Die Aufgaben und die Ordnung des Priestertums

Lehren der Präsidenten der Kirche: John Taylor, 2011


Die Organisation der Kirche … entspricht den Grundsätzen, die Gott offenbart hat.1

Aus dem Leben von John Taylor

Präsident Taylor lagen Ordnung und Organisation innerhalb des Priestertums sehr am Herzen; er erklärte: „Das Priestertum ist das Muster der Dinge in den Himmeln“, das Mittel, „durch das die Segnungen Gottes seinem Volk auf der Erde zuteil werden“.2 Er führte in den Gemeinden die wöchentliche Priestertumsversammlung ein, dazu die monatliche Pfahl-Priestertumsversammlung und die vier- teljährliche Pfahlkonferenz, um die Priestertumsträger dazu anzuhalten, dass sie ihre Aufgaben lernten und erfüllten.

Mit dem Tod von Brigham Young im August 1877 löste die Erste Präsidentschaft sich auf, und das Kollegium der Zwölf Apostel, mit John Taylor als seinem Präsidenten, wurde die präsidierende Körperschaft der Kirche. Präsident Taylor wusste zwar, dass unter diesen Umständen die Zwölf als Kollegium der Ersten Präsidentschaft in Bezug auf die Vollmacht gleichgestellt waren (siehe LuB 107:22–24), aber er wusste auch, dass es nach der Ordnung des Priestertums so vorgesehen ist, dass die Kirche von einem Präsidenten mit zwei Ratgebern geführt wird. Gleichzeitig war er demütig darum bemüht, nur den Willen des Herrn zu tun und sich nicht selbst irgendein Amt anzumaßen.

Etwas über drei Jahre nach dem Tod von Brigham Young wurde die Erste Präsidentschaft neu gebildet. Am 10. Oktober 1880 wurde Präsident John Taylor als Präsident der Kirche bestätigt. George Q. Cannon und Joseph F. Smith waren seine Ratgeber. An jenem Tag sagte Präsident Taylor: „Wäre es nicht unsere Pflicht gewesen, die Kirche in all ihren Abteilungen vollständig zu organisieren, so wäre ich viel lieber, wenn ich bloß von meinen Gefühlen rede, bei meinen Brüdern von den Zwölf geblieben. Aber es treten doch in diesen Sachen Fragen auf, deren Beantwortung uns nicht allein zusteht. Wir geben den Weg nicht selbst vor. Wenn Gott uns ein Gebot gegeben und in seiner Kirche eine Organisation eingerichtet hat, wobei der Prophet Joseph Smith uns die verschiedenen Kollegien des Priestertums durch Offenbarung vorgegeben hat, haben wohl weder die Erste Präsidentschaft noch die Zwölf, die Hohen Priester, die Siebziger, die Bischöfe oder sonst jemand ein Recht, den Plan, den der Herr eingeführt und festgelegt hat, zu ändern.“

Moses calls Aaron the the ministry

„Wenn wir ein Amt, eine Berufung, Vollmacht oder sonstige Macht erlangt haben, bei einer der heiligen Handlungen zu amtieren, dann haben wir sie von Gott erhalten.“

Dann erklärte er, seit dem Tod von Brigham Young sei das Priestertum vollständig organisiert gewesen, mit Ausnahme der Ersten Präsidentschaft; es sei notwendig, dass das Kollegium der Ersten Präsidentschaft ebenso wie die übrigen Kollegien den Platz einnehme, den ihm der Allmächtige zugewiesen habe.

