„Nehmt das Reich in Besitz, das … für euch bestimmt ist“

Neues Testament: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1998


Ziel

Jeder soll sich auf das Zweite Kommen vorbereiten, indem er rechtschaffen lebt, seine Talente entwickelt und anderen dient.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie folgende Schriftstellen, und beten Sie darüber:

    1. a)

      Matthäus 25:1–13. Jesus lehrt uns durch das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, daß wir uns auf das Zweite Kommen vorbereiten müssen.

    2. b)

      Matthäus 25:14–30. Jesus lehrt uns durch das Gleichnis vom anvertrauten Geld, daß wir die Gaben entwickeln müssen, die wir von Gott bekommen.

    3. c)

      Matthäus 25:31–46. Jesus lehrt uns durch das Gleichnis von den Schafen und den Böcken, daß wir bereit sein müssen, einander zu dienen. 2. Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchführen wollen, bringen Sie ein kleines Glasgefäß, einen Behälter mit etwas Öl oder gefärbtem Wasser und, falls verfügbar, das Bild „Das Zweite Kommen“ (62562; Bilder zum Evangelium, Nr. 238) zum Unterricht mit.

  2. 3.

    Bringen Sie für jeden ein Blatt Papier und einen Stift mit.

  3. 4.

    Anregung für den Unterricht: Verwenden Sie gelegentlich Aussagen von neuzeitlichen Propheten, wie Sie sie in diesem Leitfaden oder in den Veröffentlichungen der Kirche finden, damit Sie die Diskussion in der Klasse besser lenken können. Dadurch können Sie betonen, daß der Herr seinen Willen auch heute noch kundtut. Verwenden Sie diese Zitate, um das Lesen in der Schrift und die Diskussion in der Klasse zu unterstützen, nicht um sie zu ersetzen.

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Interesse wecken

Sie können den Unterricht mit der folgenden (oder einer eigenen) Aktivität beginnen.

Zeigen Sie das kleine Glasgefäß, den Behälter mit etwas Öl oder gefärbtem Wasser und das Bild „Das Zweite Kommen“.

Erklären Sie, daß sich diese Lektion mit drei Gleichnissen beschäftigt, die der Erretter gelehrt hat, nachdem ihn seine Apostel wegen des Zweiten Kommens gefragt hatten. Sagen Sie den Teilnehmern, daß Sie das Glasgefäß und das Öl oder gefärbte Wasser verwenden werden, um unsere Vorbereitung auf das Zweite Kommen zu veranschau- lichen.

Besprechen und anwenden

Besprechen Sie bei den folgenden Schriftstellen, wie wir sie im täglichen Leben anwenden können. Regen Sie die Klasse an, von persönlichen Erfahrungen mit diesen Grundsätzen zu berichten.

1. Jesus erzählt das Gleichnis von den zehn Jungfrauen.

Lesen und besprechen Sie Matthäus 25:1–13. Erklären Sie, daß sich das Gleichnis von den zehn Jungfrauen auf jüdische Hochzeitsbräuche stützt. Zur Zeit Jesu begleiteten der Bräutigam und seine Freunde die Braut von ihrem Wohnhaus zum Haus des Bräutigams. Die Freundinnen der Braut warteten entlang des Weges, um sich dem Hochzeitszug anzuschließen. Wenn sie dann beim Haus des Bräutigams ankamen, gingen alle für die Hochzeit hinein. Für gewöhnlich fand eine Hochzeit abends statt. Deswegen nahmen die, die auf die Braut warteten, kleine Lampen mit sich, die mit Öl gefüllt waren.

• Wen stellt der Bräutigam im Gleichnis von den zehn Jungfrauen dar? (Den Erretter.) Wen stellen die Jungfrauen dar? (Die Mitglieder der Kirche.) Was stellt die Hochzeit dar? (Das Zweite Kommen des Erretters.) Was stellt das Öl in den Lampen dar? (Die Vorbereitung auf das Zweite Kommen.)

