Für den Lehrer

Neues Testament: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1998


Nachdem sich der auferstandene Herr seinen Aposteln gezeigt hatte, erschien er einem Teil von ihnen noch einmal am See von Galiläa. Während er mit ihnen war, stellte er Petrus dreimal die Frage: „Liebst du mich?“ Petrus antwortete jedesmal: „Du weißt, daß ich dich liebe.“ Der Herr erwiderte auf die Erklärung des Petrus: „Weide meine Lämmer. … Weide meine Schafe. … Weide meine Schafe.“ (Johannes 21:15–17.)

Als Lehrer der Evangeliumslehreklasse können Sie Ihre Liebe für den Herrn zeigen, indem Sie seine Schafe weiden und sicherstellen, daß an alle in Ihrer Klasse „gedacht würde und sie durch das gute Wort Gottes genährt würden“ (Moroni 6:4). Das Wort Gottes soll uns vor allem helfen, daran zu glauben, „daß Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit [wir] durch den Glauben das Leben [haben] in seinem Namen“ (Johannes 20:31). Vom Geist geführt werden Sie den Teilnehmern helfen können, ihr Zeugnis vom Erretter, ihren Glauben an ihn und ihre Verpflichtung, nach seinem Evangelium zu leben, zu stärken. Sie werden ihnen auch helfen können, die Segnungen zu erlangen, die man erhält, wenn man aufrichtig das Neue Testament studiert. Präsident Thomas S. Monson hat es so ausgedrückt:

„Das gesamte Neue Testament haucht ja der menschlichen Seele den Geist der Erweckung ein. Die Schatten der Verzweiflung weichen den Strahlen der Hoffnung; Trauer wandelt sich zu Freude, und das Gefühl, sich im Gedränge des Lebens verirrt zu haben, schwindet mit der sicheren Gewißheit, daß der himmlische Vater auf jeden einzelnen achtgibt.“ („Der Geist macht lebendig“, Der Stern, Juni 1997, Seite 4.)

Durch den Geist unterweisen

Es ist wichtig, daß Sie bei der Vorbereitung auf den Unterricht nach Inspiration und Führung durch den Heiligen Geist trachten. „Der Geist wird euch durch das Gebet des Glaubens gegeben,“ sagt der Herr, „und wenn ihr den Geist nicht empfangt, sollt ihr nicht lehren.“ (LuB 42:12.) Denken Sie daran, daß der Heilige Geist der Lehrer Ihrer Klasse ist.

Sie trachten nach dem Geist durch Beten, Fasten, tägliches Studium der Schrift und den Gehorsam gegenüber den Geboten. Beten Sie bei der Vorbereitung des Unterrichts darum, daß der Geist Ihnen hilft, die Schrift zu verstehen und zu erkennen, was der einzelne in der Klasse braucht. Der Geist kann Ihnen auch gute Methoden zeigen, wie Sie die Schrift besprechen und anwenden können (siehe 1 Nephi 19:23). Mit der Hilfe des Geistes werden Sie ein nützliches Werkzeug in der Hand des Herrn werden, um seine Kinder in seinem Wort zu unterrichten.

Es folgen einige Vorschläge, wie Sie den Geist in Ihre Klasse einladen können:

  1. 1.

    Bitten Sie jemand aus der Klasse, am Anfang und am Ende des Unterrichts ein Gebet zu sprechen. Beten Sie im Herzen darum, daß der Geist Sie leitet, daß er das Herz der Teilnehmer öffnet und daß er bezeugt und inspiriert.

  2. 2.

    Benutzen Sie die Schrift. (Siehe „Die Schriften in den Mittelpunkt stellen“ auf Seite VI.)

  3. 3.

    Geben Sie Zeugnis, wenn der Geist Sie dazu anregt, nicht nur am Ende des Unterrichts. Geben Sie Zeugnis von Jesus Christus. Bitten Sie die Teilnehmer immer wieder, Zeugnis zu geben.

  4. 4.

    Bereiten Sie die Klasse durch Kirchen- und PV-Lieder und andere sakrale Musik darauf vor, den Geist zu spüren.

  5. 5.

    Geben Sie Ihrer Liebe zu Ihrer Klasse, zu anderen und zum Vater im Himmel und Jesus Christus Ausdruck.

  6. 6.

    Sprechen Sie über Einsichten, Gefühle und Erfahrungen, die zum Thema passen, und fordern Sie auch die Klasse dazu auf. Die Teilnehmer können auch berichten, wie sie die besprochenen Grundsätze aus früheren Lektionen angewandt haben.

