzug der Siedler“ vorzulesen.

Die Teilnehmer sollen daran denken, wie sie schon einmal mit jemandem oder mehreren Leuten gestritten haben. Bitten Sie jemanden, 3 Nephi 12:25 vorzulesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, welcher Grundsatz, den Jesus Christus gelehrt hat, uns helfen kann, wenn zwischen uns und jemand anderem Spannungen herrschen.

  • Was bedeutet es wohl, sich mit seinem Widersacher schnell zu vertragen?

Lassen Sie jemanden gegebenenfalls diese Aussage von Elder David E. Sorensen von den Siebzigern vorlesen, damit die Teilnehmer besser verstehen können, was damit gemeint ist:

Elder David E. Sorensen

„Der Erretter hat uns mit den Worten ‚Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner …‘ geboten, unsere Streitigkeiten rasch beizulegen, damit die Emotionen des Augenblicks nicht in körperliche oder seelische Grausamkeiten ausarten und wir uns vom Zorn übermannen lassen.“ („Vergebung verwandelt Verbitterung in Liebe“, Liahona, Mai 2003, Seite 11.)

  • Wie würden Sie zusammenfassen, was der Heiland in 3 Nephi 12:25 gelehrt hat? (Lassen Sie die Teilnehmer darauf antworten und schreiben Sie an die Tafel etwas wie: Wenn Meinungsverschiedenheiten auf die Weise des Herrn gelöst werden, lassen sich die schädlichen Auswirkungen des Streits vermeiden.)

  • Wie hätten diejenigen, die den Angriff auf den Wagenzug geplant haben, diesen Grundsatz anwenden können?

Bitten Sie jemanden, auf dem Handzettel den Abschnitt mit der Überschrift „Der Streit eskaliert“ vorzulesen.

  • Was hätten die Führer der Kirche in Cedar City tun sollen, als William Dame ihnen riet, die Miliz nicht einzuschalten? Wozu führte es, dass sie den Rat ausschlugen? (Lassen Sie die Teilnehmer antworten und schreiben Sie diesen Grundsatz an die Tafel: Wenn wir nicht das Rechte tun, wozu wir angehalten werden, dann sind wir eher geneigt, schlechte oder sogar sündhafte Entscheidungen zu treffen. Sie können auch anmerken, dass das System der Ratsgremien, durch das die Kirche geleitet wird, äußerst überlegt und weise ist.)

Bitten Sie einige Teilnehmer, abwechselnd auf dem Handzettel den Abschnitt unter der Überschrift „Angriff auf die Siedler“ vorzulesen. Die anderen sollen darauf achten, welche weiteren sündhaften Entscheidungen die Führer von Cedar City trafen, nachdem sie den Rat, den sie erhalten hatten, in den Wind geschlagen hatten.

  • Wozu führte die Entscheidung der Führer von Cedar City, den Rat vom William Dame, dem Befehlshaber der Miliz, zu verwerfen?

  • Welche Wahl hatten diejenigen, die für die Angriffe verantwortlich waren, nun noch? (Sie konnten gestehen, was sie getan hatten, und die Folgen dafür tragen, oder sie konnten versuchen, ihre Verbrechen und Sünden zu verbergen.)

Fordern Sie die Teilnehmer auf, über diese Fragen nachzudenken:

  • Was tun Sie, wenn Sie etwas Falsches gemacht haben? Gestehen Sie, was Sie falsch gemacht haben, und nehmen die Folgen dafür in Kauf? Oder versuchen Sie, Ihre Sünde durch Täuschung zu verbergen?

Einige Heilige der Letzten Tage planen das Massaker von Mountain Meadows und führen es aus

Erklären Sie, dass die Mitglieder, die an den Angriffen gegen die Siedler beteiligt gewesen waren, beschlossen, ihre Sünden zu verbergen. Bitten Sie einige Teilnehmer, im Wechsel die Abschnitte auf dem Handzettel unter den Überschriften „Das Massaker von Mountain Meadows“ und „Tragische Folgen“ vorzulesen. Die anderen sollen darauf achten, wie sich diese Entscheidung ausgewirkt hat.

