Lektion 9: Dem lebenden Propheten folgen

Grundlagen der Wiederherstellung – Leitfaden für den Lehrer, 2015


Einleitung

Am Tag der Gründung der Kirche verhieß der Herr denjenigen geistige Sicherheit, die den Worten des Propheten Beachtung schenken (siehe LuB 21:4-6). Um zu verhindern, dass die Mitglieder der Kirche in die Irre geführt werden, offenbarte der Herr nicht lange danach, dass nur der Prophet Offenbarung für die ganze Kirche empfängt (siehe LuB 28:1-7). Der Prophet hat auch die Vollmacht zur Auslegung heiliger Schriften inne. Wenn man diese Grundsätze verinnerlicht, empfängt man in diesen Letzten Tagen noch tiefere geistige Sicherheit.

Zusätzlicher Lesestoff

Anregungen für den Unterricht

Lehre und Bündnisse 21:1-6

Den Worten der Propheten Beachtung schenken

Fragen Sie die Teilnehmer, welche Titel wir dem Präsidenten der Kirche mitunter geben. Schreiben Sie die Antworten an die Tafel. Bitten Sie dann einen Teilnehmer, LuB 21:1 vorzulesen. Die anderen sollen mitlesen. Schreiben Sie weitere Titel an die Tafel. Fragen Sie anschließend:

  • Wie wird die Aufgabe des Präsidenten der Kirche durch jeden Titel in diesem Vers beschrieben?

Erläutern Sie den Kontext von Lehre und Bündnisse 21 und dass diese Offenbarung am Gründungstag der Kirche empfangen wurde. (Hinweis: Wenn die Teilnehmer den Kontext einer Schriftstelle kennen, verstehen sie die Bedeutung dessen, was sie lesen, auch besser.) Fragen Sie anschließend:

  • Warum war es wohl wichtig, dass die Mitglieder zur Anfangszeit der Kirche erkannten, dass sich Joseph Smiths Berufung als Prophet erheblich von der Aufgabe der Führer anderer Kirchen unterschied?

Bitten Sie einen Teilnehmer, Lehre und Bündnisse 21:4,5 vorzulesen. Die anderen sollen mitlesen. Besprechen Sie dann diese Fragen:

  • Weshalb braucht man manchmal wohl Geduld und Glauben, wenn man den Worten des Propheten Beachtung schenken will?

Lesen Sie gegebenenfalls gemeinsam diese Aussage von Präsident Harold B. Lee (1899–1973):

Präsident Harold B. Lee

„Wir müssen lernen, auf die Worte und Gebote zu achten, die der Herr durch seinen Propheten gibt. … So manches, was von der Autorität der Kirche kommt, mag Ihnen nicht gefallen. Es widerspricht vielleicht Ihren politischen Ansichten. Vielleicht widerspricht es Ihren gesellschaftlichen Ansichten. Vielleicht beeinträchtigt es Ihren geselligen Umgang. Aber wenn Sie auf dies alles hören, als käme es aus dem Mund des Herrn selbst, mit Geduld und Glauben, dann gilt Ihnen die Verheißung des Herrn: Dann ‚werden die Pforten der Hölle nicht obsiegen gegen euch; ja, und der Herr Gott wird die Macht der Finsternis vor euch zerstreuen und die Himmel um euretwillen und um der Herrlichkeit seines Namens willen erbeben lassen‘. (LuB 21:6.)“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Harold B. Lee, 2000, Seite 84f.)

    Erklären Sie, wenn der Geist es Ihnen eingibt:
  1. 1.

    Als Heilige der Letzten Tage glauben wir nicht, dass ein Prophet vollkommen ist. Der Herr würde jedoch nie zulassen, dass der Prophet die Kirche in die Irre führt (siehe Amtliche Erklärung 1, „Auszüge aus drei Reden des Präsidenten Wilford Woodruff in Bezug auf das Manifest“).

  2. 2.

