Das geistliche Wirken Brigham Youngs

Lehren der Präsidenten der Kirche: Brigham Young, 1997


Brigham Young war der zweite Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, der Kolonisator und Gründer eines großen Gemeinwesens der Heiligen der Letzten Tage im amerikanischen Westen und ein hingebungsvoller Ehemann und Vater. Er war ein treuer Jünger und Apostel des Herrn Jesus Christus. „Jesus ist unser Oberhaupt und Führer“, bezeugte er (DNW, 24. Mai 1871, 5). „Mein Glaube gründet sich auf den Herrn Jesus Christus und auf die Erkenntnis, die ich von ihm erhalten habe“, bekräftigte er (DNW, 21. November 1855, 2). Sein Leben war ganz auf den Aufbau und die Festigung des Reichs des Herrn Jesus Christus auf der Erde ausgerichtet.

Aus dem Leben von Brigham Young

Durch harte Arbeit viel gelernt

Brigham Young wurde 1801 in Vermont geboren. Er war das neunte der 11 Kinder des John und der Abigail Howe Young. Er wuchs in der dicht bewaldeten Gegend mitten im Bundesstaat New York auf, wo sein Elternhaus und das umliegende Land sein Klassenzimmer waren (siehe DNW, 22. April 1857, 4). Seine Eltern waren arm, wie er später sagte. „Wir haben als Kinder keine besondere Schulbildung genossen, aber wir durften Gestrüpp sammeln, Bäume fällen, Holzstämme transportieren und uns mit den Wurzeln abmühen, wobei wir uns die Schienbeine, Füße und Zehen wund scheuerten.“ (DNW, 12. August 1857, 4.) Der junge Brigham arbeitete sehr, um mitzuhelfen, das Land zu roden und es zu bebauen und bei der Hausarbeit mitzuhelfen. Nie vergaß er die strenge sittliche Erziehung, die sein Vater ihm angedeihen ließ, oder wie seine Mutter „ihre Kinder allzeit lehrte, den Namen des Vaters und des Sohnes zu ehren und die Bibel in Ehren zu halten; sie sagte: Lest sie, haltet euch an ihre Weisungen und lebt danach, so gut ihr könnt; tut alles, was gut ist; tut nichts, was böse ist; und wenn ihr jemanden in Not seht, dann steht ihm bei“. (MSS, 1853, 55.) Brighams Mutter starb, als er 14 Jahre alt war.

Brigham Young late 1840's

Präsident Young um 1847–50. „Ich wollte den Nationen das Evangelium mit Donnerstimme verkünden. Es brannte mir im Herzen wie Feuer. . . . Nichts konnte mich zufriedenstellen als der laute Ruf an alle Welt, um zu verkünden, was der Herr in den Letzten Tagen tut.“ (DNW, 24. August 1854, 1).

Mit 16 war Brigham Tischler-, Schreiner-, Maler- und Glaserlehrling. Er war stolz auf seine Handwerkskunst und sagte: Ich betrachte „ehrliche, zuverlässige Arbeit, solche, die für diejenigen, die mich beschäftigt haben, Bestand hat, als Teil meiner Religion“. (Brigham Young zu George Hickox, 19. Februar 1876, BYP.)

Mit 23 heiratete er Miriam Angeline Works. Dem jungen Paar wurden zwei Töchter geboren. Brigham verdiente den Lebensunterhalt seiner Familie, indem er Stühle, Tische und Schränke anfertigte und reparierte und Fenster, Türen und Treppen sowie Kaminumrandungen einsetzte. Auf der Farm seines Vaters in Mendon, New York, baute er ein Haus und eine Tischlerei an einem kleinen Wasserlauf, wo er seine Sägemühle mit Wasserkraft betrieb.

Als Miriam an Tuberkulose erkrankte, übernahm Brigham zusätzlich zu seinen Aufgaben einen großen Teil ihrer Arbeit. Sie konnte das Bett schließlich kaum noch verlassen, und er bereitete regelmäßig für seine Familie das Frühstück zu, zog seine Töchter an, räumte das Haus auf und „trug seine Frau zum Schaukelstuhl am Kamin, wo sie blieb, bis er am Abend zurückkam“. Dann kochte er das Abendessen, brachte seine Kinder zu Bett und erledigte noch die übrige Hausarbeit (LSBY, 5). Die Erfahrungen aus seiner Jugendzeit und aus den ersten Jahren seiner Ehe, in denen er für die Kinder sorgte und den Haushalt führte, lehrten ihn vieles, was die Zusammenarbeit in der Familie und die Haushaltsführung betrifft. Noch Jahre später beriet er die Heiligen in diesen Angelegenheiten und brüstete sich im Spaß damit, er könne „die meisten Frauen am Ort schlagen, was die Haushaltsführung beträfe“ (DNW, 12. August 1857, 4).

