Für den/die Lehrer(in)

Primarvereinigung Leitfaden 3: Wähl das Rechte B, 1995


Zweck

Dieser Leitfaden ist geschrieben worden, damit Kinder darin unterwiesen werden können, daß sie, wenn sie dem Beispiel Jesu Christi folgen, das Rechte wählen, getauft werden und Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage werden können.

An den/die PV-Lehrer(in)

Unser Vater im Himmel hat Ihnen die heilige Aufgabe übertragen, Kinder im Evangelium Jesu Christi zu unterweisen und ihnen zu helfen, danach zu leben. Wenn Sie den Kindern dienen und jedes einzelne einladen, „zu Christus zu kommen“, werden Sie segensreichen Einfluß auf ihr Leben haben. Sie können dazu beitragen, daß die Kinder langsam beginnen, die Segnungen des himmlischen Vaters zu begreifen und ein Zeugnis vom Evangelium zu empfangen. Sie werden auch selbst wachsen und von den Kindern lernen. Ihr Dienst in der Primarvereinigung kann Ihnen große Freude bringen. Indem Sie den PV-Kindern dienen, dienen Sie dem himmlischen Vater (siehe Mosia 2:17).

Wenn Sie nach den Grundsätzen des Evangeliums leben, die heiligen Schriften studieren, dem Rat der Priestertumsführer folgen und sich dem himmlischen Vater im Gebet nähern, werden Sie vom Heiligen Geist Inspiration empfangen in bezug auf die Kinder, die Sie unterweisen. Geben Sie den Kindern oft Zeugnis, und lassen Sie den Heiligen Geist in dieser wichtigen Berufung durch Sie arbeiten. Wenn Sie das tun, wird der Geist Sie führen, so daß der himmlische Vater das, was Sie in der Primarvereinigung tun, gutheißen wird.

Angaben zur Klasse

Der WdR-Schild, der vorn im Leitfaden zu finden ist, und der WdR-Ring (31362 150) kommen in mehreren Lektionen vor. WdR steht für Wähl das Rechte. Der WdR-Ring wird in mehreren Lektionen und Aktivitäten erwähnt und soll den, der ihn trägt, daran erinnern, immer das Rechte zu wählen. Beraten Sie sich mit dem Bischof oder Zweigpräsidenten, ob Mittel zur Verfügung stehen, um jedem Kind einen WdR-Ring zu kaufen.

Der Unterricht

Das Gebet

Beginnen und beenden Sie jeden Unterricht mit einem Gebet. Geben Sie jedem Kind regelmäßig Gelegenheit, das Gebet zu sprechen. Machen Sie die Gebete zu einem bedeutenden Teil des Unterrichts, indem Sie Anweisungen und Anregungen zum Gebet geben und die Kinder danach fragen, was man in das Gebet mit einschließen sollte. Richten Sie Ihre Anregungen danach aus, was die Kinder Ihrer Klasse brauchen und was in der jeweiligen Lektion besprochen wurde.

Die Lektionen

Bereiten Sie jede Lektion gründlich und gebeterfüllt vor, damit die Kinder die Lektion verstehen und Freude am Unterricht haben und damit Sie vom Geist geführt werden können. Lesen Sie den Kindern die Lektion nicht vor. Die Kinder nehmen alles viel besser an, wenn Sie es mit Ihren eigenen Worten vortragen.

Wählen Sie aus dem Unterrichtsmaterial aus, was für Ihre Klasse angebracht ist. Die Vorschläge, die unter „Zur Vertiefung“ aufgeführt sind, können Sie in den Unterricht einbringen, wie Sie es für richtig halten. Nicht alles Unterrichtsmaterial und nicht alle Vorschläge zur Vertiefung sind für die Kinder Ihrer Klasse geeignet. Manches ist vielleicht für vierjährige Kinder zu schwierig, anderes für siebenjährige Kinder zu einfach.

