Ewige Wahrheit

Lehren der Präsidenten der Kirche: John Taylor, 2011


Es gibt für mich nichts Kostbareres als die Grundsätze ewiger Wahrheit.1

Aus dem Leben von John Taylor

Eine der bewundernswertesten Eigenschaften John Taylors war sein Engagement für die Wahrheit, ungeachtet der Meinung anderer. „Das Lob oder der Tadel der Welt hatten wenig Einfluss auf John Taylors Denken, wenn es um die Wahrheit ging“, schrieb Elder B. H. Roberts. „Je mehr Menschen die Wahrheit verachteten, desto mehr setzte er sich für sie ein.“2 Die Ereignisse im Zusammenhang mit John Taylors Bekehrung zum Evangelium sind Beispiele dafür, wie sehr er die Wahrheit damals schon liebte.

John Taylor lernte das Evangelium durch Parley P. Pratt in Kanada kennen. John Taylor und seine Freunde, die ähnliche Vorstellungen bezüglich der Taufe durch Untertauchen und des Händeauflegens für die Gabe des Heiligen Geistes hatten, freuten sich über das, was Elder Pratt lehrte. Als Elder Pratt ihnen dann allerdings von Joseph Smith und vom Buch Mormon erzählte, wollten viele von John Taylors Freunden erst nichts mehr darüber hören; manche wollten sich nicht einmal mit dem Buch Mormon befassen. Unerschrocken erklärte John Taylor der Gruppe daraufhin:

„Wir sind doch angeblich hier, weil wir nach der Wahrheit suchen. Bisher haben wir andere Glaubensbekenntnisse und Lehren gründlich untersucht und bewiesen, dass sie falsch waren. Warum sollten wir uns davor fürchten, den Mormonismus zu untersuchen? Dieser Herr, Mr. Pratt, hat uns viele Lehren gebracht, die unseren Ansichten entsprechen. … Wir haben Gott gebeten, uns einen Boten zu senden, wenn er auf der Erde eine wahre Kirche hat. Mr. Pratt ist zu uns gekommen, … ohne Geldbeutel und Vorratstasche, so wie die Apostel in alter Zeit; keiner von uns kann seine Lehre anhand der Bibel oder mit Logik widerlegen. Ich möchte seine Lehren und seinen Vollmachtsanspruch untersuchen. … Wenn ich feststelle, dass seine Religion wahr ist, werde ich sie annehmen, wie die Folgen auch aussehen mögen.“ John Taylors gründliche Recherchen führten dazu, dass er sich am 9. Mai 1836 taufen ließ. Er sagte später: „Ich habe seitdem an keinem Grundsatz des Mormonismus gezweifelt.“3

Als Mitglied und Führer der Kirche lehrte und verteidigte John Taylor die Wahrheit unerschütterlich. „Er verkündigte das Evangelium in vielen Ländern; als Verfechter der Wahrheit war er bereit, sich allen entgegen zu stellen, die sie angriffen; und ob er seine Gegner in der Öffentlichkeit antraf, vor einer Menschenmenge, die sich voller Vorurteile gegen ihn stellte, oder in den Spalten der Presse, es gelang ihm überall gleichermaßen, sie mit seiner eindrucksvollen Darstellung der Wahrheit zu besiegen.“4

Lehren von John Taylor

Wer die Wahrheit liebt, wird mit Erkenntnis und Macht gesegnet.

Ein Mann Gottes blickt im Glauben, von seiner Plattform aus, angetan mit dem Mantel der Wahrheit, in die Zukunft; er zieht den Vorhang von der Ewigkeit weg, enthüllt das Geheimnis des Himmels und sieht, über unzählige Jahre hinweg, die Absichten des erhabenen Elohim, wie sie sich in all ihrer Majestät und Macht und Herrlichkeit kundtun. So steht er, in dem kurzen Augenblick seines Lebens, da und blickt in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, er sieht sich als ewiges Wesen, das Anspruch auf die Verwandtschaft mit Gott erhebt, als Sohn Gottes, der einen Funken Göttlichkeit in sich trägt, der aus dem ewigen Feuer stammt. Er betrachtet die Welt und die Menschen, in all ihren verschiedenen Daseinsstufen, er erkennt seine wahren Interessen und erfasst dank der Intelligenz, die ihm sein himmlischer Vater mitgegeben hat, ihren Ursprung und ihre Bestimmung. …

