Kapitel 8: Die Segnungen des Tempels für uns und unsere Vorfahren

Lehren der Präsidenten der Kirche: George Albert Smith, 2010


Der Tempel dient als Ort, wo heilige Handlungen für die Lebenden und die Toten vollzogen werden.

Aus dem Leben von George Albert Smith

Als neuer Apostel besichtigte George Albert Smith 1905 zusammen mit Präsident Joseph F. Smith und anderen Mitgliedern des Kollegiums der Zwölf Apostel einige wichtige Schauplätze aus der Geschichte der Kirche. Einer dieser Orte war Kirtland in Ohio, wo die Heiligen in der Anfangszeit der Kirche den ersten Tempel in dieser Evangeliumszeit gebaut hatten. „Als die Stadt in Sicht war“, erinnerte sich Elder Smith, „war das Erste, was unsere Blicke auf sich zog, der schöne Tempel in Kirtland. … Dort hatten der Prophet Joseph Smith und [Oliver Cowdery] den Erretter auf der Brüstung der Kanzel gesehen. Dort hatte Mose ihnen die Schlüssel für die Sammlung Israels übergeben, und dort waren Elija und Elias in der Macht und Erhabenheit ihrer großen Berufungen erschienen und hatten die Schlüssel übergeben, die zu Zeiten ihres Wirkens auf der Erde ihrer Obhut anvertraut worden waren.“

Als die Gruppe durch den Tempel ging, dachte Elder Smith an die Heiligen, die ihn unter großen Opfern erbaut hatten. „Als uns klar wurde, dass dieses Gebäude von Menschen in äußerster Armut gebaut worden war, wie tapfere Männer am Tag arbeiteten, um das Fundament zu legen und die Mauern des Bauwerks zu errichten, und dann in der Nacht aufblieben und es mit Waffen gegen diejenigen verteidigten, die geschworen hatten, dass der Bau niemals fertig werden sollte, konnten wir nur spüren, dass es kein Wunder war, dass der Herr ihre Opfer annahm und sie so segnete, wie nur wenige Menschen auf Erden gesegnet worden sind.“1

Jahre später, nachdem Präsident Smith als Präsident der Kirche eingesetzt worden war, weihte er den Idaho-Falls-Tempel. Im Weihungsgebet sagte er Dank für die errettende Arbeit, die im Tempel für die Lebenden und die Toten verrichtet wird:

„Wir danken dir, o Gott, dass du Elija, den Propheten aus alter Zeit, gesandt hast, dem … ‚die Schlüssel der Macht übertragen [worden waren], das Herz der Väter den Kindern zuzuwenden und das Herz der Kinder den Vätern, damit nicht die ganze Erde mit einem Fluch geschlagen werde‘ [LuB 27:9]. Wir danken dir, dass er zu deinem Knecht, Joseph Smith, gesandt wurde, um die Schlüssel und die Vollmacht der Arbeit für die Verstorbenen zu übertragen und zu offenbaren, dass der Erlösungsplan für die ganze Menschheitsfamilie gilt, dass das Evangelium für alle gilt, dass du nicht auf die Person siehst und dafür gesorgt hast, dass das Evangelium sowohl den Lebenden als auch den Verstorbenen gepredigt wird. Wir sind dir zutiefst dankbar, dass die Errettung für all diejenigen gewährleistet ist, die den Wunsch haben, in deinem Reich errettet zu werden.

Mögen die Angehörigen deines Volkes Freude daran finden, die Ahnen ihrer Vorfahren ausfindig zu machen, sodass sie Befreier auf dem Berg Zions werden, indem sie in deinen Tempeln für ihre verstorbenen Angehörigen amtieren. Wir beten auch, dass der Geist des Elija überall mit Macht auf allen Völkern ruhen möge, damit sie dazu bewogen werden, ihre Abstammungslinie zusammenzustellen und bereitzustellen; und dass deine treuen Kinder deine heiligen Tempel in Anspruch nehmen, um in ihnen für die Verstorbenen alle heiligen Handlungen, die ihre ewige Erhöhung betreffen, zu vollziehen.“

Präsident Smith bestätigte in seinem Gebet auch, dass der Tempel in der Tat das Haus des Herrn ist; ein Ort, wo man die Gegenwart Gottes spüren kann:

„Heute weihen wir dir hier und jetzt den Tempel mit allem, was dazu gehört, auf dass er vor dir heilig sei. Möge er ein Haus des Betens sein, ein Haus des Lobpreisens und der Anbetung, dass deine Herrlichkeit auf ihm ruhe und deine heilige Gegenwart fortwährend in ihm sei. Möge er eine annehmbare Wohnstätte für deinen vielgeliebten Sohn Jesus Christus, unseren Erretter, sein. Möge er mit allem, was dazugehört, geheiligt und geweiht und dir heilig sein. Wir beten darum, dass alle, die über die Schwelle dieses, deines Hauses treten, von seiner Heiligkeit angetan seien. …

Mögest du deine Gegenwart, Vater im Himmel, hier immer spürbar werden lassen, damit alle, die sich hier versammeln, erkennen, dass sie deine Gäste sind und dass dies dein Haus ist.“2 [Siehe Anregung 1 auf Seite 96.]

Lehren von George Albert Smith

Im Tempel empfangen wir heilige Handlungen, darunter solche, die Familien für die Ewigkeit aneinander binden

Damit wir auf das [celestiale] Reich vorbereitet werden, hat der Herr in seiner Barmherzigkeit in diesen Letzten Tagen das Evangelium Jesu Christi wiederhergestellt und es mit göttlicher Vollmacht versehen. Dann gab er seinen Kindern Erkenntnis, damit bestimmte heilige Handlungen empfangen und vollzogen werden können. Aus diesem Grund wurden Tempel gebaut, und diejenigen, die sich einen Platz im celestialen Reich wünschen, können in diese Tempel gehen und ihre Segnungen empfangen, damit ihr Leben bereichert wird und sie auf dieses Reich vorbereitet werden.3

Wir sind das einzige Volk in der Welt, das weiß, wozu es Tempel gibt.4

Jeder [Tempel] wurde zu einem bedeutenden ewigen Zweck gebaut: um als Haus des Herrn zu dienen, um einen Ort zu schaffen, der heilig ist und sich für heilige Handlungen eignet, die auf Erden binden wie im Himmel – heilige Handlungen für die Toten und für die Lebenden. Wer sie empfängt und seinen Bündnissen treu ist, kann weiter auf seine Familie Anspruch erheben und mit ihr zusammen sein; im celestialen Reich unseres Vaters – wo es Welten ohne Ende gibt – wird er mit seinen Lieben erhöht werden.5

Wir sollten dankbar sein, dass wir von der ewigen Natur des Ehebundes wissen. Hätten wir nur in diesem Leben Hoffnung, wären wir in der Tat erbärmlicher daran als alle anderen Menschen [siehe 1 Korinther 15:19]. Die Gewissheit, dass die Beziehung, die wir hier als Eltern und Kinder, als Ehemann und Ehefrau haben, im Himmel weiterbestehen wird und dass dies nur der Beginn eines großen und herrlichen Reiches ist, das der himmlische Vater im Jenseits zu unserem Erbteil bestimmt hat, erfüllt uns mit Hoffnung und Freude.6

Wenn ich, wie so viele andere, glaubte, dass meine liebe Frau und meine lieben Eltern, da sie nun verstorben sind, für immer aus meinem Leben geschieden sind und dass ich sie nie wieder sehen werde, würde mich das einer der größten Freuden im Leben berauben: der Erwartung, sie wiederzutreffen, von ihnen herzlich begrüßt zu werden und ihnen aus tiefstem Herzen für alles zu danken, was sie für mich getan haben.

Aber es gibt etliche Millionen Kinder unseres Vaters, die nicht wissen, dass Mann und Frau für Zeit und Ewigkeit vereint sein und sich für immer der Gesellschaft ihrer Kinder erfreuen können. Voraussetzung dafür ist, dass man an bestimmten heiligen Handlungen teilnimmt, die der Vater im Himmel vorgegeben hat. Wir sollten sehr dankbar dafür sein, dass wir dies wissen.7