Präsident Taylor fuhr fort: „Das hat der Geist des Herrn mir eingegeben. Ich habe den Zwölf erklärt, wie ich dazu stehe; sie waren mit mir einig, und tatsächlich hatten einige von ihnen die gleichen Gefühle gehabt, wie sie mich bewegten. Es geht nicht darum, dass es sich um ein hohes Amt und eine große Ehre handelt, auch wenn es eine große Ehre ist, ein Diener Gottes zu sein. Es ist eine große Ehre, das Priestertum Gottes zu tragen. Nun ist es zwar eine Ehre, Gottes Diener zu sein und sein Priestertum zu tragen, aber es ist nicht ehrenwert, wenn ein Mann oder eine Gruppe von Männern nach einer bestimmten Position im heiligen Priestertum trachtet. Jesus hat gesagt: Nicht ihr habt mich berufen, sondern ich habe euch berufen [siehe Johannes 15:16]. Und wie ich bereits sagte, wäre, wenn ich mich nach meinen Gefühlen gerichtet hätte, alles sehr angenehm und ruhig weitergegangen; ich habe einige gute Mitarbeiter, die ich als meine Brüder achte und schätze und über deren Rat ich mich freue. Es mag alles so bleiben, wie es ist. Aber es steht mir nicht zu, darüber zu bestimmen, es steht euch nicht zu, vorzugeben, was uns persönlich am liebsten wäre, sondern wir, die wir das Priestertum tragen, müssen dafür sorgen, dass alle Organisationen des Priestertums intakt bleiben und dass alles in der Kirche, im Gottesreich, nach dem Plan organisiert ist, den er offenbart hat. Deshalb haben wir den Weg eingeschlagen, den ihr heute mit eurer Stimme gutheißen sollt.“3

Lehren von John Taylor

Es gibt zwei Priestertümer, nämlich das Melchisedekische und das Aaronische.

Erstens. – Wir stellen fest, dass es zwei verschiedene allgemeine Priestertümer gibt, nämlich das Melchisedekische und das Aaronische. … Zweitens. – Sie werden beide vom Herrn übertragen; beide sind immerwährend und wirken in Zeit und Ewigkeit. Drittens. – Das Melchisedekische Priestertum hat das Anrecht auf die Präsidentschaft, es hat in allen Zeitaltern der Welt Macht und Vollmacht über alle Ämter in der Kirche, um in geistigen Belangen zu amtieren. Vier- tens. – Das zweite Priestertum wird das Priestertum Aarons genannt, weil es Aaron und seinen Nachkommen in allen Generationen übertragen wurde. Fünftens. – Das geringere [das Aaronische] Priestertum ist ein Teil des größeren, des Melchisedekischen Priestertums, bzw. eine Beigabe dazu; es hat die Macht, äußerliche Verordnungen zu vollziehen. … Sechstens. – Über jedem der beiden Priestertümer, über dem Melchisedekischen und dem Aaronischen, steht dessen Präsidentschaft.

Siebtens. – Die Macht des höheren, des Melchisedekischen, besteht zwar darin, die Schlüssel aller geistigen Segnungen der Kirche inne zu haben, das Recht inne zu haben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu empfangen, die Himmel offen zu sehen, mit der allgemeinen Versammlung und Kirche des Erstgeborenen in Verbindung zu stehen und mit Gott dem Vater und Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, Gemeinschaft zu haben und in ihrer Gegenwart zu stehen und über alle geistigen Beamten der Kirche zu präsidieren, aber nur die Präsidentschaft des Hohen Priestertums, nach der Ordnung Melchisedeks, hat das Recht, in allen Ämtern der Kirche tätig zu werden, sowohl in den geistigen als auch in den zeitlichen.

„Dann kommt das Hohe Priestertum, das größte von allen. Darum muss es notwendigerweise so sein, dass einer aus dem Hohen Priestertum bestimmt wird, über das Priestertum zu präsidieren, und er soll Präsident des Hohen Priestertums der Kirche genannt werden oder, mit anderen Worten, Präsidierender Hoher Priester über das Hohe Priestertum der Kirche.“ [LuB 107:64–66.]

Es ist also offensichtlich, dass dieses Priestertum über alle Präsidenten, alle Bischöfe, einschließlich des Präsidierenden Bischofs, präsidiert, ebenso über alle Räte, Organisationen und Autoritäten in der gesamten Kirche, auf der ganzen Welt.

Die Bischofschaft ist die Präsidentschaft des Aaronischen Priestertums, das eine Beigabe zum größeren oder Melchisedekischen Priestertum ist [siehe LuB 107:14]; niemand, außer den buchstäblichen Nachkommen Aarons, hat ein Anrecht darauf, die Schlüssel des Aaronischen Priestertums, das über alle Bischöfe und über das gesamte geringere Priestertum präsidiert, inne zu haben. Aber da ein Hoher Priester vom Melchisedekischen Priestertum die Vollmacht hat, in allen niedrigeren Ämtern zu amtieren, kann er das Amt des Bischofs inne haben … wenn er durch die Präsidentschaft des Melchisedekischen Priestertums dazu berufen, eingesetzt und ordiniert wird. [Siehe LuB 107:17.]4

