Joseph Smith wird geteert und gefedert

Primarvereinigung Leitfaden 5: Lehre und Bündnisse/Geschichte der Kirche, 1996


Ziel

Jedem Kind den Wunsch einflößen, Vergebungsbereitschaft zu entwickeln.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Studieren Sie gebeterfüllt Lehre und Bündnisse 64:8–11,15,16 sowie die in der Lektion geschilderten geschichtlichen Ereignisse. Befassen Sie sich dann mit der Lektion, und überlegen Sie, wie Sie den Kindern die geschichtlichen Ereignisse vermitteln wollen. (Siehe „Unterrichtsvorbereitung“, Seite VI–VII, und „Die Abschnitte aus den heiligen Schriften und die geschichtlichen Ereignisse vermitteln“, Seite VII–IX.)

  2. 2.

    Überlegen Sie, welche Fragen und welche Vorschläge für Aktivitäten sich am besten dafür eignen, die Kinder in den Unterricht einzubeziehen, damit sie das Unterrichtsziel erreichen.

  3. 3.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Lehre und Bündnisse für jedes Kind.

    2. b)

      Zwei Blatt Papier und einen Bleistift für jedes Kind.

    3. c)

      Bild 5-1, „Der Prophet Joseph Smith“ (Bild 401 in Bilder zum Evangelium; 62002 150) oder Bild 5-2, „Joseph Smith“ (Bild 400 in Bilder zum Evangelium; 62449 150); Bild 5-23, „Ein Mann wird geteert und gefedert“.

Vorschlag für den Unterrichtsablauf

Bitten Sie ein Kind um das Anfangsgebet.

Das Interesse wecken

Geben Sie jedem Kind zwei Blatt Papier und einen Bleistift. Auf das erste Blatt sollen die Kinder schreiben, welche Segnungen sie schon empfangen haben. Auf das zweite Blatt sollen sie schreiben, wie sie schon einmal schlecht behandelt worden sind.

Nun legen die Kinder das Blatt, auf das sie die Segnungen geschrieben haben, auf ihren Schoß und halten sich das Blatt, auf dem steht, wie sie schlecht behandelt wurden, direkt vor die Augen, so daß es ihre Nase berührt.

• Könnt ihr das Blatt sehen, auf das ihr die Segnungen geschrieben habt?

Erklären Sie: Wenn jemand unsere Gefühle verletzt, denken wir manchmal nur noch an unsere verletzten Gefühle, so daß wir unsere Segnungen gar nicht mehr sehen und uns nicht mehr daran freuen. Bitten Sie die Kinder, das Blatt, auf dem sie aufgeschrieben haben, wie jemand sie schlecht behandelt hat, zu zerknüllen. Sammeln Sie diese Blätter ein, oder bitten Sie die Kinder, sie in den Papierkorb zu werfen. Erklären Sie, daß wir glücklicher sind, wenn wir das, was uns angetan wurde, vergeben und vergessen und uns auf unsere Segnungen konzentrieren.

Erklären Sie, daß Joseph Smith von vielen Menschen verfolgt wurde. Geistliche anderer Religionen, Fremde und sogar einige seiner Freunde behandelten ihn schlecht. Er mußte sich entscheiden, ob er es zuließ, daß diese ungerechte Behandlung ihn zornig und unglücklich machte, oder ob er bereit war, diesen Menschen zu vergeben.

Geschichtliche Ereignisse

Erzählen Sie den Kindern anhand der folgenden Schilderung der geschichtlichen Ereignisse, wie Joseph Smith auf diejenigen reagierte, die ihn verfolgten. Zeigen Sie dabei auch die entsprechenden Bilder.

Schon bald nach der Gründung der Kirche fielen manche Mitglieder wieder ab und verließen die Kirche. Sie kamen nicht mehr zu den Versammlungen der Kirche, stellten sich gegen den Propheten und verfolgten die Heiligen. Diese Leute fielen aus verschiedenen Gründen ab. Da war beispielsweise ein Mann, der die Kirche verließ, weil sein Pferd starb, während er nach Missouri unterwegs war, um sich den Heiligen anzuschließen. Ein anderer Mann fiel ab, als er sah, wie Joseph Smith mit Kindern spielte.

Er war der Meinung, ein Prophet müsse immer ernsthaft sein und dürfe nicht mit Kindern spielen. Ein Mann sah, daß sein Name auf einem Schriftstück der Kirche falsch geschrieben war und schloß daraus, daß Joseph Smith nicht von Gott inspiriert sei. Andere Menschen verließen die Kirche, weil sie nicht die erwartete Hilfe bei ihren finanziellen Problemen erhielten. Manche Mitglieder verließen die Kirche, weil sie anderen Mitgliedern, die etwas getan hatten, was sie gekränkt hatte, nicht vergeben konnten. Diese gekränkten Menschen wurden oft die erbittertsten Feinde der Kirche, nachdem sie die Kirche verlassen hatten.

