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Lehrmethoden, Fähigkeiten und Herangehensweisen

Das Evangelium lehren und lernen – Ein Handbuch für Lehr- und Führungskräfte in Seminar und Institut


Unterrichten ist eine komplexe, vielschichtige Aufgabe. Wollte man alle Lehrmethoden aufführen, die es gibt, kämen viele Anregungen und Beispiele zusammen, über die man endlos diskutieren könnte. Allerdings lassen sich die Lehrmethoden, Fähigkeiten und Herangehensweisen in mehrere Grundbereiche gliedern, die für wirksamen Unterricht wichtig sind. In diesem Abschnitt werden einige dieser wichtigen Bereiche angesprochen.

Bei der Auswahl der Lehrmethoden darf man niemals vergessen, dass alle Methoden und Fähigkeiten nur Mittel zum Zweck sind, nicht der Zweck an sich. Der Lehrer wählt solche Methoden aus, die den Schülern am ehesten helfen, einen Schriftblock inhaltlich zu kennen sowie die darin enthaltenen Lehren und Grundsätze zu verstehen. Derlei Methoden dienen der Erbauung und tragen dazu bei, dass das Gelernte umgesetzt wird. Wenn sich der Lehrer vor Augen führt, weshalb er eine bestimmte Fähigkeit oder Technik einsetzen will, wird der Zweck auch viel eher erreicht. Auch darf man nie vergessen, dass ohne den Geist der Erfolg ausbleibt – selbst bei der wirkungsvollsten Lehrmethode oder dem allerbesten Ansatz.

Fragen [5.1]

Gute Fragen zu stellen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Lehrer entwickeln kann. Fragen können den Schülern dabei helfen, die Schriften zu verstehen und wichtige Evangeliumswahrheiten zu erkennen und nachzuvollziehen. Sie regen die Schüler auch an, darüber nachzudenken, welchen Einfluss das Evangelium auf ihr Leben hat, und wie sie die Evangeliumsgrundsätze jetzt und künftig in die Tat umsetzen können. Gezielte Fragen spornen die Schüler dazu an, sich beim Lernen um den Heiligen Geist zu bemühen, indem sie ihre Entscheidungsfreiheit ausüben und im Lernprozess ihren Teil tun.

Es ist aller Mühe wert, sich bei der Unterrichtsvorbereitung sorgsam Fragen auszudenken, die zu mehr Verständnis führen und die Herz und Sinn der Schüler ansprechen, wenn sie darüber nachdenken. Wenn der Lehrer sich eine Frage überlegt, muss er sich zunächst darüber klar werden, zu welchem Zweck er sie stellen will. (Vielleicht möchte er zum Beispiel, dass die Schüler etwas Bestimmtes in einer Schriftstelle entdecken, dass sie über die Bedeutung einer Schriftstelle nachdenken oder dass sie Zeugnis von der Wahrheit eines Grundsatzes geben.) Mit dieser Absicht im Sinn muss der Lehrer die Frage dann gut durchdenken und ausformulieren. Ein paar wohlüberlegte Worte können einen großen Unterschied ausmachen und dazu beitragen, dass das gewünschte Ergebnis auch wirklich erreicht wird.

Der Lehrer bereitet möglichst Fragen vor, die zum Denken anregen und das Gefühl ansprechen. Am besten vermeidet er Fragen, die sich mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten lassen oder die so leicht zu beantworten sind, dass sie schon wieder langweilig sind. Der Lehrer muss außerdem Fragen meiden, die zu Meinungsverschiedenheiten führen könnten. Dadurch kann Missmut und Streit entstehen, und der Geist zieht sich zurück (siehe 3 Nephi 11:29).

Wenn der Lehrer im Unterricht eine Frage stellt, muss er den Schülern Zeit zum Nachdenken geben. Manchmal stellt ein Lehrer eine Frage, wartet ein, zwei Sekunden, und wenn dann keine Antwort kommt, verfällt er in Panik und beantwortet die Frage selbst. Über tiefgründigere Fragen muss man oftmals aber gründlich nachdenken und die Schüler brauchen vielleicht Zeit, um in den Schriften nach der Antwort zu suchen oder um eine passende Antwort zu formulieren. Hin und wieder hilft es den Schülern, wenn man ihnen Zeit gibt, ihre Antwort aufzuschreiben, bevor sie sich zu einer Frage äußern.

Jesus Christus, der Meister des Lehrens, hat verschiedene Arten von Fragen gestellt, um andere dazu zu bewegen, dass sie über die Grundsätze, die er lehrte, nachsinnen und sie anwenden. Seine Fragen richteten sich danach, was er im Leben derer, die er belehrte, erreichen wollte. Manche Fragen stimmten seine Zuhörer nachdenklich und veranlassten sie, in den Schriften nach Antwort zu suchen, zum Beispiel als er fragte: „Was steht im Gesetz? Was liest du dort?“ (Lukas 10:26.) Mit anderen Fragen wollte er zum Handeln anregen. So fragte er beispielsweise: „Was für Männer sollt ihr sein?“ (3 Nephi 27:27.)

Es gibt zwar eine Vielzahl an Fragen, die ein Lehrer stellen kann, aber im Evangeliumsunterricht sind vier Grundarten von Fragen besonders wichtig:

  1. Fragen, die die Schüler veranlassen, nach Informationen zu suchen.

  2. Fragen, die die Schüler dazu bewegen, etwas zu analysieren, um es zu verstehen.

  3. Fragen, die das Gefühl ansprechen und zu einem Zeugnis führen können.

  4. Fragen, die darauf abzielen, das Gelernte anzuwenden.

Fragen, die die Schüler veranlassen, nach Informationen zu suchen [5.1.1]

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Mithilfe von Suchfragen bauen die Schüler ein grundlegendes Verständnis von den Schriften auf: Man fordert die Schüler dazu auf, einen Schriftblock nach wichtigen Angaben zum Inhalt zu durchsuchen. Da Suchfragen ja darauf abzielen, dass die Schüler in den Schriften nach etwas Bestimmtem suchen, stellt man diese am besten, bevor sie die Verse lesen, in denen die Antwort zu finden ist. Auf diese Weise richten die Schüler ihre Aufmerksamkeit auf das Gesuchte und sind imstande, die Antwort aus dem Text herauszufiltern.

Suchfragen beginnen oftmals mit „Wer“, „Was“, „Wann“, „Wie“, „Wo“ oder „Warum“. Fragen, die die Schüler veranlassen, nach Informationen zu suchen, sind zum Beispiel:

  • Warum ging der reiche junge Mann laut Matthäus 19:22 traurig weg?

  • Was erfahren wir in 1 Samuel 17:24, wie die Israeliten reagierten, als sie Goliat sahen? Wie reagierte David in Vers 26?

  • Welchen Rat gab Alma seinem Sohn Schiblon in Alma 38:5-15?

Durch die Antworten auf diese Suchfragen soll grundlegendes Wissen erlangt werden. Darauf kann man anschließend mit anderen Arten von Fragen aufbauen, um es zu vertiefen und zur besseren Umsetzung anzuregen. Die Frage des Erretters: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ (Matthäus 16:13) bereitete die Wissensgrundlage. Was die Jünger darauf jedoch antworteten, öffnete ihren Sinn für die tiefgründigere und viel persönlichere Frage: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Matthäus 16:15.)

Fragen, die die Schüler dazu bewegen, etwas zu analysieren, um es zu verstehen [5.1.2]

Analysefragen stellt man für gewöhnlich erst, wenn die Schüler mit der zu behandelnden Schriftstelle schon vertraut sind. Derlei Fragen veranlassen den Lernenden, ein größeres und tiefgründigeres Verständnis der heiligen Schriften anzustreben. Sie können den Schülern helfen, Beziehungen oder Muster genauer zu betrachten oder Gegensätze in Schriftstellen zu entdecken. Außerdem lassen sie fast immer auch mehrere Antworten zu.

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Analysefragen verfolgen im Allgemeinen mindestens eine der folgenden drei Absichten. Sie helfen den Schülern:

  • Kontext und Inhalt von Schriftstellen näher zu kennen

  • die Grundsätze und Lehren des Evangeliums zu erkennen

  • ein tieferes Verständnis dieser Grundsätze und Lehren zu entwickeln

Den Schülern Kontext und Inhalt von Schriftstellen näherbringen. Analysefragen tragen dazu bei, dass die Schüler ihr Verständnis der heiligen Schriften und der darin enthaltenen Ereignisse erweitern, indem sie Abschnitte daraus im Zusammenhang mit dem geschichtlichen und kulturellen Hintergrund beleuchten oder sie mit anderen Abschnitten vergleichen. Mittels solcher Fragen wird den Schülern auch die Bedeutung von Wörtern oder Sätzen klarer, und sie können eine Handlung besser im Einzelnen analysieren, um eine größere Bedeutung darin zu entdecken. Durch diesen Vorgang werden die Schüler darauf vorbereitet, Grundsätze und Lehren zu erkennen.