Dieses hohe [das Melchisedekische] Priestertum, so heißt es, hat seit jeher, in jedem Zeitalter der Welt, das Recht auf die Präsidentschaft inne [siehe LuB 107:8]. Aber es gibt einen Unterschied zwischen der allgemeinen Vollmacht des Priestertums und dem besonderen Amt und der Berufung, die jemand inne hat. … Ist jemand, der Hoher Priester ist, deswegen Apostel? Nein. Ist jemand, weil er Hoher Priester ist, der Präsident eines Pfahls oder der Ratgeber des Präsidenten eines Pfahls? Nein. Ist er, weil er Hoher Priester ist, Bischof? Nein, gewiss nicht. Und das gilt für alle Ämter. Das Hohe Priestertum hat die Vollmacht inne, in all diesen Verordnungen, in allen Ämtern und an allen Orten zu amtieren, wenn der Betreffende von den zuständigen Autoritäten dazu bestimmt wird, sonst nicht; außerdem muss er von den Mitgliedern bestätigt werden. … Wenn jemand ein bestimmtes Priestertum trägt, kann er deswegen nicht gleich in allen Ämtern dieses Priestertums amtieren. Er amtiert darin nur, wenn er zu diesem Zweck berufen und eingesetzt wird.5

Die Ämter im Priestertum dienen der Vervollkommnung der Heiligen.

Der Herr hat seiner Kirche Apostel und Propheten, Hohe Priester, Siebziger, Älteste usw. gegeben. Wozu? Damit wir zum „vollkommenen Menschen werden“ [siehe Epheser 4:11–13]. Sind wir schon von Anfang an vollkommen? Nein. Die unterschiedlichen Beamten helfen uns auf dem Weg dorthin. Und weiter? Um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, damit die Menschen qualifiziert und informiert sind, erfüllt von Intelligenz, Weisheit und Licht, damit sie lernen, die Grundsätze ewiger Wahrheit zu verkündigen und aus der Schatzkammer Gottes Neues und Altes hervorzubringen, das dem Wohlergehen der Menschen förderlich ist. Da nun in der Kirche diese Ämter vorhanden sind, sollte jeder in seinem Amt respektiert werden.6

Gott hat den Heiligen der Letzten Tage Grundsätze kundgetan, die der Welt unbekannt sind, und weil sie den Menschen unbekannt sind, können sie sich nicht in uns hineinversetzen. Sie nennen Gutes böse, Licht Finsternis, Irrtum Wahrheit und Wahrheit Irrtum, weil sie den Unterschied nicht sehen können. „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft.“ [1 Petrus 2:9.] Der Allmächtige hat euch dazu auserwählt und eingesetzt, seine Absichten zustande zu bringen. Gott hat unter euch Präsidenten, Apostel, Propheten, Hohe Priester, Siebziger, Bischöfe und andere Autoritäten ordiniert; er hat sie bestimmt und ermächtigt, und auf seine Weisung und unter seinem Einfluss lehren sie sein Gesetz, legen sie die Grundsätze des Lebens dar, und sie sind ausdrücklich dazu organisiert und ordiniert, die Menschen auf dem Weg zu Erhö- hung und ewigem Leben zu führen.7

Ach, wenn wir die Herrlichkeit, die Intelligenz, die Macht, die Majestät und Herrschaft unseres himmlischen Vaters erfassen könnten! Wenn wir die Erhöhung, die Herrlichkeit, das Glück vor Augen hätten, das die Rechtschaffenen, die Reinen und die Tugendhaften erwartet, die Gott fürchten, ja, die Heiligen des Allerhöchsten! Wenn wir die großen Segnungen erfassen könnten, die Gott für diejenigen bereithält, die ihn fürchten und seine Gesetze befolgen und seine Gebote halten, würden uns ganz andere Gefühle bewegen. Aber leider ist es nicht so. Der Herr hat uns aus den verschiedenen Ländern geholt, damit wir in den Belangen des Gottesreichs unterwiesen werden. Zu dem Zweck hat er das heilige Priestertum übertragen. Und die Organisationen, die wir in den Pfählen und Gemeinden haben, mit ihrer Präsidentschaft und den Bischöfen, den Hohenräten, den Hohen Priestern, den Siebzigern, Ältesten, Prie- stern, Lehrern und Diakonen usw., hat der Allmächtige dazu in der Kirche eingeführt, uns zu bilden und zu erheben.8

