Das ewige Gericht

Lehren der Präsidenten der Kirche: Brigham Young, 1997


„Ich bin zu dem Schluß gekommen“, verkündete Präsident Brigham Young, „daß wir einmal gemäß den Werken gerichtet werden, die wir im Leib verrichtet haben, ebenso gemäß den Gedanken und Absichten des Herzens“ (DNW, 17. August 1869, 2; siehe auch LuB 137:9). Er lehrte deutlich, daß jeder Mensch dieses Gericht durchlaufen wird: „Jedes einzelne intelligente Wesen wird vor Gott … nach seinen Werken, seinem Glauben, seinen Wünschen und seiner Ehrlichkeit beziehungsweise Unehrlichkeit beurteilt werden; jeder seiner Charakterzüge wird seinen gerechten Lohn erhalten oder auch nicht, und er wird gemäß dem Gesetz des Himmels beurteilt werden.“ (DNW, 12. September 1860, 2.)

Lehren Brigham Youngs

Wir werden nach unseren Werken, Worten und Gedanken und danach beurteilt werden, wie wir mit der Wahrheit umgegangen sind

Dies ist eine Welt, in der wir uns bewähren sollen. Das Leben ist als Prüfungszeit für den Menschen gedacht. Hier, in unserer Finsternis und Schwachheit, wo der Feind regiert, können wir beweisen, wir sind dem Vater Freund und empfangen von ihm Licht, und wir sind würdig, unseren Kindern Führer zu sein – Herr aller Herren und König aller Könige zu werden – würdig, in Vollkommenheit über alle diejenigen unserer Kinder zu herrschen, die einmal im celestialen Reich mit Herrlichkeit und ewigen Leben gekrönt werden. (DBY, 87.)

Ich weiß, daß der Tag des Gerichts für euch und für mich bald kommen wird; und es wird nicht mehr lange dauern, bis wir diese irdische Hülle niederlegen und in die Geisterwelt eingehen müssen. Und ich weiß auch, daß, wenn wir uns niederlegen, das Gericht uns finden wird, und das steht in den heiligen Schriften: „Wohin der Baum auch fällt, da bleibt er liegen.“ [Kohelet 11:3.] Mit anderen Worten heißt das: So wie der Tod uns liegen läßt, wird das Gericht uns finden. (DBY, 382.)

Der Tod bringt den mächtigsten Monarchen auf eine Stufe mit dem ärmsten, verhungernden Bettler; und beide müssen vor dem Richterstuhl Christi stehen, um sich für die Werke, die sie im Leib verrichtet haben, zu verantworten. (DBY, 445.)

Soll doch jeder glauben, wie es ihm gefällt, und nach seiner Überzeugung leben; es können nämlich alle nach Belieben erwählen oder ablehnen. Sie können nach Belieben Gott dienen oder ihn verleugnen. Allerdings muß man sich für dies alles von Gott beurteilen lassen und muß ihm Rechenschaft ablegen; er hat nämlich das Recht, für das, was man im Körper tut, Rechenschaft zu verlangen. (DBY, 67.)

Zeit und die Fähigkeit, zu arbeiten, sind das Stammkapital der ganzen Menschheit, und wir alle verdanken die Fähigkeit, unsere Zeit zu unserem Vorteil zu nutzen, Gott. Er wird von uns strenge Rechenschaft darüber verlangen, wie wir diese Fähigkeit genutzt haben. (DBY, 301.)

Die Menschenkinder werden gemäß ihren Werken gerichtet werden, ob sie gut oder schlecht waren. Wenn die Tage eines guten Menschen mit guten Werken ausgefüllt sind, wird er dementsprechend belohnt werden. Wenn seine Tage dagegen mit schlechten Taten ausgefüllt sind, wird er dementsprechend etwas bekommen. … Wann wird den Menschen endlich klar, daß dies die Zeit ist, in der sie anfangen sollen, die Grundlage ihrer Erhöhung für Zeit und Ewigkeit zu legen, daß dies die Zeit ist, wo sie empfangen und aus dem Herzen heraus zur Ehre und Herrlichkeit Gottes Frucht tragen sollen, so wie Jesus es getan hat. (DNW, 13. April 1854, 1.)

