Der Ausrottungsbefehl

Primarvereinigung Leitfaden 5: Lehre und Bündnisse/Geschichte der Kirche, 1996


Ziel

Den Kindern bewußtmachen, mit welchen Schwierigkeiten die frühen Mitglieder der Kirche zu kämpfen hatten, und ihnen erneut den Wunsch einflößen, auf den Propheten zu hören und ihm zu gehorchen.

Vorzubereiten

  1. 1.

    Studieren Sie gebeterfüllt Lehre und Bündnisse 105:6–10 sowie die in der Lektion geschilderten geschichtlichen Ereignisse. Befassen Sie sich dann mit der Lektion, und überlegen Sie, wie Sie den Kindern die geschichtlichen Ereignisse vermitteln wollen. (Siehe „Unterrichtsvorbereitung“, Seite VI–VII, und „Die Abschnitte aus den heiligen Schriften und die geschichtlichen Ereignisse vermitteln“, Seite VII–IX.)

  2. 2.

    Überlegen Sie, welche Fragen und welche Vorschläge für Aktivitäten sich am besten dafür eignen, die Kinder in den Unterricht einzubeziehen, damit sie das Unterrichtsziel erreichen.

  3. 3.

    Sie brauchen:

    1. a)

      Lehre und Bündnisse für jedes Kind.

    2. b)

      Die Karte von Missouri und Umgebung (siehe Ende der 30. Lektion).

    3. c)

      Bild 5-29, „Haun’s Mill“; ein Bild des lebenden Propheten (aus der Gemeindehausbibliothek oder dem Stern).

Vorschlag für den Unterrichtsablauf

Bitten Sie ein Kind um das Anfangsgebet.

Das Interesse wecken

• Was würdet ihr tun, wenn ihr den Ruf „Feuer!“ hören und dann aufschauen und sehen würdet, daß Rauch ins Zimmer dringt?

• Was könnte geschehen, wenn ihr nichts tun würdet?

• Was würdet ihr tun, wenn ihr die Warnung hören würdet, daß die Gegend, wo ihr lebt, von einem Wirbelsturm (oder einer Flutwelle, einem Vulkanausbruch oder einer anderen Naturkatastrophe) bedroht wird?

• Was könnte geschehen, wenn ihr nichts tun würdet?

Erklären Sie, daß wir auf Warnungen hören und sie befolgen müssen. Sagen Sie den Kindern, daß manche der frühen Mitglieder der Kirche viele Schwierigkeiten hatten, wovon manche hätten verhindert werden können, wenn die Mitglieder auf die Warnungen des Propheten Joseph Smith gehört und sie befolgt hätten.

Geschichtliche Ereignisse

Erzählen Sie den Kindern anhand der folgenden Schilderung der geschichtlichen Ereignisse von den Prüfungen und Verfolgungen, die manche frühen Mitglieder der Kirche in Missouri durchgemacht haben. Zeigen Sie das Bild von Haun’s Mill zum passenden Zeitpunkt, und zeigen Sie auf der Karte, wo sich die verschiedenen Ereignisse zutrugen. Sie können die Kinder auch jeweils einen kleinen Markierungspunkt auf die Karte legen lassen, wenn ein Ort erwähnt wird.

Erinnern Sie die Kinder daran, daß die Heiligen aus dem Kreis Jackson in Missouri vertrieben worden waren. Der Herr sagte ihnen, sie müßten mit der Errichtung Zions noch warten, weil sie nicht so gehorsam gewesen seien, wie sie es hätten sein sollen (siehe Lehre und Bündnisse 105:6–10). Die Heiligen ließen sich daraufhin im Norden Missouris nieder, aber auch dort entstanden Probleme.