Wir haben Apostel und Propheten, Präsidenten und ihre Ratgeber, Bischöfe und deren Ratgeber, Älteste, Priester, Lehrer und Diakone. Wir sind gemäß der Ordnung Gottes organisiert, und die Grundsätze, die uns klein vorkommen, stammen von Gott. Wir haben Siebziger und Hohe Priester, und all diese Männer haben bestimmte Ämter inne, die sie ausfüllen und groß machen sollen – hier im Fleisch, im Interesse von Wahrheit und Rechtschaffenheit, im Interesse des Gottesreichs und zur Festigung richtiger Grundsätze bei den Heiligen des Allerhöchsten. Wir sind hier, um mit Gott zusammenzuarbeiten – bei der Errettung der Lebenden, der Erlösung der Toten, zum Segen unserer Vorfahren und damit über unsere Kinder Segnungen ausgegossen werden; wir sind hier, um die Erde, auf der wir leben, zu erlösen und zu regenerieren, und Gott hat seine Vollmacht und seinen Rat auf die Erde gebracht, damit die Menschen lernen, auf der Erde den Willen Gottes zu tun, wie er im Himmel getan wird. Das ist der Zweck unseres Daseins. Und das müssen wir begreifen.9

Das Priestertum ist gemäß der Ordnung Gottes organisiert.

[Das Priestertum] ist, so verstehe ich es, eine Ordnung, die der Allmächtige und nur er allein eingeführt hat. Es stammt nicht vom Menschen und kann deshalb vom Menschen ohne Weisung vom Allmächtigen nicht weiterentwickelt oder vervollkommnet werden. Es ist doch so: Trotz aller Hilfe, trotz all diesen Organisationen und Grundsätzen fällt es uns aufgrund unserer Schwächen schwer, diese heiligen Institutionen, die Gott uns gegeben hat, in Reinheit zu bewahren, und wir brauchen unablässig die größte Umsicht und Demut, Selbstverleugnung und Ausdauer und müssen wachsam sein und uns auf Gott stützen.10

Wenn wir ein Amt, eine Berufung, Vollmacht oder sonstige Vollmacht erhalten haben, bei einer der heiligen Handlungen zu amtieren, dann haben wir sie von Gott erhalten, und wir können diese heiligen Handlungen nur gemäß dem Priestertum vollziehen, das wir besitzen dürfen. … Wenn wir unsere Aufgaben erfüllen, jeder an seinem Platz, schenkt Gott uns die Kraft, unser angestrebtes Ziel zu erreichen, was es auch sei, welches Priestertum wir auch tragen, ob es sich um den Präsidenten der Kirche, den Präsidenten des Pfahls, einen Bischof, einen Hohen Rat, einen Hohen Priester, einen Siebziger oder einen Ältesten, Priester, Lehrer oder Diakon handelt; wer sie auch seien, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen und dabei das Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes richten, unterstützt er sie bei all ihrem Tun.11

First Presidency of the Church from 1880 to 1887

Die Erste Präsidentschaft der Kirche von 1880 bis 1887: Präsident John Taylor (Mitte) und seine Ratgeber, George Q. Cannon (links) und Joseph F. Smith (rechts).

Wir mögen unsere Bündnisse verletzen; wir mögen auf den Grundsätzen des Evangeliums herumtrampeln und gegen die Ordnung des Priestertums und die Gebote Gottes verstoßen; aber unter den Heerscharen Israels wird es Tausende und Zehntausende geben, die den Prinzipien der Wahrheit treu bleiben, und Gott im Himmel, die heiligen Engel und das Priestertum aus alter Zeit, das jetzt dort wohnt, wo Gott wohnt, haben sich alle vereint, um dies zustande zu bringen. Der Herr wird seine Absichten auf seine Weise und zu seiner Zeit verwirklichen. Und da die Organisation auf die Weise besteht, wie ich es eben sagte, dürfen wir nicht vorgehen, wie wir meinen, sondern müssen tun, was Gott anordnet.