Alle, die glauben, ein ehrliches Herz haben und Frucht der Rechtschaffenheit hervorbringen, sind die Erwählten Gottes und Erben von allem. Alle, die sich weigern, die heiligen Gebote des Herrn und die Verordnungen seines Hauses zu befolgen, werden nach dem beurteilt werden, was aus ihrem Mund hervorgekommen ist, werden sich selbst schuldig sprechen, so wie sie es jetzt schon tun, werden für unwürdig erachtet werden und keinen Anteil mit den Rechtschaffenen haben. (DBY, 383f.)

„Tja“, sagt der eine, „wenn ich ziemlich sicher bin, daß ich einen Stand der Herrlichkeit erhalte, der besser ist als dieser hier, mache ich mir wohl doch nicht die Mühe, mehr zu ererben.“ Na ja, ihr könnt es ja riskieren, das steht jedem auf der Erde frei. Das Evangelium wird verkündet, die Sünde lebt wieder auf, manche sterben, und manche streiten dagegen [gegen das Evangelium] – manche nehmen es an und manche nicht; aber das ist die Sünde der Menschen – sie hören die Wahrheit und verwerfen sie. Das ist die Sünde der Welt. „Das Licht kam in die Welt, aber die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten sind böse.“ [Siehe Johannes 3:19.] Das hat Jesus zu seiner Zeit gesagt. Wir sagen: Hier ist das Evangelium des Lebens und der Errettung, und allen, die es annehmen, gehören Herrlichkeit, Ehre, Unsterblichkeit und ewiges Leben; wenn sie es verwerfen, tun sie das auf ihr eigenes Risiko. (DBY, 384.)

Wenn das Licht der Gotteserkenntnis zu einem Menschen kommt und er es verwirft, spricht ihn das schuldig. (DBY, 383.)

Die Grundsätze des ewigen Lebens, die uns vorgelegt werden, sind dazu da, uns zur Macht zu erhöhen und uns vor dem Verfall zu bewahren. Wenn wir uns dafür entscheiden, den entgegengesetzten Weg zu gehen und die Grundsätze zu verinnerlichen und zu praktizieren, die zum Tod führen, ist das unsere eigene Schuld. Wenn wir nicht die Errettung erlangen, die wir anstreben, werden wir eingestehen, daß wir uns jeden Lohn gesichert haben, der uns unserem Tun entsprechend gebührt, und daß wir gemäß der unabhängigen Entscheidungsfreiheit, die uns gewährt wird, gehandelt haben, und wir werden aufgrund unserer eigenen Worte beurteilt, ob wir gerechtfertigt oder schuldig gesprochen werden. (DNW, 17. August 1859, 1.)

Wir werden danach beurteilt, wie wir „gemäß dem besten Licht leben, das wir haben“

Seit meiner Kindheit bis auf den heutigen Tag halte ich es für völligen Unsinn, darüber zu reden, die Bewohner der Erde wären unwiederbringlich verloren – über meinen Vater und meine Mutter und über eure Eltern, über unsere Vorfahren, die gemäß dem besten Licht, das sie hatten, dem Glauben treu gelebt haben, so etwas zu sagen, nämlich, daß sie, weil sie den immerwährenden Bund und das heilige Priestertum nicht in ihrer Mitte hatten, in die Hölle gehen und in alle Ewigkeit dort schmoren müssen. Ich halte das für Unsinn; das war es immer und ist es auch heute noch. (DBY, 384.)

Man muß die Wege Gottes kennen, ehe man gottlos werden kann. Jemand mag ein Sünder sein, er mag unredlich, mag schlecht sein, hat aber nie vom Erlösungsplan gehört, kennt nicht einmal die Geschichte des Menschensohns und hat auch nie den Namen des Erretters und vielleicht auch nicht von der Geschichte seines Lebens auf der Erde gehört, sondern ist durch seine Tradition und Erziehung im Unglauben unterwiesen worden; um aber im strikten Sinn des Wortes gottlos zu sein, muß er das göttliche Wesen in gewissem Maß kennen. (DBY, 384.)

Was die Sterblichkeit betrifft, so leben Millionen von Menschen auf der Erde gemäß dem besten Licht, das sie haben – gemäß der besten Erkenntnis, die sie besitzen. Ich habe euch schon häufig gesagt, daß sie gemäß ihren Werken erhalten werden; und alle, die gemäß den besten Grundsätzen leben, die sie besitzen oder die sie verstehen können, werden Frieden, Herrlichkeit, Trost, Freude und eine Krone erhalten, die weit über das hinausgeht, was sie erwarten. Sie werden nicht verloren sein. (DBY, 384.)