• Inwiefern handelten fünf Jungfrauen töricht? (Siehe Matthäus 25:3.) Welche Folgen hatte ihre mangelnde Vorbereitung? (Siehe Matthäus 25:8–12.) Inwiefern begehen wir manchmal denselben Fehler wie die törichten Jungfrauen?

• Inwiefern handelten fünf Jungfrauen klug? (Matthäus 25:4.) Welche Folgen hatte ihre Vorbereitung? (Siehe Matthäus 25:10.) Was können wir aus den Taten der weisen Jungfrauen lernen? (Siehe LuB 45:56,57. Wir müssen uns auf das Zweite Kommen Jesu Christi vorbereiten.)

• Wenn wir daran denken, daß das Öl in dem Gleichnis die Vorbereitung auf das Zweite Kommen darstellt, was können wir tun, um „Öl“ in unseren „Lampen“ zu haben? (Mögliche Antworten: Alles, was zu einem rechtschaffenen Leben gehört, wie Glauben ausüben, Verordnungen empfangen, Bündnisse halten oder anderen dienen.)

Wenn Sie das Gefäß und das Öl oder gefärbte Wasser verwenden (siehe „Interesse wecken“), erklären Sie, daß das Gefäß die Lampen in dem Gleichnis darstellt. Geben Sie immer, wenn ein Mitglied etwas sagt, wodurch wir uns vorbereiten, einen Tropfen Öl oder Wasser in das Gefäß. Sie können das folgende Zitat von Präsident Spencer W. Kimball vorlesen:

„Das Öl im Gleichnis kann man auf dem Markt kaufen. Bei uns sammelt sich das Öl des Vorbereitetseins durch rechtschaffenes Leben Tropfen um Tropfen an. Wenn wir zur Abendmahlsversammlung gehen, kommt Öl in unsere Lampe – und zwar Tropfen um Tropfen, über die Jahre hin. Fasten, Familiengebet, Heimlehren, Beherrschung unserer körperlichen Gelüste, Verkündigung des Evangeliums, Schriftstudium – jede Tat der Weihung und des Gehorsams ist ein Tropfen in unserem Vorrat. Freundliche Taten, das Zahlen des Zehnten und der Opfergaben, keusche Gedanken und Taten, die Ehe im Bund für die Ewigkeit – auch das trägt beträchtlich zu dem Öl bei, mit dem wir um Mitternacht unsere Lampe auffüllen können.“ (Faith Precedes the Miracle, 1972, Seite 256.)

Bitten Sie die Teilnehmer, über die folgenden Fragen im stillen nachzudenken:

• Was haben Sie in der vergangenen Woche getan, um Öl in Ihre Lampe zu füllen? Was werden Sie in der kommenden Woche tun, um Öl in Ihre Lampe zu füllen?

2. Jesus erzählt das Gleichnis vom anvertrauten Geld.

Lesen und besprechen Sie Matthäus 25:14–30. Erklären Sie, daß ein Talent zur Zeit des Neuen Testaments ein Geldbetrag war.

• Wen stellt der Mann, der in ein fernes Land reist, im Gleichnis vom anvertrauten Geld dar? (Den Herrn.) Wen stellen die Diener dar? (Uns alle.) Was stellen die Talente dar? (Gaben von Gott.)

• Was unternahmen die Diener, die fünf und zwei Talente bekommen hatten, mit dem Geld? (Siehe Matthäus 25:16,17.) Welchen Lohn bekamen sie? (Siehe Matthäus 25:21, 23.) Was lehrt uns dieses Gleichnis darüber, mit welchem ewigen Lohn uns der himmlische Vater segnen wird? (Mögliche Antwort: Wenn es so scheint, als habe jemand von Gott weniger Gaben bekommen, wird er doch jede Segnung empfangen, wenn er die Gabe voll einsetzt.)

