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Das Ziel

Das Evangelium lehren und lernen – Ein Handbuch für Lehr- und Führungskräfte in Seminar und Institut


Allen, die das Evangelium Jesu Christi lehren, wurde eine heilige Aufgabe anvertraut. Die Absicht, die dahintersteht, geht über den einfachen Unterricht hinaus. Elder Dallin H. Oaks hat gesagt: „Ein Lehrer des Evangeliums gibt sich niemals damit zufrieden, bloß eine Botschaft abzuliefern oder eine Predigt zu halten. Ein hervorragender Lehrer des Evangeliums will im Werk des Herrn mithelfen, nämlich dessen Kindern ewiges Leben zu bringen.“ („Evangeliumsunterricht“, Liahona, Januar 2000, Seite 97f.)

Das Ziel von Seminar und Institut ist den Lehr- und Führungskräften eine klare Richtschnur bei ihren Bemühungen, im Werk des Herrn mitzuhelfen.

Unser Ziel [1.1]

Unser Ziel ist es, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu helfen, die Lehren und das Sühnopfer Jesu Christi zu verstehen und darauf zu bauen, sich für die Segnungen des Tempels würdig zu machen und sich selbst, ihre Familie und andere auf das ewige Leben beim Vater im Himmel vorzubereiten.

Der Vater im Himmel wünscht sich, dass jedes seiner Kinder ewiges Leben erlangt (siehe Mose 1:39). Jesus hat gesagt: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“ (Johannes 17:3.) Daher liegt der Schwerpunkt der Bildung im geistigen Bereich darin, dass die Teilnehmer den Vater im Himmel und seinen Sohn Jesus Christus besser kennenlernen und lieben lernen und dass sie die Lehren des Erlösers und sein Sühnopfer begreifen und stärker darauf bauen.

Das Sühnopfer Jesu Christi steht im Erlösungsplan im Mittelpunkt. Dies ist die grundlegende Wahrheit, auf die sich die Lehren und Grundsätze des Evangeliums gründen, und sie soll bei allem, was das Lehren und Lernen des Evangeliums anbelangt, den Mittelpunkt bilden. Elder Boyd K. Packer hat bezeugt, dass das Sühnopfer „buchstäblich die Wurzel der christlichen Lehre [ist]. Man kann noch so viel über das Evangelium wissen, das sich von dieser Wurzel aus verzweigt – wenn man nur die Zweige kennt und diese Zweige nicht die Wurzel berühren und von dieser Wahrheit abgeschnitten sind, dann haben sie weder Leben noch Inhalt noch Erlösung in sich.“ („The Mediator“, Ensign, Mai 1977, Seite 56.)

Wenn die Schüler etwas über Jesus Christus lernen, seinen Lehren und seinem Beispiel folgen und sein Sühnopfer in ihrem Leben anwenden, können sie Kraft und Vergebung erlangen, Heilung erfahren und sich bekehren. Elder Henry B. Eyring hat gesagt:

„Wir müssen unseren Blick heben. Wir müssen die Ziele aufrechterhalten, die wir schon immer hatten: Einschreibung, regelmäßige Teilnahme am Unterricht, Jahresabschluss, Kenntnis der Schriften und das Erlebnis, dass der Heilige Geist die Wahrheit bestätigt. Und wir müssen das Missionsfeld und den Tempel anvisieren. Doch die Schüler brauchen in der Zeitspanne, in der wir sie unterweisen, noch mehr. …

Das reine Evangelium Jesu Christi muss den Schülern durch die Macht des Heiligen Geistes ins Herz dringen. … Unser Ziel muss sein, dass sie sich wahrhaftig zum [wiederhergestellten] Evangelium Jesu Christi bekehren, solange sie in unserer Obhut sind.“ („Wir müssen unseren Blick heben“, CES-Konferenz zum Buch Mormon vom 14. August 2001.)

