Kapitel 15: Das Bundesvolk des Herrn

Grundbegriffe des Evangeliums, (2011), 81–86


Das Wesen eines Bundes

  • Was ist ein Bund? Warum werden die Heiligen der Letzten Tage als Bundesvolk bezeichnet?

Von Anbeginn an hat der Herr mit seinen Kindern auf Erden Bündnisse geschlossen. Wenn das Volk des Herrn Bündnisse (oder Versprechen) mit dem Herrn eingeht, so weiß es, was der Herr von ihm erwartet und was für Segnungen es von ihm erwarten kann. Es kann das Werk des Herrn besser ausführen. Ein Volk, das mit dem Herrn Bündnisse schließt und mit dem der Herr Bündnisse schließt, wird Bundesvolk des Herrn genannt. Die Mitglieder der Kirche gehören zum Bundesvolk des Herrn.

Im Evangelium ist ein Bund oder ein Bündnis eine heilige Übereinkunft oder ein gegenseitiges Versprechen zwischen Gott und einem oder mehreren Menschen. Wenn Gott einen Bund schließt, verheißt er den Menschen eine Segnung dafür, dass sie bestimmte Gebote befolgen. Er legt die Bedingungen solcher Bündnisse fest und offenbart sie seinen Propheten. Halten wir die Bedingungen des Bündnisses ein, empfangen wir die verheißenen Segnungen. Wollen wir sie nicht halten, hält Gott die Segnungen zurück, und in manchen Fällen wird eine Strafe verhängt.

Wenn wir uns beispielsweise der Kirche anschließen, gehen wir verschiedene Bündnisse mit Gott ein (siehe Kapitel 20). Wir geloben dem Erlöser bei der Taufe, dass wir seinen Namen auf uns nehmen. Er verspricht, dass „alle, die umkehren und sich in meinem Namen, nämlich Jesus Christus, taufen lassen und bis ans Ende ausharren, … errettet werden“ (LuB 18:22). Wir schließen einen Bund mit dem Herrn, wenn wir vom Abendmahl nehmen (siehe Kapitel 23). Wir versprechen, seinen Namen auf uns zu nehmen, an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Uns wird verheißen, dass der Heilige Geist mit uns sein wird (siehe LuB 20:77-79). Wenn wir die heiligen Handlungen im Tempel empfangen, schließen wir weitere heilige Bündnisse und uns wird Erhöhung verheißen, wenn wir treu und gehorsam bleiben (siehe LuB 132; siehe auch Kapitel 47).

Gott hat mit einzelnen Menschen oder Gruppen auch besondere Bündnisse geschlossen. Mit Adam, Henoch, Noach, den Israeliten und Lehi hat er einen besonderen Bund geschlossen (siehe Mose 6:31-36,52; Genesis 9:9-17; Exodus 19:5,6; 2 Nephi 1). Auch mit Abraham und dessen Nachkommen hat er einen besonderen Bund geschlossen, durch den die Mitglieder der Kirche und alle Nationen auf der Welt noch heute gesegnet sind.

  • Denken Sie an die Bündnisse, die Sie mit Gott geschlossen haben, und an die Segnungen, die er Ihnen verheißen hat, wenn Sie diesen Bündnissen treu bleiben.

Gottes Bund mit Abraham und dessen Nachkommen

  • Was ist der Bund mit Abraham?

Abraham, ein Prophet im Alten Testament, war ein sehr rechtschaffener Mann (siehe das Bild in diesem Kapitel). Er weigerte sich, die Götzen anzubeten, an die sein Vater glaubte. Er hielt alle Gebote des Herrn. Weil Abraham so rechtschaffen war, schloss der Herr mit ihm und seinen Nachkommen einen Bund.

abraham

Der Herr verhieß Abraham, dass er zahllose Nachkommen haben werde. Er verhieß ihm, dass sie alle ein Anrecht darauf hätten, das Evangelium, die Segnungen des Priestertums und alle heiligen Handlungen der Erhöhung zu erlangen. Diese Nachkommen sollten durch die Macht des Priestertums allen Nationen das Evangelium verkünden. Durch sie sollten alle Familien der Erde gesegnet sein (siehe Abraham 2:11). Ferner verhieß Gott, dass er mit allen Generationen von Abrahams Nachkommen seinen Bund schließen werde, wenn sie rechtschaffen wären (siehe Genesis 17:4-8).

  • Welche Bedeutung haben die Gebote und Verheißungen des Bundes mit Abraham für uns? (Berücksichtigen Sie, dass sich diese Frage auf verschiedene Lebensbereiche beziehen lässt, beispielsweise die Familie, die Arbeit, das Gemeinwesen oder die Missionsarbeit.)

Die Mitglieder der Kirche sind ein Bundesvolk

  • Welche Segnungen und Aufgaben hat Gottes Bundesvolk heute?

Für den Lehrer: Sie können dazu beitragen, dass Ihre Schüler oder Ihre Familie eingehender über eine Frage nachdenken, indem Sie Ihnen genügend Zeit geben. Wenn sie genug Zeit zum Nachdenken hatten, bitten Sie sie, zu antworten.

