Kapitel 19: Die Umkehr

Grundbegriffe des Evangeliums, (2011), 107–13


Wir alle müssen umkehren

  • Was ist Sünde? Wie wirken sich unsere Sünden auf uns aus?

Der Glaube an Jesus Christus führt ganz selbstverständlich zur Umkehr. Seit der Zeit Adams bis heute ist es notwendig, dass die Menschen umkehren. Der Herr wies Adam an: „Darum lehre dies deine Kinder, dass alle Menschen, wo auch immer, umkehren müssen, sonst können sie keinesfalls das Reich Gottes ererben, denn nichts Unreines kann dort wohnen oder in seiner Gegenwart wohnen.“ (Mose 6:57.)

Wir kommen auf die Erde, um zu wachsen und Fortschritt zu machen. Das gilt für unser ganzes Leben. In dieser Zeit sündigen wir alle (siehe Römer 3:23). Wir alle müssen umkehren. Manchmal sündigen wir aus Unwissenheit, manchmal wegen unserer Schwächen und manchmal ganz bewusst aus Ungehorsam. In der Bibel lesen wir, dass es „auf der Erde keinen einzigen Menschen [gibt], der so gesetzestreu wäre, dass er stets richtig handelt, ohne je einen Fehler zu begehen“ (Kohelet 7:20) und „wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1 Johannes 1:8).

Was ist Sünde? Jakobus sagt: „Wer also das Gute tun kann und es nicht tut, der sündigt.“ (Jakobus 4:17.) Johannes schrieb, Sünde sei „jedes Unrecht“ (1 Johannes 5:17) und „Gesetzwidrigkeit“ (1 Johannes 3:4).

Darum hat der Herr gesagt, dass „alle Menschen, wo auch immer, umkehren müssen“ (Mose 6:57). Außer Jesus Christus, der ein vollkommenes Leben führte, hat jeder, der auf der Erde gelebt hat, gesündigt. Der Vater im Himmel hat uns in seiner großen Liebe die Möglichkeit gegeben, von unseren Sünden umzukehren.

Durch Umkehr befreien wir uns von unseren Sünden

  • Was ist Umkehr?

Umkehr ist der Weg, der für uns vorgesehen ist, damit wir von unseren Sünden frei werden und Vergebung erlangen können. Sünden verlangsamen unseren geistigen Fortschritt und können ihn ganz aufhalten. Die Umkehr macht es uns möglich, zu wachsen und uns geistig wieder zu entwickeln.

Dass wir überhaupt umkehren können, ist durch das Sühnopfer Jesu Christi möglich geworden. Jesus hat auf eine Weise, die wir nicht gänzlich begreifen können, für unsere Sünden gezahlt. Präsident Joseph Fielding Smith hat darüber gesagt:

„Ich habe Schmerzen erlebt, Sie haben Schmerzen erlebt, und manchmal war es sehr schlimm; aber ich kann mir keinen Schmerz vorstellen, … der dazu führt, dass Blut wie Schweiß aus dem Körper dringt. Es war etwas Furchtbares, etwas Entsetzliches. …

Noch nie ist jemand geboren worden, der eine so schwere Bürde hätte tragen können wie der Sohn Gottes, als er Ihre und meine Sünden auf sich nahm, damit wir unseren Sünden entrinnen können.“ (Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 3 Bände, 1954–1956, 1:130f.; Hervorhebung im Original.)

Umkehr erfordert manchmal großen Mut, viel Kraft, viele Tränen, unablässiges Beten und die unermüdliche Anstrengung, nach den Geboten des Herrn zu leben.

Grundsätze der Umkehr

  • Was sind die Grundsätze der Umkehr?

Für den Lehrer: Das Aufstellen einer Liste kann Interesse wecken und dazu beitragen, dass die Schüler aufmerksam sind. Während Sie die Grundsätze der Umkehr mit Ihren Schülern oder Ihrer Familie besprechen, können Sie jemanden bitten, die Grundsätze an die Tafel oder auf einen großen Bogen Papier zu schreiben.

Präsident Spencer W. Kimball hat erklärt: „Es gibt keinen leichten, bevorzugten Weg der Umkehr, keine Begünstigung, wenn man Vergebung erlangen will. Jeder Mensch muss denselben Weg gehen, sei er reich oder arm, gebildet oder ungeschult, hochgewachsen oder klein, Fürst oder Bettelmann, König oder einfacher Bürgerlicher.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 44; Hervorhebung im Original.)

Wir müssen unsere Sünden erkennen

Zur Umkehr gehört, dass wir uns selbst eingestehen, dass wir gesündigt haben. Wenn wir das nicht zugeben, können wir nicht umkehren.