Elder James E. Faust hat von denen, die anscheinend weniger Gaben bekommen haben, gesagt:

„Wenn sie ihre Talente dafür einsetzen, das Reich Gottes aufzubauen und ihren Mitmenschen zu dienen, dann werden sie sich der Verheißungen des Erretters in vollem Umfang erfreuen. Die große Verheißung des Erretters lautet, daß sie ihren Lohn empfangen werden, ,nämlich Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der zukünftigen Welt‘ (LuB 59:23).“ (Der Stern, Juli 1994, Seite 5.)

• Was hat der Diener, der ein Talent bekommen hat, mit dem Geld gemacht? (Siehe Matthäus 25:24,25.) Was sagte der Herr zu ihm? (Siehe Matthäus 25:26–30.) Warum verabsäumen wir es manchmal, die Talente und Gaben zu entwickeln, die Gott uns gegeben hat? Wie können wir Hindernisse überwinden, wenn wir unsere Gaben entwickeln?

• Elder Marvin J. Ashton hat gelehrt: „Es ist unser Recht und unsere Aufgabe, unsere Gaben anzunehmen und andere daran teilhaben zu lassen.“ (Der Stern, Januar 1988, Seite 17.) Wie können wir die Talente oder Gaben erkennen und annehmen, die der Herr uns anvertraut hat? Warum ist es wohl wichtig, andere an unseren Talenten oder Gaben teilhaben zu lassen? Wie sind Sie dadurch gesegnet worden, daß Sie Ihre Talente oder Gaben entwickelt und mit anderen geteilt haben? Wie sind Sie dadurch gesegnet worden, daß andere Sie an ihren Talenten oder Gaben teilhaben ließen?

• Jeder hat zumindest eine Gabe von Gott bekommen (LuB 46:11,12), aber manche Gaben sind leichter als andere zu erkennen. Welche Gaben kann man vielleicht nicht so schnell erkennen, die man aber braucht, um anderen zu dienen oder Gott die Ehre zu geben?

Elder Marvin J. Ashton hat gesagt:

„Lassen Sie mich aufs Geratewohl einige Gaben herausgreifen, die nicht immer offenkundig oder beachtenswert, die jedoch sehr wichtig sind. Dazu gehören vielleicht auch Ihre Gaben – Gaben, die nicht offenkundig sind, aber dennoch wirklich und wertvoll.

Wir wollen uns einige dieser weniger auffälligen Gaben ansehen: die Gabe zu fragen; die Gabe zuzuhören; die Gabe, auf die sanfte, leise Stimme zu hören; die Gabe, weinen zu können; die Gabe, Streit zu vermeiden; die Gabe, nach dem zu trachten, was rechtschaffen ist; die Gabe, nicht zu urteilen; die Gabe, sich an Gott zu wenden, um Führung zu erlangen; die Gabe, ein Jünger zu sein; die Gabe, sich um andere zu kümmern; die Gabe, nachsinnen zu können; die Gabe zu beten; die Gabe, machtvoll Zeugnis zu geben; die Gabe, den Heiligen Geist zu empfangen.“ (Der Stern, Januar 1988, Seite 17.)

Geben Sie jedem einen Stift und ein Blatt Papier. Bitten Sie die Teilnehmer, ein oder zwei ihrer Talente oder Gaben aufzuschreiben. Danach sollen sie zumindest einen speziellen Punkt aufschreiben, was sie in den nächsten Wochen tun möchten, um die aufgelisteten Talente oder Gaben im Dienst an anderen einzusetzen.

Wenn Sie das Gefäß und das Öl oder farbige Wasser verwendet haben, geben Sie jetzt noch ein paar Tropfen ins Gefäß. Erklären Sie, daß wir Öl in unsere Lampen füllen, wenn wir die Talente und Gaben, die Gott uns gegeben hat, entfalten.

