„Wer ist mein Nächster?“

Neues Testament: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1998


Ziel

Jedem soll geholfen werden, sich zu demütigen, anderen zu vergeben und einander Nächstenliebe entgegenzubringen.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie folgende Schriftstellen, und beten Sie darüber:

    1. a)

      Matthäus 18:1–6,10,11,14. Jesus lehrt, daß wir umkehren und wie kleine Kinder werden müssen, um ins Himmelreich zu kommen.

    2. b)

      Matthäus 18:15,21–35. Jesus lehrt uns anhand des Gleichnisses vom unbarmherzigen Diener, daß wir vergeben sollen.

    3. c)

      Lukas 10:25–37. Jesus lehrt uns durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, daß wir einander lieben sollen.

  2. 2.

    Zusätzlicher Lesestoff: Markus 9:33–50; Mosia 3:17–21; 4:16–19,26.

  3. 3.

    Verwenden Sie folgendes Material (falls verfügbar) im Unterricht:

    Die Bilder „Christus und die Kinder“ (62467; Bilder zum Evangelium, Nr. 216) und „Der barmherzige Samariter“ (62156; Bilder zum Evangelium, Nr. 218).

  4. 4.

    Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchführen möchten, bitten Sie einen Vater oder eine Mutter, sich wie vorgeschlagen darauf vorzubereiten.

  5. 5.

    Anregung für den Unterricht: Bitten Sie gelegentlich einen Teilnehmer (oder jemand anderen aus der Gemeinde), Ihnen beim Unterricht zu helfen, indem er über etwas berichtet, eine Geschichte erzählt, sein Zeugnis gibt oder Ihnen sonst irgendwie hilft. Machen Sie bei einem Auftrag immer ganz deutlich, was sie erwarten und wieviel Zeit dies in Anspruch nehmen soll. (Siehe Lehren – die größte Berufung, Seite 206, 207, 212.)

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Interesse wecken

Sie können den Unterricht mit der folgenden (oder einer eigenen) Aktivität beginnen.

Bitten Sie einen Vater oder eine Mutter, mit seinem/ihrem kleinen Kind (drei bis fünf Jahre alt) in den Unterricht zu kommen. Er/sie soll es vorstellen und kurz von ein paar seiner bewundernswerten Eigenschaften erzählen. Bitten Sie danach die Teilnehmer, an Eigenschaften, die ein Kind hat und von denen Jesus möchte, daß wir sie besitzen, zu denken. Schreiben Sie die Antworten an die Tafel.

Erklären Sie, daß in dieser Lektion besprochen wird, wie wichtig es ist, kindgleiche Eigenschaften zu entwickeln und alle Menschen demütig und freundlich zu behandeln.

Besprechen und anwenden

Besprechen Sie, während Sie sich mit den folgenden Schriftstellen beschäftigen, wie wir die Lehren des Erretters über Demut, Vergebung und Nächstenliebe befolgen können.

1. Jesus lehrt, daß wir wie kleine Kinder werden müssen.

Lesen und besprechen Sie Matthäus 18:1–6,10,11,14. Zeigen Sie das Bild „Jesus und die Kinder“.

• Warum machten sich die Jünger wohl Gedanken darüber, wer der Größte im Himmel- reich sein würde? (Matthäus 18:1; Markus 9:33,34.) Inwiefern begehen wir manchmal den gleichen Fehler? Wie können wir solche Gedanken beiseite setzen?

• Zeigen Sie das Bild von Christus und den Kindern. Was rät Jesus denen, die in seinem Reich wahre Größe erlangen wollen? (Siehe Matthäus 18:2–4; Markus 9:35.) Warum ist es manchmal schwierig, diesen Rat zu befolgen? Worin unterscheidet sich dieser Rat von dem, was uns die Welt darüber lehrt, wie wir Größe erlangen können?

• Was bedeutet es, wie ein kleines Kind zu werden? (Siehe Mosia 3:19. Erklären Sie, daß Kinder zwar nicht vollkommen sind, aber viele Eigenschaften besitzen, die wir entwickeln müssen, um das Reich Gottes zu ererben. Diese Eigenschaften umfassen Demut, Sanftmut und die Bereitschaft zu glauben.) Was haben Sie von Kindern gelernt? Wie können wir den Kindern ähnlicher werden und uns mehr dem Willen unseres Vaters im Himmel unterwerfen?

• Was bedeutet es, diese Kleinen „zum Bösen [zu verführen]“? (Siehe Matthäus 18:6. In diesem Zusammenhang bedeutet das Wort verführen, daß man bewirkt, daß jemand strauchelt.) Wodurch kann man Kinder zum Straucheln bringen? (Mögliche Antworten: den Kindern ein schlechtes Beispiel geben; sie auf unfreundliche Weise kritisieren; es zu unterlassen, sie zu belehren; sie zu mißbrauchen.) Wie wertet der Herr diese Vergehen? (Siehe Matthäus 18:6.)

