Das Leben und das geistliche Wirken von Heber J. Grant

Lehren der Präsidenten der Kirche: Heber J. Grant


Auf der Oktober-Generalkonferenz 1899 der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sagte Elder Heber J. Grant, der damals dem Kollegium der Zwölf Apostel angehörte: „Wenn Gott gebietet und der Mensch gehorcht, ist kein Hindernis unüberwindbar.“1 Dieses schlichte Wort prägte das Leben und das geistliche Wirken von Heber J. Grant. Er blieb von Ungemach nicht verschont, stellte sich jedoch gläubig, gehorsam, eifrig und entschlossen jedem Hindernis.

Eine Zeit der Veränderung und des Wachstums

Präsident Heber J. Grant lebte in einer Zeit außerordentlicher Veränderungen. Als er 1856 zur Welt kam, war das Fortbewegungsmittel seiner Zeit der Ochsenwagen oder die Pferdekutsche. So manche Reise dauerte Monate. Bei seinem Tod im Jahr 1945 gab es Autos und Flugzeuge, und innerhalb von Stunden konnten große Strecken zurückgelegt werden. Die Pferdepost seiner Jugendzeit war anderen Kommunikationsmitteln gewichen – dem Telefon, dem Radio und der Luftpost.

Heber J. Grant kam 26 Jahre nach der Gründung der Kirche und 9 Jahre nach der Ankunft der Pioniere im Salzseetal zur Welt. Er erlebte eine Zeit großen Aufschwungs im Gottesreich auf Erden mit. Er stand den Präsidenten der Kirche sein Leben lang sehr nahe und trug auch dazu bei, seine Amtsnachfolger auf ihre Berufung vorzubereiten. Als junger Mann war er oft im Haus von Präsident Brigham Young zu Gast. Heber J. Grant diente als Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel unter den Präsidenten John Taylor, Wilford Woodruff, Lorenzo Snow und Joseph F. Smith. Mit ihm dienten im Kollegium der Zwölf Apostel drei andere, die später ebenfalls Präsident der Kirche wurden, nämlich George Albert Smith, David O. McKay und Joseph Fielding Smith. Während seiner Amtszeit als Präsident der Kirche ordinierte Heber J. Grant auch Harold B. Lee, Spencer W. Kimball und Ezra Taft Benson zum Apostel. Und 1935 stellten Heber J. Grant und seine Ratgeber einen jungen zurückgekehrten Missionar namens Gordon B. Hinckley als Führungssekretär im Komitee für Rundfunk, Öffentlichkeitsarbeit und Missionsliteratur der Kirche ein.

Eine innige Beziehung zwischen Mutter und Kind

Heber Jeddy Grant kam am 22. November 1856 in Salt Lake City zur Welt. Er war das einzige Kind von Rachel Ridgeway Ivins Grant und Jedediah Morgan Grant, dem Zweiten Ratgeber von Präsident Brigham Young. Neun Tage nach Hebers Geburt starb sein Vater an Typhus und Lungenentzündung.

Heber und seine Mutter mussten sich während seiner Kindheit finanziell mehr schlecht als recht durchschlagen. Es gab „stürmische Nächte ohne Feuer im Ofen, Monate ohne ein einziges Paar Schuhe, stets nur eine einzige Garnitur selbst gemachter Kleidung und außer einem ausreichenden Brotvorrat immer nur gerade so viel Geld, dass pro Jahr einige wenige Pfund Butter und Zucker angeschafft werden konnten“.2

Rachel wollte sich und ihren kleinen Sohn selbst erhalten können. Sie nähte und nahm Untermieter auf. Ihre Brüder boten ihr – unter der Bedingung, dass sie die Kirche verließ – ein bequemes Leben an. Doch sie blieb dem Glauben treu. Das Engagement und die Opferbereitschaft seiner Mutter machten auf Heber einen bleibenden Eindruck. Später schrieb er:

„Die Brüder meiner Mutter waren finanziell gut gestellt. Sie boten meiner Mutter eine lebenslange Jahresrente, sofern sie ihrem Glauben entsagte. Einer ihrer Brüder sagte zu ihr: ‚Rachel, du hast den Namen Ivins entehrt. Falls du weiterhin bei diesen schrecklichen Mormonen bleibst (das war, als sie sich auf die Reise nach Utah begab), wollen wir dich nie wiedersehen. Aber wenn du jemals zurückkehrst, nach einem Jahr oder nach fünf, nach zehn oder zwanzig Jahren – ganz gleich, wann du zurückkommst –, wird dir die Tür immer offen stehen und Wohlstand und ein bequemes Leben erwarten dich.‘

Als sie später tatsächlich in Armut lebte, hätte sie nur in den Osten zurückzukehren brauchen und ihre Brüder hätten gut für sie gesorgt. Aber sie wusste mit Bestimmtheit, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war und dass das Evangelium wahr ist. Statt also zu ihren wohlhabenden Verwandten im Osten der Vereinigten Staaten zurückzukehren, wo sie alles Nötige gehabt hätte, ohne dass sie oder ihr Kind sich hätten anzustrengen brauchen, blieb sie lieber unter den Menschen, denen sie sich mehr verbunden fühlte als den Verwandten, die nicht ihrem Glauben angehörten.“3