    Wir glauben daran und freuen uns darüber, dass es fortlaufende Offenbarung gibt. Es ist in der Geschichte der Kirche schon vorgekommen, dass ein Prophet die Worte eines früheren Propheten erläutert oder aber erkannt hat, dass Lehren oder Gepflogenheiten, die früher allgemein angenommen wurden, geändert werden müssen. Beispielsweise wurde in der Anfangszeit der Kirche den Mitgliedern ans Herz gelegt, sich an einem zentralen Ort zu sammeln, etwa in Kirtland in Ohio oder im Kreis Jackson in Missouri. Heute werden die Mitglieder der Kirche dazu angehalten, sich in ihren Pfählen oder Distrikten vor Ort zu sammeln.

Bitten Sie einen Teilnehmer, Lehre und Bündnisse 21:6 vorzulesen. Die Klasse soll darauf achten, was denjenigen verheißen wird, die die Worte des Propheten beherzigen. Sie können den Teilnehmern vorschlagen, die entsprechenden Stellen zu markieren. Fragen Sie anschließend:

  • Wie würden Sie die Verheißungen zusammenfassen, die denen gemacht werden, die auf die Worte des Propheten hören? (Unabhängig von der genauen Wortwahl sollen die Teilnehmer diesen Grundsatz nennen: Wenn wir den Worten der Propheten Beachtung schenken, werden wir vor dem Widersacher beschützt. Sie können erklären, dass erbeben in diesem Sinne in etwa bedeutet, etwas von einer Stütze oder einem Behältnis loszulösen oder freizugeben. Folglich kann Vers 6 so interpretiert werden: Wenn die Himmel „zu [unserem] Guten“ erbeben, werden Offenbarungen und Segnungen „freigegeben“ und auf uns ausgeschüttet.)

Bitten Sie einen Teilnehmer, die nachstehende Aussage von Präsident Henry B. Eyring von der Ersten Präsidentschaft vorzulesen:

Präsident Henry B. Eyring

„Im Rat der Propheten nach dem Weg zur Sicherheit zu suchen, erscheint jemandem mit starkem Glauben sinnvoll. Wenn ein Prophet spricht, mag jemand mit wenig Glauben meinen, er höre bloß einen weisen Mann guten Rat erteilen. …

Dabei ändert die Entscheidung, den prophetischen Rat nicht anzunehmen, sogar den Boden unter unseren Füßen. Er wird gefährlicher. Wenn wir den prophetischen Rat nicht annehmen, fällt es uns in Zukunft schwerer, inspirierten Rat anzunehmen.“ („Rat annehmen und sicher sein“, Der Stern, Juli 1997, Seite 23ff.)

  • Warum wird wohl „der Boden unter unseren Füßen gefährlicher“, wenn wir den Rat der Propheten nicht annehmen? Kennen Sie Beispiele, die das belegen?

  • Sind Sie oder jemand, den Sie kennen, schon gesegnet worden, weil Sie den Rat des lebenden Propheten befolgt haben?

  • Inwiefern bezieht sich der Grundsatz, dass man dem Rat der Propheten Beachtung schenken soll, auf die religiösen, sittlichen und sozialen Fragen der heutigen Zeit?

Die Teilnehmer sollen darüber nachdenken, was sie tun müssen, um die Segnungen zu erhalten, die in Lehre und Bündnisse 21:6 verheißen werden. Versichern Sie ihnen, dass sie in diesem Leben und in der Ewigkeit großartige Segnungen erhalten, wenn sie wirklich ernsthaft den Worten des Propheten folgen. Wenn man dem Rat der Propheten Beachtung schenkt, bedeutet das nicht, dass man ihren Worten blindlings folgt.

Lesen Sie diese Aussage von Präsident Harold B. Lee vor:

Präsident Harold B. Lee

„Es reicht nicht aus, wenn wir Heiligen der Letzten Tage unseren Führern nachfolgen und ihren Rat annehmen, sondern wir sind vielmehr verpflichtet, selbst das unerschütterliche Zeugnis zu erlangen, dass diese Männer von Gott bestimmt sind und dass das, was sie uns sagen, der Wille des himmlischen Vaters ist.“ (Lehren: Harold B. Lee, Seite 44f.)