Ezra Booth schloß sich 1831 der Kirche an, nachdem er gesehen hatte, wie Joseph Smith Elsa Johnsons Arm geheilt hatte (siehe Lektion 19). Einige Monate später wurde er nach Missouri auf Mission berufen. Er war wütend, weil er die ganze Strecke zu Fuß gehen mußte und das Leben eines Missionars seinen Erwartungen nicht entsprach. Er war enttäuscht, weil er keine weiteren Wunder wie die Heilung von Elsa Johnson sah. Er begann, schlecht über die Führer der Kirche zu denken und zu sprechen. Aufgrund seines ungehörigen Verhaltens während seiner Mission wurde er exkommuniziert, als er nach Ohio zurückkehrte. Das bedeutete, daß er kein Mitglied der Kirche mehr war. Anstatt umzukehren, schrieb Ezra Booth Briefe an eine örtliche Zeitung, in denen er über Joseph Smith und die Kirche Lügen verbreitete. Diese Briefe brachten viele Menschen in Ohio dazu, den Mitgliedern der Kirche mit Mißtrauen zu begegnen und sie zu verfolgen.

An einem Winterabend sammelte sich eine Gruppe betrunkener Männer, die den Brie- fen von Ezra Booth Glauben schenkten, und stürmte die Häuser von Joseph Smith und Sidney Rigdon in Hiram, Ohio. Joseph war noch lange wach gewesen, um sich um seinen adoptierten Sohn zu kümmern, der die Masern hatte, und war eben erst eingeschlafen, als der wütende Mob die Tür einbrach. Die Männer zerrten Joseph nach draußen, verfluchten ihn und drohten, ihn zu töten. Sie würgten ihn, rissen ihm die Kleider vom Leib und versuchten, ihm eine Schaufel mit heißem Teer und einen Flasche mit Säure einzuflößen. Die Flasche zerbrach, wobei Joseph die Kante eines Zahnes abgebrochen wurde, so daß er bis an sein Lebensende beim Sprechen ein wenig lispelte. Die Männer zerrten auch Sidney Rigdon aus dem Haus. Als Joseph ihn auf dem Boden liegen sah, dachte er, er sei tot. Der Mob entschloß sich, Joseph nicht zu töten, aber sie zerkratzten ihn, schütteten heißen Teer über ihn und bedeckten ihn mit Federn.

Als Joseph endlich nach Hause kam, fiel Emma in Ohnmacht, als sie ihn sah, da sie den Teer, mit dem Joseph bedeckt war, für Blut hielt. Josephs Freunde halfen ihm, den Teer abzukratzen, eine lange und schmerzhafte Prozedur. Sidney Rigdon war durch die Schnittwunden und Quetschungen, die er am Kopf erhalten hatte, bewußtlos geworden und phantasierte einige Tage lang. Nach diesem schrecklichen Erlebnis zog sich das Baby, das Joseph an dem Abend gepflegt hatte, eine schwere Erkältung zu und starb.

Der nächste Tag war ein Sonntag, und Joseph ging wie gewöhnlich zum Gottesdienst mit den Heiligen. Unter den Menschen, denen er predigte, waren auch einige der Männer, die ihn am Abend zuvor geteert und gefedert hatten. Josephs Haut war zerkratzt und völlig wund, aber er predigte wie immer und erwähnte die Gewalttat vom Abend zuvor überhaupt nicht.

Besprechen/Fragen

Lesen Sie bei der Unterrichtsvorbereitung die folgenden Fragen sowie die angegebenen Schriftstellen. Entscheiden Sie sich für die Fragen, die den Kindern Ihrer Ansicht nach die Schriftstellen am besten veranschaulichen und ihnen zeigen, wie sie die gelernten Grundsätze anwenden können. Wenn Sie die Schriftstellen im Unterricht gemeinsam lesen und besprechen, können die Kinder selbst neue Erkenntnisse gewinnen.

• Warum fielen manche der frühen Mitglieder der Kirche vom Glauben ab? Wie hätte es ihnen geholfen, wenn sie bereit gewesen wären, zu vergeben? Was sagt der Herr darüber, was wir tun sollen, wenn andere uns kränken? (LuB 64:8–11.)

