Ein guter Staatsbürger sein

Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant, 2011


Als Mitgliedern der Kirche obliegt es uns, gesetzestreue Staatsbürger zu sein und alles uns Mögliche zu tun, dass unsere Regierungsorgane sich an sittliche Grundsätze halten.

Aus dem Leben von Heber J. Grant

Präsident Heber J. Grant wurde 1918 als Präsident der Kirche eingesetzt. Das war das Jahr, in dem der Erste Weltkrieg zu Ende ging. Er diente bis zu seinem Tod im Jahre 1945 – dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Er führte die Kirche in der schwierigen Zeit der Weltwirtschaftskrise, als Familien und Gemeinwesen in aller Welt unter der wirtschaftlichen Lage litten. Während der Wirtschaftskrise, im Krieg und in der Nachkriegszeit war er für die Mitglieder da und machte ihnen Mut. Während seiner Amtszeit kam es in aller Welt zu politischen Veränderungen. Diese Veränderungen hatten Einfluss auf die Rolle der Regierungen im Leben ihrer Bürger, und auch die Einstellung der Menschen zu ihrer Regierung änderte sich.

Präsident Grant riet den Mitgliedern, sich in diesen schweren Zeiten aktiv mit den Themen zu befassen, die es politisch auf örtlicher, regionaler und nationaler Ebene zu behandeln galt. Er gab allerdings nicht nur Ratschläge, sondern kam diesem Auftrag auch selbst nach. Trotz seiner vielen Pflichten als Präsident der Kirche unterstützte er beispielsweise tatkräftig die Prohibition in den Vereinigten Staaten – eine Bewegung, die darauf abzielte, Herstellung, Verkauf und Vertrieb von alkoholischen Getränken zu verbieten.

Präsident Grant war den Gesetzen seines Landes treu. Er lehrte, dass die Verfassung der Vereinigten Staaten von Gott begründet worden war. „Schon von klein auf“, sagte er, „war mir bewusst, dass wir ohne jeden Zweifel daran glauben, dass die Verfassung unseres Landes ein inspiriertes Werkzeug ist und dass Gott die Leute geführt hat, die sie ins Leben gerufen haben und die für die Unabhängigkeit unseres Landes eingetreten sind.“1

Zu der Zeit, als Präsident Grant als Apostel und als Präsident der Kirche diente, waren die weitaus meisten Mitglieder der Kirche Bürger der Vereinigten Staaten. Viel von dem, was er über die Regierung sagt, bezieht sich folglich auf die Vereinigten Staaten. Was er aber lehrt, sind Wahrheiten, die überall auf der Welt Anwendung finden können.

Lehren von Heber J. Grant

Die Heiligen der Letzten Tage sollen ihre politischen Führer unterstützen und die Gesetze des Landes einhalten.

Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass es jedem Mitglied obliegt, sich an die Gesetze zu halten und für sie einzutreten.2

Es folgt die Erklärung der Kirche aus Abschnitt 134 des Buches Lehre und Bündnisse hinsichtlich unserer Glaubensansichten in Bezug auf Regierung und Gesetze im Allgemeinen, wie sie vor mehr als hundert Jahren einstimmig bei einer allgemeinen Versammlung der Kirche angenommen worden ist:

„Wir glauben, dass Regierungen von Gott zum Nutzen der Menschen eingerichtet worden sind und dass er die Menschen für ihr Verhalten in Bezug auf die Regierung zur Rechenschaft zieht, sei es im Geben von Gesetzen oder in deren Anwendung zum Wohl und zur Sicherheit der Gesellschaft.

Wir glauben, dass keine Regierung friedlich bestehen kann, ohne dass Gesetze erlassen werden und als unverletzlich gelten, die jedem einzelnen Menschen Gewissensfreiheit, Recht auf Eigentum und freie Verfügung darüber und Schutz des Lebens gewährleisten.

Wir glauben, dass alle Regierungen notwendigerweise Beamte und Behörden brauchen, um die Gesetze durchzuführen, und dass diejenigen, die das Gesetz unparteiisch und gerecht anwenden, durch die Stimme des Volkes (wenn es eine Republik ist) oder durch den Willen des Landesherrn ermittelt und in ihrem Amt gestützt werden sollen.

