„Daß ihr … an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe“

Neues Testament: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1998


Ziel

Jeder soll erkennen, wie wichtig es ist, nach den Lehren des Evangeliums zu leben und die heiligen Handlungen des Priestertums zu empfangen.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie folgende Schriftstellen, und beten Sie darüber:

    1. a)

      1 Korinther 11:1–3,11,12. Paulus lehrt über das Verhältnis zwischen Mann und Frau und zu Gott.

    2. b)

      1 Korinther 11:17–29. Paulus lehrt, daß das Abendmahl ein Symbol für das Opfer des Erretters ist und daß wir es nehmen sollen, um an ihn zu denken.

    3. c)

      1 Korinther 12–14. Paulus lehrt, daß es viele geistige Gaben gibt, und daß alle in der Kirche wichtig sind. Er lehrt, die Nächstenliebe sei wichtiger als jede andere Gabe oder Eigenschaft. Er lehrt, die geistigen Gaben sollen zum Wohle aller verwendet werden.

    4. d)

      1 Korinther 15. Paulus lehrt, daß wir alle durch Jesus Christus auferstehen werden. Er spricht auch von der Taufe für Verstorbene und von den drei Graden der Herr- lichkeit.

  2. 2.

    Zusätzlicher Lesestoff: 3 Nephi 18:1–14; Moroni 7:44–48; 10:8–18; LuB 46:1–26; 76:50–119; 88:27–32,95–102.

  3. 3.

    Falls die folgenden Bilder erhältlich sind, verwenden Sie einige davon, um die Nächstenliebe anschaulicher zu machen: „Warten, bis man an der Reihe ist“ (62316); „Das Dreirad teilen“ (62317); „Freude mit der Familie“ (62384); „Krankensegen“ (62342; Bilder zum Evangelium, Nr. 613); „Heimlehren“ (Bilder zum Evangelium, Nr. 614); „Einander dienen“ (Bilder zum Evangelium, Nr. 615).

  4. 4.

    Anregung für den Unterricht: Um wirksam zu unterrichten, muß ein Lehrer ein verständnisvolles Herz haben. Um die Bedürfnisse der Klasse besser zu verstehen, soll ein Lehrer Nächstenliebe haben und vom Heiligen Geist geführt werden. Ein Lehrer soll gebeterfüllt über die Bedürfnisse der Klasse nachdenken und wie er diesen Bedürfnissen gerecht werden kann. (Siehe Lehren – die größte Berufung, Seite 37,38.)

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Interesse wecken

Sie können mit der folgenden (oder einer eigenen) Aktivität beginnen.

Fragen Sie die Teilnehmer, was eine Weiche ist. Zeichnen Sie eine Weiche an die Tafel (wie unten angegeben), und erklären Sie, eine Weiche ist eine Stelle an den Schienen der Eisenbahn, wo ein Zug von einem Gleis auf ein anderes wechseln kann.

railroad track switch

Erzählen Sie folgendes Erlebnis, von dem Elder Gordon B. Hinckley berichtet hat:

„Vor vielen Jahren arbeitete ich in der Zentrale einer Eisenbahngesellschaft. Eines Tages erhielt ich den Anruf meines Partners in Newark, New Jersey. Er sagte, ein Personenzug sei ohne den Gepäckwagen angekommen. Die Kunden seien verärgert.

Wir fanden heraus, daß der Zug in Oakland, Kalifornien, ordnungsgemäß fertiggemacht worden war, und daß er auch ordnungsgemäß in St. Louis angekommen war, von wo aus er an seinen Bestimmungsort an der Ostküste weiterfahren sollte. Aber am Bahnhof in St. Louis hatte ein gedankenloser Weichensteller ein Stück Stahl etwa 7 cm weit verschoben. Dieses Stahlstück war eine Weiche, und der Waggon, der in Newark, New Jersey ankommen sollte, landete in New Orleans, Louisiana, mehr als 2.000 km weit entfernt.“ (In Conference Report, Oktober 1972, Seite 106,107.)

Zeigen Sie nach dem Ende der Geschichte auf die Weiche an der Tafel, und stellen Sie folgende Fragen:

• Wie konnte eine anscheinend so kleine Veränderung einen so bedeutenden Einfluß auf den Standort des Waggons haben? Was sind mögliche Weichen in unserem Leben? (Mögliche Antworten: Ereignisse, Entscheidungen, neue Erkenntnisse oder alles, was die Richtung in unserem Leben verändert. Weichen können negativ sein, wenn sie uns von der Wahrheit wegführen; sie können aber auch positiv sein, wenn sie uns auf das richtige Gleis zurückbringen.)