Erklären Sie, dass die Entscheidungen einiger Führer und Siedler der Kirche im südlichen Teil des Territoriums Utah zu dem tragischen Massaker von Mountain Meadows geführt haben. Im Gegensatz dazu lösten die Führer der Kirche und des Territoriums den Konflikt mit der US-Regierung 1858 in Salt Lake City durch friedliche Gespräche und Verhandlungen. Im Rahmen dieses Konflikts, der später als der Utah-Krieg bezeichnet wurde, kam es zwischen den US-Truppen und der Utah-Miliz zwar zu Gewalttaten, jedoch nie zu einer offenen Schlacht.

  • Wie würden Sie die Entscheidungen zusammenfassen, die zum Massaker von Mountain Meadows führten?

  • Welche Grundsätze können wir aus dieser Tragödie lernen? (Die Teilnehmer können eine Reihe von Grundsätzen nennen. Mögliche Antworten sind: Wenn wir unsere Sünden verbergen, kann dies dazu führen, dass wir weitere Sünden begehen. Wenn wir unsere Sünden verbergen, kann dies Reue und Leid nach sich ziehen.)

Versichern Sie den Teilnehmern, dass sie sich, wenn sie einen Fehler gemacht und gesündigt haben, späteren Kummer und künftige Reue ersparen können, wenn sie sich dem Herrn zuwenden und von ihren Sünden umkehren.

Bitten Sie jemanden, auf dem Handzettel den Abschnitt unter der Überschrift „Die Führer der Kirche lernen aus dem Massaker“ vorzulesen.

Erklären Sie: Weil einige der dort ansässigen Mitglieder das Massaker bei Mountain Meadows geplant und ausgeführt haben, hat dies in so manchen Köpfen zu einem negativen Gesamtbild von der Kirche geführt.

  • Weshalb muss uns klar sein, dass ein falsches Verhalten seitens einiger Mitglieder nichts über die Wahrheit des Evangeliums aussagt?

Bitten Sie jemanden, die folgende Aussage von Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft vorzulesen. Sie finden dieses Zitat auf dem Handzettel unter der Überschrift „Der 150. Jahrestag des Massakers von Mountain Meadows“.

  • Wie sollen wir reagieren, wenn uns zu Ohren kommt, dass Mitglieder der Kirche nicht nach den Lehren Jesu Christi leben?

Bitten Sie jemanden, Helaman 5:12 vorzulesen. Die anderen sollen mitlesen und darauf achten, was wir tun können, um ein Zeugnis zu entwickeln und es zu bewahren, sodass unser Glaube in schwierigen Zeiten nicht erschüttert wird, beispielsweise, wenn wir mitbekommen, dass ein Mitglied der Kirche nicht nach den Lehren Jesu Christi lebt.

  • Was können wir laut Helaman 5:12 tun, um ein Zeugnis zu entwickeln und es zu bewahren? (Lassen Sie die Teilnehmer antworten und schreiben Sie dann diesen Grundsatz an die Tafel: Wir können ein starkes Zeugnis entwickeln, wenn Jesus Christus die Grundlage unseres Glaubens ist.)

Bitten Sie einen Teilnehmer, die nachstehende Aussage vorzulesen, um diesen Grundsatz zu veranschaulichen:

„James Sanders ist ein Ururenkel von … einem der Kinder, die das Massaker überlebten [und gehört außerdem der Kirche an]. … Bruder Sanders … sagt, es habe seinen Glauben nicht beeinträchtigt, als er erfuhr, dass seine Vorfahren bei dem Massaker umgekommen seien, denn sein Glaube gründe sich auf Jesus Christus und nicht auf irgendein Mitglied.“ (Richard E. Turley Jr., „The Mountain Meadows Massacre“, Ensign, September 2007, Seite 21.)

  • Wie kann unser Glaube an Jesus Christus uns stärken, wenn uns zu Ohren kommt, dass ein Mitglied der Kirche nicht nach den Lehren Jesu Christi lebt?

  • Was tun Sie, damit Jesus Christus die Grundlage Ihres Glaubens ist?

Geben Sie Zeugnis davon, wie wichtig es ist, nach den Lehren des Heilands zu leben und unseren Glauben auf ihn und sein Evangelium zu gründen. Fordern Sie die Teilnehmer auf, darüber nachzudenken, wie Jesus Christus noch mehr zur Grundlage ihres Glaubens werden kann. Sie sollen sich das Ziel setzen, entsprechende Schritte zu unternehmen.