Wählen Sie die Aktivitäten und Unterrichtshilfen aus, die die Kinder gut aufnehmen. Wenn Sie jüngere Kinder in der Klasse haben, können Sie während des Unterrichts immer wieder Lieder singen oder Fingerspiele machen, um das Interesse der Kinder zu erhalten. Sie können ein Lied oder ein Fingerspiel auch mehrmals wiederholen, wenn es den Kindern Spaß macht. Bei jüngeren Kindern können Sie als Anschauungs- material anstelle von Wortstreifen auch Bilder verwenden, die Sie gezeichnet oder aus einer Zeitschrift ausgeschnitten haben.

Der Leitfaden Lehren – die größte Berufung (33043 150) kann Ihnen helfen, einen guten Unterricht zu halten.

Geben Sie immer wieder kurz Zeugnis, damit die Kinder die Evangeliumsbotschaft eher mit dem Geist hören und annehmen.

Musik im Unterricht

Musik kann den Geist des Herrn ins Klassenzimmer bringen. Das gemeinsame Singen macht den Unterricht interessanter und hilft den Kindern, sich besser an die Grundsätze zu erinnern, die unterrichtet werden.

Die Lieder, die mehr als einmal in diesem Leitfaden vorkommen, stehen hinten im Leitfaden. Wird ein Lied nur einmal verwendet, ist der Text in der entsprechenden Lektion abgedruckt. Die meisten Lieder sind in dem Buch Sing mit mir – Lieder für Kinder (33429 150) enthalten, manche auch in Mehr Lieder für Kinder oder Lieder und Gedichte für Aktivitäten. Die Noten zu sämtlichen Liedern sind im englischen PV-Liederbuch Children’s Songbook (31246 000) enthalten. Dazu gibt es auch Musikkassetten und CDs. (Beim Versand erhältlich.)

Sie müssen kein geübter Musiker sein, um das gemeinsame Singen mit den Kindern zu einem lohnenden Erlebnis zu machen. Die Kinder werden nicht merken, ob Sie gut singen oder nicht, aber Sie werden merken, daß Sie gern singen. Lernen und üben Sie die Lieder zu Hause als Teil der Unterrichtsvorbereitung. Wenn Sie weitere Hilfe brau- chen, wenden Sie sich an die Musikleiterin oder die Organistin der PV. (Siehe außerdem „Musik im Klassenzimmer“, Wie man Kinder unterrichtet [31109 150], Seite 40, 42.)

Sie können zu den Liedern auch passende Bewegungen machen, vor allem, wenn Sie jüngere Kinder in der Klasse haben. Sie können den Text eines Liedes auch vortragen, anstatt ihn zu singen.

Die Glaubensartikel

Die Glaubensartikel sind ein wichtiger Teil des PV-Lehrplans. Wenn in der Lektion ein Glaubensartikel zitiert wird, dann ermuntern Sie die Kinder, soviel wie möglich davon auswendig zu lernen.

Die heiligen Schriften

Bringen Sie jede Woche die heiligen Schriften mit. Die Kinder sollen sehen, daß Sie daraus vorlesen und unterrichten. Wenn die Kinder eigene heilige Schriften haben, ermutigen Sie sie, sie jede Woche mitzubringen. Helfen Sie älteren Kindern, die Schriftstellen, die im Unterricht verwendet werden, selbst aufzuschlagen und vorzulesen. Geben Sie gelegentlich Zeugnis davon, wie wertvoll die heiligen Schriften sind.

Unterrichtsmaterial

Bilder. Die meisten Bilder, die in den Lektionen verwendet werden, sind numeriert und werden als Paket mit dem Leitfaden geliefert. Die Bilder und der Leitfaden sollen immer zusammen aufbewahrt werden. Für Bilder, die eventuell in einem größeren Format in der Gemeindebibliothek vorliegen, ist in der jeweiligen Lektion die Bibliotheksnummer angegeben. Ferner wird die Nummer der Bilderreihe Bilder zum Evangelium angegeben, falls die Bilder darin enthalten sind.

