Kapitel 25: Fasten

Grundbegriffe des Evangeliums, (2011), 144–48


Richtiges Fasten

  • Wie kann man das Fasten zu einer freudigen Erfahrung machen?

Seit den Tagen Adams hat das Volk Gottes gefastet, um Gott näherzukommen und ihn zu verehren. Jesus hat durch sein eigenes Beispiel gezeigt, wie wichtig das Fasten ist (siehe Lukas 4:1-4). Aus neuzeitlicher Offenbarung erfahren wir, dass der Herr von seinem Volk immer noch erwartet, dass es oft fastet und betet (siehe LuB 88:76).

Fasten bedeutet, dass man weder isst noch trinkt. Gelegentliches Fasten ist gut für unseren Körper und trägt dazu bei, dass unser Geist aktiver wird.

Der Erlöser lehrte, dass gezieltes Fasten mehr ist, als auf essen und trinken zu verzichten. Wir müssen uns dabei auch auf geistige Belange konzentrieren.

Für den Lehrer: Sie können Ihre Klasse oder Ihre Familie in Gruppen von zwei bis vier Personen einteilen und den Gruppen Gelegenheit geben, darüber zu sprechen, wie man das Fasten zu einer freudigen Erfahrung machen kann. Erstellen Sie dann gemeinsam eine Liste mit allen Vorschlägen – etwa an der Tafel oder auf einem großen Bogen Papier.

Zum Fasten gehört auch Beten

Das Gebet ist ein notwendiger Teil des Fastens. In den heiligen Schriften werden Beten und Fasten immer wieder gemeinsam erwähnt. Unser Fasten muss von aufrichtigem Gebet begleitet sein; außerdem beginnen und beenden wir das Fasten mit einem Gebet.

Fasten zu einem bestimmten Zweck

Das Fasten kann verschiedenen Zwecken dienen. Wir können durch Fasten und Beten Schwächen oder Probleme überwinden. Manchmal möchten wir vielleicht für jemand anders fasten und beten, der Hilfe oder Führung braucht, etwa ein Angehöriger, der krank ist und einen Segen braucht (siehe Mosia 27:22,23). Durch Fasten können wir, wie der Prophet Alma im Buch Mormon, erfahren, ob etwas wahr ist. Er sagte: „Ich habe viele Tage gefastet und gebetet, um dies für mich selbst wissen zu können. Und nun weiß ich für mich selbst, dass es wahr ist; denn der Herr, Gott, hat es mir durch seinen Heiligen Geist kundgetan.“ (Alma 5:46.)

Man kann fasten, damit andere die Wahrheit annehmen. Durch Fasten kann man Trost finden, wenn man Kummer hat oder trauert (siehe Alma 28:4-6). Das Fasten kann uns helfen, demütig zu werden und uns dem himmlischen Vater näher zu fühlen (siehe Helaman 3:35).

Unser Fasten darf nicht den Zweck haben, andere zu beeindrucken. Der Herr rät uns:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.

Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest.“ (Matthäus 6:16-18.)

Wir sollen freudig fasten und unser Fasten nicht groß bekannt-machen.

  • Welchen Einfluss hat unsere innere Einstellung darauf, wie wir das Fasten erleben?

Der Fasttag

Die Heiligen der Letzten Tage halten an einem Sonntag im Monat einen Fasttag. An diesem Tag lassen wir zwei aufeinanderfolgende Mahlzeiten aus und verzichten auf essen und trinken. Wenn wir etwa am Samstag zu Abend essen, dann essen und trinken wir nichts bis zum Abendessen am Sonntag.

Jedes Mitglied, das körperlich dazu imstande ist, soll fasten. Wir sollen unsere Kinder, nachdem sie getauft sind, zum Fasten ermuntern, aber nie dazu zwingen. Der Fasttag ist ein besonderer Tag, an dem wir uns mit Fasten und Beten vor dem Herrn demütigen. An diesem Tag bitten wir um Vergebung für unsere Sünden und um die Kraft, unsere Fehler zu überwinden und anderen zu vergeben.

Am Fastsonntag kommen die Mitglieder der Kirche zusammen und nehmen am Abendmahl teil. Wenn sie in der Fast- und Zeugnisversammlung Zeugnis geben, stärken sie sich selbst und einander.