In den letzten Kapiteln des 1. Korintherbriefes von Paulus werden vier Weichen angesprochen, wo sich die Korinther von der Wahrheit der Lehre entfernt haben. Erklären Sie, daß wir unsere Verpflichtung, dem Pfad der Rechtschaffenheit zu folgen, stärken können, wenn wir die Lehren des Paulus in diesen Kapiteln studieren. Dieser Pfad führt uns zu unserem Vater im Himmel.

Besprechen und anwenden

Besprechen Sie bei den folgenden Schriftstellen, wie wir sie im täglichen Leben anwenden können. Regen Sie die Klasse an, von persönlichen Erfahrungen mit diesen Grundsätzen zu berichten.

1. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau und zum Herrn.

Lesen und besprechen Sie 1 Korinther 11:1–3,11,12.

• Über welche drei Beziehungen spricht Paulus in 1 Korinther 11:3? Warum hat Paulus wohl diese Beziehungen miteinander in Verbindung gebracht? Welche Eigenschaften bestehen in der Beziehung zwischen Jesus Christus und seinem Vater? (Siehe Johannes 5:20; 8:29; 17:21,22.) Wie können wir diese Eigenschaften in unserer Beziehung zu Jesus Christus entwickeln? Wie können Mann und Frau diese Eigenschaften in ihrer Beziehung entwickeln?

• Was bedeuten die Worte: „Im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau“? (1 Korinther 11:11.) Warum ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Reich Gottes so wichtig? Was lehrt uns das darüber, wie Mann und Frau einander behandeln sollen?

Präsident Marion G. Romney hat gelehrt: „[Mann und Frau] sollen sich gut verstehen und einander respektieren. Niemand soll seine eigenen Wege gehen. Sie sollen sich beraten, miteinander beten und gemeinsam entscheiden. … Denken wir immer daran, daß weder die Frau noch der Mann der Sklave des anderen ist, Mann und Frau sind in der Ehe ebenbürtige Partner.“ (Der Stern, November 1978, Seite 2.)

Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, besprechen Sie, wie diese Beziehungen positive oder negative Weichen in unserem Leben sein können.

2. Der Zweck des Abendmahls.

Lesen und besprechen Sie 1 Korinther 11:17–29. Erklären Sie, daß viele Heilige in Korinth den Zweck der Abendmahlsversammlung nicht verstanden. Anstatt sich auf die heilige Handlung des Abendmahls zu konzentrieren, stritten sie miteinander und aßen und tranken im Übermaß (1 Korinther 11:18–22.)

• Was ist der eigentliche Zweck der Abendmahlsversammlung? (Siehe Joseph Smith Translation von 1 Korinther 11:20, wo steht, daß der Zweck darin besteht, daß wir das Abendmahl nehmen sollen.)

Elder Jeffrey R. Holland hat gelehrt: „Es geht um so viel. … Wir müssen [das Abend mahl] daher ernster nehmen, als wir es manchmal tun. Das Abendmahl sollte ein machtvoller, andächtiger und besinnlicher Augenblick sein. Es sollte zu geistigen Empfindungen und Eindrücken anregen. Es geht nicht darum, es schnell hinter uns zu bringen, damit wir uns dem eigentlichen Zweck der Abendmahlsversammlung widmen können. Das Abendmahl ist der Zweck der Versammlung.“ (Der Stern, Januar 1996, Seite 61.)

• Was ist laut Paulus der Zweck des Abendmahls? (Siehe 1 Korinther 11:23–26; siehe auch Lukas 22:19,20.) Was können wir tun, um uns im Geist und mit dem Herzen besser auf Jesus zu konzentrieren, wenn wir das Abendmahl nehmen?

• Was lehrt uns Paulus darüber, wie wichtig es ist, das Abendmahl würdig zu nehmen? (Siehe 1 Korinther 11:27–29.) Was bedeutet es, das Abendmahl unwürdig zu nehmen? Warum ist es ein wichtiger Teil des Abendmahls, daß wir die eigene Würdigkeit überprüfen?

• Wie sind Sie durch die Teilnahme am Abendmahl gesegnet worden? Wie können wir dieser heiligen Handlung in unserem Leben mehr Bedeutung verleihen?

Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, besprechen Sie, inwiefern unsere Einstellung dem Abendmahl gegenüber eine Weiche in unserem Leben sein kann.

3. Die Bedeutung von geistigen Gaben.

Besprechen Sie 1 Korinther 12–14. Bitten Sie jemand, ausgewählte Verse daraus vorzulesen. Erklären Sie, daß man aus dem Brief des Paulus schließen kann, daß die Heiligen in Korinth der Gabe der Zungenrede zu viel Bedeutung beigemessen haben (1 Korinther 14:2–14,27,28). Paulus erklärt in Kapitel 12 bis 14, daß alle Gaben des Geistes wichtig sind, daß die Heiligen aber nach Gaben trachten sollen, die allen nützlich sind.