Hier ein paar Beispiele für diese Art von Fragen:

  • Inwiefern hilft uns die Erklärung des Meisters in Matthäus 13:18-23, seine Lehren in Vers 3 bis 8 besser zu verstehen?

  • Wie reagierten Laman und Lemuel einerseits und Nephi andererseits auf die Anweisungen des Engels? (Siehe 1 Nephi 3:31; 4:1-7.)

  • Was führte zum Verlust der 116 Seiten, welcher den Herrn veranlasste, Joseph Smith dahingehend zu unterweisen, er solle „die Menschen nicht mehr fürchten … als Gott“? (LuB 3:7.)

Den Schülern helfen, Grundsätze und Lehren des Evangeliums zu erkennen. In dem Maße, wie sich das Verständnis der Schüler in Hinblick auf Kontext und Inhalt der heiligen Schriften entwickelt, sind sie besser in der Lage, die darin enthaltenen Grundsätze und Lehren zu erkennen. Analysefragen tragen dazu bei, dass die Schüler Rückschlüsse ziehen und die Grundsätze oder Lehren in einem Schriftblock sicher benennen können (siehe Abschnitt 2.5.1., „Lehren und Grundsätze erkennen“, Seite 30).

Hier folgen einige Beispiele für solche Fragen:

  • Welcher Grundsatz wird daran deutlich, dass Nephi trotz erheblicher Schwierigkeiten in den Besitz der Messingplatten kam? (Siehe 1 Nephi 3 und 4.)

  • Welche Lehren über das Wesen Gottes können wir der ersten Vision entnehmen? (Siehe Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:15-20.)

  • Was können wir von der Frau lernen, die an Blutungen litt und keine Mühe scheute, um den Heiland kurz zu berühren? Was können wir aus seiner Reaktion lernen? (Siehe Markus 5:24-34.)

Den Schülern helfen, ein tieferes Verständnis der Grundsätze und Lehren zu entwickeln. Die Schüler müssen die Grundsätze und Lehren nicht nur erkennen, sondern darüber hinaus auch verstehen, um sie richtig anwenden zu können. Eine Frage ist besonders dann hilfreich, wenn sie zu einem klareren Verständnis der Bedeutung bestimmter Grundsätze oder Lehren führt, wenn die Schüler angeregt werden, darüber nachzudenken, was ein Grundsatz heutzutage bedeutet, oder ihn in eigene Worte zu fassen. Dazu einige Beispiele:

  • Worin könnte sich zeigen, dass wir Gott „mit all [unserer] Macht, ganzem Sinn und aller Kraft“ lieben? (Moroni 10:32.)

  • Warum hilft es uns, wenn wir immer beten, die notwendige geistige Kraft zu erhalten, um Versuchungen zu überwinden, wie etwa die, unfreundlich zu anderen zu sein oder an etwas teilzunehmen, was den Geist betrübt? (Siehe LuB 10:5.)

  • Welche Verhaltensweisen und Eigenschaften sieht man wohl bei jemandem, der auf der Grundlage Christi aufbaut? (Siehe Helaman 5:1-14.)

  • Wie könnte man auf Grundlage dessen, was wir aus Alma 40 gelernt haben, einem Bekannten, der nicht der Kirche angehört, die Lehre von der Auferstehung erläutern?

Fragen, die das Gefühl ansprechen und zu einem Zeugnis führen können [5.1.3]

Manche Fragen helfen den Schülern, über die Grundsätze und Lehren des Evangeliums nachzudenken und diese zu verstehen, während andere sie dazu anregen, über geistige Erlebnisse nachzudenken. Sie führen dazu, dass sie tiefer in sich fühlen, dass ein Evangeliumsgrundsatz oder eine Lehre wahr und für sie bedeutsam ist. Oftmals bewirken solche Gefühle, dass sich die Schüler inniger wünschen, einen Evangeliumsgrundsatz noch treuer zu befolgen. In einer Ansprache vor Religionserziehern des Bildungswesens erklärte Elder Henry B. Eyring in Hinblick auf solche Fragen:

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„Manchmal führt eine Frage zu Inspiration. Solche Fragen stellt ein großartiger Lehrer. … Hier ist eine Frage, die vielleicht nicht zu Inspiration führt: ,Wie erkennt man einen wahren Propheten?‘ Die Antwort auf diese Frage besteht in einer Liste, die sich aus den Schriften und den Worten der lebenden Propheten zusammensetzt. Diese Frage können viele Schüler beantworten. Die meisten können zumindest eine recht passable Vermutung äußern. Außerdem werden sie zum Nachdenken angeregt.

Diese Frage könnte auch etwas anders gestellt werden, nämlich so: ‚Wann haben Sie gefühlt, dass Sie sich in der Gegenwart eines Propheten befinden?‘ Dadurch sucht man in seiner Erinnerung nach Gefühlen. Nachdem wir die Frage gestellt haben, warten wir vielleicht klugerweise einen Augenblick, ehe wir jemand um die Antwort bitten. Auch wer sich dazu nicht äußert, denkt über geistige Erfahrungen nach. Das lädt den Heiligen Geist ein.“ („The Lord Will Multiply the Harvest“, Seite 6.)

Solche Fragen bewegen einen Schüler dazu, über Erlebtes nachzusinnen, „in seiner Erinnerung nach Gefühlen [zu suchen]“ und über die geistigen Erlebnisse nachzudenken, die er mit der Lehre oder dem Evangeliumsgrundsatz, der behandelt wird, schon hatte. Oftmals führen diese Fragen dazu, dass die Schüler von ihren Gefühlen und Erlebnissen erzählen oder Zeugnis von einer Lehre oder einem Grundsatz geben. Derlei Fragen tragen dazu bei, dass die Schüler das Evangelium nicht nur vom Verstand her begreifen, sondern dass es ihnen auch ins Herz dringt. Und wenn sie im Herzen fühlen, dass ein Evangeliumsgrundsatz oder eine Lehre wahr und wichtig ist, sind sie eher bereit, danach zu leben.

Nachfolgend einige Beispiele für Fragen, die das Gefühl ansprechen und zu einem Zeugnis führen können:

  • Wann haben Sie schon einmal Frieden und Freude verspürt, weil Sie jemandem vergeben haben?

  • Denken Sie einmal darüber nach, wann der Herr Ihre Entscheidungen gelenkt hat, weil Sie ihm vertraut haben, anstatt auf eigene Klugheit zu bauen (siehe Sprichwörter 3:5,6). Wie wurden Sie dafür gesegnet?

  • Wenn Sie dem Erretter persönlich für sein Opfer für Sie danken könnten, was würden Sie ihm sagen?

  • Inwiefern ist Ihr Leben durch das, was im heiligen Hain geschah, anders?

  • Wann haben Sie schon einmal miterlebt, wie jemand anders trotz Prüfungen treu geblieben ist? Wie hat Sie das beeinflusst?

Ein Wort zur Warnung: Die Antwort auf Fragen dieser Art kann sehr persönlich und emotional ausfallen. Der Lehrer darf den Schülern nie das Gefühl geben, sie müssten eine Frage unbedingt beantworten, über Gefühle sprechen, von Erlebnissen erzählen oder Zeugnis geben. Auch macht er ihnen klar, wie heilig persönliche geistige Erlebnisse sind, und hält sie dazu an, in angemessener Weise über Erlebnisse dieser Art zu sprechen (siehe LuB 63:64).

Fragen, die darauf abzielen, das Gelernte anzuwenden [5.1.4]

Letztlich ist es Ziel des Evangeliumsunterrichts, den Schülern zu helfen, die Grundsätze und Lehren anzuwenden, die in den Schriften stehen. Sie sollen sich bereitmachen, die Segnungen zu empfangen, die denen verheißen sind, die treu und gehorsam sind. Ein Schüler, der erkennt, wie er gesegnet worden ist, weil er schon länger nach den Grundsätzen des Evangeliums lebt, ist beflissener und besser dafür gerüstet, diese auch künftig erfolgreich in die Tat umzusetzen. Fragen können eine wesentliche Rolle dabei spielen, den Schülern klarzumachen, wie sie diese Grundsätze in ihrer momentanen Situation und darüber hinaus anwenden können.

Nachfolgend einige Beispiele für Fragen, die die Schüler anregen können, darüber nachzudenken, wie sie Grundsätze und Lehren in ihrem Leben anwenden können:

  • Welche Änderungen müssten Sie in Ihrem Leben vornehmen, um den Sabbat besser heiligzuhalten und sich dadurch noch mehr von der Welt unbefleckt zu halten? (Siehe LuB 59:9-13.)