Vom Geist ein Zeugnis erlangt

Brigham und Miriam schlossen sich in dem Jahr, in dem sie geheiratet hatten, den Methodisten an, aber Brigham machten religiöse Fragen noch immer sehr zu schaffen. Er suchte eine Kirche, die nach dem Muster organisiert war, das Jesus vorgegeben hatte, nach dem Muster des Neuen Testaments, mit „einem System heiliger Handlungen“ (DNW, 19. Juli 1866, 3) und mit allen Gaben des Evangeliums. Aufgrund der missionarischen Anstrengungen von Joseph Smiths Bruder Samuel erhielt die Familie von Brigham Young im April 1830, nur einen Monat nach der Veröffentlichung, zwei Exemplare des Buches Mormon. Einige der Geschwister von Brigham Young lasen es und verkündeten, es sei wahr, aber Brigham selbst nahm es nicht sofort an (siehe LL, 33). „‚Nicht so rasch‘, sagte ich. … ‚Warte mal; was lehrt das Buch, und was lehren die Offenbarungen, die der Herr gegeben hat? Ich will mich gründlich damit befassen.‘ … Ich habe mich zwei Jahre lang eifrig mit der Sache befaßt, ehe ich mich entschloß, das Buch anzunehmen. Ich wußte, es war wahr, so wie ich wußte, daß ich mit den Augen sehen und mit den Fingern fühlen konnte, wie ich jeden Sinn spürte. Wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte ich es bis heute nicht angenommen.“ (MSS, 15:45.)

Brigham Young mußte es selbst wissen. Er erklärte den Heiligen später, Gott beabsichtige nicht, daß sie „sich völlig von einem anderen Menschen leiten lassen, ihren Verstand ausschalten und sich mit ihrem Glauben bei einem anderen an den Rockzipfel hängen“ (DNW, 24. August 1854). „Es ist meine Pflicht, in Erfahrung zu bringen, was der Herr von mir will“, erklärte er ihnen (DNW, 22. September 1875, 4). „Ihr dürft und müßt so leben, daß ihr wißt, wann das Wort des Herrn an euch ergeht und wann sich euch der Sinn des Herrn offenbart.“ (DNW, 22. September 1875, 4.)

Missionare aus einem Zweig der Kirche in Columbia, Pennsylvania, kamen 1831 durch Mendon. Sie verkündeten, die Himmel hätten sich aufgetan und das Evangelium und das heilige Priestertum seien durch Joseph Smith wiederhergestellt worden. Nachdem Brigham und andere Familienmitglieder und Freunde den Zweig Columbia besucht hatten, glaubte er, er habe die Religion, nach der er so lange gesucht hatte, gefunden, aber er rang noch mit der Entscheidung, ob er tatsächlich dafür alles opfern konnte. Dann, als einer der Missionare Zeugnis gab, „erleuchtete mir der Heilige Geist, der aus diesem Menschen drang, den Verstand, und Licht, Herrlichkeit und Unsterblichkeit waren vor mir“, berichtet er. Er sagte, er sei darin eingehüllt und davon erfüllt gewesen und habe selbst gewußt, daß das Zeugnis des Mannes wahr sei (DNW, 9. Februar 1854, 4). Am 15. April 1832, einem kalten, verschneiten Tag, wurde Brigham Young in seinem Mühlbach getauft und anschließend konfirmiert und zum Ältesten ordiniert (siehe DNW, 2. April 1862, 1). „Gemäß den Worten des Erretters verspürte ich einen demütigen, kindlichen Geist, der mir bezeugte, daß meine Sünden vergeben waren“, berichtet er. (MHBY–1, 3.) Miriam ließ sich etwa drei Wochen danach taufen (MHBY–1, 3). Alle direkten Familienangehörigen von Brigham Young ließen sich ebenfalls taufen, und sie blieben alle glaubenstreue Heilige der Letzten Tage.

Im Spätsommer 1832, nachdem Brigham von einer Missionsreise in die umliegende Gegend zurückgekehrt war, pflegte er Miriam noch einige Wochen, ehe sie im September 1832 an der Tuberkulose starb.

Opfer für den Aufbau und die Verteidigung des Gottesreichs

Brigham Young wandte seine ganze Aufmerksamkeit und Energie der Kirche zu. Er wollte gern den Propheten Joseph Smith kennenlernen, und so brach er sofort zusammen mit seinem Bruder Joseph und seinem guten Freund Heber C. Kimball nach Kirtland, Ohio, auf. Sie trafen Joseph Smith dabei an, wie er gerade mit seinen Brüdern Holz hackte. Brigham war „von Freude erfüllt, weil er dem Propheten Gottes die Hand schütteln durfte“, und er empfing „durch den Geist der Prophezeiung das feste Zeugnis, daß er als wahrer Prophet alles war, was man sich nur wünschen konnte“ (MHBY–1, 4). Damit begann für Brigham Young eine der wichtigsten Beziehungen zu einem anderen Menschen. Als er nach New York zurückgekehrt war, verschenkte er viel von seinem Besitz und nahm weniger Arbeit an, um der Kirche mehr Zeit widmen zu können. In der Gewißheit, daß Vilate Kimball, Hebers Frau, sich um seine Töchter kümmerte, erfüllte er eine Reihe von Missionen. Er hielt Versammlungen ab und taufte in der Gegend um Mendon. Außerdem reiste er in den Norden des Bundesstaats New York und nach Ontario in Kanada, um das Evangelium zu verkünden und Zeugnis davon zu geben, daß Joseph Smith ein Prophet Gottes war.