Wahre Bekehrung führt zu den höchsten Segnungen des Evangeliums Jesu Christi, die durch die heiligen Handlungen des Tempels ermöglicht werden. Wenn die Schüler die Tempelbündnisse glaubenstreu schließen und halten, machen sie sich für diese Segnungen würdig, zu denen auch die Erhöhung und eine ewige Familie gehören. Sie erleben dann, wie sie zusätzliche geistige Kraft, größeren Frieden und vermehrt persönliche Offenbarung empfangen.

Die Schüler, die den Erlöser und den Tempel zum Mittelpunkt ihres Lebens machen, können größeren Schutz vor den Verlockungen und Täuschungen der Welt erhalten, und sie sind besser darauf vorbereitet, alles zu tun, was der Vater im Himmel möglicherweise von ihnen verlangt. Sie können die Kraft haben, entschieden auf dem Weg zu bleiben, der zu ewigem Leben führt, und sie können ihrer Familie und anderen besser helfen, ebendiesen Weg des Jüngers zu finden und zu gehen.

Leben [1.2]

Wir leben das Evangelium Jesu Christi und bemühen uns darum, dass der Heilige Geist bei uns ist. [1.2.1]

Einer der größten Beiträge, den ein Lehrer leisten kann, wenn er den Schülern helfen will, das Hauptziel von Seminar und Institut zu erreichen, besteht in beständigem, treuem Gehorsam gegenüber dem Evangelium Jesu Christi. Wenn ein Lehrer bestrebt ist, Christus in seinem Wesen ähnlicher zu werden, den Vater im Himmel kennenzulernen und in allen Lebensbereichen seinen Gefallen zu finden, erhält er Anteil an der Macht Gottes und dies kann sich darauf auswirken, wie die Schüler die Botschaft des Evangeliums annehmen und verstehen.

Wenn ein Lehrer treu das Evangelium lebt, macht er sich würdig dafür, vom Heiligen Geist begleitet zu werden. Dies wiederum ist für den Erfolg eines Lehrers in Seminar oder Institut entscheidend. Im Buch Lehre und Bündnisse betont der Herr: „Wenn ihr den Geist nicht empfangt, sollt ihr nicht lehren.“ (LuB 42:14.) Elder Robert D. Hales hat gesagt: „Seminar- und Institutslehrer haben viele Aufgaben, aber um ihnen gerecht zu werden, müssen sie sich vor allem um persönliche Rechtschaffenheit bemühen. Als Lehrer müssen wir so nach dem Evangelium leben, dass wir den Geist immer mit uns haben.“ („Durch Glauben lehren“, Ein Abend mit Elder Robert D. Hales, 1. Februar 2002.)

Unser Verhalten und unsere Beziehungen in der Familie, im Unterricht und in der Öffentlichkeit sind vorbildlich. [1.2.2]

Ein Lehrer hat die Verantwortung, sein Leben redlich zu gestalten und ein würdiges Beispiel für die Lehren und Grundsätze zu sein, die er vermittelt. Er muss in jeder Situation so sprechen, dienen und leben, wie es jemandem gebührt, der den Herrn liebt und den Heiligen Geist als Begleiter bei sich hat.

Besonders wichtig ist, wie ein Lehrer sich in den eigenen vier Wänden verhält und wie er mit seinem Ehepartner und den Kindern umgeht. Diese Beziehungen, die ja am allerwichtigsten sind, sollten von überzeugender Rede, Langmut, Milde und Sanftmut und ungeheuchelter Liebe geprägt sein (siehe LuB 121:41). Präsident Ezra Taft Benson hat es so ausgedrückt: „Wir hoffen, dass Sie als Mann und Frau eine ausgezeichnete Beziehung zueinander haben. Wir hoffen, dass in Ihrer Familie der Geist des Friedens und der Liebe des Erlösers vorherrschen und dass dies für alle offensichtlich ist, die zu Ihnen nach Hause kommen. Es darf in Ihrer Familie keinen Streit und keine Spannungen geben. … Sie als Ehepaar repräsentieren die Erste Präsidentschaft in Ihrem Auftreten und in allem, was Sie tun.“ („The Gospel Teacher and His Message“, Ansprache vor Religionserziehern des Bildungswesens vom 17. September 1976, Seite 7.)

