Die Bergpredigt: „Einen vortrefflicheren Weg“

Neues Testament: Evangeliumslehre – Leitfaden für den Lehrer, 1998


Ziel

Jeder soll ermutigt werden, zu Christus zu kommen, indem er die Grundsätze anwendet, die in der Bergpredigt gelehrt werden.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Lesen Sie folgende Schriftstellen, und beten Sie darüber:

    1. a)

      Matthäus 5:1–12. Jesus lehrt auf einem Berg in Galiläa seine Jünger die Seligpreisungen.

    2. b)

      Matthäus 5:13–16. Jesus erklärt, seine Jünger sind „das Salz der Erde“ und „das Licht der Welt“.

    3. c)

      Matthäus 5:17–48. Jesus erklärt, er sei gekommen, das Gesetz Mose zu erfüllen, und er lehrt ein höheres Gesetz.

  2. 2.

    Zusätzlicher Lesestoff: Lukas 6:17–36; Mosia 13:28–35; Alma 34:13–16; 3 Nephi 12; Ether 12:11.

  3. 3.

    Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchführen möchten, besorgen Sie für jeden Teilnehmer einen Stift und ein Blatt Papier.

  4. 4.

    Verwenden Sie das folgende Material (falls verfügbar) im Unterricht:

    1. a)

      Das Bild „Die Bergpredigt“ (62166; Bilder zum Evangelium, Nr. 212).

    2. b)

      Ein Gefäß mit Salz und eine Lampe.

  5. 5.

    Anregung für den Unterricht: Jesus Christus ist der vollkommene Lehrer. Achten Sie, während Sie die Bergpredigt studieren, auf seine Unterrichtsmethoden. Denken Sie darüber nach, wie Sie ihm nacheifern können. (Siehe Lehren – die größte Berufung, Seite 23. Dort finden Sie weitere Anregungen darüber, wie Sie dem Beispiel des Erretters als Lehrer folgen können.)

Vorgeschlagener Unterrichtsablauf

Interesse wecken

Sie können den Unterricht mit der folgenden (oder mit einer eigenen) Aktivität begin- nen.

Geben Sie jedem ein Blatt Papier und einen Stift. Erklären Sie, daß die heilige Schrift viele Aufforderungen des Erretters enthält. Vielleicht möchten Sie die Klasse die Aufforderungen des Erretters in Matthäus 11:28,29 und 3 Nephi 27:27 lesen lassen. Bitten Sie die Teilnehmer, die Worte Der Erretter fordert mich auf oben auf das Blatt Papier zu schreiben. Sagen Sie danach, daß Sie sich heute mit der Bergpredigt beschäftigen werden, die viele Aufforderungen des Erretters enthält. Bitten Sie die Teilnehmer, während des Unterrichts auf die Aufforderungen zu achten und diese auf das Blatt zu schreiben.

Besprechen und anwenden

Besprechen Sie bei den folgenden Schriftstellen, wie wir sie im täglichen Leben anwenden können. Regen Sie die Klasse an, von persönlichen Erfahrungen mit diesen Grundsätzen zu berichten. Da es schwer wäre jede Frage zu stellen oder jeden Punkt zu behandeln, die in dieser Lektion vorkommen, wählen Sie gebeterfüllt die Punkte aus, die den Bedürfnissen der Klasse am besten gerecht werden.

1. Jesus lehrt seine Jünger die Seligpreisungen.

Viele Jahrhunderte, nachdem Christus in seinem vorirdischen Dasein auf dem Berg Sinai das Gesetz Mose gegeben hatte, erstieg der sterbliche Messias einen weiteren Berg, um ein höheres Gesetz zu verkünden. Diese Rede ist als die Bergpredigt bekannt. Zeigen Sie das Bild der Bergpredigt.

Wir kennen die ersten Belehrungen in dieser Predigt als die Seligpreisungen (Matthäus 5:1–12). Lesen Sie die Seligpreisungen, und besprechen Sie sie wie unten angegeben.

  • Matthäus 5:3. Was bedeutet es, „arm … vor Gott“ zu sein? (Demütig zu sein; siehe auch 3 Nephi 12:3.) Warum ist es wichtig, demütig zu sein? Wie können wir demütiger werden?

  • Matthäus 5:4. Was tut der Herr, um uns zu trösten? (In Johannes 14:26,27 und Mosia 18:8,9 finden Sie Beispiele.) Wie sind Sie in Zeiten der Trauer getröstet worden?

  • Matthäus 5:5. Was bedeutet es, keine Gewalt anzuwenden? (Höflich, vergebungsbereit und wohltätig zu sein.) Wie können wir so werden? (Siehe Mosia 3:19; Alma 7:23; 13:28.)