Weil Brigham dem Rat des Propheten, sich mit den Heiligen zu sammeln, Folge leisten wollte, zog er im September 1833 mit seiner Familie von Mendon nach Kirtland. Dort durfte Brigham „die Lehren des Propheten hören und sich an der Gemeinschaft der Heiligen freuen, wobei er in seinem früheren Beruf hart arbeitete“ (MHBY–1, 7). Er half mit, Wohnhäuser, den Kirtland-Tempel und mehrere öffentliche Gebäude zu errichten.

Am 18. Februar 1834 heiratete er Mary Ann Angell; im Lauf der nächsten 10 Jahre wurden ihnen sechs Kinder geboren. Mary Ann, so Brigham Young, „mühte sich treu für das Interesse meiner Familie und des Gottesreichs ab“ (MHBY–1, 8).

Während seiner Jahre in Kirtland (1833–38) machte Brigham die Erfahrung, daß der Aufbau des Gottesreichs Gehorsam und Opferbereitschaft erfordert. Im Frühjahr 1834 meldete er sich freiwillig für den Marsch des Zionslagers, einer Gruppe von 205 Mann, die Joseph Smith dafür rekrutiert hatte, den Heiligen, die im Kreis Jackson in Missouri aus ihren Häusern vetrieben worden waren, Hilfe und Vorräte zu bringen. „Wir legten eine Reise von zweitausend Meilen zu Fuß zurück“, berichtete Brigham (DNW, 8. Oktober 1856, 2). Er sagte auch, wegen der extremen Schwierigkeiten und der schlimmen Krankheitsfälle habe es im Lager auch welche gegeben, die gemurrt hätten. Die Männer mußten Geduld und Zusammenarbeit lernen, und deshalb, so Brigham, „führte Joseph [Smith] die Abteilung und beriet sie, vor allem diejenigen, die einen unruhigen, unbeherrschten und unzufriedenen Geist hatten“ (DNW, 3. Dezember 1862, 1). Die schwierige Reise bestärkte Brigham Young noch in seiner Treue gegenüber Joseph Smith. Sie war eine wertvolle Schulung im Gehorsam gegenüber Gott und seinem Propheten (siehe DNW, 3. August 1854, 2).

Neun Veteranen des Zionslagers, darunter auch Brigham Young, wurden auf einer Sonderkonferenz am 14. Februar 1835 als Mitglieder des ersten Kollegiums der Zwölf Apostel ausgewählt (siehe LuB 18:26–32). Brigham Young wurde durch Händeauflegen ordiniert und gesegnet, „er möge hingehen und die Erwählten sammeln – in Vorbereitung auf den großen Tag des Kommens des Herrn“. Er und die übrigen Mitglieder des Kollegiums, die „berufen waren, den Ländern der Erde das Evangelium des Gottessohns zu verkünden“ (HC,2:196), brachen im Mai 1835 zu einer viermonatigen Mission in die Oststaaten auf. Er kehrte dann im Sommer 1836 und im Sommer 1837 noch einmal als Missionar in die Oststaaten zurück.

Elder Young beaufsichtigte die Malerarbeiten und die Fertigstellung des Kirtland-Tempels. Er war dabei, als der Prophet Joseph Smith dort die vorbereitenden heiligen Handlungen einführte, und er nahm mit Hunderten von Heiligen, die große Opfer gebracht hatten, um den ersten Tempel dieser Evangeliumszeit zu bauen, an den Weihungsgottesdiensten teil (siehe MHBY–1, 12; HC, 2:428).

Noch ehe Elder Young die Einigkeit, die durch solche Erfahrungen entstand, wirklich genießen konnte, wurden mehrere Abtrünnige in ihrem Widerstand gegen den Propheten so laut, daß sie versuchten, ihm die Führung der Kirche gewaltsam zu entreißen. Im Januar 1838 konfrontierte Elder Young diese Abtrünnigen im Kirtland-Tempel: „Ich stand auf und erklärte ihnen deutlich und mit allem Nachdruck, Joseph sei ein Prophet und das wisse ich; sie könnten gegen ihn lästern und ihn schmähen, soviel sie wollten, damit könnten sie dem Propheten Gottes seine Bestimmung noch lange nicht nehmen, sie könnten höchstens ihre eigene Vollmacht zunichte machen und das Band, das sie mit dem Propheten und mit Gott verbinde, zerschneiden und sich in die Hölle hinabstürzen.“ (MHBY–1, 16.)