Rachel Grant und ihr Sohn waren in materieller Hinsicht zwar arm, sie waren andererseits aber auch reich, denn sie waren einander in großer Liebe zugetan und engagierten sich im wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi. Präsident Grant sagte: „Natürlich verdanke ich alles meiner Mutter, denn mein Vater war ja gestorben, als ich neun Tage alt war. Die wunderbare Unterweisung, der Glaube und die Lauterkeit meiner Mutter haben mich immer inspiriert.“4

Seine Mutter bewegte ihn dazu, eine Eigenschaft zu entwickeln, für die er in der gesamten Kirche bekannt werden sollte, nämlich Beharrlichkeit. Fleiß und Arbeitswille halfen ihm, Schwächen zu überwinden. Die anderen Jungen machten sich über ihn lustig, weil er sich beim Baseballspiel so ungeschickt anstellte. Daraufhin verdiente er Geld für einen Baseball und warf diesen dann stundenlang gegen eine Scheunenwand. Weil er so beharrlich übte, konnte er später in einer Baseballmannschaft spielen, die an der Meisterschaft teilnahm. Einige Schulkameraden hänselten ihn wegen seiner unschönen Handschrift. Später sagte er: „Sie wollten meine Gefühle nicht verletzen, es war eher lustig gemeint, doch ihre Bemerkungen trafen mich tief und weckten meinen Kampfgeist. Ich nahm mir vor, dereinst sogar besser zu sein als die Studenten und an der Universität Schreibkunst und Buchhaltung zu unterrichten. … Ich begann, mich in meiner Freizeit in Schönschrift zu üben, und ich übte jahrelang, bis man mich ‚den besten Schreiberling der Welt‘ nannte.“ Schließlich gewann Heber J. Grant bei einer Messe des Territoriums Utah den ersten Preis für Schreibkunst und wurde an der University of Deseret (der heutigen University of Utah) Professor für Schreibkunst und Buchhaltung.5

„Eine führende Persönlichkeit im Bank- und Geschäftswesen“

Heber J. Grant trat schon in jungen Jahren in das Geschäftsleben ein, denn er wollte seine Mutter finanziell unterstützen. Mit 15 fand er in einem Versicherungsbüro eine Anstellung als Buchhalter und Policenschreiber. Er arbeitete auch in einer Bank und verdiente nach Geschäftsschluss zusätzlich Geld, indem er Karten und Einladungen schrieb und Landkarten zeichnete.

Er hielt immer Ausschau nach Weiterbildungsmöglichkeiten, denn er „wollte unbedingt eine Universitätsausbildung absolvieren und an einer namhaften Bildungseinrichtung seinen Studienabschluss machen“. Seiner Meinung nach „bestand wenig Hoffnung, da ich doch keinerlei Mittel besaß und mich um meine verwitwete Mutter kümmern musste“, doch dann bot man ihm an, an der Marineakademie der Vereinigten Staaten zu studieren. Er berichtet:

„Zum ersten Mal konnte ich nicht gut schlafen. Ich lag fast die ganze Nacht wach und freute mich, dass der lang gehegte Traum meines Lebens in Erfüllung gehen sollte. Erst kurz vor Tagesanbruch nickte ich ein und meine Mutter musste mich wecken.

Ich sagte zu ihr: ‚Mutter, ist es nicht herrlich, dass ich jetzt eine so gute Ausbildung machen kann, wie sie einem jungen Mann in Utah nur irgend möglich ist? Ich habe kaum geschlafen; fast bis zum Morgengrauen bin ich wach gelegen!‘

Dann sah ich ihr Gesicht. Sie hatte geweint.

Ich habe gehört, dass ein Ertrinkender sein ganzes Leben in wenigen Sekunden an sich vorbeiziehen sieht. Ich sah mich als Admiral. Ich sah mich alle Weltmeere befahren – weit weg von meiner verwitweten Mutter. Da lachte ich auf und umarmte und küsste sie und sagte zu ihr:

‚Mutter, ich will diese Marineausbildung nicht. Ich werde Geschäftsmann und suche mir gleich eine Stelle, damit ich für dich sorgen kann und du nicht weiter Untermieter aufnehmen musst.‘

Da weinte sie wieder und sagte, sie habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, sondern darum gebetet, dass ich meinen Traum aufgebe und sie nicht verlasse.“6

Heber J. Grant trat also ins Geschäftsleben ein und war schon in jungen Jahren insbesondere im Bank- und Versicherungswesen erfolgreich. Er machte sich einen Namen als ehrlicher, fleißiger Geschäftsmann. Heber M. Wells, der erste Gouverneur des Bundesstaates Utah, sagte über Heber J. Grant: „Er geht in den Büros von Managern und Direktoren der größten Banken und Betriebe Amerikas ein und aus und wird dort auf das Wärmste von Männern begrüßt, die stolz darauf sind, ihn – eine führende Persönlichkeit im Bank- und Geschäftswesen – zum Freund zu haben.“7 In einer Finanzzeitschrift aus dem Jahre 1921 wird Präsident Grant folgendermaßen gewürdigt: „Mr. Grant besitzt die Eigenschaften einer wahren Führungskraft – Zielbewusstsein, einen edlen und zugleich sanften Charakter, Engagement in allem, was er unternimmt, und unermüdlichen Fleiß. Er ist im westlichen Drittel der Vereinigten Staaten unter Geschäftsleuten verschiedenster Glaubensrichtungen bekannt und geachtet.“8

