„Kommt, Heilge, kommt!“

Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant, 2011


Das Lied „Kommt, Heilge, kommt!“ macht uns dankbar für die Pioniere in den Anfangstagen der Kirche und weckt in uns größeren Glauben und Mut.

Aus dem Leben von Heber J. Grant

Präsident Heber J. Grants Lieblingslied war „Kommt, Heilge, kommt!“. Dieses Lied verlieh den Pionieren in den Anfangstagen der Kirche auf ihrem Zug ins Salzseetal Hoffnung (siehe Gesangbuch, Nr. 19). Präsident Grant fand, dass die Mitglieder dieses Lied verstehen sollen, insbesondere die vierte Strophe mit ihrer Botschaft der Hoffnung für all jene, die der Tod trifft, bevor sie am Ziel angelangt sind, und für alle, denen Leben gewährt wird „und mit den Heilgen Ruh beschert“.

Dieses Lied erinnerte Präsident Grant immer an seine Pioniervorfahren. Er sagte: „Bis zu meinem Tod werde ich wohl nie mein Lieblingslied ‚Kommt, Heilge, kommt! Nicht Müh und Plagen scheut, wandert froh euern Pfad!‘ hören können, [ohne daran zu denken,] wie meine Schwester als Baby auf dem Zug nach Westen gestorben ist, wie sie begraben worden ist und wie die Wölfe ihren Leichnam dann wieder ausgescharrt haben. Ich denke an den Tod der ersten Frau meines Vaters und wie der Leichnam zur Beisetzung hierher gebracht worden ist.“1 Die Geschichte von Jedediah Grant, seiner Frau Caroline und ihrer Tochter Margaret ist ein Beispiel für die Botschaft, die in diesem Lied immer wieder anklingt: „Alles wohl!“

1847 führte Jedediah Grant eine Gruppe Pioniere von Winter Quarters in Nebraska ins Salzseetal. Kurz vor der Ankunft im Salzseetal erkrankte seine sechs Monate alte Tochter Margaret an Cholera und starb. Sie wurde unweit der Wegstrecke der Pioniere begraben und nur ein Lehmhügel diente dem Grab als Schutz. Kurz darauf starb Jedediahs erste Frau, Caroline, an der Cholera und hohem Fieber. Ihre letzten Worte an ihren Mann waren ein geflüstertes: „Alles wohl! Nicht geweint! Bitte, Jeddy, bring mich ins Tal. Und hol auch Margaret – bring sie – zu mir!“ Ihr Mann erwiderte: „Natürlich, Caroline. Ich werde mein Bestes tun. Ich werde mein Bestes tun.“

Drei Tage später erreichte die Gruppe das Salzseetal. Am selben Abend noch wurde Caroline Grant beigesetzt. Nach einigen wenigen Tagen der Rast machte sich Jedediah auf den Weg, um auch Margaret zu holen. Mit ihm gingen sein Freund Bates Noble und dessen Adoptivtochter Susan. Eines Abends verlieh Jedediah am Lagerfeuer seinem Gottvertrauen Ausdruck und sagte:

„Bates, Gott hat mir etwas klargemacht: Heute Abend kommt es mir so vor, als ruhten die Freuden des Paradieses auf mir, wo meine Frau und das Baby schon sind. Aus einem weisen Grund sind sie aus dem Lebenskampf entlassen worden, in dem du und ich noch stecken. Sie sind dort viel, viel glücklicher, als wir es hier je sein können. Dieser Lagerplatz müsste für mich eigentlich der traurigste Ort auf Erden sein, doch heute Nacht scheint er mir dem Himmel so nahe.“

Am nächsten Vormittag kamen die drei an der Grabstätte an. Susan berichtet: „Einige Schritte vor dem kleinen Grab blieben wir zögernd stehen, legten unser Gepäck ab und starrten auf das Grab. Keiner sprach ein Wort. Statt des kleinen Grabhügels war da ein hässliches Loch und die Wölfe waren erst seit so kurzer Zeit wieder fort, dass alle Spuren noch deutlich zu sehen waren. Ich wagte Jedediah nicht anzublicken. Ich konnte nur aus meinen Empfindungen auf seine schließen. So standen wir dort in der Wildnis wie drei Statuen. Wir vermochten uns nicht zu rühren. Deutlich war uns bewusst, dass da nichts mehr zu machen war. Einige Minuten weinten wir still vor uns hin und dann gingen wir leise wieder fort und nahmen nur das wieder mit, was wir mitgebracht hatten.“2