Lesestoff für die Teilnehmer

Der Utah-Krieg und das Massaker von Mountain Meadows

Wachsende Spannungen führen zum Utah-Krieg

Drei Jahre nach der Ankunft der ersten Pioniere im Salzseetal gründete die Regierung der Vereinigten Staaten das Territorium Utah und ernannte Brigham Young zum ersten Gouverneur des Territoriums. Mitte 1857 vernahmen die Führer der Kirche gerüchteweise, die US-Regierung wolle Brigham Young durch einen neuen Gouverneur für das Territorium Utah ersetzen und diesen durch ein großes Truppenaufgebot in seiner Funktion unterstützen. Am 24. Juli 1857 feierte Brigham Young gerade mit einer Gruppe von Mitgliedern den 10. Jahrestag ihrer Ankunft im Salzseetal, als er die Nachricht erhielt, eine Armee befinde sich auf dem Weg nach Salt Lake City.

In den vorangegangenen Jahren hatten Meinungsverschiedenheiten und Irrtümer bei der Verständigung zwischen den Heiligen der Letzten Tage und Vertretern der US-Regierung zu immer größeren Spannungen geführt. Die Mitglieder wollten von selbst gewählten Vertretern regiert werden, und so lehnten sie die vom Staat ernannten Beamten, die ja nicht ihre Werte vertraten und teilweise unehrlich, korrupt und unsittlich waren, ab. Einige US-Staatsbeamte führten das Verhalten und die Einstellung der Heiligen in Utah darauf zurück, diese befänden sich in Aufruhr gegen die Regierung der Vereinigten Staaten.

Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, James Buchanan, schickte einen neuen Gouverneur nach Utah und mit ihm etwa 2500 Soldaten, um diesen zu beschützen und den vermeintlichen Aufstand der Heiligen niederzuschlagen. Diese Entscheidung wurde ohne eine genaue Kenntnis darüber, wie die Situation in Utah aussah, getroffen (siehe Die Geschichte der Kirche in der Fülle der Zeiten, CES-Leitfaden, 2. Auflage, Seite 359–362).

Vorbereitungen für die Verteidigung des Territoriums

In ihren Predigten beschrieben Präsident Brigham Young und weitere Führer der Kirche die nahenden Truppen als Feinde. Sie hatten Angst, dass die Truppen die Heiligen aus Utah vertreiben würden, so wie sie schon zuvor aus Ohio, Missouri und Illinois vertrieben worden waren. Präsident Young, der die Heiligen jahrelang dazu angehalten hatte, Korn einzulagern, wiederholte diese Anweisung, damit sie zu essen hätten, falls sie vor den Truppen fliehen müssten. Als Gouverneur des Territoriums Utah wies er auch die Miliz des Territoriums an, sich für den Verteidigungsfall zu rüsten.

Auseinandersetzungen mit dem Wagenzug der Siedler

Ein Wagenzug mit Siedlern, der von Arkansas westwärts nach Kalifornien zog, durchquerte zu genau jener Zeit Utah, als die Heiligen der Letzten Tage Vorbereitungen trafen, um das Territorium gegen die herannahenden Truppen zu verteidigen. Einige der Reisenden wurden ärgerlich, weil sie dringend Getreide brauchten und es gar nicht so einfach war, es den Heiligen abzukaufen, die ja angewiesen worden waren, Korn einzulagern. Die Siedler gerieten auch mit Heiligen aneinander, die nicht wollten, dass die vielen Pferde und Rinder des Zugs die Nahrungs- und Wasservorräte aufbrauchten, die sie für ihre eigenen Tiere brauchten.

In Cedar City, der letzten Siedlung in Utah auf dem Weg nach Kalifornien, eskalierten die Spannungen. Zwischen einigen Reisenden des Wagenzugs und einigen Heiligen der Letzten Tage kam es zur offenen Auseinandersetzung. Einige vom Wagenzug drohten, sich den einrückenden Truppen der Regierung gegen die Heiligen anzuschließen. Auch wenn der Anführer des Wagenzugs seine Leute wegen dieser Drohungen zurechtwies, sahen einige Führer und Siedler von Cedar City in den Siedlern nun Feinde. Der Wagenzug verweilte nicht länger als eine Stunde in der Stadt, doch einige Siedler und Führer in Cedar City wollten die Männer, die sie beleidigt hatten, verfolgen und bestrafen.