Heber J. Grant war aber nicht bei all seinen geschäftlichen Unternehmungen erfolgreich. 1893 wurde beispielsweise ein großer Teil der Vereinigten Staaten von einer Wirtschaftskrise heimgesucht und hunderte Banken, Eisenbahngesellschaften, Bergbaubetriebe und weitere Unternehmen gingen in Konkurs. Diese Krise, die so genannte „Panik von 1893“, traf Elder Grant, der damals dem Kollegium der Zwölf Apostel angehörte, völlig unvorbereitet. Er stand danach mit einem Schuldenberg da, den er erst im Lauf mehrerer Jahre abtragen konnte. Während dieser schweren Zeit trug jeder aus der Familie Grant dazu bei, dass die Familie ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen konnte. „Sobald wir alt genug waren“, erzählt eine Tochter, „gingen wir einer Arbeit nach, … und schon als junge Menschen genossen wir das Gefühl, dass wir unseren Vater unterstützten, indem wir für unsere Bedürfnisse selbst aufkamen.“9

Schließlich gelang Präsident Heber J. Grant jedoch der finanzielle Durchbruch und er setzte von nun an seine Mittel ein, um Einzelpersonen, Familien, die Kirche und das Gemeinwesen zu unterstützen. Er sagte: „Ich habe zwar hart gearbeitet, um Geld zu verdienen, doch Sie und alle meine Freunde, die die innersten Regungen meines Herzens kennen, wissen, dass Geld nie mein Gott gewesen ist und dass mein Herz nicht daran hängt. Mir liegt lediglich daran, mit dem, was mir gehört, Gutes zu tun. Und ich wünsche mir, dass ich nie anders empfinde.“10

Präsident Grant machte es große Freude, Bücher zu verschenken. Er verschenkte tausende Bücher, die meisten mit einer persönlichen Widmung versehen. Er sagte, er kaufe diese Bücher mit seinem „Zigarrengeld“. Damit meinte er, dass er für seine Gewohnheit des Schenkens in etwa so viel ausgab wie ein Raucher für Zigarren.11 Da Heber J. Grant so viele Bücher verschenkte, vergaß er manchmal, was er wem bereits geschenkt hatte. „Einmal gab ich einem Mann ein Buch“, erzählte er, „und er bedankte sich sehr freundlich und sagte: ‚Bruder Grant, ich schätze dieses Buch. Es ist bereits das dritte Exemplar, das Sie mir schenken.‘ “ Danach schrieb sich Präsident Grant immer auf, wem er welches Buch geschenkt hatte.12

Von Präsident Grant hieß es, „er gibt, weil er gerne gibt – es kommt wohl einfach aus seinem großzügigen Herzen“.13 Seine Tochter Lucy Grant Cannon nannte ihn „den freigebigsten Mann auf Erden“. Sie erzählte, dass ihm insbesondere die Witwen und die Waisen stets ein Anliegen gewesen waren, dass er „ihre Hypotheken beglich, ihren Kindern eine Arbeitsstelle vermittelte und dafür sorgte, dass sie im Krankheitsfall die notwendige ärztliche Betreuung erhielten“. Selbst „während der mageren Zeiten nach der Panik von 1893“, so berichtet seine Tochter, „als es weitaus schwieriger war, fünf Cent zu geben statt wie früher fünf oder zehn Dollar, half mein Vater denen, die in Not waren.“14

„Ein Mann mit außergewöhnlichem Familiensinn“

Präsident Grants Tochter Frances Grant Bennett sagt: „Die Charakterstärke [meines Vaters] ist allseits bekannt, aber die wenigsten wissen, was für einen Familiensinn er gehabt hat.“15 Seine Aufgaben in der Kirche führten ihn zwar häufig von der Familie weg, aber er blieb seinen Lieben doch nahe, indem er ihnen von unterwegs Tausende Briefe und Notizen schrieb. Sein Enkel Truman G. Madsen berichtet: „Er war häufig auf Reisen und überbrückte die Entfernung mit Briefen. … In der Eisenbahn, im Warteraum, im Hotel und zwischen den Versammlungen auf dem Podium – überall schrieb er Botschaften, teilte der Familie seine Erlebnisse und Eindrücke mit und ging auf ihre Briefe ein.“16

Seine Tochter Lucy beschreibt die schönen Zeiten, die sie und ihre Geschwister hatten, wenn er von seinem geistlichen Dienst unter den Mitgliedern wieder nach Hause kam:

„Es war jedes Mal ein Freudenfest, wenn er heimkehrte! Wir scharten uns um ihn und hörten ihm zu. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er durchs Haus ging, auf jedem Fuß ein Kind. Oder wie er die Kinder auf seinen Knien schaukelte. …

Und dann die Erinnerung daran, wie er mit unserem Pferd namens John mit uns Ausfahrten unternahm. Auch wenn es in dem Zweisitzer kaum genug Platz gab, mussten wir doch alle mit! Dann nahm uns Vater auf seine Lieblingsroute entlang der West Temple [Street] und zum Liberty Park mit. Auf der West Temple Street standen rechts und links Pappeln. Im Frühling, wenn der Saft in den Bäumen stieg, hielt Vater dort an und schnitt einen frischen Zweig ab und schnitzte uns Pfeifen. Wir schauten interessiert zu, wie er ein Stück Rinde ablöste und das Holz einkerbte. Die Rinde kam wieder darüber und fertig war die Pfeife! Und auf dem gemächlichen Heimweg pfiffen wir dann alle vor uns hin. Jede Pfeife schien ein klein wenig anders gestimmt.“17

