Kapitel 22

Kinder in der Obsorge und Ermahnung des Evangeliums unterweisen

Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant


Eltern müssen, unterstützt von den Führern und den Lehrern der Kirche, sich eifrig und beständig bemühen, ihre Kinder im Evangelium zu unterweisen.

Aus dem Leben von Heber J. Grant

Präsident Heber J. Grants Fleiß und Gehorsam sind allseits bekannt. Viele Segnungen hat er aufgrund seines eigenen Glaubens und seines Fleißes empfangen und doch hat er immer darauf hingewiesen, wie sehr er in der Schuld derer steht, die ihn in seiner Kindheit das Evangelium gelehrt hatten.

Präsident Grant sagte oft, wie dankbar er seiner Mutter sei: „Ich verdanke natürlich alles meiner Mutter, denn mein Vater ist ja gestorben, als ich neun Tage alt war. Die wunderbare Unterweisung meiner Mutter, ihr Glaube und ihre Lauterkeit haben mich stets inspiriert.“1 So sagt er beispielsweise über seinen Entschluss, im Tempel zu heiraten: „Ich war dankbar, dass ich inspiriert und entschlossen genug war, mein Leben recht zu beginnen. Woher kamen diese Inspiration und Entschlossenheit? Sie kamen daher, dass meine Mutter an das Evangelium geglaubt hat, dass sie mich gelehrt hat, wie wichtig es ist, und dass sie in mir den Wunsch geweckt hat, mein Leben recht zu beginnen und alles gemäß den Lehren des Evangeliums zu tun, damit ich auch allen Nutzen daraus zöge.“2

Präsident Grant fühlte sich auch seinen Sonntagsschullehrern sowie allen anderen Menschen verbunden, die ihn als Kind angeleitet hatten. Er sagte: „In alle Ewigkeit werde ich diesen Menschen, die mich so sehr geprägt haben, dankbar sein.“3

Gemäß dem Beispiel der Lehrer, die ihn so sehr geprägt hatten, war Präsident Grant eifrig bemüht, seine Kinder in der Wahrheit zu unterweisen. Seine Tochter Frances Grant Bennett erzählt, wie sanft er sie und ihre Geschwister angeleitet hat, nach dem Evangelium zu leben: „Bei Unwichtigem sagte mein Vater selten Nein. Und wenn er einmal Nein sagte, dann war auch klar, dass es so gemeint war. Er ließ uns nach Möglichkeit unsere eigenen Entscheidungen treffen. Er erklärte stets sehr geduldig, weshalb er ein bestimmtes Vorhaben für unklug hielt, doch anschließend sagte er immer: ‚Das ist meine Meinung, aber entscheiden musst du natürlich selbst.‘ Unsere Entscheidung fiel folglich für gewöhnlich so aus wie seine. Irgendwie konnte er uns dazu bewegen, das Rechte tun zu wollen, statt es gezwungenermaßen zu tun.“4

Präsident Grant ließ nie nach in dem Bemühen, seine Kinder zu unterweisen, auch dann nicht, als die meisten Kinder bereits erwachsen waren. Als Elder Grant 52 Jahre alt und bereits ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel war, hörte er einmal bei einer Generalkonferenz sehr aufmerksam einer Ansprache von Präsident Joseph F. Smith zu, der die Mitglieder dazu aufrief, „ihren Glauben, ihr Engagement und ihre Liebe zu den Grundsätzen des Evangeliums durch die Art und Weise zu zeigen, wie sie ihre Kinder erziehen und im Glauben aufziehen“.5 Später an jenem Tag sprach auch Elder Grant. Er sagte:

„Es ist immer einer meiner Herzenswünsche gewesen, mich meines Vaters und meiner Mutter würdig zu erweisen. Und ein weiterer Herzenswunsch ist, meine Kinder in der Obsorge und Ermahnung des Evangeliums großzuziehen. Ich spreche zu den Mitgliedern immer wieder gern über ein Thema aus einer Offenbarung des Herrn, in der uns gesagt wird, dass es unsere Pflicht ist, unsere Kinder das Evangelium Jesu Christi zu lehren, sie darin zu unterweisen und in ihnen den Glauben an den Herrn und Erretter der Welt zu wecken und sie zu lehren, zu beten und untadelig vor dem Herrn zu wandeln [siehe LuB 68:25-28]. Meiner Ansicht nach wird dieses Gebot stark vernachlässigt und ich freue mich außerordentlich, dass unser Präsident heute darüber gesprochen und die Heiligen der Letzten Tage dazu aufgerufen hat, in dieser Hinsicht ihre Pflicht zu erfüllen. Ich versuche das bereits, aber ich habe mir vorgenommen, in Zukunft noch eifriger zu sein. Ich denke, wir können uns da alle noch verbessern.“6

Lehren von Heber J. Grant

Es liegt in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder in den Grundsätzen des Evangeliums zu unterweisen.

