Ein Zeugnis von der Wahrheit

Lehren der Präsidenten der Kirche: David O. McKay, 2011


Ein Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi ist die heiligste, die kostbarste Gabe, die man nur erlangt, wenn man die Grundsätze des Evangeliums befolgt, und nicht, wenn man die Wege der Welt geht.1

Einleitung

Präsident David O. McKay hat häufig davon gesprochen, wie wichtig es ist, dass man ein Zeugnis vom Evangelium erlangt, und verheißen, dass der Herr diejenigen, die ihn suchen, niemals im Stich lässt. Schon als junger Mensch wünschte sich David O. McKay ein Zeugnis von der Wahrheit. Er berichtet über jene Zeit:

„Irgendwie prägte sich mir in meiner Jugend der Gedanke ein, man könne nur dann ein Zeugnis erlangen, wenn man eine Kundgebung hatte. Ich las von der ersten Vision des Propheten Joseph Smith und wusste, dass er wusste, dass das, was er da erlangt hatte, von Gott war. Ich hörte das Zeugnis meines Vaters, dass er eine Stimme gehört hatte, und hatte das Gefühl, das sei die Quelle eines jeglichen Zeugnisses. Mir wurde schon in jungen Jahren bewusst, dass man nichts Kostbareres erlangen kann als ein Zeugnis davon, dass dieses Werk von Gott ist. Ich hungerte danach; ich hatte das Gefühl, wenn ich ein Zeugnis erlangen konnte, wurde alles andere bedeutungslos.

Ich vernachlässigte das Beten nicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ein Zeugnis erlangen würde, wenn ich allein betete, ob in meinem Zimmer oder draußen im Wald oder in den Bergen. Deshalb kniete ich als Junge mehr als einmal bei dem Felsenbirnbaum nieder, während mein Pferd gesattelt am Wegesrand stand.

Ich weiß noch, wie ich eines Nachmittags über die Hügel ritt, über das alles nachsann und zu dem Schluss kam, dass diese stille Gegend hervorragend dafür geeignet war, ein solches Zeugnis zu erlangen. Ich brachte das Pferd zum Stehen, warf ihm die Zügel über den Kopf, zog mich ein paar Schritte zurück und kniete bei einem Baum nieder. Die Luft war klar und rein, die Sonne schien so herrlich; das saftige Grün und der Blumenduft erfüllten die Luft. …

Ich kniete nieder und schüttete Gott mit aller Inbrunst mein Herz aus und bat ihn um ein Zeugnis vom Evangelium. Ich stellte mir vor, ich würde eine Kundgebung erleben oder irgendwie verwandelt werden, sodass ich keine Zweifel mehr hatte.

Ich stand auf und stieg auf mein Pferd. Als es wieder lostrottete, schüttelte ich den Kopf und sagte zu mir selbst: ‚Nein, mein Lieber, es hat sich nichts geändert. Ich bin immer noch derselbe, der ich war, als ich mich niedergekniet habe.‘ Die erhoffte Kundgebung war ausgeblieben.“2

Präsident McKay erhielt zwar nicht sofort die erhoffte Kundgebung, aber trotzdem bemühte er sich weiter um ein Zeugnis. Er berichtete später: „Die geistige Kundgebung, um die ich als Jugendlicher gebetet hatte, trat als natürliche Folge ein, als ich meine Pflicht erfüllte.“3

Aus eigener Erfahrung konnte Präsident McKay lehren, dass der Gehorsam gegenüber den Grundsätzen des Evangeliums der Schlüssel ist, wenn man ein Zeugnis erlangen will. Er bezeugte: „Wenn man die Grundsätze des immerwährenden Lebens annimmt, wird man vom Heiligen Geist mit einem Zeugnis gesegnet, sodass man ohne jeden Zweifel weiß, dass Gott lebt, dass er tatsächlich unser Vater ist und dass dies sein Werk ist, das der Prophet Joseph Smith aufgerichtet hat. Das ist mein Zeugnis – das Kostbarste in meinem Leben!“4

Lehren von David O. McKay

Ein Zeugnis von der Wahrheit ist der kostbarste Besitz auf der Welt

Man kann in dieser Welt nichts besitzen, was tröstlicher wäre, was mehr Hoffnung und Glauben schenkt als ein Zeugnis davon, dass der Himmlische Vater wirklich da ist, dass er uns liebt, dass Jesus Christus, sein einziggezeugter Sohn, wirklich da ist, dass diese beiden himmlischen Wesen dem Propheten Joseph Smith erschienen sind und die Kirche Jesu Christi gegründet haben und dass die Menschen offiziell bevollmächtigt wurden, Gott zu vertreten.5