Musik. Siehe „Musik im Unterricht“, Seite VIII.

Ausschneidebilder und andere visuelle Hilfsmittel. Die Ausschneidebilder, die in den Lektionen verwendet werden, gehören ebenfalls zum Leitfaden und sollen immer mit dem Leitfaden aufbewahrt werden. Schneiden Sie die Bilder aus und verwenden Sie sie in den entsprechenden Lektionen. Sie werden auch andere einfache Hilfsmittel anfertigen, die in der Lektion vorgeschlagen werden, wie Wortstreifen, Übersichten oder Handzettel. Bewahren Sie alle Hilfsmittel auf, damit sie in weiteren Lektionen und kommenden Jahren wieder verwendet werden können.

Essen. Wenn in einer Lektion vorgeschlagen wird, daß Sie etwas zu essen mitbringen sollen, klären Sie bitte immer vorher mit den Eltern ab, ob die Kinder Allergien haben oder aus sonstigen Gründen bestimmte Lebensmittel nicht essen dürfen.

Darbietungen im Miteinander

Gelegentlich wird man Ihre Klasse bitten, eine einfache Evangeliumsdarbietung für das Miteinander vorzubereiten. Solche Darbietungen sollen den Lektionen entnommen werden. Achten Sie bei der Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts auf geeignete Beiträge. Sie können jedoch auch einen Grundsatz aus der PV-Abendmahlsdarbietung für das laufende Jahr auswählen.

Wenn die Kinder Ihrer Klasse im Miteinander den anderen Kindern einen Evangeliumsgrundsatz nahebringen, so ist das eine wirksame Methode, den Kindern Ihrer Klasse dabei zu helfen, diesen Grundsatz selbst besser kennenzulernen. Sie können einen Teil der Unterrichtszeit dafür verwenden, die Darbietung vorzubereiten.

Achten Sie darauf, daß die Darbietung für das Miteinander einfach gehalten ist und nicht viele Proben erfordert. Es folgen einige Vorschläge für eine einfache und wirkungsvolle Darbietung:

  1. 1.

    Helfen Sie den Kindern, eine Geschichte oder Situation aus dem Unterricht nachzuspielen.

  2. 2.

    Zeigen und erklären Sie die Übersicht „Wie man ein Mitglied der Kirche Jesu Christi wird“ (siehe Lektion 7).

  3. 3.

    Lassen Sie Kinder, die bald getauft werden, erzählen, was die Taufe ihnen bedeutet. Wenn ein Kind schon acht Jahre alt und getauft worden ist, lassen Sie es von seiner Taufe erzählen.

  4. 4.

    Lassen Sie die Kinder mit Hilfe von Bildern, Wortstreifen oder Ausschneidefiguren eine Geschichte aus dem Unterricht erzählen.

  5. 5.

    Helfen Sie den Kindern, einen Glaubensartikel aufzusagen und zu erklären. Die Kinder können auch eines der Lieder über die Glaubensartikel vorsingen (siehe Mehr Lieder für Kinder, Seite 33–47).

Weitere Anregungen finden Sie in der Veröffentlichung Hilfsmaterial für das Miteinander in der Primarvereinigung (33231 150).

Die Familie der Kinder einbeziehen

Ermutigen Sie die Kinder, ihrer Familie immer zu erzählen, was sie in der PV gelernt haben. Laden Sie gelegentlich Eltern ein, die Klasse zu besuchen und sich am Unterricht zu beteiligen. Seien Sie offen für Anregungen von Eltern, die dazu beitragen, daß die PV für ihre Kinder an Bedeutung gewinnt.

