Inniges, aufrichtiges Beten

Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant, 2011


Wenn wir für uns allein und mit der Familie eifrig beten, ernten wir viele Segnungen.

Aus dem Leben von Heber J. Grant

Heber J. Grant war als Kind oft im Haus von Präsident Brigham Young zu Gast. Wenn es gerade Zeit zum Beten war, kniete sich auch Heber mit der Familie Young zum Familiengebet hin. Diese Gebete beeinflussten ihn nachhaltig. Später schrieb er: „Mehr als einmal blickte ich mitten im Gebet auf und sah zu Brigham Young hinüber, ob der Herr etwa da wäre, so sehr war die Inspiration des Herrn fühlbar, wenn Brigham Young um Führung flehte. Es schien mir, dass er zum Herrn sprach wie ein Mensch zum anderen.“1

Viele Ereignisse im Leben von Präsident Heber J. Grant zeigen sein Gottvertrauen und seinen Glauben an die Macht des Gebets. Als etwa seine erste Frau im Sterben lag, war seine älteste Tochter ganz aufgelöst. Heber J. Grant betete voll Inbrunst darum, dass sie imstande sein werde, den Tod ihrer Mutter zu akzeptieren (siehe Seite 51f. in diesem Buch). Ein andermal betete Präsident Grant für seinen Halbbruder, der sich von der Kirche entfernt hatte (siehe Seite 11, 13f.). Er bat auch den Herrn, ein Mädchen zu heilen, das an Diphtherie erkrankt war (siehe Seite 109).

Präsident Grant sprach bei seinen Ansprachen oft über die Gebete, die er im Herzen trug. Er sprach darüber, wie sehr er hoffe, dass der Herr die politischen Führer bei ihren Aufgaben führen werde.2 Er erklärte, dass er „innig und aufrichtig“ darum bete, der Herr möge die Soldaten im Krieg und ihre Familien segnen.3 Er sagte, er bete ständig „für alle Beamten in der Kirche – im Priestertum und in den Hilfsorganisationen“.4 Er flehte zu Gott, er möge den Mitgliedern helfen, nach dem Evangelium zu leben und andere so zu führen, dass auch sie die Wahrheit erkennen.5 Und er brachte zum Ausdruck, mit welchen Worten er für sein eigenes Wohlergehen betete: „Ich bete ständig ernstlich darum, … dass mein Sinn sich nie verdunkelt, dass ich nie vom Pfad des Rechts und der Rechtschaffenheit abweiche, sondern dass ich im Lauf der Jahre an Einsicht zunehme, dass das Licht und die Inspiration des Geistes Gottes mir im Herzen brennen, mein Verständnis erleuchten und mich weiterhin fest und treu dem himmlischen Vater dienen lassen.“6

Lehren von Heber J. Grant

Wir müssen bei allem, was wir tun, stets beten.

Knien Sie sich hin und beten Sie zu Gott, dass er Sie bei allem führt, was Sie tun.7

Sobald der Mensch aufhört, Gott um seinen Geist und um seine Führung zu bitten, entfremdet er sich ihm und seinem Werk. Wenn der Mensch nicht mehr Gott um seinen Geist anruft, verlässt er sich auf seinen eigenen, unbeholfenen Verstand und er verliert allmählich den Geist Gottes. Das ist auch mit guten Freunden nicht anders: Wenn wir einander nie schreiben und einander nicht besuchen, entfremden wir uns einander. Beten wir alle darum, dass Gott uns nie auch nur einen Augenblick ohne seinen Geist lässt – ohne seinen Geist, der uns hilft und uns beisteht, damit wir der Sünde und Versuchung widerstehen können.8

Die jungen Leute sollen im Stillen beten und abends und morgens zu Gott um Führung durch den Heiligen Geist flehen.9

Lassen Sie uns in stillen Stunden, in der Hitze des Gefechts, in den Gefahren des Alltags, in Zeiten der Versuchung, der Trauer, des Friedens und der Segnungen immerdar beten – sowohl allein als auch mit der Familie. Danken wir für die Segnungen im Leben und bitten wir um Einsicht in unsere Probleme und um die Kraft, bis ans Ende auszuharren.

„Bete immer, damit du als Sieger hervorgehst, ja, damit du den Satan besiegst und den Händen der Knechte des Satans entrinnst, die sein Werk unterstützen.“ (Lehre und Bündnisse 10:5.)