Präsident Grant schaffte es, für Disziplin in der Familie zu sorgen, ohne dass er seine Kinder körperlich züchtigte. Seine Tochter Lucy sagte: „Meiner Meinung nach hat mein Vater das Zitat ‚Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn‘ nie wirklich als Gebot betrachtet. … Es hat uns wohl mehr weh getan, wenn wir merkten, dass wir unsere Eltern enttäuscht hatten, als wenn wir die Rute verspürt hätten.“18

Präsident Grant forderte die Eltern auf, „so zu leben, dass ihr Beispiel etwas Inspirierendes für ihre Kinder ist“.19 Er selbst lebte dementsprechend. Seine Tochter Frances berichtet, wie er ihr einmal ein Beispiel gegeben hat:

„Ein Vorfall machte auf mich einen solch bleibenden Eindruck, dass ich ihn nie vergessen konnte. Einmal gebrauchte ich ein Wort, das mein Vater nicht gestatten konnte, und er sagte, er müsse mir solche Wörter aus dem Mund waschen. So wusch er mir den Mund ausgiebig mit Seife und sagte dann: ‚Jetzt ist dein Mund sauber. Ich möchte nicht, dass du ihn dir jemals wieder durch solch einen Ausdruck schmutzig machst.‘

Einige Tage später erzählte mein Vater beim Frühstück eine Geschichte und gab darin auch ein Schimpfwort wider, das jemand anders benutzt hatte. Rasch hakte ich nach.

‚Papa‘, sagte ich, ‚wegen so etwas hast du mir doch damals den Mund ausgewaschen.‘

‚Richtig‘, sagte er. ‚Das gilt für mich genauso wie für dich. Möchtest du mir wohl jetzt den Mund auswaschen?‘

Und ob ich das wollte! Ich holte die Seife und wusch ihm ordentlich den Mund aus.

Mein Vater hätte damals kneifen können. Er hätte sagen können, dass er ja nicht wirklich fluche, und so war es natürlich auch. Aber das war nicht seine Art. Ein kleines Kind kann zwischen einer bloßen Erzählung und einem Fluch nicht unterscheiden, das war ihm klar. Von da an wusste ich, dass mein Vater stets in jeder Weise gerecht mit mir umgehen würde, und tatsächlich war es auch nie anders. Nach diesem Vorfall hörte ich ihn dergleichen nicht einmal mehr zitieren. Er erzählte gern lustige Geschichten und sagte dann immer: ‚John hat mit Nachdruck das und das gesagt‘, aber er sprach das betreffende Wort nicht aus. Er glaubte daran, dass man durch sein Vorbild lehrt, und er erwartete von uns nie etwas, was er selbst nicht zu tun bereit war.“20

Lucy erinnert sich noch an die zärtliche Liebe ihres Vaters zu ihrer Mutter, die im Alter von 34 Jahren starb. „Während der jahrelangen Krankheit meiner Mutter war seine unermüdliche Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme ihr gegenüber so auffallend, dass nicht nur Angehörige und gute Freunde dies kommentierten, sondern auch Fremde, die seine liebevolle Hinwendung bemerkten. Sechs Monate verbrachte ich mit meiner Mutter in einem Krankenhaus in Kalifornien, wo sie behandelt wurde, und er kam so oft wie möglich zu uns. Er schickte häufig Blumen, Obst, Naschereien, neue Kleider. Was immer man schicken konnte, schickte er ihr. Fast täglich kam ein Brief von ihm und wenn sich ein Brief einmal verspätete, fiel das sogar den Krankenschwestern auf. Ich weiß noch, dass die Oberin (es war ein katholisches Krankenhaus) zu meiner Mutter sagte, sie habe in all den Jahren als Krankenschwester noch nie einen Mann erlebt, der zu seiner Frau so rücksichtsvoll war wie er.“ 21

Lucy berichtet auch, dass sich ihr Vater stets um seine eigene Mutter gekümmert hat. „Nie habe ich einen rücksichtsvolleren, liebevolleren Sohn gesehen. Sein Eifer, sie im Alter glücklich zu sehen, seine Bereitschaft, alles mit ihr zu teilen und gut für sie zu sorgen, war für ihn fast schon eine Leidenschaft. Wenn wir zum Familiengebet niederknieten und er an der Reihe war zu beten, kniete er jedes Mal neben Großmutter hin, damit sie, die schon ziemlich taub war, ihn hören konnte. Ihn konnte sie verstehen, auch wenn sie andere nicht mehr hören konnte. … Meine Großmutter verbrachte die letzten sieben Jahre ihres Lebens bei mir und ich kann mich nicht entsinnen, dass es je einen Tag gegeben hätte, da mein Vater zu Hause war und nicht vorbeigekommen wäre oder sie nicht angerufen oder sich sonst wie nach ihr erkundigt hätte. Er war stets stolz auf sie: auf ihre Anmut, ihre tiefe Geistigkeit, ihr hübsches, strahlendes Antlitz – ein Gesicht, das ihre Zufriedenheit und den inneren Frieden ausstrahlte, den sie empfand.“22

Ein Leben des engagierten Dienens in der Kirche

Als Pfahlpräsident

Heber J. Grant war noch keine 24 Jahre alt, da wurde er berufen, von seinem Zuhause in Salt Lake City fortzuziehen und sich in Tooele in Utah niederzulassen, wo er als Pfahlpräsident dienen sollte. Über diese Zeit sagte Heber J. Grant später: „Ich hatte keinerlei Erfahrung und war mir meiner Unzulänglichkeit sehr wohl bewusst.“23 Doch er widmete sich seiner neuen Aufgabe ganz. Er sagte später: „Nie kam mir der Gedanke, dass ich je etwas anderes tun würde, als mein Leben lang in Tooele zu bleiben. Etwas Anderes kam mir gar nicht in den Sinn.“24