Die Vorbereitung auf die Taufe

Wenn Sie siebenjährige Kinder in der Klasse haben, werden einige von ihnen wahrscheinlich im Laufe des Jahres getauft. Als PV-Lehrer(in) können Sie die Familie der Kinder unterstützen und den Kindern Ihrer Klasse helfen, sich auf die Taufe vorzubereiten. Bedenken Sie dabei folgende Vorschläge:

  1. 1.

    Unterrichten Sie, wenn möglich, die Lektionen über die Taufe (Lektion 11, 13, 21, 32 und 33), bevor das erste Kind aus Ihrer Klasse getauft wird.

  2. 2.

    Nehmen Sie sich am Sonntag vor der Taufe eines Kindes ein paar Minuten Zeit, um über die Bedeutung dieser heiligen Handlung zu sprechen.

  3. 3.

    Besuchen Sie, wenn möglich, gemeinsam mit einem Mitglied der PV- Leitung und so vielen Kindern Ihrer Klasse, wie kommen können, die Taufe jedes Kindes aus Ihrer Klasse.

  4. 4.

    Helfen Sie den Kindern, für das Miteinander eine Darbietung über die Taufe vorzubereiten.

Verständnis für die Kinder

Ihre Berufung, Kinder im Evangelium Jesu Christi zu unterweisen, ist eine heilige Aufgabe, die Ihnen die Bischofschaft oder die Zweigpräsidentschaft anvertraut hat. Sie können großen Einfluß darauf haben, daß die Kinder in Ihrer Klasse ihr ganzes Leben lang dem Erretter nachfolgen. Bedenken Sie: Ihre Priestertumsführer haben Sie durch Inspiration vom himmlischen Vater berufen.

Seien Sie den Kindern in Ihrer Klasse gegenüber immer positiv eingestellt, und zeigen Sie ihnen Ihre Liebe. Lernen Sie die Talente, Interessen und Fähigkeiten jedes Kindes kennen. Passen Sie die Unterrichtsteile, die Lesen oder Schreiben erfordern, den Fähigkeiten der Kinder an.

Helfen Sie allen Kindern, Selbstvertrauen zu entwickeln, indem Sie ihnen zuhören und jedem soviel Aufmerksamkeit wie möglich schenken.

Die Lektionen sind für Klassen mit Kindern zwischen vier und sieben Jahren geschrieben worden, wobei in einer Klasse alle Kinder dasselbe Alter haben können oder aber unterschiedlichen Alters sind. Sie müssen die Lektionen daher dem Alter der Kinder Ihrer Klasse anpassen. Unabhängig davon, aus welchen Altersgruppen sich Ihre Klasse zusammensetzt, werden Sie wirkungsvoller unterrichten, wenn Sie mit den Verhaltensund Wesensmerkmalen von Kindern zwischen vier und sieben Jahren besser vertraut sind. Dann wissen Sie, warum sich die Kinder so verhalten, wie sie es tun, und wie Sie die Kinder am besten unterrichten können. Außerdem können Sie eine positive Atmosphäre im Klassenzimmer schaffen, wenn Sie die Kinder besser verstehen. Gehen Sie immer wieder die folgenden Merkmale durch, während Sie sich auf den Unterricht vorbereiten. Bedenken Sie jedoch, daß sich jedes Kind in seiner eigenen Geschwindigkeit weiterentwickelt. Die folgenden Richtlinien sind nur allgemein gültig.

Vierjährige

Mit vier Jahren will man alles herausfinden. Warum und wie sind wohl die am häufigsten verwendeten Wörter von Vierjährigen. Vierjährige sind sehr aktiv. Es folgen einige allgemeine Merkmale von Vierjährigen:

  1. 1.

    Sie rennen, hüpfen und klettern leichter und sicherer als Dreijährige.

  2. 2.

    Sie können einen Ball werfen oder kicken und mit Bauklötzen ein Haus bauen. 3. Sie sagen gerne etwas wie: „Das habe ich schon einmal gemacht; ich möchte jetzt etwas anderes machen.“

  3. 4.

