Zu eifrigem Lernen anregen

Auf die Weise des Erretters lehren, 2015


Ein wahrer Lehrer des Evangeliums begnügt sich nicht damit, dass die Lernenden ihm lediglich zuhören. Das Lernen des Evangeliums soll keine passive Angelegenheit sein. Es erfordert Glauben und eifriges Bemühen. Wenn Sie sich auf den Unterricht vorbereiten, denken Sie weniger darüber nach, wie Sie den Unterricht gestalten wollen, sondern fragen Sie sich vielmehr: „Wie werden meine Schüler ihr Lernen gestalten? Wie werde ich ihnen helfen, das Evangelium für sich selbst zu entdecken? Wie werde ich sie zum Handeln bewegen?“ Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel hat ein bekanntes Sprichwort zitiert: „Gibt man jemandem einen Fisch, dann hat er eine Mahlzeit. Bringt man ihm jedoch das Fischen bei, hat er sein Leben lang genug Nahrung.“ Er sagte weiter: „Als Eltern und Evangeliumslehrer haben wir nicht die Aufgabe, Fische zu verteilen, sondern [denen, die wir unterrichten,] zu helfen, dass sie ‚fischen‘ lernen und geistig gesehen standhaft werden.“1

Regen Sie dazu an, auch außerhalb des Unterrichts zu lernen

Die Unterrichtsteilnehmer werden sich nicht gegen die Versuchungen und Täuschungen des Widersachers wappnen können, wenn sie sich lediglich einmal pro Woche mit dem Evangelium beschäftigen. Das Evangelium lernt man in erster Linie durch das tägliche Bemühen zu Hause, wozu auch das persönliche Evangeliumsstudium und das gemeinsame mit der Familie gehören. Das, was Sie als Lehrer sagen und tun, kann diesen Grundsatz untermauern. Sprechen Sie gegenüber den Lernenden konkrete Aufforderungen aus, sich auch außerhalb des Unterrichts mit dem Evangelium zu befassen, und bitten Sie sie regelmäßig, von ihren Erkenntnissen zu berichten. Beispielsweise könnten Sie alle Unterrichtsteilnehmer bitten, sich vor dem Unterricht darauf vorzubereiten, eine aussagekräftige Textstelle aus einem Leseauftrag vorzustellen. Oder Sie bitten einen Unterrichtsteilnehmer, einen Teil der Lektion zu gestalten. Sogar kleine Kinder kann man mit Unterstützung der Eltern auffordern, außerhalb des Unterrichts zu lernen.

Die Ermunterung, zu Hause zu lernen, soll sich nicht nur darauf beschränken, an einen Leseauftrag zu erinnern. Sie muss motivieren und inspirieren. Sie könnten zum Beispiel sagen: „Wenn Sie die Eingebungen des Geistes besser erkennen möchten, finden Sie wertvolle Erkenntnisse in Lehre und Bündnisse 8 und 9. Bitte lesen Sie diese Abschnitte bis zum nächsten Unterricht.“

Frage zum Nachdenken. Wie wirkt es sich auf meinen Unterricht aus, wenn mir bewusst ist, dass das Lernen des Evangeliums in erster Linie zu Hause stattfindet?

Beispiel aus den heiligen Schriften. Was denken Sie, warum Jesus den Nephiten, als er sie nach seiner Auferstehung belehrte, auftrug, nach Hause zu gehen und über seine Worte nachzudenken? (Siehe 3 Nephi 17:2,3.)

Mehr dazu finden Sie auch unter „Unterstützen, dass das Evangelium zu Hause gelernt wird“ in diesem Heft.

Übertragen Sie den Lernenden Verantwortung

So wichtig die Rolle des Lehrers auch ist, die Verantwortung für das Lernen liegt letztlich bei jedem Lernenden selbst. Überlegen Sie, wie Sie den Lernenden helfen können, diese Verantwortung anzunehmen und ihr gerecht zu werden. Wenn im Unterricht beispielsweise eine Schriftstelle vorgelesen wird, könnten Sie, ehe Sie näher darauf eingehen, zunächst die Unterrichtsteilnehmer fragen, was sie daraus entnehmen. Zeigen Sie ihnen, dass Sie nicht auf eine bestimmte Antwort aus sind, sondern aufrichtiges Interesse daran haben, was sie lernen. Sie werden feststellen, dass die Fragen und Einblicke, die den Geist einladen, genauso oft von einem eifrigen Lernenden kommen wie vom Lehrer.