Es gibt nur einige wenige Orte auf der Welt, wo wir für die Ewigkeit heiraten können, und zwar in den Tempeln Gottes. … Es gibt auch viele unserer Brüder und Schwestern – alles Kinder des Vaters im Himmel –, denen dieser Vorzug … zwangsläufig verwehrt bleibt. Wenn sie jedoch würdig leben – sollten sie in der Lage gewesen sein, sich diesen Vorzug zu sichern –, werden ihnen trotz der widrigen Umstände, die vorübergehend gegeben sind, keine Nachteile entstehen. Bedenken Sie nur: Wer an einem Ort wohnt, wo Mann und Frau für die Ewigkeit vereint werden können und wo man die Arbeit für die Verstorbenen verrichten kann, hat eine weitaus größere Verantwortung! Die Menschen in der Welt haben diese Segnung nicht. Ich frage mich, ob wir sie wirklich zu schätzen wissen. …

Wir wollen unsere jungen Leute diesbezüglich von frühester Jugend an belehren, damit sie, wenn sie im heiratsfähigen Alter sind, keinen Zweifel daran haben, wo oder wie oder von wem diese heilige Handlung vollzogen werden soll – und der einzige Ort, wo sie für Zeit und Ewigkeit vollzogen werden kann, ist ein Tempel.8

Ich danke [dem Herrn] für alle heiligen Handlungen im Haus des Herrn, die ich empfangen habe – keine einzige davon war für mich allein bestimmt. Vielmehr wurde mir gestattet, einen Teil dessen zu empfangen, was für alle Kinder Gottes, wo auch immer sie sich befinden, vorgesehen ist, sofern sie willens sind, das zu empfangen, was er ihnen ohne Geld und ohne Kaufpreis anbietet.9

Alle … Tempel, die gebaut worden sind oder noch geweiht werden sollen, werden sich als unermesslicher Segen für all jene erweisen, die sich – sowohl für sich selbst als auch für ihre verstorbenen Angehörigen – den Vorzug sichern, ihn zu nutzen.10 [Siehe Anregung 2 auf Seite 96.]

Durch die Tempelarbeit ermöglichen wir unseren verstorbenen Vorfahren ewige Segnungen

Die Genealogische Gesellschaft hat Jahre damit zugebracht, [genealogische] Angaben zusammenzutragen. Andere haben Jahre damit zugebracht, ins Haus des Herrn zu gehen, um sich für diejenigen taufen zu lassen, die verstorben sind, um Mann und Frau und Kind aneinander siegeln zu lassen, um die Familie zu vereinen, wie der Vater im Himmel es uns geboten hat. Jeder von uns täte gut daran, sich zu fragen: Was trage ich dazu bei? Tue ich meinen Teil? Der Vater im Himmel hat den Menschen durch Joseph Smith gesagt, dass wir unsere Segnungen verlieren und ausgestoßen werden, wenn wir die Arbeit für unsere Toten nicht leisten. Mit das Letzte, worum der Prophet sich bemühte, war die Fertigstellung eines Tempels, in den die Mitglieder gehen konnten, um die Arbeit für ihre Toten zu erledigen. Daran sieht man doch, wie wichtig das ist. Irgendjemand muss diese Arbeit tun.11

Das erinnert mich an die Geschichte zweier Brüder, die in einer kleinen Stadt im Norden Utahs wohnten: Der ältere Bruder, Henry, war Bankier und Kaufmann und hatte ein großes Vermögen. Der andere Bruder, George, war Farmer und hatte nicht viel mehr, als er brauchte. Aber er hatte den Wunsch, die Tempelarbeit für ihre Verstorbenen zu erledigen. Er erforschte ihre Abstammung und ging in den Tempel und arbeitete für diejenigen, die schon gestorben waren.

Eines Tages sagte George zu Henry: „Ich denke, du solltest in den Tempel gehen und helfen.“

Doch Henry erwiderte: „Für so etwas habe ich keine Zeit. Mit meinem Geschäft bin ich völlig ausgelastet.“ …

Etwa ein Jahr danach rief Henry bei George zu Hause an und sagte: „George, ich hatte einen Traum, der mir keine Ruhe lässt. Vielleicht kannst du mir sagen, was er bedeutet?“

George fragte: „Was hast du denn geträumt, Henry?“

Henry antwortete: „Ich habe geträumt, dass du und ich aus diesem Leben geschieden sind und auf der anderen Seite des Schleiers waren. Als wir dahingingen, kamen wir in eine schöne Stadt. An vielen Stellen standen Leute in Gruppen beieinander und überall, wo wir hinkamen, schüttelten sie dir die Hand. Sie nahmen dich in den Arm, priesen dich und sagten, wie dankbar sie seien, dich zu sehen. Mich aber“, erzählte er, „beachteten sie nicht weiter; sie waren bestenfalls höflich. Was bedeutet das?“