  • Was von dem, wozu der Prophet geraten hat, könnten Sie mit noch größerer Genauigkeit ausführen? (Siehe Alma 57:1-27.)

  • Wie kann der Grundsatz, dass wir in anderen Bereichen unseres Lebens gesegnet werden, wenn wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten, uns helfen, für unsere Ziele und Vorhaben in den nächsten zwei, drei Jahren Prioritäten zu setzen? (Siehe Matthäus 6:33.)

Unterrichtsgespräch [5.2]

Ein gutes Unterrichtsgespräch spielt im Evangeliumsunterricht eine wesentliche Rolle. Darunter versteht man den gedanklichen Austausch zwischen Lehrer und Schülern und zwischen den Schülern untereinander, und zwar auf eine Art und Weise, durch die die Lernbereitschaft gefördert wird. Ein gutes Gespräch kann dazu beitragen, dass die Schüler lernen, wie wichtig es ist, Antwort auf wichtige Fragen zu suchen, anderen zuzuhören und etwas für sich aus ihren Anmerkungen, Gedanken und Erfahrungen abzuleiten. So bleiben die Schüler leichter aufmerksam und beteiligen sich im Unterricht. Das führt oftmals zu einem tieferen Verständnis der besprochenen Lehren und Grundsätze des Evangeliums, und darüber hinaus entwickeln die Schüler den aufrichtigen Herzenswunsch, das, was sie gelernt und als gut empfunden haben, anzuwenden.

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Hier sind einige Anregungen, wie der Lehrer ein fruchtbares, inspirierendes Unterrichtsgespräch anleiten kann:

Planen Sie das Unterrichtsgespräch. Wie alle anderen Lehrmethoden muss auch das Unterrichtsgespräch sorgfältig vorbereitet und dann mit der Hilfe des Geistes durchgeführt werden. Der Lehrer muss sich vorher überlegen, wie das Unterrichtsgespräch den Schülern bewusst machen soll, was sie lernen müssen, welche Fragen er dazu stellen muss, wie er diese Fragen am besten stellt und wie er reagiert, wenn die Antworten der Schüler in eine unerwartete Richtung gehen.

Kommentieren Sie als Lehrer nicht alles. Wenn der Lehrer in einem Gespräch alles kommentiert, hält es die Schüler davon ab, sich zu beteiligen, weil sie den Eindruck erhalten, der Lehrer wolle die Antwort am liebsten selbst geben. Sie haben dann auch das Gefühl, ihre Beiträge seien nicht so wertvoll, und verlieren das Interesse am Gespräch.

Fordern Sie alle Schüler auf, mitzumachen. Der Lehrer sucht nach Möglichkeiten, alle Schüler in geeigneter Weise dazu anzuregen, sich am Unterrichtsgespräch zu beteiligen – auch diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen zurückhaltend sind. Er darf einen Schüler niemals in Verlegenheit bringen, indem er ihn aufruft, obwohl ihm bewusst ist, dass der Schüler die Antwort nicht weiß.

Hin und wieder kommt es vor, dass ein Schüler oder einige wenige das Gespräch grundsätzlich an sich reißen wollen. In dem Fall kann sich der Lehrer mit dem Betreffenden unter vier Augen unterhalten, ihm für seine Bereitschaft danken, sich zu beteiligen, und ihm erläutern, weshalb es wichtig ist, dass sich alle Unterrichtsteilnehmer beteiligen können. Dann kann er ihm erklären, wieso er ihn nicht jedes Mal aufruft, wenn er sich meldet.

Rufen Sie die Schüler namentlich auf. Werden die Schüler namentlich aufgerufen, um eine Frage zu beantworten oder sich zu äußern, trägt dies zu einer Atmosphäre bei, die von Wertschätzung und Respekt gekennzeichnet ist.

Haben Sie keine Angst vor der Stille. Auf manch tiefgründige Frage können die Schüler nicht immer sofort antworten. Eine kurze Stille braucht den Lehrer aber nicht zu irritieren. Zuweilen müssen die Schüler über eine Frage erst nachdenken können und darüber, wie man sie am besten beantworten könnte. Wenn sie auf diese Weise nachsinnen, können sie leichter vom Heiligen Geist belehrt werden.

Formulieren Sie Fragen um. Mitunter zögern die Schüler vielleicht, eine Frage zu beantworten, weil sie nicht klar gestellt wurde. Dann muss der Lehrer die Frage unter Umständen anders formulieren oder die Schüler fragen, ob sie die Frage verstanden haben. Ein Lehrer darf nicht eine Reihe Fragen hintereinander stellen, ohne den Schülern genügend Zeit zu geben, sich eine passende Antwort darauf gut und gründlich zurechtzulegen.

Hören Sie aufmerksam zu und stellen Sie weiterführende Fragen. Manchmal ist der Lehrer so sehr damit beschäftigt, sich zu überlegen, was er als Nächstes sagen oder tun soll, dass er gar nicht richtig auf das achtet, was die Schüler sagen. Wenn der Lehrer auf die Schüler achtet und ihnen gut zuhört, kann er erkennen, was sie brauchen, und das Gespräch unter der Führung des Heiligen Geistes leiten. Er kann sich vergewissern, ob er die Schüler richtig verstanden hat, indem er beispielsweise fragt: „Können Sie mir genauer erklären, was Sie damit meinen?“ oder „Können Sie mir ein Beispiel dafür geben?“ Stellt man solch weiterführende Fragen, sind die Schüler oft eher geneigt, von Gedanken und Eindrücken zu erzählen, und sie fühlen sich häufig bestärkt, Zeugnis zu geben. Der Lehrer fordert die Schüler auch auf, einander zuzuhören und nicht dazwischenzureden, wenn ein anderer spricht.

Geben Sie Beiträge oder Fragen der Schüler weiter. Oftmals sieht das Unterrichtsgespräch so aus: Der Lehrer stellt eine Frage, ein Schüler antwortet, und dann teilt der Lehrer eigene Gedanken zur Antwort des Schülers mit und stellt die nächste Frage. Das Gespräch kann jedoch viel bedeutungsvoller, lebendiger und wirksamer werden, wenn die Lehrkraft die Antwort oder den Beitrag eines Schülers an die Mitschüler weitergibt. Auf einfache Fragen wie „Was würden Sie dem noch hinzufügen?“ oder „Welche Gedanken haben die anderen zu diesem Beitrag?“ können die Schüler immer mal wieder auf Antworten ihrer Mitschüler eingehen. Das wirkt sich im Unterricht oftmals sehr positiv aus. Wenn Sie nicht gerade unter Zeitdruck stehen, sollten Sie allen Schülern, die sich zu Wort melden, die Gelegenheit zum Antworten geben.

Gehen Sie positiv auf die Antworten der Schüler ein. Gibt ein Schüler eine Antwort, muss der Lehrer in irgendeiner Form auf diese Antwort eingehen. Er kann entweder nur „Danke“ sagen oder auch eine Anmerkung machen. Wenn die Antwort falsch ist, muss der Lehrer darauf achten, dass er den Schüler auf keinen Fall kränkt. Ein guter Lehrer versteht es, auf das, was an der Antwort richtig war, einzugehen oder eine weiterführende Frage zu stellen, mithilfe derer der Schüler seine Antwort nochmals überdenken kann.

Im Unterricht gemeinsam in den heiligen Schriften lesen [5.3]

Wenn man mit den Schülern im Unterricht gemeinsam in den heiligen Schriften liest, werden die Schüler besser damit vertraut und können die Verse, mit denen sie sich beschäftigen, auch besser verstehen. Außerdem erweckt man in ihnen so das Vertrauen darauf, auch allein in den heiligen Schriften studieren zu können. Der Lehrer muss jedoch darauf achten, dass Schüler, die nicht gerne vorlesen oder sehr schüchtern sind, nicht in Verlegenheit gebracht werden. Wenn ein Schüler nicht so gern vorlesen mag, darf man ihn nicht dazu drängen. Stattdessen kann ihn der Lehrer bitten, etwas anderes zu tun, was ihm leichter fällt. Er könnte dem Schüler auch schon vorab eine kurze Schriftstelle nennen, damit dieser sie üben kann. Dies wäre eine geeignete Möglichkeit, diesen Schüler in den Unterricht einzubeziehen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man gemeinsam mit den Schülern in den heiligen Schriften lesen kann:

  • Lassen Sie die Schüler nacheinander oder im Chor etwas aus den heiligen Schriften vorlesen.

  • Lassen Sie die Schüler einander aus den heiligen Schriften vorlesen.

  • Lassen Sie die Schüler Schriftstellen still für sich lesen.

  • Lassen Sie mehrere Schüler mit verteilten Rollen vorlesen, was die verschiedenen Personen in einer Geschichte gesagt haben.