  • Matthäus 5:6. Was verspricht Jesus denen, die „hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“? (Siehe Matthäus 5:6; 3 Nephi 12:6.) Was können wir tun, um unser weltliches Verlangen auf die Belange der Rechtschaffenheit zu lenken?

  • Matthäus 5:7. Wie können wir anderen Barmherzigkeit entgegenbringen? Warum brauchen wir Barmherzigkeit vom Herrn? (Siehe Alma 42:13–15.)

  • Matthäus 5:8. Was bedeutet es Ihrer Meinung nach, ein reines Herz zu haben? Wie können wir im Herzen rein werden? (Siehe Helaman 3:35.) Warum müssen wir ein reines Herz haben, wenn wir Gott schauen und bei ihm wohnen wollen? (Siehe Mose 6:57.)

  • Matthäus 5:9. Wie können wir in unserer Familie und im Gemeinwesen Frieden stiften?

  • Matthäus 5:10–12. Warum werden rechtschaffene Menschen manchmal verfolgt? Wie sollen wir mit Verfolgung umgehen? (Siehe Matthäus 5:44; Lukas 6:35.)

Falls Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, lassen Sie die Teilnehmer jetzt diejenigen Seligpreisungen aufschreiben, von denen sie meinen, daß sie ihnen besonders helfen können.

2. Jesus erklärt, seine Jünger sind „das Salz der Erde“ und „das Licht der Welt“.

Lesen und besprechen Sie Matthäus 5:13–16. Vielleicht möchten Sie bei der Besprechung dieser Verse das Gefäß mit dem Salz und die Lampe zeigen.

• Jesus sagte, seine Jünger seien „das Salz der Erde“ (Matthäus 5:13; LuB 101:39). Wofür verwendet man Salz? (Mögliche Antworten: Als Würz- und als Konservierungsmittel.) Wie kann ein Heiliger der Letzten Tage „das Salz der Erde“ sein?

• Bitten Sie jemand, LuB 103:9,10 vorzulesen. Welche Erkenntnis fügen diese Verse dem Ausdruck „Salz der Erde“ hinzu? Wie können wir „den Menschen Erretter“ sein? (Mögliche Antworten: Andere am Evangelium teilhaben lassen und Tempelarbeit verrichten.)

• Wie kann ein Heiliger der Letzten Tage „das Licht der Welt“ sein? (Matthäus 5:14; siehe auch Vers 16.) Was geschieht, wenn man ein Gefäß über eine Kerze stülpt? (Matthäus 5:15.) Inwiefern stellen wir als Mitglieder der Kirche manchmal unser Licht unter ein Gefäß? Was können wir tun, um unser Licht so scheinen zu lassen, daß andere dadurch „[unseren] Vater im Himmel preisen“? (Siehe Matthäus 5:16; 3Nephi 18:24.)

3. Jesus lehrt ein höheres Gesetz als das Gesetz Mose.

Besprechen Sie Matthäus 5:17–48. Bitten Sie jemand, ausgewählte Verse daraus laut vorzulesen.

• Jesus hat gesagt, er sei gekommen, das Gesetz Mose zu erfüllen, nicht es aufzuheben (Matthäus 5:17,18). Inwiefern erfüllte er das Gesetz Mose?

Erklären Sie, daß das Gesetz Mose „den Kindern Israel … gegeben wurde; … denn sie waren ein halsstarriges Volk, schnell, Übles zu tun, und langsam, des Herrn, ihres Gottes, zu gedenken.“ Es war „ein Gesetz der Verrichtungen und Verordnungen, … das [die Israeliten] von Tag zu Tag streng beachten sollten, damit sie ständig an Gott und ihre Pflicht ihm gegenüber dächten“ (Mosia 13:29,30). Die das Gesetz verstanden, „[schauten] standhaft nach Christus aus, bis das Gesetz erfüllt sein [würde]. Denn zu diesem Zweck ist das Gesetz gegeben worden.“ (2 Nephi 25:24,25.)

Der Erretter erfüllte das Gesetz Mose, als er für unsere Sünden sühnte (Alma 34:13–16). Nach dem Sühnopfer wurde den Menschen nicht länger geboten, Tieropfer darzubringen. Diese waren Teil des Gesetzes Mose gewesen. Sie sollten auf das Sühnopfer Jesu Christi hinweisen. An seiner Stelle wurde den Menschen geboten, „als Opfer ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist [darzubringen]“ (3 Nephi 9:20; siehe auch Vers 19).