Es kann wohl mit Sicherheit gesagt werden, dass es der Herzenswunsch eines jeden wahren Heiligen der Letzten Tage ist, dass seine Kinder in der Obsorge und Ermahnung des Evangeliums aufwachsen und Gottes Gebote halten, damit sie im Reich Gottes errettet werden können. Es ist unsinnig, wollte man annehmen, einem Kind, dem sein ganzes Leben lang der Same des Unwahren und Schlechten in den Sinn gepflanzt worden ist, könne man plötzlich Wahrheit in den Sinn pflanzen und Wahrheit ernten. … Einen Farmer, der jeden, der an seiner Farm vorbeikommt, auffordert, ein wenig Unkrautsamen auf die Felder zu werfen, und das einundzwanzig Jahre lang, und der dann erwartet, nach der einmaligen Aussaat von Getreide eine reiche Getreideernte einbringen zu können, halten wir alle doch für einen vollkommenen Narren.

Selbst wenn ich das kleine Einmaleins auswendig kann und meine Frau auch, kann ich doch nicht erwarten, dass meine Kinder schon mit diesem Wissen zur Welt kommen. Selbst wenn ich weiß, dass das Evangelium wahr ist, und meine Frau es auch weiß, gehe ich doch keinen Augenblick davon aus, dass meine Kinder mit diesem Wissen zur Welt kommen. Ein Zeugnis vom Evangelium empfängt man, wenn man die Gesetze und Verordnungen desselben befolgt. Auch unsere Kinder erlangen dieses Wissen auf keine andere Weise. Wenn wir sie nun nicht unterweisen und sie nicht auf dem engen und schmalen Pfad gehen, der zum ewigen Leben führt, dann empfangen sie dieses Wissen niemals. Ich habe Leute sagen hören, ihre Kinder seien als Erben aller Verheißungen des neuen und immerwährenden Bundes geboren und würden daher trotz allem, was sie tun, mit Evangeliumswissen heranwachsen. Ich möchte Ihnen sagen: Das ist keine wahre Lehre und sie steht dem Gebot unseres himmlischen Vaters genau entgegen. Den Heiligen der Letzten Tage wird nämlich nicht als Bitte, sondern als Gesetz aufgetragen, dass sie ihre Kinder unterweisen müssen:

„Und weiter: Wenn Eltern in Zion oder einem seiner organisierten Pfähle Kinder haben und sie nicht lehren, die Lehre von der Umkehr, vom Glauben an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, und von der Taufe und der Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen zu verstehen, wenn sie acht Jahre alt sind, so sei die Sünde auf dem Haupt der Eltern.

Denn dies soll für die Einwohner Zions und in einem jeden seiner organisierten Pfähle ein Gesetz sein.

Und ihre Kinder sollen, wenn sie acht Jahre alt sind, zur Vergebung ihrer Sünden getauft werden und die Hände aufgelegt bekommen.

Und sie sollen ihre Kinder auch lehren, zu beten und untadelig vor dem Herrn zu wandeln.“ [LuB 68:25-28.] …

Ein Vater, der das Evangelium liebt, ist bereit und willens, bis an die Enden der Erde zu gehen, um es zu predigen, und eine der größten Freuden, die der Mensch haben kann, besteht darin, dass man Seelen zur Erkenntnis der Wahrheit bringt. Eine noch größere Freude sollte für uns darin bestehen, dass wir unsere Kinder im Erlösungsplan schulen.7

