Führung

Anleitung für Führungskräfte des Priestertums und der Hilfsorganisationen, 2001


Das Beispiel des Erretters

Unser Erretter, Jesus Christus, hat den Mitgliedern ein vollkommenes Beispiel gegeben, dem sie als Führer in der Familie und in der Kirche folgen können. Er liebte seinen Vater und diejenigen, denen er diente. Er lebte, um anderen zu dienen; er richtete die Unterdrückten auf und gab den Mutlosen Hoffnung.

Chirst teaching

Jesus verstand seine Berufung und war gebeterfüllt und eifrig im Erfüllen seiner Aufgabe. Immer tat er den Willen des Vaters und gab diesem die Herrlichkeit; für sich selbst suchte er keine. Für die Menschen opferte er alles, gab sein Leben am Kreuz hin und sühnte für die Sünden aller.

In dem Maße, wie die Führungskräfte dem Beispiel des Erretters folgen, wird er ihre Fähigkeit, sein Werk zu tun, erweitern. Er wird sie inspirieren, so dass sie wissen, was sie sagen und tun sollen (siehe LuB 100:6). Dann werden sie wirklich seine Mitknechte und rich- ten mit ihm gemeinsam das Reich Gottes auf. Sie studieren in der Schrift, lernen die Lehre und die Grundsätze des Evangeliums und bemühen sich, sie denen zu vermitteln, denen sie dienen.

Charakterzüge einer Führungskraft

Glaube

Während seines irdischen Wirkens forderte der Erretter seine Jünger auf, Glauben zu üben (siehe Matthäus 17:14–21; Lukas 8:22–25). Ein Führer in der Kirche muss an Jesus Christus als den Erretter und Erlöser glauben. Dieser Glaube lässt sich durch Beten, Schriftstudium, Gehorsam und Umkehr entwickeln. Das Samenkorn des Glaubens wird in uns wachsen und Frucht bringen, die überaus kostbar und süß ist – sofern wir es nähren (siehe Alma 32:42).

Liebe

Der Herr hat gesagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Johannes 13:34,35). Eine Führungskraft bringt den Menschen die Liebe entgegen, die der Herr ihr anvertraut hat. Sie verspürt aufgrund dieser Liebe den Wunsch, ihnen zu dienen, sie zu unterweisen und ihnen zu helfen, sich ihre Errettung zu erarbeiten.

In der Welt sieht man in einem Führer selten einen Diener. Doch der Erretter lehrte durch Wort und durch Tat, dass ein Führer denen dienen soll, die er führt. Er sagte zu den Zwölf: „Wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein“ (Matthäus 20:27). Wenn wir anderen dienen, dann dienen wir dem Herrn (siehe Matthäus 25:31–40; Mosia 2:17).

Gehorsam

Jesus Christus hat uns das vollkommene Beispiel gegeben; er hat dem Vater im Himmel gehorcht und sich seinem Willen untergeordnet (siehe Matthäus 26:39; Johannes 5:30). Ein Führer muss den Geboten Gottes gehorsam sein, so dass er anderen ein Beispiel geben kann und würdig ist, vom Heiligen Geist geführt zu werden. Im Gehorsam zeigt sich die Liebe für den Herrn (siehe Johannes 14:15).

Die Gebote des Herrn werden in den Schriften, durch die Führer der Kirche und durch die Eingebungen des Heiligen Geistes kundgetan. Wenn eine Führungskraft diesen Geboten gehorcht, hilft ihr der Herr, ihre Berufung zu erfüllen.

Einigkeit

Im Abschiedsgebet des Herrn bittet der Erretter darum, dass diejenigen, die an ihn glauben, eins seien, so wie er und sein Vater eins sind (siehe Johannes 17:20–23). Dem Erfolg in jeder Organisation der Kirche liegt Einigkeit zugrunde. Die Führer im Priestertum und die Leiter/innen der Hilfsorganisationen sollen ihre Ratgeber/innen in die Arbeit einbeziehen. Wenn eine Leitung einig ist und miteinander beratschlagt, kann sie viel mehr bewirken.

Opfer

Ein reicher junger Mann fragte einst den Erretter, was er tun müsse, um das ewige Leben zu gewinnen. „Halte die Gebote”, antwortete ihm der Herr. Der junge Mann entgegnete, er habe die Gebote von Kindheit an gehalten, und fragte sodann: „Was fehlt mir jetzt noch?“ Jesus, der sein Herz kannte, sagte ihm, er solle all seinen Besitz verkaufen, das Geld den Armen geben und dann kommen und ihm nachfolgen. Doch der junge Mann ging „traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen”. (Siehe Matthäus 19:16–22.)