Der Streit eskaliert

Weil diese Mitglieder ihren Konflikt mit den Siedlern nicht auf die Weise des Herrn lösten, wurde die Lage schließlich noch weit ernster. Isaac Haight – Bürgermeister von Cedar City, Major in der Miliz und Pfahlpräsident – bat den Befehlshaber der Miliz, der in der nahegelegenen Siedlung Parowan wohnte, um die Erlaubnis, die Miliz aufzurufen und die Missetäter vom Wagenzug zur Rede zu stellen. Der Befehlshaber der Miliz, William Dame, der auch der Kirche angehörte, riet Isaac Haight, die Drohungen der Siedler zu ignorieren. Jedoch beschlossen Isaac Haight und weitere Führer von Cedar City, den Rat zu missachten, und überredeten stattdessen einige Indianer, die dort wohnten, den Wagenzug zur Strafe anzugreifen und dessen Rinder zu stehlen. Isaac Haight bat John D. Lee, der der Kirche ebenfalls angehörte und Major bei der Miliz war, den Angriff zu leiten. Die beiden wollten dann die Schuld auf die Indianer schieben.

Angriff auf die Siedler

Isaac Haight legte in einer Ratsversammlung, die aus Führern der Kirche, Vertretern der umliegenden Ortschaften sowie des Militärs bestand, den Plan vor, den Wagenzug anzugreifen. Einige Ratsmitglieder waren mit dem Plan überhaupt nicht einverstanden und fragten Haight, ob er sich wegen dieser Sache mit Präsident Brigham Young beraten habe. Haight verneinte dies, erklärte sich jedoch einverstanden, einen Kurier namens James Haslam mit einem Brief nach Salt Lake City zu schicken, um die Situation zu erklären und zu fragen, was zu tun sei. Da Salt Lake City jedoch gut 400 Kilometer von Cedar City entfernt liegt, würde es eine Woche dauern, bis der Bote Salt Lake City erreicht und mit Präsident Youngs Anweisungen zurückkehrt.

Kurz bevor Isaac Haight den Boten mit dem Schreiben losschickte, griffen John D. Lee und einige Indianer das Lager der Siedler an einem Ort namens Mountain Meadows an. Lee leitete den Angriff, hielt jedoch geheim, wer er war, sodass es so aussah, als seien nur die Indianer beteiligt gewesen. Einige Siedler wurden umgebracht oder verletzt, die Übrigen schlugen die Angreifer zurück und zwangen Lee und die Indianer zum Rückzug. Die Siedler schlossen ihre Wagen zum Schutz schnell zu einem engen Kreis zusammen. Während der fünftägigen Belagerung des Wagenzugs folgten noch zwei weitere Angriffe.

Einmal bemerkten zwei Männer der Miliz zwei Siedler außerhalb der Wagenburg. Sie schossen auf sie und töteten einen von ihnen. Der andere entkam und brachte ins Lager die Nachricht, weiße Männer seien ebenfalls an den Angriffen beteiligt. Das Täuschungsmanöver derer, die die Angriffe geplant hatten, war nun also offenkundig. Wenn nun die Siedler weiter nach Kalifornien ziehen durften, würde sich dort die Nachricht verbreiten, die Heiligen der Letzten Tage seien für den Angriff auf den Wagenzug verantwortlich gewesen. Die Verschwörer befürchteten, diese Nachricht könne sich negativ auf sie selbst und ihre Leute auswirken.

Das Massaker von Mountain Meadows

Isaac Haight, John D. Lee und weitere Führer der Kirche und der Miliz wollten verhindern, dass sich die Nachricht verbreitete, die Heiligen der Letzten Tage wären an den Angriffen auf den Wagenzug beteiligt gewesen. Also fassten sie den Plan, alle jene Siedler umzubringen, kleine Kinder ausgenommen. John D. Lee führte den Plan aus. Er teilte den Siedlern zunächst mit, die Miliz würde sie vor weiteren Angriffen schützen und sicher zurück nach Cedar City geleiten. Als sich die Siedler nach Cedar City aufmachten, wandten sich die Männer der Miliz um und schossen auf sie. Einige Indianer, die von den Siedlern angeheuert worden waren, kamen aus ihren Verstecken hervor und schlossen sich dem Angriff an. Von den etwa 140 Siedlern, die dem Wagenzug angehörten, blieben nur 17 kleine Kinder am Leben.