Das Kostbarste auf der Welt ist ein Zeugnis von der Wahrheit. … Die Wahrheit wird nie alt und es ist wahr, dass Gott der Urheber des Priestertums ist, … dass er lebt, dass Jesus Christus, der erhabene Hohe Priester, an der Spitze dieser Kirche steht.6

Der Geist hat uns ein Zeugnis davon gegeben, dass wir Kinder des Vaters im Himmel sind. Wir haben ein Zeugnis davon, dass Gott lebt. Wir haben ein Zeugnis davon, dass Christus, der gekreuzigt wurde und am dritten Tag wieder auferstand, das Oberhaupt dieser Kirche ist. Der Geist hat uns ein Zeugnis davon gegeben, dass er in dieser Evangeliumszeit das Evangelium Jesu Christi offenbart hat, das wieder in all seiner Fülle auf der Erde ist. Das Evangelium Jesu Christi, das dem Propheten Joseph Smith offenbart wurde, ist tatsächlich in jeder Hinsicht die Macht Gottes, die errettet [siehe Römer 1:16]. Es schenkt jedem Menschen hier das vollkommene Leben, und wenn wir den Grundsätzen des Evangeliums gehorsam sind, schenkt es uns ewiges Leben.7

Halten Sie im Herzen das Zeugnis von der Wahrheit hoch; machen Sie es für sich so fest und unerschütterlich wie die Fixsterne am Himmel. Mögen wir alle und unsere Familien im Herzen vom wahren Geist Christi, unseres Erlösers, erfüllt sein; ich weiß, dass er wirklich lebt und uns führt.8

Wenn wir gehorsam sind, empfangen wir durch den Geist ein Zeugnis

Reinheit im Denken und ein aufrichtiges Herz, das sich täglich um Weisung vom Erretter bemüht, führen zu einem Zeugnis davon, dass das Evangelium Christi wahr ist, und dieses Zeugnis ist so unerschütterlich wie das Zeugnis des Petrus … nach der Verklärung Christi und nachdem die Stimme Gottes von Christus Zeugnis gegeben hatte [siehe Matthäus 17:1-5].9

Ich frage mich, wer von uns … [den Jugendlichen] zeigt, wie man [ein Zeugnis erlangt]. Legen wir genug Nachdruck darauf, dass sie es nie wissen werden, wenn sie sich der Sünde hingeben, dass sie es niemals finden, wenn sie sich ihren Leidenschaften und Begierden ergeben? „Mein Geist wird sich nicht immer mit dem Menschen abmühen.“ (LuB 1:33; Mose 8:17.) Sein Geist wohnt nicht in einem unreinen Körper. (Der Geist des Herrn wohnt nicht in unheiligen Tempeln; siehe Helaman 4:24.) Und ohne den Geist Gottes kann man kein Zeugnis haben. …

So erhebt sich die Frage: Wie kann ich es wissen? Jesus hat die Frage beantwortet; er hat uns in jedem Bereich seines Lebens den Weg gewiesen. Als er eines Tages Zeugnis davon gab, dass er Gottes Sohn war und dass seine Lehren von Gott waren, fragten die Pharisäer und andere: „Wie kann der die Schrift verstehen, ohne dafür ausgebildet zu sein?“ Woher sollen wir wissen (das war nämlich ihre Frage), dass du von Gott kommst? Und er gab ihnen die schlichte Antwort: „Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“ (Johannes 7:15,17.) Die Antwort ist klar und deutlich: „Wenn ihr seinen Willen tut, werdet ihr es erkennen.“ Und „Gott und Jesus Christus, den er gesandt hat, zu erkennen, das ist ewiges Leben“ [siehe Johannes 17:3].10

Einigen ist es gegeben, sagt der Herr im Buch Lehre und Bündnisse, durch den Heiligen Geist zu wissen, dass Jesus der Sohn Gottes ist und dass er für die Sünden der Welt gekreuzigt wurde [siehe LuB 46:13]. Sie stehen in dem Zeugnis, das sie der Welt geben, fest auf dem Fels der Offenbarung. Aber der Herr sagt auch, dass es andere gibt, denen es gegeben ist, dem Zeugnis der anderen zu glauben, damit auch sie errettet werden, wenn sie glaubenstreu bleiben [siehe LuB 46:14]. Sie alle erlangen auch durch die Erfahrungen des täglichen Lebens ein Zeugnis.