Elder M. Russell Ballard hat gesagt: „Wir hören … beunruhigende Berichte über Eltern oder Pflegeeltern, die vom Geist Christi so weit entfernt sind, daß sie Kinder mißhandeln. Ob es sich dabei um körperliche, verbale oder die weniger offensichtliche, doch ebenso schwerwiegende seelische Mißhandlung handelt, es ist in den Augen Gottes ein Greuel und ein schwerwiegendes Vergehen.“ (Der Stern, Juli 1991, S. 77.)

• Inwiefern kann es uns helfen, für unsere Kinder zu sorgen, wenn wir selbst den Kindern ähnlich sind? Was können wir tun, um Gottes Willen auszuführen, damit auch nicht „einer von diesen Kleinen verlorengeht“? (Matthäus 18:14.)

2. Jesus belehrt uns im Gleichnis vom unbarmherzigen Diener über die Vergebung.

Lesen und besprechen Sie Matthäus 18:15,21–35.

• Was sagt der Herr in Matthäus 18:15 darüber, was wir tun sollen, wenn uns jemand beleidigt hat? Warum ist das der beste Weg, um Streit beizulegen?

• Was antwortete Jesus auf die Frage von Petrus, wie oft wir vergeben sollen? (Siehe Matthäus 18:22. Erklären Sie, daß Jesus eine so große Zahl genannt hat, um uns zu lehren, daß wir immer vergeben sollen.) Warum ist es manchmal schwer zu verge- ben? Inwiefern sind Sie dadurch gesegnet worden, daß Sie anderen vergeben haben oder daß jemand Ihnen vergeben hat?

• Jesus erzählte das Gleichnis vom unbarmherzigen Diener, um noch stärker zu betonen, wie wichtig es ist, anderen zu vergeben. (Matthäus 18:23–35.) Wen stellen der König und die Diener dar? (Siehe Matthäus 18:35. Der König stellt den himmlischen Vater dar, und die Diener sind wir.) Inwiefern stehen wir wie der Diener des Königs in der Schuld des Herrn? (Siehe Matthäus 18:24–27.) Was müssen wir tun, um Verge- bung unserer „Schulden“ zu erlangen?

• Was können wir aus dem Beispiel des Königs darüber lernen, wie wir anderen verge- ben sollen? (Siehe Matthäus 18:33.) Was ist daran gefährlich, wenn wir anderen nicht vergeben? (Siehe Matthäus 18:34,35.)

3. Jesus belehrt uns durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter über die Nächstenliebe.

Lesen und besprechen Sie Lukas 10:25–37. Zeigen Sie das Bild vom barmherzigen Samariter.

• Wie reagierte Jesus auf die Frage des Gesetzeslehrers, was er tun solle, um ewiges Leben zu gewinnen? (Siehe Lukas 10:25–28.) Inwiefern schließen die Gebote, Gott und unseren Nächsten zu lieben, alles im Evangelium ein? Wie können wir diese zwei Gebote besser befolgen?

• Was antwortete Jesus, als der Gesetzeslehrer fragte: „Wer ist mein Nächster?“ (Siehe Lukas 10:29–37.) Was lehrt uns dieses Gleichnis darüber, wer unser Nächster ist?

Präsident Howard W. Hunter hat gesagt: „Bedenken wir, daß alle Menschen von Gott erschaffen sind, nicht nur die, die wir uns als Freunde aussuchen. Liebe sollte keine Grenzen kennen – unsere Treue sollte nicht auf wenige beschränkt sein.“ (Der Stern, Januar 1987, Seite 32.)

• Was unternahmen der Priester und der Levit, als sie den überfallenen und verwundeten Mann sahen? (Siehe Lukas 10:31,32.) Was für Hilfe brauchen die Menschen heute? Nennen Sie einige Gründe, warum wir Menschen in Not nicht helfen. (Ein Beispiel dafür finden Sie in Mosia 4:16–19.)

• Wie half der barmherzige Samariter dem Überfallenen und Verwundeten? (Siehe Lukas 10:33–35.) Welche Eigenschaften hatte der Samariter, die ihn zu einem guten Nächsten machten? Wie sind Sie durch einen „barmherzigen Samariter“ gesegnet worden? Wie können wir ein „barmherziger Samariter“ sein? (Siehe Mosia 4:26.)

Zum Abschluß

Bezeugen Sie, daß es wichtig ist, dem Beispiel des Erretters zu folgen und wie er demütig zu sein, anderen zu vergeben und einander liebevoll zu begegnen. Fordern Sie die Teilnehmer auf, diesen Lehren entsprechend zu leben.

Zur Vertiefung

Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder mehrere Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. Maria und Marta

Bitten Sie jemand, Lukas 10:38–42 vorzulesen.

• Wie diente Marta dem Herrn? Was war „das Bessere“, für das Marta sich entschieden hatte? Inwiefern sind wir manchmal „ganz davon in Anspruch genommen … zu sorgen“, so daß wir Jesus nicht so aufnehmen, wie wir sollten? Was können wir aus diesen Versen lernen?

2. „Laßt die Kinder zu mir kommen“ (Markus 10:14)

Vielleicht möchten Sie bei der Besprechung der Lehre des Erretters, daß wir wie kleine Kinder werden sollen, auch über die Segnung der Kinder sprechen, von der in Markus 10:13–16 berichtet wird.