Verantwortung übernommen

Brigham Young berichtete, er habe zusammen mit Joseph Smith Nacht um Nacht auf den Pöbel gewartet, der dem Propheten nach dem Leben trachtete (siehe DNSW, 15. Mai 1877, 1). Er unterstützte den Propheten so vorbehaltlos, daß die Abtrünnigen, wie er berichtete, drohten, ihn „zu vernichten“ (MHBY–1, 23f.). Er floh aus Kirtland und reiste ins westliche Missouri, wo er sich zu Joseph Smith und anderen Führern der Kirche gesellte, deren Leben bedroht gewesen war. Aber als dann immer mehr Heilige der Letzten Tage ins westliche Missouri zogen, waren die übrigen Siedler beunruhigt, weil sie fürchteten, die Heiligen würden in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht die Herrschaft an sich reißen. Im Sommer und Herbst 1838 wurden die Spannungen immer schlimmer und gipfelten schließlich darin, daß der Gouverneur der Staatsmiliz den Befehl erteilte, die Heiligen der Letzten Tage auszurotten oder sie aus dem Staat zu vertreiben. Als Joseph Smith und andere wichtige Führer der Kirche gefangengenommen wurden und mehrere Mitglieder des Kollegiums abtrünnig wurden und einige starben, mußte Brigham Young, der inzwischen Präsident des Kollegiums war, immer mehr Verantwortung übernehmen. Er und Apostel Heber C. Kimball waren die einzigen Mitglieder der präsidierenden Kollegien der Kirche, die noch zur Verfügung standen, um die Heiligen in ihrem schwierigen Exodus aus Missouri, der im Winter stattfand, zu führen und ihnen beizustehen. Auf ihre Weisung hin gelobten die Heiligen, den Armen zu helfen, jeden Heiligen der Letzten Tage aus dem Staat zu bringen und sich auf die erneute Sammlung vorzubereiten.

Die vertriebenen Heiligen gründeten in Commerce, Illinois, eine neue Stadt, die sie später Nauvoo nannten. Präsident Young blieb allerdings nur ein paar Monate, weil der Prophet Joseph eine Offenbarung empfing, in der das Kollegium der Zwölf dazu berufen wurde, nach England auf Mission zu gehen. Im Herbst 1839 verließ Präsident Young Illinois. Er war fest entschlossen, die neue Verantwortung zu übernehmen, obwohl er und seine Familie krank waren. Er berichtete später, er habe ohne Hilfe nicht sehr weit gehen können und seine Schwester Fanny habe ihn angefleht, nicht abzureisen. Er hatte ihr erwidert: „‚Schwester Fanny, ich habe mich mein Lebtag nicht besser gefühlt.‘ Sie war eine sehr exzentrische Frau. Sie sah mich an und sagte mit Tränen in den Augen: ‚Du lügst.‘ Ich sagte nichts, war aber entschlossen, nach England zu reisen oder bei dem Versuch zu sterben. Ich war fest entschlossen, das zu tun, was im Evangelium des Lebens und der Errettung von mir verlangt wurde. Sonst hätte ich bei dem Versuch sterben wollen.“ (DNSW, 2. August 1870, 1.)

Acht Mitglieder des Kollegiums der Zwölf erfüllten von 1840 bis 1841 eine Mission auf den Britischen Inseln, und Brigham Young, der Kollegiumspräsident, leitete sie in ihrer Arbeit an. In jenem so wichtigen Jahr hatten die Zwölf erstaunlichen Erfolg. Während Präsident Young sich 1841 darauf vorbereitete, Liverpool zu verlassen, sann er voll Dankbarkeit nach, wie er sagte: „Über den Umgang Gottes mit mir und mit meinen Brüdern von den Zwölf im vergangenen Jahr meines Lebens. … Es kam mir wahrhaftig wie ein Wunder vor, wenn ich auf den großen Unterschied zwischen unserer Ankunft in Liverpool und unserer Abreise schaute. Wir waren im Frühjahr 1840 angekommen, als Fremde in einem fremden Land und mittellos, aber dank der Barmherzigkeit Gottes haben wir inzwischen viele Freunde gewonnen, in fast jeder größeren Ortschaft und Stadt im Reiche Großbritannien Gemeinden gegründet, sieben- bis achttausend Menschen getauft, 5000 Exemplare des Buches Mormon gedruckt, dazu 3000 Gesangbücher, 2500 Exemplare des Millennial Star und 50000 Traktate, und haben 1000 Menschen nach Zion auswandern lassen. … Wir haben vielen Tausenden den Samen der ewigen Wahrheit ins Herz gesät, und der Same wird zur Ehre und Herrlichkeit Gottes Frucht bringen, und dabei hat es uns nie an Essen, Trinken und Kleidung gemangelt: in alledem erkenne ich die Hand Gottes an.“ (MHBY–1, 96f.).

Indem Präsident Young und seine Mitapostel ihre neuen Aufgaben von ganzem Herzen annahmen, erweiterten sie nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten, sondern auch die Fähigkeit des Kollegiums, einig und wirkungsvoll für die Kirche zusammenzuarbeiten. Joseph Smith vertraute ihrer „vereinten Weisheit“ und gab im August 1841 in Nauvoo bekannt: „Jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Zwölf aufgerufen werden sollen, ihren Platz neben der Ersten Präsidentschaft einzunehmen.“ (HC, 4:403.) Die Zwölf erhielten größere Verantwortung, darunter für die Verkündigung des Evangeliums, die Ansiedlung der Zuwanderer, den Ankauf von Land und den Bau des Nauvoo-Tempels.

Noch ehe der Tempel fertiggestellt war, führte Joseph Smith Präsident Young und andere Mitglieder der Zwölf im stillen in die heiligen Handlungen des Tempels, darunter die Taufe für die Toten, die Begabung und die Siegelung, ein. Er wollte, daß die Zwölf die Mitglieder der Kirche diese Verordnungen lehrten. Der Prophet kam im Frühjahr 1844 mit den Zwölf zusammen, um ihnen allen die Schlüsselgewalt und Vollmacht zu übertragen, die sie brauchten, um das Werk des Gottesreichs fortzuführen. „Ich nehme die Last und Verantwortung für die Führung dieser Kirche von meinen Schultern und lege sie euch auf“, verkündete der Prophet. „Schultert diese Last jetzt und steht als Männer darunter; denn der Herr wird mich eine Weile ruhen lassen.“ (Undatierte Bescheinigung der Zwölf, BYP.)