Seine Intelligenz, von Gott eingegeben und gefördert, wird die ganze Welt umfassen und bis in den Weltraum reichen; sein Gesetz ist das Gesetz der Liebe; seine Herrschaft ist die Herrschaft der Gerechtigkeit. Er liebt seinen Nächsten und tut ihm Gutes; er liebt seinen Gott und betet ihn deshalb an; er sieht die Macht der Wahrheit, die sich, wie das Licht Gottes, im ganzen Weltraum ausbreitet und die Welten erleuchtet und alles durchdringt, wo Menschen oder Engel, Gott oder Sphären bekannt sind; er hält daran fest. Die Wahrheit ist sein Helm, sein Schutz, sein Fels, seine Burg; sie ist in Zeit und Ewigkeit sein alles. Die Menschen nennen ihn einen Narr, weil er sich von ihrer Torheit nicht leiten lässt, weil er ihren Irrweg, der zur Vernichtung führt, nicht mit ihnen geht. Aber während sie nach Schatten greifen, hat er etwas Festes in der Hand. Während sie sich mit einer Religion begnügen, die auf wackligen Füßen steht und nur eine Zeit lang modisch ist, mit der Ewigkeit aber nichts zu tun hat und die höchsten, edelsten Prinzipien der Menschen erstickt, wagt er es, Gott anzuerkennen; und indem er ihn anerkennt, wagt er es auch, ihm zu gehorchen und sich zu dem Glauben, den Gott ihm geschenkt hat, zu bekennen. Er greift nach allen Wahrheiten, ob von Menschen oder von Gott. Er hat kein Lieblingsdogma, dem er sich widmet, und auch kein bevorzugtes Glaubensbekenntnis, das er hochhält. Er hat nichts zu verlieren als den Irrtum und nichts zu gewinnen als die Wahrheit. Er gräbt und müht sich ab und sucht danach wie nach einem verborgenen Schatz; während andere sich mit Spreu und Spelzen begnügen, greift er nach dem Kern, der Substanz, dem Wesentlichen von allem Guten und hält an allem fest, was die Menschen besser macht und sie erhöht. …

Schwelgten die Menschen Gottes in alter Zeit in der Wahrheit? Wir doch auch. Hatten sie Offenbarungen und Visionen? Wir auch. Prophezeiten sie? Wir auch. Hat Gott sich ihnen kundgetan? Uns auch. Haben sie die “Wiederherstellung von allem” vorhergesagt? [Siehe Apostelgeschichte 3:21.] Wir sagen, dass sie vor der Tür steht. Haben sie das Reich Gottes prophezeit? Wir helfen mit, es aufzubauen. Haben ihnen Engel gedient? Uns auch. Hatten sie Propheten, Apostel, Hirten, Lehrer und Evangelisten? Wir auch. Hatten sie den Geist der Prophezeiung und Offenbarung? Wir auch. Haben sie nach dem zweiten Kommen und herrlichen Erscheinen unseres Herrn und Erretters Jesus Christus Ausschau gehalten? Das tun wir auch. Haben sie erwartet, dass Gott die Schlechten von der Erde austilgt und eine rechtschaffene Herrschaft einführt? Das tun wir auch. Haben sie danach Ausschau gehalten, dass Jesus und die Heiligen auf der Erde regieren? Das tun wir auch. Wir halten nach allem Ausschau, wonach auch sie Ausschau hielten; wir wünschen uns alle Erkenntnis, die sie hatten, und möchten alles zustande bringen, wovon sie prophezeit haben, das ist ja die Wiederherstellung von allem; die Menschen können lügen und laut toben; sie können die Absichten Gottes nicht vereiteln und den Fortschritt der ewigen Wahrheit nicht einen Augenblick lang aufhalten – sie geht vorwärts, vorwärts, VORWÄRTS und kein Widerstand hält sie auf. …

Die Allmacht der ewigen Wahrheit wird unbeschadet bleiben, auch wenn Heerscharen gegen sie aufziehen, und die Völker werden wissen, dass Gott in den Himmeln herrscht.5 Wahrheit, ewige Wahrheit, ist die Grundlage der Hoffnung eines Christen; sie ist der sichere Fels, auf den er bauen kann. Wenn er ihn loslässt, um irgendein populäres Dogma zu unterstützen, fällt er in den Irrgarten des Unglaubens, der Skepsis, des Irrtums, der Täuschung und begibt sich auf den direkten Weg zur Vernichtung. Die Macht Gottes wird immer mit denen sein, die die Wahrheit lieben und daran festhalten.6

Das Evangelium führt uns von Wahrheit zu Wahrheit.