• Was taten die Jünger Jesu, als die kleinen Kinder zu ihm gebracht wurden? (Siehe Markus 10:13.) Was sagte Jesus seinen Jüngern? (Siehe Markus 10:14, 15.) Was tat Jesus für die Kinder? (Siehe Markus 10:16.) Was können wir aus dieser Begebenheit von Jesus lernen? Wie können wir besser dem Beispiel nacheifern, das er uns hier gegeben hat?

3. Weitere Besprechung von Matthäus 18

• Besprechen Sie Matthäus 18:8,9 und Markus 9:43–48 (siehe auch Matthäus 5:29,30). Was sagen diese Verse aus? (Die Bibelübertragung von Joseph Smith stellt fest, daß mit diesen störenden Gliedern Menschen gemeint sind, die uns in die Irre führen. Es ist besser, die Gemeinschaft mit ihnen zu beenden, als zuzulassen, daß sie uns zu Sünde verleiten. Siehe auch Joseph Smith Translation, Mark 9:40–48.)

• In der Bibelübertragung von Joseph Smith von Matthäus 18:11 steht, daß Jesus gesagt hat, kleine Kinder brauchten nicht umzukehren. Warum ist dies so? (Siehe Moroni 8:11,12.) Inwiefern sind kleine Kinder „in Christus lebendig“? (Siehe Moroni 8:12; LuB 29:46,47.) Was müssen wir tun, um „in Christus lebendig“ zu werden? (Siehe Matthäus 18:4; Mosia 3:19; Moroni 8:10.)

• Lesen Sie Matthäus 18:11–14. Wie können wir das Gleichnis vom verlorenen Schaf in unserem Leben anwenden? Wie sind Sie oder jemand anders gesegnet worden, weil ein anderer den Grundsatz dieses Gleichnisses befolgt hat?

4. „Der Herr … [suchte] zweiundsiebzig andere aus“ (Lukas 10:1)

• Besprechen Sie Lukas 10:1–24. Inwiefern lassen sich die Anweisungen des Herrn an die Siebzig mit denen vergleichen, die er den Zwölfen in Matthäus 10 gegeben hat? Welche Aufgaben haben die Siebziger heute? (Siehe LuB 107:25,34,38,93–97.)

5. Die Heiligkeit der ehelichen Gemeinschaft

Erklären Sie, daß Matthäus 19:1–12 eine Situation beschreibt, in der die Pharisäer Jesus eine Falle stellen wollten, indem sie ihn fragten, ob eine Scheidung gesetzmäßig sei (siehe auch Markus 10:1–12). Das Thema Scheidung wurde von den jüdischen Schriftgelehrten und Führern oft diskutiert. Die Pharisäer hofften, Jesus würde so antworten, daß sie die Juden dadurch zum Zorn aufstacheln könnten. Bitten Sie jemand aus der Klasse, Matthäus 19:3–9 laut vorzulesen.

• Was antwortete Jesus auf die Frage der Pharisäer, die wir in Vers 3 finden? (Siehe Matthäus 19:4–6. Er sagte ihnen, die Ehescheidung sei nicht von Gott verordnet.) Warum erlaubte Mose unter den Israeliten die Scheidung? (Siehe Matthäus 19:7,8.)

Erklären Sie, daß im alten Israel ein Mann seine Frau aus ganz unwichtigen Gründen wegschicken oder sich von ihr scheiden lassen durfte. Jesus lehrte, in einer vollkommenen Welt wie dem celestialen Reich gäbe es keine Scheidung. Da die Erde jetzt noch nicht vollkommen ist, ist eine Scheidung zulässig. Man soll sich aber nur aus äußerst schwerwiegenden Gründen scheiden lassen. Matthäus 19:9 sagt aus, daß jemand, der sich aus nichtigen Gründen von seiner Frau trennt, in den Augen Gottes noch immer mit ihr verheiratet ist und somit Ehebruch begeht, wenn er eine andere Frau heiratet. (Siehe James E. Talmage, Jesus der Christus, Seite 387–389,396.)

• Welche Rolle spielen Demut, Vergebung und Nächstenliebe in einer guten Ehe? Wie kann es uns in der Ehe und in anderen Beziehungen helfen, wenn wir uns bemühen, christusähnlich zu werden?

• Wie können wir jemand, der das Trauma einer Scheidung erlebt hat, helfen?

6. Aktivität für Jugendliche

Schreiben Sie Fragen über die Lektion auf kleine Zettel (Sie können sie auch von den Teilnehmern aufschreiben lassen). (Zur Wiederholung könnten Sie aus jedem Abschnitt der Lektion passende Fragen auswählen.) Legen Sie die Zettel in eine Tüte oder in eine kleine Schachtel. Die Teilnehmer sollen sich in einen Kreis setzen und die Tüte bzw. die kleine Schachtel in die Mitte des Kreises auf einen Stuhl legen. Danach sollen sie der Reihe nach einen Zettel ziehen und die Frage beantworten. (Siehe Lehren – die größte Berufung, Seite 186–188.)