Im Klassenraum hat der Lehrer Tag für Tag Gelegenheit, christliche Eigenschaften wie Nächstenliebe, Geduld, Güte, Respekt und Ehrfurcht vor Heiligem zu zeigen. Seine Beziehung zu den Schülern ist gut und angemessen und er lässt niemandem ungebührliche Aufmerksamkeit zukommen, die missverstanden oder falsch interpretiert werden oder zu Spekulationen oder Gerüchten führen könnte.

Der Lehrer bemüht sich um christliches Verhalten, wenn er an Aktivitäten oder Veranstaltungen in der Schule, im Gemeinwesen oder in der Kirche teilnimmt. Ihm ist daran gelegen, zu Eltern, Kollegen, kirchlichen Führern und der Allgemeinheit eine angemessene, konstruktive Beziehung aufzubauen und zu pflegen. Wenn er dies beständig tut, zeigt der Lehrer, dass er sich wirklich dazu verpflichtet hat, das Evangelium Jesu Christi zu leben, und er kann andere noch stärker zum Guten beeinflussen.

Wir bemühen uns ständig, unsere Leistung, unser Wissen, unsere Einstellung und unseren Charakter zu verbessern. [1.2.3]

Als Kind Gottes hat jeder Lehrer auch Göttliches in sich, was zu dem Wunsch führt, sich zu verbessern, Fortschritt zu machen und dem Vater im Himmel und Jesus Christus ähnlicher zu werden. Der Lehrer nährt diesen Wunsch fortwährend und handelt mit der Hilfe des Herrn und anderer gemäß den Eingebungen, die dazu führen, dass er sich verbessert. Elder Gordon B. Hinckley hat betont, wie wichtig es ist, dass man sich beständig weiterentwickelt:

„Ich glaube an Fortschritt. Ich glaube an Wachstum. …

Lernen Sie immer weiter, meine Brüder und Schwestern, ob Sie nun dreißig sind oder siebzig.“ („Four Imperatives for Religious Educators“, Ansprache vor Religionserziehern des Bildungswesens der Kirche vom 15. September 1978, Seite 2.)

Voraussetzungen für Fortschritt sind der Wunsch, Fleiß, Geduld und die Hilfe des Herrn, um die man durch Nachdenken und Gebet ersucht. Elder Henry B. Eyring hat einen wichtigen Grundsatz in Bezug auf den eigenen Fortschritt erläutert: „Die meisten von uns wissen ja ungefähr, wie das geht – wie man Fortschritt macht. Mich hat die Erfahrung gelehrt, wie Menschen und Organisationen am besten Fortschritt machen: Man richtet das Augenmerk auf die Kleinigkeiten, die man oft tut und die man besser machen könnte. Wird etwas wiederholt und ausdauernd getan, so liegt darin nachhaltige Stärke. Und wenn wir mit Inspiration diejenigen Kleinigkeiten auswählen, an denen wir etwas ändern können, dann bringen Ausdauer und Gehorsam großen Fortschritt zuwege.“ („The Lord Will Multiply the Harvest“, Ein Abend mit Elder Henry B. Eyring, 6. Februar 1998, Seite 3.)

In Seminar und Institut sind die Lehrkräfte ständig darum bemüht, ihre Leistung, ihr Wissen, ihre Einstellung und ihren Charakter zu verbessern.

Leistung. Der Lehrer bemüht sich regelmäßig darum, den Unterricht zu verbessern und seinen administrativen Aufgaben besser nachzukommen. Dies erreicht er, indem er im richtigen Maß beständig und eifrig bestrebt ist, grundlegende Prinzipien und Fertigkeiten zu erkennen und anzuwenden. Wenn eine Lehr- oder Führungskraft das Seminar- und Institutsmaterial zu Hilfe nimmt und sich bei Fragen an Vorgesetzte, Kollegen, Schüler, Priestertumsführer oder andere wendet, kann die Leistung des Betreffenden genauer beurteilt werden; auch kann er besser darin angeleitet werden, sich dort, wo es am nötigsten ist, zu verbessern.