Innerhalb von drei Monaten war der Prophet Joseph Smith tot. Während Präsident Young in der Gegend von Boston eine Sommermission erfüllte, erfuhr er, daß Joseph und Hyrum Smith in Carthage, Illinois, vom Pöbel umgebracht worden waren. Als er die Nachricht vernahm, fragte er sich, „ob Joseph die Schlüsselgewalt des Gottesreichs mit sich von der Erde genommen hatte“, aber er war sich sofort dessen gewiß, daß die Schlüsselgewalt des Gottesreichs auf den Zwölf ruhte (MHBY–1, 171). Er kehrte sofort nach Nauvoo zurück und erfuhr dort, daß Sidney Rigdon, Josephs Erster Ratgeber, angeboten hatte, die Führung der Kirche zu übernehmen, und daß eine allgemeine Versammlung der Heiligen bereits aufgerufen worden war, einen neuen Führer zu bestätigen. Präsident Young sprach in eindrucksvoller Deutlichkeit zu den versammelten Heiligen:

„Zum ersten Mal in meinem Leben, zum ersten Mal in eurem Leben, zum ersten Mal im Reich Gottes des 19. Jahrhunderts, trete ich, da wir keinen Propheten mehr an der Spitze haben, hervor, nämlich kraft meiner Berufung im Zusammenhang mit dem Kollegium der Zwölf, den Aposteln Jesu Christi für diese Generation – Aposteln, die Gott durch Offenbarung berufen hat, die durch den Propheten Joseph ergangen ist, die ordiniert und gesalbt sind, die Schlüsselgewalt des Gottesreichs in aller Welt innezuhaben. …

Wenn ihr euch also von Sidney Rigdon oder von William Law oder von jemand anderem führen lassen wollt, dann sei euch das unbenommen; aber ich sage euch im Namen des Herrn: niemand kann einen anderen zwischen die Zwölf und den Propheten Joseph stellen. Warum? Weil Joseph ihr direkter Vorgesetzter war und er ihnen die Schlüsselgewalt des Gottesreichs in dieser letzten Evangeliumszeit für alle Welt in die Hand gegeben hat.“ (HC, 7:232, 235.)

Viele Zeugen merkten an, Präsident Young habe, als er sprach, wie der Prophet Joseph ausgesehen und gesprochen, was eine eindrucksvolle Kundgebung der göttlichen Billigung war. Die nahezu 5000 Heiligen, die sich versammelt hatten, bestätigten die Zwölf als das regierende Kollegium der Kirche. Drei Tage nach der Versammlung, in der Präsident Young den Heiligen erklärt hatte, er „wolle wenigstens dreißig Tage lang weinen und trauern dürfen“ (HC, 7:232), brachte er still seinen Kummer zum Ausdruck: „Wir trauern seit dem Tag, an dem Joseph und Hyrum von Carthage hierher [nach Nauvoo] gebracht worden sind. Viele innerhalb und außerhalb der Kirche schätzen, daß über fünf Tonnen Tränen vergossen worden sind. Ich kann es nicht ertragen, auch nur darüber nachzudenken.“ (MHBY–1, 177.)

Brigham Young hatte bereits fast ein Jahrzehnt lang als Apostel Jesu Christi gedient und in dieser Zeit die Wege des Herrn gelernt. Seine Bereitschaft, hart zu arbeiten, zu gehorchen, Opfer zu bringen und Verantwortung zu übernehmen, und seine Fähigkeit, vom Geist Eingebungen zu empfangen und danach zu handeln, hatten ihn darauf vorbereitet, über die Heiligen der Letzten Tage zu präsidieren – erst als Präsident des Kollegiums der Zwölf und ab Dezember 1847 als Präsident der Kirche. Unter seiner außergewöhnlichen Führung, die 33 Jahre umspannte, lehrte er die Heiligen, im amerikanischen Westen und im Herzen, in ihrer Familie und in ihrer Gemeinde, Zion aufzubauen. „Bruder Joseph, der Prophet, hat die Grundlage für dieses große Werk gelegt, und wir werden darauf aufbauen“, verhieß er den Heiligen im August 1844. „Wir können ein Reich aufbauen, wie es ein solches in der Welt noch nie gegeben hat.“ (HC, 7:234.) Sein unerschütterlicher Glaube an Gott, sein Engagement, seine Erfahrung, sein Humor, seine Liebe zur Lehre und zu den Verordnungen des Evangeliums und sein Einblick in die Ordnung des Priestertums und die Organisation der Kirche befähigten ihn, die Heiligen auf die Einigkeit in Herz und Sinn zuzuführen.

saints crossing Mississippi

Eine künstlerische Darstellung davon, wie die Heiligen während des Exodus aus Nauvoo im Februar 1846 den zugefrorenen Mississippi überqueren.