    Sie spielen gern mit anderen Kindern, sind aber in ihrem Sozialverhalten noch nicht so weit, daß sie mit einer größeren Gruppe zurechtkommen.

  4. 5.

    Auch wenn sie gern mit anderen Kindern spielen, spielen sie doch noch die meiste Zeit allein. Vielleicht spielen oder tanzen sie mit einer Gruppe von Kindern, doch sie achten nicht sehr darauf, was die anderen Kinder machen.

  5. 6.

    Zusätzlich zu den vielen Fragen, die sie stellen, können sie sich bereits mit einem anderen Kind oder einem Erwachsenen unterhalten.

  6. 7.

    Da sie die meisten Erfahrungen zu Hause machen, sprechen sie vor allem über ihre Familie. Kinder in diesem Alter erzählen dem/der Lehrer(in) gerne etwas über ihre Familie und ihr Zuhause. Sie erzählen lieber selbst etwas, anstatt anderen Kindern zuzuhören. Sie haben es gern, wenn der Unterricht oder die Aktivität sich um die Familie dreht.

  7. 8.

    Sie leben völlig im Jetzt und Hier. Gestern und Morgen sind kaum von Bedeutung. Sie freuen sich jedoch sehr auf kommende Ereignisse, und weil sie die Bedeutung der Zeit noch nicht erfassen können, fragen sie vielleicht im Hinblick auf ein zukünftiges Ereignis: „Ist morgen jetzt?“

  8. 9.

    Sie hören gern Geschichten und Verse. Ihre Lieblingsgeschichten wollen sie ohne die geringste Veränderung immer und immer wieder hören. Wenn sie eine Geschichte gehört haben, spielen sie sie gern nach.

  9. 10.

    Sie können lernen, mit ein wenig Unterstützung zu beten.

Fünfjährige

Fünfjährige scheinen noch selbstsicherer zu sein und sind im allgemeinen verläßlich. Meist haben sie gelernt, zu Hause das zu tun, was von ihnen erwartet wird. Sie können gut mit anderen Kindern spielen, aber sie können sich auch auf vielerlei Weise selbst beschäftigen, beispielsweise beim Seilhüpfen oder Malen. Es folgen einige typische Verhaltensmerkmale von Fünfjährigen:

  1. 1.

    Die Grobmotorik entwickelt sich weiter. Sie können seilhüpfen, einen Purzelbaum schlagen oder auf einem Bein hüpfen. Sie können auch leicht einen Schlitten oder Wagen ziehen.

  2. 2.

    Die Feinmotorik ist so weit entwickelt, daß sie kleben, Bilder ausschneiden oder vorgezeichnete Bilder anmalen können, auch wenn sie vielleicht nicht innerhalb der Linien bleiben. Viele Kinder können sich auch schon die Schuhe binden.

  3. 3.

    Sie sind verläßlicher und unabhängiger als Vierjährige. Sie helfen meist gern im Haushalt mit und freuen sich, wenn sie gemeinsam mit ihren Eltern arbeiten dürfen.

  4. 4.

    Sie meinen es ernst, wenn sie fragen: „Wofür ist das?“ „Wie funktioniert das?“ Sie wollen und verdienen eine überlegte, ehrliche Antwort, die in Sprache und Ausführlichkeit so gehalten ist, daß sie sie verstehen.

  5. 5.

    Sie mögen ihre/n Lehrer(in) und freuen sich, wenn sie neben ihm (ihr) sitzen dürfen. Sie helfen gern im Unterricht mit, indem sie ein Bild halten oder sonst etwas tun.

  6. 6.

    Sie machen gern etwas in kleinen Gruppen und spielen gern Geschichten über die Familie nach.

  7. 7.

    Sie hören und erzählen gern Geschichten, und sie können immer wieder nach derselben Geschichte fragen. Sie lernen vor allem durch Wiederholung. Oft können sie eine Geschichte wortwörtlich erzählen, während sie die Seiten eines Buches umblättern. 8. Sie sind meist freundlich, mitfühlend, liebevoll und hilfsbereit, es sei denn, sie können ihren Willen nicht durchsetzen; dann können sie sehr streitsüchtig sein.

