17: DEN LERNENDEN HELFEN, AUFMERKSAM ZU SEIN

"17: DEN LERNENDEN HELFEN, AUFMERKSAM ZU SEIN," Teil B: Grundbegriffe der Evangeliumsunterweisung – Zu eifrigem Lernen anregen, ()


Ein Sonntagsschullehrer berichtet Folgendes über einen Unterricht:

„Ich hatte das Gefühl, als hätte ich meine Schüler auf eine Wanderung durch den Wald mitgenommen. Wir begannen den Weg gemeinsam, und ich wies zwischendurch immer wieder auf interessante Einsichten aus der Schrift hin. Ich erklärte die Gedanken der Lektion sehr genau, etwa so, wie ein Führer die einzelnen Baumarten entlang des Weges beschreiben würde.

Und dann wandte ich mich gleichsam um, um nach meinen Schülern zu sehen. Da entdeckte ich jedoch, dass sie auf dem Weg durch die Schriften weit hinten geblieben waren. Keiner war mir gefolgt. Einige verweilten da oder dort, andere waren rich- tiggehend stecken geblieben, einige waren vom Weg abgekommen und hatten sich verirrt. Es war, als müsse ich den Weg wieder zurückgehen und meine Schüler sammeln und könne erst danach wieder weitergehen.“

Aus diesem Beispiel wird ersichtlich, dass es vorkommen kann, dass die Lehrkraft die Lernenden „hinter sich lässt“. Die Lernenden verlieren gelegentlich des Interesse oder werden abgelenkt.

Wie kann die Lehrkraft den Lernenden helfen, aufmerksam zu bleiben? Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Sie können jedoch das eine oder andere tun, um Aufmerksamkeit zu wecken.

Beobachten Sie die Schüler, und hören Sie ihnen zu

Oft bemerkt man es, wenn der Kontakt zu den Schülern verloren geht. Die Schüler machen sich durch eine sonst nicht übliche Unruhe bemerkbar, sie lesen nicht mit, wenn eine Schriftstelle vorgelesen wird, oder sie unterhalten sich über etwas, was nichts mit dem Unterrichtsthema zu tun hat. Vielleicht fällt Ihnen auch auf, dass sie auf Ihre Fragen lustlos und ohne viel nachzudenken antworten.

Allerdings ist Vorsicht angebracht, wenn Sie aus dem Verhalten eines Schülers auf dessen Aufmerksamkeit schließen. Manch einer scheint in sich zurückgezogen, doch er verfolgt den Unterricht ganz genau. Wenn jemand nicht zu Ihnen herschaut, kann er trotzdem über etwas nachdenken, was gesagt wurde, oder über eine Eingebung nachsinnen, die er vom Heiligen Geist empfangen hat.

Wer durch den Geist lehrt, kann oft erkennen, wie es um die Aufmerksamkeit seiner Schüler bestellt ist. Gelegentlich fühlen Sie sich vielleicht gedrängt, den Unterricht anders zu gestalten, um erneut die Aufmerksamkeit der Schüler zu gewinnen.

Wie man den Lernenden helfen kann, aufmerksam zu sein

Die folgenden Anregungen können dazu beitragen, dass Sie den Lernenden helfen, aufmerksam bei der Sache zu bleiben.

  • Der Lehrstoff muss den Schülern etwas bedeuten. Lassen Sie sie sehen, wie sich der Unterrichtsstoff auf ihr Leben bezieht. Wenn ein Schüler nicht erkennen kann, was der Lehrstoff für ihn bedeutet, ist er wahrscheinlich weder daran interessiert noch aufmerksam.

  • Ändern Sie Ihren Tonfall. Sprechen Sie zu langsam, zu schnell, zu leise oder zu laut? Sprechen Sie zu monoton? Ist Ihre Aussprache deutlich? Freuen Sie sich an dem, was Sie lehren? Eine Änderung des Tonfalls kann die Konzentrationsspanne Ihrer Schüler verlängern.

  • Halten Sie Blickkontakt. Mittels Blickkontakt können Sie die Lernenden in den Unterricht mit einbeziehen. Wer seine Schüler anblickt, konzentriert sich auf sie und nicht auf den Lehrstoff. Wenn ein Teilnehmer etwas sagen möchte oder eine Frage hat und Sie ihn ansehen, während sie ihm zuhören, dann vermitteln Sie ihm, dass Sie an dem interessiert sind, was er zu sagen hat. Lassen Sie Ihre Augen beim Reden nicht im Zimmer umherschweifen. Stellen Sie die Stühle so auf, dass Sie jeden ansehen können und auch jeder Sie ansehen kann. Kleine Kinder sind aufmerksamer, wenn Sie nahe bei ihnen sitzen und auf gleicher Augenhöhe mit ihnen sprechen.

  • Bewegen Sie sich. Versuchen Sie, beim Unterrichten im Zimmer umherzugehen, aber gehen Sie nicht ruhelos auf und ab. Wer eine Frage stellt und dabei näher an den Lernenden herantritt, vermittelt dadurch Interesse und regt zu einer Antwort an. Durch passende Gesten lässt sich ein Lehrpunkt verdeutlichen. Bewegen Sie sich natürlich – so, wie es Ihrer Persönlichkeit entspricht. Theatralische oder abgedroschene Gesten können die Lernenden ablenken und dazu führen, dass sie das Interesse am Unterricht verlieren.

  • Lockern Sie den Unterricht zwischendurch auf. Die Geschwindigkeit, mit der Sie vorgehen, wirkt sich auf die Aufmerksamkeit der Lernenden aus. Wer zu rasch vorgeht, verwirrt die Lernenden möglicherweise. Wenn man mit dem Lehrstoff zu langsam weitermacht, verlieren sie vielleicht das Interesse. Einige Teile des Unterrichts scheinen sich endlos hinzuziehen oder verlaufen sich schließlich in Gesprächen oder Geschichten. So mancher Lehrstoff mag zwar wichtig sein, bedeutet aber den Schülern wenig. Solchen Lehrstoff gehen Sie am besten sehr rasch durch, damit Sie den Hauptgedanken der Lektion mehr Zeit widmen können.

  • Verwenden Sie unterschiedliche Lehrmethoden. Abwechs- lung bei den Lehrmethoden kann dazu beitragen, den Unterricht aufzulockern, die Aufmerksamkeit der Lernenden zu Unterrichtsbeginn zu wecken, sie während des Unterrichts neu zu gewinnen oder einen Übergang von einem Teil der Lektion zu einem anderen zu schaffen.

An einem Unterrichtsgespräch in Kleingruppen kann sich beispielsweise sofort jeder beteiligen, der offenbar das Interesse verloren hat und unaufmerksam geworden ist. (Siehe „Abwechslung in den Unterricht bringen“, Seite 89–90.)

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, dass er sich am Unterricht beteiligt

Bei Ihrem Bemühen, den Lernenden zu helfen, aufmerksamer zu sein, müssen Sie aber auch bedenken, dass jeder letztendlich selbst dafür verantwortlich ist, ob er sich am Unterricht beteiligt oder nicht. Drängen Sie nicht, wenn jemand nicht mitmachen möchte. Seien Sie aber weiterhin interessiert, achtungsvoll und hilfsbereit, und denken Sie daran, was der Herr den Priestertumsträgern geraten hat: „Keine Macht und kein Einfluss [soll] anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe.“ (LuB 121:41.)