George fragte: „Du dachtest, wir seien auf der anderen Seite des Schleiers?“

„Ja.“

„Nun, darüber habe ich ja mit dir gesprochen. Ich wollte dich überreden, dass du die Arbeit für die Leute verrichtest, die dort drüben sind. Ich habe die Arbeit für viele von ihnen gemacht, aber für viele weitere muss sie noch getan werden. … Am besten gehst du jetzt schleunigst ans Werk, denn du hast einen Vorgeschmack davon bekommen, was dir blüht, wenn du hinüberkommst und nichts für sie getan hast.“ [Siehe Anregung 3 auf Seite 96f.]

Ich habe viele Male über diese Geschichte aus dem Leben der zwei Brüder nachgedacht. Viele Menschen verstehen nicht, wie bedeutungsvoll und heilig das Leben ist; sie verstehen nicht, wie heilig die ewige Ehe ist. Einige unserer Mitglieder haben kein Interesse an ihren Vorfahren. Sie machen sich nichts aus ihnen – zumindest kommt es einem so vor, wenn man sieht, wie sie sich verhalten. Sie gehen nicht in den Tempel, um die Arbeit für ihre Toten zu erledigen. …

Wenn wir unsere Segnungen im Haus des Herrn empfangen haben, denken wir doch an die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Vorfahren haben. Wie wird man Sie empfangen, wenn Sie auf die andere Seite gehen? Werden Sie derjenige sein, dem sie die Hand reichen und den sie in alle Ewigkeit preisen, oder werden Sie wie der Bruder sein, der hier selbstsüchtig damit beschäftigt war, seine Probleme zu lösen, und diejenigen, die sich selbst nicht helfen konnten, im Stich gelassen hat?12

Sie wissen, dass wir alle durch das bedeutende Werk miteinander verbunden sind, das in den Tempeln unseres Vaters getan wird, wo Familien, die bisher nicht miteinander vereint waren, durch die Macht des heiligen Priestertums zusammengeführt werden. Der Herr beabsichtigt, dass jeder seiner Söhne und Töchter die Gelegenheit bekommt, nicht nur hier auf der Erde gesegnet zu werden, sondern sich ewiger Segnungen zu erfreuen.

Denken Sie an die Opferbereitschaft und Glaubenstreue derer, die Tag für Tag in diese Tempel gehen und für diejenigen amtieren, die ins Jenseits hinübergegangen sind. Sie können sich auch sicher sein, dass diejenigen, die sich im Jenseits befinden, um uns nicht weniger besorgt sind. Sie beten für uns und für unseren Erfolg. Sie flehen auf ihre Weise für ihre Nachkommenschaft, für ihre Nachfahren, die auf der Erde leben.13

Der Herr wird uns bei der Suche nach unseren verstorbenen Angehörigen helfen

Vor etlichen Jahren ging ich eines Tages während der Weltausstellung 1933/34 in Chicago zum Informationsstand unserer Kirche und fragte die Missionare, wer für diese großartige kulturelle und wissenschaftliche Ausstellung verantwortlich zeichne.

Sie sagten mir, der Name des Mannes sei Dawes, und ich fragte: „Ist er der Bruder von Charles G. Dawes, der Vizepräsident der Vereinigten Staaten und auch Botschafter in Großbritannien war?“

Sie antworteten: „Ja.“

„Nun“, sagte ich, „das freut mich. Zufällig kenne ich ihn.“

Ich dachte mir: „Ich glaube, ich werde ihm einen Besuch abstatten. Es wird Henry Dawes sein.“ Ich kannte Henry Dawes, also ging ich zum Telefon und rief sein Büro an. Mr. Dawes’ Sekretärin erzählte ihm, dass George Albert Smith aus Salt Lake City da sei und ihn besuchen wolle, und er bat sie, mich vorbeikommen zu lassen. Anstatt dass ich mich also hinter hundert Leuten anstellen und warten musste, bis ich an die Reihe kam, führte sie mich zu einer Seitentür. Dort stand ein großer Mann vor mir, den ich noch nie im Leben gesehen hatte.