Frage zum Nachdenken. Was fällt mir dazu ein, wie ich den Unterrichtsteilnehmern helfen kann, selbst die Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen?

Beispiel aus den heiligen Schriften. Wie hat der Erretter seine Jünger dazu angehalten, selbst Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen? (Beispiele finden Sie unter anderem in Lukas 10:25-28 oder in Ether 2:22-25.)

Bringen Sie Vertrauen zum Ausdruck, indem Sie hohe Erwartungen setzen

Manche Lernende trauen es sich nicht zu, das Evangelium eigenständig zu lernen. Elder Bruce R. McConkie hat erklärt: „Jeder [Mensch] hat Zugang zu denselben heiligen Schriften und hat ein Anrecht auf Führung vom selben Heiligen Geist.“2 Wenn Sie den Unterrichtsteilnehmern zeigen, dass Sie ihnen vertrauen, und bezeugen, dass der Heilige Geist sie lehren wird, helfen Sie ihnen, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, die der Herr in diejenigen setzt, die das Evangelium lernen. Viele von ihnen erkennen erst, was sie erreichen können, wenn sie von Ihnen dazu aufgefordert und ermutigt werden, über sich hinauszuwachsen. Geben Sie ihnen diese inspirierende Einladung von Präsident Dieter F. Uchtdorf mit auf den Weg: „Ich bitte Sie, … auf dem Gebiet der Lehren des Evangeliums ein Fachmann zu werden.“3

Frage zum Nachdenken. Wie haben andere mir geholfen, mir selbst zuzutrauen, das Evangelium zu lernen?

Beispiel aus den heiligen Schriften. Der Erretter brachte sein Vertrauen in seine Jünger zum Ausdruck, indem er ihnen fordernde, aber machbare Aufträge gab (siehe beispielsweise Lukas 5:1-11). Wie kann ich seinem Beispiel nacheifern?

teacher and class

Regen Sie zum Gedankenaustausch an

Wenn die Lernenden von ihren Erkenntnissen berichten, spüren sie den Geist und stärken das eigene Zeugnis. Darüber hinaus ermuntern sie damit auch andere Unterrichtsteilnehmer, Wahrheiten für sich selbst zu entdecken. Sprechen Sie darüber, zu welchen Erkenntnissen Sie beim Evangeliumsstudium gelangt sind, aber regen Sie auch die Lernenden dazu an. Stellen Sie Fragen wie: „Welche Wahrheiten aus diesen Versen sind Ihnen besonders aufgefallen?“ Oder: „Was lernen Sie aus der Geschichte von Präsident Monson darüber, wie man die Verirrten rettet?“ Kleine Kinder können ihre Gedanken mitteilen, indem sie etwas malen oder eine Geschichte erzählen. Planen Sie für jeden Unterricht etwas Zeit für einen solchen Gedankenaustausch ein. Manchmal wird es sogar so sein, dass diese Gespräche den Kern der Lektion bilden.

Frage zum Nachdenken. Wie kann ich die Unterrichtsteilnehmer dazu ermuntern, von ihren Erkenntnissen zu berichten?

Beispiel aus der heiligen Schrift. In Lukas 10:1-9 steht, dass der Erretter seine Jünger aussandte, damit sie weitertrugen, was sie von ihm gelernt hatten. Wie wurden die Jünger dadurch gesegnet? (Siehe Vers 17-24.)

adults reading scriptures

Bringen Sie den Lernenden bei, in den heiligen Schriften nach Antworten zu suchen

Jemand, der weiß, wie die heiligen Schriften für ihn selbst bedeutsam werden, und der sich täglich mit ihnen beschäftigt, ist imstande, sich von Gott leiten zu lassen, um jede Schwierigkeit zu meistern. Seine geistige Kraft ist nicht von einem Lehrer abhängig. Stellen Sie beim Unterrichten Fragen, die erfordern, dass die Lernenden in den heiligen Schriften nach Antworten suchen. Gehen Sie noch einen Schritt weiter: Zeigen Sie ihnen, wie sie ihre eigenen Fragen stellen können. Führen Sie ihnen vor Augen, dass die heiligen Schriften zwar vor vielen Jahren verfasst wurden, aber dennoch die Antworten und Lösungen des Herrn für unsere Fragen und Probleme enthalten.

