„Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“

Neues Testament: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1998


Ziel

Das Zeugnis der Teilnehmer davon, daß wir durch das Sühnopfer Jesu Christi Verge- bung, Frieden und ewiges Leben erlangen können, soll gestärkt werden.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie folgende Schriftstellen, und beten Sie darüber. Sie berichten von dem, was der Erretter im Garten Getsemani erlebt hat: Matthäus 26:36–46, Markus 14:32–42 und Lukas 22:39–46.

  2. 2.

    Zusätzlicher Lesestoff: 2 Nephi 2:5–8; Alma 7:11–14; 34:8–16; 42:1–31; LuB 19:15–24.

  3. 3.

    Falls das Bild „Jesus betet in Getsemani“ (62175; Bilder zum Evangelium, Nr. 227) verfügbar ist, verwenden Sie es im Unterricht.

  4. 4.

    Bitten Sie einige Teilnehmer, einen kurzen Beitrag darüber vorzubereiten, was sie über das Sühnopfer Jesu Christi empfinden. Sie können das tun, indem sie eine Lieblingsschriftstelle über das Sühnopfer vorlesen oder einige Zeilen eines Abendmahlsliedes vortragen, das ihnen gut gefällt.

  5. 5.

    Anregung für den Unterricht: Der Herr hat gesagt: „Trachte nicht danach, mein Wort zu verkünden, sondern trachte zuerst danach, mein Wort zu erlangen.“ (LuB 11:21.) Sie müssen die Schriften täglich studieren und über sie nachdenken, um daraus wirksam zu unterrichten. Nähren Sie Ihr Zeugnis mit Hilfe der Macht und Wahrheit der Schrift. (Siehe Lehren – die größte Berufung, Seite 16,17,125–127.)

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Interesse wecken

Sie können mit der folgenden (oder einer eigenen) Aktivität beginnen.

Elder Orson F. Whitney hatte ein paar Jahre, bevor er als Apostel ordiniert wurde, eine Vision vom Erretter im Garten Getsemani. Lesen Sie folgendes Zitat; Elder Whitney hat darin seine Vision beschrieben:

„Ich schien in den Garten Getsemani versetzt – gleichsam als Augenzeuge der Todesqual des Erretters. Ich sah ihn klar und deutlich vor mir. Ich stand hinter einem Baum im Vordergrund und sah, wie Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes durch eine kleine Pforte zu meiner Rechten eintrat. Der Gottessohn ließ die drei Apostel zurück; und nachdem er ihnen gesagt hatte, sie sollten niederknien und beten, begab er sich zur anderen Seite des Gartens, wo auch er niederkniete und betete. Es war das Gebet, mit dem jeder Bibelleser vertraut ist: ,Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.’

Während er betete, rannen ihm die Tränen über das Gesicht, das er mir zugewandt hatte. Dieser Anblick bewegte mich so tief, daß ich aus lauter Mitleid ebenfalls weinte. Mein ganzes Herz wandte sich ihm zu; ich liebte ihn von ganzer Seele und sehnte mich danach, bei ihm zu sein; ich wünschte mir nichts sehnlicher.

Bald darauf erhob er sich und ging hinüber zu den Aposteln – sie schliefen fest! Er rüttelte sie sacht, weckte sie und fragte mit sanftem Tadel – ohne das geringste Anzeichen von Ärger oder Ungeduld –, ob sie nicht einmal eine Stunde mit ihm wachen könnten. Dort stand er – mit der schrecklichen Last der Sünden der Welt auf den Schultern, seine empfindsame Seele von den Gewissensqualen jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes gemartert –, und sie konnten nicht einmal eine Stunde mit ihm wachen!

Er kehrte zu seinem Platz zurück und sprach dasselbe Gebet wie zuvor; dann ging er wieder zu ihnen hin und fand sie abermals schlafend. Er weckte sie, ermahnte sie nochmals und kehrte wieder zurück und betete. Das geschah dreimal.“ (Through Memory’s Halls [1930], 82.)

Zeigen Sie das Bild „Jesus betet in Getsemani“. Bitten Sie die Teilnehmer, über ihre Liebe zum Erretter nachzudenken und darüber, was sie wohl empfunden hätten, hätten sie ihn in Getsemani in der Nacht vor seiner Kreuzigung beten gesehen. Bitten Sie einige Teilnehmer, ihre Gedanken dazu zu äußern.

Besprechen und anwenden

Diese Lektion und Lektion 26 handeln vom Sühnopfer – jener freiwilligen Tat, in der Jesus den Tod und die Sünden und Leiden der gesamten Menschheit auf sich genommen hat. Diese Lektion beschäftigt sich mit dem Leiden Jesu im Garten Getsemani, während Lektion 26 die Kreuzigung zum Thema hat. Es ist wichtig, daß wir daran denken, daß das Sühnopfer sowohl das Leiden des Erretters im Garten als auch das am Kreuz einschließt.