3. Jesus erzählt das Gleichnis von den Schafen und Böcken.

Lesen und besprechen Sie Matthäus 25:31–46.

• Jesus lehrte, daß er uns bei seinem Zweiten Kommen voneinander scheiden wird, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet (Matthäus 25:31,32). Wen stellen im Gleichnis von den Schafen und Böcken die Schafe dar? (Siehe Matthäus 25:33,34.) Wen stellen die Böcke dar? (Siehe Matthäus 25:33,41.)

• Was lehrt uns dieses Gleichnis darüber, was wir tun müssen, um uns auf das Zweite Kommen und den Tag des Gerichts vorzubereiten? (Siehe Matthäus 25:35–46.)

Elder Marion D. Hanks hat gesagt:

„Jesus [erzählte] … seinen Anhängern das Gleichnis von den Schafen und den Böcken … – als Beispiel für das künftige Gericht –, in dem er klarstellte, wer ,das ewige Leben‘ erlangen und wer ,weggehen und die ewige Strafe erhalten‘ wird (siehe Matthäus 25:31–46). Der wesentliche Unterschied besteht darin, daß diejenigen, die mit ihm das Reich ererben sollen, es sich zur Gewohnheit gemacht haben zu helfen, und daß sie erfahren haben, welche Freude das Geben bereitet und welche Befriedigung das Dienen verschafft – sie haben sich der Hungrigen, Durstigen, Obdachlosen, Nackten, Kranken und Gefangenen angenommen. …

Nichts ist wohl deutlicher als der hohe Wert, den der Herr dem selbstlosen Dienst am Mitmenschen beimißt. Er ist vom Verhalten eines Christen und von der Errettung nicht wegzudenken. Helfen, Geben, Opferbereitschaft sind so natürlich wie Wachsen und Atmen, oder sie sollten es zumindest sein.“ (Der Stern, Juli 1992, Seite 8,9.)

Wenn Sie das Gefäß und das Öl oder farbige Wasser verwendet haben, füllen Sie ein paar Tropfen in das Gefäß. Erklären Sie: Wenn wir anderen dienen, füllen wir Öl in unsere Lampe. Wir können auch dazu beitragen, daß andere Öl in ihre Lampe füllen. Zählen Sie Beispiele auf, wo Sie beobachtet haben, als einer dem anderen gedient hat, und bitten Sie die Teilnehmer, von ähnlichen Beobachtungen zu erzählen.

• Wie können wir andere durch unseren Dienst segnen? Wie sind Sie dadurch gesegnet worden, daß Sie jemand geholfen haben? Was empfinden Sie für diejenigen, die Ihnen dienen? Wie können wir besser erkennen, was andere brauchen? Wie können wir im Dienst am Nächsten fleißiger werden?

• Was hat der Erretter wohl gemeint, als er sagte: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“? (Matthäus 25:40; siehe auch Mosia 2:17.)

Zum Abschluß

Bezeugen Sie, daß wir uns für das Zweite Kommen Jesu Christi bereitmachen sollen. Wir sollen die Gaben entwickeln, die Gott uns gegeben hat und dem Beispiel des Erretters folgen, indem wir uns dem Dienst am Nächsten hingeben. Betonen Sie, daß das jeder ungeachtet seiner Umstände tun kann.

Zur Vertiefung

Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder beide Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. „Ein armer Wandrer“

Lesen oder singen Sie mit den Teilnehmern das Lied „Ein armer Wandrer“ (Gesangbuch, Nr. 18). Lesen Sie danach Matthäus 25:40. Bitten Sie die Teilnehmer zu sagen, was sie bei dem Lied und der Schriftstelle empfunden haben.

2. Video

Anhand von Abschnitt 5 von „Begriffe im Neuen Testament“ in Das Neue Testament – Videos (56914 150) können Sie einige Sitten erläutern, die bei der Hochzeit zur Zeit des Neuen Testaments eine Rolle spielten.