Gewalt im Norden Missouris

Am Wahltag im August 1838 begab sich eine Gruppe Heiliger der Letzten Tage aus Adam-ondi-Ahman nach Gallatin, um zu wählen. Aber der Mob stellte sich ihnen in den Weg und wollte sie aufhalten. Die Männer, die den Mob bildeten, befürchteten, ihr Kandidat würde die Wahl nicht gewinnen, wenn die Heiligen zur Wahl gingen. Einer von ihnen schlug einen Heiligen nieder, woraufhin ein Kampf begann. Einige Männer, sowohl Heilige als auch Teile des Mobs, wurden verletzt. Am nächsten Tag hörten die Führer der Kirche in Far West, Missouri, übertriebene Berichte von dem Kampf. Es hieß, einige Mitglieder der Kirche seien getötet worden. Joseph Smith und einige andere Männer bewaffneten sich und ritten nach Adam-ondi-Ahman, wo sie erfuhren, daß zum Glück niemand getötet worden war. Die Mitglieder der Kirche wurden von ihren Feinden fälschlich beschuldigt, den Kampf begonnen zu haben, und die Feinde der Kirche sandten falsche Berichte an Lilburn W. Boggs, den Gouverneur von Missouri.

Im darauffolgenden Monat planten Teile des Mobs, die Heiligen in Adam-ondi-Ahman anzugreifen. Zwei Anführer der Missouri- Miliz, Generalmajor David Atchison und Brigadegeneral Alexander Doniphan, beschützten die Heiligen und verhinderten, daß es tatsächlich zum Kampf kam.

In der nahegelegenen Stadt DeWitt machten andere Mobs den Mitgliedern der Kirche Schwierigkeiten. Die Mitglieder der Kirche forderten beim Gouverneur Hilfe an, aber er antwortete nicht. Joseph Smith, der um die Heiligen besorgt war, ritt auf Nebenstraßen nach DeWitt und schlich sich am Mob vorbei, der die Straßen in Richtung DeWitt bewachte. Er stellte fest, daß die Menschen dort schon fast verhungert waren und trotzdem noch versuchten, sich ihren zahlreichen Feinden entgegenzustellen. Wiederum baten die Heiligen den Gouverneur um Hilfe und Schutz, aber er wollte nicht helfen und sagte, es sei ein „Streit zwischen den Mormonen und dem Mob, den sie doch selbst austragen sollten“ (History of the Church, 3:157). Da die Heiligen keine Hilfe zu erwarten hatten, entschlossen sie sich, DeWitt zu verlassen. Sie beluden siebzig Wagen und verließen die Stadt am 11. Oktober. Eine Frau, die gerade ein Baby bekommen hatte, starb am ersten Tag, nachdem sie fortgezogen waren, und auch andere starben, ehe sie in Sicherheit waren.

Der Mob freute sich darüber, daß es ihm gelungen war, die Heiligen aus DeWitt zu vertreiben, und daß der Gouverneur sich nicht einmischen wollte. Sie beschlossen, als nächstes Adam-ondi-Ahman anzugreifen. Oberst George M. Hinkle, ein Mitglied der Kirche, der auch der Missouri-Miliz angehörte, half mit, die Heiligen so zu organisieren, daß sie sich schützen konnten. Joseph Smith führte einige Freiwillige aus Far West nach Adam-ondi-Ahman, um den Menschen dort zu helfen. Als sie Mitte Oktober ankamen, erfuhren sie, daß Heilige gefesselt und ausgepeitscht worden waren, daß Häuser niedergebrannt worden waren und das Vieh vertrieben worden war.

Die Heiligen wurden davor gewarnt, daß die Missouri-Miliz Far West angreifen wollte, also bereiteten sie sich darauf vor, sich zu verteidigen. Ein Teil der Miliz, angeführt von Hauptmann Samuel Bogart, begann, die Häuser der Heiligen in der Umgebung von Far West anzugreifen. Die Miliz nahm drei Gefangene und befahl den übrigen Mitgliedern der Kirche, Missouri zu verlassen. Oberst Hinkle sammelte einige Heilige um sich, um die Gefangenen zu befreien, ehe sie getötet wurden. Früh am Morgen wollte diese Gruppe zwanzig Meilen von Far West entfernt den Crooked River überqueren. Sie wußten nicht, daß Hauptmann Bogart und seine Soldaten sich am Fluß versteckt hatten. Einer von Bogarts Wachen feuerte einen Schuß ab, und der Kampf begann. Er war schnell zu Ende, aber auf beiden Seiten gab es Verletzte, darunter auch Elder David W. Patten, einer der zwölf Apostel, der einige Stunden später starb. Es wurden noch zwei weitere Mitglieder der Kirche getötet.