Er sagte: „Ich bin Mr. Dawes.“

Er war zwar sehr liebenswürdig, aber Sie können sich denken, wie verlegen ich war. Es war tatsächlich Mr. Dawes, und er war der Bruder von Botschafter Dawes. Aber das war Rufus Dawes. Ich wusste nicht, dass es überhaupt einen Rufus Dawes gab.

„Nun“, erklärte ich, „ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, dass diese Ausstellung ganz wunderbar ist und dass ich sehr schätze, was Sie getan haben, um sie zu organisieren und durchzuführen. Es ist hervorragend, was erreicht wurde und was so viele Leute dadurch erfahren. Mir ist klar, dass Sie sehr beschäftigt sind, und das ist alles, was ich Ihnen sagen wollte. Ich möchte Ihnen gratulieren und danken.“

„Das ist sehr aufmerksam“, meinte er. „Kommen Sie herein.“

„Nein, das ist alles, was ich auf dem Herzen hatte“, erwiderte ich.

Er antwortete: „Treten Sie doch ein.“

Ich entgegnete: „Nein, da stehen hundert Leute an, die Sie sprechen möchten.“

„Nicht einer von ihnen wird etwas so Nettes sagen wie Sie.“

Also ging ich hinein, da mir keine weiteren Ausreden einfielen und ich fast außer Atem war. Er bestand darauf, dass ich mich setzte. Als Nächstes fragte ich: „Übrigens, Mr. Dawes, woher kommen Ihre Vorfahren?“

„Meinen Sie in Amerika?“, fragte er.

„Ganz gleich von wo.“

Er erkundigte sich: „Sind Sie an Genealogie interessiert?“

„Ganz gewiss“, gab ich zur Antwort. „Wir haben in Salt Lake City eines der besten Genealogie-Archive.“

Er sagte: „Entschuldigen Sie mich einen Augenblick.“ Er verließ sein Büro und kam mit einem Karton in der Größe einer alten Familienbibel zurück. Er nahm sein Messer, öffnete den Karton und entnahm ein Päckchen, das in weißes Seidenpapier gewickelt war. Er entfernte das Papier und legte ein Buch auf den Tisch, das so schön gebunden war wie kaum eines, das ich je zuvor gesehen hatte. Es war gut gedruckt und mit vielen Bildern versehen, und der Einband hatte eine elegante goldene Prägung.

Ich betrachtete es aufmerksam und sagte: „Mr. Dawes, das ist eine sehr schöne Arbeit.“

„Das sollte es auch sein. Es hat mich schließlich 25.000 Dollar gekostet.“

„Nun“, erwiderte ich, „die ist es wert.“

Er erkundigte sich: „Hat es für Sie irgendeinen Wert?“

Ich erwiderte: „O ja, wenn ich es hätte.“

Er sagte: „Gut, Sie können es haben!“ Genealogische Aufzeichnungen im Wert von 25.000 Dollar, die mir von einem Mann in die Hand gelegt wurden, den ich gerade erst fünf Minuten zuvor kennengelernt hatte! Ich war wirklich verblüfft. Unser erstes Gespräch hielt noch eine Weile an. Ich sagte ihm, wie überglücklich ich sei, das Buch zu haben, und dass ich es dem Genealogie-Archiv in Salt Lake City übergeben werde.

Bevor ich den Raum verließ, sagte er: „Mr. Smith, das ist die Genealogie meiner Mutter, die Genealogie der Familie Gates. Wir arbeiten auch an der Genealogie meines Vaters – der Familie Dawes. Sie wird so wie diese sein. Wenn sie fertig ist, würde ich Ihnen gern auch davon ein Exemplar schicken.“

Genealogische Aufzeichnungen im Wert von 50.000 Dollar – und das nur, weil ich versucht hatte, zu jemandem höflich zu sein. Ich glaube nicht, dass das ein Zufall war. …

Der Herr hilft uns wirklich. Es ist wunderbar, wie der Weg sich öffnet und wie nicht selten andere Leute dazu bewogen werden, ihre Abstammungslinie zusammenzustellen. Doch manchmal versäumen wir es, unsere Chancen zu nutzen und die Geschichte unserer Abstammung zusammenzustellen, obwohl der Herr sehr eindringlich gesagt hat, dass wir mit unseren Toten verworfen werden, wenn wir uns nicht um unsere Tempelarbeit kümmern [siehe LuB 124:32]. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit. Das ist etwas, was wir nicht mehr ändern können, wenn wir unsere Chancen verstreichen lassen, bis das Leben vorüber ist. … Wir können nicht erwarten, dass andere diese Arbeit für uns tun.

