Kapitel 12: Das Sühnopfer

Grundbegriffe des Evangeliums, (2011), 59–66


Das Sühnopfer ist für unsere Errettung notwendig

  • Warum ist das Sühnopfer für unsere Errettung notwendig?

Für den Lehrer: Einfache Übersichten und Bilder können dazu beitragen, Ihren Schülern oder Ihrer Familie die Grundsätze und Lehren besser zu vermitteln. Sie können eine zweispaltige Tabelle erstellen: auf die eine Seite schreiben Sie die Überschrift Folgen des Falls und auf die andere Segnungen durch das Sühnopfer. Anhand der Angaben in diesem Kapitel können Sie die Tabelle ausfüllen.

Jesus Christus ist „in die Welt gekommen …, um für die Welt gekreuzigt zu werden und um die Sünden der Welt zu tragen und um die Welt zu heiligen und um sie von allem Unrecht zu säubern; dass durch ihn alle errettet werden können“ (LuB 76:41,42). Das große Opfer, das er gebracht hat, um für unsere Sünden zu zahlen und den Tod zu überwinden, nennen wir das Sühnopfer. Es ist das wichtigste Ereignis in der Menschheitsgeschichte: „Denn es ist ratsam, dass ein Sühnopfer vollbracht werde; denn gemäß dem großen Plan des ewigen Gottes muss ein Sühnopfer vollbracht werden, denn sonst müsste die ganze Menschheit unvermeidlich zugrunde gehen; … ja, alle sind gefallen und sind verloren und müssten zugrunde gehen, wenn es nicht das Sühnopfer gäbe.“ (Alma 34:9.)

Der Fall Adams brachte zwei Arten von Tod in die Welt: den körperlichen Tod und den geistigen Tod. Der körperliche Tod ist die Trennung von Körper und Geist. Der geistige Tod ist die Trennung von Gott. Wären diese beiden Arten von Tod nicht durch das Sühnopfer Jesu Christi überwunden worden, so hätte dies zwei Folgen: Unser Körper und unser Geist wären für immer getrennt, und wir könnten nicht mehr beim himmlischen Vater leben (siehe 2 Nephi 9:7-9).

Der himmlische Vater hat in seiner Weisheit jedoch einen wunderbaren, barmherzigen Plan bereitet, um uns vom körperlichen und vom geistigen Tod zu erretten. Er sah vor, dass ein Erretter auf die Erde kommen und uns von unseren Sünden und vom Tod erlösen sollte. Wegen unserer Sünden und der Schwäche unseres irdischen Körpers können wir uns nicht selbst erlösen (siehe Alma 34:10-12). Unser Erretter musste ohne Sünde sein und Macht über den Tod haben.

Jesus Christus war der Einzige, der für unsere Sünden sühnen konnte

  • Warum war Jesus Christus der Einzige, der für unsere Sünden sühnen konnte?

Es gibt mehrere Gründe dafür, warum Jesus Christus der Einzige war, der unser Erretter sein konnte. Ein Grund ist, dass der himmlische Vater ihn als Erretter ausersehen hatte. Er war der einziggezeugte Sohn Gottes und hatte damit Macht über den Tod. Jesus erklärte: „Ich [gebe] mein Leben hin …, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.“ (Johannes 10:17,18.)

Jesus war auch deshalb der Einzige, der sich als Erretter eignete, weil er der einzige Mensch auf Erden ohne Sünde war. Dadurch war er ein würdiges Opfer, um für die Sünden der übrigen Menschen zu zahlen.

Christus litt und starb, um für unsere Sünden zu sühnen

  • Wenn Sie diesen Abschnitt lesen, stellen Sie sich vor, Sie wären im Garten Getsemani oder am Kreuz Zeuge des Leidens Jesu Christi.

Der Heiland hat für unsere Sünden gesühnt, indem er in Getsemani litt und sein Leben am Kreuz hingab. Wir können nicht völlig ermessen, wie er für all unsere Sünden gelitten hat. Im Garten Getsemani bereitete ihm die Last unserer Sünden solche Pein, dass er aus jeder Pore blutete (siehe LuB 19:18,19). Später, als er am Kreuz hing, erduldete Jesus einen schmerzvollen Tod durch eine der grausamsten Todesarten, die je erdacht wurden.