Eines der ersten Gebote, die der Herr Adam und Eva gab, lautete: „Seid fruchtbar und vermehrt euch.“ [Genesis 1:28.] Dieses Gebot hat er in unserer Zeit wiederholt. Er hat auch in dieser, der letzten Evangeliumszeit, erneut den Grundsatz offenbart, dass der Ehebund ewigen Bestand hat. Er hat auf Erden die Vollmacht wiederhergestellt, durch die man in diesen Bund eintreten kann, und er hat erklärt, dass dies die einzige rechtmäßige und richtige Art und Weise ist, wie Mann und Frau vereint werden, und nur so können die heiligen Familienbande über das Grab hinaus und in Ewigkeit weiterbestehen. Er hat festgelegt, dass diese Beziehung für die Ewigkeit nur durch die heiligen Handlungen eingegangen werden kann, die im heiligen Tempel des Herrn vollzogen werden, und dass sein Volk daher nur im Tempel und gemäß diesen heiligen Handlungen heiraten soll.

Der Herr hat uns gesagt, dass es die Pflicht eines jeden Ehemanns und einer jeden Ehefrau ist, das Adam gegebene Gebot zu befolgen, nämlich fruchtbar zu sein und sich zu mehren, damit die Scharen erwählter Geister, die noch auf ihre irdische Hülle warten, herkommen und hier nach Gottes erhabenem Plan vorwärts gehen und eine vollkommene Seele werden können, denn ohne diese fleischliche Hülle können sie die Bestimmung, die Gott für sie vorgesehen hat, nicht erreichen. Jeder Ehemann und jede Ehefrau soll also Vater bzw. Mutter in Israel werden und Kinder bekommen, die im heiligen, ewigen Bund geboren sind.

Dadurch, dass sie diese erwählten Geister auf die Erde bringen, übernehmen Vater und Mutter gegenüber dem Geist, dem sie eine irdische Hülle verschaffen, und gegenüber dem Herrn selbst, indem sie die Möglichkeit wahrnehmen, die er ihnen bietet, eine überaus heilige Verpflichtung. Das Schicksal dieses Geistes in den zukünftigen Ewigkeiten, die Segnungen oder Strafen, die im Jenseits auf ihn warten, hängen ja zu einem großen Teil von der Obsorge, der Unterweisung und der Erziehung ab, die die Eltern diesem Geist zukommen lassen.

Kein Vater und keine Mutter kann sich dieser Verpflichtung und großen Verantwortung entziehen und der Herr wird uns streng dafür zur Rechenschaft ziehen, wie wir dem nachgekommen sind. Ein sterblicher Mensch kann keine erhabenere Verpflichtung übernehmen.

Die Mutterschaft wird somit zur heiligen Berufung, zum heiligen Engagement darin, dass der Plan des Herrn verwirklicht wird. Eine Mutter widmet sich der Erziehung und Fürsorge, sie nährt diejenigen an Körper, Sinn und Geist, die ihren ersten Stand bewahrt haben und jetzt auf der Erde in ihren zweiten Stand eintreten, um hier zu beweisen, „ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet“. [Abraham 3:25.] Die Aufgabe einer Mutter besteht darin, sie anzuleiten, dass sie sich ihren zweiten Stand bewahren; und „diejenigen, die sich ihren zweiten Stand bewahren, werden Herrlichkeit auf ihr Haupt hinzugefügt bekommen für immer und immer“. [Abraham 3:26.] …

Mutterschaft ist dem göttlichen Wesen nahe. Sie ist der höchste, heiligste Dienst, den ein Mensch verrichten kann. Sie stellt eine Frau, die diese heilige Berufung, diesen Dienst ehrt, auf eine Stufe mit den Engeln. Den Müttern in Israel sagen wir: Möge Gott Sie segnen und schützen und Ihnen die Kraft und den Mut, den Glauben und die Erkenntnis, die heilige Liebe und das Pflichtgefühl geben, die Sie befähigen, dieser heiligen Berufung voll und ganz nachzukommen. Ihnen, den Müttern und zukünftigen Müttern, sagen wir: Seien Sie keusch, bleiben Sie rein, leben Sie rechtschaffen, sodass Ihre Nachkommen bis in die letzte Generation Sie preisen können.8