„Betet immer, damit ihr nicht ermattet, bis ich komme.“ (Lehre und Bündnisse 88:126.)10

Wieder möchte ich unsere Mitglieder bitten, dass sie sich hinknien und Gott bitten, sie bei jeder Handlung zu leiten; und wenn sie dann den Geist Gottes empfangen, werden sie bei allem, was sie tun, glücklich und zufrieden sein. Tun Sie nichts, wozu Sie Gottes Hilfe nicht erbitten können. Nehmen Sie zu im Licht und in der Erkenntnis des Evangeliums, und als Knecht Gottes verheiße ich Ihnen im Namen des Erlösers Frieden und Freude und Glück.11

Ohne Beten gibt es kein geistiges Wachstum.

Wir bezeugen: Gott ist ein lebendiger Gott. … Er lebt und er liebt seine Kinder. Er hört und erhört unsere Gebete. Er lässt seine Kinder nicht ohne Licht in Finsternis und Sünde umherirren. Jeder hat Anrecht auf das Licht, das seinem Fuß eine Leuchte ist. Die Welt verändert sich, doch seine Kinder können zu ihm kommen und er spricht zu ihnen in der Mittagssonne ebenso wie in der Stille der Nacht – in einer Sprache, die sie verstehen können, sofern sie auf seinen Geist eingestimmt sind.12

Wo immer das Evangelium Christi hinkommt, nehmen es hunderte und tausende Männer und Frauen an. Sie können nun selbst bezeugen, dass sie, nachdem sie zu Gott um ein Zeugnis gefleht haben, die Überzeugung erlangt haben, dass dieses Werk, in dem wir Heilige der Letzten Tage tätig sind, von Gott ist. Dieses Zeugnis haben sie nicht deswegen empfangen, weil sie genug darüber gelernt hatten, auch nicht aufgrund der ihnen innewohnenden Intelligenz, mit der Gott sie ausgestattet hat, sondern als Antwort auf ihr inniges und aufrichtiges Beten – weil sie im Namen Jesu Christi, unseres Erlösers, um Licht und Erkenntnis gebetet haben, ob dieses Werk von Gott ist.13

Der Mensch ist von Natur aus geneigt, im Herzensstolz überheblich und [ich-bezogen] zu werden und Gott zu vergessen. Doch das Evangelium verlangt von uns, dass wir jeden Tag beten, und zwar sowohl mit der Familie als auch allein. Das verhindert, dass wir [ich-bezogen] werden. Es macht uns wie kleine Kinder; wir neigen uns und beten zu Gott um Licht und um die Inspiration seines Heiligen Geistes.14

Ich glaube fest daran: Keiner wird jemals stolz und überheblich, der sich tagtäglich neigt und aufrichtig zu Gott um das Licht seines Heiligen Geistes fleht, dass es ihn leite. Ganz im Gegenteil: Sein Herz wird demütig, sanft und kindlich schlicht.15

Ich mache mir kaum oder gar keine Sorgen um den Jungen oder das Mädchen oder um den jungen Mann und die junge Frau, die Gott zweimal täglich aufrichtig und gewissenhaft um Führung durch seinen Geist bitten. Ich bin davon überzeugt: Wenn die Versuchung kommt, werden sie durch die Inspiration, die sie empfangen, die Kraft haben, sie zu überwinden. Man umgibt sich mit einem Schutz, wenn man den Herrn um Führung durch seinen Geist anfleht. Und wenn wir ernsthaft und ehrlich nach Führung durch den Geist des Herrn trachten, dann – so kann ich Ihnen versichern – bekommen wir sie auch.16

Eines möchte ich den jungen Leuten ganz besonders ans Herz legen: Beten Sie zum Herrn. Erlangen Sie Glauben. Glauben Sie, auch wenn Sie nicht wissen. Nähren Sie diesen Glauben und früher oder später wird Wissen daraus.17