Das Evangelium ist dazu da, uns von Wahrheit zu Wahrheit und von Intelligenz zu Intelligenz zu führen, bis die Schriftstelle erfüllt ist, die verkündet, dass wir so sehen, wie wir gesehen werden, und erkennen, wie wir erkannt werden [siehe LuB 76:94], bis keiner mehr zum anderen sagen muss, erkenne den Herrn, da alle ihn erkennen – Klein und Groß [siehe Jeremia 31:34], bis das Licht und die Intelligenz Gottes auf alle herableuchten und sich alle am Sonnenschein ewiger Wahrheit erfreuen.7

Was unsere Religion betrifft, so will ich sagen, dass sie jedes Prinzip der Wahrheit und Intelligenz umfasst, das uns als sittliche, intelligente, sterbliche und unsterbliche Wesen betrifft – bezüglich dieser und der künftigen Welt. Wir sind offen für Wahrheit aller Art, woher sie auch kommt, woher sie auch ihren Ursprung hat und wer auch immer daran glauben mag. Wenn dem Wort Wahrheit das Wörtchen „alle“ vorangeht, umfasst sie alles, was je existiert hat und je existieren wird, alles, was den Menschen in der Zeit und in den endlosen Zeitaltern der Ewigkeit bekannt wird. Und alle intelligenten Wesen, die vor Gott für ihr Handeln verantwortlich sind, müssen nach der Wahrheit suchen und sich und ihr Handeln und ihren Lebensweg im Allgemeinen von ihr beeinflussen lassen, unabhängig von allen Vorurteilen und vorgefassten Meinungen, so plausibel sie auch sein mögen und so sehr sie uns auch blenden.

Wir, die Heiligen der Letzten Tage, glauben in erster Linie an das Evangelium, und damit ist schon allerhand gesagt, denn das Evangelium umfasst Grundsätze, die tiefer gehen, umfassender sind und sich viel weiter erstrecken als alles andere, was wir uns vorstellen können. Das Evangelium unterweist uns bezüglich des Wesens und der Eigenschaften Gottes. Es unterweist uns außerdem bezüglich unserer Beziehung zu jenem Gott und bezüglich der Verpflichtungen, die wir als seine Abkömmlinge ihm gegenüber haben. Es lehrt uns die Verpflichtungen, die wir gegenüber unserer Familie und unseren Freunden, gegenüber dem Gemeinwesen, den Lebenden und den Toten haben. Es legt uns Prinzipien dar, die sich auf die Zukunft beziehen. Ja, laut dem, was ein Jünger in alter Zeit gesagt hat, bringt es uns „das Licht des unvergänglichen Lebens“ [siehe 2 Timotheus 1:10]; es eröffnet uns eine Beziehung zu Gott und bereitet uns auf Erhöhung in der ewigen Welt vor.8

Gott hat uns große und herrliche Wahrheiten offenbart, und er ist bereit, noch mehr zu offenbaren, wenn wir uns nur seiner Führung unterstellen. Bemühen wir uns doch, dem Prinzip nachzueifern, das Jesus uns ans Herz gelegt hat – den Willen unseres Vaters im Himmel zu tun. Er hat ja gesagt: „Weil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ [Johannes 5:30.] Wir sind hier, wie er dort war, und wir unterstehen der gleichen Verpflichtung, den Willen unseres himmlischen Vaters zu tun, wie er. Wir sollen uns dem Gesetz Gottes, dem Wort Gottes und dem Willen Gottes unterwerfen.9

Wir dürfen keine Angst davor haben, um der Wahrheit willen Opfer zu bringen.