Wir glauben, dass die Religion von Gott eingerichtet worden ist und die Menschen ihm, und nur ihm, für die Ausübung derselben verantwortlich sind, sofern ihre religiösen Ansichten sie nicht dazu veranlassen, die Rechte und Freiheiten anderer zu verletzen. Aber wir glauben nicht, dass menschliches Gesetz das Recht hat, sich einzumischen und Regeln für die Gottesverehrung vorzuschreiben, um Gewissenszwang auszuüben oder die Form öffentlicher oder privater Gottesverehrung zu diktieren. Wir glauben, dass die Behörde das Verbrechen unterbinden soll, aber nicht das Gewissen überwachen darf; sie soll die Missetat bestrafen, aber nie die Freiheit der Seele unterdrücken.

Wir glauben, dass alle Menschen verpflichtet sind, die Regierung, unter der sie leben, in ihrem Amt zu stützen und zu tragen, solange sie durch die Gesetze dieser Regierung in ihren angeborenen und unveräußerlichen Rechten geschützt werden, und dass den so beschützten Bürgern Aufstand und Auflehnung nicht zustehen und entsprechend bestraft werden sollen; ferner, dass jede Regierung das Recht hat, die Gesetze anzuwenden, die nach ihrem Urteil am besten geeignet sind, das öffentliche Wohl zu sichern, zugleich aber die Gewissensfreiheit heilig zu halten.

Wir glauben, dass jedermann in seiner Stellung geachtet werden soll, Obrigkeiten und Behörden als solche, denn sie sind eingesetzt, um die Unschuldigen zu schützen und die Schuldigen zu bestrafen; ferner, dass alle Menschen den Gesetzen Achtung und Unterordnung schulden, denn sonst würden Friede und Eintracht durch Anarchie und Terror verdrängt werden. Menschliche Gesetze sind ausdrücklich zu dem Zweck geschaffen, um unsere Interessen von Mensch zu Mensch zu wahren, des Einzelnen ebenso wie der Nationen. Göttliche Gesetze aber kommen vom Himmel und schreiben Regeln für geistige Belange vor, für Glauben und Gottesverehrung. Für beides ist der Mensch seinem Schöpfer verantwortlich.

Wir glauben, dass Herrscher, Staaten und Regierungen das Recht haben und verpflichtet sind, Gesetze anzuwenden, die alle Bürger bei der freien Ausübung ihres religiösen Glaubens schützen. Aber wir glauben nicht, dass sie das Recht haben, Bürger dieser Freiheit rechtens zu berauben oder sie wegen ihrer Ansichten zu ächten, solange die Gesetze geachtet und in Ehren gehalten werden und diese religiösen Ansichten nicht Aufstand und Verschwörung gutheißen.

Wir glauben, dass das Begehen eines Verbrechens gemäß der Schwere des Verstoßes bestraft werden soll, dass Mord, Hochverrat, Raub, Diebstahl und Landfriedensbruch gemäß ihrer Strafbarkeit und dem Vorsatz, unter den Menschen Böses zu stiften, geahndet werden sollen, und zwar nach den Gesetzen der Regierung, in deren Bereich der Verstoß begangen worden ist; und alle Menschen sollen für den öffentlichen Frieden und für Ruhe eintreten und nach Kräften dazu beitragen, dass diejenigen, die gegen gute Gesetze verstoßen, der Bestrafung zugeführt werden.

Wir glauben nicht, dass es recht ist, religiöse Einflussnahme und Regierung zu vermischen, wodurch die eine Religionsgesellschaft begünstigt, die andere aber in ihren geistigen Freiheiten beschnitten würde und ihren Mitgliedern die persönlichen Rechte als Bürger verweigert würden.“ [LuB 134:1-9.]

Bedenken Sie bitte: Dies wurde schon im Jahre 1835 als Standpunkt der Kirche herausgegeben und seither hat sich nie etwas daran geändert.3

Die heutige Generalkonferenz [Oktober 1940] findet noch immer in einer vom Krieg heimgesuchten Welt statt. Millionen Kinder des Herrn leiden und klagen. Not und Elend, die stets mit bewaffneten Konflikten einhergehen, ergießen sich über sie. …

In diesem fürchterlichen Kampf stehen auf beiden Seiten unsere Brüder und Schwestern. Und auf beiden Seiten sind sie ihrem Land durch Blutsbande, zwischenmenschliche Beziehungen und Vaterlandstreue verpflichtet. …

Auf beiden Seiten steht den Mitgliedern kein anderer Weg offen, als die Regierung zu unterstützen, der sie untertan sind. Doch sollen sie Tag und Nacht zu Gott beten, dass er das Herz ihrer Führer dem Frieden zuwende und dass der Fluch des Krieges enden möge.4