Die Schriften in den Mittelpunkt stellen

Elder Boyd K. Packer hat gelehrt: „Wenn wahre Lehre verstanden wird, ändern sich die Einstellung und das Verhalten.“ (Der Stern, Januar 1987, Seite 15.) Halten Sie sich bei der Unterrichtsvorbereitung und im Unterricht an die errettenden Lehren des Evangeliums, wie wir sie in den heiligen Schriften und in den Lehren der neuzeitlichen Propheten finden. Dazu müssen Sie die heiligen Schriften eifrig und gebeterfüllt studieren. Der Herr hat geboten: „Trachte nicht danach, mein Wort zu verkünden, sondern trachte zuerst danach, mein Wort zu erlangen.“ Wenn Sie sein Wort durch das Studium der heiligen Schrift erlangen, verheißt der Herr: „Dann wird deine Zunge sich lösen; und dann, wenn du es wünscht, wirst du meinen Geist und mein Wort haben, ja, und die Macht Gottes, um Menschen zu überzeugen.“ (LuB 11:21.)

Regen Sie die Teilnehmer an, ihre Schriften jede Woche mitzubringen. Lesen Sie gemeinsam ausgewählte Schriftstellen, und besprechen Sie diese.

Jeder in der Klasse soll ein Exemplar des Heftes Leitfaden für den Teilnehmer, Neues Testament (35682 150) erhalten. Dieses Heft hilft den Teilnehmern beim Studium und dabei, die Antwort auf ihre Fragen in der Schrift zu suchen. Es wird ihnen dabei helfen, die Schriften zu verstehen, sie anzuwenden und sich darauf vorzubereiten, sie im Unterricht und in der Familie zu besprechen.

Wie Sie diesen Leitfaden verwenden

Dieser Leitfaden ist ein Hilfsmittel, das Ihnen dabei helfen soll, die Lehren des Evangeliums mit Hilfe der heiligen Schriften zu unterrichten. Er wurde für den Unterricht in Evangeliumslehreklassen mit jugendlichen und erwachsenen Teilnehmern geschrieben und soll alle vier Jahr verwendet werden. Für das Unterrichten der Lektionen sind keine weiteren Unterlagen und Kommentare notwendig.

Jede Lektion in diesem Leitfaden enthält mehr Stoff, als Sie wahrscheinlich in einer Unterrichtsstunde durchnehmen können. Trachten Sie nach dem Geist des Herrn, wenn Sie die Berichte aus der Schrift, Fragen und anderes Material aussuchen, die den Bedürfnissen Ihrer Klasse am besten entsprechen.

Jede Lektion umfaßt folgende Abschnitte:

  1. 1.

    Lektionstitel. Der Lektionstitel setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einer kurzen Beschreibung oder einem Zitat und der Schriftstelle, die Sie lesen sollen, bevor Sie den Unterricht vorbereiten.

  2. 2.

    Ziel. Hier steht der Hauptgedanke, auf den Sie sich bei der Vorbereitung und beim Unterricht konzentrieren können.

  3. 3.

    Vorzubereiten. In diesem Abschnitt werden die Berichte aus der Schrift übersichtlich zusammengefaßt, ferner sind Anregungen darin enthalten, wie Sie wirksamer unterrichten können. In manchen Lektionen wird zusätzlicher Lesestoff vorgeschlagen, der Ihnen mehr Einsicht geben soll. In vielen Lektionen gibt es weitere Vorschläge für die Vorbereitung, z. B. Anschauungsmaterial, das Sie mitbringen sollen.

  4. 4.

    Interesse wecken. Hier finden Sie eine einfache Aktivität, einen Anschauungsunterricht oder eine Frage, die die Teilnehmer darauf vorbereiten soll, zu lernen, sich zu beteiligen und den Einfluß des Geistes zu spüren. Es ist wichtig, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu Beginn des Unterrichts zu erlangen. Dazu können Sie den Vorschlag aus dem Leitfaden verwenden oder eine eigene Aktivität durchführen. Diese Aktivität soll nicht lange dauern.

  5. 5.

    Besprechen und anwenden. Das ist der Hauptteil der Lektion. Lesen Sie die Schriftstellen gebeterfüllt, damit Sie sie wirksam unterrichten und besprechen können. Verwenden Sie die Anregungen, die Sie unter „Die Diskussion in der Klasse anregen“ und „Unterrichtsvorschläge“ (Seite VII–VIII) finden, um abwechslungsreich zu unterrichten und das Interesse der Klasse wachzuhalten.

  6. 6.