Die Menschenkinder widersetzen sich der Wahrheit seit jeher, sie kommt den verderbten Herzen und bösen Praktiken in die Quere. Die Propheten werden seit jeher verfolgt, und warum? Weil sie es wagen, den Menschen das Wort des Herrn zu verkünden. Stephanus sagte dazu: „Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid.“ [Siehe Apostelgeschichte 7:52.] „Aber in der heutigen Zeit“, so die Menschen, „wissen wir doch, dass sie schlecht waren; wir hätten so etwas nie getan.“ Das sagten die Juden auch zu Jesus, und dennoch haben sie ihn gekreuzigt.

Der Herr hat das Evangelium wiederhergestellt, wie es zur Zeit der Apostel bestand. Das Evangelium passt nicht zu den Systemen der Menschen, die ja widersprüchlich und sehr unterschiedlich sind. Statt als ehrliche Menschen die Wahrheiten, die in der Bibel enthalten sind, anzuerkennen, und sie geben doch vor, dass sie an die Bibel glauben, was sie in Wirklichkeit gar nicht tun, bemühen sie sich, ihre wackeligen Systeme und ihre nicht schriftgemäßen Theorien zu verdecken und sich in den Mantel ihrer Selbstgerechtigkeit zu hüllen. … Aber die Wahrheit wird vorwärts gehen; diejenigen, die im Herzen ehrlich sind, werden aus dem Schlummer aufwachen; die Absichten Gottes werden verwirklicht, das Reich Gottes wird aufgerichtet, und … die Wahrheit wird stolz und aufrecht dastehen … und keine Macht kann ihren Fortschritt aufhalten.10

Ich will euch jetzt etwas darüber erzählen, welche Gefühle mich bewegten, als ich in diese Kirche kam. Das ist schon lange her. Als ich zum ersten Mal vom Evangelium hörte, musste ich zugeben, dass daran etwas Vernünftiges war. Ich hoffte fast, es wäre nicht wahr. „Wenn es wahr ist“, so sagte ich, „dann bin ich als ehrlicher Mensch verpflichtet, es zu befolgen, sonst kann ich mir selbst nicht trauen“. Als ich dann das Thema untersucht hatte und überzeugt war, dass es wahr ist, sagte ich: „Ich bin dabei; ich muss es annehmen, ich kann die Grundsätze der ewigen Wahrheit nicht ablehnen.“ Ich will darüber hinaus noch sagen: Ich wüsste nicht, dass ich jemals, wenn mir jemand eine Wahrheit vorlegte, die ich nicht widerlegen konnte, nicht bereit gewesen wäre, sie anzunehmen, und das gilt auch heute noch.

Wenn jemand in der religiösen Welt oder der politischen Welt oder der wissenschaftlichen Welt mir ein wahres Prinzip präsentiert, bin ich bereit, es anzunehmen, wo es auch herkommt. Also, sagt einer, du glaubst an die Bibel? Ja. Du glaubst an das Buch Mormon? Ja. Du glaubst an das Buch Lehre und Bündnisse? Ja. Ich glaube alles, was Gott je geschrieben oder gesprochen hat, alles, was verzeichnet ist, und ich bin bereit, alles zu glauben, was er den Menschen noch mitteilt. Wir sagen doch, dass wir an alle Wahrheit glauben und uns von aller Wahrheit leiten lassen.11

Als ich in diese Kirche kam, habe ich schon damit gerechnet, dass ich verfolgt und geächtet würde. Ich habe damit gerechnet, dass die Mitglieder verfolgt werden. Aber ich glaubte doch daran, dass Gott gesprochen hatte, dass die ewigen Prinzipien der Wahrheit offenbart worden waren und dass Gott ein Werk zu verrichten hatte, das den Vorstellungen und Meinungen der Menschen widersprach; ich dachte, es würde mich irgendwann das Leben kosten. … Wenn sie Jesus damals umgebracht haben, würde dann heute nicht das gleiche Gefühl und der gleiche Einfluss das gleiche bewirken? Ich hatte mir gut überlegt, worauf ich mich einließ, als ich begann, und ich war bereit.12

Der Herr kann sich auf einfache Weise seines Volkes annehmen und es befreien, aber es muss vorbehaltlos an ihn glauben und ihm vertrauen; wenn sie sich in Schwierigkeiten befinden, dürfen sie keine Angst davor haben, um der Wahrheit willen Opfer zu bringen, und es wird mit uns alles wohl sein, ob im Leben oder im Tod, in der Zeit oder in der Ewigkeit.13

Wir dürfen nicht aufhören, nach Wahrheit zu suchen und Wahrheit anzunehmen.