Auf der ganzen Welt erleben die Heiligen der Letzten Tage, dass ihr Zeugnis bestätigt wird, wenn sie ihre Pflicht erfüllen. Sie wissen, dass das Evangelium sie lehrt, ein besserer Mensch zu sein, dass der Gehorsam gegenüber den Grundsätzen sie zu stärkeren Männern und aufrichtigeren Frauen macht. Jeden Tag erlangen sie diese Erkenntnis aufs Neue und können sie nicht leugnen; sie wissen, dass der Gehorsam gegenüber dem Evangelium Jesu Christi aus ihnen einen besseren und treueren Ehemann, eine treue, geachtete Ehefrau, ein gehorsames Kind macht. Sie wissen, dass der Gehorsam gegenüber den Grundsätzen des Evangeliums ihnen hilft, in jeder Hinsicht ein ideales Zuhause zu schaffen; das Ideal ist da; sie spüren es, sie können es nicht leugnen, sie wissen es, und sie wissen, wenn sie gegen die Grundsätze verstoßen, wird sich das auf ihr Leben und ihre Familie nachteilig auswirken. Sie wissen, dass der Gehorsam gegenüber dem Evangelium die wahre Bruderschaft und Gemeinschaft unter den Menschen fördert; sie wissen, dass sie bessere Bürger sind, wenn sie den Gesetzen und Verordnungen gehorsam sind. Und so gehen sie durch den Tag und leben auch im Beruf nach ihrer Religion, und so ist ihr Leben ein Beispiel dafür, dass das Evangelium wahr ist.11

Auch Sie sind zweifellos schon Menschen begegnet, die … sich fragen, wie es kommt, dass diese Kirche so vital ist und so stark wächst. Das Geheimnis liegt darin begründet, dass jeder wahre Heilige der Letzten Tage die Gewissheit hat, dass dies das Werk Gottes ist, und damit die gleiche Macht, die es Petrus und Johannes ermöglichte, vor ihren Anklägern zu stehen und im Sanhedrin offen und unerschrocken zu verkünden, dass Jesus, den sie gekreuzigt hatten, diesen Mann gesund gemacht hatte und dass der Name Jesu der einzige Name sei, durch den die Menschen errettet werden können [siehe Apostelgeschichte 4:10,12].

Das Geheimnis liegt in dem Zeugnis, das jeder Einzelne hat, der als Mitglied der Kirche Christi glaubenstreu ist, nämlich dass das Evangelium aus wahren Grundsätzen besteht. … Dieses Zeugnis wird jedem aufrichtigen Menschen offenbart, der sich an die Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi hält, die Verordnungen befolgt und ein Anrecht darauf hat, dass der Geist Gottes, der Heilige Geist, ihn führt. Jeder ist in seinem Bereich in seinem Zeugnis unabhängig, so wie die vielen tausend Lampen, die Salt Lake City … nachts so hell erleuchten; jede steht an ihrem Platz und leuchtet, aber das Licht erhält seine Kraft aus derselben Quelle wie alle übrigen Lampen.12

Wenn wir das Zeugnis eines Menschen hören, so ist das Zeugnis Gottes größer, denn Gott hat von seinem Sohn Zeugnis gegeben: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, trägt das Zeugnis in sich.“ [1 Johannes 5:10.] Es gibt ein Zeugnis des Geistes. Gott offenbart der Menschenseele heute, dass der Herr wirklich auferstanden ist, dass dieses große Werk von Gott ist, dass Gott wirklich lebt, und das ist eine ewige Wahrheit: Gott ist kein Geist, keine Kraft wie die Elektrizität, sondern er ist unser Vater im Himmel. … Gott offenbart der Seele, dass er wirklich lebt. Er offenbart, dass der Herr Jesus Christus sein Sohn ist, der zur Erde kam, um den Menschen die erhabene Wahrheit zu verkünden, dass Gott und sein Sohn leben.13

Wenn wir uns von der Wahrheit leiten lassen, wenn wir uns mit ihr verbünden und uns von ihr inspirieren lassen, werden wir uns dessen bewusst, dass wir mit dem Unendlichen verwandt sind, und all die kleinen Prüfungen, der Kummer und das Leid des Erdenlebens verschwinden wie die vorübergehenden harmlosen Visionen, die man im Traum hat. Das wird uns durch Gottes Segen und Weisung zuteil, wenn wir täglich nach dem Evangelium Jesu Christi leben und dafür gesegnet werden.14