  8. 9.

    Sie wollen gern neue Aufgaben und Rechte übertragen bekommen, die ihnen zeigen, daß sie schon größer und älter sind.

  9. 10.

    Sie können nur etwa zehn bis zwölf Minuten aufmerksam sein, so daß sie noch recht schnell von einer Aktivität zur anderen wechseln. Sie halten sich allmählich für zu alt für Fingerspiele und bevorzugen andere Erholungsübungen, die eher für ältere Kinder geeignet sind.

  10. 11.

    Sie wollen oft mit etwas spielen, womit bereits ein anderes Kind spielt. Klären Sie solche Situationen behutsam; bringen Sie den Kindern bei, sich abzuwechseln.

  11. 12.

    Sie ziehen eine kleine Gruppe einer größeren vor. Sie spielen lieber mit einem guten Freund als mit zehn anderen Kindern.

  12. 13.

    Sie haben noch nicht gelernt, zwischen ihrer Vorstellungswelt und der Wirklichlichkeit zu unterscheiden. Daher kann es sein, daß ein Kind sagt, seine Uhr sei aus Gold, sein Vater sei größer als alle anderen Väter oder es habe eine riesige Katze gesehen. Das ist eine ganz normale Entwicklungsphase. Ein Kind braucht Zeit, bis es lernt, zwischen dem, was real ist und was nicht, zu unterscheiden. Diese Phase geht vorbei, wenn sich das Kind weiterentwickelt.

  13. 14.

    Sie sind wißbegierig. Da der himmlische Vater für sie sehr real ist, sind sie sehr an ihm interessiert und stellen viele Fragen über ihn. Sie beten gern und können vielleicht schon ohne Hilfe beten.

Sechsjährige

Sechsjährige haben ihren Körper schon ganz gut im Griff und sind voller Energie, die sie darauf verwenden, neue Fertigkeiten zu erlernen und die Fertigkeiten, die sie schon besitzen, weiterzuentwickeln. Sie lernen beispielsweise, wie man Seil hüpft, einen Ball prellt, pfeift, ein Rad schlägt oder Fahrrad fährt. Sechsjährige mögen mit der Feinmotorik noch ein wenig Schwierigkeiten haben, aber sie können lernen, einzelne Buchstaben, ihren Namen und ein paar andere Wörter zu schreiben. Es folgen weitere allgemeine Verhaltensmerkmale von Sechsjährigen:

  1. 1.

    Sie können über einen immer längeren Zeitraum hinweg aufmerksam sein. Sie können zwar auch sehr unruhig werden, aber je nach Interesse können sie sich fünfzehn bis zwanzig Minuten lang auf etwas konzentrieren.

  2. 2.

    Sie bewegen gern den ganzen Körper, klettern beispielsweise gern auf einen Baum, turnen auf den Spielgeräten auf dem Spielplatz herum oder machen ein Wettrennen.

  3. 3.

    Sie mögen Spiele und kleine Wettbewerbe (ohne harten Konkurrenzkampf).

  4. 4.

    Die Meinung des Lehrers bzw. der Lehrerin bedeutet ihnen viel. Sie sitzen gern neben ihm (ihr) und helfen gern im Unterricht, indem sie ein Bild halten oder auch Unterrichtsmaterial zurück zur Gemeindebibliothek bringen.

  5. 5.

    Sie hören immer noch gern Geschichten und spielen sie gern nach oder stellen sich etwas vor. Viele ziehen gern Kleider von Erwachsenen an.

  6. 6.

    Sie sind sehr großzügig, liebevoll und verträglich, es sei denn, sie können ihren Willen nicht durchsetzen; dann können sie sehr streitsüchtig sein.

  7. 7.