Wie sehr uns Jesus doch geliebt haben muss, dass er für uns solch geistige und körperliche Pein auf sich genommen hat! Wie groß muss die Liebe des himmlischen Vaters sein, dass er seinen einziggezeugten Sohn für seine anderen Kinder leiden und sterben ließ. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Johannes 3:16.)

Sühnopfer und Auferstehung bringen allen Menschen die Auferstehung

Am dritten Tag nach der Kreuzigung nahm Christus seinen Körper wieder auf und wurde so das erste auferstandene Wesen. Als seine Freunde zum Grab gingen, sagten die Engel, die das Grab bewachten, zu ihnen: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Matthäus 28:6.) Sein Geist war wieder in den Körper eingetreten, um nie wieder von ihm getrennt zu werden.

Auf diese Weise hat Christus den körperlichen Tod überwunden. Aufgrund seines Sühnopfers wird jeder, der auf dieser Erde geboren wird, auferstehen (siehe 1 Korinther 15:21,22). So, wie Jesus auferstanden ist, wird unser Geist mit unserem Körper wieder vereint, „sodass sie nicht mehr sterben können …, um nie mehr getrennt zu werden“ (Alma 11:45). Diesen Zustand nennt man Unsterblichkeit. Alle Menschen, die je gelebt haben, werden auferstehen, „seien sie alt oder jung, seien sie geknechtet oder frei, seien sie männlich oder weiblich, seien es die Schlechten oder die Rechtschaffenen“ (Alma 11:44).

Für den Lehrer: Anschauungsunterricht kann dazu beitragen, Ihren Schülern oder Ihrer Familie die Grundsätze und Lehren besser zu vermitteln. Tod und Auferstehung könnte man mit folgendem Anschauungsunterricht erklären: Ziehen Sie einen Handschuh an. Erläutern Sie, dass man die Hand im Handschuh mit dem Geist eines Menschen in seinem Körper vergleichen kann. Ziehen Sie den Handschuh aus. Erläutern Sie, dass dies den körperlichen Tod darstellt – Geist (die Hand) und Körper (der Handschuh) sind voneinander getrennt. Ziehen Sie den Handschuh wieder an. Erklären Sie, dass dies die Auferstehung darstellt – Geist und Körper sind wieder vereint.

  • Wie hat Ihnen das Wissen um die Auferstehung geholfen?

Das Sühnopfer ermöglicht es denen, die an Christus glauben, von ihren Sünden errettet zu werden

  • Denken Sie darüber nach, wie das Gleichnis in diesem Abschnitt zu unserem Verständnis vom Sühnopfer beitragen kann. Für wen stehen die Personen in dem Gleichnis?

Das Sühnopfer Jesu macht es uns möglich, den geistigen Tod zu überwinden. Zwar werden alle Menschen auferstehen, vom geistigen Tod werden jedoch nur diejenigen errettet, die das Sühnopfer annehmen (siehe 3. Glaubensartikel).

Wir nehmen das Sühnopfer Christi an, indem wir an ihn glauben. Durch diesen Glauben kehren wir von unseren Sünden um, lassen uns taufen, empfangen den Heiligen Geist und halten seine Gebote. Wir werden glaubenstreue Jünger Jesu Christi. Wir erlangen Vergebung, werden rein von Sünde und vorbereitet, zum himmlischen Vater zurückzukehren und für immer mit ihm zu leben.

Der Erlöser hat gesagt: „Denn siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen … so wie ich.“ (LuB 19:16,17.) Christus hat seinen Teil getan, um für unsere Sünden zu sühnen. Damit sein Sühnopfer in unserem Leben vollständig wirksam wird, müssen wir uns bemühen, ihm zu gehorchen, und von unseren Sünden umkehren.

Präsident Boyd K. Packer vom Kollegium der Zwölf Apostel hat veranschaulicht, wie wir durch das Sühnopfer Christi von unseren Sünden errettet werden können, wenn wir unseren Teil tun.

„Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen – ein Gleichnis.

Es war einmal ein Mann, der einen großen Wunsch hegte, der ihm wichtiger war als alles andere im Leben. Um sich seinen Wunsch zu erfüllen, machte er ungeheure Schulden.