Wissen. Der Lehrer bemüht sich beständig darum, sich mit dem Zusammenhang, dem Inhalt, den Lehren und Grundsätzen in den heiligen Schriften und den Worten der Propheten auseinanderzusetzen. Dann versteht er das Evangelium und das Sühnopfer Christi besser und kann seinen Schülern ein größerer Segen sein. Der Lehrer vertieft sein Wissen und Verständnis von den Grundsätzen und von wirksamen Lehrmethoden, die sowohl in den heiligen Schriften wie auch im Seminar- und Institutsmaterial niedergelegt sind. Auch ist er mit den Grundsätzen sachgerechter Verwaltung vertraut (siehe Abschnitt 1.4, „Verwalten“, Seite 8) und versteht die für Seminar und Institut geltenden Richtlinien und Verfahren.

Einstellung. Die Einstellung, die ein Lehrer hat, bestimmt zu einem Großteil, wie glücklich er selber ist und inwieweit er seine Schüler zum Guten beeinflussen kann. Ein Lehrer, der fortwährend bestrebt ist, guten Mutes zu sein (siehe LuB 68:6), anderen zu dienen, Einigkeit zu erreichen und das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen, ist ein Segen für die Schüler und Kollegen, mit denen er zu tun hat.

Charakter. Ein Lehrer, der sich bemüht, das Evangelium zu leben, und der beständig und aufrichtig bestrebt ist, seine Leistung zu verbessern, sein Wissen zu erweitern und an seiner Einstellung zu arbeiten, entwickelt automatisch den Charakter, der notwendig ist, um das Ziel von Seminar und Institut zu erreichen. Elder Richard G. Scott hat gesagt: „Wir werden, was wir sein möchten, indem wir jeden Tag beständig sind, was wir werden wollen. An einem rechtschaffenen Charakter zeigt sich gut, in welche Richtung man sich entwickelt. Ein rechtschaffener Charakter ist wertvoller als jeder materielle Besitz, jedes Wissen, das man sich durch Lernen angeeignet hat, und auch wertvoller als alle Ziele, die man erreicht hat.“ („Charakter und Glaube, der Macht hat, uns zu verwandeln“, Liahona, November 2010, Seite 43.)

Letztlich liegt der Schlüssel bei unseren Bemühungen darum, unsere Leistung, unser Wissen, unsere Einstellung und unseren Charakter zu verbessern, darin, dass wir dem Beispiel Jesu Christi folgen. Präsident Howard W. Hunter hat gesagt: „Die Lehren und das Beispiel des Herrn Jesus Christus [prägen] unser Verhalten und unseren Charakter in allen Bereichen unseres Lebens … – in unserem Leben, in der Familie, im Beruf und im Gemeinwesen sowie in unserer Hingabe gegenüber der Kirche, die seinen Namen trägt.“ („Als Zeugen Gottes auftreten“, Der Stern, Juli 1990, Seite 54.)

Lehren [1.3]

Wir lehren unsere Schüler die Lehren und Grundsätze des Evangeliums, wie sie in den heiligen Schriften und den Worten der Propheten zu finden sind. [1.3.1]

Kenntnis, Verständnis und ein Zeugnis von den Lehren und Grundsätzen des Evangeliums Jesu Christi geben den Schülern Anleitung und hinreichend Kraft dabei, Entscheidungen zu treffen, die dem Willen des Vaters im Himmel entsprechen.

Eine Lehre ist eine grundlegende, unveränderliche Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi. Elder Boyd K. Packer hat gesagt:

„Wenn wahre Lehre verstanden wird, ändern sich die Einstellung und das Verhalten.

Wenn man sich mit den Lehren des Evangeliums auseinandersetzt, ändert sich das Verhalten schneller, als wenn man sich mit dem Verhalten auseinandersetzt.“ („Little Children“, Ensign, November 1986, Seite 17.)