Frage zum Nachdenken. Welchen Rat könnte ich den Unterrichtsteilnehmern mit auf den Weg geben, der ihnen hilft, noch bessere Erfahrungen mit den heiligen Schriften zu machen und Antworten darin zu finden?

Beispiel aus den heiligen Schriften. Was lerne ich aus Nephis Beispiel in 1 Nephi 19:22-24 und 2 Nephi 25:1-4?

Fordern Sie die Lernenden auf, ihre Eindrücke aufzuschreiben

Legen Sie den Lernenden ans Herz, die Eindrücke, die sie während des Evangeliumsstudiums vom Heiligen Geist bekommen, aufzuschreiben. Bei einem kleinen Kind bedeutet das vielleicht, dass es etwas malt oder seinen Eltern etwas erzählt. Vermitteln Sie den Lernenden, dass der Geist ihnen manchmal während eines Unterrichtsgesprächs etwas mitteilen wird, was gar nicht ausgesprochen wird. Elder Richard G. Scott hat dazu gesagt: „Haltet das Wichtige, was ihr durch den Geist lernt, schriftlich so fest, dass ihr später immer darauf zurückgreifen könnt. Ihr werdet feststellen, dass euch oft weitere Eingebungen zuteilwerden, wenn ihr die erhaltenen niederschreibt. Außerdem steht euch dann das Wissen, das ihr euch aneignet, euer ganzes Leben lang zur Verfügung.“4

Frage zum Nachdenken. Bin ich schon einmal gesegnet worden, weil ich mir eine Eingebung vom Geist aufgeschrieben habe?

Beispiel aus den heiligen Schriften. Der Erretter trug den Nephiten auf, niederzuschreiben, was er lehrte (siehe 3 Nephi 16:4; 23:4,11; 27:23). Welche Segnungen haben sich aus diesem Gebot ergeben?

Hilfsmittel für das Schriftstudium

Die Fußnoten in den heiligen Schriften und der Schriftenführer sind wertvolle Hilfsmittel, die zum Verständnis der heiligen Schriften beitragen. So gibt beispielsweise der Eintrag im Schriftenführer zum Thema „Gebet“ Aufschluss über die Lehre: „Ziel des Gebets ist nicht, den Willen Gottes zu ändern, sondern sich selbst und anderen Segnungen zu sichern, die Gott schon zu geben bereit ist, um die wir aber bitten müssen, um sie zu erlangen.“ (Schriftenführer, „Gebet“.)

Für den Gesprächsleiter

Sich austauschen und beraten. Ermuntern Sie die Lehrer zunächst, zu berichten, welche Erfahrungen sie in letzter Zeit im Unterricht gemacht haben, und Fragen zu stellen. Daraus könnte sich die Gelegenheit ergeben, zu demonstrieren, wie man zu eifrigem Lernen anregt.

Gemeinsam lernen. Besprechen Sie gemeinsam mit den Lehrern mindestens eine der Anregungen aus diesem Abschnitt.

Üben. Beauftragen Sie vor der Zusammenkunft jeden Lehrer, sich mit einem Evangeliumsgrundsatz zu beschäftigen, damit er während der Zusammenkunft die übrigen Lehrer dafür begeistern kann, ebenfalls mehr über diesen Grundsatz zu lernen. Inwiefern unterscheidet sich dieser Ansatz davon, dass man anderen lediglich etwas über den Grundsatz erzählt? Wie profitieren die Lernenden davon?

Vorbereiten. Wählen Sie gemeinsam ein Thema für die nächste Zusammenkunft aus und bitten Sie die Lehrer, sich darauf vorzubereiten.

Quellenangaben anzeigen

  1.   1.

    David A. Bednar, „Wachsam sein und ausharren“, Liahona, Mai 2010, Seite 42

  2.   2.

    Bruce R. McConkie, „Finding Answers to Gospel Questions“ in Charge to Religious Educators, 3. Auflage, 1994, Seite 80; siehe auch lds.org/manual/teaching-seminary-preservice-readings-religion-370-471-and-475

  3.   3.

    Dieter F. Uchtdorf, „Ihr Potenzial, Ihr Anrecht“, Liahona, Mai 2011, Seite 59

  4.   4.

    Richard G. Scott, „Erkenntnis erlangen und die Kraft, sie weise anzuwenden“, Liahona, August 2002, Seite 12ff.