Die Sammlung der Heiligen für den Aufbau des Gottesreichs

Präsident Brigham Young führte den Exodus der Heiligen der Letzten Tage von Nauvoo ins Salt Lake Valley in den Rocky Mountains an. So konnten die Heiligen sich in einer Weise sammeln, wie es in Ohio, Missouri und Illinois nicht möglich gewesen war. Als Präsident Young am 24. Juli 1847 auf das Tal des Großen Salzsees blickte, war er sicher, daß er die Zuflucht, die Joseph Smith im Westen für die Heiligen vorhergesehen und die er selbst in einer Vision als den richtigen Ort gesehen hatte, gefunden hatte. „Der Geist des Lichts ruhte auf mir und schwebte über dem Tal, und ich hatte das Gefühl, daß die Heiligen dort Schutz und Sicherheit finden würden“, schrieb Brigham Young (MHBY–2, 564). Hier konnten die Heiligen die Zeit und den Platz finden, die sie brauchten, um sich selbst abseits der Welt als Volk zu etablieren.

Die Sammlung im Westen, die im Juli 1847 mit der Ankunft Präsident Youngs und der Pionierabteilung begann, ging jahrzehntelang weiter. Bis 1869 legten achtzigtausend Heilige die schwierige Reise nach Westen zurück, dann machte die Eisenbahn das Reisen leichter. Aber auch danach verließen die Heiligen weiterhin ihre Heimat und häufig auch ihre Familie, um sich in Zion zu sammeln. Ihre geographische Umsiedlung war Symbol der geistigen Umsiedlung aus der Welt heraus. Präsident Young verkündete, Gott habe die Heiligen „von den Enden der Erde gerufen … damit wir in allem, was wir unternehmen, um auf der Erde das geistige und zeitliche Reich Christi aufzurichten, um uns auf das Kommen des Menschensohns in Macht und großer Herrlichkeit vorzubereiten, eines Herzens und eines Sinnes seien“. (DNSW, 21. Januar 1868, 2.) Er erwartete und verlangte beim Aufbau Zions in zeitlicher und geistiger Hinsicht sehr viel von seinem Volk. Sie reisten nicht nur in die Berge, sondern gaben auch noch von ihrer Habe ab, um den Heiligen, die nach ihnen kamen, zu helfen.

Auf Weisung von Präsident Young verließen etliche Heilige das Salt Lake Valley und gründeten im amerikanischen Westen rund 400 weitere Ortschaften. Sie arbeiteten, um anzubauen, was sie aßen, um ihre Kleidung anfertigen zu können und um Industrie anzusiedeln, damit sie in wirtschaftlicher Hinsicht autark sein konnten. Sie lernten, sich auf den Herrn und aufeinander zu verlassen.

Nicht alle wirtschaftlichen Unternehmungen, die die Heiligen auf Präsident Youngs Weisung gründeten, waren erfolgreich. Der wirtschaftliche Erfolg war allerdings auch nicht sein Hauptanliegen. Es ging ihm letztlich weniger darum, die Felder zu bestellen und Geld einzunehmen, als darum, seinem Volk zu helfen, ein heiliges Volk zu werden. Er wußte aus Erfahrung, daß sie durch harte Arbeit und Verantwortung geistig wuchsen. „Dies ist ein guter Ort, um aus den Menschen Heilige zu machen“, erklärte er 1856 einer Versammlung der Heiligen in Salt Lake City. (DNW, 10. September 1856, 5.)

Mehrere Jahre lang diente Brigham Young dem Territorium, das die Heiligen Deseret genannt hatten (und aus dem später der US-Bundesstaat Utah hervorging), als Gouverneur und Superintendent für Indianerangelegenheiten. Im Lauf der Zeit übernahmen Beauftragte der Bundesbehörden diese Aufgaben. Er brachte Jahre mit dem Bemühen zu, die Konflikte zwischen den Heiligen der Letzten Tage und der Regierung der Vereinigten Staaten wegen des Verlangens der Heiligen nach politischer Unabhängigkeit zu lösen. Er mußte Kritik und Spott von Geistlichen, Journalisten, Reformern und Politikern über sich ergehen lassen, die ihn und sein Volk wegen ihrer Glaubensvorstellungen und ihrer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gepflogenheiten angriffen. Aber solche Herausforderungen änderten nichts an seiner deutlichen Vorstellung davon, daß es galt, aus den Menschen „Heilige zu machen“ und dadurch Zion aufzubauen. Präsident Young verkündete: „Ich habe das Gemeinwesen der Heiligen der Letzten Tage in einer Vision gesehen und sie als große Familie des Himmels organisiert gesehen; jeder hat die Aufgaben erfüllt, für die er zuständig war, und sich für das Allgemeinwohl mehr eingesetzt als für seine privaten Belange; und ich habe darin die schönste Ordnung gesehen, die der menschliche Sinn sich nur vorstellen kann, und es hatte die vortrefflichste Auswirkung auf den Aufbau des Gottesreichs und die Ausbreitung der Rechtschaffenheit über die Erde.“ (DNSW, 21. Januar 1868, 2.)