Ein Zeugnis vom Evangelium ist ein Anker für die Seele

Das Zeugnis vom Evangelium ist inmitten von Verwirrung und Streit ein Anker für die Seele. … Die Erkenntnis von Gott und seinen Gesetzen bedeutet Stabilität und Zufriedenheit, sie bedeutet Frieden und dass wir mit einem Herzen voll Liebe auf unsere Mitmenschen zugehen und ihnen die gleichen Segnungen und Vorzüge eröffnen können.15

Wenn wir glauben, dass wir Gottes Kinder sind und dass Gott lebt, müssen wir auch daran glauben, dass das wahre Evangelium Jesu Christi letztlich triumphieren wird. Wenn wir das glauben, machen wir uns weniger Sorgen um die Vernichtung der Welt und der heutigen Zivilisation, denn Gott hat seine Kirche aufgerichtet, damit sie nie wieder vernichtet oder einem anderen Volk übergeben wird. Und so wahr Gott lebt und sein Volk ihm und einander treu ist, brauchen wir uns um den endgültigen Triumph der Wahrheit keine Sorgen zu machen. …

Wenn man sich auf ein Zeugnis [von der Wahrheit] stützen kann, kann man durch das finstere Tal der Verleumdung und der Schmähung gehen, ohne sich beirren zu lassen, als trüge man eine Zauberrüstung, durch die keine Kugel dringt, die kein Pfeil durchbohrt. Man kann den Kopf hochhalten, furchtlos und unerschrocken, jedem ruhig und ohne mit der Wimper zu zucken in die Augen sehen. … Man weiß, dass letztlich alles gut ausgehen wird, dass es so kommen muss, dass alle vor dem großen weißen Licht der Wahrheit fliehen müssen, wie die Finsternis vergeht, wenn die Sonne aufgeht.16

Anregungen für Studium und Diskussion

  1. Was bedeutet es, ein Zeugnis von Jesus Christus und seinem Evangelium zu haben? Warum ist ein Zeugnis das Kostbarste, was wir erlangen können? (Siehe Seite 187.) Warum ist es unerlässlich, dass wir selbst ein Zeugnis haben?

  2. Was müssen wir tun, um ein Zeugnis von der Wahrheit zu erlangen? (Siehe Seite 188ff.) Warum spielt der Gehorsam bei einem starken Zeugnis eine so wichtige Rolle? Welche Rolle spielt der Heilige Geist, wenn wir ein Zeugnis erlangen wollen?

  3. Warum ist es wichtig, dass wir unser Zeugnis unser Leben lang stärken? Wie wird Ihr Zeugnis stark? Welche Erfahrungen haben Sie da schon gemacht?

  4. Was können wir tun, um unseren Kindern zu helfen, dass sie ein Zeugnis von Jesus Christus und seinem Evangelium erlangen?

  5. Präsident McKay hat erklärt, dass „ein Zeugnis vom Evangelium ein Anker für die Seele“ ist (Seite 190f.). Warum brauchen wir ein Zeugnis als Anker für unsere Seele? (Siehe Seite 190f.) Wie hat Ihr Zeugnis Sie schon in den Prüfungen des Lebens beschützt und gestärkt?

  6. Warum ist es wichtig, dass wir anderen Zeugnis geben? Wie sind Sie schon dafür gesegnet worden, dass Sie Zeugnis gegeben haben?

Einschlägige Schriftstellen: Matthäus 16:13-17; Lukas 22:32; Johannes 7:17; 14:26; Ether 12:4; Moroni 10:3-5; LuB 1:39; 93:24-28

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Treasures of Life, Hg. Clare Middlemiss, 1962, Seite 228

  2.   2.

    Treasures of Life, Seite 228ff.

  3.   3.

    Cherished Experiences from the Writings of President David O. McKay, Hg. Clare Middlemiss, rev. Ausgabe, 1976, Seite 7

  4.   4.

    Treasures of Life, Seite 232

  5.   5.

    Conference Report, Oktober 1953, Seite 88

  6.   6.

    Conference Report, April 1948, Seite 172

  7.   7.

    Conference Report, Oktober 1966, Seite 136

  8.   8.

    Conference Report, Oktober 1965, Seite 145f.

  9.   9.

    Ancient Apostles, 1918, Seite 49

  10.   10.

    Conference Report, Oktober 1953, Seite 88f.

  11.   11.

    Conference Report, Oktober 1912, Seite 121; Absatzeinteilung geändert

  12.   12.

    Conference Report, Oktober 1912, Seite 120f.

  13.   13.

    Conference Report, Oktober 1925, Seite 111

  14.   14.

    Conference Report, April 1958, Seite 130

  15.   15.

    Conference Report, Oktober 1912, Seite 122

  16.   16.

    Conference Report, April 1969, Seite 152