Der Herr ermutigt und rät uns also auf die eine oder andere Weise, unsere Arbeit zu tun. Manch eine Familie, die diese Arbeit nicht selbst erledigen kann, beauftragt ständig jemand anders, an ihrer Genealogie und den Aufzeichnungen für den Tempel zu arbeiten.

Wenn wir unseren Teil tun, wird unserer Stammbaum für uns offengelegt werden – manchmal auf die eine Weise, manchmal auf eine andere. Deshalb möchte ich Ihnen, meine Brüder und Schwestern, vorschlagen: Lassen Sie uns unseren Teil tun.14 [Siehe Anregung 4 auf Seite 97.]

Anregungen für Studium und Unterricht

Beachten Sie diese Anregungen, wenn Sie sich mit dem Kapitel befassen oder sich auf den Unterricht vorbereiten. Weitere Hinweise finden Sie auf Seite Vff.

  1. 1.

    Lesen Sie die Auszüge aus dem Weihungsgebet für den Idaho-Falls-Idaho-Tempel auf Seite 87f. sowie LuB 109:1-5,10-13 (ein Auszug aus dem Weihungsgebet für den Kirtland-Tempel). Denken Sie darüber nach, was Sie beim Tempelbesuch empfinden, und denken Sie an Erlebnisse, die Ihr Zeugnis, dass der Tempel das Haus des Herrn ist, gestärkt haben.

  2. 2.

    Welche Gründe führt Präsident Smith für den Bau von Tempeln an? (Siehe Seite 88ff.) Wie können wir junge Menschen darin bestärken, sich auf die Tempelehe vorzubereiten?

  3. 3.

    Lesen Sie die Geschichte auf Seite 91f. Welche einfachen Möglichkeiten gibt es für jemanden, der viele andere Aufgaben hat, sich an der Genealogie zu beteiligen? Was können die Priestertumskollegien und die Frauenhilfsvereinigung tun, um sich daran zu beteiligen?

  4. 4.

    Gehen Sie den Abschnitt, der auf Seite 93 beginnt, durch. Wie hat der Herr Ihnen geholfen, als Sie versucht haben, mehr über Ihre Vorfahren herauszufinden? Was für Segnungen haben Sie noch erhalten, als Sie sich mit Genealogie beschäftigt haben?

Einschlägige Schriftstellen: Maleachi 3:23,24; Lehre und Bündnisse 97:15,16; 110; 124:39-41; 128:9,15-24.

Unterrichtshilfe: Bitten Sie die Schüler, während jemand laut aus den Lehren von Präsident Smith vorliest, zuzuhören und „auf ganz bestimmte Grundsätze oder Gedanken zu achten. … Wenn darin seltene, schwierige Wörter oder Wendungen vorkommen, erklären Sie sie im Voraus. Falls jemand in der Klasse nicht gut lesen kann, bitten Sie lieber Freiwillige, statt reihum vorlesen zu lassen.“ (Lehren, die größte Berufung, Seite 56.)

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1906

  2.   2.

    „Dedicatory Prayer … Idaho Falls Temple“, Improvement Era, Oktober 1945, Seite 564f.

  3.   3.

    Deseret News, 13. Februar 1932, Kirchenteil, Seite 7

  4.   4.

    Herbst-Generalkonferenz 1950

  5.   5.

    „The Tenth Temple“, Improvement Era, Oktober 1945, Seite 561

  6.   6.

    Herbst-Generalkonferenz 1905

  7.   7.

    „Priceless Prospects“, Improvement Era, Juni 1950, Seite 469

  8.   8.

    „The Tenth Temple“, Seite 561, 602

  9.   9.

    Herbst-Generalkonferenz 1929

  10.   10.

    „The Tenth Temple“, Seite 602

  11.   11.

    „The Tenth Temple“, Seite 602

  12.   12.

    „The Tenth Temple“, Seite 561, 602

  13.   13.

    Frühjahrs-Generalkonferenz 1937

  14.   14.

    „On Searching for Family Records“, Improvement Era, August 1946, Seite 491, 540