  • Lesen Sie vor; die Schüler sollen dabei in ihren heiligen Schriften mitlesen.

Lehrervortrag [5.4]

Wenn die Schüler sich aktiv am Lernprozess beteiligen, trägt dies zwar ganz entscheidend dazu bei, dass sie die heiligen Schriften verstehen und zur Anwendung bringen, doch ist es nach wie vor unabdingbar, dass der Lehrer zwischendurch Wissen auf geeignete Weise vermittelt, während die Schüler zuhören. Im Rahmen dieses Handbuchs wollen wir diese Methode als Lehrervortrag bezeichnen. Bei einem Lehrervortrag können andere Unterrichtsmethoden sehr gut zum Tragen kommen. Liegt der Redeanteil jedoch größtenteils beim Lehrer, kann das den Lehrerfolg mindern und den Schülern die Gelegenheit nehmen, durch Studium und durch Glauben zu lernen.

Der Lehrervortrag ist eine effektive Methode, wenn man umfangreiches Material zusammenfasst, den Schülern bislang unbekannte Fakten präsentiert, von einem zum nächsten Abschnitt der Lektion übergeht oder ein Fazit zieht. Unter Umständen muss der Lehrer etwas erklären, deutlich machen oder veranschaulichen, damit die Schüler den Zusammenhang eines Schriftblocks besser verstehen. Oder er will die wesentlichen Lehren und Grundsätze betonen und die Schüler dazu anhalten, danach zu leben. Wohl am wichtigsten ist es jedoch, dass der Lehrer die Gelegenheit ergreift und Zeugnis von den Evangeliumswahrheiten gibt und seine Liebe zum Vater im Himmel und zu Jesus Christus zum Ausdruck bringt.

Bei einem Lehrervortrag muss der Lehrer wie bei jeder anderen Unterrichtsmethode auch stets darauf achten, wie aufnahmebereit die Schüler sind, indem er sich fragt: „Sind meine Schüler interessiert und bei der Sache?“ und „Verstehen sie, was hier gesagt wird?“ Wie effektiv diese oder eine andere beliebige Lehrmethode ist, zeigt sich letztendlich daran, ob die Schüler durch den Geist lernen können, ob sie die Schriften verstehen und ob sie das Gelernte in die Tat umsetzen wollen.

Die folgenden Anregungen können eine Hilfe dabei sein, wie man diese Methode als Lehrer wirkungsvoller einsetzen kann.

Planen Sie den Lehrervortrag als Teil des Unterrichts. Gelegentlich bereitet ein Lehrer den größten Teil des Unterrichts zwar sorgfältig vor, überlegt sich aber nichts für die Zeit, wo der Redeanteil überwiegend bei ihm liegt. Eine Schwierigkeit beim Lehrervortrag besteht darin, dass die Schüler schnell in eine passive Rolle verfallen. Daher muss der Lehrervortrag ebenfalls gut geplant und vorbereitet werden. Dazu gehört, dass man überlegt, wie man beginnen und den Vortrag logisch aufbauen will.

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Bei der Planung des Lehrervortrags muss sich die Lehrkraft gut überlegen, an welcher Stelle eine aktive Beteiligung der Schüler besonders wichtig ist. Je weiter die Lektion fortschreitet – vom Kennenlernen des Kontextes und des Inhalts bis hin zum Entdecken, Besprechen und Anwenden der Grundsätze und Lehren –, desto wichtiger ist es für gewöhnlich, dass die Schüler mehr und mehr in eine aktive Rolle schlüpfen.

Kombinieren Sie den Lehrervortrag mit anderen Methoden. Am besten ist es, wenn der Lehrer seinen Vortrag in den Unterrichtsablauf integriert und ihn mit anderen Methoden und Vorgehensweisen kombiniert. Der Vortrag muss so gestaltet sein, dass der Lehrer flexibel reagieren kann, wenn er merkt, dass die Schüler sich langweilen oder ihm nicht mehr folgen können. So bleiben die Schüler und der Lernprozess auch beim Lehrervortrag im Mittelpunkt, und der Lehrer kann seinen Vortrag der Unterrichtssituation anpassen. Jemand hat den Lehrervortrag einmal mit dem Faden in einer Perlenkette verglichen: Die Perlen stellen die verschiedenen Unterrichtsmethoden dar, derer sich der Lehrer bedient (Fragen, Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit, audiovisuelle Präsentation und dergleichen), werden aber vom Vortrag und von den Erklärungen des Lehrers wie von einem Faden zusammengehalten. Den Faden allein aber würde niemand als schönen Halsschmuck bezeichnen.

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Bringen Sie in geeigneter Form Abwechslung in den Vortrag. Es gibt viele Möglichkeiten, auch den Lehrervortrag abwechslungsreich zu gestalten. Der Lehrer kann Eintönigkeit vermeiden, indem er beim Sprechen den Tonfall wechselt und mal lauter, mal leiser spricht und im Raum umhergeht. Auch kann er vielfältiges Material für den Vortrag heranziehen. Zum Beispiel kann er eine Geschichte erzählen, Humor einsetzen – sofern es angebracht ist –, auf Bilder oder andere Gegenstände im Raum hinweisen, Zitate vorlesen, die Tafel oder audiovisuelles Material verwenden oder Zeugnis geben. Die abwechslungsreiche Gestaltung des Lehrervortrags ist dann richtig und passend, wenn sie dazu beiträgt, dass die Schüler die heiligen Schriften besser verstehen und sich daran ausrichten.

Geschichten [5.5]

Eine Geschichte trägt mitunter dazu bei, dass die Schüler Glauben an das Evangelium Jesu Christi entwickeln. Sie kann das Interesse wecken und den Schülern das Evangelium nahebringen, indem sie sich in eine Begebenheit hineinversetzen. Auch kann eine Geschichte den Schülern einen Evangeliumsgrundsatz, den sie aus einem Schriftblock herausgefiltert haben, besonders deutlich vor Augen führen. Wenn man diesen nicht nur innerhalb der Schriften beleuchtet, sondern ihn auch auf die heutige Zeit überträgt, macht die Geschichte den Schülern mitunter noch stärker bewusst, inwiefern ein Grundsatz für ihr Leben von Bedeutung ist, und sie entwickeln leichter den Wunsch, danach zu leben.

Elder Bruce R. McConkie hat erklärt: „Natürlich ist nichts verkehrt daran, eine glaubensstärkende Geschichte aus der heutigen Zeit zu erzählen – etwas, was sich in unserer Evangeliumszeit ereignet hat. … Davon soll man sogar rege Gebrauch machen. Wir dürfen keine Mühe scheuen, aufzuzeigen, dass sich heute wie damals Ähnliches im Leben der treuen, gläubigen Heiligen ereignet. …

Am besten vermittelt man solche inspirierenden Geschichten, indem man wiedergibt, was in den heiligen Schriften berichtet wird, und dies dann mit dem Siegel der Lebenswirklichkeit versieht, indem man von einem ähnlichen Ereignis erzählt, das sich in unserer Evangeliumszeit und bei uns zugetragen hat.“ („The How and Why of Faith-Promoting Stories“, New Era, Juli 1978, Seite 4f.)

Der Lehrer kann Begebenheiten aus dem Leben der Propheten oder aus der Geschichte der Kirche erzählen oder aber Geschichten aus den Ansprachen der Generalkonferenz und aus den Zeitschriften der Kirche. Natürlich kann er auch etwas erzählen, was er selbst erlebt hat. Man lernt auf besonders bedeutungsvolle und eindrucksvolle Weise, wenn der Lehrer die Schüler bittet, eine Begebenheit aus ihrem eigenen Leben zu erzählen, die zeigt, wie sie gesegnet worden sind, als sie einen Evangeliumsgrundsatz befolgt haben.

Ein paar Ratschläge und Warnungen sind im Zusammenhang mit Geschichten jedoch angebracht:

  • Greift man hauptsächlich auf die Unterrichtsmethode zurück, Geschichten zu erzählen, stehen diese ganz schnell im Mittelpunkt der Lektion und man hat weniger Zeit, in den heiligen Schriften zu lesen. Die Folge ist, dass die darin enthaltenen Lehren und Grundsätze in den Hintergrund gedrängt werden.

  • Erzählt der Lehrer zu viele Geschichten aus seinem eigenen Leben, kann das dazu führen, dass er sich selbst verherrlicht und „der Welt als Licht [hinstellt]“ (2 Nephi 26:29).

  • Eine Geschichte kann eine Lehre aus den heiligen Schriften zwar verdeutlichen und veranschaulichen und den Schülern helfen, die Macht des Geistes zu verspüren, sie darf jedoch niemals missbraucht werden, um die Gefühle der Schüler zu manipulieren.

  • Die Lehrkraft muss sich davor hüten, eine wahre Geschichte aufzubauschen oder zu dramatisieren.