    Zum Abschluß. Dieser Abschnitt hilft Ihnen, die Lektion zusammenzufassen und alle Teilnehmer dazu anzuregen, daß sie die besprochenen Grundsätze anwenden. Er erinnert Sie auch daran, Zeugnis zu geben. Achten Sie darauf, daß Sie immer genug Zeit für den Abschluß zur Verfügung haben.

  7. 7.

    Zur Vertiefung. Sie finden diesen Abschnitt in fast jeder Lektion dieses Leitfadens. Er enthält weitere Lehren aus der Schrift, alternative Lehrmethoden, Aktivitäten und/oder andere Vorschläge, die den Unterricht ergänzen. Sie können einiges daraus in die Lektion einarbeiten.

Lesen Sie sich jede Lektion mindestens eine Woche im voraus durch. Wenn Sie den Leseauftrag und das Material für den Unterricht frühzeitig studieren, werden Sie während der Woche Gedanken und Ideen erhalten, die Ihnen beim Unterricht helfen. Wenn Sie während der Woche über die Lektion nachdenken, beten Sie darum, daß der Geist Sie führt. Glauben Sie daran, daß der Herr Sie segnen wird.

Die Diskussion in der Klasse anregen

Normalerweise sollen Sie keinen Vortrag halten, sondern den Teilnehmern helfen, sich zu beteiligen, indem Sie über die Schrift sprechen. Wenn alle Teilnehmer sich beteiligen, lernen sie:

  1. 1.

    mehr über die Schriften

  2. 2.

    wie sie die Evangeliumsgrundsätze anwenden können

  3. 3.

    sich vermehrt zu verpflichten, nach dem Evangelium zu leben

  4. 4.

    den Geist in den Unterricht einzuladen

  5. 5.

    einander zu belehren und zu erbauen (LuB 88:122), so daß sie aus den Gaben anderer Nutzen, Erkenntnis und Erfahrung ziehen und ein Zeugnis erlangen können.

Die Diskussion im Unterricht soll den Teilnehmern helfen, zu Christus zu kommen und als seine Jünger zu leben. Bringen Sie die Diskussion auf dieses Ziel zurück, wenn sie davon abweicht.

Trachten Sie nach der Führung des Geistes, während Sie die Fragen in diesem Leitfaden studieren und entscheiden, welche Sie stellen sollen. Der Leitfaden enthält Schriftstellenhinweise, die Ihnen und den Teilnehmern dabei helfen sollen, eine Antwort auf die meisten Fragen zu finden. Die Erfahrungen der Teilnehmer werden auch weitere Fragen beantworten.

Wichtiger als den gesamten Unterrichtsstoff zu bewältigen ist es, daß jeder die Schrift besser versteht und anwendet. Wenn sich eine gute Diskussion ergibt, aus der die Teilnehmer lernen, ist es oft besser, sie fortzusetzen, anstatt den gesamten Stoff zu bewältigen.

So können Sie eine Diskussion anregen

  1. 1.

    Stellen Sie Fragen, die man nicht mit ja oder nein beantwortet, sondern über die man nachdenken und diskutieren kann. Fragen, die mit warum, wie, wer, was, wann oder wo beginnen, regen das Unterrichtsgespräch besonders gut an.

  2. 2.

    Ermutigen Sie die Teilnehmer, über Erlebnisse zu berichten, aus denen man erkennen kann, wie man geistige Grundsätze und Lehren im Leben anwenden kann. Sie sollen auch ihre Gefühle darüber äußern, was sie aus der Schrift lernen. Geben Sie zu allen Beiträgen einen positiven Kommentar.

  3. 3.

    Achten Sie auf die Gefühle eines jeden Teilnehmers und berücksichtigen Sie die Bedürfnisse eines jeden in der Klasse. Obwohl jeder dazu ermutigt werden soll, sich an der Diskussion in der Klasse zu beteiligen, gibt es wahrscheinlich einige, die nicht mitmachen. Vielleicht können Sie allein mit den Betreffenden sprechen; finden Sie heraus, ob sie vielleicht gefragt werden oder laut vorlesen möchten. Achten Sie darauf, daß Sie niemanden vor der Klasse in Verlegenheit bringen.

  4. 4.

    Stellen Sie eine Frage und geben Sie eine Schriftstelle an, in der die Antwort steht.

  5. 5.

    Regen Sie die Teilnehmer dazu an, über die Fragen nachzudenken, die sie im Leitfaden für den Teilnehmer, Neues Testament finden, während sie den wöchentlichen Leseauftrag studieren. Denken Sie bei Ihrer Vorbereitung darüber nach, wie Sie diese Fragen im Unterricht besprechen können. Die Teilnehmer können sich leichter an der Diskussion beteiligen, wenn sie den Leseauftrag studiert haben, und Sie Fragen stellen, über die sie schon nachgedacht haben.