• Was sagte der Herr über Ezra Booths falsches Verhalten? (LuB 64:15,16.) Was verlieren wir, wenn wir nach Bösem trachten? (LuB 64:16.)

• Was tat der Mob Joseph Smith und Sidney Rigdon an? Warum taten sie das wohl?

• Was tat Joseph Smith an dem Morgen nachdem er geteert und gefedert worden war? Wer war unter den Zuhörern? Wie zeigte Joseph Smith durch sein Verhalten, daß er bereit war, zu vergeben? (Joseph Smith wollte sich an denen, die grausam zu ihm gewesen waren, nicht rächen. Er wußte, daß der Satan sie dazu brachte, sich gegen das wichtige Werk zu stellen, nämlich das wiederhergestellte Evangelium zu verkünden und die Kirche Jesu auf der Erde aufzurichten.)

• Was tat Joseph Smith, als er geprüft und verfolgt wurde? (Er tat weiterhin das Werk des Herrn. Er wußte, daß der Satan alles tun würde, was er konnte, um das Werk des Herrn zu vernichten. Wenn etwas Schlimmes geschah, machte Joseph Smith das Beste aus der Situation und diente weiterhin dem Herrn.)

• Wie fühlt ihr euch, wenn jemand unfreundlich zu euch ist? Wie wirken sich Ärger und Zorn auf uns aus? Machen Sie den Kindern bewußt, daß wir uns kein bißchen besser fühlen, wenn wir wütend oder unfreundlich sind. Wenn wir wütend bleiben und uns ebenfalls unfreundlich verhalten, werden wir nur noch unglücklicher. Was könnt ihr tun, wenn jemand unfreundlich zu euch ist? (Siehe den 1. und den 3. Vorschlag im Abschnitt „Zur Vertiefung“.) Was kann geschehen, wenn ihr zu jemand unfreundlich seid, der zu euch unfreundlich war? Was kann geschehen, wenn ihr freundlich zu ihm seid?

• Wie können wir Joseph Smiths Beispiel folgen und lernen, bereit zu sein, denen zu vergeben, die uns verletzt oder gekränkt haben?

• Wie wirkt es sich auf uns aus, wenn wir verbittert und unversöhnlich sind? Wie wirkt es sich auf uns aus, wenn wir bereit sind, zu vergeben?

• Wem sollen wir vergeben? (LuB 64:10,11.) Warum ist es wichtig, daß wir anderen vergeben? (LuB 64:9.) Wie fühlen wir uns, wenn wir jemand vergeben, der unsere Gefühle verletzt hat?

Zur Vertiefung

Sie können einen oder mehrere der folgenden Vorschläge während des Unterrichts oder als Wiederholung, Zusammenfassung oder Auftrag verwenden.

  1. 1.

    Lesen Sie den Kindern Aussagen wie die folgenden vor. Bitten Sie sie, den Daumen nach oben zu halten, wenn die Aussage bedeutet, daß jemand bereit ist, zu vergeben, und den Daumen nach unten zu halten, wenn sie bedeutet, daß man unversöhnlich ist. Besprechen Sie, wie das beschriebene Verhalten zeigt, ob jemand bereit ist zu vergeben oder nicht.

    • Sie war nicht freundlich zu mir, also bin ich auch nicht freundlich zu ihr.

    • Jedesmal, wenn ich ihn sehe, schubst er mich. Er muß wohl ein Problem haben, sonst wäre er nicht so unfreundlich zu anderen.

    • Ich habe ihn geschlagen, weil er sich über meine kleine Schwester lustig gemacht hat.

    • Mein kleiner Bruder hat mir die ganzen Hausaufgaben vollgekritzelt, so daß ich alles noch einmal machen mußte. Ich war aber nicht wütend auf ihn, weil er ja noch klein ist und nicht weiß, daß auf dem Papier etwas Wichtiges stand.

    • Ich vergebe ihr, aber ich rede nie wieder mit ihr.

    • Meine beste Freundin war heute gemein zu mir. Vielleicht macht sie sich wegen etwas Sorgen.

  2. 2.