Durch die heiligen Handlungen und die Organisation des Priestertums Zion aufgebaut

Präsident Young war sich dessen bewußt, daß Zion nicht nur durch harte Arbeit aufgebaut werden konnte. Zion mußte vom Priestertum geführt werden, von dem er wußte, daß es die „Regierungsform des Gottessohns“ ist (DNW, 10. August 1864, 2). Er wußte, daß die Heiligen nur mit einer „reinen und heiligen Regierungsform“ (DNSW, 8. November 1870, 3) „in Herz und Sinn in allen Unternehmungen eins werden können“ (DNSW, 21. Januar 1868, 2). Er lehrte, daß die Mitglieder der Kirche sich nur heiligen können, indem sie an den heiligen Handlungen des Priestertums teilhaben; die heiligen Handlungen und die Organisation des Priestertums spielten deshalb in seinen Lehren und seiner Führung eine zentrale Rolle.

Von 1844 bis 1846 räumten Präsident Young und die Zwölf der Vollendung des Nauvoo-Tempels Priorität ein. Die Begabung und Siegelungen wurden dort schon vor Beendigung der Bauarbeiten vollzogen. „Die Heiligen waren so sehr darauf bedacht, die heiligen Handlungen zu empfangen, daß ich mich Tag und Nacht völlig der Arbeit des Herrn im Tempel hingegeben und durchschnittlich pro Tag nicht mehr als vier Stunden geschlafen habe und nur einmal in der Woche nach Hause gegangen bin“, schrieb Präsident Young in sein Tagebuch (MHBY–2, 10). Vom 10. Dezember 1845 bis zum 7. Februar 1846 erhielten über 5600 Heilige die Begabung, und es wurden zahlreiche Familien gesiegelt. Etwas über ein Jahr später, drei Tage nach der Ankunft im Salt Lake Valley, benannte Präsident Young das Grundstück, auf dem der Salt-Lake-Tempel errichtet werden sollte. Er sollte mitten in der Stadt stehen und den Mittelpunkt im Leben der Heiligen bilden. Der große Tempel, an dem 40 Jahre gebaut wurde, wurde erst nach dem Tod von Präsident Young vollendet, aber er benannte noch weitere heilige Orte, wo die Begabung und Siegelungen für die Lebenden vollzogen werden konnten, während die Heiligen darauf warteten, daß der Tempel fertiggestellt wurde. Anläßlich der Weihung der unteren Stockwerke des St.-George-Tempels am 1. Januar 1877, nur wenige Monate vor seinem Tod, sprach Präsident Young nachdrücklich über die Wiederaufnahme der heiligen Handlungen für die Toten: „Wenn ich über dieses Thema nachdenke, wünsche ich mir die Lautstärke von sieben Donnern, um die Menschen aufzuwecken. Können die Väter ohne uns errettet werden? Nein. Können wir ohne sie errettet werden? Nein.“ (MS, 39:119.)

Die heiligen Handlungen des Tempels waren dafür, daß die Generationen miteinander verbunden werden und die heiligen Wahrheiten von einer Generation an die andere weitergegeben werden, unerläßlich. Die Heiligen der Letzten Tage, die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts geboren wurden beziehungsweise sich zur Kirche bekehrten, erlebten die Verfolgung in Missouri nicht mehr mit und lernten auch den Propheten Joseph Smith nicht mehr kennen. Die Zeit verging, und immer weniger Mitglieder der Kirche machten die Pionierserfahrungen und die Besiedlung neuer Gebiete selbst mit, aber auch sie mußten die heiligen Wahrheiten über den Aufbau Zions lernen. Präsident Young unterstützte die Anstrengungen, die Jugendlichen der Kirche im Evangelium zu unterweisen, und arbeitete daran, die Organisation der Kirche weiter durchzustrukturieren. Er bekundete das Verlangen, „eine Generation von Männern und Frauen heranzuziehen, die Wahrheit und Rechtschaffenheit lieben und sie auf der Erde etablieren“ (MFP, 2:288). Die Gemeinde-Sonntagsschule für die Kinder, die 1849 begründet wurde, arbeitete ab 1867 unter einem zentralen Ausschuß. Auf Bitten von Präsident Young wurden 1869 Organisationen gegründet, die den jungen Mädchen einen tieferen Einblick in das Evangelium vermitteln und sie in ihrer Verpflichtung zu einem vorausschauenden Leben bestärken sollten. Diese Anstrengungen begannen mit seinen Töchtern. 1875 wurden für die jungen Männer ähnliche Vereinigungen gegründet, damit sie Führungserfahrungen sammeln konnten.

In dem Bewußtsein, daß Zion nicht ohne die Schwestern aufgebaut werden kann, richtete Präsident Young 1867 die FHV wieder ein, wie der Prophet Joseph Smith sie in Nauvoo gegründet hatte. Die Frauen waren den Bischöfen dabei behilflich, den Armen und Bedrängten zu helfen; sie hielten die Familien dazu an, alles, was sie brauchten, möglichst selbst herzustellen, sie unterwiesen einander im Evangelium, und sie beaufsichtigten den Unterricht für die jüngeren Frauen und die Kinder.