Von den Mitgliedern der Kirche wird unter anderem verlangt, dass sie getreulich beten, und zwar sowohl allein als auch mit der Familie. Der himmlische Vater verlangt dies von uns, weil wir uns dadurch mit ihm in Verbindung setzen können und so zwischen uns und dem Himmel eine Verbindung entsteht, wodurch wir Segen von oben auf uns herabrufen können. Keiner, der demütig ist und zu Gott betet und ihn jeden Tag um das Licht und die Inspiration des Heiligen Geistes anfleht, erhebt sich je im Herzensstolz oder meint, seine eigene Intelligenz und Weisheit seien ausreichend. Wer gebeterfüllt und demütig ist, erkennt immer an und spürt, dass er jeden Segen, dessen er sich erfreut, Gott verdankt. Wenn er betet, betet er nicht nur zu Gott um das Licht und die Inspiration des Heiligen Geistes, sondern es ist ihm auch ein Anliegen, Gott für die Segnungen zu danken, die ihm geschenkt werden, denn ihm ist bewusst, dass Leben, Gesundheit, Kraft und all die Intelligenz, die er besitzt, von Gott kommen, dem Urheber seines Daseins.

Wenn wir diesen Kommunikationskanal zwischen uns und dem himmlischen Vater nicht offen halten, werden uns das Licht und die Inspiration seines Geistes genommen, ebenso das Gefühl der Dankbarkeit, das uns das Herz erfüllt, und der Wunsch, Gott für seine Güte und Barmherzigkeit uns gegenüber zu preisen.

Es gibt kein gottähnlicheres Gefühl als das inniger Dankbarkeit Gott gegenüber. Dieses Gefühl stellt sich dann ein, wenn uns bewusst ist und wir verspüren, dass Gott uns segnet. Alle, die in der Ferne das Evangelium predigen und ihrem Nächsten die Überzeugung ins Herz pflanzen können, dass die Mission, in der sie tätig sind, von Gott ist, haben dieses Zeugnis: Die Freude und Dankbarkeit, die ihnen das Herz erfüllt, weil sie auf diese Weise ein Werkzeug in der Hand Gottes sein und den Menschen Kenntnis vom Plan des Lebens und der Erlösung bringen können, lässt sich in Worten gar nicht ausdrücken. Machen wir uns die Gesinnung und die Wesensart zu Eigen, so zu leben, dass wir stets im Herzen Dankbarkeit verspüren und den Wunsch haben, Gott für seine Güte zu preisen. Dieses Gefühl können wir aber nicht haben, wenn wir die Pflicht, zum himmlischen Vater zu beten, vernachlässigen oder ihr nur gedankenlos nachkommen.18

Leben Sie rein. Halten Sie die Gebote des Herrn. Beten Sie ständig zu ihm, dass er sie in der Wahrheit und Rechtschaffenheit bewahrt. Leben Sie dann so, wie Sie gebetet haben, und was immer Ihnen zustößt – der Herr wird bei Ihnen sein und nichts wird Ihnen geschehen, was nicht Gott zur Ehre und Herrlichkeit und Ihnen zur Errettung und Erhöhung gereicht. Und wenn Sie so rein leben, wie Sie es im Gebet erflehen, dann empfinden Sie unbeschreibliche Freude, die alles Verstehen übersteigt. Der Herr wird Ihnen stets nahe sein. Er wird Sie trösten. Sie werden in der Stunde Ihrer größten Drangsal seine Gegenwart verspüren. Er wird Sie so behüten und beschützen, wie es seine allweise Absicht zulässt.19

Ich gebe Ihnen mein Zeugnis: Ich weiß, dass Gott lebt und dass er Gebete hört und erhört.20

Inniges, aufrichtiges Beten zu Gott ist von größerem Wert für Sie, als ich es sagen oder schreiben könnte.21

Das Familiengebet trägt dazu bei, dass Eltern und Kinder im Einklang mit dem Geist des Herrn sind.

Auf der ganzen Welt gibt es wohl kaum etwas Größeres oder Besseres, um die Menschen dazu zu bringen, dass sie dem Evangelium des Herrn Jesus Christus treu bleiben, als wenn man Gott im Stillen und im Namen Jesu Christi um Führung durch den Heiligen Geist anfleht. Davon bin ich überzeugt. Meiner Überzeugung nach gibt es kaum etwas Besseres für das Zuhause als das Familiengebet. Es führt nämlich dazu, dass die Jungen und Mädchen in der Liebe zu Gott und in der Liebe zum Evangelium Jesu Christi heranwachsen. Nicht allein der Vater soll beten, sondern auch die Mutter und die Kinder, damit sie am Geist des Betens teilhaben und in Einklang sind und eingestimmt – sozusagen auf der gleichen Wellenlänge –, um mit dem Geist des Herrn in Verbindung zu treten. Nur wenige, die Kenntnis vom Evangelium haben, gehen wohl in die Irre und verlieren den Glauben, wenn sie es nie unterlassen, sowohl mit ihrer Familie zu beten als auch für sich allein zu Gott zu flehen.22