In dem Maß, wie wir die Obrigkeit des Landes achten, dem wir angehören, und die Regierung in ihrem Amt unterstützen und mittragen, in dem Maß sind wir gesetzestreue Bürger, und die Regierung wird uns achten und unterstützen.5

Wenn ein Gesetz erlassen und als verfassungsmäßig befunden wird, kann keiner, der Geld dafür aufwendet, um Menschen zu helfen, dieses Gesetz zu brechen, von sich behaupten, er sei ein gesetzestreuer Bürger.6

Ich wünschte, ich könnte das folgende Wort [Abraham Lincolns, des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten,] jedem Heiligen der Letzten Tage, der mir zuhört, tief ins Herz schreiben:

„Möge jede amerikanische Mutter schon dem kleinen Kind auf ihrem Schoß Achtung vor dem Gesetz einflößen; möge diese Achtung an den Schulen, in den Seminaren und an den Universitäten gelehrt werden; möge sie in den Lehrbüchern, den Schulbüchern und den Nachschlagwerken stehen; möge sie von der Kanzel gepredigt, in den gesetzgebenden Versammlungen verkündet und in den Gerichtshöfen geltend gemacht werden.“ [Siehe „The Perpetuation of Our Political Institutions“, zitiert in The Speeches of Abraham Lincoln, 1908, Seite 6.]7

Wir sollen uns an der Wahl guter Führer und am Erlassen guter Gesetze beteiligen.

Ich bete für unser Land und bitte den Herrn, die zu segnen, die unser Land, die Bundesstaaten, die Städte und die Landkreise regieren. Ich bete, Gott möge die Menschen inspirieren, dass sie seine Gebote halten und gute Menschen in die politischen Ämter wählen, dass sie ihre politischen Meinungsverschiedenheiten begraben und nach guten Menschen suchen, die das Amt ausüben, und nicht nach Menschen, die sich mit denen zusammentun, die gegen die Gesetze unseres Landes verstoßen. Einer unserer Glaubensartikel lautet, dass wir den Gesetzen des Landes gehorchen und sie achten sollen [siehe 12. Glaubensartikel]. Möge Gott uns dabei helfen.8

Immer wieder wird gemunkelt, und ich höre es auch heute, die Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi, die der Kirche vorsteht und die das Priestertum trägt, wünscht diesen oder jenen oder sonst jemanden in einem bestimmten Amt zu sehen.

Die Präsidentschaft der Kirche lässt jeden Mann, jede Frau und jedes Kind im Wahlalter die Stimme gemäß der eigenen Überzeugung abgeben. Angesichts der Verantwortung, die hierbei auf einem jeden ruht, fordern wir aber alle auf, zu Gott zu beten, dass er sie sowohl in politischen als auch in religiösen Belangen führt, und für das Rechte einzutreten.9

Ich bestreite entschieden, dass es unter den Heiligen der Letzten Tage zu einer Vermengung von Kirche und Staat kommt in dem Sinn, wie die Welt das versteht, aber ich bestreite keineswegs, dass ich, sofern ich als Mitglied der Kirche Macht oder Einfluss habe, um zu bewirken, dass der beste Mann in ein bestimmtes Amt gewählt wird, diesen Einfluss auch bis an mein Lebensende ausüben werde.10

Politik lässt mich unweigerlich an die Masern denken: Masern tun nicht so weh, wenn man sie mit ein wenig Safrantee oder sonst etwas an der Oberfläche hält. Sind sie aber erst einmal richtig ausgebrochen, dann wird die Haut gelb und manchmal beginnt man sogar zu schielen. Lassen Sie also die Politik nicht gleichermaßen ausbrechen. Ich glaube durchaus daran, dass man den besten Mann für ein Amt nehmen soll. Ich glaube daran, dass ehrliche, rechtschaffene, gute Menschen in Amt und Würde gewählt werden sollen.11

Jedes Mitglied der Kirche soll Tag für Tag darum beten, dass der Herr ihm darin beistehen möge, klar zu denken und einen geraden Kurs zu verfolgen – ungeachtet persönlicher Vorteile, Parteiinteressen oder politischer Ansichten.12

Die Regierung muss auf sittlichen Grundsätzen begründet sein und sich von ihnen leiten lassen.