Man hatte ihn davor gewarnt, so große Schulden zu machen, und ihn besonders wegen seines Gläubigers zur Vorsicht gemahnt. Aber ihm war es sehr wichtig, zu tun, was er tun wollte, und das Gewünschte sofort zu haben, und er war sicher, er könne später dafür bezahlen.

Deswegen unterzeichnete er einen Vertrag. Irgendwann in der Zukunft würde er bezahlen. Er machte sich deshalb keine großen Sorgen, denn der Zahltag lag scheinbar in weiter Ferne. Er besaß nun, was er sich so sehr gewünscht hatte, und das war die Hauptsache.

Der Gläubiger tauchte zwar immer wieder in seinen Gedanken auf, und gelegentlich zahlte er auch symbolische Beträge zurück, aber er bildete sich irgendwie ein, dass der Tag der Abrechnung niemals kommen werde.

Doch es war unvermeidlich, dass dieser Tag kam, und die Zahlung wurde fällig. Die Schuld war noch nicht abgezahlt. Der Gläubiger erschien und forderte die vollständige Zahlung.

Erst jetzt wurde dem Mann klar, dass sein Gläubiger nicht nur die Macht hatte, seinen gesamten Besitz zu pfänden, sondern dass er ihn auch ins Gefängnis bringen konnte.

‚Ich kann Sie nicht bezahlen, ich bin dazu nicht in der Lage‘, gestand er.

‚In diesem Fall‘, sagte der Gläubiger, ‚wird der Vertrag wirksam, ich nehme, was Sie besitzen, und Sie wandern ins Gefängnis. Sie haben dem zugestimmt. Es war Ihre Entscheidung. Sie haben den Vertrag unterzeichnet, und jetzt mache ich meine Rechte geltend.‘

‚Können Sie mir die Schuld nicht noch einige Zeit stunden?‘, bettelte der Schuldner. ‚Könnte nicht irgendeine Möglichkeit gefunden werden, dass ich meinen Besitz behalte und auf freiem Fuß bleiben kann? Halten Sie nichts von Barmherzigkeit? Seien Sie doch barmherzig!‘

Der Gläubiger gab zur Antwort: ‚Barmherzigkeit ist immer so einseitig. Den Nutzen davon hätten nur Sie. Wenn ich barmherzig bin, komme ich um meine Bezahlung. Ich fordere Gerechtigkeit. Halten Sie nichts von Gerechtigkeit?‘

‚Ich war für Gerechtigkeit, als ich den Vertrag unterzeichnete‘, sagte der Schuldner. ‚Damals war sie auf meiner Seite, ich dachte, sie würde mich schützen. Ich brauchte damals keine Barmherzigkeit und dachte auch nicht, dass ich je darauf angewiesen wäre. Ich meinte, Gerechtigkeit würde uns beiden gleichermaßen nützen.‘

‚Die Gerechtigkeit verlangt, dass Sie jetzt entweder bezahlen, was Sie mir schulden, oder dass Sie die Strafe erleiden‘, erwiderte der Gläubiger. ‚Das ist das Gesetz. Sie waren einverstanden und so muss es nun geschehen. Die Barmherzigkeit kann die Gerechtigkeit nicht berauben.‘

So standen sich die beiden gegenüber: Der eine, der Gerechtigkeit forderte, der andere, der um Barmherzigkeit flehte. Keiner von beiden konnte sich durchsetzen, ohne dem anderen zu schaden.

‚Wenn Sie mir nicht die Schuld erlassen, wäre es unbarmherzig‘, bettelte der Schuldner.

‚Wenn ich es täte, wäre es nicht gerecht‘, war die Antwort.

Es schien, dass beide Gesetze nicht zugleich eingehalten werden konnten. Es handelt sich um zwei ewige Grundsätze, die einander zu widersprechen scheinen. Gibt es keine Möglichkeit, sowohl die Forderungen der Gerechtigkeit als auch die der Barmherzigkeit zu erfüllen?

Es gibt sie! Das Gesetz der Gerechtigkeit kann vollständig erfüllt werden und Barmherzigkeit kann vollständig ausgeübt werden, aber dazu ist ein Dritter notwendig. Und so geschah es auch diesmal.