Lehre und Bündnisse 28:2,6,7; 43:1-7

Offenbarungen vom Herrn erfolgen in einer bestimmten Ordnung

Erklären Sie, dass kurz nach Gründung der Kirche einige Mitglieder getäuscht wurden, weil der Widersacher prophetische Führung nachahmte. Ein Teilnehmer soll die Überschrift zu Lehre und Bündnisse 28 vorlesen, die anderen sollen mitlesen (siehe auch Jeffrey G. Cannon, „Alles muss in Ordnung geschehen: LuB 28, 43“, Offenbarungen im Zusammenhang, 4. April 2013, history.lds.org). Fragen Sie anschließend:

  • Zu welchen Problemen hätte es kommen können, wenn Mitglieder der Kirche auch weiterhin den angeblichen Offenbarungen von Hiram Page geglaubt hätten?

Geben Sie den Teilnehmern Zeit, Lehre und Bündnisse 28:2,6,7 zu lesen. Fragen Sie anschließend:

  • Wie verdeutlichte diese Botschaft vom Herrn die Aufgabe des Präsidenten der Kirche? (Die Teilnehmer sollen diesen Grundsatz verstanden haben: Der Präsident der Kirche hat die Schlüssel inne, mit denen man Offenbarung für die Kirche empfangen kann.)

Damit die Teilnehmer diese Lehre besser verstehen, bitten Sie einen von ihnen, diese Erklärung zum geschichtlichen Hintergrund von Lehre und Bündnisse 43 vorzulesen:

Im Februar 1831 kam eine Frau namens Mrs. Hubble zu den Heiligen in Kirtland in Ohio. Sie behauptete, sie sei eine Prophetin und empfange Offenbarungen für die Kirche; sie wisse, dass das Buch Mormon wahr sei, und sie solle in der Kirche unterrichten. Einige der Heiligen konnte sie dadurch in die Irre führen. Joseph Smith und andere Mitglieder waren besorgt über ihren Einfluss und über andere falsche Offenbarungen, die bei den Heiligen im Umlauf waren. Der Prophet beschloss, den Herrn um Rat zu fragen, und empfing daraufhin eine Offenbarung, die nun Lehre und Bündnisse 43 bildet (siehe Documents, Volume 1: July 1828 – June 1831, Band 1 der Dokumentenreihe The Joseph Smith Papers, 2013, Seite 257).

Die Teilnehmer sollen Lehre und Bündnisse 43:1-7 für sich lesen und herausfinden, welche Lehren der Herr hier darlegte. Sie können den Teilnehmern vorschlagen, die entsprechenden Stellen zu markieren. Sie können auch einen Querverweis zu Lehre und Bündnisse 28:2 herstellen. Weisen Sie darauf hin, dass die Offenbarung in Abschnitt 28 an die Mitglieder in New York gerichtet war, die Offenbarung in Abschnitt 43 hingegen an die Mitglieder in Kirtland. Fragen Sie anschließend:

  • Wer war berufen, Gebote und Offenbarungen für die ganze Kirche zu empfangen, als die Offenbarung in Lehre und Bündnisse 43 empfangen wurde?

  • Was können wir aus diesen Versen lernen? (Unabhängig von der genauen Wortwahl sollen die Teilnehmer diese Grundsätze nennen: Es ist immer nur ein Mann berufen, der Offenbarungen für die gesamte Kirche empfangen kann. Wer dem Präsidenten der Kirche Beachtung schenkt, wird nicht getäuscht.)

Lesen Sie gegebenenfalls gemeinsam diese Aussage von Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf Apostel:

Elder L. Tom Perry

„Der Herr hat für die Art und Weise, wie er den Menschen seinen Willen offenbart, eine Ordnung festgelegt. Wir alle haben das Recht, den Herrn um Weisung zu ersuchen und innerhalb unseres Aufgabengebietes durch seinen Geist Inspiration zu empfangen. Eltern können Offenbarung für ihre Familie erhalten, ein Bischof für seine Gemeinde und so weiter bis hin zur Ersten Präsidentschaft, die Offenbarung für die gesamte Kirche erhält. … Der Prophet Joseph Smith hat erklärt:

‚Es widerspricht der Ordnung Gottes, dass ein Mitglied der Kirche oder sonst jemand eine Anweisung erhält für jemanden, der eine höhere Vollmacht innehat als man selbst.‘ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 216.)“ (Siehe „Wir glauben alles, was Gott offenbart hat“, Liahona, November 2003, Seite 85–88.)