Die Mitglieder des Pfahls Tooele waren überrascht, als ihnen am 30. Oktober 1880 der 23-jährige Heber J. Grant, den sie überhaupt nicht kannten, als neuer Pfahlpräsident vorgestellt wurde. Er selbst stellte sich mit einer kurzen Ansprache vor, die zwar kürzer war, als er vorgehabt hatte, doch sie vermittelte den Menschen bereits ein Bild von jenem Mann, der ihnen als ihr Priestertumsführer dienen sollte. Jahre später fasste Heber J. Grant die Hauptaussage seiner damaligen Ansprache folgendermaßen zusammen:

„In einer Ansprache von siebeneinhalb Minuten brachte ich zum Ausdruck, dass ich von keinem Menschen in Tooele erwarte, dass er beim Zehntenzahlen ehrlicher sei als ich, dass ich von keinem erwarte, dass er im Verhältnis zu seinem Besitz mehr gebe als ich, dass ich von keinem erwarte, dass er das Wort der Weisheit besser halte als ich, und dass ich mein Bestes zum Wohl der Mitglieder im dortigen Zionspfahl geben würde.“ 25

Zwei Jahre lang diente Präsident Grant treu als Pfahlpräsident. Danach wurde er zum heiligen Apostelamt berufen.

Als Apostel

Elder Heber J. Grant wurde am 16. Oktober 1882 von Präsident George Q. Cannon, dem Ersten Ratgeber von Präsident John Taylor, zum Apostel ordiniert. Elder Grant gehörte 36 Jahre lang dem Kollegium der Zwölf Apostel an und leistete als Führungs- und als Lehrkraft sowie als Geschäftsmann und Missionar seinen Beitrag zur Kirche. Er gehörte der Präsidentschaft der Organisation der Jungen Männer der Kirche an und war maßgebend an der Gründung der kircheneigenen Zeitschrift Improvement Era beteiligt. Er war auch Geschäftsführer der Improvement Era.

Elder Grant brachte während seiner Zeit als Apostel fünf Jahre im Vollzeitmissionsdienst zu. Aufgrund einer Berufung durch die Erste Präsidentschaft gründete er die erste Mission in Japan und präsidierte darüber. Später präsidierte er über die Britische und die Europäische Mission. Zwei Themen kamen in der Unterweisung seiner Missionare immer wieder zum Ausdruck: Er ermahnte sie, die Missionsregeln zu befolgen und die Gebote zu halten, und er forderte sie auf, fleißig zu arbeiten. Er selbst gab in der Britischen Mission das Tempo vor – er arbeitete mehr Stunden pro Tag als je zuvor. Die Leistung der dortigen Missionare schnellte in die Höhe, obwohl die Anzahl der Missionare von Jahr zu Jahr leicht rückläufig war.26

Als Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Präsident Joseph F. Smith verstarb am 19. November 1918. Er wusste, dass Heber J. Grant sein Nachfolger als Präsident der Kirche war. Präsident Smiths letzte Worte an Präsident Grant lauteten: „Der Herr segne dich, mein Junge; der Herr segne dich. Du trägst eine große Verantwortung. Denk immer daran, dies ist das Werk des Herrn, nicht das der Menschen. Der Herr ist größer als irgendein Mensch. Er weiß, wen er an der Spitze seiner Kirche haben will, und er macht nie einen Fehler. Der Herr segne dich.“27

Die Erste Präsidentschaft war aufgelöst und die Führung der Kirche ruhte nun auf dem Kollegium der Zwölf Apostel. Heber J. Grant war der Präsident dieses Kollegiums. Am 23. November 1918 wurde er als Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage eingesetzt. Er behielt die Ratgeber, die mit Präsident Smith gedient hatten, nämlich Anthon H. Lund als Ersten Ratgeber und Charles W. Penrose als Zweiten Ratgeber.

Präsident Grants erste Generalkonferenz als Präsident der Kirche fand im Juni 1919 statt. Sie war infolge einer weltweiten Grippeepidemie mit Auswirkungen auch auf das Salzseetal um zwei Monate verschoben worden. Ein Teil seiner ersten Konferenzansprache als Präsident der Kirche ähnelt seiner ersten Ansprache als Pfahlpräsident in Tooele:

„Heute Morgen hier vor Ihnen zu stehen und das Amt einzunehmen, in dem Sie mich soeben bestätigt haben, erfüllt mich mit tiefer Demut, die sich mit Worten gar nicht beschreiben lässt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich vor den Mitgliedern in Tooele stand, nachdem ich dort als junger Mann im Alter von 23 Jahren als Pfahlpräsident bestätigt worden war. Dort habe ich versprochen, das Beste zu geben, wozu ich fähig bin. Heute stehe ich voll Demut vor Ihnen. Es ist mir bewusst, wie schwach ich bin, wie wenig ich weiß und wie sehr es mir an Weisheit mangelt, wie wenig ich in der Lage bin, das erhabene Amt auszuüben, in dem Sie mich heute bestätigt haben. Aber wie damals als junger Mann in Tooele sage ich auch heute: Mit der Hilfe des Herrn werde ich mein Bestes geben, um alle Aufgaben, die mir als Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage obliegen, nach besten Kräften zu erfüllen.