Gouverneur Boggs unterzeichnet den Ausrottungsbefehl

Die Berichte über den Kampf, die Gouverneur Boggs zu hören bekam, waren reichlich übertrieben. Man teilte ihm mit, die Mitglieder der Kirche hätten Hauptmann Bogarts gesamte Miliz getötet beziehungsweise gefangengenommen. Im ganzen Norden Missouris griffen Mobs die Siedlungen der Heiligen der Letzten Tage an, setzten Häuser und Felder in Brand, stahlen das Vieh und nahmen Gefangene, aber der Gouverneur glaubte, daß die Heiligen die Probleme verursachten. General Atchison drängte Gouverneur Boggs, herzukommen und selbst zu sehen, was sich ereignete, aber der Gouverneur schenkte lieber den falschen Berichten Glauben und befahl seinen Truppen, gegen die Heiligen vorzugehen. Er schrieb: „Die Mormonen sind als Feinde zu behandeln und müssen ausgerottet oder aus dem Staat vertrieben werden.“ (History of the Church, 3:175; Hervorhebung im Original). Erklären Sie den Kindern, daß ausgerottet bedeutet, daß sie getötet werden sollten, daß man sie loswerden wollte. Bis Ende Oktober 1838 hatten sich außerhalb von Far West über zweitausend Männer gesammelt, die bereit waren, den „Ausrottungsbefehl“ des Gouverneurs auszuführen.

Das Massaker bei Haun’s Mill

Neunzehn Kilometer östlich von Far West lag Haun’s Mill, ein kleiner Ort, der von einem Mitglied der Kirche namens Jacob Haun gegründet worden war. Der Ort bestand aus einer Mühle, einer Schmiede und ein paar Häusern. Nach dem Kampf am Crooked River hatte Joseph Smith allen Heiligen gesagt, sie sollten um ihrer Sicherheit willen nach Far West oder Adam-ondi-Ahman ziehen, aber Jacob Haun wollte seinen Besitz nicht verlassen. Er achtete nicht auf das, was der Prophet sagte, und wies auch die anderen Familien an, im Ort zu bleiben. Sie stellten Wachen auf, um die Mühle und den Ort zu schützen.

Am 30. Oktober trafen in Haun’s Mill neun Wagen aus Kirtland ein. Diese Leute waren zwei Tage zuvor vom Mob angehalten und gezwungen worden, alle Waffen und alle Munition abzugeben. Sie wollten sich einige Tage lang in Haun’s Mill ausruhen, bevor sie nach Far West weiterreisten. An diesem Nachmittag griff eine Gruppe von 240 Männern Haun’s Mill an. Viele der Bewohner rannten in die Wälder, während einige der Männer in die Schmiede rannten, um sich dort zu verschanzen. Die Angreifer richteten ihre Waffen durch die breiten Spalten in den Wänden und durch die offene Tür der Schmiede und feuerten viele Schüsse ab. Dann betraten sie das Gebäude und töteten vorsätzlich einen zehnjährigen Jungen, der sich dort versteckt hatte. Den sterbenden Vater des Jungen schleiften sie auf dem Boden entlang, weil sie ihm die Stiefel stehlen wollten. Bei diesem Überfall wurden siebzehn Menschen getötet und weitere dreizehn verletzt.

Jahre später sagte der Prophet Joseph Smith: „In Haun’s Mill haben die Brüder entgegen meinem Rat gehandelt; hätten sie das nicht getan, wären sie am Leben geblieben.“ (History of the Church, 5:137.)

Am Tag nach dem Angiff auf Haun’s Mill umstellten Teile der Missouri-Miliz Far West. Oberst Hinkle, ein Mitglied der Kirche, der den Heiligen bis dahin geholfen hatte, wandte sich gegen die Kirche. Er verriet Joseph Smith und die übrigen Führer der Kirche, indem er vorgab, eine Friedenskonferenz mit General Samuel D. Lucas von der Miliz zu vereinbaren. Statt dessen nahm General Lucas die Führer der Kirche gefangen. General Lucas befahl, daß die Führer der Kirche hingerichtet werden sollten, aber General Doniphan, ein Freund der Heiligen, weigerte sich, daran teilzunehmen.

Er wies General Lucas an, die Hinrichtung nicht zu vollziehen.

