Kapitel 34: Wie wir unsere Talente entfalten

Grundbegriffe des Evangeliums, (2011), 196–99


Wir alle haben unterschiedliche Talente und Fähigkeiten

Jeder von uns hat vom himmlischen Vater besondere Gaben, Talente und Fähigkeiten erhalten. Bei der Geburt brachten wir diese Gaben, Talente und Fähigkeiten mit (siehe Kapitel 2).

Der Prophet Mose war ein großer Führer, aber er brauchte seinen Bruder Aaron, der ihm als Sprecher half (siehe Exodus 4:14-16). Manche von uns sind Führer wie Mose oder gute Sprecher wie Aaron. Andere können gut singen oder beherrschen ein Musikinstrument. Wieder andere sind gute Sportler oder sind handwerklich begabt. Verständnis für andere, Geduld, Fröhlichkeit und die Fähigkeit, andere zu unterrichten, sind weitere Talente.

  • Wie haben Sie schon von den Talenten anderer profitiert?

Für den Lehrer: Sie können Ihren Schülern zeigen, dass sie Ihnen wichtig sind, indem Sie sie mit Namen ansprechen. Lernen Sie ihre Namen. Wenn jemand neu in die Klasse kommt, dann stellen Sie ihn den anderen Schülern vor.

Wir sollen unsere Talente nutzen und entfalten

  • Wie können wir unsere Talente entfalten?

Wir haben die Aufgabe, die Talente, die uns gegeben sind, zu entfalten. Manchmal meinen wir, dass wir kaum Talente besitzen oder andere mit mehr Fähigkeiten gesegnet sind als wir. Manchmal nutzen wir aus Furcht vor Misserfolg oder Kritik unsere Talente nicht. Wir dürfen unsere Talente nicht verstecken. Wir müssen Gebrauch davon machen. Dann können andere unsere guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen (siehe Matthäus 5:16).

Wir müssen Verschiedenes tun, um unsere Talente zu entwickeln. Zunächst einmal müssen wir unsere Talente entdecken. Wir müssen uns selbst einschätzen, um unsere Stärken und Fähigkeiten zu entdecken. Dabei kann uns die Familie oder ein Freund helfen. Wir können auch den himmlischen Vater bitten, dass er uns hilft, unsere Talente zu erkennen.

Zweitens müssen wir bereit sein, die Zeit und die Mühe aufzubringen, die zur Entwicklung des angestrebten Talents notwendig sind.

Drittens müssen wir daran glauben, dass der himmlische Vater uns helfen wird, und wir müssen auch an uns selbst glauben.

Viertens müssen wir die Fertigkeiten erwerben, die für die Entfaltung unserer Talente notwendig sind. Dafür müssen wir vielleicht Unterricht nehmen, einen Freund bitten, uns zu unterweisen, oder ein Buch darüber lesen.

Fünftens müssen wir uns darin üben, das Talent zu nutzen. Die Entwicklung jedes Talents erfordert Anstrengung und Arbeit. Meisterschaft muss verdient werden.

Sechstens müssen wir andere an unserem Talent teilhaben lassen. Unsere Talente wachsen dadurch, dass wir sie nutzen (siehe Matthäus 25:29).

Diese Schritte fallen leichter, wenn man den Herrn im Gebet um Hilfe bittet. Er möchte, dass wir unsere Talente entwickeln, und er hilft uns dabei.

Wir können trotz unserer Schwächen unsere Talente entwickeln

  • Wie können wir trotz unserer Schwächen unsere Talente entwickeln?

Wir haben Schwächen, weil wir in einem sterblichen und gefallenen Zustand sind. Mit der Hilfe des Herrn können wir unsere Schwäche und unseren gefallenen Zustand überwinden (siehe Ether 12:27,37). Beethoven schrieb seine größten Werke, nachdem er taub geworden war. Henoch hatte eine unbeholfene Sprache, aber er überwand dies und wurde ein machtvoller Lehrer (siehe Mose 6:26-47).

Manch großer Sportler musste einige Schwierigkeiten überwinden, ehe er sein Talent entwickeln konnte. Shelly Mann ist ein Beispiel dafür. „Mit fünf Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung. … Ihre Eltern gingen täglich mit ihr ins Schwimmbad, da sie hofften, sie würde im Wasser leichter lernen, die Arme wieder zu bewegen. Als es ihr zum ersten Mal gelang, aus eigener Kraft einen Arm aus dem Wasser zu heben, weinte sie vor Freude. Dann setzte sie sich das Ziel, das Becken quer zu durchschwimmen, dann der Länge nach, und schließlich mehrere Bahnen. Sie übte immer weiter, schwamm und hielt durch, Tag um Tag, bis sie schließlich die [olympische] Goldmedaille im Schmetterlingsstil gewann, dem schwierigsten Schwimmstil von allen.“ (Marvin J. Ashton, Frühjahrs-Generalkonferenz 1975.)

Heber J. Grant überwand viele Schwächen und verwandelte sie in Talente. Sein Motto war: „Wenn wir etwas beharrlich tun, fällt es uns leichter; nicht deshalb, weil sich die Natur der Sache geändert hätte, sondern weil unsere Tatkraft zugenommen hat.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant, Seite 38f.)

Der Herr segnet uns, wenn wir unsere Talente weise nutzen

Präsident Joseph F. Smith hat gesagt: „Jeder Sohn und jede Tochter Gottes hat irgendein Talent erhalten, und jeder wird sich dafür verantworten müssen, wie er es genutzt hat, ob zum Guten oder zum Schlechten.“ (Gospel Doctrine, 5. Aufl., 1939, Seite 370.) Ein Talent ist eine Art Treuhandschaft (eine Aufgabe im Reich Gottes). Aus dem Gleichnis vom anvertrauten Geld lernen wir, dass wir mehr Verantwortung erhalten, wenn wir in unserer Treuhandschaft gut dienen. Dienen wir nicht gut, so wird uns die Treuhandschaft schließlich entzogen (siehe Matthäus 25:14-30).

Aus der Schrift erfahren wir auch, dass wir nach unseren Taten gerichtet werden (siehe Matthäus 16:27). Wenn wir unsere Talente entwickeln und sie zum Wohl anderer einsetzen, vollbringen wir gute Taten.

Der Herr freut sich, wenn wir unsere Talente weise nutzen. Er segnet uns, wenn wir sie zum Wohl anderer und zum Aufbau des Reiches Gottes auf der Erde einsetzen. Beispielsweise erfahren wir Freude und Liebe, wenn wir unseren Mitmenschen dienen. Dabei lernen wir auch Selbstdisziplin. All dies ist notwendig, damit wir würdig werden, wieder in der Gegenwart des himmlischen Vaters zu leben.

  • Welche Beispiele kennen Sie, wo Menschen ihre Talente groß gemacht haben, indem sie sie weise genutzt haben? (Denken Sie an Menschen, die Sie kennen, oder an Menschen aus der Schrift oder der Geschichte der Kirche.)

Zusätzliche Schriftstellen

  • Jakobus 1:17 (Gaben kommen von Gott)

  • LuB 46:8-11; 1 Timotheus 4:14 (nach Gaben trachten und diese entwickeln)

  • 2 Korinther 12:9 (Schwaches wird stark)

  • Offenbarung 20:13; 1 Nephi 15:33; LuB 19:3 (wir werden nach unseren Werken gerichtet)

  • Hebräer 13:21 (Gutes tun)