Neun Jahre später wurde Präsident Jedediah Grant beigesetzt, der als Zweiter Ratgeber von Präsident Brigham Young gedient hatte. Präsident Heber C. Kimball, der Erste Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, sprach vor den Trauergästen und erzählte von einer Vision, die sein Freund Jedediah einmal gehabt hatte:

„Er sah die Rechtschaffenen, die in der Geisterwelt versammelt waren, und unter ihnen gab es keine bösen Geister. Er sah dort seine Frau. Sie war die Erste, die ihm entgegenkam. Er sah auch viele andere, die er kannte, doch er sprach dort mit keinem außer mit seiner Frau Caroline. Sie kam auf ihn zu und sah, wie er sagte, wunderschön aus und hatte auf dem Arm ihr kleines Kind, das auf dem Zug nach Westen gestorben war. Sie sagte: ‚Hier ist die kleine Margaret. Du weißt, dass die Wölfe sie gefressen haben, aber es hat ihr nicht weh getan und es geht ihr gut.‘ “3

Lehren von Heber J. Grant

„Wandert froh euern Pfad!“

William Clayton war wohl vom Herrn inspiriert, als er dieses Lied schrieb. … Es war ein wundervoller Zug, den die Pioniere da unternehmen wollten. … Ich bewundere den Mut, den Glauben und die Willenskraft unserer Väter und Mütter, die in die Wildnis aufbrachen und nicht wussten, wohin sie gehen würden, die aber doch sangen:

Kommt, Heilge, kommt! Nicht Müh und Plagen scheut,
wandert froh euern Pfad!

Ich habe mit Hunderten gesprochen, die über die Prärie gezogen sind, und sie hatten wirklich Freude und waren glücklich auf dem Weg hierher.

Ob rau und schwer der Weg erscheinet heut,
jeder Tag bringt euch Gnad!

Gewiss hat ihnen Gott Tag für Tag Gnade geschenkt.

Die müßgen Sorgen lasst zurück
und denkt an euer künftges Glück;
dann klingt’s im Herzen freudevoll:
Alles wohl, alles wohl!

Dies war nicht nur ein guter Rat für diejenigen, die die Prärie überquerten. Es ist auch für uns jeden Tag aufs Neue ein guter Rat. Eine frohe, glückliche, gelassene Gesinnung gefällt dem himmlischen Vater. Es gefällt dem himmlischen Vater, wenn wir der Schriftstelle Glauben schenken und sie annehmen können, in der es heißt, dass wir die Hand Gottes in allem anerkennen sollen [siehe LuB 59:21].

„Die Lenden schürzt, fasst frischen Mut“

Was klagen wir und zürnen unserm Los?
Alles wird endlich recht.
Was hoffen wir auf Ruhm und Ehre groß,
wenn wir scheun das Gefecht?

Das Schlimme ist, dass viele nicht gewillt sind, den Preis zu zahlen. Sie sind nicht gewillt, den Kampf um ein erfolgreiches Leben auf sich zu nehmen. Sie sind so, wie Bruder N. L. Nelson in seinem Buch über das Predigen die Menschen beschreibt. Einmal habe ich es durchgeblättert und darin gelesen, dass gewisse Leute die Anweisung „Macht euch keine Sorgen, was ihr reden sollt“ ganz buchstäblich auffassen. Bruder Nelson [ein Professor an der Brigham Young Academy] schreibt, dass viele, die sich überhaupt nicht darum sorgen, was sie sagen sollen, auch nie viel zu sagen gehabt haben, da sie im Widerspruch zu der Lehre stehen, die besagt, dass wir uns sehr wohl vorbereiten müssen. Die, die sich keine Sorgen machen, was sie sagen sollen, beschreibt … er so: „O Herr, hier bin ich. Ich habe einen Mund und eine Lunge. Die leihe ich dir für kurze Zeit. Erfüll mich daher mit Weisheit, damit ich meine Zuhörer erbauen kann.“ Das allerdings tut Gott selten. [Siehe Preaching and Public Speaking: A Manual for the Use of Preachers of the Gospel and Public Speakers in General, 1898, Seite 3ff.]

Was hoffen wir auf Ruhm und Ehre groß,
wenn wir scheun das Gefecht?
Die Lenden schürzt, fasst frischen Mut,
wir stehn in Gottes treuer Hut!
In Wahrheit bald es heißen soll:
Alles wohl, alles wohl!

Die wunderbaren Leute hier [bei der Generalkonferenz], unser schöner Tempel, das Verwaltungsgebäude der Kirche und die Tempel von Kanada bis Süd-Utah und auf Hawaii – das alles gibt aller Welt Zeugnis, dass Gott sein Volk fürwahr nie im Stich lässt.