Den Heiligen wurde befohlen, Missouri zu verlassen, aber schließlich gestattete man ihnen, den Winter über noch in Far West zu bleiben, solange sie kein Getreide anpflanzten und auch sonst keine Pläne schmiedeten, länger zu bleiben.

Besprechen/Fragen

Lesen Sie bei der Unterrichtsvorbereitung die folgenden Fragen sowie die angegebenen Schriftstellen. Entscheiden Sie sich für die Fragen, die den Kindern Ihrer Ansicht nach die Schriftstellen am besten veranschaulichen und ihnen zeigen, wie sie die gelernten Grundsätze anwenden können. Wenn Sie die Schriftstellen im Unterricht gemeinsam lesen und besprechen, können die Kinder selbst neue Erkenntnisse gewinnen.

• Warum wurden die Heiligen aus Missouri vertrieben, obwohl es als Zion geweiht worden war? (Lehre und Bündnisse 105:6–10.) Erinnern Sie die Kinder daran, daß Zion in der Zukunft aufgerichtet werden wird.

• Was kann uns davon abhalten, vom himmlischen Vater Segnungen zu erhalten? (Ungehorsam; LuB 105:6.) Was können wir tun, um uns seiner Segnungen würdig zu erweisen?

• Warum taten Jacob Haun und die Bewohner von Haun’s Mill nicht, was Joseph Smith ihnen gesagt hatte? Weisen Sie darauf hin, daß Jacob Haun wußte, was der Prophet gesagt hatte, daß er aber dachte, er hätte einen guten Grund, es nicht zu tun.

Er hatte hart gearbeitet, um seine Mühle und den Ort aufzubauen, und er wollte sie nicht aufgeben. Er dachte, er könne sie beschützen. Wie hätte die Tragödie in Haun’s Mill vermieden werden können?

• Zeigen Sie das Bild vom lebenden Propheten. Wer ist dieser Mann? Wie können wir erfahren, was der Prophet uns sagt? Warum sollen wir tun, worum er uns bittet? (Siehe den 2. Vorschlag im Abschnitt „Zur Vertiefung“.) Erklären Sie, daß wir nicht vor allem Leid bewahrt bleiben, wenn wir dem Propheten folgen. Die Mitglieder der Kirche in Missouri, die auf den Propheten Joseph Smith hörten, mußten dennoch Verfolgung erleiden, und auch der Prophet selbst machte vieles durch. Der himmlische Vater gibt jedem die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, und manchmal leiden wir auch aufgrund der falschen Entscheidungen anderer. Wenn wir jedoch dem Propheten folgen, können wir das Leid vermeiden, das unsere falschen Entscheidungen nach sich ziehen.

• Seid ihr schon einmal schlecht behandelt worden, weil ihr Mitglieder der Kirche seid? (Oder ist jemand, den ihr kennt, schlecht behandelt worden?) Wie sollen wir uns verhalten, wenn wir schlecht behandelt werden?

Zur Vertiefung

Sie können einen oder mehrere der folgenden Vorschläge während des Unterrichts oder als Wiederholung, Zusammenfassung oder Auftrag verwenden.

  1. 1.

    Schreiben Sie die folgenden Aussagen auf Papierstreifen:

    1. 1.

      Jesus Christus offenbart seinen Willen dem Propheten.

    2. 2.

      Der Prophet sagt uns, was Jesus Christus von uns erwartet.

    3. 3.

      Wir hören dem Propheten zu.

    4. 4.

      Wir tun, was der Prophet sagt.

    5. 5.

      Wir kehren eines Tages zurück, um beim himmlischen Vater und bei Jesus Christus zu leben.

    Machen Sie aus den Papierstreifen eine Kette, indem sie sie zu Ringen formen, die Sie miteinander verbinden. Achten Sie darauf, daß das Geschriebene auf der Außenseite ist. Befestigen Sie die Papierstreifen in der richtigen Reihenfolge, und verbinden Sie den fünften sowohl mit dem vierten als auch mit dem ersten, damit es einen geschlossenen Kreis gibt. Die Kinder sollen nun die Papierstreifen in der richtigen Reihenfolge vorlesen. Besprechen Sie mit ihnen den Vorgang, wie wir vom Propheten geführt werden, so daß wir einmal zurückkehren und beim himmlischen Vater und bei Jesus Christus leben können. Machen Sie den Kindern bewußt, daß wir, wenn wir den vierten Schritt auslassen, den fünften Schritt nicht erreichen.