Ich habe Männer und Frauen sagen hören, sie wollen ihre Kinder erst älter werden lassen, ehe sie darangehen, sie die Grundsätze des Evangeliums zu lehren. Sie wollen ihren kleinen Kindern das Evangelium nicht aufzwingen, ehe sie es verstehen können. Wenn ich jemanden so etwas sagen höre, meine ich, dass ihm der Glaube an die Grundsätze des Evangeliums fehlt und dass er es nicht so versteht, wie er es verstehen sollte. Der Herr hat gesagt, es ist unsere Pflicht, unsere Kinder in ihrer Jugend zu unterweisen, und ich halte mich lieber an das Wort des Herrn als an das Wort derer, die seine Gebote nicht befolgen. Es ist unsinnig zu glauben, dass unsere Kinder mit Evangeliumswissen aufwachsen, wenn wir sie nicht unterweisen. So mancher mag einwenden: „Also, ich gehöre der Kirche an und wir haben im Tempel geheiratet und wurden gemäß dem neuen und immerwährenden Bund am Altar von jemandem gesiegelt, der das Priestertum Gottes trägt, und unsere Kinder müssen daher zwangsläufig zu guten Heiligen der Letzten Tage heranwachsen – es geht gar nicht anders, das ist ihnen angeboren.“ … Ich sage Ihnen: Unsere Kinder wissen nicht, dass das Evangelium wahr ist, wenn sie sich nicht damit befassen und selbst ein Zeugnis erlangen. Wenn Eltern meinen, ihre Kinder kämen mit Evangeliumswissen auf die Welt, dann irren sie sich. Natürlich haben sie einen größeren Anspruch auf Gottes Segnungen, weil sie ja im neuen und immerwährenden Bund geboren sind, und es entspricht ihrer natürlichen Veranlagung, heranzuwachsen und ihre Pflichten zu erfüllen. Aber der Teufel merkt das und ist umso mehr bemüht, unsere Kinder von der Wahrheit wegzuführen.9

Möge der Herr den Eltern unserer Jugendlichen Einblick und Einsicht in die Gefahren und Versuchungen geben, denen ihre Kinder ausgesetzt sind. Mögen sie geführt werden, so dass sie ihre Kinder motivieren, anleiten und lehren können, so zu leben, wie der Herr es möchte. Darum bete ich.10

Wofür arbeiten wir? Besitz? Reichtümer? Wenn wir das Evangelium Jesu Christi angenommen haben, arbeiten wir für das ewige Leben. Wir arbeiten daran, unsere Seele zu erretten. Und wenn wir unsere Seele errettet haben, arbeiten wir an der Errettung unserer Kinder. … Das Beste, was Sie Ihren Kindern hinterlassen können, ist meiner Meinung nach das, was Sie ins Reich Gottes investiert haben.11

Die Führungs- und Lehrkräfte der Kirche helfen den Eltern, ihre Kinder zu unterweisen.

Die Lehrer unserer Kinder helfen uns Eltern, das Leben der Kinder zu formen. Sie tragen eine große Verantwortung und sind rechenschaftspflichtig für alles, was sie lehren.12

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Eindrücke, die man bei einem unschuldigen Kleinkind, einem kleinen Jungen oder Mädchen hinterlassen kann, sich nachhaltiger auf seine Zukunft auswirken als die Eindrücke, die sie zu einem späteren Zeitpunkt sammeln. Es ist sozusagen, als schriebe man auf ein Blatt Papier, auf dem noch nichts steht, was das Geschriebene undeutlich oder verworren machen könnte.

Viele haben im Lebenskampf Großes geleistet, selbst wenn sie in ihrer Jugend etwas getan haben, was in den Augen des himmlischen Vaters nicht angenehm war oder was für sie nicht gut war. Aber es ist weitaus besser, wenn wir unsere Kinder so in den Lebenskampf entlassen können, dass auf den Seiten ihres Lebensbuches nichts anderes verzeichnet ist als gute Taten und glaubensstärkende Gedanken. Ein Sprichwort lautet: „Wie man das Bäumchen biegt, so neigt sich der Baum.“ Sie, die Sie unsere Kinder unterweisen, Sie biegen das Bäumchen. …

Keine Zinsen aus Aktien oder Anleihen und auch sonst kein Reichtum der Welt lassen sich mit dem Wissen im Herzen vergleichen, dass man ein Werkzeug in der Hand Gottes gewesen ist und einen positiven Einfluss auf einen anderen ausgeübt hat. Ich kann den rechtschaffenen Lehrern unserer jungen Leute versichern, dass ihnen im Lauf der Jahre Zinsen der Dankbarkeit von jenen Kindern zukommen werden, die sie – als Werkzeug in der Hand Gottes – positiv beeinflusst haben. …