  • Handelt es sich nicht um eine wahre Geschichte, sondern beispielsweise um eine Anekdote, mit der etwas veranschaulicht werden soll, so muss man schon vorher sagen, dass es sich hierbei nicht um eine wahre Begebenheit handelt.

Kleingruppengespräche und Aufträge [5.6]

Zuweilen ist es hilfreich, die Schüler paarweise oder in Kleingruppen aufzuteilen, damit sie sich gemeinsam an einer Lernaktivität oder einem Gespräch beteiligen können. Bei einer Kleingruppenaktivität können sich oftmals mehr Schüler beteiligen. Sie schafft ein vertrautes Umfeld, in dem die Schüler mit den anderen über Empfindungen, Gedanken und ihr Zeugnis sprechen können. Eine solche Aktivität bietet den Schülern auch die Gelegenheit, anderen das Evangelium nahezubringen und sich dafür zu rüsten, andere selbst einmal im Evangelium zu unterweisen. Bei einem Kleingruppengespräch lassen sich diejenigen gut einbeziehen, die weniger Interesse an den Tag legen oder unkonzentriert sind. Darüber hinaus können sich die Schüler kommunikative Fertigkeiten aneignen und gute soziale wie geistige Beziehungen knüpfen. Zurückhaltende Schüler können Selbstvertrauen gewinnen, indem man sie auf sinnvolle Weise einbezieht.

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Wenn die Schüler zu zweit oder in Kleingruppen zusammenarbeiten, sollte man folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Bevor er die Schüler in Kleingruppen aufteilt, gibt der Lehrer ihnen klare Anweisungen, was sie bei der Aktivität tun sollen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, den Arbeitsauftrag an die Tafel oder auf einen Arbeitsbogen zu schreiben, damit die Schüler ihn bei der Aktivität im Blick behalten.

  • Geht es bei der Kleingruppenarbeit um etwas, was mit den Schülern persönlich oder ihren Lebensumständen zu tun hat, fördert dies normalerweise das Interesse und die Mitarbeit.

  • Es hilft den Schülern, bei der Sache zu bleiben, wenn in jeder Gruppe ein Gruppensprecher bestimmt wird und wenn sie eine klare zeitliche Vorgabe bekommen. Eine zu ausgedehnte Gruppenaktivität führt oftmals dazu, dass die Gruppen unterschiedlich schnell fertig sind und Unruhe entsteht.

  • Generell sind die Schüler mehr bei der Sache, wenn der Lehrer sie im Vorhinein bittet, etwas auszuarbeiten und anschließend vor der Klasse zu erzählen, was sie bei der Aktivität gelernt haben. Auf diese Weise können sich die Schüler auch darin üben, anderen das Evangelium nahezubringen.

  • Die Gruppenarbeit funktioniert oftmals besser, wenn die Schüler vorher für sich eine Passage in den Schriften oder ein Zitat gelesen oder irgendeine andere Aufgabe bearbeitet haben.

  • Besteht eine Gruppe aus fünf oder mehr Schülern, kann sich der Einzelne möglicherweise nicht so gut und sinnvoll beteiligen. Außerdem fällt es den Schülern in einer größeren Gruppe für gewöhnlich schwerer, bei der Sache zu bleiben.

  • Geht es lediglich um einfache Fragen, eignet sich die Kleingruppenarbeit weniger, da es zu viel Zeit in Anspruch nähme, die Schüler in Gruppen einzuteilen.

  • Greift man ständig auf die Methode der Gruppenarbeit zurück, verpufft unter Umständen die gewünschte Wirkung.

Bei Kleingruppengesprächen oder -arbeiten kommen die Schüler schnell vom eigentlichen Zweck der Aktivität ab, führen Privatgespräche oder stellen das Lernen weniger in den Vordergrund. Nimmt der Lehrer aktiv teil, indem er von Gruppe zu Gruppe geht und die Unterrichtsaktivität beaufsichtigt, hilft er den Schülern, bei der Sache zu bleiben und möglichst viel von dieser Aufgabe zu profitieren.

Schreibaufgaben [5.7]

Der Lehrer hält die Schüler dazu an, bei Schreibaufgaben mitzumachen. Dazu zählen: sich Notizen machen, Tagebuch führen, Arbeitsbogen ausfüllen, persönliche Gedanken festhalten oder einen Aufsatz schreiben. Lässt man die Schüler schriftlich auf eine hintergründige Frage antworten, vertieft sich zuweilen ihr Verständnis oder ihre Erkenntnis. Auf diese Weise haben sie auch Zeit, Gedanken auszuformulieren und Eingebungen vom Heiligen Geist zu erhalten, ehe sie den anderen in der Klasse ihre Überlegungen darlegen. Die Schüler teilen den anderen ihre Gedanken möglicherweise lieber mit, wenn sie sie zuerst aufschreiben. Außerdem ist das, was sie sagen, dann häufig aussagekräftiger. Eine Schreibaufgabe verschafft den Schülern unter anderem die Gelegenheit, sich ganz persönlich zu beteiligen, Inspiration zu empfangen, sich aufs Unterweisen vorzubereiten und darauf, Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die Hand des Herrn in ihrem Leben zu erkennen und Zeugnis zu geben. Wenn der Lehrer festlegt, welche Schreibaufgaben im Unterricht angebracht wären, berücksichtigt er möglichst folgenden Grundsatz, den Elder David A. Bednar angeführt hat: „Aufzuschreiben, was wir beim Schriftstudium lernen, denken und fühlen, ist eine weitere Form des Nachsinnens, durch die wir den Heiligen Geist einladen, uns weiter zu unterweisen.“ („Weil wir sie vor Augen haben“, Liahona, April 2006, Seite 21.)

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Schreibaufgaben für jüngere Schüler oder Schüler mit Lernschwierigkeiten müssen angepasst werden, damit auch sie diese erledigen können. Beispielsweise könnte der Lehrer einen Lückentext vorbereiten, bei dem das meiste schon vorgegeben ist und sie nicht so viel ausfüllen müssen. Der Lehrer kann diese Schüler unterstützen, indem er ihnen Schreibaufgaben zu kurzen Schriftstellen oder konkreten Fragen gibt und sie genügend Zeit erhalten, die Aufgabe zu erledigen.

Die Schüler profitieren normalerweise am meisten von Schreibaufgaben, wenn Folgendes berücksichtigt wird:

  • Der Lehrer gibt klare, schriftliche Anweisungen, die die Schüler bei der Bearbeitung immer wieder nachlesen können.

  • Bei der Aufgabe befassen sich die Schüler mit Evangeliumswahrheiten, die für ihre persönlichen Lebensumstände von Belang sind.

  • Bei der Aufgabe geht es darum, ihnen zu helfen, diese Wahrheiten im Leben anzuwenden.

  • Der Lehrer hilft und unterstützt die Schüler bei der Schreibaufgabe.

  • Die zur Verfügung stehende Zeit muss auf die jeweilige Übung abgestimmt werden.

  • Die Schüler werden gebeten, anschließend zu erzählen, was sie gelernt haben, oder ihr Zeugnis zu geben.

  • Die Schüler werden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass schriftlich festgehaltene persönliche Gedanken oder Ziele nicht vorgelesen werden oder für jemand anderen bestimmt sind – auch nicht für den Lehrer –, es sei denn, der betreffende Schüler ist damit einverstanden.

  • Die Schreibaufgabe ist ein sinnvoller Bestandteil der Unterrichtslektion. Sie dient nicht der bloßen Beschäftigung und ist auch keinesfalls eine Strafmaßnahme bei Fehlverhalten.

  • Für Schüler mit einer Schreibschwäche gibt es andere Methoden, Gedanken und Überlegungen festzuhalten. Ein anderer Schüler könnte beispielsweise als Schreiber fungieren, man könnte eine Audioaufnahme machen und dergleichen mehr.

  • Schreibaufgaben sollten nicht übermäßig oft erteilt werden.

Tafel [5.8]

Eine gut vorbereitete Tafel spricht für die zielgerichtete Vorbereitung des Lehrers und spiegelt diese gewissermaßen im Klassenraum wider. Wenn die Tafel im Unterricht wirkungsvoll eingesetzt wird, können die Schüler mehr lernen und sie beteiligen sich besser, vor allem diejenigen, die eher zum visuellen Lerntyp zählen. An der Tafel muss der Lehrer leserlich und groß genug schreiben. Er achtet auf Zwischenräume und darauf, dass alles übersichtlich und gut zu erkennen ist. Wo keine Tafel zur Verfügung steht, erfüllt ein großes Blatt Papier oder ein großes Stück Pappe denselben Zweck.

whiteboard

Der Lehrer kann wichtige Gedanken und Grundsätze aus der Lektion an die Tafel schreiben, eine Lehre oder ein Ereignis skizzieren, Landkarten anzeichnen, eine Übersicht erstellen, etwas aus den heiligen Schriften anzeichnen oder ein Bild davon anhängen, historische Ereignisse in Form einer Tabelle darstellen, die Schüler Gedanken aus den heiligen Schriften nennen lassen und diese anschreiben und vieles mehr. Es gibt viele Möglichkeiten, den Lernprozess durch die Verwendung der Tafel zu fördern.