Ich erwarte von keinem Menschen, dass er zum Aufbau des Gottesreiches im Verhältnis zu seinem Besitz von seinen Mitteln großzügiger gibt als ich von den meinen. Ich erwarte von keinem Menschen, dass er sich genauer an das Wort der Weisheit hält als ich. Ich erwarte von keinem Menschen, dass er den Zehnten und die Opfergaben gewissenhafter und pünktlicher zahlt als ich. Ich verlange von keinem Menschen, dass er bereit und willens ist, früher zu kommen und länger zu bleiben und mit mehr Körperkraft und Verstandeskraft zu arbeiten, als ich es stets in aller Demut tun werde. Ich erhoffe und erflehe den Segen des Herrn und räume unumwunden und aufrichtig ein, dass es mir ohne den Segen des Herrn nicht möglich sein wird, der hohen Berufung, zu der ich berufen worden bin, gerecht zu werden. Aber wie Nephi vor alters weiß auch ich, dass der Herr von den Menschenkindern nichts verlangt, ohne dass er ihnen einen Weg bereitet, wie sie das vollbringen können, was er geboten hat [siehe 1 Nephi 3:7]. Und da ich dies im Herzen weiß, übernehme ich die große Verantwortung ohne Angst vor den Folgen und im Wissen, dass Gott mich stützen wird, wie er alle meine Vorgänger in diesem Amt gestützt hat, vorausgesetzt, dass ich stets demütig und eifrig arbeite und immer nach Führung durch den Heiligen Geist strebe. Darum werde ich mich bemühen.“28

Präsident Grant diente fast 27 Jahre als Präsident der Kirche – länger als sonst ein Präsident der Kirche mit Ausnahme von Brigham Young. Während seiner Amtszeit litten die Mitglieder der Kirche ebenso wie Millionen anderer Menschen in aller Welt unter den Folgen des Ersten Weltkriegs, den verheerenden finanziellen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und den Prüfungen und den Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Es war eine Zeit voll widriger Umstände und doch zugleich auch eine Zeit großer Freude. Die Mitglieder feierten sowohl den 100. Jahrestag der ersten Vision als auch den der Gründung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie freuten sich über die Weihung der Tempel in Laie auf Hawaii, Cardston in Alberta und Mesa in Arizona. Und ab Oktober 1924 konnten diejenigen, die bei der Generalkonferenz keinen Platz im Salt-Lake-Tabernakel oder in den umliegenden Gebäuden fanden, die Worte der neuzeitlichen Propheten auch über Rundfunk hören.

Pres. Grant sends the first radio message to church

Präsident Heber J. Grant, rechts außen, am. 6. Mai 1922 bei seiner ersten Rundfunkbotschaft an die Welt.

Präsident Grant hob in seinen Ansprachen an die Mitglieder immer wieder hervor, wie wichtig es ist, die Gebote zu halten. Er sagte: „Als Knecht des lebendigen Gottes verheiße ich Ihnen: Einem jeden, Mann oder Frau, der Gottes Gebote hält, wird es wohl ergehen. Jede Verheißung, die Gott ausgesprochen hat, wird für sie in Erfüllung gehen, sie werden an Weisheit, Licht, Erkenntnis und Intelligenz zunehmen und ihr Zeugnis vom Herrn Jesus Christus wird wachsen.“29 Wenn Präsident Grant darüber sprach, wie wichtig es ist, die Gebote zu halten, erwähnte er häufig das Wort der Weisheit und das Gesetz des Zehnten. In einer Konferenzansprache sagte er:

„Der Teufel will uns die Augen mit den Belangen der Welt blenden und gern möchte er uns das ewige Leben nehmen, die größte von allen Gaben Gottes. Aber es ist dem Teufel nicht gegeben, und nie wird ihm die Macht gegeben werden, ein Mitglied der Kirche zu überwältigen, das die Gebote Gottes hält. Dem Widersacher der Menschen ist keine Macht gegeben, uns zu vernichten, solange wir unsere Pflicht erfüllen. Wenn wir Gott gegenüber nicht völlig ehrlich sind, dann öffnen wir die Schranken, dann zerstören wir einen Teil jener Befestigungsanlage, die uns schützt, und dann kann der Teufel herein. Aber keiner, der die Wahrheit kennt, der seinen Obliegenheiten nachkommt, das Wort der Weisheit hält, den Zehnten zahlt und die Aufgaben und Pflichten seiner Berufung und seines Amtes in der Kirche erfüllt, verliert je sein Zeugnis vom Evangelium oder wendet sich nach rechts oder links ab.