Vielleicht meinen wir, der Eindruck, den wir hinterlassen, sei nicht von Dauer, aber ich kann Ihnen versichern, dass er von Dauer ist. Ich bin davon überzeugt, dass ein kleines Kind das Zeugnis eines Lehrers oder einer Lehrerin, das mit der Inspiration des lebendigen Gottes gegeben wird, kaum vergessen kann. …

Jeder Lehrer und jede Lehrerin in der Kirche kann auf Herz und Seele der kleinen unschuldigen Kinder und der Jungen und Mädchen, die gerade in den Lebenskampf hinaustreten, mit der Inspiration des Geistes Gottes einen Eindruck hinterlassen. Ich bete mit aller Inbrunst meiner Seele, dass Gott Ihnen bei Ihrer Arbeit zur Seite stehen möge, und ich kann Ihnen versichern, dass er das auch tut. Das Wichtigste ist, dass Sie Ihre Arbeit lieben und sie mit der Inspiration des Geistes des lebendigen Gottes verrichten.13

Im Rahmen einer Konferenz der Sonntagsschulvereinigung … erlebte ich einmal eine wunderschöne Versammlung, an der etliche Leute sprachen. Jeder hatte vier Minuten Zeit und diese vier Minuten waren mit kostbaren Gedanken gefüllt. Sie alle betonten bei ihrem … Thema „Was die Sonntagsschule braucht“ nicht etwa mehr Ordnung oder mehr dieses oder jenes. Denn was wirklich gebraucht wird, ist: Dass im Herzen des Lehrers mehr vom Geist des Herrn wohnt, damit er diesen Geist den Kindern vermitteln kann.14

Die Kinder lernen vom Beispiel ihrer Eltern und Lehrer.

Können wir denn hoffen, dass unsere Kinder letztlich an die Grundsätze des Evangeliums glauben, wenn wir sie nicht durch unser Beispiel unterweisen? Meiner Ansicht nach können wir unsere Kinder nicht durch ein Lippenbekenntnis davon überzeugen, dass das Evangelium wahr ist. Wir müssen gemäß dem leben, was wir sagen.15

Den Eltern sage ich: Streben Sie nach dem Geist Gottes. Prägen Sie den Sinn Ihrer Kinder durch Ihr demütiges, sanftes und schlichtes Leben.16

Der Glaube ist eine Gottesgabe. Wenn wir nach Glauben streben, segnet uns der Herr auch damit. Dann erlangen wir diese Gabe und uns ist verheißen, dass wir die Lehre erkennen, wenn wir den Willen Gott Vaters tun [siehe Johannes 7:17]. Wenn wir als Eltern so leben, dass unsere Kinder im Herzen erkennen, dass wir in der Tat Heilige der Letzten Tage sind und tatsächlich wissen, wovon wir reden, dann werden auch sie ein Zeugnis empfangen, wenn sie nur den Herrn suchen.17

Ich habe natürlich niemals den Rat und die Weisung eines Vaters kennen gelernt, denn mein Vater ist gestorben, als ich noch ein Baby war. Aber man hat mir von seinem guten Ruf erzählt. Und wie man mir versichert, ist Jedediah M. Grant ein großer und edler Mann in der Kirche gewesen.

Ich weiß noch, wie ich mit etwa zwanzig Jahren, als ich gerade in der Geschäftswelt Fuß fasste, einmal Captain William H. Hooper bat, einige Anleihen für mich zu zeichnen.

Er sagte: „Das tue ich nicht, niemals.“

Ich kehrte in mein Büro zurück, da kam auch schon ein Botenjunge von der Bank und ließ mir sagen, der Captain wolle mich sehen.