Gegenstände und Bilder [5.9]

Oft ist es gar nicht so leicht, weniger greifbare Aspekte des Evangeliums zu vermitteln. Zeigt der Lehrer den Schülern einen Gegenstand oder ein Bild, kann er ihnen einen geistigen Grundsatz nachhaltig verständlich machen. So etwas Geläufiges wie Seife kann den Schülern beispielsweise einen eher abstrakten Grundsatz wie die Umkehr nahebringen. Der Erretter hat oft weltliche Gegenstände (wie Brot, Wasser, Leuchter, Scheffel) herangezogen, um seinen Zuhörern geistige Grundsätze darzulegen.

student holding picture

Anhand von Gegenständen und Bildern kann man gut veranschaulichen, wie Menschen, Orte, Ereignisse, Gegenstände oder Symbole ausgesehen haben, die in der heiligen Schrift erwähnt werden. Anstatt einfach nur über das Joch zu sprechen (siehe Matthäus 11:28-30), könnte der Lehrer auch ein Joch zum Unterricht mitbringen oder ein Bild davon zeigen oder an die Tafel malen. Wenn von den Lilien die Rede ist, die auf dem Feld wachsen (Matthäus 6:28,29), kann man die Schüler an einer Blume riechen oder eine Blume anfassen lassen. Man kann sie auch ungesäuertes Brot probieren lassen.

Gegenstände und Bilder, darunter auch Karten und Schaubilder, können dazu beitragen, den Schülern die heilige Schrift buchstäblich vor Augen zu führen und das Gelesene zu analysieren und zu begreifen, vor allem, wenn man derlei nutzt, um ein Unterrichtsgespräch anzuregen. Wenn ein Gegenstand oder ein Bild schon bei Betreten des Klassenraumes zu sehen ist, schafft dies ein förderliches Lernklima und weckt bei den Schülern Interesse.

Beim Gebrauch von Gegenständen und Bildern sollte man auf zweierlei achten: 1. Sie sollen das Unterrichtsziel stets bekräftigen, nicht davon ablenken. 2. Die heiligen Schriften sollen stets die Quelle sein, wenn man Umstände und Einzelheiten eines Ereignisses bespricht, und nicht die Auslegung eines Künstlers von diesem Ereignis oder einer Begebenheit.

Audiovisuelles Material und Präsentationen am Computer [5.10]

Die Schriften sind voll von Berichten, wo der Herr den Menschen seine Lehren durchs Sehen und Hören nahegebracht hat (siehe 1 Nephi 11-14; LuB 76; Mose 1:7,8,27-29). Audiovisuelle und technische Hilfsmittel können bei richtigem und passendem Gebrauch dazu beitragen, dass die Schüler die heiligen Schriften besser verstehen und Evangeliumswahrheiten lernen und anwenden.

Audiovisuelle Hilfsmittel können wichtige Ereignisse aus den Schriften veranschaulichen. So haben die Schüler diese Ereignisse vor Augen und erleben sie gewissermaßen mit. In solchen Medien wird meist anschaulich dargestellt, wie jemand einen Evangeliumsgrundsatz in die Tat umgesetzt hat und dadurch Prüfungen und Probleme überwinden konnte. Eine solche Darstellung kann den Geist einladen, Zeugnis von der Wahrheit zu geben.

Dank der Computertechnik kann der Lehrer Videoausschnitte zeigen, wichtige Fragen, Bilder oder Zitate von Generalautoritäten an die Wand projizieren oder Grundsätze und Lehren hervorheben, die in einer Lektion herausgearbeitet wurden. Eine Präsentation mit dem Computer kann im Prinzip genauso genutzt werden wie die Tafel, nämlich um die Hauptpunkte einer Lektion herauszustellen oder um Schriftstellenangaben oder Arbeitsaufträge für Partnerarbeit, Gruppenarbeit oder Einzelarbeit an die Wand zu projizieren. Auf diese Weise kommen technische Geräte vor allem denjenigen zugute, die zum visuellen Lerntyp gehören, und die Schüler können das Gelernte besser einordnen und verstehen.

teacher showing video on laptop

Audiovisuelles Material, Computer und sonstige technische Hilfsmittel sollen den Unterricht verständlich, interessant und einprägsam gestalten, dürfen die Schüler jedoch nicht davon abhalten, auf die Eingebungen des Geistes zu achten.

Eine audiovisuelle Präsentation trägt am ehesten dazu bei, dass die Schüler einen Evangeliumsgrundsatz lernen und anwenden, wenn sie darauf abzielt, die Gedanken und das Gefühl anzuregen und eine Schriftstelle auf sich zu beziehen. Es bietet sich an, an die Tafel zu schreiben, worauf die Schüler beim Anschauen oder Anhören der Präsentation konkret achten oder über welche Fragen sie nachdenken sollen. Es kann auch sinnvoll sein, während des Abspielens eine Pause einzulegen und Fragen zu stellen oder die Schüler auf bestimmte Punkte aufmerksam zu machen, die für sie hilfreich sein können. Oft erreicht der Lehrer auch sein Ziel, wenn er nur einen Ausschnitt abspielt. Greift der Lehrer neben den Medien und der Technik auf andere Methoden zurück wie beispielsweise das Unterrichtsgespräch oder Schreibaufgaben, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass die behandelten Evangeliumsgrundsätze verstanden und verinnerlicht werden. Falls bei einem Film Untertitel eingeblendet werden können, kann man sich diese zunutze machen, damit die Schüler (vor allem auch Hörbehinderte) Handlung und Inhalt noch besser verstehen und im Gedächtnis behalten.

Verwendet der Lehrer audiovisuelle Hilfsmittel oder einen Computer im Unterricht, stellt er die Geräte möglichst schon vor Unterrichtsbeginn auf und vergewissert sich, dass alles funktioniert. Er achtet außerdem darauf, dass alle Schüler die Präsentation hören und von ihrem Platz aus sehen können. Vor dem Unterricht bereitet der Lehrer die technischen Geräte so weit vor, dass sie zum gewünschten Zeitpunkt gleich einsatzbereit sind. Es ist auch ratsam, dass der Lehrer den Umgang mit allen Geräten, die er für die Präsentation braucht, vor dem Unterricht ausprobiert.

Richtlinien [5.10.1]

Wenn Sie im Unterricht audiovisuelle Hilfsmittel und technische Geräte einsetzen wollen, müssen Sie sich darüber klar sein, dass Sie dabei eher auf Schwierigkeiten und Haftungsrisiken stoßen könnten als bei anderen Unterrichtsmethoden. Der Lehrer muss bei der Entscheidung Weisheit walten lassen, ob eine Medienpräsentation angebracht und dem Lernprozess dienlich ist. Greift man zu sehr auf die Technik zurück, dreht sich die Lektion eventuell mehr um die Technik oder ein Medium als um die heiligen Schriften und die Schüler. Die folgenden Fragen können dem Lehrer dabei helfen, audiovisuelle Hilfsmittel und Computer erst nach reiflicher Überlegung einzusetzen:

  1. Trägt dieses Hilfsmittel dazu bei, dass die Schüler das, was wichtig ist, lernen? Eine Medienpräsentation kann sehr unterhaltsam sein und die Schüler beeindrucken. Aber ist das auch dem Unterrichtsziel förderlich? Lernen die Schüler dadurch wirklich das, was sie lernen sollen? Wenn diese Hilfsmittel nur eingesetzt werden, weil sie unterhaltsam sind oder weil die Unterrichtszeit dann schneller vorbeigeht, ist der Gebrauch nicht gerechtfertigt. Als Lehrer muss man sich mit jeder Präsentation, die man im Unterricht verwenden möchte, vertraut machen, um sicher zu sein, dass die heiligen Schriften sowie die zu behandelnden Lehren und Grundsätze bekräftigt und untermauert werden.

  2. Dient das Hilfsmittel der Lektion oder ihrem Schwerpunkt? Elder Boyd K. Packer hat folgenden Rat gegeben: „Audiovisuelle Hilfsmittel im Unterricht können sich als Segen oder als Fluch erweisen – je nachdem, wie man sie einsetzt. Sie sind wie Gewürze, die ein Mahl verfeinern. Man muss sie sparsam verwenden, um die Lektion zu akzentuieren und ihr Spannung zu verleihen.“ (Teach Ye Diligently, 1991, Seite 265.)