  • Wie hat es Ihnen schon geholfen, dass Sie in der Fast- und Zeugnisversammlung Ihr Zeugnis gegeben haben? Welchen Nutzen haben Sie daraus gezogen, dass Sie die Zeugnisse anderer gehört haben?

Das Fastopfer

  • Warum geben wir das Fastopfer?

Wenn wir allmonatlich fasten, bittet der Herr uns, denen zu helfen, die bedürftig sind. Das tun wir unter anderem dadurch, dass wir dem zuständigen Priestertumsführer das Geld geben, das wir für die zwei Mahlzeiten verbraucht hätten. Wir sollen so großzügig geben wie möglich. Durch unser Fastopfer sorgen wir gemeinsam mit dem Herrn für unsere Brüder und Schwestern, denen es nicht so gut geht wie uns.

Wir werden gesegnet, wenn wir fasten

  • Welche Segnungen können wir empfangen, wenn wir auf die richtige Weise fasten?

Jesaja, ein Prophet des Alten Testaments, spricht von großen Verheißungen, die der Herr denen gibt, die fasten und den Bedürftigen helfen. Er verheißt uns Frieden, bessere Gesundheit und geistige Führung. Jesaja erklärt, welche Segnungen wir empfangen, wenn wir fasten: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich.“ (Jesaja 58:8,9.)

Das Fasten verbessert unser Leben und gibt uns zusätzliche Kraft. Es hilft uns, andere Grundsätze des Evangeliums zu befolgen, weil es uns dem Herrn näherbringt.

Durch Fasten lernen wir Selbstbeherrschung

Durch Fasten erlangen wir Charakterstärke. Wenn wir richtig fasten, lernen wir unsere Begierden und Leidenschaften zu zügeln. Wenn wir uns selbst bewiesen haben, dass wir uns beherrschen können, sind wir ein wenig stärker. Wenn wir unsere Kinder fasten lehren, entwickeln sie die geistige Stärke, um später in ihrem Leben größere Versuchungen zu überwinden.

Das Fasten gibt uns geistige Kraft

Wenn wir weise und gebeterfüllt fasten, entwickeln wir mehr Glauben. Mit diesem Glauben gewinnen wir mehr geistige Kraft. Alma beispielsweise (ein Prophet im Buch Mormon) erzählte, wie er viele Jahre nach ihrer wunderbaren Bekehrung den Söhnen Mosias wieder begegnete. Als er erfuhr, dass sie ihren Glauben gestärkt und große geistige Kraft entwickelt hatten, empfand er große Freude. Diese Kraft hatten sie erlangt, weil sie „sich vielem Beten und Fasten hingegeben [hatten]; darum hatten sie den Geist der Prophezeiung und den Geist der Offenbarung“ (Alma 17:3).

Die Söhne Mosias hatten vierzehn Jahre lang den Lamaniten gepredigt. Weil die Söhne Mosias gefastet und gebetet hatten, verlieh der Geist des Herrn ihren Worten große Kraft. Dadurch hatten sie großen Erfolg bei ihrer Missionsarbeit (siehe Alma 17:4).

Denjenigen, die auf die richtige Weise fasten, sagt der Herr: „Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Matthäus 6:18.)

  • Wie kann das Fasten uns mehr geistige Kraft geben, um Versuchungen zu widerstehen? Um Offenbarung zu empfangen? Um rechtschaffen zu handeln?

Zusätzliche Schriftstellen

  • Lukas 2:37; Alma 45:1 (Gottesverehrung durch Fasten)

  • Jesaja 58:3-11 (richtiges Fasten)

  • Mosia 27:19,23 (für die Kranken fasten)

  • 3 Nephi 27:1-3; Exodus 34:27,28 (um Offenbarung und ein Zeugnis fasten)

  • Alma 6:6; 17:9 (für diejenigen fasten, die Gott nicht kennen)

  • Apostelgeschichte 13:2,3 (Fasten, um Beamte der Kirche auszuwählen)

  • Mosia 4:26 (wir bewahren Vergebung für unsere Sünden, wenn wir den Bedürftigen helfen)