Abrahams direkte Nachkommen sind nicht die Einzigen, die Gott sein Bundesvolk nennt. Gott sagte zu Abraham: „Alle, die dieses Evangelium empfangen, werden nach deinem Namen genannt werden und werden deinen Nachkommen zugezählt werden und werden aufstehen und dich als ihren Vater preisen.“ (Abraham 2:10.) Das bedeutet also, dass sich der Bund mit Abraham auf zwei Gruppen von Menschen bezieht: 1. die rechtschaffenen Nachkommen Abrahams und 2. diejenigen, die dadurch in seine Familie aufgenommen (adoptiert) werden, dass sie das Evangelium Jesu Christi annehmen und danach leben (siehe 2 Nephi 30:2).

Wenn wir uns taufen lassen, treten wir in den Bund ein, den der Herr mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hat (siehe Galater 3:26-29). Sind wir gehorsam, ererben wir die Segnungen dieses Bundes. Wir haben ein Anrecht auf die Hilfe und Führung durch den Heiligen Geist. Würdige männliche Mitglieder haben das Recht, das Priestertum zu tragen. Die Familie kann die Segnungen des Priestertums empfangen. Wir können ewiges Leben im celestialen Reich erlangen. Größere Segnungen als diese gibt es nicht.

Zu den Segnungen, die wir als das Bundesvolk des Herrn empfangen, gehören auch große Aufgaben. Der Herr hat Abraham verheißen, dass durch seine Nachkommen das Evangelium auf der ganzen Erde verbreitet werde. Diese Aufgabe erfüllen wir durch die Arbeit der Vollzeitmissionare und die Missionsarbeit, die die Mitglieder leisten. Nur die Kirche des Herrn und sein Bundesvolk haben die Möglichkeit, aller Welt das Evangelium zu verkünden.

Als Bundesvolk des Herrn sollen wir seine Gebote halten. Der Herr sagt: „Ich, der Herr, bin verpflichtet, wenn ihr tut, was ich sage; tut ihr aber nicht, was ich sage, so habt ihr keine Verheißung.“ (LuB 82:10.) Wenn wir den Bund verwerfen, nachdem wir das Evangelium angenommen haben, verliert der Bund seine Gültigkeit und wir stehen verdammt vor Gott (siehe LuB 132:4). Er hat gesagt: „Lasst ab von Sünde, damit nicht schwerer Richterspruch auf euer Haupt falle. Denn wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert; und wer gegen das größere Licht sündigt, der wird den größeren Schuldspruch empfangen.“ (LuB 82:2,3.)

Der neue und immerwährende Bund

  • Was versprechen wir, wenn wir das Evangelium annehmen? Womit segnet uns der himmlische Vater, wenn wir diese Versprechen einhalten?

Die Fülle des Evangeliums wird als neuer und immerwährender Bund bezeichnet. Dieser Bund schließt die Bündnisse ein, die bei der Taufe, beim Abendmahl, im Tempel und zu jeder anderen Zeit eingegangen wurden. Der Herr nennt ihn immerwährend, weil er von einem immerwährenden Gott verordnet wurde und sich nie ändern wird. Er hat denselben Bund mit Adam, Henoch, Noach, Abraham und anderen Propheten geschlossen. In diesem Sinne ist er nicht neu. Der Herr bezeichnet ihn aber als neu, weil er jedes Mal, wenn das Evangelium von der Erde weggenommen und wiederhergestellt wurde, für die Menschen, die ihn empfangen, neu ist (siehe Jeremia 31:31-34; Ezechiel 37:26).

Wenn wir den neuen und immerwährenden Bund annehmen, erklären wir uns bereit, umzukehren, uns taufen zu lassen, den Heiligen Geist, das Endowment und das Bündnis der Eheschließung im Tempel zu empfangen und Christus bis ans Lebensende nachzufolgen und zu gehorchen. Wenn wir unsere Bündnisse halten, verheißt uns der himmlische Vater Erhöhung im celestialen Reich (siehe LuB 132:20-24; siehe auch Kapitel 47).

Die Größe dieser Verheißung ist für sterbliche Menschen kaum zu begreifen. Die Gebote, die Gott uns gibt, sind zu unserem Wohl, und wenn wir glaubenstreu sind, können wir uns für immer der Segnungen und Schönheiten des Himmels und der Erde erfreuen. Wir können in Gottes Gegenwart leben und an seiner Liebe und seinem Mitgefühl, seiner Macht und Größe, seiner Erkenntnis und Weisheit, seiner Herrlichkeit und Herrschaft teilhaben.

  • Welchen Einfluss hat die Tatsache, dass wir das Bundesvolk des Herrn sind, auf die Art, wie wir uns kleiden, wie wir handeln und die Gebote Gottes halten?

Zusätzliche Schriftstellen und weiteres Material

  • 1 Petrus 2:9,10 (ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde)

  • LuB 54:4-6 (die Auswirkungen, wenn man ein Bündnis hält beziehungsweise bricht)

  • LuB 132:7 (Bündnisse müssen durch die richtige Vollmacht geschlossen werden)

  • LuB 133:57-60 (Zweck von Bündnissen)

  • LuB 35:24 (Verheißungen für Gehorsam gegenüber Bündnissen)

  • Hebräer 8:6 (Jesus Christus ist der Mittler eines besseren Bundes)

  • Schriftenführer, „Bund“, Seite 27