Zwei Tage nach dem Massaker erreichte James Haslam Cedar City mit Präsident Youngs Antwort. Die Führer wurden darin angewiesen, den Wagenzug in Frieden ziehen zu lassen. „Als Haight Youngs Worte las, schluchzte er wie ein Kind und brachte nur die Worte heraus: ‚Zu spät, zu spät!‘“ (Richard E. Turley Jr., „The Mountain Meadows Massacre“, Ensign, September 2007, Seite 20.)

Tragische Folgen

Das Massaker von Mountain Meadows führte nicht nur zu etwa 120 Todesopfern, sondern löste auch großes Leid bei den überlebenden Kindern und den Angehörigen der Opfer aus. Einige Mitglieder nahmen sie auf und sorgten für sie. 1859 nahmen Staatsbeamte die Kinder in ihre Obhut und brachten sie zurück zu Angehörigen in Arkansas. Die Paiute-Indianer hatten ebenfalls darunter zu leiden, dass sie zu Unrecht des Verbrechens beschuldigt wurden.

Die Führer der Kirche lernen aus dem Massaker

„Zwar erhielten Brigham Young und weitere Führungsbeamte der Kirche in Salt Lake City bald nach dem Massaker Kenntnis davon, sie erfuhren aber erst nach und nach die furchtbaren Einzelheiten und wie tief die Siedler darin verstrickt waren. 1859 entließen sie Pfahlpräsident Isaac Haight sowie weitere bekannte Führer der Kirche in Cedar City, die an dem Massaker mitgewirkt hatten, aus ihrer Berufung. 1870 schlossen sie Isaac Haight und John D. Lee aus der Kirche aus.

1874 wurden neun Männer vor einem Großen Geschworenengericht des Territoriums wegen Mitwirkung an dem Massaker angeklagt. Die Mehrzahl von ihnen wurde schließlich verhaftet, aber nur Lee wurde vor Gericht gestellt, verurteilt und hingerichtet. Ein weiterer Angeklagter trat als Kronzeuge auf [durch sein freiwilliges Geständnis belastete er andere Angeklagte]; andere waren viele Jahre lang auf der Flucht vor der Justiz. Andere Angehörige der Miliz, die das Massaker verübt hatten, quälten sich bis an ihr Lebensende mit entsetzlichen Schuldgefühlen und immer wiederkehrenden Alpträumen um dessentwillen, was sie getan und miterlebt hatten.“ (Richard E. Turley Jr., „The Mountain Meadows Massacre“, Ensign, September 2007, Seite 20.)

Der 150. Jahrestag des Massakers von Mountain Meadows

Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft hat gesagt:

„Verantwortlich für das Massaker [von Mountain Meadows] waren die örtlichen Führer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in den Gebieten um Mountain Meadows, die gleichzeitig auch öffentliche oder militärische Ämter bekleideten, sowie jene Mitglieder der Kirche, die auf ihre Weisung hin gehandelt haben. …

Im Evangelium Jesu Christi, das wir ja verfechten, wird die kaltblütige Ermordung von Männern, Frauen und Kindern verabscheut. Stattdessen tritt man fürwahr für Frieden und Vergebung ein. Was hier vor langer Zeit von den Mitgliedern unserer Kirche getan wurde, stellt eine schreckliche und unentschuldbare Abweichung von der christlichen Lehre und von christlichem Verhalten dar. … Zweifellos wird die göttliche Gerechtigkeit denjenigen, die für das Massaker die Verantwortung tragen, eine angemessene Strafe auferlegen. …

Möge der Gott im Himmel, dessen Kinder wir alle sind, uns segnen, damit wir diejenigen in Ehren halten, die hier gestorben sind, indem wir einander reine Liebe und Vergebung erweisen, die in seinem einziggezeugten Sohn verkörpert ist.“ („150th Anniversary of Mountain Meadows Massacre“, 11. September 2007, mormonnewsroom.org/article/150th-anniversary-of-mountain-meadows-massacre.)

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