„Es liegt der Ort, den Gott für uns bestimmt“

Es liegt der Ort, den Gott für uns bestimmt,
westwärts dort, in der Fern,
wo nichts uns stört, nichts uns den Frieden nimmt,
da winkt Ruh in dem Herrn.

Es gibt wohl keinen wahren Heiligen der Letzten Tage, der nicht glaubt, dass Gott dieses Land wirklich für sein Volk bereitet hat. Brigham Young blickte … über das Tal und sagte: „Dies ist der Ort.“ Gott hatte ihm diesen Ort in einer Vision gezeigt, bevor er je hier gewesen war. Die Menschen versuchten, ihn zu überreden, dass er nach Kalifornien, in dieses reiche Land, weiterziehe. Aber dies war der Ort, den Gott bestimmt hatte, und so blieben wir hier und es war gut so.

In süßem Chor Musik erklingt,
dem großen König Preis man bringt.
Nach schwerem Kampf uns trösten soll:
Alles wohl, Alles wohl!4

„Und trifft uns Tod, bevor wir sind am Ziel“

Und trifft uns Tod, bevor wir sind am Ziel:
Tag des Heils, nicht geweint!
Dann sind wir frei der Erdensorgen viel,
mit dem Herrn ganz vereint.

Haben wir das Gefühl, alles sei wohl, wenn wir sterben? Leben wir so, dass wir, wenn der Ruf an uns ergeht, auch würdig sind, zum himmlischen Vater zurückzukehren? Dass wir, wenn wir aus diesem Leben scheiden, dort willkommen sind? Leben wir so, dass wir der Segnungen würdig sind, die wir empfangen haben? Ich frage mich: Tue ich alles, was ich nur tun kann, um nicht nur mich, sondern auch meine Mitmenschen zu erbauen? Bin ich tatsächlich durch mein Vorbild ein Licht, das den Menschen leuchtet?5

Was für ein übergroßer Glaube – alles ist wohl, selbst wenn man in der Wildnis umkommen und an einer unbekannten Stelle begraben werden sollte. Solcherart war jedoch ihr Glaube und Abend für Abend konnten sie diese Zeilen singen und waren immer mit dem Herzen dabei. Dies war wahrlich ein Gebet zu Gott. Sie glaubten ohne jeden Zweifel an die Offenbarung, die der Frau des Propheten Joseph Smith gegeben worden war. Darin heißt es: „Das Lied der Rechtschaffenen ist ein Gebet zu mir und es wird ihnen mit einer Segnung auf ihr Haupt beantwortet werden.“ Und: „Meine Seele erfreut sich am Lied des Herzens.“ [LuB 25:12.]

Und trifft uns Tod, bevor wir sind am Ziel:
Tag des Heils, nicht geweint!
Dann sind wir frei der Erdensorgen viel,
mit dem Herrn ganz vereint.
Doch wenn uns Leben wird gewährtund mit den Heilgen Ruh beschert,
so stimmen ein wir rein und voll:
Alles wohl, alles wohl!

Ich weiß noch (und ich habe diese Geschichte schon oft erzählt), … wie mein Schwiegervater, der bereits verstorbene Oscar Winters, mir einmal gesagt hat: „Heber, meiner Ansicht nach schätzen die jungen Leute in Zion nicht hoch genug, was uns das Lied Bruder Claytons bedeutet, das wir auf unserem Zug in den Westen Abend für Abend gesungen haben. … Ich möchte dir von einer Begebenheit erzählen, die sich auf unserem Zug hierher ins Tal zugetragen hat. Einer aus unserer Gruppe hatte sich verspätet und war noch nicht im Lager angekommen. Einige von uns wollten ihm schon entgegengehen, … da sahen wir ihn kommen. Als er im Lager angekommen war, schirrten wir seinen Ochsen ab und halfen ihm, zu seinem Abendessen zu kommen. Er hatte sich unterwegs gar nicht wohlgefühlt und hatte ein, zwei Mal neben dem Weg rasten müssen. Nach dem Abendessen saß er neben einem großen Stein am Lagerfeuer und sang das Lied ‚Kommt, Heilge, kommt!‘ Normalerweise stimmte jeder in dieses Lied ein, sobald einer zu singen begann. Aber aus irgendeinem Grund ließen sie es diesen Bruder ganz alleine fertig singen. Er sang mit leiser, schwacher Stimme. Als er fertig war, sah ich mich um: Es gab wohl niemanden, dem nicht Tränen in den Augen standen. Er sang das Lied wunderschön, zwar leise und traurig, aber doch so, dass Aussage und Stimmung des Liedes gut zum Ausdruck kamen. Am nächsten Morgen fiel uns auf, dass er nicht da war, um seine Ochsen anzuschirren. Wir gingen zu seinem Wagen und stellten fest, dass er in der Nacht gestorben war. Wir hoben ein flaches Grab aus und beerdigten ihn. Da fiel uns der große Stein ein, neben dem er am Abend zuvor gesessen und gesungen hatte:

Und trifft uns Tod, bevor wir sind am Ziel:
Tag des Heils, nicht geweint!
Dann sind wir frei der Erdensorgen viel,
mit dem Herrn ganz vereint.