Elder Richard G. Scott hat betont: „Grundsätze sind konzentrierte Wahrheit, die so dargestellt wird, dass man sie auf alle möglichen Lebensumstände beziehen kann. Ein wahrer Grundsatz macht Entscheidungen klar und deutlich – selbst unter den verwirrendsten und bedrängendsten Umständen.“ („Geistige Erkenntnis erlangen“, Der Stern, Januar 1994, Seite 80.)

In den heiligen Schriften und Worten der Propheten sind Lehren und Grundsätze des Evangeliums enthalten, die Lehrer wie Schüler verstehen, vermitteln und anwenden sollen. Diejenigen, die das Evangelium in den Letzten Tagen verkünden, weist der Herr an, sie „sollen die Grundsätze meines Evangeliums lehren, die in der Bibel und im Buch Mormon stehen, worin die Fülle des Evangeliums enthalten ist“ (LuB 42:12). Der Herr hat auch bekräftigt, wie wichtig es ist, die Lehren der neuzeitlichen Propheten zu begreifen und zu befolgen. „[Du sollst] all seinen Worten und Geboten Beachtung schenken, die er dir geben wird, wie er sie empfängt. … Sein Wort sollt ihr empfangen, als sei es aus meinem eigenen Mund.“ (LuB 21:4,5.)

scriptures

1938 hat Präsident J. Reuben Clark Jr. im Namen der Ersten Präsidentschaft eine richtungsweisende Rede vor Seminar- und Institutslehrern gehalten. Darin sagte er:

„Ihr Hauptaugenmerk [muss] darauf gerichtet sein …, einzig und allein das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus zu lehren, wie es in diesen Letzten Tagen offenbart worden ist, und dabei als Unterrichtsmaterial und Maßstab die heiligen Schriften der Kirche und die Worte derer zu verwenden, die Gott in diesen, den Letzten Tagen, berufen hat, sein Volk zu führen. …

In welcher Position Sie auch sind, Sie dürfen auf keinen Fall irgendwelche Lehren der Kirche, wie sie in den heiligen Schriften zu finden sind und uns von denen verkündigt werden, die in unserer Zeit die Vollmacht haben, der Kirche den Sinn und Willen des Herrn zu verkündigen, ändern oder sie in eine neue Form bringen.” (Der vorgegebene Weg des Bildungswesens der Kirche, überarbeitete Ausgabe von 2004, Seite 11f.; siehe auch LuB 42:12,13.)

Diese Lehren und Grundsätze werden auf eine Weise vermittelt, die zu Verständnis und Erbauung führt. [1.3.2]

Wenn der Lehrer entscheidet, wie er Lehren und Grundsätze vermitteln will, soll er Methoden wählen, mithilfe derer die Schüler diese wichtigen Wahrheiten verstehen und vom Heiligen Geist erbaut und gestärkt werden können. Lehrer und Schüler verstehen die Lehren und Grundsätze, wenn sie deren Bedeutung erfassen, erkennen, in welcher Beziehung sie zu anderen Grundsätzen und Lehren stehen, und begreifen, welche Bedeutung ihnen im Erlösungsplan und in ihrem eigenen Leben zukommt. Man versteht ewige Grundsätze und Lehren erst dann richtig, wenn man nach den Grundsätzen des Evangeliums lebt und der Verstand durch den Heiligen Geist erleuchtet wird.

Wenn man die heiligen Schriften versteht, wird man in der Regel auch erbaut. Das englische Wort für „erbauen“, edify, stammt ursprünglich vom lateinischen aedes, was Haus oder Tempel heißt, und von facere, was machen oder herstellen bedeutet (siehe Collins English Dictionary – Complete and Unabridged, 2003, „edify“). Der Begriff edify bezieht sich also auf den Bau eines Tempels, und wir verwenden das Wort „erbauen“ heute oft in dem Sinne, jemanden in geistiger Hinsicht aufzurichten oder zu stärken. Mit der Erbauung gehen Freude, Friede, Erleuchtung und der Wunsch, rechtschaffen zu leben, einher. In den heiligen Schriften wird verheißen: Wenn sowohl der Lehrer als auch der Schüler sich beim Lehren und Lernen vom Geist führen lassen, „verstehen der, der predigt, und der, der empfängt, einander, und beide werden erbaut und freuen sich miteinander“ (LuB 50:22).