George Washington [der erste Präsident der Vereinigten Staaten] sagte in seiner Abschiedsrede zum amerikanischen Volk:

„Religion und Sittlichkeit sind die unverzichtbaren Stützen einer jeden Neigung und Gewohnheit, die zu politischem Gedeihen führt. Umsonst behauptet einer, sich von Vaterlandsliebe leiten zu lassen, wenn er diese großen Säulen menschlichen Glücks, diese stabilsten Grundlagen staatsbürgerlicher Pflichterfüllung untergraben will.

Selbst wenn sich manches dem Einfluss einer guten Bildung zuschreiben lässt, so schließen Vernunft und Erfahrung doch aus, dass in einem Staat Sittlichkeit vorherrschen kann, ohne dass es religiöse Grundsätze gibt.

Lassen wir Vorsicht walten bei der Annahme, Sittlichkeit könne ohne Religion aufrechterhalten bleiben.“ [Siehe „George Washington: Farewell Address“, in William Benton, Hg., The Annals of America, 21 Bände, 1968–1987, 3:612.]13

Wir … erklären, dass Gott am Krieg kein Gefallen hat und diejenigen, die ungerechtfertigt Krieg führen, gemäß seinem Willen ewiger Strafe ausgesetzt sein werden.

Wir versichern, dass sich alle internationalen Konflikte durch [friedliche] Mittel lösen lassen, wenn die Völker nur bereit sind, selbstlos und rechtschaffen miteinander umzugehen. Wir rufen die Führer aller Nationen und die Völker selbst auf, ihre Differenzen dergestalt beizulegen und in Ordnung zu bringen, dass nicht Gottes Schalen des Zorns auf Erden ausgegossen werden, denn er hat gesagt, dass sein Grimm ohne Maß über die Schlechten ausgegossen werden wird.14

Gott hat am Krieg kein Gefallen – auch nicht an der Schlechtigkeit, die ihm stets vorangeht. … Wir sagen allen Nationen: Legen Sie Ihre Differenzen durch friedliche Mittel bei. Das ist die Weise des Herrn.15

Niemand, der etwas Unehrliches tut oder die Gesetze des Landes bricht, kann doch ein wahrer Heiliger der Letzten Tage sein. Kein Volk und kein politischer Führer kann etwas Falsches tun und seine Verpflichtungen missachten, ohne vor Gott und den Menschen genauso unter Verdammnis zu geraten wie jeder andere, der etwas Falsches tut. Die Wahrheit wird obsiegen. „Tritt für das Rechte ein, mag der Kampf auch grimmig sein!“ Dieses Motto soll für jedes Mitglied der Kirche gelten.16

Anregungen für Studium und Diskussion

  1. Wie können sich die Mitglieder der Kirche dafür einsetzen, dass sie eine gute Regierung bekommen?

  2. Warum ist es wichtig, dass wir immer von unserem Wahlrecht Gebrauch machen? Was können wir gegebenenfalls tun, um uns auf die Ausübung dieser Pflicht vorzubereiten?

  3. Wie können wir dazu beitragen, dass sich die Regierung nach sittlichen Grundsätzen ausrichtet?

  4. Wie können wir als Einzelne oder als Familie unser Gemeinwesen verbessern?

  5. Was können wir zu Hause tun, um unsere Familie dazu anzuhalten, die Gesetze zu achten?

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Generalkonferenz, Oktober 1936.

  2.   2.

    Gospel Standards, Hg. G. Homer Durham, 1941, Seite 143.

  3.   3.

    „Lincoln and Law“, Improvement Era, Februar 1940, Seite 73, 127.

  4.   4.

    Erklärung der Ersten Präsidentschaft, Generalkonferenz, Oktober 1940; vorgelesen von Präsident David O. McKay.

  5.   5.

    Gospel Standards, Seite 125.

  6.   6.

    Gospel Standards, Seite 129.

  7.   7.

    Generalkonferenz, Juni 1919.

  8.   8.

    Gospel Standards, Seite 129.

  9.   9.

    Gospel Standards, Seite 130f.

  10.   10.

    Gospel Standards, Seite 125f.

  11.   11.

    Gospel Standards, Seite 130.

  12.   12.

    Improvement Era, Februar 1940, Seite 127.

  13.   13.

    Generalkonferenz, April 1931.

  14.   14.

    Botschaft von der Ersten Präsidentschaft, Generalkonferenz, Oktober 1939; vorgelesen von Präsident Heber J. Grant.

  15.   15.

    Erklärung der Ersten Präsidentschaft, Generalkonferenz, Oktober 1940; vorgelesen von Präsident David O. McKay.

  16.   16.

    Generalkonferenz, Oktober 1919.