Wenn [die Menschen] ein Gesetz haben, was es auch sein mag, und nach bestem Wissen handeln, werden sie eine Herrlichkeit haben, die über eure Vorstellungskraft hinausgeht, auch über jede Beschreibung, die ich geben könnte; ihr könnt euch nicht einmal den geringsten Teil der Herrlichkeit Gottes vorstellen, die für seine Wesen von seiner Hand bereitet ist. (DBY, 385.)

Ich sage jedem Priester auf dem Erdboden: es ist mir egal, ob ihr Christ, Heide oder [Moslem] seid, lebt nach dem besten Licht, das ihr habt; und wenn ihr das tut, werdet ihr alle Herrlichkeit erhalten, die ihr euch jemals vorgestellt habt. (DBY, 384f.)

Alle, außer den Söhnen des Verderbens, werden letztlich ein Reich der Herrlichkeit ererben

Die Jünger Jesu sollten bei ihm wohnen. Wohin werden die übrigen gehen? In Reiche, die für sie bereitet sind, wo sie leben und bestehen werden. Jesus wird, kraft seiner Erlösung, jeden Sohn und jede Tochter Adams hervorbringen, bis auf die Söhne des Verderbens, die in die Hölle geworfen werden. Andere werden den Grimm Gottes erleiden – werden alles erleiden, was der Herr von ihnen fordern kann beziehungsweise was die Gerechtigkeit von ihnen fordern kann; und wenn sie den Grimm Gottes erlitten haben, bis auch der letzte Pfennig bezahlt ist, werden sie aus dem Gefängnis hervorgebracht werden. Ist das gefährliche Lehre? Manche halten sie für gefährlich; aber es ist wahr, daß jeder Mensch, der den Tag der Gnade nicht hinwegsündigt und ein Engel des Teufels wird, hervorgebracht werden wird, um ein Reich der Herrlichkeit zu ererben. (DBY, 382.)

Es werden sich mehr als dem Glauben treu erweisen, als vom Glauben abfallen. Eine bestimmte Klasse dieses Volks wird ins celestiale Reich eingehen, während andere dort nicht eintreten können, weil sie ein celestiales Gesetz nicht ertragen; aber sie werden ein so gutes Reich erhalten, wie sie sich wünschen und für das sie leben. (DBY, 383.)

Alle diese unterschiedlichen Herrlichkeiten sind dazu verordnet, den Fähigkeiten und Voraussetzungen der Menschen zu entsprechen. (DNW, 13. August 1862, 2.)

Wir lesen in der Bibel, daß es die Herrlichkeit der Sonne gibt, dann eine andere Herrlichkeit – die des Mondes – und wieder eine andere Herrlichkeit – die der Sterne [siehe 1 Korinther 15:40–42]. Im Buch Lehre und Bündnisse [siehe LuB 76] lesen wir, daß diese Herrlichkeiten die telestiale, die terrestriale und die celestiale genannt werden, die die höchste ist. Das sind Welten, verschiedene Abteilungen oder Wohnungen im Haus unseres Vaters. Nun werden jene Menschen, die nicht mehr über die Macht Gottes und den Einfluß des Heiligen Geistes wissen, als daß sie sich völlig von einem anderen Menschen leiten lassen, ihren Verstand ausschalten und sich mit ihrem Glauben bei einem anderen an den Rockzipfel hängen, niemals fähig sein, in die celestiale Herrlichkeit einzutreten und gekrönt zu werden, wie sie es sich vorstellen; sie werden niemals fähig sein, Götter zu werden. Sie können sich selbst nicht beherrschen, geschweige denn einen anderen beherrschen, sondern müssen in jeder Kleinigkeit angeleitet werden wie ein Kind. Sie können sich nicht im geringsten selbst beherrschen, sondern Jakobus, Petrus oder jemand anders muß sie beherrschen. Sie können niemals Götter werden, auch nicht als Herrscher mit Herrlichkeit, Unsterblichkeit und ewigen Leben gekrönt werden. Sie können niemals ein Zepter der Herrlichkeit, der Majestät und der Macht im celestialen Reich in Händen halten. Wer dann? Diejenigen, die tapfer sind, die von der wahren Unabhängigkeit des Himmels inspiriert sind, die kühn im Dienst ihres Gottes vorangehen, es anderen überlassen, so zu handeln, wie sie wollen, entschlossen, das Rechte zu tun, auch wenn alle übrigen Menschen den entgegengesetzten Weg gehen. (DBY, 382f.)