  3. Passt das Hilfsmittel zum Unterricht und entspricht es den Maßstäben der Kirche? Ist es erbaulich? Viele weltliche Produktionen wollen ohne Zweifel etwas Gutes vermitteln, bedienen sich dazu aber leider oft einer Darstellung, die den Geist betrübt oder Gedanken in Kauf nimmt, die mit den Lehren des Evangeliums nicht in Einklang stehen. Selbst wenn ein kurzes Video oder ein kurzer Textausschnitt zum Unterricht passen würde, darf dies nicht verwendet werden, wenn es aus einer Quelle mit fragwürdigem Inhalt stammt. Alles, was kontrovers oder sensationsheischend ist, fördert im Regelfall weder den Glauben noch das Zeugnis.

  4. Werden Urheberrechte oder das geltende Recht verletzt? Kraft des Urheberrechts oder der Nutzungsvereinbarungen unterliegen viele Videos, Lieder oder sonstiges audiovisuelles Material Nutzungsbeschränkungen. Daher ist es wichtig, dass alle S&I-Lehr- und Führungskräfte sich an die Urheberrechte halten, die in dem Land gelten, wo sie unterrichten, und dass sie geltendes Recht und geltende Bestimmungen beachten, damit weder sie noch die Kirche sich einer Gesetzesübertretung schuldig machen.

Die folgenden Richtlinien gelten für die Lehr- und Führungskräfte in Seminar und Institut in allen Ländern.

Die Verwendung von kircheneigenem Material [5.10.2]

Falls auf dem kircheneigenen Material nicht anders vermerkt, dürfen Lehr- und Führungskräfte Filme, Videos, Bilder und Musikaufnahmen, die von der Kirche produziert worden sind, für den nichtkommerziellen Gebrauch in der Kirche und für Seminar und Institut vervielfältigen und vorführen. Noten aus dem Gesangbuch und dem Liederbuch für Kinder sowie aus den Zeitschriften der Kirche dürfen für den nichtkommerziellen Gebrauch in der Kirche und für Seminar und Institut verwendet werden, sofern bei dem Lied nicht ausdrücklich ein Sperrvermerk angegeben ist. S&I-Lehr- und Führungskräfte dürfen kircheneigenes Material für den Unterricht herunterladen und zeigen, sofern bei dem Material kein Sperrvermerk angegeben ist.

Verwendung von Material, das nicht von der Kirche herausgegeben wird [5.10.3]

Ganz allgemein dürfen Programme, Software und audiovisuelles Material nur dann aus dem Internet heruntergeladen oder im Unterricht im Internet gezeigt werden, wenn die Lizenzen dafür rechtmäßig erworben wurden. Falls ein Video, ein Lied oder audiovisuelles Material nicht der Kirche gehört, besteht in jedem Land die nicht unbeträchtliche Gefahr, dass Urheberrechte verletzt werden, wenn man dieses Material im Unterricht abspielt. Daher gilt die allgemeine Regel, dass S&I-Lehr- und Führungskräfte überall in der Welt im Unterricht kein Material zeigen dürfen, das nicht von der Kirche herausgegeben wurde.

Wer ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Urheberrechtsinhabers Medien mit urheberrechtlich geschützter Musik (wie Noten oder Aufnahmen) dupliziert, verstößt gegen das Urheberrecht. Auch die ungenehmigte Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Liedtexte verstößt gegen geltendes Recht.

In den nachstehenden Richtlinien werden konkrete Ausnahmen für das Urheberrecht der Vereinigten Staaten aufgeführt, die es den S&I-Lehr- und Führungskräften in den Vereinigten Staaten gestatten, im Unterricht Kurzfilme zu zeigen, ohne zuvor eine Lizenz des Urheberrechtsinhabers erworben zu haben. In anderen Ländern gelten möglicherweise ähnliche Ausnahmen; die dortigen Seminar- und Institutslehrkräfte müssen sich zunächst an das Intellectual Property Office der Kirche wenden, um die genauen Gesetze und Regelungen zu erfragen, die im jeweiligen Land gelten. Andernfalls dürfen aus kommerziell produzierten Videos oder Programmen keine Ausschnitte gezeigt werden, die aus dem Fernsehen oder aus dem Internet aufgenommen wurden.

Die Verwendung von kommerziell produzierten Videos. In den Vereinigten Staaten ist im Urheberrecht eine Regelung verankert, die es Lehrern und Schülern gestattet, im Unterricht kommerziell produzierte Videos abzuspielen, auch wenn keine Lizenz dafür erworben wurde. Das trifft allerdings nur zu, wenn alle nachstehend aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sind. Das Video a) stammt von einer rechtmäßig angefertigten Aufnahme; b) wird im Unterricht gezeigt, wobei der Seminar- oder Institutslehrer anwesend sein muss, wenn das Video abgespielt wird; c) wird in einem Klassenraum gezeigt oder in einem Raum, der diesen Zweck erfüllt; d) darf nur von nichtkommerziellen Bildungseinrichtungen wie dem Seminar und Institut gezeigt werden; e) darf nur zu Unterrichtszwecken gezeigt werden, die einen direkten Bezug zum Thema haben; es darf nicht bloß der Unterhaltung dienen. Es ist gesetzwidrig und unehrlich, wenn vor, während oder nach dem Unterricht ein ausgeliehenes oder gekauftes Produkt zum Zwecke der Unterhaltung abgespielt wird. Das trifft fast immer dann zu, wenn ein kompletter Film gezeigt wird.

Fernsehaufnahmen. In den Vereinigten Staaten darf ein Fernsehprogramm, das jedermann unentgeltlich über Satellit oder Kabel zugänglich ist, im Unterricht nur gezeigt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: a) Die Aufnahme wird maximal 45 Tage behalten und anschließend umgehend gelöscht. b) Die Aufnahme wird nach ihrer Anfertigung binnen 10 Tagen gezeigt (nach 10 Tagen, jedoch vor Ablauf der 45-Tage-Frist, darf die Aufnahme nur zu Lehrerschulungszwecken verwendet werden oder um zu entscheiden, ob sie künftig im Unterricht noch herangezogen wird). c) Die Aufnahme wird nur ein Mal gezeigt (ein zweites Mal nur, wenn es dazu dient, ein besprochenes Thema zu vertiefen). d) Die Aufnahme wird ausschließlich im Klassenraum gezeigt oder in einem Raum, der diesem Zweck dient. e) Die Kernbotschaft und der Inhalt des Programms werden nicht verändert. f) Die Aufnahme darf nicht vervielfältigt und weitergegeben werden. g) Auf jeder Aufnahme muss der Urheberrechtsvermerk stehen. h) Das Programm darf nicht mit Ausschnitten anderer Programme abgespeichert oder aufbewahrt werden, um auf diese Weise eine Sammlung für den Unterricht oder dergleichen zu erstellen.

Zusätzlich zu den bereits genannten Voraussetzungen gilt für kommerziell produzierte Videos und Aufnahmen aus dem Fernsehen oder Internet: a) Das Video oder Programm darf nur ausschnittsweise gezeigt werden. b) Es darf nicht verändert oder bearbeitet werden. c) Es darf bei der Verwendung nicht der Eindruck entstehen, der Produzent oder Eigentümer würde die Kirche, das Seminar und Institut oder deren Lehren unterstützen beziehungsweise die Kirche oder das Seminar und Institut würden das Programm, dessen Produzenten oder Eigentümer unterstützen. d) Es darf nicht verwendet werden, um Werbung für die Kirche oder das Seminar und Institut zu machen. e) Es darf nur unter Berücksichtigung der bekannten, den Inhalt betreffenden Auflagen sowie der Richtlinien der Kirche verwendet werden.