Präsident Ezra Taft Benson hat gelehrt: „In Getsemani und auf Golgota brachte er das unbegrenzte und ewige Sühnopfer zustande. Es war die größte Liebestat eines einzelnen in der Geschichte. Er wurde dadurch unser Erlöser – er erlöste uns alle vom physischen Tod, und erlöste diejenigen vom geistigen Tod, die den Geboten und Verordnungen des Evangeliums gehorchen.“ (The Teachings of Ezra Taft Benson [1988], 14.)

1. Der Erretter nimmt unsere Sünden und Leiden auf sich.

Besprechen Sie Matthäus 26:36–46; Markus 14:32–42 und Lukas 22:39–46. Bitten Sie jemand, ausgewählte Verse daraus laut vorzulesen.

• Worum bat Jesus seine Apostel im Garten Getsemani? (Siehe Lukas 22:39,40.) Warum bat Jesus die Apostel zu beten? (Siehe Lukas 22:40.) Inwiefern stärkt uns das Gebet gegen Versuchung?

• Worum bat Jesus Petrus, Jakobus und Johannes im Garten Getsemani? (Siehe Matthäus 26:38,41.) Wie können wir das Gebot zu wachen auf uns beziehen, wenn wir uns bemühen, nach dem Evangelium zu leben? (Siehe 2 Nephi 4:28; Alma 7:22; 32:26,27.)

• Warum war Jesus bereit, dieses große Leiden im Garten Getsemani auf sich zu nehmen? (Siehe Matthäus 26:39,42,44.) Was können wir aus dem Gebet des Erretters in Getsemani lernen? Inwiefern sind Sie gesegnet worden, als Sie sich dem Willen des himmlischen Vaters unterworfen haben?

• Nachdem Jesus gesagt hatte, er werde den Willen des Vaters tun, „erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm [neue] Kraft“ (Lukas 22:43). Was lernen wir daraus über den Vater im Himmel? (Mögliche Antwort: Er stärkt uns, wenn wir demütig seinen Willen tun.)

• Was machte der Erretter in Getsemani durch? (Siehe LuB 19:16–19; Lukas 22:44; Mosia 3:7; Alma 7:11–13.)

Elder James E. Talmage hat gelehrt: „Der Seelenkampf Christi im Garten ist für den begrenzten Sinn des Menschen unfaßbar sowohl in seiner Heftigkeit wie in seiner Ursache. … Er kämpfte und stöhnte unter einer Last, wie sie kein anderes Wesen, das je auf Erden lebte, auch nur für möglich halten würde. Es war nicht physischer Schmerz allein und auch nicht seelische Pein allein, die ihn solche Qual erleiden ließen, daß dadurch aus jeder Pore Blut austrat, sondern ein geistiger Schmerzenskampf der Seele, wie nur Gott imstande war, ihn zu erleben. … In jener Stunde der Qual traf Christus auf alle Schrecken, die Satan, ,der Fürst der Welt‘, über ihn bringen konnte, und überwand sie. … Auf irgendeine Weise, für Menschen zwar unfaßbar, aber nichtsdestoweniger wirklich und schrecklich, nahm der Erlöser die Last der Sünden der Menschheit von Adam bis zum Ende der Welt auf sich.“ (Jesus der Christus, Seite 498.)

Elder Neal A. Maxwell hat gesagt: „Zur unbegrenzten Sühne Jesu gehört, daß er ,gemäß dem Fleische‘ alles kennt, was wir durchmachen müssen (Alma 7:11,12). Er hat die Sünden und den Kummer und … die Leiden aller Männer, Frauen und Kinder auf sich genommen (siehe 2 Nephi 9:21).“ (Der Stern, Juli 1987, Seite 64.)

2. Wir brauchen das Sühnopfer Jesu Christi.

• Warum brauchen wir das Sühnopfer Jesu Christi? (Siehe Alma 34:9.)

  1. a)

    Aufgrund des Falls von Adam und Eva sind wir dem physischen Tod unterworfen. Dies bedeutet die Trennung von Körper und Geist (Mose 6:48).

  2. b)

    Wenn wir sündigen, bringen wir den geistigen Tod über uns, da wir uns von Gott trennen. Unsere Sünden machen uns unrein und unfähig, bei Gott zu wohnen (1 Nephi 10:21.)

  3. c)

    Der Vater im Himmel hat seinen einziggezeugten Sohn gesandt, um das Sühnopfer zustande zu bringen, weil wir nicht aus eigener Kraft den körperlichen und geistigen Tod überwinden können (Johannes 3:16; 2 Nephi 2:5–9).

• Welche Segnungen sind uns aufgrund des Sühnopfers des Erretters zugänglich? Wie können wir diese Segnungen erlangen?

  1. a)

    Weil sich der Erretter dem Tod unterworfen hat und auferstanden ist, werden wir alle auferstehen, d. h. den physischen Tod überwinden (Mosia 16:7,8).