Wir sind auf Wahrheit aus. Wir haben begonnen, danach zu suchen, und wir suchen ständig weiter, und so schnell, wie wir einen wahren Grundsatz finden, der von einem Menschen, von Gott oder von heiligen Engeln offenbart worden ist, nehmen wir ihn an und machen ihn zu einem Teil unseres Glaubensbekenntnisses.14

Jemand, der nach der Wahrheit sucht, hat kein bestimmtes System zu unterstützen, kein besonderes Dogma zu verteidigen und keine Theorie aufrechtzuerhalten. Er nimmt alle Wahrheit an, und diese Wahrheit leuchtet wie die Sonne am Firmament und breitet ihre Strahlen über die gesamte Schöpfung aus. Wenn die Menschen sich von Vorurteilen befreien und gebeterfüllt und gewissenhaft nach der Wahrheit suchen, werden sie sie finden, womit sie sich auch befassen.15

Ein wichtiger Grund dafür, dass die Menschen auf der Suche nach philosophischer Wahrheit so häufig stolpern, ist der, dass sie mit ihrer eigenen Weisheit danach suchen und sich ihrer Intelligenz rühmen und nicht bei Gott nach der Weisheit gesucht haben, die das Universum erfüllt und regiert und alles lenkt. Das ist ein großes Problem der Philosophen in der heutigen Welt, nämlich dass der Mensch behauptet, er selbst habe alles, was er entdeckt, erfunden. Jedes neue Gesetz und Prinzip, das er zufällig entdeckt, beansprucht er für sich, statt Gott die Ehre zu geben.16

Es gibt für mich nichts Wertvolleres als die Prinzipien ewiger Wahrheit, als die Prinzipien des ewigen Lebens, der ewigen Errettung und der ewigen Erhöhungen im Reich Gottes. Aber dann liegt es auch an uns, ob wir sie begreifen, denn wenn wir sie nicht begreifen, können sie uns nichts nützen, so erhaben die Wahrheiten auch sein mögen.17

Wir sind offen für die Annahme aller Wahrheit, wie sie auch beschaffen sein mag, und wünschen uns, sie zu erlangen und zu besitzen; wir suchen danach wie nach verborgenen Schätzen und nutzen alle Erkenntnis, die Gott uns schenkt, um uns alle Intelligenz anzueignen, die er anderen geschenkt hat; wir bitten ihn, uns seinen Willen bezüglich dessen zu offenbaren, was dem Glück und Wohlergehen der Menschheit am ehesten förderlich ist.

Wenn es irgendwelche guten Grundsätze, irgendeine Moralphilo- sophie gibt, die wir noch nicht haben, wollen wir sie gern kennen lernen. Wenn es in der wissenschaftlichen Welt etwas gibt, was wir noch nicht verstanden haben, wollen wir damit Bekanntschaft schließen. Wenn es einen Bereich der Philosophie gibt, der dem Wohlergehen der Menschheit förderlich ist, den wir uns noch nicht angeeignet haben, dann wollen wir ihn besitzen. Wenn es etwas gibt, was mit der Regierung eines Volkes zu tun hat oder mit Politik, wenn man so will, was wir noch nicht kennen, dann wollen wir es besitzen. Wenn es irgendwelche religiösen Ideen, irgendwelche theologischen Wahrheiten, irgendwelche Prinzipien in Bezug auf Gott gibt, die wir noch nicht gelernt haben, so bitten wir die Menschen und beten zu Gott, unserem himmlischen Vater, uns den Sinn zu erleuchten, damit wir sie begreifen und annehmen und im Rahmen unseres Glaubens danach leben können. Unsere Gedanken erstrecken sich also so weit wie die Welt, sie umfassen alles, was sich auf Licht, Leben oder Existenz im Zusammenhang mit dieser Welt oder der künftigen Welt bezieht. … Sie streben nach der Intelligenz der Götter, die in den ewigen Welten wohnen. Sie greifen nach allem, was gut und edel und herausragend ist, was glücklich macht und dem Wohlergehen der Menschheit förderlich ist.