Der Herr verlangt von uns, dass wir mit der Familie und im Stillen beten, damit wir Gott nicht vergessen. Unterlassen wir dies, dann verlieren wir die Inspiration und die Macht des Himmels. Wir werden gleichgültig, verlieren unser Zeugnis und begeben uns in die Finsternis hinab.23

Kinder bemerken es, was für ein Beispiel ihnen ihre Eltern, ihre Freunde und ihre Lehrer geben. Einmal … kamen die [Heimlehrer] zum Haus eines Bruders und beteten dort mit der Familie. Ein kleines Kind sagte: „Papa, stimmt’s, wir beten nur, wenn Besuch kommt?“24

Wir lehren unsere Kinder beten, wenn wir selbst im Stillen und mit der Familie beten. Unter vielen Mitgliedern wird die Kommunikation mit Gott viel zu sehr vernachlässigt. Ich bin jeden Tag meines Lebens froh und glücklich, dass ich im Namen des Herrn Jesus Christus, meines Erlösers, mit meinem Schöpfer in Verbindung treten darf. Und fehlt sozusagen die Funkverbindung zum himmlischen Vater und zu unserem Erlöser, dann verliert man die Inspiration, die der Herr uns gibt.25

Anregungen für Studium und Diskussion

  1. Wie können wir unser persönliches Beten bedeutsamer gestalten? Inwiefern wird unser Beten bedeutsamer, wenn es von Dankbarkeit für Gottes Segnungen durchdrungen ist?

  2. Was können wir tun, damit das Familiengebet für alle in der Familie ein geistiges Erlebnis wird? Inwiefern ist Ihre Familie schon gesegnet worden, weil Sie miteinander gebetet haben?

  3. Was für Herausforderungen sieht sich Ihre Familie gegenüber, wenn es darum geht, Zeit für das Familiengebet zu finden? Wie haben Sie das Problem gelöst?

  4. Inwiefern hilft uns das tägliche Beten, „dem Evangelium des Herrn Jesus Christus treu“ zu bleiben? Inwiefern kann das Beten uns „demütig, sanft und kindlich schlicht“ machen?

  5. Was bedeutet es, zu Gott zu flehen?

  6. Warum ist es wichtig, jeden Tag zu Gott zu flehen, dass er uns Führung durch den Heiligen Geist gewähre?

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Gospel Standards, Hg. G. Homer Durham, 1941, Seite 224.

  2.   2.

    Siehe Gospel Standards, Seite 216.

  3.   3.

    Generalkonferenz, Oktober 1944.

  4.   4.

    Gospel Standards, Seite 199.

  5.   5.

    Generalkonferenz, April 1945.

  6.   6.

    Gospel Standards, Seite 371.

  7.   7.

    Gospel Standards, Seite 144.

  8.   8.

    Generalkonferenz, Oktober 1944.

  9.   9.

    Gospel Standards, Seite 179f.

  10.   10.

    „Personal and Family Prayer“, Improvement Era, Dezember 1942, Seite 779.

  11.   11.

    Generalkonferenz, Oktober 1938.

  12.   12.

    James R. Clark, Hg., Messages of the First Presidency of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 6 Bände, 1965–1975, 6:34.

  13.   13.

    Gospel Standards, Seite 26.

  14.   14.

    Brian H. Stuy, Hg., Collected Discourses Delivered by President Wilford Woodruff, His Two Counselors, the Twelve Apostles, and Others, 5 Bände, 1987–1992, 4:356.

  15.   15.

    Gospel Standards, Seite 31.

  16.   16.

    Gospel Standards, Seite 26.

  17.   17.

    Gospel Standards, Seite 26.

  18.   18.

    Collected Discourses, 3:192f.

  19.   19.

    Botschaft von der Ersten Präsidentschaft, Generalkonferenz, April 1942; vorgelesen von Präsident J. Reuben Clark jun.

  20.   20.

    Generalkonferenz, April 1945.

  21.   21.

    Gospel Standards, Seite 254.

  22.   22.

    Gospel Standards, Seite 25.

  23.   23.

    Gospel Standards, Seite 156.

  24.   24.

    Gospel Standards, Seite 156.

  25.   25.

    Generalkonferenz, April 1924.