Unterrichtsvorschläge

Richten Sie sich nach den folgenden Vorschlägen, um die Schrift wirksamer und abwechslungsreicher zu lehren:

  1. 1.

    Helfen Sie den Teilnehmern zu verstehen, was die Schrift über Jesus Christus lehrt. Sie sollen darüber nachdenken, wie gewisse Schriftstellen dazu beitragen, daß sie größeren Glauben an den Erretter entwickeln und seine Liebe spüren können.

  2. 2.

    Die Teilnehmer sollen darüber nachdenken, wie sie eine Schriftstelle in ihrem Leben anwenden können und dann darüber erzählen. Sie sollen die Schriftstellen auf sich beziehen, indem sie in Gedanken ihren Namen in bestimmte Textstellen einsetzen.

  3. 3.

    Betonen Sie nicht nur die Lehre, sondern auch die glaubensfördernden Geschichten im Neuen Testament, besonders diejenigen, die Glauben veranschaulichen, und vergewissern Sie sich, daß jeder sie versteht. Besprechen Sie, wie man sie auf sich beziehen kann.

  4. 4.

    Lassen Sie die Teilnehmer auf Wörter, Textstellen oder Fragen achten, die in einer Schriftstelle oft vorkommen oder besondere Bedeutung für sie haben.

  5. 5.

    Schreiben Sie Textstellen, Schlüsselwörter oder Fragen, die sich auf den Text beziehen, an die Tafel. Lesen Sie dann den Text oder fassen Sie ihn zusammen. Halten Sie an, wenn diese Textstellen, Schlüsselwörter oder Fragen kommen, und sprechen Sie darüber.

  6. 6.

    Im ganzen Buch Mormon wird der Ausdruck „… so sehen wir“ benutzt, um Grundsätze zusammenzufassen. Wenn Sie eine Schriftstelle besprochen haben, können Sie die Teilnehmer bitten, den Satz „… so sehen wir“ zu beenden und so den besprochenen Grundsatz zu erklären.

  7. 7.

    Suchen und besprechen Sie Symbole, die im gesamten Neuen Testament verwendet werden. Zum Beispiel stehen Bräutigam und Braut für den Erretter und sein Volk.

  8. 8.

    Beachten Sie, wie Sie Personen oder Ereignisse in den Schriften miteinander verglei- chen können.

  9. 9.

    Lassen Sie die Teilnehmer die Geschichten aus der heiligen Schrift mit verteilten Rollen lesen. Gewährleisten Sie, daß das mit der rechten Achtung den Schriften gegenüber geschieht.

  10. 10.

    Bilden Sie zwei oder mehrere kleine Gruppen. Besprechen Sie den Bericht aus der Schrift, und lassen Sie jede Gruppe die Grundsätze aufschreiben, die darin gelehrt werden. Dann sprechen die Gruppen nacheinander darüber, wie sie diese Grundsätze im täglichen Leben anwenden können.

  11. 11.

    Fordern Sie alle Teilnehmer auf, Stifte mitzubringen, damit sie wichtige Verse, die gemeinsam besprochen werden, markieren können.

Neuen Mitgliedern helfen

Als Lehrer der Evangeliumslehreklasse werden Sie die Gelegenheit haben, Mitglieder zu unterrichten, die in der Kirche relativ neu sind. Ihr Unterricht kann neuen Mitgliedern helfen, im Glauben gefestigt zu werden.

Die Erste Präsidentschaft hat gesagt: „Jedes Mitglied der Kirche braucht Liebe und muß geistig genährt werden, besonders in den ersten Monaten nach der Taufe. Wenn neue Mitglieder aufrichtige Freundschaft erfahren, Gelegenheit zum Dienen erhalten und durch das Studium des Wortes Gottes geistig genährt werden, erfahren sie eine dauerhafte Bekehrung und werden ,Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes‘ (Epheser 2:19).“ (Brief der Ersten Präsidentschaft, 15. Mai 1997.)

Jugendliche das Evangelium lehren

Wenn Sie Jugendliche unterrichten, denken Sie daran, daß sie aktive Beteiligung und visuelle Hilfsmittel brauchen, wenn Sie die Lehren besprechen. Die Verwendung von Videos, Bildern und den in diesem Leitfaden vorgeschlagenen Aktivitäten können den Jugendlichen dabei helfen, den Unterricht aufmerksam zu verfolgen. Weitere Vorschläge, die Ihnen dabei helfen können, Jugendliche zu unterrichten, finden Sie in Lehren – die größte Berufung (33043 150).