Ich entgegnete: „Aber ich will ihn nicht sehen.“

„Er hat mich aber geschickt. Ich soll Sie holen.“

Ich kam also mit und der Captain sagte: „Junge, Junge, gib mir die Anleihen!“ Ich reichte sie ihm und er zeichnete sie. Dann erklärte er mir: „Als du weg warst, fragte ich Mr. Hills: ‚Lew, wer ist der junge Mann? Er grüßt mich schon seit Jahren auf der Straße, aber ich weiß nicht, wer er ist. Ich zeichne doch keine Anleihe für jemanden, den ich nicht kenne! Wer ist er?‘ Und Mr. Hills erwiderte: ‚Das ist doch Heber J. Grant, Jeddy Grants Sohn!‘ ‚Was, Jeddy Grants Sohn? Holen Sie ihn wieder her! Diese Anleihe würde ich selbst dann zeichnen, wenn ich wüsste, dass ich selbst dafür aufkommen müsste.‘ “

Ich erzähle das in der Hoffnung, dass die Eltern erkennen, dass ihr Beispiel der Lauterkeit, der Hingabe und der Treue zum Evangelium sowie die Neigung, nicht zu kritisieren, sondern eifrig und unaufhörlich am Aufstieg der Wahrheit mitzuarbeiten, das beste Vermächtnis ist, das sie ihren Kindern weitergeben können.18

[Captain Hooper] erzählte mir einiges über meinen Vater. Aus alledem ging hervor, wie sehr der Captain meinen Vater mochte und wie sehr er ihm vertraut hatte.

Das alles erfüllte mich mit Dankbarkeit Gott gegenüber, der mir solch einen Vater gegeben hatte. Ich vergaß die Worte des Captains nie, denn sie weckten in mir den starken Wunsch, so zu leben und mich so zu bemühen, dass die Kunde davon meinen Kindern auch dann noch von Nutzen sein würde, wenn ich das Erdenleben schon längst verlassen habe.19

Statt allen Reichtum der Welt zu besitzen, würde ich lieber in Armut sterben, dafür aber in dem Bewusstsein, dass meine Familie bezeugen kann, dass ich nach den besten Kräften, die mir Gott verliehen hat, seine Gesetze gehalten und seine Gebote befolgt und durch mein Beispiel das Evangelium verkündigt habe.20

Anregungen für Studium und Diskussion

  • Was können wir tun, um auf Kinder und Jugendliche einen rechtschaffenen Einfluss auszuüben?

  • Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu lehren, die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums zu befolgen? Was können Eltern tun, um auf ihre Kinder den Segen des himmlischen Vaters herabzurufen?

  • Weshalb kommt es vor, dass manche Kinder vom Weg abweichen, obwohl ihre Eltern bemüht sind, sie im Evangelium zu unterweisen? Was können die Eltern und andere tun, um einem Kind zu helfen, das vom rechten Weg abgeirrt ist?

  • Präsident Grant sagt den Eltern: „Das Beste, was Sie Ihren Kindern hinterlassen können, ist das, was Sie ins Reich Gottes investiert haben.“ Was bedeutet das für Sie?

  • Was können wir tun, damit die Kinder den Einfluss des Geistes erkennen lernen?

  • Inwiefern sind Sie bereits gesegnet worden, als Sie die Kinder und Jugendlichen der Kirche unterrichtet haben?

  • Warum müssen die Eltern begreifen, dass die Führungs- und Lehrkräfte der Kirche lediglich dazu berufen sind, ihnen bei der Unterweisung ihrer Kinder zur Seite zu stehen?

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Anmerkungen

  1. Gospel Standards, Hg. G. Homer Durham, 1941, Seite 151.

  2. Gospel Standards, Seite 360.

  3. „To Those Who Teach Our Children“, Improvement Era, März 1939, Seite 135.

  4. Glimpses of a Mormon Family, 1968, Seite 301.

  5. Generalkonferenz, Oktober 1909.

  6. Generalkonferenz, Oktober 1909.

  7. Brian H. Stuy, Hg., Collected Discourses Delivered by President Wilford Woodruff, His Two Counselors, the Twelve Apostles, and Others, 5 Bände, 1987–1992, 4:34f.

  8. Botschaft von der Ersten Präsidentschaft, Generalkonferenz, Oktober 1942; vorgelesen von Präsident J. Reuben Clark jun.

  9. Gospel Standards, Seite 155f.

  10. Generalkonferenz, April 1943.

  11. Gospel Standards, Seite 182.

  12. Improvement Era, März 1939, Seite 135.

  13. Improvement Era, März 1939, Seite 135.

  14. Gospel Standards, Seite 73.

  15. Collected Discourses, 1:336.

  16. Collected Discourses, 5:72.

  17. Gospel Standards, Seite 154.

  18. Generalkonferenz, Oktober 1934.

  19. Gospel Standards, Seite 340.

  20. Gospel Standards, Seite 58.