Wir helfen den Schülern, ihre Rolle im Lernprozess zu erfüllen, und bereiten sie darauf vor, andere im Evangelium zu unterweisen. [1.3.3]

Evangeliumsunterricht, der Bekehrung fördert und dazu beiträgt, dass das Evangelium den Schülern tief ins Herz dringt, erfordert mehr als nur das eifrige Bemühen seitens des Lehrers. Das Lernen im geistigen Bereich erfordert auch, dass der Lernende sich bemüht und seine Entscheidungsfreiheit ausübt. Elder Henry B. Eyring hat gesagt: „Für die wahre Bekehrung muss ein Schüler freiwillig und voller Glauben forschen [und] sich sehr anstrengen.“ („Wir müssen unseren Blick heben“, CES-Konferenz.) Elder David A. Bednar hat betont, dass die Anstrengung, die ein Schüler an den Tag legt, den Einfluss des Heiligen Geistes in sein Herz trägt:

„Der Lehrer kann erläutern, aufzeigen, ermuntern und Zeugnis geben – und das alles sehr wirksam und mit großer Geisteskraft. Doch der Inhalt der Botschaft und das Zeugnis des Heiligen Geistes können letztlich nur dann ins Herz dringen, wenn der Empfänger es zulässt. …

Ein Lernender, der seine Entscheidungsfreiheit ausübt, indem er richtige Grundsätze in die Tat umsetzt, öffnet so dem Heiligen Geist sein Herz – und lädt ihn ein, ihn zu unterweisen und ihm zur Bestätigung machtvoll Zeugnis zu geben.“ („Seek Learning by Faith“, Ein Abend mit Elder David A. Bednar, 3. Februar 2006.)

In den heiligen Schriften wird deutlich gemacht, dass diejenigen, die sich um Bildung im geistigen Bereich bemühen, Herz und Sinn auf die Unterweisung vorbereiten müssen. Sie müssen Wissen und Erkenntnis durch Studieren, Nachsinnen und Beten eifrig anhäufen und den Eingebungen folgen, die sie vom Heiligen Geist empfangen (siehe Esra 7:10; 1 Nephi 10:17-19; LuB 138:1-11; Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:10-20). Für viele Schüler mag es ungewohnt und vielleicht auch etwas schwierig sein, solche Anstrengungen zu unternehmen, um aus den heiligen Schriften zu lernen. Der Lehrer kann den Schülern jedoch helfen, die Aufgabe, die ihnen beim Lernen des Evangeliums zukommt, zu verstehen, anzunehmen und zu erfüllen. Er kann ihnen zeigen, wie sie beim Lernen geistiger Belange eine aktive Rolle übernehmen können, indem er sie dazu anspornt:

  • sich das tägliche Schriftstudium zur Gewohnheit zu machen

  • Herz und Sinn auf den Einfluss des Geistes vorzubereiten

  • Lehren und Grundsätze, die für ihr Leben von Bedeutung sind, kennenzulernen und umzusetzen

  • ihr Verständnis von den heiligen Schriften durch eifriges Studieren, Nachsinnen und Beten zu vertiefen

  • Fragen zu stellen und Antworten zu suchen, die den Schülern helfen, das Evangelium besser zu verstehen und zu erkennen, wie es sich auf ihr eigenes Leben bezieht

  • von Erkenntnissen, Erfahrungen und Eindrücken zu erzählen

  • anderen die Lehren und Grundsätze des Evangeliums darzulegen und von deren Wahrheit Zeugnis zu geben

  • sich Fertigkeiten für das Schriftstudium anzueignen, wie beispielsweise Schriftstellen markieren, Querverweise erstellen und die Studienhilfen nutzen

Indem ein Schüler seine Aufgabe erfüllt, die ihm beim Lernen im geistigen Bereich zukommt, zeigt er seine Bereitschaft, sich vom Heiligen Geist unterweisen zu lassen. Er widmet sich den heiligen Schriften zumeist verstärkt und mit größerer Begeisterung. Er versteht die Lehren und Grundsätze der Errettung besser, kann sie leichter abrufen und ist eher geneigt, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Wenn ein Schüler Evangeliumswahrheiten und -grundsätze für sich entdeckt, Fragen stellt und sich mit anderen über Antworten austauscht, eignet er sich auch wertvolle Fertigkeiten für das persönliche Studium an.