    Es genügt nicht, dem Propheten zuzuhören; wir müssen auch tun, was er sagt.

  2. 2.

    Schreiben Sie an die Tafel oder auf ein großes Blatt Papier, wozu der Prophet uns aufgefordert hat, beispielsweise die heiligen Schriften zu lesen, Tagebuch zu führen, unsere Familie zu lieben und würdig zu sein, den Tempel zu besuchen. Besprechen Sie mit den Kindern, wie sie in jedem der genannten Punkte dem Propheten folgen können, und besprechen Sie auch, was geschehen kann, wenn sie es nicht tun, also dem Propheten nicht folgen.

  3. 3.

    Erklären Sie, daß die Heiligen selbst inmitten großer Verfolgung und großen Leids wußten, daß der Herr über sie wachte. Manche erlebten sogar Wunder. Lesen Sie vor oder erzählen Sie mit eigenen Worten, was Amanda Barnes Smith in Haun’s Mill erlebt hat:

    Als sich der Mob Haun’s Mill näherte, rannte Amanda Barnes Smith mit ihren beiden Töchtern weg, und sie blieben unverletzt. Als die Schießerei aufgehört hatte, ging Schwester Smith zurück, um herauszufinden, was ihrem Mann und ihren Söhnen zugestoßen war. Sie schrieb später:

    „Mein ältester Sohn kam aus der Schmiede und trug seinen kleinen Bruder Alma auf den Schultern. ’Oh! Mein Alma ist tot!’ rief ich voller Schmerz aus. ,Nein, Mutter; ich glaube nicht, daß Alma tot ist. Aber Vater und mein Bruder Sardius sind umgebracht worden!‘ …

    Das gesamte Hüftgelenk meines Jungen war weggeschossen worden. Das Fleisch, der Hüftknochen und das Gelenk waren herausgerissen worden, da der brutale Mensch die Gewehrmündung durch die Bretter der Schmiede direkt auf die Hüfte des Kindes gerichtet und absichtlich abgedrückt hatte. Wir legten den kleinen Alma auf ein Bett in unserem Zelt, und ich untersuchte die Wunde. Es war ein schauriger Anblick. Ich wußte nicht, was ich tun sollte. Es war schon Abend. …

    ,Oh, himmlischer Vater‘, rief ich, ,was soll ich tun? Du siehst meinen armen verwundeten Sohn und weißt, daß ich mich nicht auskenne. Oh, himmlischer Vater, leite mich, damit ich weiß, was ich tun soll!‘ Und dann wurde ich angeleitet, als ob eine Stimme zu mir sprach.

    Die Asche des Feuers glimmte noch. Wir hatten mit der Rinde des Weißen Hickorynußbaums Feuer gemacht. Ich wurde angewiesen, aus der Asche eine Lauge herzustellen [ein starkes Desinfektionsmittel] und ein Tuch damit zu tränken und direkt in die Wunde zu legen. Es tat weh, aber der kleine Alma war dem Tod so nahe, daß er es kaum bemerkte. Wieder und wieder tränkte ich das Tuch und legte es in das Loch, wo das Hüftgelenk herausgerissen worden war, und jedesmal, wenn ich das Tuch wieder herauszog, kamen Knochensplitter und zerquetschtes Fleisch mit heraus, und die Wunde wurde so weiß wie Hühnerfleisch. Nachdem ich getan hatte, wozu ich angewiesen wurde, betete ich wiederum zum Herrn und wurde wiederum angeleitet, und zwar so deutlich, als stände ein Arzt neben mir und spräche zu mir. In der Nähe war eine Ulme. Davon sollte ich einen Breiumschlag machen und die Wunde damit füllen. …