    Sie lieben Partys.

  8. 8.

    Sie können inzwischen vielleicht sehr gut springen, „galoppieren“ oder auf einem Bein hüpfen. Sie wenden diese Fertigkeiten gern im Spiel an. 9. Sie machen sich viel Gedanken darüber, was gutes und was schlechtes Verhalten ist.

  9. 10.

    Ihr Glaube an den himmlischen Vater und Jesus Christus nimmt zu. Die meisten Sechsjährigen können allein beten, wenn sie es in den vergangenen Jahren in der Klasse oder zu Hause gelernt haben.

Siebenjährige

Mit sieben stehen Kinder ihren Eltern immer noch nahe und die Liebe, Aufmerksamkeit und das Mitgefühl ihrer Familie ist ihnen wichtig, aber sie beginnen, sich auch mehr mit Menschen und Situationen außerhalb der Familie zu beschäftigen. Sie haben ihren eigenen Geschmack entwickelt und wollen selbst Entscheidungen treffen. Sie sind sehr lebendig, eifrig und ungeheuer interessiert an allem, was um sie herum geschieht.

Sie lernen gern neue Spiele und Fertigkeiten und wiederholen gern die, die ihnen Spaß machen. Es folgen einige weitere allgemeine Verhaltensmerkmale von Siebenjährigen:

  1. 1.

    Ihre Grobmotorik ist gut ausgebildet. Sie bewegen sich anmutiger und flinker.

  2. 2.

    Ihre Feinmotorik entwickelt sich weiter. Sie können leichter und genauer schreiben.

  3. 3.

    Viele mögen Spiele, bei denen man sich viel bewegen muß. Sie spielen gern dasselbe Spiel immer wieder.

  4. 4.

    Sie sind voller Energie, ermüden aber auch schnell. Erholungspausen sind wichtig.

  5. 5.

    Sie sind oft unruhig und zappelig.

  6. 6.

    Sie sammeln gern etwas und erzählen davon. Sie sprechen auch gern über etwas, was sie allein oder mit einer Gruppe gemacht haben.

  7. 7.

    Sie können über einen immer längeren Zeitraum hinweg aufmerksam bleiben. Kinder in diesem Alter können etwas zu Ende bringen, woran sie interessiert sind, selbst wenn es zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten dauert. Sie brauchen jedoch im Unterricht meist noch Abwechslung.

  8. 8.

    Sie fangen an, sich mit Kindern des anderen Geschlechts weniger zu befassen.

  9. 9.

    Sie sind weniger dominant und beharren nicht mehr so sehr darauf, ihren Willen durchzusetzen.

  10. 10.

    Sie werden unabhängiger und beginnen, logischer zu denken.

  11. 11.

    Ihnen wird immer mehr bewußt, was richtig und was falsch ist, und sie sind sehr kritisch, wenn jemand nicht das tut, was sie für richtig halten.

  12. 12.

    Sie freuen sich auf ihre Taufe.

  13. 13.

    Sie können allein beten und erwarten oft sofort eine Antwort auf ihr Gebet.

  14. 14.

    Vielleicht sind sie stolz darauf, daß sie am Fastsonntag schon eine Mahlzeit auslassen können und daß sie den Zehnten zahlen.

Hinweise zur Einbeziehung behinderter Kinder

Der Erretter hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir liebevoll mit Behinderten umgehen können. Als er nach seiner Auferstehung den Nephiten erschien, sagte er:

„Habt ihr Kranke unter euch? Bringt sie her. Habt ihr Lahme oder Blinde oder Gichtbrüchige oder Krüppel oder Aussätzige oder die verdorrt sind oder die taub sind oder die in irgendeiner Weise bedrängt sind? Bringt sie her, und ich werde sie heilen, denn ich habe Mitleid mit euch.“ (3 Nephi 17:7.)