Wir haben in der Kirche eine feste Ordnung. Ihr Brüder, die ihr das heilige Priestertum tragt, wisst das. Hat Gott nicht jedem Menschen einen Teil seines Geistes geschenkt, damit alle davon Nutzen haben? Ja. Hat er den Heiligen, die glaubenstreu sind, nicht noch mehr geschenkt? Hat er ihnen nicht die Gabe des Heiligen Geistes geschenkt? Ja, und es ist ihnen bewusst. Sie haben miteinander und mit Gott und den himmlischen Heerscharen Gemeinschaft. Brau- chen wir aber immer noch andere, die uns führen, auch wenn wir den Geist haben? Ja, immer. Warum? Wegen der Mächte der Finsternis, des Einflusses des Satans und der Schwäche der menschli- chen Natur. Wir brauchen Wächter auf den Türmen Zions, die über die Interessen Israels wachen und dafür sorgen, dass das Volk Gottes nicht irre geht. … Alle Beamten, die für den geistlichen Dienst nötig sind, finden wir in der Kirche, und alles ist gemäß der Ordnung Gottes organisiert.12

Das Priestertum soll mit Güte, mit Treue gegenüber Gott, ausgeübt werden.

Wir sollten allgemein miteinander mitfühlen und auch den niedrigsten Geschöpfen Gottes freundlich begegnen, vor allem den Heiligen Gottes, welches Amt sie auch inne haben. Wenn sie sich im Irrtum befinden, dann bemüht euch, sie durch Freundlichkeit zurückzugewinnen; wenn sie einen schlechten Geist haben, dann zeigt ihnen einen besseren; wenn jemand nicht recht handelt, dann handelt selbst recht und sagt: „Komm, folge mir nach, wie ich Christus nachfolge.“ Wäre das nicht der richtige Weg? Ich denke schon; so verstehe ich das Evangelium. Keiner von uns hat das Priestertum, um sich selbst zu verherrlichen oder um jemanden zu unterdrücken oder zu übervorteilen oder um eine unangemessene Sprache zu führen; sondern wir sollen gütig und langmütig sein und ungeheuchelte Liebe haben. Ich will aus dem Buch Lehre und Bündnisse vorlesen. …

„Siehe, viele gibt es, die berufen sind, aber wenige werden erwählt. Und warum werden sie nicht erwählt? Weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben, dass sie diese eine Lehre nicht lernen wollen, nämlich“ – das ist genau das, wovon ich gerade spreche: „Die Rechte des Priestertums sind mit den Himmelskräften untrennbar verbunden, und die Himmelskräfte können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden.“ Meint ihr, Gott gäbe einem Menschen nur dazu Macht, dass er seine beschränkten, egoistischen Absichten verwirklicht? Das wird er nie und nimmer tun, niemals. „Sie können uns zwar übertragen werden, doch wenn wir versuchen, unsere Sünden zu verdecken, oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu befriedigen, oder wenn wir auch nur mit dem geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt, Herrschaft oder Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben wollen – siehe, dann ziehen sich die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er weggenommen wird, dann ist es mit dem Priestertum oder der Vollmacht des Betreffenden zu Ende.“ [Siehe LuB 121:34–37.]

Wir meinen manchmal, wir ständen in Christus Jesus an himmlischer Stätte, und so ist es auch. Aber das Priestertum des Gottessohns ermächtigt niemanden, einen anderen zu unterdrücken oder ihn irgendwie in seinen Rechten einzuschränken. So etwas gibt es einfach nicht, denn es steht geschrieben: „Siehe, ehe er es gewahr wird, ist er sich selbst überlassen, gegen den Stachel auszuschlagen, die Heiligen zu verfolgen und gegen Gott zu streiten.“ [LuB 121:38.]13

Jegliche Vollmacht, die mit dem heiligen Priestertum einhergeht, darf nur durch überzeugende Rede geltend gemacht werden, und niemand hat das Recht, sich wegen eines Amts, das er in der Kirche innehat, aufzuplustern, denn er ist einfach ein Diener Gottes und ein Diener der Menschen, und wenn jemand versucht, willkürlich Macht auszuüben und auch nur im geringsten Maße unredlich zu handeln, wird Gott ihn dafür zur Rechenschaft ziehen; wir alle müssen uns wegen dem, was wir im Leib getan haben, beurteilen lassen. Wir sind als Erretter der Menschen hier, nicht als Tyrannen und Unterdrücker. …