Durch diese Geschichte lehrt der Herr, dass eine Führungskraft bereit sein muss, alles zu opfern, um ihm nachzufolgen. Genau wie der reiche junge Mann wird ein Führer vielleicht gebeten, seinen Besitz zu opfern, oder er wird vielleicht gebeten, seine Zeit, seine Talente oder seine persönlichen Bestrebungen zu opfern, um das Werk des Herrn voranzubringen. Wenn ein Führer für den Herrn und sein Reich Opfer bringt, verspricht der Herr, ihn in allem zu segnen (siehe Matthäus 19:29; LuB 97:8,9).

Führungsaufgaben

Ziele setzen

Ein Führer lernt, dass es zu seiner Berufung gehört, dass er sich gebeterfüllt an den Herrn wendet, um zu erfahren, was er tun soll. Er muss sich, vom Geist geleitet, Ziele setzen, um die Arbeit, die der Herr ihm übertragen hat, verrichten zu können.

Zum Zielesetzen gehört auch, dass sich die Führungskraft überlegt, wie sie das jeweilige Ziel erreichen will. Ein Distriktspräsident kann sich beispielsweise zum Ziel setzen, die Anwesenheit in den Abendmahlsversammlungen im Distrikt zu erhöhen. Dieser Plan schließt unter Umständen mit ein, dass er die Zweigpräsidenten seines Distrikts bittet, die Mitglieder ihres Zweiges aufzufordern, sich zur Teilnahme an der Abendmahlsversammlung zu verpflichten.

Die Führungskraft soll die Mitglieder ermutigen, sich persönliche Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen. Die Führungskraft kann zwar dem Einzelnen Ziele vorschlagen, doch soll sich jeder selbst Ziele setzen und auch eigene Pläne aufstellen, wie sich diese Ziele erreichen lassen.

Planen und delegieren

Die folgenden Schritte helfen den Führungskräften des Priestertums und der Hilfsorganisationen, Versammlungen, Aktivitäten, Dienstprojekte und Ziele im Werk des Herrn zu planen. Sie sind auch hilfreich, wenn es darum geht, Mitglieder einzugliedern und sichmit Nichtmitgliedern anzufreunden. Die Führungskräfte können anhand dieser Schritte auch die Heim- und die Besuchslehrarbeit organisieren, und die Priestertumsführer können Mitglieder zu Ämtern im Zweig berufen.

  1. 1.

    Planen und organisieren Sie. Ein Priestertumsführer plant alle Versammlungen, Aktivitäten und Ziele so, dass sie einen evangeliumsbezogenen Zweck erfüllen. Der Priestertumsführer bezieht bei Planung und Organisation die Ideen und die Hilfe anderer – zum Beispiel die seiner Ratgeber – mit ein.

  2. 2.

    Beten Sie. Ein Führer betet bei der Planung und Ausführung einer Idee um Führung durch die Eingebungen des Geistes. Er betet auch um Führung bei der Frage, wen er dazu berufen soll, ihn in dieser Arbeit zu unterstützen.

  3. 3.

    Delegieren Sie. Ein guter Führer lädt andere dazu ein, ihm zu helfen, da er weiß, dass er weder alles allein tun kann noch alles allein tun soll. Er delegiert und hilft anderen dadurch, dazuzulernen und Erfahrung zu sammeln. Er erklärt ihnen seinen Plan. Danach weist er jedem eine bestimmte Aufgabe zu und erklärt ihm ferner die Pflichten und Segnungen, die mit der Erfüllung dieser Aufgabe einhergehen.

  4. 4.

    Helfen und unterstützen Sie die anderen. Nachdem die Führungskraft die ersten drei Schritte befolgt hat, unterstützt sie diejenigen, denen sie eine Aufgabe übertragen hat. Sie lehrt sie, was sie wissen müssen, und bietet Hilfe an, doch erledigt sie nicht das, was sie einem anderen übertragen hat. Sie bringt Liebe und Vertrauen zum Ausdruck und ermutigt jeden dazu, seine eigenen Ideen und Eingebungen in die Tat umzusetzen. Die Führungskraft besteht nicht darauf, dass alles unbedingt nach ihrem Plan ausgeführt werden muss. Nur wenn es wirklich notwendig ist, gibt sie dem Ganzen eine neue Richtung oder lässt etwas verändern.

  5. 5.

    Kontrollieren Sie die Durchführung. Nachdem ein Führer einen Auftrag erteilt hat, lässt er sich regelmäßig Bericht über den Fortschritt erstatten. Dies kann in einem zwanglosen Gespräch, bei einer Sitzung oder in einem vertraulichen Interview geschehen. Bei der Berichterstattung dankt der Führer dem Betreffenden und spendet ihm aufrichtig Lob und Zuspruch. Er kann auch Verbesserungsmöglichkeiten für die Arbeit ansprechen.