Als PV-Lehrer(in) haben Sie eine ausgezeichnete Möglichkeit, Liebe und Mitgefühl zu zeigen. Auch wenn Sie nicht dazu ausgebildet sind, professionelle Hilfe zu geben, können Sie Kinder mit einer Behinderung verstehen und fördern. Dazu benötigen Sie Interesse an dem Kind, Verständnis und den Wunsch, jedes Kind in Ihrer Klasse in das Lernen und den Unterricht mit einzubeziehen.

Kinder mit Behinderungen können vom Geist berührt werden, ganz unabhängig davon, wieviel sie verstehen können. Vielleicht sind manche Kinder nicht in der Lage, während der ganzen PV dabeizusein, aber sie brauchen doch die Möglichkeit, die PV wenigstens kurze Zeit besuchen zu können, damit sie den Geist spüren können. Vielleicht ist es notwendig, eine Begleitperson dabei zu haben, die während der PV auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen kann, falls das Kind Ruhe braucht und eine Zeitlang die Gruppe verlassen muß.

Vielleicht haben Kinder aus Ihrer Klasse mit Schwierigkeiten zu kämpfen wie einer Lernschwäche oder geistigen Behinderung, einem Sprachproblem oder dem Verlust des Sehvermögens oder Gehörs, Verhaltensstörungen oder körperlichen Beeinträchtigungen oder einer chronischen Krankheit. Manchen kann auch die Sprache oder die Kultur fremd erscheinen. Doch ganz unabhängig von den Umständen braucht jedes Kind das Gefühl, geliebt und anerkannt zu werden, und jedes Kind muß das Evangelium lernen, den Geist spüren, sich erfolgreich beteiligen und anderen dienen können.

Die folgenden Richtlinien können Ihnen helfen, ein Kind mit einer Behinderung oder sonstigen Einschränkung zu unterrichten:

  • Sehen Sie über die Behinderung hinaus, und lernen Sie das Kind kennen. Seien Sie natürlich, freundlich und herzlich.

  • Lernen Sie die Stärken und die besonderen Herausforderungen des Kindes kennen.

  • Machen Sie jede Anstrengung, um die Kinder in Ihrer Klasse zu unterweisen und zu erinnern, daß sie jedes Kind in der Klasse achten müssen. Einem behinderten Kind zu helfen kann für die ganze Klasse eine wichtige Erfahrung werden, wodurch die Kinder lernen, Christus ähnlicher zu werden.

  • Finden Sie heraus, wie Sie das Kind am besten unterweisen können, indem Sie mit den Eltern, anderen Familienangehörigen und, falls es angebracht ist, auch mit dem Kind selbst sprechen.

  • Ehe Sie ein behindertes Kind bitten, vorzulesen, zu beten oder sich auf eine andere Weise zu beteiligen, fragen Sie es zuerst, was es davon hält, sich am Unterricht zu beteiligen. Heben Sie die Fähigkeiten und Talente jedes Kindes hervor und suchen Sie nach Möglichkeiten, jedes Kind so zu beteiligen, daß es sich sicher fühlt und ein Erfolgserlebnis hat.

  • Passen Sie das Unterrichtsmaterial und auch die Umgebung so an, daß die Bedürfnisse eines behinderten Kindes berücksichtigt werden.

Kindesmißhandlung oder -mißbrauch

Als Lehrer(in) fällt Ihnen vielleicht auf, daß ein Kind aus Ihrer Klasse seelisch oder körperlich mißhandelt wurde. Wenn Sie sich Sorgen um ein Kind aus Ihrer Klasse machen, sprechen Sie bitte mit dem Bischof darüber. Beten Sie bei der Vorbereitung und beim Unterrichten selbst um die Führung des Herrn. Geben Sie jedem Kind in Ihrer Klasse das Gefühl, daß es ein beonderes Kind des himmlischen Vaters ist und daß der himmlische Vater und Jesus Christus jeden von uns lieben und möchten, daß wir glücklich und sicher leben können.