Beteiligt sich der Schüler auf diese Weise, kann er seiner Familie, Freunden und anderen das Evangelium wirkungsvoller nahebringen. Auch ist er besser darauf vorbereitet, die Lehren und Grundsätze des Evangeliums später einmal als Missionar, Vater oder Mutter, Lehrer oder Führer in der Kirche zu vermitteln.

Verwalten [1.4]

Wir verwalten unsere Programme und Hilfsmittel sachgerecht. [1.4.1]

Verwalten kann man sowohl mit „Menschen führen und ihnen dienen“ als auch mit „Programme leiten und Hilfsmittel verwalten“ definieren. Als vollkommenes Beispiel in allem hat uns Jesus Christus gezeigt, welche göttlichen Eigenschaften ein wahrer Führer hat. Welchen Auftrag die Lehrkräfte und Führungsbeamten in Seminar und Institut derzeit auch haben mögen – sie alle haben die Gelegenheit und die Aufgabe, so zu führen und zu verwalten, wie Christus es tun würde.

Mit Eigenschaften wie Nächstenliebe, Weitblick und Demut können wir das Werk des Herrn in seinem Sinne verrichten. Nächstenliebe oder die reine Liebe Christi muss die Grundlage der Beziehung des Lehrers zu seinen Schülern, den Priestertumsführern, Eltern, Kollegen und Vorgesetzten bilden. Nächstenliebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine Verhaltens- und Lebensweise (siehe Moroni 7:45). Ein Führer mit Weitblick gibt inspirierte Weisung, zeichnet ein Ziel vor und versteht es, seine Mitmenschen zu begeistern. In den heiligen Schriften steht: „Ohne prophetische Offenbarung verwildert das Volk.“ (Sprichwörter 29:18.) Durch Demut erkennen die Führungskraft wie auch der Lehrer ihre Abhängigkeit vom Herrn an; dies spornt sie an, mit anderen gemeinsam daran zu arbeiten, das Ziel von Seminar und Institut zu erreichen. Der Herr hat gesagt: „Niemand kann bei diesem Werk helfen, wenn er nicht demütig und voller Liebe ist und Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe hat und in allem, was auch immer seiner Obhut anvertraut wird, maßvoll ist.“ (LuB 12:8.)

Jede Lehrkraft, jeder Führungsbeamte hat die Gelegenheit und die Aufgabe, Programme zu leiten und die Hilfsmittel ordnungsgemäß zu verwalten. Jede administrative Aufgabe wird ausgeführt, damit der Einzelne in geistiger Hinsicht gesegnet wird. „Zu den wichtigsten Verwaltungsaufgaben gehört [es], … Budgets zu erstellen, Berichte zu führen, das Eigentum und die Ressourcen der Kirche zu pflegen, Sicherheit zu gewährleisten, die Programme zu betreuen und an Ratsversammlungen teilzunehmen [sowie sich mit den Schülern, Eltern und Priestertumsführern auszutauschen].“ (Sachgerechte Verwaltung: Handbuch für CES-Führungs- und Lehrkräfte, 2003, Seite 2.) Elder Henry B. Eyring hat gesagt: „Unterschätzen Sie niemals, wie wertvoll es für die Ihnen anvertrauten Menschen in geistiger Hinsicht ist, wenn Sie zeitliche Aufgaben ordentlich erledigen.“ („The Book of Mormon Will Change Your Life“, CES-Symposium zum Buch Mormon vom 17. August 1990, Seite 7.)