Manche erkundigen sich ständig danach, was der Herr wohl von ihnen möchte, und sie scheinen in dieser Hinsicht sehr unsicher zu sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Herr von Ihnen, von mir oder von sonst jemandem in der Kirche nur das eine verlangt: dass wir all unsere Pflichten erfüllen und Gottes Gebote halten.“30

Als während der Weltwirtschaftskrise in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts viele Menschen in aller Welt von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht waren, sorgten sich Präsident Grant und seine Ratgeber, Präsident J. Reuben Clark jun. und Präsident David O. McKay, um das Wohlergehen der Mitglieder. Am 20. April 1935 baten sie einen jungen Pfahlpräsidenten namens Harold B. Lee zu sich, dessen Pfahl es gut gelungen war, sich der Armen und Bedürftigen anzunehmen. Präsident Lee berichtet über dieses Treffen:

„Präsident Grant … sagte, für die Kirche gebe es nichts Wichtigeres, als sich der bedürftigen Mitglieder anzunehmen, und seiner Meinung nach müsse alles andere hintangestellt werden, [damit] den Mitgliedern die richtige Hilfe zuteil werden [könne]. Ich war äußerst überrascht, als ich hörte, dass sie durch Nachsinnen und Planen und durch die Inspiration des Allmächtigen schon seit Jahren einen Plan hatten und nur darauf warteten, dass der Glaube der Mitglieder ihres Erachtens groß genug war, sodass sie willens waren, den Rat der Männer anzunehmen, die die Kirche führen und über sie präsidieren.“31

Nachdem sich die Erste Präsidentschaft mit Präsident Lee und einigen Generalautoritäten sowie Geschäftsleuten und anderen beraten hatte, rief sie im April 1936 den Sicherheitsplan der Kirche, das heutige Wohlfahrtsprogramm, ins Leben. Präsident Grant legte Sinn und Zweck dieses Programms bei der Generalkonferenz im Oktober 1936 wie folgt dar: „Es war unser vornehmstes Ziel, so weit wie möglich ein System zu schaffen, das den Fluch des Müßiggangs und die Nachteile von staatlichen Almosen beseitigt und bei unseren Leuten wieder Unabhängigkeit, Fleiß, Sparsamkeit und Selbstachtung entstehen lässt. Das Ziel der Kirche besteht darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Arbeit muss für unsere Mitglieder wieder zum beherrschenden Grundsatz werden.“32

Präsident J. Reuben Clark jun. hat bezeugt: „Der Wohlfahrtsplan beruht auf Offenbarung. … Dass dieses Programm jetzt aufgestellt worden ist, geschieht als Folge von Offenbarung, die Präsident Grant durch den Heiligen Geist empfangen hat.“33 Elder Albert E. Bowen, den Präsident Grant zum Apostel ordiniert hatte, erklärte die Idee hinter diesem Programm wie folgt: „Auf lange Sicht wollen wir mit dem Wohlfahrtsprogramm erreichen, dass die Mitglieder der Kirche – und zwar sowohl der, der gibt, als auch der, der empfängt – in ihrer Persönlichkeit gefestigt werden: Alles, was an Gutem in ihnen steckt, soll bewahrt bleiben, und was an innerer Größe in ihnen schlummert, soll zur Blüte gebracht werden und Frucht tragen.“34

Im Februar 1940 erlitt Präsident Grant einen Schlaganfall, der sein Sprechvermögen beeinträchtigte. Eine Zeit lang war er linksseitig gelähmt. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, weiterhin im Werk des Herrn tätig zu sein. Er arbeitete jeden Tag ein paar Stunden und hielt in den folgenden zwei Jahren weiterhin kurze Ansprachen auf der Generalkonferenz. Am 6. April 1942 hielt er zum letzten Mal selbst eine Ansprache auf einer Generalkonferenz. Danach wurden seine Ansprachen vorgelesen. In seiner letzten Ansprache auf einer Generalkonferenz (sie wurde am 6. April 1945 von Joseph Anderson vorgelesen) schloss er mit diesem Zeugnis:

„Das Herrlichste, was in der Geschichte der Welt seit damals geschehen ist, als der Erretter auf Erden gelebt hat, ist dies: dass Gott selbst es für gut angesehen hat, mit seinem geliebten, einziggezeugten Sohn, unserem Erlöser und Erretter, die Erde zu besuchen und dem jungen Joseph Smith zu erscheinen. Tausende, ja Hunderttausende haben ein vollkommenes, ein eigenes Zeugnis und Kenntnis von dieser ewigen Wahrheit. Das Evangelium ist in seiner Reinheit auf Erden wiederhergestellt worden und ich möchte darauf hinweisen, dass wir als Volk vor allem eine Aufgabe zu erfüllen haben, nämlich die Welt dazu aufzurufen, dass sie von der Sünde umkehrt und Gottes Gebote hält. Und unsere Hauptaufgabe ist die: sowohl zu Hause als auch in der Ferne, wie es Zeit und Umstände erlauben, hinzugehen und das Evangelium des Herrn Jesus Christus zu verkündigen. Ferner obliegt es uns, jener Kinder unseres Vaters zu gedenken, die uns durch den Schleier vorangegangen sind und die in diesem Leben keine Kenntnis vom Evangelium erlangt haben, und ihnen in unseren Tempeln das Tor zur Errettung zu öffnen, denn im Tempel haben wir ebenfalls Pflichten zu erfüllen.

Ich bezeuge Ihnen: Ich weiß, dass Gott lebt, dass er Gebete hört und erhört, dass Jesus der Messias ist, der Erlöser der Welt, dass Joseph Smith ein Prophet des wahren und lebendigen Gottes war und ist und dass Brigham Young und seine Nachfolger ebenfalls Propheten Gottes waren bzw. sind.