Alma riet seinem Sohn Korianton, der seiner Berufung als Missionar untreu geworden war und schwere Sünden begangen hatte: „[Lass] dich nur von deinen Sünden beunruhigen …, mit jener Unruhe, die dich hinabführt zur Umkehr. … Unterfange dich nicht, dich deiner Sünden wegen im Geringsten zu entschuldigen.“ (Alma 42:29,30.) Die heiligen Schriften geben uns auch den Rat, unsere Sünden nicht zu rechtfertigen (siehe Lukas 16:15,16).

Wir können nichts in unserem Leben vor uns selbst oder vor dem Herrn verbergen.

Unsere Sünden müssen uns leidtun

Wir müssen uns unsere Sünden nicht nur eingestehen, sondern auch aufrichtig bedauern, was wir getan haben. Wir müssen spüren, dass unsere Sünden schrecklich sind. Wir müssen den Wunsch haben, sie abzuladen und zurückzulassen. In den heiligen Schriften heißt es: „Alle diejenigen, die sich vor Gott demütigen und getauft zu werden wünschen und mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist vortreten und … wahrhaftig von all ihren Sünden umgekehrt sind, … sollen durch die Taufe in seine Kirche aufgenommen werden.“ (LuB 20:37.)

  • Lesen Sie 2 Korinther 7:9,10 und Mormon 2:10-14. Inwiefern unterscheidet sich Ihrer Meinung nach „gottgewollte Traurigkeit“ von Bedauernsäußerungen?

Wir müssen von unseren Sünden lassen

Unsere aufrichtige Reue muss dazu führen, dass wir von unseren Sünden lassen. Wenn wir etwas gestohlen haben, stehlen wir nicht mehr. Wenn wir gelogen haben, lügen wir nicht mehr. Wenn wir Ehebruch begangen haben, hören wir damit auf. Der Herr offenbarte dem Propheten Joseph Smith: „Ob jemand von seinen Sünden umkehrt, könnt ihr daran erkennen: Siehe, er wird sie bekennen und von ihnen lassen.“ (LuB 58:43.)

Wir müssen unsere Sünden bekennen

Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Sünden bekennen. Der Herr hat uns geboten, unsere Sünden zu bekennen. Das Bekennen nimmt eine schwere Last von dem Sünder. Der Herr hat verheißen: „Ich, der Herr, vergebe Sünden und bin barmherzig zu denen, die ihre Sünden mit demütigem Herzen bekennen.“ (LuB 61:2.)

Wir müssen alle unsere Sünden dem Herrn bekennen. Außerdem müssen wir schwere Sünden – wie Ehebruch, Unzucht, homosexuelle Beziehungen, Misshandlung des Ehepartners, Misshandlung und Missbrauch von Kindern, Drogenmissbrauch oder Handel mit Drogen –, die sich auf unseren Stand in der Kirche auswirken können, den zuständigen Priestertumsführern bekennen. Wenn wir gegen jemanden gesündigt oder jemand verletzt haben, müssen wir es auch dem Betreffenden bekennen. Einige geringere Sünden betreffen nur uns selbst und den Herrn. Diese können wir dem Herrn im Stillen bekennen.

Wir müssen Wiedergutmachung leisten

Zur Umkehr gehört auch die Wiedergutmachung. Das bedeutet, dass wir so weit wie möglich das, was wir falsch gemacht haben, wieder in Ordnung bringen. Zum Beispiel muss ein Dieb zurückgeben, was er gestohlen hat. Ein Lügner muss dafür sorgen, dass die Wahrheit bekannt wird. Jemand, der schlecht über einen anderen geredet hat, muss sich bemühen, den guten Ruf des Betreffenden wiederherzustellen. Wenn wir das tun, wird Gott uns unsere Sünden nicht anrechnen, wenn wir gerichtet werden (siehe Ezechiel 33:15,16).

Wir müssen anderen vergeben

Ein entscheidender Teil der Umkehr besteht darin, dass wir denen vergeben, die gegen uns gesündigt haben. Der Herr wird uns nur dann vergeben, wenn unser Herz von allem Hass, aller Bitterkeit und schlechten Gefühlen gegenüber anderen gereinigt ist (siehe 3 Nephi 13:14,15). „Darum sage ich euch: Ihr sollt einander vergeben; denn wer seinem Bruder dessen Verfehlungen nicht vergibt, der steht schuldig vor dem Herrn; denn auf ihm verbleibt die größere Sünde.“ (LuB 64:9.)