  • Wie hilft Ihnen das Wissen, dass Offenbarung von Gott immer über die bekannte Priestertumslinie erfolgt, nicht in die Irre geführt zu werden? Inwiefern gibt diese Erkenntnis Ihnen Frieden?

  • Wie wird durch das Offenbarungsmuster des Herrn die Ordnung in der Kirche aufrechterhalten?

Lehre und Bündnisse 90:1-6

Der Herr hat in der Kirche eine bestimmte Ordnung festgelegt

Erklären Sie: Als die Kirche heranwuchs, leitete der Herr den Propheten Joseph Smith darin an, das Priestertum und die Mitglieder der Kirche zu organisieren.

Lesen Sie die folgende Aussage vor oder fassen Sie sie zusammen:

„Die Kirche wuchs, und der Prophet empfing weitere Offenbarungen über die Ämter des Priestertums. Auf die Weisung des Herrn hin organisierte er die Erste Präsidentschaft, die aus ihm selbst als Präsidenten sowie Sidney Rigdon und Frederick G. Williams als Ratgebern bestand. Der Prophet organisierte auch den Rat der Zwölf Apostel sowie das Erste Siebzigerkollegium. Er berief und ordinierte Bischöfe und ihre Ratgeber, Hohe Priester, Patriarchen, Hohe Räte, Siebziger und Älteste und er gründete die ersten Pfähle der Kirche.“ (Unsere Geschichte – Ein Überblick über die Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 1996, Seite 26.)

Erklären Sie, dass die Erste Präsidentschaft in der Kirche eine ganz besondere Stellung einnimmt. Die Teilnehmer sollen Lehre und Bündnisse 90:1 lesen und auf besondere Aufgaben der Ersten Präsidentschaft achten. (Die Erste Präsidentschaft „[trägt] die Schlüssel des Reiches“ [Vers 2]. Durch sie sollen „die Aussprüche Gottes“ an die Kirche gegeben werden [Vers 4].) Lassen Sie die Teilnehmer antworten und erklären Sie gegebenenfalls, dass mit dem Wort „Aussprüche“ die Offenbarungen gemeint sind, die Gott durch seine Propheten gibt.

Lassen Sie einen Teilnehmer diese Aussage von Elder D. Todd Christofferson vom Kollegium der Zwölf Apostel vorlesen. Die Klasse soll auf die beiden Wege achten, wie in der Kirche Lehre festgelegt wird.

Elder D. Todd Christofferson

„1954 schilderte Präsident J. Reuben Clark Jr., seinerzeit Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, wie die Lehre in der Kirche öffentlich bekannt gemacht wird und welch herausragende Rolle dem Präsidenten der Kirche hierbei zukommt. Über die Mitglieder der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel sagte er: ‚[Denken wir daran], dass einige der Generalautoritäten eine besondere Berufung übertragen bekommen haben; sie haben eine besondere Gabe. Sie werden als Propheten, Seher und Offenbarer bestätigt, was ihnen eine besondere geistige Befähigung verleiht, Menschen zu unterweisen. Sie haben das Recht, die Macht und die Vollmacht, die Absicht und den Willen Gottes seinem Volk zu verkünden, wobei sie der alles umfassenden Macht und Vollmacht des Präsidenten der Kirche unterstehen.‘ …

Der Präsident der Kirche ist befugt, auf der Grundlage von Offenbarung, die an ihn ergeht, Lehren zu verkünden oder auszulegen (siehe beispielsweise LuB 138). Erläuterungen der Lehre können auch durch den gemeinsamen Rat der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel erfolgen (siehe beispielsweise Amtliche Erklärung 2).“ („Die Lehre von Christus“, Liahona, Mai 2012, Seite 86–90.)

  • Weshalb müssen wir stets daran denken, wer die Vollmacht hat, der Welt die Absichten und den Willen Gottes kundzutun?

Bitten Sie die Teilnehmer zum Abschluss, darüber nachzudenken, was sie schon aus den Botschaften der lebenden Propheten und Apostel gelernt haben. Fordern Sie sie auf, Zeugnis davon abzulegen, wie sie durch diese Botschaften gesegnet worden sind.

Lesestoff für die Teilnehmer