• Was sind geistige Gaben? (Geistige Segnungen oder Fähigkeiten, die durch den Heiligen Geist gegeben werden. Siehe 1 Korinther 12:7–11; LuB 46:11.) Warum gibt Gott geistige Gaben? (Siehe LuB 46:26.)

• Welche Gaben des Geistes haben Sie erlebt oder beobachtet? (Sie können einige geistige Gaben auflisten und besprechen, die in 1 Korinther 12:8–10, Moroni 10:8–17 und LuB 46:13–25 offenbart sind.) Wie sind Sie oder andere durch diese Gaben gesegnet worden?

• Warum hat Paulus die Mitglieder der Kirche mit den einzelnen Körperteilen verglichen? (1 Korinther 12:12–25. Um zu zeigen, daß jedes Mitglied für die anderen und für die ganze Kirche wichtig ist.) Wie können wir diesen Vergleich auf die verschiedenen Gaben des Geistes übertragen?

• In der Schrift wird uns geraten, nach geistigen Gaben zu trachten (1 Korinther 12:31; LuB 46:8.) Welchen Beweggrund sollten wir dafür haben? (Siehe 1 Korinther 14:12; LuB 46:9.)

• Was ist gemäß Paulus die größte aller geistigen Gaben? (Siehe 1 Korinther 13. Erklären Sie jede Eigenschaft der Nächstenliebe, wie sie in Vers 4 bis 7 beschrieben ist, und besprechen Sie, wie wir sie im täglichen Leben anwenden können. Sie können die Eigenschaften auch an der Tafel auflisten.) Warum ist die Nächstenliebe wichtiger als jede andere geistige Gabe? (Siehe 1 Korinther 13:1–3,8–13.)

• Inwiefern sind Sie gesegnet worden, weil Ihnen jemand Nächstenliebe entgegengebracht hat? Wie können wir mehr Nächstenliebe entwickeln? (Siehe Moroni 7:44–48.)

Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, besprechen Sie, inwiefern die Nächstenliebe in unserem Leben eine Weiche darstellen kann.

4. Die Auferstehung und die Grade der Herrlichkeit.

Lesen und besprechen Sie ausgewählte Verse aus 1 Korinther 15. Erklären Sie, daß sich viele Korinther wegen der Auferstehung stritten (1 Korinther 15:12).

• Welche Zeugen der Auferstehung zählt Paulus auf? (Siehe 1 Korinther 15:5–8.) Warum hat Paulus wohl so viele Zeugen der Auferstehung aufgezählt? (Siehe 2 Korinther 13:1.) Warum sind Zeugen der Auferstehung für Sie wichtig?

• Was lehrte Paulus über die Beziehung zwischen Adams Fall und der Auferstehung? (Siehe 1 Korinther 15:20–23.)

• Wie benutzte Paulus die Lehre von der Taufe für Verstorbene, um über die Auferstehung zu belehren? (Siehe 1 Korinther 15:29. Die heilige Handlung der Taufe für Verstorbene wäre ohne die Auferstehung bedeutungslos.)

• Was lehrte Paulus über die Reiche der Herrlichkeit? (Siehe 1 Korinther 15:35–44. Wir werden in verschiedene Reiche der Herrlichkeit auferstehen – celestial, terrestrial oder telestial. Siehe auch LuB 88:27–32.) Inwiefern beeinflußt das Wissen um die Auferstehung und die Reiche der Herrlichkeit Ihre Lebensweise?

Zum Abschluß

Bezeugen Sie, wie wichtig es ist, die Lehren zu befolgen, die uns zum Vater im Himmel zurückbringen. Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, fordern Sie die Teilnehmer auf, in Ihrem eigenen Leben nach Weichen zu suchen – Einstellungen und Handlungen, die die Richtung in ihrem Leben verändern können. Regen Sie sie an, die Richtung so festzulegen, daß sie ihr Leben positiv beeinflußt.

Zur Vertiefung Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder beide Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung“ (1 Korinther 14:33)

Bitten Sie jemand, 1 Korinther 14:33 vorzulesen. Fragen Sie dann:

• Über welche Themen gibt es in der Welt „Unordnung“ und Streit? Warum gibt es wohl so viel „Unordnung“ in der Welt? Inwiefern ist Gott „ein Gott des Friedens“?

2. Aktivität für Jugendliche

Denken Sie vor dem Unterricht über verschiedene Situationen im täglichen Leben nach, in denen Jugendliche die Gelegenheit haben, Nächstenliebe zu üben (beispielsweise: jemand braucht in der Schule Hilfe, ein Streit mit einem Bruder oder einer Schwester, oder ein Freund, der sich allein oder minderwertig vorkommt). Fragen Sie die Jugendlichen, wie sie in einer solchen Situation die Eigenschaften der Nächstenliebe, wie Paulus sie in 1 Korinther 13 gelehrt hat, anwenden könnten, um die Lage zu verbessern.