    Lesen Sie Sprichwörter 15:1 vor, oder lassen Sie ein Kind den Vers vorlesen. Sprechen Sie mit den Kindern darüber, was er bedeutet. Erzählen Sie dann die folgende Geschichte mit eigenen Worten:

    Im Sommer 1838, als Joseph Smith mit seiner Familie in Far West, Missouri, lebte, wurde das Gerücht verbreitet, er habe sieben Männer umgebracht und wolle nun eine Gruppe um sich sammeln, um jeden umzubringen, der nicht Mitglied der Kirche war. Eine große Gruppe bewaffneter Männer, angeführt von acht Offizieren, suchte Joseph im Haus seiner Eltern auf, wo er gerade zu Besuch war. Die Offiziere sagten zu Lucy Smith, Josephs Mutter, sie seien gekommen, um Joseph Smith und alle übrigen Mitglieder der Kirche zu töten. Lucy Smith antwortete ganz ruhig und stellte Joseph den Männern vor. Joseph gab ihnen freundlich die Hand, wäh- rend sie ihn ungläubig anstarrten. Nach all den Geschichten, die sie gehört hatten, konnten sie kaum glauben, daß dieser freundliche und aufrichtige Mann Joseph Smith sein sollte.

    Joseph Smith unterhielt sich eine Zeitlang mit den Männern und erläuterte ihnen den Standpunkt der Kirche und die Verfolgung, die die Mitglieder erlitten. Er sagte ihnen, wenn ein Mitglied das Gesetz gebrochen habe, dann solle es in einem Gerichtssaal vor Gericht gestellt werden, ehe noch jemand zu Schaden käme. Dann machte sich Joseph bereit, zu gehen, und sagte zu seiner Mutter, er müsse nun nach Hause, da Emma auf ihn warte. Zwei der Offiziere sprangen auf die Füße und bestanden darauf, ihn heimzubegleiten, da er allein nicht sicher sei. Die bewaffneten Männer wollten Joseph nichts mehr antun. Sie kehrten mit großem Respekt vor ihm nach Hause zurück. (Siehe Lucy Mack Smith, History of Joseph Smith, Hg. Preston Nibley, Salt Lake City, 1958, Seite 254–256.)

    • Inwiefern hielten sich Lucy und Joseph Smith in ihrem Verhalten gegenüber diesen Männern an Sprichwörter 15:1?

    • Was hatte Josephs „sanfte Antwort“ zur Folge?

  3. 3.

    Lassen Sie die Kinder Situationen darstellen, in denen sie sich entscheiden können, ob sie eine versöhnliche oder eine unversöhnliche Haltung einnehmen wollen. Machen Sie ihnen bewußt, daß sie selbst entscheiden können, wie sie sich verhalten, auch wenn sie gekränkt worden sind. Erklären Sie ihnen auch, daß es oft gar keine Absicht ist, wenn wir gekränkt werden, sondern meist nur ein Mißverständnis. Verwenden Sie die folgenden Situationen oder die des 1. Vorschlags im Abschnitt „Zur Vertiefung“.

    • Du hast dein Zimmer aufgeräumt, bevor du in die Schule gegangen bist, aber nachdem du gegangen bist, hat deine kleine Schwester wieder Unordnung gemacht. Als du nach Hause kommst, läßt dich deine Mutter nicht mit deinen Freunden spielen, weil dein Zimmer nicht aufgeräumt ist.

    • Im Sportunterricht wirst du immer als letzter gewählt, wenn Gruppen gebildet werden. Das verletzt dich. Auf dem Heimweg von der Schule siehst du, wie einer der Mannschaftsführer vom Fahrrad fällt. Seine Schulbücher und Hefte liegen weit verstreut auf dem Boden.

    • Dein Freund feiert eine Party, lädt dich aber nicht ein.

  4. 4.

    Berichten Sie von eigenen Erfahrungen damit, wie Sie anderen vergeben haben oder Ihnen vergeben worden ist. Lassen Sie auch die Kinder von ihren Erfahrungen erzählen.

  5. 5.

    Singen Sie mit den Kindern „Vergebung“ (Sing mit mir, B-35), oder sagen Sie gemeinsam den Text auf.

Zum Abschluß

Zeugnis

Geben Sie Zeugnis von dem Frieden, den wir spüren können, wenn wir bereit sind zu vergeben. Ermutigen Sie die Kinder, daß sie sich bemühen, verständnisvoll und freundlich zu sein, auch wenn sie unfreundlich behandelt werden.

Vorschlag für das Schriftstudium zu Hause

Bitten Sie die Kinder, zu Hause als Wiederholung Lehre und Bündnisse 64:9–11 zu lesen.

Vorschlag für die Beteiligung der Familie

Fordern Sie die Kinder auf, ihrer Familie etwas von dem zu berichten, was sie heute gelernt haben, indem sie zu Hause eine Geschichte erzählen, eine Frage stellen, eine Aktivität durchführen oder mit der Familie die Schriftstelle lesen, die für das Schriftstudium zu Hause vorgeschlagen wurde.

Bitten Sie ein Kind um das Schlußgebet.