Müßten die Schlechten in ihren Sünden in die Gegenwart des Vaters und des Sohns eintreten, Hand in Hand mit denen, die glauben, daß alle errettet werden – daß Jesus niemanden zurückläßt, so wäre ihre Lage qualvoller und unerträglicher, als wenn sie sich in dem See von brennendem Schwefel befänden. Die Lehre des Fatalisten überantwortet das Kleinkind, das noch keine Spanne mißt, der Hölle, während der Ehebrecher, der Hurer, der Dieb, der Lügner, der Meineidige, der Mörder und jeder andere widerwärtige Charakter, wenn er bloß am Galgen oder auf dem Sterbebett bereut, kraft derselben Lehre in die Gegenwart des Vaters und des Sohns gezwungen wird, was für ihn, wenn er wirklich dorthin käme, die Hölle wäre. (DBY, 385.)

Die Strafe Gottes ist gottgleich. Sie besteht für immer, weil es niemals eine Zeit geben wird, wo es keine Menschen gibt, die verdammt werden müssen, und es muß immer eine Hölle geben, wohin man sie schicken kann. Wie lange die Verdammten in der Hölle bleiben, weiß ich nicht, auch nicht, welchen Grad des Leidens sie aushalten müssen. Wenn wir irgendwie errechnen könnten, wie groß ihre Schlechtigkeit ist, wäre es vielleicht möglich, herauszubekommen, wieviel sie leiden müssen. Sie werden gemäß den Taten leiden, die sie im Leib begangen haben. Die Strafe Gottes ist ewig, aber das beweist nicht, daß ein schlechter Mensch ewig im Zustand der Bestrafung verbleibt. (DBY, 383.)

Anregungen für das Studium

Wir werden nach unseren Werken, Worten und Gedanken und danach beurteilt werden, wie wir mit der Wahrheit umgegangen sind

  1. Präsident Young hat erklärt: „Das Leben ist als Prüfungszeit für den Menschen gedacht.“ Was sollen wir Gott während des Lebens in der Sterblichkeit beweisen?

  2. Wofür werden wir am Tag des Gerichts zur Rechenschaft gezogen? (Siehe auch Alma 12:14; 41:3.)

  3. Wer sind die Erwählten Gottes?

  4. Präsident Young hat gesagt: „Wir werden aufgrund unserer eigenen Worte beurteilt.“ Woran erkennen wir, ob wir „gerechtfertigt oder schuldig gesprochen werden“?

  5. Präsident Young hat erklärt, daß wir auch danach beurteilt werden, wie wir unsere Zeit genutzt haben. Warum ist es so wichtig, wie wir unsere Zeit nutzen? Wie würden Sie die Art, wie Sie jetzt Ihre Zeit verbringen, beurteilen? Was haben Sie schon von anderen Mitgliedern der Kirche, von Freunden und von Nachbarn darüber gelernt, wie man seine Zeit gut nutzen kann?

Wir werden danach beurteilt, wie wir „gemäß dem besten Licht leben, das wir haben“

  1. Welche Umstände beziehungsweise Bedingungen im Leben eines Menschen werden das Urteil des Herrn über ihn mildern? Wie können wir diesen Grundsatz auf die Art und Weise beziehen, wie wir Menschen einschätzen, deren Glaubensvorstellungen sich von den unsrigen unterscheiden?

  2. Unter welcher Bedingung werden die Menschen, laut Präsident Young, im Jenseits „Frieden, Herrlichkeit, Trost, Freude und eine Krone erhalten, die weit über das hinausgeht, was sie erwarten“?

Alle, außer den Söhnen des Verderbens, werden letztlich ein Reich der Herrlichkeit ererben

  1. Warum könnten die Schlechten, die in ihren Sünden sterben, es nicht ertragen, beim Vater und beim Sohn zu wohnen? (Siehe auch Mormon 9:3, 4; LuB 88:22.)

  2. Präsident Young hat gesagt, daß die Kinder des himmlischen Vaters „ein so gutes Reich erhalten, wie sie sich wünschen und für das sie leben“. Wie können wir feststellen, ob wir so leben, daß wir des Reichs, das wir uns wünschen, würdig sind?

  3. Präsident Young hat erklärt, daß alle Menschen, außer den Söhnen des Verderbens, letztlich ein Reich der Herrlichkeit ererben werden. Was sagt Ihnen das über die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit des himmlischen Vaters? Was sagt es Ihnen darüber, wie sehr er seine Kinder liebt?