• Jesus sagte seinen Jüngern, ihre Gerechtigkeit solle „weit größer [sein] als die der Schriftgelehrten und Pharisäer“ (Matthäus 5:20). Inwiefern fehlte es den Schriftgelehrten und Pharisäern an „Gerechtigkeit“? (Sie achteten nur auf Äußerlichkeiten des Gesetzes und nicht darauf, wie wichtig es ist, in ihrem Innern glaubenstreu zu sein. Hätten sie das Gesetz so beachtet, wie es ihnen gegeben worden war, hätten sie Jesus als den Messias erkannt.)

Schreiben Sie in die linke obere Ecke der Tafel: Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist. Erklären Sie, daß Jesus diese Worte in der Bergpredigt verwendet, wenn er auf Gebote hinweist, die zum Gesetz Mose gehören. Schreiben Sie in die rechte obere Ecke: Ich aber sage euch. Weisen Sie darauf hin, daß Jesus diese Worte verwendet, wenn er seine Jünger das höhere Gesetz lehrt.

• Auf welches alte Gebot bezieht sich Jesus in Matthäus 5:21? (Schreiben Sie Du sollst nicht töten unter Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist.) Welches höhere Gesetz gab Jesus in Zusammenhang mit diesem Gebot? (Siehe Matthäus 5:22. Schreiben Sie Du sollst nicht zornig werden unter Ich aber sage euch.) Inwiefern ist das Gebot, nicht zornig zu werden, ein höheres als das, daß man nicht töten soll? Wie beeinträchtigen Zorngefühle unser Verhältnis zu Gott? Was können wir tun, um unseren Zorn im Zaum zu halten und ihn aus unserem Leben zu verbannen?

• Der Erretter sprach davon, daß wir unsere „Opfergabe zum Altar“ bringen sollen, und er nahm damit bezug auf die Opfer in alter Zeit (Matthäus 5:23). Was sollten die Jünger laut Jesu Worten tun, wenn sie sich mit Zorn darauf vorbereiteten, ihre Opfergabe zum Altar zu bringen? (Siehe Matthäus 5:23,24.) Was bedeutet das für uns?

• Was sollen wir tun, wenn uns jemand beleidigt hat? (Siehe Matthäus 5:24; 18:15; LuB 64:8–11.) Warum ist es gefährlich, darauf zu warten, daß uns jemand, der uns beleidigt hat, um Verzeihung bittet?

• Auf welches alte Gebot bezieht sich Jesus in Matthäus 5:27? (Schreiben Sie Du sollst nicht die Ehe brechen unter Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist.) Welches Gesetz gab Jesus, um dieses Gebot zu ersetzen? (Siehe Matthäus 5:28. Schreiben Sie Lüsterne Gedanken vermeiden unter Ich aber sage euch.) Welche Folgen haben unreine Gedanken? (Siehe Mosia 4:30; Alma 12:14; LuB 63:16.) Was können wir tun, um unsere Gedanken rein zu halten?

• In der Bibelübertragung von Joseph Smith heißt es, das Auge und die Hand, die in Matthäus 5:29,30 erwähnt werden, stellten Sünden dar. Was lernen wir aus diesen Versen darüber, wie wir mit Sünde umgehen sollen?

• Matthäus 5:33: Wie bekundeten die Menschen zur Zeit des Alten Testaments, daß sie die Wahrheit sagten? (Schreiben Sie Vor dem Herrn einen Eid schwören unter Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist.) Welches Gesetz gab Jesus, um diese Handlungsweise zu ersetzen? (Siehe Matthäus 5:34–37. Lesen Sie folgende Aussage von Bruce R. McConkie. Schreiben Sie dann Das Wort halten unter Ich aber sage euch.)

Elder Bruce R. McConkie hat gesagt: „Unter dem mosaischen Gesetz war das Schwören so alltäglich und umfaßte eine solche Vielzahl von Fällen, daß es in der Praxis wenige Aussagen gab, die ohne Schwur der Wahrheit entsprachen. … Unter dem vollkommenen Gesetz Christi ist jeder durch sein Wort gebunden und alle Aussagen sind so gültig, als begleite ein Schwur jedes gesprochene Wort.“ (The Mortal Messiah, 4 vols. [1979–81], 2:140.)

• Auf welches alte Gebot bezieht sich Jesus in Matthäus 5:38? (Schreiben Sie Auge für Auge unter Ihr habt gehört. daß gesagt worden ist. Erklären Sie, „Auge für Auge“ bedeutet, daß jemand, der einen anderen verletzt hat, die gleiche Verletzung als Strafe empfangen konnte; siehe Levitikus 24:17–21.) Welches Gebot trat an die Stelle dieses Gesetzes? (Siehe Matthäus 5:39,40. Schreiben Sie Die zweite Wange hinhalten unter Ich aber sage euch.) Welche Grundsätze lehrte Jesus, als er sagte, wir sollten die zweite Wange hinhalten, wenn uns jemand schlägt, und wir sollten auch unseren Mantel geben, wenn uns jemand das Hemd wegnähme?)