Und wir rollten ihn als Grabstein über sein Grab.“

Ich sah Tränen in Bruder Winters’ Augen. Er setzte an, als wolle er mir noch etwas sagen, hielt dann aber inne und schwieg. Später erfuhr ich, dass er sich, da er bereits einige Zeit hier im Tal gelebt hatte, von seinem Zuhause auf dem Land aus nach Salt Lake City begeben hatte, um seine Mutter abzuholen, doch auch sie hatte das Ziel ihrer Reise nicht mehr lebend erreicht.

Als Jahre später dann die Burlington-Eisenbahnlinie durch Nebraska und Wyoming gebaut wurde, fanden die Vermesser ein Stück eines Wagenrads, das in die Erde gesteckt worden war, und darauf stand „Winters“. Sie schrieben nach Salt Lake City, berichteten von ihrem Fund und änderten den Streckenverlauf so, dass die Bahnlinie nicht genau über die Stelle führte, von der sie wussten, dass dort das Grab eines Pioniers war, der auf dem Weg nach Utah verstorben war. Später errichteten wir dort ein kleines Denkmal zum Andenken an Oma Winters und auf einer Seite des Gedenksteins, der übrigens aus demselben Granit ist wie der Tempel, ist die letzte Strophe des Liedes „Kommt, Heilge, kommt!“ eingemeißelt.

Wann immer ich dieses Lied höre, schwillt mir das Herz vor Dankbarkeit, und ich bin meinem Vater und meiner Mutter und den Tausenden hochherziger Männer und Frauen dankbar, die über die Prärie gezogen sind. Viele von ihnen haben mehrmals die Prärie überquert und anderen auf dem Weg hierher geholfen. Sie haben alle Drangsal frohgemut ertragen und die Botschaft dieses inspirierten Liedes wirklich in die Tat umgesetzt! Immer, wenn ich an sie denke, werde ich von Bewunderung und Dankbarkeit erfüllt und bete zum Herrn, dass er mir, einem Nachfahren dieser edlen Menschen, helfen möge, so loyal, so aufrecht und so glaubenstreu zu sein, wie sie es waren. Dies sind Menschen gewesen, denen im Lauf der Jahre immer größere Bewunderung und Achtung seitens der Völker der Erde gezollt werden wird.6

Anregungen für Studium und Diskussion

  1. Was bedeutet Ihnen dieses Lied? Was können wir daraus lernen?

  2. Inwiefern sind wir heute Pioniere? Wie können wir das Vermächtnis unserer Pioniere in Ehren halten?

  3. Wie können wir trotz Drangsal eine „frohe, glückliche, gelassene Gesinnung“ entwickeln?

  4. Denken Sie über die folgenden Fragen von Präsident Grant nach: „Haben wir das Gefühl, alles sei wohl, wenn wir sterben? Leben wir so, dass wir, wenn der Ruf an uns ergeht, auch würdig sind, zum himmlischen Vater zurückzukehren? Dass wir, wenn wir aus diesem Leben scheiden, dort willkommen sind? Leben wir so, dass wir der Segnungen würdig sind, die wir empfangen haben? … Tue ich alles, was ich nur tun kann, um nicht nur mich, sondern auch meine Mitmenschen zu erbauen? Bin ich tatsächlich durch mein Vorbild ein Licht, das den Menschen leuchtet?“

  5. Weshalb ist es hilfreich, wenn man regelmäßig darüber nachdenkt, welche Richtung unser Leben nimmt? Was können wir tun, um uns bereitzumachen, „zum himmlischen Vater zurückzukehren“?

  6. Was können wir tun, um uns und andere zu erbauen?

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Gospel Standards, Hg. G. Homer Durham, 1941, Seite 342.

  2.   2.

    Siehe Carter E. Grant, „Robbed by Wolves: A True Story“, Relief Society Magazine, Juli 1928, Seite 358ff.

  3.   3.

    Deseret News Weekly, 10. Dezember 1856, Seite 317.

  4.   4.

    Generalkonferenz, Oktober 1919.

  5.   5.

    Generalkonferenz, April 1909.

  6.   6.

    Generalkonferenz, Oktober 1919.