Mit unseren Bemühungen helfen wir den Eltern bei ihrer Aufgabe, die Familie zu stärken. [1.4.2]

Die Eltern tragen die Hauptverantwortung für die Unterweisung ihrer Kinder im Evangelium Jesu Christi. Sie achten auf ihre soziale Entwicklung, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, auf die Kleidung und das äußere Erscheinungsbild, und sie beantworten ihre Fragen zur Lehre. Die Führungsbeamten der Kirche stehen den Eltern bei dieser Aufgabe zur Seite.

Die S&I-Führungs- und Lehrkräfte unterstützen die Eltern in erster Linie dadurch, dass sie die Schüler im Evangelium Jesu Christi, wie es in den heiligen Schriften und den Worten der Propheten zu finden ist, unterweisen und betonen, wie wichtig die Familie in der Lehre ist und welch hoher Stellenwert Angehörigen sowie Unternehmungen mit der Familie zukommt (siehe Sachgerechte Verwaltung, Seite 4). Der Lehrer hält die Schüler dazu an, ihre Eltern zu ehren und sie um Rat und Führung zu bitten. Er teilt den Eltern auch mit, was im Unterricht durchgenommen wird.

Wir arbeiten eng mit den Priestertumsführern zusammen, um jeden, der in Frage kommt, zur Teilnahme zu ermuntern und einen vom Geist geprägten Rahmen zu schaffen, in dem die Schüler beisammen sein und gemeinsam lernen können. [1.4.3]

Alle Programme in Seminar und Institut unterstehen der Leitung der übergeordneten und der örtlichen Priestertumsführer, die dafür die Priestertumsschlüssel innehaben.

Da die Führungs- und Lehrkräfte in Seminar und Institut ja bestrebt sind, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Segen zu sein, ist es wichtig, dass sie auch eng mit den jeweiligen Priestertumsführern zusammenarbeiten. Unter der Leitung der Priestertumsführer beraten sie sich und sorgen gemeinsam dafür, dass jeder Jugendliche und jeder junge Erwachsene eingeladen und motiviert wird, sich bei einem für ihn vorgesehenen Studienkurs einzuschreiben, ihn zu besuchen und abzuschließen. Lehrer und Führungskräfte setzen gemeinsam mit den Priestertumsführern alles daran, dass sich die Seminar- und Institutsschüler einschreiben und aktiv dabeibleiben. Der Lehrer gibt sich nicht damit zufrieden, diejenigen zu unterweisen, die zum Unterricht erscheinen.

Darüber hinaus arbeiten die S&I-Führungs- und Lehrkräfte gemäß den geltenden Richtlinien und Bestimmungen eng mit den Priestertumsführern zusammen, um Unterrichtsräume zur Verfügung zu stellen und in geistiger und sozialer Hinsicht eine Umgebung zu schaffen, wo das Zeugnis gestärkt und Evangeliumswissen vertieft werden kann. Lehrer und Führungskräfte halten sich an die für Seminar und Institut geltenden Richtlinien und beraten sich mit den örtlichen Priestertumsführern in Hinblick darauf, welche geselligen Aktivitäten oder Dienstprojekte durchgeführt werden sollen und wie häufig dies der Fall sein soll. Auf diese Weise werden Aktivitäten, die von den Führungsbeamten des Priestertums und der Hilfsorganisationen geplant und durchgeführt werden, unterstützt und es kommt zu keinerlei Überschneidungen.

two men talking

Lehrer und Führungskräfte arbeiten außerdem mit den Führungsbeamten der Jungen Damen und der Jungen Männer zusammen und spornen die Jugendlichen auf geeignete Weise an, am Programm Pflicht vor Gott oder Mein Fortschritt teilzunehmen. Wo es es sich einrichten lässt, beraten sich die Seminarlehrer mit anderen Lehrern, Beratern und Jugendführern in Hinblick darauf, was die Jugendlichen brauchen.

(Näheres zu den Grundsätzen und Vorgehensweisen bei der Verwaltung in Seminar und Institut finden Sie im Handbuch Sachgerechte Verwaltung.)