    Ich trug den verwundeten Jungen am nächsten Tag in ein Haus, das ein Stück entfernt war, und verband seine Hüfte, wobei mir der Herr wie zuvor Anweisungen gab. Ich wurde daran erinnert, daß in der Truhe meines Mannes eine Flasche Balsam war. Diesen goß ich in die Wunde und linderte damit den Schmerz beträchtlich. ,Alma, mein Kind‘, sagte ich, ,glaubst du, daß der Herr deine Hüfte geschaffen hat?‘ ,Ja, Mutter.‘ ,Dann kann doch der Herr anstelle deiner Hüfte auch etwas anderes wachsen lassen, glaubst du nicht, Alma?‘ ,Glaubst du, daß der Herr das kann, Mutter?‘ fragte das Kind schlicht. ,Ja, mein Sohn‘, erwiderte ich, ,er hat mir alles in einer Vision gezeigt.‘ Dann drehte ich ihn so, daß er bequem auf dem Bauch lag und sagte: ,Jetzt bleibst du so liegen und bewegst dich nicht, dann wird der Herr dir eine neue Hüfte machen.‘

    Alma lag fünf Wochen lang auf dem Bauch, bis er ganz gesund war – anstelle des fehlenden Gelenks und der Gelenkpfanne war beweglicher Knorpel gewachsen. … An dem Tag, als er wieder laufen konnte, war ich gerade außerhalb des Hauses und holte einen Eimer Wasser, als ich die Kinder schreien hörte. Erschrocken rannte ich zurück, betrat das Haus, und da stand Alma, tanzte im Haus herum, und die Kinder schrien vor Staunen und Freude.“ („A Living Miracle of the Power of God“, in: Leon R. Hartshorn, Hg., Remarkable Stories from the Lives of Latter-day Saint Women, 2 Bde., Salt Lake City, 1973–1975, 1:164–167.)

    Erklären Sie den Kindern, daß nicht alle, die in großem Leid oder in Prüfungen um Hilfe beten, Wunder erleben. Aber der Herr wacht immer über uns, und er weiß, was für uns am besten ist. Wenn er unser Leiden nicht lindert, dann hilft er uns, es zu ertragen.

  4. 4.

    Erinnern Sie die Kinder daran, daß der Herr durch den lebenden Propheten zu uns spricht. Wir müssen dem Propheten zuhören und tun, was er sagt.

    Schreiben Sie die folgenden Begriffe an die Tafel: Propheten, Gebote, hören, zuhören, lernen, tun, gehorchen/Gehorsam. Erklären Sie den Kindern, daß diese Begriffe, die sich darauf beziehen, daß wir unseren Propheten zuhören und tun sollen, was sie sagen, in vielen Schriftstellen zu finden sind.

    Lassen Sie jedes Kind eine der folgenden Schriftstellen aufschlagen:

    • LuB 1:1

    • LuB 1:14

    • LuB 1:32

    • LuB 19:23

    • LuB 63:1

    • LuB 63:5

    • LuB 82:10

    • LuB 89:18

    Die Kinder sollen die Schriftstellen vorlesen und die Begriffe darin finden, die an der Tafel aufgeführt sind. Ein Kind kann die Wörter an der Tafel abhaken, wenn sie vorgelesen werden.

    • Wie können wir der Stimme des Herrn und seines Propheten zuhören?

    • Warum ist es wichtig, daß wir tun, was der Prophet uns sagt?

  5. 5.

    Singen Sie mit den Kindern „Halt’ die Gebote“ (Kinderstern, September 1994), oder sagen Sie gemeinsam den Text auf.

Zum Abschluß

Zeugnis

Bezeugen Sie den Kindern, daß der lebende Prophet ein Prophet Gottes ist. Bringen Sie Ihre Liebe und Dankbarkeit für ihn und seinen Rat zum Ausdruck. Ermutigen Sie die Kinder, bei der nächsten Generalkonferenz zuzuhören, was der Prophet sagt, und das zu tun, wozu er uns auffordert.

Vorschlag für das Schriftstudium zu Hause

Bitten Sie die Kinder, zu Hause als Wiederholung Lehre und Bündnisse 105:6–10 zu lesen.

Vorschlag für die Beteiligung der Familie

Fordern Sie die Kinder auf, ihrer Familie etwas von dem zu berichten, was sie heute gelernt haben, indem sie zu Hause eine Geschichte erzählen, eine Frage stellen, eine Aktivität durchführen oder mit der Familie die Schriftstelle lesen, die für das Schriftstudium zu Hause vorgeschlagen wurde.

Bitten Sie ein Kind um das Schlußgebet.