Bei etwaigen Fragen seitens der S&I-Lehr- und Führungskräfte, die anhand dieser Richtlinien nicht geklärt werden konnten, ziehen Sie bitte Abschnitt 21.1.12., „Urheberrechtlich geschütztes Material“, im Handbuch der Kirche (Handbuch 2: Die Kirche führen und verwalten, 2010, 21.1.12) zu Rate. Wenden Sie sich ansonsten gegebenenfalls an:

Intellectual Property Office
50 E. North Temple Street, Room 1888
Salt Lake City, UT 84150-0018, USA
Telefon: (001) 801-240-3959 oder (001) 800-453-3860, Durchwahl 2-3959
Fax: 1-801-240-1187
E-Mail: cor-intellectualproperty@ldschurch.org

Musik [5.11]

Musik, und besonders die Kirchenlieder, können eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass die Schüler den Einfluss des Heiligen Geistes im Evangeliumsunterricht verspüren. Im Vorwort zum Gesangbuch schreibt die Erste Präsidentschaft: „Die geistliche Musik spielt in unseren Versammlungen eine wesentliche Rolle. Die Kirchenlieder laden den Geist des Herrn ein, sie fördern die Andacht, sie einen uns Mitglieder, und sie stellen eine Möglichkeit dar, den Herrn zu lobpreisen.

class singing a hymn

Durch das Singen der Kirchenlieder wird manch großartige Predigt gehalten. Die Lieder bewegen uns zu Umkehr und guten Werken, sie festigen das Zeugnis und den Glauben, sie trösten die Ermatteten und die Trauernden und machen uns Mut, bis ans Ende auszuharren.“ (Gesangbuch, Seite VII.) Elder Dallin H. Oaks hat gesagt: „Ich frage mich, ob wir in unseren Versammlungen, im Unterricht und zu Hause von diesem gottgesandten Hilfsmittel ausreichend Gebrauch machen. …

girl playing piano

Unsere sakrale Musik ist eine machtvolle Vorbereitung auf das Gebet und die Evangeliumsunterweisung.“ („Gottesverehrung durch Musik“, Der Stern, Januar 1995, Seite 8,11.) Der Lehrer muss den Schülern bewusst machen, wie wichtig Musik für die Gottesverehrung ist und wie dadurch eine Atmosphäre geschaffen wird, die es dem Geist ermöglicht, seine Aufgabe zu erfüllen.

Im Folgenden finden Sie Vorschläge dazu, wie man als Lehrer den Evangeliumsunterricht durch Musik bereichern kann:

  • Lassen Sie inspirierende Musik spielen, wenn die Schüler den Klassenraum betreten oder während sie an einer Schreibaufgabe arbeiten.

  • Begeistern Sie die Schüler dafür, mitzusingen, wenn im Unterricht ein Lied gesungen wird.

  • Wiederholen Sie Evangeliumsgrundsätze und vermitteln Sie weitere Gedanken dazu, indem Sie im Unterricht gemeinsam ein Lied oder eine Strophe daraus singen, die in direktem Zusammenhang mit dem besprochenen Thema steht. Das Schriftstellenverzeichnis und das Stichwortverzeichnis am Ende des Gesangbuchs können Ihnen bei der Auswahl nützlich sein.

  • Lesen Sie hin und wieder den Text eines Kirchenliedes, das das Zeugnis der Schüler von den Lehren und Grundsätzen des Evangeliums festigt oder sie dahin führt, dass sie Zeugnis geben.

  • Bitten Sie die Schüler, im Unterricht ausgewählte Musikbeiträge darzubieten.

Bei der Auswahl der Lieder für den Unterricht (sei es als Hintergrundmusik, passend zu Seminarschriftstellen oder beim Auswendiglernen) ist zu berücksichtigen, was Elder Boyd K. Packer gesagt hat: „Schon mehrmals hat man sich unterfangen, heilige Evangeliumsthemen mit Musikstücken der heutigen Zeit zu verknüpfen, in der Hoffnung, die Jugendlichen würden sich dadurch für die Botschaft interessieren. … Ich wüsste nicht, wie das geschehen kann und gleichzeitig zu mehr Geistigkeit führt. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.“ (That All May Be Edified, 1982, Seite 279.) Letztlich ist es die Aufgabe des Lehrers, dafür zu sorgen, dass sämtliche Musik, die im Unterricht verwendet wird, im Einklang mit den Maßstäben der Kirche steht und den Geist des Herrn auf keinen Fall betrübt.

Allgemeine Hinweise und Warnungen [5.12]

Der Wunsch, ein gutes Verhältnis zu den Schülern aufzubauen, ist zwar richtig, doch der Wunsch nach Lob kann, wenn er unbemerkt oder schleichend entsteht, dazu führen, dass der Lehrer sich mehr Gedanken darüber macht, was die Schüler von ihm halten, anstatt darüber, wie er ihnen helfen kann, zu lernen und Fortschritt zu machen. Das kann darin ausufern, dass der Lehrer Methoden, die dazu dienen sollen, den Heiligen Geist einzuladen, durch Methoden ersetzt, die ihn bei seinen Schülern vor allem beliebt machen. Wer in diese Falle gerät, macht sich der Priesterlist schuldig, die darin besteht, „dass Menschen predigen und sich selbst der Welt als Licht hinstellen, auf dass sie von der Welt Gewinn und Lob ernten“ (2 Nephi 26:29). Der Lehrer muss darauf achten, dass Humor, persönliche Erlebnisse oder andere Unterrichtsmethoden nicht darauf abzielen, die Schüler zu unterhalten, sie zu beeindrucken oder Lob einzuheimsen. Vielmehr muss es das Hauptziel eines jeden Religionslehrers sein, den Vater im Himmel zu verherrlichen und die Schüler zu Jesus Christus zu führen.

Präsident Howard W. Hunter hat dies so formuliert: „Ich bin mir sicher, Sie sind sich der potenziellen Gefahr bewusst, dass Sie so einflussreich und überzeugend sind, dass die Schüler sich eher Ihnen als dem Evangelium verpflichtet fühlen. Eigentlich ist das ein hervorragendes Problem, um das wir uns kümmern müssen, denn ich hoffe doch, dass Sie alle solch charismatische Lehrer sind. Es gibt da aber eine ernstzunehmende Gefahr. Deshalb müssen Sie Ihre Schüler anregen, sich selbst in die heiligen Schriften zu vertiefen, anstatt ihnen einfach nur Ihre Auslegung und Zusammenfassung davon zu präsentieren. Deshalb müssen Sie Ihren Schülern ans Herz legen, ein Gespür für den Heiligen Geist zu bekommen, anstatt einfach nur zu vermitteln, was Sie dabei empfinden. Deshalb müssen Sie letztlich Ihre Schüler einladen, zu Christus selbst zu kommen und nicht einfach nur zu jemandem, der dessen Lehre verkündet, sei er auch noch so fähig darin. Sie werden den Schülern nicht immer zur Verfügung stehen. Sie können sie nicht mehr bei der Hand nehmen, wenn sie mit der Schule fertig sind. Und Sie brauchen keine eigenen Jünger!“ („Eternal Investments“, Ein Abend mit Präsident Howard W. Hunter, 10. Februar 1989, Seite 2.)

Darüber hinaus gelten in Hinblick auf viele Unterrichtsmethoden und -situationen folgende Hinweise und Warnungen:

  • Wettstreit. Der Lehrer muss sich genau überlegen, ob es im Unterricht einen Wettstreit geben soll, insbesondere wenn Schüler einzeln gegeneinander antreten. Ein Wettstreit kann zu Zwistigkeiten, Frust, Bloßstellung oder Verlegenheit führen und den Geist vertreiben.

  • Negative Verstärkung. Der Lehrer muss gut überlegen, ob oder wie er der Klasse oder einzelnen Schülern gegenüber seine Enttäuschung bewusst macht. Die meisten Schüler haben in mancherlei Hinsicht nur wenig Selbstvertrauen und müssen erbaut und bestärkt werden, statt dass man sie auf ihre Unzulänglichkeiten hinweist.

  • Sarkasmus. Ob der Lehrer sich nun gegenüber einem Schüler sarkastisch äußert oder die Schüler untereinander – Sarkasmus ist fast immer negativ und verletzend und führt mitunter dazu, dass etwas ins Lächerliche gezogen und der Geist vertrieben wird.

  • Unangemessene Ausdrücke und Mitteilungen. Der Lehrer darf die Schüler nicht anschreien oder sich mit ihnen streiten. Schimpfwörter und unanständige Ausdrücke gehören nicht in den Religionsunterricht.

  • Gewaltanwendung. Der Lehrer darf niemals seine körperliche Größe oder Kraft missbrauchen, um Schüler einzuschüchtern oder zu maßregeln. Auch im Spaß kann Körperkontakt missdeutet werden oder in ernsthafte Auseinandersetzungen ausarten. Der Lehrer darf nur handgreiflich werden, wenn ein Schüler vor einem anderen be-schützt werden muss.

  • Geschlechtsspezifische Ausdrücke. Der Lehrer muss auf geschlechtsspezifische Ausdrücke in den heiligen Schriften achten und diese berücksichtigen. Einige Schriftstellen verwenden männliche Begriffe, was auf die Sprache des Ursprungstextes zurückzuführen ist. Der Lehrer führt den Schülern am besten vor Augen, dass einige männliche Bezeichnungen sich sowohl auf Männer als auch auf Frauen beziehen. Ein typisches Beispiel im Deutschen ist der Gebrauch des Wortes „jedermann“ (siehe Mosia 6:57), das Männer wie Frauen einschließt. Manchmal wird die männliche Form ausdrücklich und richtig gewählt. Zum Beispiel sind die Mitglieder der Gottheit männlich, und die Erwähnung der Priestertumspflichten beziehen sich tatsächlich nur auf die Brüder.