Wir müssen die Gebote Gottes halten

Damit unsere Umkehr vollständig ist, müssen wir die Gebote des Herrn halten (siehe LuB 1:32). Wir sind nicht völlig umgekehrt, wenn wir nicht den Zehnten zahlen, den Sonntag nicht heilighalten oder das Wort der Weisheit nicht befolgen. Wir sind nicht umgekehrt, wenn wir die Führer der Kirche nicht anerkennen und den Herrn und unsere Mitmenschen nicht lieben. Wenn wir nicht beten und zu anderen lieblos sind, dann sind wir bestimmt nicht reumütig. Wenn wir umkehren, verändert sich unser Leben.

Präsident Kimball hat gesagt: „Zuerst übt man Umkehr. Sobald man wieder Boden unter den Füßen hat, muss man nach den Geboten des Herrn leben, um das Erreichte zu halten. Das ist für die völlige Vergebung notwendig.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 51.)

  • Wie unterscheiden sich die Lehren in diesem Abschnitt von der falschen Vorstellung, Umkehr bedeute nur, eine Liste von einfachen Schritten oder Routinehandlungen abzuarbeiten?

Wie die Umkehr uns hilft

  • Inwiefern hilft uns die Umkehr?

Wenn wir umkehren, wird das Sühnopfer Jesu Christi in unserem Leben gänzlich wirksam, und der Herr vergibt unsere Sünden. Wir werden frei von der Knechtschaft unserer Sünden und finden Freude.

Alma erzählte, was er bei der Umkehr von seiner sündigen Vergangenheit erlebte:

„Meine Seele wurde im höchsten Grad gemartert und mit all meinen Sünden gepeinigt.

Ja, ich dachte an alle meine Sünden und Übeltaten, für die ich mit den Qualen der Hölle gepeinigt wurde; ja, ich sah, dass ich mich gegen meinen Gott aufgelehnt hatte und dass ich seine heiligen Gebote nicht gehalten hatte. …

So groß waren meine Übeltaten gewesen, dass der bloße Gedanke, in die Gegenwart meines Gottes zu gelangen, meine Seele mit unaussprechlichem Entsetzen peinigte. …

Und es begab sich: Als ich so … durch die Erinnerung an meine vielen Sünden gemartert wurde, siehe, da dachte ich auch daran, dass ich gehört hatte, wie mein Vater … prophezeite, dass ein gewisser Jesus Christus, ein Sohn Gottes, kommen werde, um für die Sünden der Welt zu sühnen.

Als nun mein Sinn diesen Gedanken erfasste, rief ich in meinem Herzen aus: O Jesus, du Sohn Gottes, sei barmherzig zu mir. …

Und nun siehe, als ich dies dachte, konnte ich nicht mehr an meine Qualen denken …

Und o welche Freude, und welch wunderbares Licht sah ich; ja, meine Seele war von Freude erfüllt, die ebenso übergroß war wie meine Qual! …

[Es] kann nichts so außerordentlich und so süß sein, wie meine Freude es war.“ (Alma 36:12-14,17-21.)

  • Wie brachten Umkehr und Vergebung Alma Freude?

Es ist gefährlich, die Umkehr aufzuschieben

  • Welche Folgen kann es haben, wenn man die Umkehr aufschiebt?

Die Propheten haben erklärt: „Dieses Leben ist die Zeit, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen.“ (Alma 34:32.) Wir müssen jetzt umkehren, Tag für Tag. Wenn wir morgens aufstehen, müssen wir uns prüfen und feststellen, ob der Geist Gottes bei uns ist. Bevor wir abends einschlafen, müssen wir auf unsere Taten und Worte an diesem Tag zurückblicken und den Herrn bitten, uns erkennen zu helfen, wovon wir umkehren müssen. Wenn wir jeden Tag umkehren und der Herr unsere Sünden vergibt, erleben wir Tag für Tag, wie wir vollkommener werden. Wie bei Alma können unser Glück und unsere Freude außerordentlich und süß sein.

Zusätzliche Schriftstellen

  • Matthäus 9:10-13; Lukas 13:3; Ezechiel 18:30 (umkehren oder umkommen)

  • Alma 7:21 (nichts Unreines kann in Gottes Gegenwart wohnen)

  • 2 Korinther 7:9,10 (gottgewollte Traurigkeit)

  • Mosia 4:10-12 (Stufen zur Umkehr)

  • Jesaja 1:18; Mosia 26:28-32 (Umkehr bringt Vergebung)

  • LuB 58:42 (der Herr denkt nicht mehr an die Sünden)

  • 2 Nephi 9:23 (Umkehr notwendig für die Errettung)

  • 2 Nephi 2:21 (umkehren, solange man im Fleische weilt)

  • LuB 19:15-20 (der Herr hat uns geboten umzukehren, damit wir nicht so leiden müssen wie er)