  2. b)

    Weil er unsere Sünden auf sich genommen hat, können wir umkehren und Vergebung erlangen. Wir können uns rein und würdig machen, bei Gott zu wohnen (Alma 7:13,14; 3. Glaubensartikel).

  3. c)

    Weil er unsere Leiden auf sich genommen hat, versteht er unsere Schwierigkeiten und weiß, wie er uns helfen kann (Alma 7:11,12). Wir erlangen in ihm Frieden, wenn wir ihm demütig nachfolgen (LuB 19:23).

Elder Marion G. Romney hat erklärt, daß alle Menschen durch das Sühnopfer vom physischen Tod errettet sind. Darüber hinaus werden alle Bußfertigen und Gehorsamen auch von den Sünden errettet:

„Das Sühnopfer Jesu Christi war notwendig, um in der Auferstehung Körper und Geist der Menschen wieder zu vereinen. Und deshalb steht jeder auf der Welt, sei er gläubig oder nicht, in der Schuld des Erlösers, denn jeder wird gewiß auferstehen. Die Auferstehung wird so umfassend sein wie Adams Fall, der jedem Menschen den Tod gebracht hat.

Aber es gibt da noch einen weiteren Gesichtspunkt beim Sühnopfer, der bewirkt, daß ich den Erretter noch mehr liebe und der meine Seele mit unaussprechlicher Dankbarkeit erfüllt. Der Erretter sühnte nicht nur für die Übertretung Adams und brachte dadurch die Auferstehung zustande, er zahlte durch sein Leiden auch die Schuld für meine eigenen Sünden. Er zahlte die Schuld für Ihre eigenen Sünden und für die Sünden jeder einzelnen lebendigen Seele, die je auf Erden gelebt hat oder noch in der Sterblichkeit auf Erden weilen wird. Das ist aber an Bedingungen geknüpft. Die Auferstehung erlangen wir unabhängig davon, was wir tun. Den Nutzen seines Leidens für unsere eigenen Übertretungen erlangen wir aber nicht bedingungslos wie die Auferstehung. Wenn wir, was unsere eigenen Übertretungen betrifft, die Segnungen des Sühnopfers erlangen wollen, müssen wir dem Gesetz gehorchen. … Wenn wir sündigen, entfremden wir uns von Gott und erweisen uns als unfähig, in seine Gegenwart einzugehen. Nichts Unreines kann in seine Gegenwart eingehen. Wir können uns nicht aus eigener Kraft vom Makel der Übertretungen, der an uns haftet, befreien, mögen wir es auch noch so sehr versuchen. Dieser Makel muß durch das Blut des Erlösers weggewaschen werden, und er hat den Weg festgelegt, wodurch der Makel entfernt werden kann. Dieser Weg ist das Evangelium Jesu Christi. Das Evangelium fordert von uns, daß wir an den Erlöser glauben, sein Sühnopfer annehmen, von unseren Sünden umkehren, durch Untertauchen zur Sündenvergebung getauft werden, durch Händeauflegen die Gabe des Heiligen Geistes empfangen und uns weiterhin glaubenstreu an die Evangeliumsgrundsätze an allen Tagen unseres Lebens halten, oder unser Bestes dabei geben, sie zu halten.“ (Conference Report, Oktober 1953, 35,36.)

Bitten Sie die Teilnehmer, die Sie zuvor um einen Beitrag gebeten haben, diesen jetzt vorzutragen (siehe unter „Vorzubereiten“).

Zum Abschluß

Legen Sie von Jesus Christus Zeugnis ab, und drücken Sie Ihre Dankbarkeit für das Sühnopfer aus. Bitten Sie auch die Teilnehmer darum, wenn Sie das für angebracht halten.

Zur Vertiefung

Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder beide Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. Video

In Abschnitt 5 von „Begriffe im Neuen Testament“ in Das Neue Testament – Videos (56914 150) wird erklärt, daß Getsemani „Ölpresse“ bedeutet. Falls Sie das Video verwenden, sprechen Sie darüber, daß Getsemani ein angemessener Name für den Garten ist, wo Jesus unsere Sünden trug.

2. „Der Mittler“

Elder Boyd K. Packer hat ein Gleichnis verwendet, um uns zu lehren, inwiefern uns das Sühnopfer Jesu Christi von Sünde befreit, wenn wir umkehren und die Gebote halten. Sie können das Gleichnis verwenden, um den Teilnehmern zu helfen, die Notwendigkeit des Sühnopfers zu verstehen. Sie finden das Gleichnis in folgenden Veröffentlichungen:

  1. a)

    Grundbegriffe des Evangeliums (31110 150), Seite 75–77.

  2. b)

    „Der Mittler“, ein Abschnitt aus Das Buch Mormon – Kurzfilme (56911 150). c) Der Stern, Oktober 1977, Seite 54–56.