• Auf welche alte Handlungsweise bezieht sich Jesus in Matthäus 5:43? (Schreiben Sie Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind unter Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist.) Welches Gebot trat an seine Stelle? (Siehe Matthäus 5:44–47. Schreiben Sie Liebe deine Feinde unter Ich aber sage euch.) Wie können wir Liebe für unsere Feinde entwickeln? (Siehe Moroni 7:47,48 als ein Beispiel dafür.) Inwiefern wird sich unser Leben ändern, wenn wir unsere Feinde lieben? Wie ändert sich vielleicht deren Leben?

Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, bitten Sie die Teilnehmer, sich anhand der Liste an der Tafel die Aufforderungen aus Matthäus 5:17–47 herauszusuchen, die ihnen im besonderen helfen können.

• Wie sollen wir das Gebot des Erretters, vollkommen zu werden, verstehen? (Siehe Matthäus 5:48; eine weitere Übersetzungsmöglichkeit des griechischen Wortes für vollkommen ist vollständig, beendet und voll entwickelt.) Wie kann uns das Gebot, vollkommen zu sein, eher motivieren als frustrieren?

Präsident Joseph Fielding Smith hat gesagt:

„Ich glaube, der Herr hat genau das gemeint, was er gesagt hat: Wir sollen vollkommen sein, wie unser Vater im Himmel vollkommen ist. Dies geschieht aber nicht von heute auf morgen, sondern wir müssen Zeile um Zeile und Vorschrift auf Vorschrift erhalten. Aber auch dann wird dieses irdische Dasein nicht ausreichen; wir müssen in der künftigen Welt weiteren Fortschritt machen, bevor wir vollkommen und Gott gleich sind.

Die Grundlage schaffen wir jedoch in diesem Leben. Hier, auf diesem Prüffeld, ist der Ort, wo wir in den einfachen Wahrheiten des Evangeliums Jesu Christi unterwiesen werden, damit wir uns auf die Vollkommenheit vorbereiten können. Unsere Pflicht ist es, heute ein besseres Leben als gestern zu führen und morgen weiter fortgeschritten zu sein als heute. … Wenn wir die Gebote des Herrn halten, [sind wir] auf dem Weg …, der zur Vollkommenheit führt.“ (Lehren der Erlösung, Band II, Seite 27.)

• Inwiefern hilft uns das Sühnopfer des Erretters, Vollkommenheit zu erreichen? (Siehe Moroni 10:32,33; LuB 76:68–70.) Wie helfen uns die Lehren in der Bergpredigt, der Aufforderung nachzukommen: „Kommt zu Christus, und werdet in ihm vollkommen.“?

Zum Abschluß

Bezeugen Sie, daß die Lehren in der Bergpredigt uns helfen, zu Christus zu kommen und in ihm vollkommen zu werden (siehe Moroni 10:32). Ermutigen Sie die Teilnehmer, diese Lehren in Ihrem Leben anzuwenden. Wenn Sie die Aktivität unter „Interesse wecken“ durchgeführt haben, bitten Sie die Teilnehmer, sich die aufgelisteten Aufforderungen anzusehen und eine oder zwei auszusuchen, die sie in der kommenden Woche beach- ten wollen.

Zur Vertiefung

Das folgende Material ergänzt den Unterricht. Sie können einen oder mehrere Vorschläge im Unterricht verwenden.

1. „Einen vortrefflicheren Weg“ (Ether 12:11)

Bitten Sie einige Teilnehmer im voraus, darüber zu sprechen, wie ihnen die Lehren in Matthäus 5 zu Hause, in der Schule oder bei der Arbeit helfen können.

2. Die Lehren des Erretters in bezug auf Scheidung

Wenn Sie oder die Teilnehmer Fragen zu Matthäus 5:31,32 haben, greifen Sie auf Punkt 5 unter „Zur Vertiefung“ in Lektion 14 zurück (siehe Seite 60).

3. Video

In Galater 3:24,25 steht, das mosaische Gesetz habe die Menschen in Zucht gehalten; Abschnitt 2 von „Begriffe im Neuen Testament“ in Das Neue Testament – Videos (56914 150) erklärt, was damit gemeint ist. Wenn Sie diesen Abschnitt zeigen, besprechen Sie, wie das mosaische Gesetz die Menschen in Zucht gehalten hat, um sie zu Christus zu bringen.