Der Schuldner hatte einen Freund. Er kam ihm zu Hilfe. Er kannte den Schuldner gut. Er wusste, wie kurzsichtig dieser war. Er hielt ihn für leichtsinnig, weil er sich in eine so schlimme Lage gebracht hatte. Trotzdem wollte er ihm helfen, denn er hatte ihn gern. Er trat zwischen die beiden, wandte sich an den Gläubiger und machte ihm folgendes Angebot:

‚Ich bezahle die Schulden, wenn Sie den Schuldner aus diesem Vertrag entlassen. So kann er seinen Besitz behalten und muss nicht ins Gefängnis.‘

Als der Gläubiger über das Angebot nachdachte, fügte der Mittler hinzu: ‚Sie haben Gerechtigkeit verlangt. Er kann zwar nicht bezahlen, aber ich übernehme das für ihn. Sie werden gerecht behandelt und können nicht mehr verlangen. Sonst wäre es nicht gerecht.‘

Und so willigte der Gläubiger ein.

Dann wandte sich der Mittler an den Schuldner. ‚Wenn ich deine Schulden begleiche, akzeptierst du dann mich als Gläubiger?‘

‚Oh, ja, natürlich‘, rief der Schuldner aus. ‚Du hast mich ja vor dem Gefängnis bewahrt und barmherzig behandelt.‘

‚Dann‘, sagte der Wohltäter, ‚wirst du mir die Schuld bezahlen, und ich lege die Bedingungen fest. Es wird nicht leicht, aber es ist machbar. Ich werde dafür eine Möglichkeit schaffen. Du musst nicht ins Gefängnis.‘

So kam es, dass der Gläubiger vollständig bezahlt wurde. Er war gerecht behandelt worden. Der Vertrag war eingehalten worden.

Dem Schuldner hingegen war Barmherzigkeit widerfahren. Beide Gesetze waren erfüllt worden. Weil es einen Mittler gab, konnte die Gerechtigkeit vollständig erfüllt werden und auch die Barmherzigkeit war zufriedengestellt.“ (Frühjahrs-Generalkonferenz 1977.)

Unsere Sünden sind unsere geistigen Schulden. Ohne Jesus Christus, unseren Erretter und Mittler, müssten wir die volle Schuld unserer Sünden selbst bezahlen und den geistigen Tod erleiden. Durch Jesus Christus können wir jedoch zum himmlischen Vater zurückkehren und bei ihm leben, wenn wir seine Bedingungen erfüllen, nämlich Umkehr üben und seine Gebote halten.

Es ist wunderbar, dass Christus uns die Möglichkeit gegeben hat, von unseren Sünden geheilt zu werden. Er hat gesagt:

„Siehe, ich bin in die Welt gekommen, … um die Welt von der Sünde zu erretten.

Darum, wer umkehrt und zu mir kommt wie ein kleines Kind, den werde ich empfangen, denn solchen gehört das Reich Gottes. Siehe, für solche habe ich mein Leben niedergelegt und habe es wieder aufgenommen; darum kehrt um, und kommt zu mir, ihr Enden der Erde, und lasst euch erretten.“ (3 Nephi 9:21,22.)

  • Denken Sie darüber nach, wie Sie sich für die Gabe des Sühnopfers dankbar erweisen können.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Alma 34:9-16 (das Sühnopfer war notwendig; das Opfer Gottes)

  • 2 Nephi 9:7-12 (das Sühnopfer errettet uns vom körperlichen und vom geistigen Tod)

  • Römer 5:12-17 (einer brachte den Tod in die Welt, einer das Leben)

  • Helaman 14:15-18 (wofür Jesus sterben musste)

  • 3. Glaubensartikel (alle können errettet werden)

  • 1 Petrus 1:18-20 (Jesus wurde vorherordiniert)

  • Matthäus 16:21 (Jesu Opfer war notwendig)

  • Lukas 22:39-46 (Leiden Jesu im Garten)

  • 1 Johannes 1:7 (Jesus reinigt uns von Sünde)

  • 2 Nephi 9:21,22 (der Erretter hat für alle Menschen gelitten)

  • Mosia 16:6-8 (Auferstehung nur durch Jesus möglich)

  • Alma 11:40-45; Mormon 9:12-14 (alle werden auferstehen)

  • Jesaja 1:18 (die Sünden sollen weiß werden)

  • 1 Korinther 15:40-44; Alma 40:23 (Beschreibung der Auferstehung)