  6. 6.

    Werten Sie die Arbeit aus. Nach Erledigung eines Auftrags wertet der Priestertumsführer ihn mit jedem Beteiligten aus. Er bedankt sich, bespricht den Wert der getanen Arbeit und erteilt dem Betreffenden möglicherweise einen neuen Auftrag.

Eine Tagesordnung ausarbeiten

Unter „Tagesordnung“ versteht man einen Plan für eine Versammlung oder Sitzung. Dazu können Gebet, Lied, Ansprachen, Bekanntmachungen, Geschäftliches, Berichte, neue Aufträge und Sonstiges gehören. Mit Hilfe einer schriftlich niedergelegten Tagesordnung kann eine Führungskraft sicherstellen, dass alle wichtigen Punkte in der Versammlung bzw. Sitzung zur Diskussion kommen und dass die Zeit nutzbringend verwendet wird. Mit Hilfe einer Tagesordnung lässt sich eine Sitzung wohlgeordnet durchführen.

Normalerweise wird die Tagesordnung von demjenigen erstellt, der präsidiert oder die Leitung hat. Er stellt sicher, dass darin alles berücksichtigt ist, was dazu dient, den Zweck der Versamm- lung bzw. der Sitzung zu erfüllen. Derjenige, der die Tagesordnung erstellt, bestimmt, wie viel Zeit für jeden Punkt aufgewandt wird. Reicht die Zeit nicht für alle Punkte aus, setzt er die noch unerledigten auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung.

Versammlungen und Sitzungen leiten

Der Leiter einer Versammlung bzw. Sitzung ist derjenige, der die Anwesenden durch die Versammlung bzw. Sitzung führt. Er kündigt an, wer beten, spre- chen, den Gesang leiten und sonst etwas in der Versammlung tun wird. Wer die Versammlung leitet, soll andächtig sein und die Versammlung so leiten, wie er vom Geist des Herrn geführt wird.

Wer über eine Versammlung präsidiert, kann sie entweder selbst leiten oder jemand anders beauftragen, die Versammlung unter seiner Aufsicht zu leiten. Der Zweigpräsident kann beispielsweise einen seiner Ratgeber bitten, die Abendmahlsversammlung zu leiten, oder ein Kollegiumspräsident kann einen seiner Ratgeber bitten, eine Kollegiumsversammlung zu leiten. Der gleiche Grundsatz gilt auch für die Hilfsorganisationen.

Ratsgremien

Der Herr regiert sein Reich durch das Prinzip der Ratsgremien. Wer die Sitzung eines Ratsgremiums – etwa den Gemeinderat, das Priestertumsführungskomitee oder Präsidentschaftssitzungen des Priestertums und Leitungssitzungen der Hilfsorganisationen – leitet (siehe Anleitung für den Zweig), muss die folgenden wichtigen Grundsätze beachten:

  • Konzentrieren Sie sich auf die Lehren und Grundsätze des Evangeliums, nicht auf Spekulationen.

  • Konzentrieren Sie sich auf den Einzelnen und wie Sie ihn im Evangelium stark machen können, wobei Sie immer darauf achten, dass Vertrauliches vertraulich bleibt.

  • Fördern Sie den freien und offenen Meinungsaustausch und lassen Sie jeden zu Wort kommen. Ein Führer muss nicht nur sprechen, sondern auch zuhören können.

  • Tragen Sie die Beschlüsse der präsidierenden Führer mit und helfen Sie bei der Durchführung.

  • Führen Sie liebevoll und besorgt um die Bedürfnisse und das Wohlergehen aller.

Vertraulichkeit wahren

Ein Führer darf Vertrauliches – ganz gleich, ob er es bei einem formellen Interview oder in einem zwanglosen Gespräch erfährt – nicht preisgeben. Informationen, die ihm aufgrund von Interviews und Geständnissen bekannt werden, sowie der Betrag des Zehnten oder anderer Spenden müssen immer völlig vertraulich behandelt werden. Wenn jemand nicht ausdrücklich seine Erlaubnis dazu erteilt, darf der Führer vertrauliche Belange des Betreffenden mit niemandem sonst besprechen; dazu gehören auch die Ratgeber oder der Ehepartner. Eine Führungskraft, die Vertrauliches nicht mit der gebotenen Diskretion behandelt, kann das Zeugnis und den Glauben derer schwächen, denen sie dient, und deren Vertrauen erschüttern.