Ich kann in Worten gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich Gott für diese Erkenntnis bin. Immer wieder wird mir das Herz weich, steigen mir Tränen der Dankbarkeit in die Augen, weil ich weiß, dass Gott lebt und dass dieses Evangelium, das Mormonismus genannt wird, in der Tat der Plan des Lebens und der Erlösung ist, dass es in der Tat das Evangelium des Herrn Jesus Christus ist. Möge Gott uns allen helfen, danach zu leben. Möge er auch denen helfen, die von der Wahrheit noch keine Kenntnis haben, dass auch sie dieses Zeugnis erlangen. Darum bete ich beständig und inbrünstig und ich erbitte es im Namen Jesu Christi. Amen.“35

Präsident Grants Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr und am 14. Mai 1945 starb er. Das Begräbnis fand vier Tage später statt. Präsident Joseph Fielding Smith berichtet darüber: „Tausende säumten gesenkten Hauptes die Straßen, als der Trauerzug vorüber kam. Auch Vertreter anderer Kirchen erwiesen ihm die letzte Ehre und die Glocken der katholischen Kathedrale läuteten. … Prominente Persönlichkeiten kamen aus der Ferne und gaben ihm das letzte Geleit und in der Stadt hatten viele Geschäfte geschlossen. Allseits trauerte man, denn ein machtvoller Mann war nach einem langen, ereignisreichen Leben heimgerufen worden.“36

Präsident J. Reuben Clark jun. und Präsident David O. McKay, die Präsident Grant als Erster bzw. Zweiter Ratgeber gedient hatten, sprachen beide bei der Trauerfeier. Ihre anerkennenden Worte entsprachen den Empfindungen von hunderttausenden Mitgliedern, für die Präsident Heber J. Grant Prophet gewesen war.

Präsident Clark sagte, Präsident Grant habe „rechtschaffen gelebt und vom himmlischen Vater die Segnungen empfangen, die der erlangt, der Gottes Gebote befolgt“.37

Präsident McKay sagte: „Beharrlich in allem, was er unternahm, ehrlich, aufrichtig und rechtschaffen in all seinem Tun, positiv im Ausdruck, dynamisch im Handeln, kompromisslos dem Bösen gegenüber, mitfühlend den weniger Glücklichen gegenüber, in höchstem Maße großmütig, treu in allem, was ihm anvertraut war, zärtlich und rücksichtsvoll zu seinen Lieben, loyal zu seinen Freunden und zur Wahrheit und zu Gott – so war unser geliebter und geachteter Präsident. Er war eine bekannte Führungspersönlichkeit, ein Vorbild für die Kirche und die Menschen in aller Welt.“38

Quellenangaben anzeigen

Anmerkungen

  1. Generalkonferenz, Oktober 1899.

  2. Ronald W. Walker, „Jedediah and Heber Grant“, Ensign, Juli 1979, Seite 49.

  3. Gospel Standards, Hg. G. Homer Durham, 1941, Seite 341f.

  4. Gospel Standards, Seite 151.

  5. „The Nobility of Labor“, Improvement Era, Dezember 1899, Seite 83.

  6. Gospel Standards, Seite 348f.

  7. „President Grant – The Business Man: Business Ventures and Church Financing“, Improvement Era, November 1936, Seite 689.

  8. „Strength of the ,Mormon‘ Church“, Coast Banker, San Francisco und Los Angeles, März 1921; zitiert in Conference Report, April 1921, Seite 205.

  9. Lucy Grant Cannon, „A Father Who Is Loved and Honored“, Improvement Era, November 1936, Seite 681.

  10. Gospel Standards, Seite 330.

  11. Gospel Standards, Seite 248.

  12. Brief von Heber J. Grant an Harrison M. Merrill vom 7. Oktober 1930, im Archiv des Family and Church History Department, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

  13. Bryant S. Hinckley, „Greatness in Men: President Heber J. Grant“, Improvement Era, Oktober 1931, Seite 703.

  14. Improvement Era, November 1936, Seite 680f.

  15. Glimpses of a Mormon Family, 1968, Seite 299, 301.

  16. Unveröffentlichtes Manuskript von Truman G. Madsen.

  17. Improvement Era, November 1936, Seite 681.

  18. Improvement Era, November 1936, Seite 681.

  19. Generalkonferenz, Oktober 1944.

  20. Glimpses of a Mormon Family, Seite 15f.

  21. Improvement Era, November 1936, Seite 682.

  22. Improvement Era, November 1936, Seite 684.

  23. Gospel Standards, Seite 12.

  24. Gospel Standards, Seite 77.

  25. Gospel Standards, Seite 191.

  26. Siehe Ronald W. Walker, „Heber J. Grant’s European Mission, 1903–1906“, Journal of Mormon History, 1988, Seite 20.

  27. Zitiert von Heber J. Grant, Generalkonferenz, April 1941.

  28. Generalkonferenz, Juni 1919.

  29. Gospel Standards, Seite 39.

  30. Generalkonferenz, April 1944.

  31. Zitiert in L. Brent Goates, Harold B. Lee: Prophet and Seer, 1985, Seite 141f.

  32. Botschaft von der Ersten Präsidentschaft, Generalkonferenz, Oktober 1936; vorgelesen von Präsident Heber J. Grant.

  33. „Pres. Clark Testifies of Divinity of Church Welfare Program“, Church News, 8. August 1951, Seite 15.

  34. The Church Welfare Plan, Evangeliumslehreklasse, 1946, Seite 44.

  35. Generalkonferenz, April 1945.

  36. Essentials in Church History, 20. Ausgabe, 1966, Seite 653.

  37. „President Heber J. Grant“, Improvement Era, Juni 1945, Seite 333.

  38. „President Heber J. Grant“, Improvement Era, Juni 1945, Seite 361.