Im letzten Jahr seines Lebens brachte Präsident Young die Priestertumskollegien in Ordnung. Er teilte Pfähle und organisierte sie um, wodurch die Zahl der Pfähle von acht auf achtzehn stieg. Er wies an, daß Ältestenkollegien zu gründen seien, und unterwies die Ältesten in ihren zeitlichen und geistigen Aufgaben. Er legte Nachdruck darauf, daß die Gemeinde für die Aktivität in der Kirche die vorrangige örtliche Einheit ist, und weitete die Rolle des Bischofs als Oberhaupt der Gemeinde aus. Die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf, die bis dahin über örtliche Einheiten präsidiert hatten, wurden aus diesen Ämtern entlassen, damit sie ihrer Berufung als besondere Zeugen Jesu Christi für die Nationen nachkommen konnten. Als Brigham Young am 29. August 1877 starb, war die Kirche so organisiert, wie die meisten Heiligen sie heute kennen.

Präsident Youngs Verpflichtung für den Aufbau Zions durch Kolonisierung, Wirtschaftsunternehmen, die heiligen Handlungen des Tempels und die Organisation des Priestertums spielt in seinen Predigten eine wichtige Rolle. Welch umfassende Vision er hatte, läßt sich gar nicht in einer einzigen Predigt wiedergeben. „Ich bin erst ein wenig auf die erhabene Evangeliumspredigt eingegangen“, sagte er am Ende einer Ansprache (MSS, 15:49). Die Fülle des Evangeliums, so glaubte er, ließ sich nur allmählich, Zeile auf Zeile, vermitteln. „Das Evangelium des Gottessohns“, so sagte er, „… besteht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wenn sich dem Sinn der Blick öffnet, kann man einen großen Teil davon sehen, aber man sieht es nur relativ, so wie ein Sprecher die Gesichter in der Versammlung sieht. Wenn man jeden einzeln ansehen und mit ihm persönlich sprechen würde, um ihn wirklich kennenzulernen, und wenn man mit jedem nur fünf Minuten verbringen würde, so wäre das schon nicht so einfach. Genauso ist es mit dem Einblick in die Ewigkeit; wir können sehen und verstehen, aber wir können nur schwer davon erzählen.“ (DNW, 26. Oktober 1854, 2.) Präsident Brigham Young war immer bemüht, den Heiligen durch seine Unterweisung und Führung einen Einblick in die ewigen Wahrheiten des Evangeliums zu vermitteln.

Brigham Youngs Leben drehte sich um die Vermittlung des Evangeliums und den Aufbau und die Stabilisierung des Gottesreichs. „Das Himmelreich ist für uns am allerwichtigsten“, erklärte er den Heiligen (DNW, 27. Juli 1864, 2).

Die Apostel, die im Amt waren, als Präsident Young starb, haben seine Führung vielleicht am besten beschrieben: „In den dreiunddreißig Jahren, in denen er, seit dem Märtyrertod des Propheten Joseph, über die Kirche präsidierte, haben seine Knie niemals gezittert, seine Hände nie gebebt; niemals hat er geschwankt oder den Mut verloren. So bedrohlich die Umgebung oder die Aussichten auch waren, er hat sich nie einschüchtern lassen; vielmehr hat er in solchen Zeiten heitere Zuversicht und Glauben ausgestrahlt und so ermutigende Worte gesprochen, daß er alle Menschen getröstet und bestärkt und in ihnen Liebe und Bewunderung geweckt hat. Der Herr aber hat ihn nicht nur mit Tapferkeit, sondern auch mit großer Weisheit gesegnet. Wer sich an seine Ratschläge gehalten hat, hat Errettung gefunden, und als Organisator und Verwalter kommt ihm keiner gleich. …

Seine Mühen hat der Herr mit höchst erstaunlichem Erfolg gekrönt, seine Worte hat er geehrt und erfüllt, und wer seinen Rat befolgt hat, den hat er gesegnet und aufgerichtet. Es wird noch die Zeit kommen, da seine Präsidentschaft über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als Epoche wundervoller Ereignisse gilt.“ (MFP, 2:298.)

Anregungen für das Studium

  1. Wie hat Brigham Young erfahren, daß die Kirche wahr ist?

  2. Inwiefern hat die Bereitschaft, gehorsam zu sein und Opfer zu bringen, Brigham Young geholfen, das Reich Gottes aufzubauen und zu verteidigen?

  3. Was können die heutigen Mitglieder der Kirche aus der Art, wie Brigham Young den Propheten Joseph Smith kontinuierlich unterstützt hat, lernen?

  4. Welche Ereignisse in seinem Leben haben Brigham Young darauf vorbereitet, einmal über die Kirche zu präsidieren? Wie bereitet der Herr einen jeden von uns darauf vor, im Reich Gottes zu dienen?

  5. Was war laut Präsident Young der ausdrückliche Zweck der Sammlung der Heiligen? Auf welche Weise hat Präsident Young das Reich Gottes aufgebaut?

  6. Was ist laut Brigham Young „die Regierungsform des Gottessohns“? Wie hat Präsident Young das Priestertum groß gemacht?

  7. Wessen bedarf es, um „eine Generation von Männern und Frauen heranzuziehen, die Wahrheit und Rechtschaffenheit lieben und sie auf der Erde etablieren“? Was hat Brigham Young getan, um das zu erreichen? Warum ist das auch heute noch wichtig?

  8. Wie hat Präsident Young den Heiligen geholfen, die ewigen Wahrheiten des Evangeliums zu sehen und zu verstehen? Warum wird es wohl nützlich sein, sich in den nächsten beiden Jahren mit den Lehren von Brigham Young zu befassen und darüber nachzusinnen?