Wir, die wir das heilige Priestertum tragen, müssen rein sein. „Haltet euch rein; denn ihr tragt die Geräte des Herrn.“ [Jesaja 52:11.] Jeder von uns muss rein sein und dann zu den anderen sagen: „Folgt mir nach, wie ich Jesus nachfolge.“ Wir müssen nach unserer Religion leben und die Gesetze Gottes befolgen und die Pflichten erfüllen, die uns übertragen sind.14

Ich glaube an keine Art von Tyrannei. Ich glaube daran, dass es richtig ist, langmütig und barmherzig, gütig und sanft zu sein und Gott zu lieben und zu fürchten. Ich glaube nicht, dass ein Mann das Priestertum erhält, um über andere Menschen zu herrschen und über sie Macht auszuüben. Es sollte alles in Güte und Langmut, allerdings auch in Treue gegenüber Gott geschehen.15

Anregungen für Studium und Diskussion

  1. Warum ist es wichtig, dass das Priestertum seine Ordnung hat? Wie kann diese Ordnung einem jeden von uns helfen, den Bedürfnissen derer, für die wir verantwortlich sind, gerecht zu werden?

  2. Warum gibt es im Priestertum verschiedene Ämter? (Siehe auch Epheser 4:11,12.) Wie haben Sie schon erlebt, dass die verschiedenen Ämter im Priestertum „die Heiligen zur Erfüllung ihres Dienstes rüsten“?

  3. Wie sind Sie schon dafür gesegnet worden, dass Sie den Rat der Priestertumsführer befolgt haben, auch wenn sie ihn zunächst nicht verstanden haben bzw. nicht damit einverstanden waren?

  4. Präsident Taylor sprach einmal darüber, wie man führt, wie Christus geführt hat, und forderte die Priestertumsträger auf, nach den Worten zu leben: „Komm, folge mir nach, wie ich Christus nachfolge.“ Wie kann sich dieser Rat für unsere Beziehungen in der Familie und zu anderen als Segen erweisen? Inwie- fern hilft es einem Mann, sein Priestertum zu ehren, wenn er die Frauen ehrt?

  5. Warum schränkt Stolz die Priestertumsmacht eines Mannes ein oder führt dazu, dass er sie ganz verliert? Wie können wir uns Güte, Langmut, Duldsamkeit und ungeheuchelte Liebe aneignen? Wie können wir diese Eigenschaften bei denen fördern, denen wir in der Kirche dienen?

  6. Wie können Sie den Trägern des Aaronischen Priestertums in Ihrer Familie und in der Gemeinde helfen, sich auf das Melchisedekische Priestertum vorzubereiten?

Einschlägige Schriftstellen: Epheser 4:11–15; LuB 20:38–67; 84:18–32, 109; 110; 107; 121:33–46

Quellenangaben anzeigen

    Fußnoten

  1.   1.

    The Gospel Kingdom, Hg. G. Homer Durham (1943), 159.

  2.   2.

    Deseret News (Weekly), 28. Dezember 1859, 337.

  3.   3.

    The Gospel Kingdom, 141f.

  4.   4.

    The Gospel Kingdom, 155f.; Absatzeinteilung und Interpunktion geändert.

  5.   5.

    The Gospel Kingdom, 197f.

  6.   6.

    The Gospel Kingdom, 165.

  7.   7.

    Deseret News (Weekly), 8. Mai 1872, 181.

  8.   8.

    Deseret News: Semi-Weekly, 3. Januar 1882, 1.

  9.   9.

    Deseret News: Semi-Weekly, 1. Juni 1880, 1.

  10.   10.

    Deseret News: Semi-Weekly, 8. März 1881, 1.

  11.   11.

    Deseret News: Semi-Weekly, 10. August 1880, 1.

  12.   12.

    Deseret News: Semi-Weekly, 21. Oktober 1884, 1; Absatzeinteilung geändert.

  13.   13.

    Deseret News: Semi-Weekly, 19. August 1879, 1.

  14.   14.

    Deseret News: Semi-Weekly, 14. August 1883, 1.

  15.   15.

    Deseret News: Semi-Weekly, 24. März 1885, 1.