Es gibt keinen Menschen, auch keine Gruppe von Menschen, die uns den Weg für unsere Reise gewiesen haben, was diese Dinge betrifft. Es gibt keine Dogmen und keine Theorien in der Welt, die wir anhören wollen, wenn sie sich nicht anhand der Prinzipien der ewigen Wahrheit bestätigen lassen. Wir durchleuchten und untersuchen sehr sorgfältig und kritisch alles, was sich unserem Blick präsentiert, und soweit wir eine Wahrheit begreifen, nehmen wir sie frohen Herzens als Teil des Systems an, zu dem wir gehören.18

Wenn es im Himmel, auf der Erde oder in der Hölle eine Wahrheit gibt, so möchte ich sie annehmen; mir ist es nicht wichtig, in welcher Gestalt sie daher kommt, wer sie bringt oder wer daran glaubt, ob sie populär oder unpopulär ist, ich möchte mich mit Wahrheit, ewiger Wahrheit, umgeben und mich daran erfreuen.19

Anregungen für Studium und Diskussion

  1. Welche Quellen ewiger Wahrheit haben wir? Wie können Sie solche Quellen besser nutzen?

  2. Wie führt das Evangelium uns von Wahrheit zu Wahrheit? Welche Veränderungen haben Sie schon an sich festgestellt, wenn Sie neue Wahrheiten gefunden und angenommen haben?

  3. Welche Opfer haben Sie oder andere, die Sie kennen, schon um der Wahrheit willen gebracht? Welche Segnungen haben Sie dafür erhalten?

  4. Viele aus Gottes Volk sind schon um der Wahrheit willen gestorben. Wie können wir mit der gleichen Hingabe für die Wahrheit leben?

  5. Warum widersetzt sich die Welt im Allgemeinen wohl so häufig der ewigen Wahrheit? Was können wir tun, um Kindern zu helfen, ewige Wahrheit zu erkennen und sie anzunehmen? Was können wir als Familie tun, um uns der Wahrheit noch mehr zu verpflichten?

  6. Warum ist es wichtig, dass wir unsere Einsicht in die Wahrheit beständig vertiefen? Wie können wir Präsident Taylors Rat, beständig nach Wahrheit zu suchen, befolgen? Wie können wir Wahrheit und Irrtum auseinander halten?

  7. Welche Evangeliumswahrheiten finden Sie besonders inspirie- rend und aufbauend? Wie können Sie als Mitglied der Kirche anderen helfen, die Wahrheit zu verstehen und sie anzunehmen?

Einschlägige Schriftstellen: Philipper 4:8; 1 Thessalonicher 5:21; Alma 32:28,29; Moroni 10:4,5; LuB 45:57; 93:24; 13. Glaubensartikel

Quellenangaben anzeigen

    Fußnoten

  1.   1.

    The Gospel Kingdom, Hg. G. Homer Durham (1943), 48.

  2.   2.

    B. H. Roberts, The Life of John Taylor (1963), IV.

  3.   3.

    The Life of John Taylor, 37f.

  4.   4.

    The Life of John Taylor, 20.

  5.   5.

    The Gospel Kingdom, 1–3.

  6.   6.

    K. Groves, Three Nights’ Public Discussion between the Revds. C. W. Cleeve, James Robertson, and Philip Later, and Elder John Taylor, of the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints (1850), 28.

  7.   7.

    Deseret News: Semi-Weekly, 16. Mai 1866, 2.

  8.   8.

    The Gospel Kingdom, 93.

  9.   9.

    Deseret News: Semi-Weekly, 10. Juni 1884, 1.

  10.   10.

    K. Groves, Three Nights’ Public Discussion, 6f.

  11.   11.

    The Gospel Kingdom, 369; Absatzeinteilung geändert.

  12.   12.

    The Gospel Kingdom, 369f.

  13.   13.

    The Gospel Kingdom, 355.

  14.   14.

    The Gospel Kingdom, 47.

  15.   15.

    The Gospel Kingdom, 94.

  16.   16.

    The Gospel Kingdom, 47.

  17.   17.

    The Gospel Kingdom, 48.

  18.   18.

    The Gospel Kingdom, 48f.; Absatzeinteilung geändert.

  19.   19.

    Deseret News (Weekly), 26. Januar 1854, 2.